Unterfluren

Das Haus von Leonardo dem Mechanicus.

Ein kleiner Raum mit einem kleinen Fenster. Und viel zu viele Personen darin. Wohl ein Dutzend Männer und Frauen sitzen oder stehen hier. Sie alle wurden von einem Zwerg hier hereingeführt. "Der Meister ist gleich für Euch da." Das mag jetzt schon ein Stundenglas oder mehr her sein.

Die Luft ist stickig und dank einer angezündeten Pfeife auch dem Nebel draußen sehr ähnlich.

Unter den Anwesenden ist auch ein an seiner Kleidung deutlich als Novadi erkennbarer Mann, der noch nicht ganz die 30 erreicht haben mag. Die träge verstreichende Zeit nutzt er aus, um mit geübtem Blick die Umstehenden zu mustern und sie in Gespräche über den Verkauf eines oder gar mehrerer Pferde zu verwickeln.

Pferde scheinen in dieser Gesellschaft uninteressant zu sein. Oder wie es einer der Anwesenden drastisch sagt: "Warum soll ich mein Essen auch noch füttern." Wer hier wartet, scheint nicht unbedingt auf der Sonnenseite des Lebens zu stehen.

Jetzt fängt wohl die Audienz bei Leonardo an. Der Zwerg holt einen nach anderen der Anwesenden ab. Kurze Zeit später kommen sie mit einem Grinsen oder verkniffenem Gesichtsausdruck wieder heraus.

Nun wird Mustafa aufgerufen.

Da er mittlerweile weiß, dass hier in der Gegend weniger Wert auf ausschweifende Begrüßungsrituale gelegt wird und die Zahl der Wartenden einen nur kurzen Augenblick gestatten wird, legt Mustafa sofort los: "Ich grüße Euch, mögen die Götter, die Ihr anbetet, über Euch wachen. Als weithin bekannter Meister Eurer Kunst bin ich froh, empfangen zu werden und so erkennen kann, dass Ihr ohne Zweifel auf der Suche nach den prächtigsten Pferden seid, die es für Geld zu kaufen gibt. Weshalb sonst wolltet Ihr mich sehen?!"

Sein Gegenüber ist lang und dürr. Auffälliges Merkmal ist ein grauer, wirrer Bart der das halbe Gesicht verdeckt. Darüber blicken den Novadi zwei grüne Augen fragend an. Und eine Hand fährt über den haarlosen Schädel. Eine Geste des Unverständnisses und des aufkommenden Ärgers.

"Was soll das, Rammböck? Was will der Kerl. Ich brauche Wachleute, keine Pferde. Und meine Zeit ist kostbar. Gerade jetzt wo ich so viel zu tun habe."

Der angesprochene Zwerg ist ob der Eröffnung Mustafas perplex. Es dauert einige Momente bis er sich wieder gefangen hat. "Entschuldigt bitte mein Herr. Aber wir brauchen hier keine Pferde. Weder Meister Leonardo noch ich reiten. Und Arbeitspferde brauchen wir auch nicht. Dafür haben wir unsere Maschinen. Wir dachten ihr seid hier wegen des Aushangs. Wir suchen fähige Wachleute für die nächsten Tage. Ihr seht aus als wenn Ihr Euch wehren könnt. Habt Ihr Interesse?"

"Selbstverständlich weiß ich mich zu verteidigen." erwidert er würdevoll, während seine linke Hand über den Knauf seines an der Seite hängenden Khunchomer streicht. "Also keine Pferde?" fragt er nach und setzt sofort nach: "Aber wenn Ihr gut bezahlt, bin ich sicher, auch alle anderen Anforderungen erfüllen zu können." Offenbar scheint Mustafa der prall gefüllte Beutel wichtiger zu sein, als die Tatsache, wodurch er gefüllt wird.

"Nun gut. Wir bieten 1 Taler pro Tag für die Dauer des Wachdienstes. Das werden vermutlich 10 Tage sein. Wir planen eine Doppelschicht. Die Nachtschicht bekommt sogar 1 S 5 H pro Nacht. Wer keinen Dienst hat, verlässt das Gelände. Verpflegung wird für die jeweilige Schicht gestellt. Sollte Meister Leonardo in der gesamten Zeit unbehelligt arbeiten können, erhöht sich Euer Lohn um 15 Taler. Was meint Ihr?" erläutert der Zwerg.

Leonardo greift sich unterdessen eine Wachstafel und beginnt mit Kreide zu schreiben.

"Wenn das so ist, bin ich Euer Mann!"

"Hervorragend. Dann brauche ich noch Euren Namen und Ihr meldet Euch bitte morgen Abend hier bei mir. Dann lernt Ihr den Rest der Gruppe kennen und erfahrt alles weitere." Rammböck greift ebenfalls zu einer Tafel und blickt Mustafa fragend an.

Fast meint sein Gegenüber, Mustafa zuvor noch einmal tief Luft holen zu sehen, ehe er beginnt: "Ich bin Mustafa Ali ben Rashid al Saiman."

"Mustafa Abu wie? Könnt Ihr Menschen keine vernünftigen Namen wir Rambolosch, Sohn des Rorgrax haben?" ereifert sich der Zwerg. "ich vermerke hier mal Mustafa 1. Falls noch ein zweiter angeworben wird."

Die Zunge leicht aus dem Mund hängend zeichnet der Zwerg eckige Zeichen auf die Tafel.

"Ach, gib her!" der Novadi versucht, dem Zwerg die Tafel aus der Hand zu nehmen und in Kusliker Zeichen seinen Namen aufzuschreiben.

Wortlos reicht der Zwerg ihm die Tafel.

Und Mustafa schreibt.

Nachdem er geendet hat, reißt der Zwerg ihm die Tafel aus der Hand. Mit einem "Angrosch zum Gruß" wird er für heute entlassen.

Seufzend verabschiedet Mustafa sich und wird sich zur geforderten Zeit wieder einfinden.

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So ziemlich außer Atem kommt ein junger Bursche herein und fragt mit einem spitzen Akzent: "Pin ich zu spät?", dabei betont er das P merkwürdig. Auch sonst fällt er durch seine schulterlangen, schlohweißen Haare und seine Seidenkleider ziemlich auf. Sein Gesicht ist schön geschnitten und im rechten Ohr trägt er einen silbernen Ohrring.

In der linken, feingliedrigen Hand trägt er einen schlanken aber massiven Stab, der etwa so lang ist wie er selbst.

Seine grünen Augen, die größer als normal scheinen (beim genaueren Hinschauen erkennt man, dass sie geschminkt sind um größer zu scheinen) schauen aufgeweckt in die Runde.

Einige der Gestalten in dem kleinen Raum blicken erst gar nicht auf als sie die Frage hören. "Wir warten auch noch. Und bis jetzt werden immer noch welche reingerufen. Ein Zwerg kommt alle paar Minuten rein und enttäuschte Bewerber wieder raus." ist die Antwort. Während seiner Wartezeit wiederholt sich das Prozedere. Der Zwerg holt einen Kandidaten nach dem anderen herein. Es dauert einige Minuten und Zwerg und Arbeitssuchender kommen wieder raus. Beide meist mit enttäuschtem Gesicht. Nach Talfan kommen keine weiteren Interessenten mehr. Und so bessert sich die Laune des Zwergs nicht wirklich als er Talfan hereinruft.

"Dann warte ich.", ist seine kurze Antwort.

Talfans Augen wandern über die Gesichter der anwesenden und verharren bei dem ein oder anderen kurz.

Eine feine Gesellschaft, die sich hier ein Zubrot verdienen möchte. Häufig sieht Talfan verkniffene, finstere Gesichter oder auch mal eine Narbe vom Messerkampf.

Auch dieses Mal sind Meister Leonardo und Rammböck anwesend.

"Ihr interessiert Euch für die Arbeit als Wächter?" fragt der Zwerg.

"Ehm, jah. Ich dhenke, ihr könnt mich sicher geprauchen und ich ein pischen Geld. So sollte es für unser beiderlei Geschick kein Schaden sein." Dabei blinzelt er Leonardo mit wachen und frohen Augen an.

"Vvielleicht kann ich auch noch von anderem Nutzen für Euch sein.", ergänzt er kurz. "Ich habe viel Talente."

"Nun denn das mag so sein. Ihr könnt Euch Eurer Haut wehren?" fragt Rammböck.

Geschmeidig geht er in Kampfhaltung und fragt zurück: "Wollt' ihr es ausprobieren?", dabei funkeln seine Augen herausfordernd mit jugendlicher Leidenschaft.

"Nein. Rammböck, ich muss zurück zu meinem Projekt." mischt sich Leonardo sichtlich genervt ein. "Wenn der junge Mann meint er kann es, dann soll er es ausprobieren. Er wirkt zumindest so, als ob wir ihm unser Vertrauen schenken können." Damit erhebt sich der Mechanicus und verlässt den Raum. Dabei murmelt er vor sich hin und schreibt auf seine Schiefertafel. "… muss den Winkel anpassen. Und der Hebel muss … hmm, … könnte so gehen …"

Genauso gewandt verneigt er sich vor dem Meister. Dabei versucht er, einen Blick auf die Schiefertafel zu erheischen.

Er lässt Talfan und Rammböck alleine. Der Zwerg scheint solches Vorgehen gewohnt zu sein und erklärt geschäftsmännisch: "Wir bieten 1 Taler pro Tag für die Dauer des Wachdienstes. Das werden vermutlich 10 Tage sein. Wir planen eine Doppelschicht. Die Nachtschicht bekommt sogar 1 S 5 H pro Nacht. Wer keinen Dienst hat verlässt das Gelände. Verpflegung wird für die jeweilige Schicht gestellt. Sollte Meister Leonardo in der gesamten Zeit unbehelligt arbeiten können erhöht sich Euer Lohn um 15 Taler. Was meint Ihr?" erläutert der Zwerg. Er rattert die Zahlen schnell und mit Desinteresse herunter als hätte er sie heute schon viele Male aufgesagt. "Ach ja, der Dienst wäre in der Nachtschicht. Nur dort ist noch ein Platz frei."

Mit Erschöpfung im Blick wartet er auf Talfans Antwort.

"Das passt mir gut. Die Nacht ist ja nicht zum Schlafen da."

"Gut." Rammböck nickt kurz. "Dann seid morgen abend eine Stunde vor Sonnenuntergang wieder hier." Man merkt ihm an, dass er froh ist endlich wieder Ruhe zu haben.

"Ich werde ta sein."