Pünktlich eine Stunde vor Sonnenuntergang finden sich 5 Gestalten vor dem großen Tor ein. Ein Zwerg öffnet die Tür und lässt sich von Morena, Dhanajida und Torkan ihren Namen nennen. Talfan und Mustafa werden so eingelassen.

Für die Neuankömmlinge stellt sich der Zwerg als Rambolosch, Sohn des Rorgrax, vor.

"Seid gegrüßt, Bruderschwestern!" grüßt Dhanajida freundlich und schaut sich die ihr noch unbekannten Wachen genauer an.

Auch Morena schließt sich dem Gruß der Maraskanerin mit einem freundlichen Lächeln an.

Morena ist eine junge blonde Frau, die ihre langen Haare in zwei dicken Zöpfen geflochten hat, die ihr ziemlich weit über die saubere Kleidung fällt. Sie trägt wieder etwas zivile Kleidung und nicht ihre Magierrobe. Sie mag ungefähr Mitte Zwanzig sein und trägt ein Seil (ihren Magierstab) um die Hüften geschlungen.

Talfan ist noch recht jung, man schätzt ihn auf um die 20 Götterläufe. Er fällt einem jedoch schnell ins Auge, da seine schulterlangen Haare schlohweiß sind. Aus seinem schmalen, schönen Gesicht blickt er mit seinen grünen, großen Augen fröhlich in die Welt. Er beobachtet die anderen mit wachen, neugierigen Augen. Von der Hautfarbe her erkennt man ihn als aus dem Süden kommend.

Gekleidet ist er im Moment in eine Lederhose und ein Leinenhemd und trägt darüber einen Kapuzenumhang. Die Kapuze hat er im Moment jedoch nicht aufgesetzt, so dass man an seinem rechten Ohr einen silbernen Ohrring sieht. Weiterhin trägt er einen langen, stabilen Holzstab bei sich und an seinem Gürtel kann man eine Gürteltasche sehen. An seinen Füßen trägt er schöne Lederstiefel.

Wenn man ihn sich genauer ansieht, stellt man fest, dass seine Augen geschminkt sind, so dass diese größer erscheinen. Auch sonst scheint er sehr auf sein Äußeres zu achten.

Vorstellen tut er sich mit "Hallo, ich heiße Talfan" und winkt den anderen dabei zu. Dabei rollt er das "ll" von "Hallo" etwas und betont das "f" in seinem Namen etwas komisch. Seine Stimme ist durchaus angenehm.

"Preise die Schönheit, Talfan!" erwidert Dhanajida mit einem Lächeln. Sie ist eher groß gewachsen und hat eine recht auffällige Frisur: vier braune Zöpfe, die mit bunten Spangen auf dem Kopf festgesteckt sind. Bekleidet ist sie (derzeit) mit einem einfach geschnittenen Hemd und einer Leinenhose, bewaffnet ist sie anscheinend nur mit zwei Dolchen. "Du hast einen ungewöhnlichen Akzent. Wo kommst du her?"

Er winkt Dhanajida ein wenig übertrieben zu und antwortet: "Ich komme aus Coverna." Er hatte ganz kurz gezögert vor der Antwort; fast nicht feststellbar. "Woher kommt ihr? Seid Ihr auch aus den südlichen Ländern?"

Sofort wendet er sich dann an Mustafa: "Ihr seid aber schick angezogen. Habt ihr keine Angst, dass Eure Hosen Schaden nehmen?" Dann fügt er noch hinzu: "Ich glaube, wir sind uns gestern schon mal über die Ffüße gelaufen." An dem Thorwaler scheint er weniger Interesse zu haben, hat aber auch ihm freundlich zugenickt.

"Ich bin aus dem schönsten Land der Welt, aus Maraskan", erklärt Dhanajida. "Von Coverna habe ich noch nie gehört. Wo ist das?"

"Westlich der Khôm.", antwortet er.

"Westlich … ist da nicht Mengbilla?"

Mit einem gewinnenden Lächeln erwidert der Novadi: "Ja, ich erinnere mich gut daran, dass Ihr mir keines meiner hervorragenden Pferde abkaufen wolltet, Effendi. Und auch Eure Erscheinung ist - gelinde gesagt - wenig unauffällig."

Talfan erwidert das Lächeln, versteht die Anspielung auf die Unauffälligkeit wohl etwas falsch und erwidert: "Ja teswegen habe ich heute etwas robustere Kleidung an." Er fährt nach einem scheuen Blick fort: "Ich lasse mir gerne mal Eure Pferde zeigen. Nur kann ich mich nicht daran erinnern, dass Ihr mir gestern diesbezüglich ein Angebot gemacht habt."

Mustafa macht eine wegwerfende Handbewegung: "Das ist gar nicht weiter schlimm. Gerade ist mein 'Lagerbestand' auch nicht besonders üppig und ohne eine gehörige Anzahlung Eurerseits dürftet Ihr auch kaum Platz auf der Warteliste finden …" er grinst seinen Gegenüber "geschäftstüchtig" an.

'Na dass kann ja heiter werden,' denkt Torkan bei sich, 'ein novadischer Zossentrödler und ein geckischer Popanz von weiß Efferd wo. Was muss meiner Mutter Heldenspross denn noch ertragen!' "Pferdehandel läuft wohl nich so richtig - die Havenaraner essen lieber Fisch. Da ist das Wach- und Schließgeschäft deutlich einträglicher!" Spottet der Nordmann.

Torkan Hildason ist vom Erscheinungsbild für einen Thorwaler ein typischer Vertreter seines Volkes. Anfang 20 und mit 1,83 Schritt nicht übermäßig groß. Er ist blond,mit schulterlangem, gewellten Haar, trägt einen gestutzten und nicht übermäßig dichten Vollbart, Lederhose und Leinenhemd, unter dessen lose geschnürten Halsbereich ein Delfinamulett hervorlugt. An den Füßen trägt er einfache Lederstiefel. Zum Antritt seines Wachdienstes trägt er eine Krötenhaut und ist mit Schneidzahn und Entermesser bewaffnet. Er scheint einige der weiblichen Wachen zu kennen, während er die ihm unbekannten Wachleute reserviert oder gar argwöhnisch begutachtet. "Torkan bin ich. Torkan Hildason. Und man hat uns neben gutem Silber auch Verpflegung versprochen, das Wohl! Wo steht das Essen und was gibt es?" fragt er polternd.

Mit blitzenden schwarzen Augen mustert ein junger Mann mit offenkundig südländischer Abstammung die Übrigen, ehe er sich galant verbeugt: "Mustafa Ali ben Rashid al Saiman und ich grüße Euch im Namen des Großen und Einzigen, möge Rastullah den Weg vor Euren Füßen segnen."

Er trägt weite Pluderhosen, die in leichten Stiefeln stecken. Unter einem offenen Kapuzenmantel schaut ein wattierter Waffenrock hervor, an seiner Seite hängt ein Khunchomer. "Dann seid Ihr also die anderen, von denen ich bei der Anwerbung hörte."

Torkan raunt Dhanajida zu: "Ob dieser Mustaffa Ali Ben Krimpelkrampel sein krummes Schwert wohl auch bei unseren Waffenhändlern gekauft hat!?!"

"Glaub' ich nicht", flüstert sie zurück. Laut sagt sie: "Das sind wir wohl. Schön zu sehen, dass ein Novadi dabei ist. Ich kannte mal einen, er war ein guter Freund und ein starker Kämpfer. Er hieß Rashman al-Ahjan, richte ihm doch schöne Grüße aus, wenn du ihn mal siehst!"

"Oh, Tochter der Stadt, auch wenn wir Dank unserer Kleidung für viele Außenstehende wenig unterscheidbar sind und unsere Kurznamen für das ungeübte Ohr oft ähnlich klingen, ist unser Volk doch groß und stark und Zahl seiner Söhne in Rastullahs Gunst unüberschaubar. Ich kann daher Deinem Wunsch wohl kaum nachkommen." antwortet Mustafa leicht überschwänglich.

"Ist ja nur für den Fall, dass du ihn siehst", erklärt Dhanajida, die schon ein paar Mal erlebt hat, dass Garethjas (und offensichtlich auch Novadis) so unverständig auf die Bitte reagieren, Grüße zu überbringen. "Oder sonst gib die Grüße jemand anderem mit, irgendwie werden sie Rashman schon erreichen."

Der Novadi nickt zustimmend, ist sich aber sicher, dass auf diese Weise die Grüße sonst wen, mit Sicherheit aber nicht den gewünschten Empfänger erreichen werden.

Rambolosch stellt sich noch einmal kurz vor. Dann umschreibt er die zukünftige Aufgabe der Anwesenden. "Ihr befindet Euch hier im Anwesen von Leonardo. Von den meisten wird er der Mechanicus genannt. Ohne unbescheiden sein zu wollen ist mein Meister einer der größten Denker unserer Zeit. Und er ist extrem ungehalten wenn er bei seinen Gedankenspielen unterbrochen wird. Also haltet Euch vom Haus und der Halle fern. Eure Aufgabe in den nächsten 10 Nächten wird es sein rund um die beiden Gebäuden zu patrouillieren. Zu Beginn der Wache werde ich Euch mit Essen und Trinken versorgen.

Die Wache dauert bis zum Sonnenaufgang. Dann übernimmt die Tageswache. Ihr werdet einen kurzen Bericht abgeben und danach das Gelände bis zur Abendwache verlassen.

Ach ja, haltet Euch von den Zäunen fern. Meister Leonardo hat dort einige Erfindungen eingebaut um Fremde fern zu halten.

Habt Ihr noch weitere Fragen? Oder soll ich das Essen holen?"

"Was habt Ihr den im Angebot?" fragt Morena den Zwerg. "Gibt es eine Karte?"

"Witzig." Ramboloschs Tonfall widerlegt seine Aussage. "Wir haben Brot, Käse, Wurst, frisches Obst. Und Wasser und ein wenig Bier. Ach ja, keine anderen Alkoholika oder sonstige Medizin während der Arbeit." Er blickt dabei Torkan an.

Dhanajida seufzt innerlich. Brot, Käse, Wurst … immer dieses fade Essen hier in der Fremde.

"Oh!" Morena hatte ihre Frage etwas gedankenverloren gestellt - aber durchaus ernst gemeint.

"Da Ihr das so betont: Ist nur das Obst frisch?!" erwidert Mustafa mit fragendem Blick.

"Nein, das Wasser auch." ist die ruhige Antwort.

Torkan begegnet dem Blick des Zwerges ruhig. "Es ist schon traurig, was aus einem der Söhne Ingerimms werden kann, wenn sie zu lange aus ihren Stollen weg sind!" bedauert der Thorwaler. "Sie werden unleidlich, wissen einen guten Tropfen nicht mehr zu schätzen und stutzen sich am Ende gar noch den Bart! Ihr solltet auf Euch acht geben, Herr Zwerg! Das wohl!"

"Kein Angst Nordmann. Ihr müsst nüchtern sein und wachen. Ich nicht. Und ich habe noch ein paar kühle Pilzbiere für mich reserviert." offen grinst Rambolosch dabei.

Bei Pilzbier horcht Talfan auf, diese Kombination kennt er noch nicht. "Was macht ihr da für Pilze rein?"

"Ne, ne, wir vergehren Pilzsaft in den Pilzen. In sogenannten Bovisten. Und der vergorene Saft wird dann mit Strohhalmen ausgesaugt. Mmmh…" unwillkürlich reibt sich der Angroschim den Bauch.

"Oh, ich dachte an Fliegenpilze oder was ihr bei Euch so nehmt.", meint Talfan etwas enttäuscht. "Aber das könnte man auch mal probieren."

"Ach ja, hier hab ich noch was." Er legt eine einfache Karte auf den Tisch. "Vielleicht hilft sie Euch ja." Er überlegt kurz. "Und wie gesagt. Nur außerhalb der Gebäude. Habt Ihr noch Fragen?"

Das Anwesen Leonardos

Der Novadi wirft einen raschen Blick auf die Karte und gleicht dann das Gelände sorgfältig mit der schematischen Zeichnung ab. "Hmm." macht er dann. "Sieht so aus, als müssten wir uns in mindestens 3 Gruppen aufteilen. Hier und hier." Dabei zeigt er auf die Karte (O/15 und D/21). "Und die dritte Gruppe sollte Runden über das Grundstück drehen."

"Dabei aber bitte den Zäunen nicht zu nahe kommen." wiederholt der Zwerg seinen Hinweis von eben.

"Von außen oder von innen?" stellt Mustafa eine Gegenfrage. "Und was heißt 'Nicht zu nah' genau? Ein Halbschritt, zwei Schritte oder was?"

"Von innen. Und 3 Schritte sollten es schon sein." ist Ramboloschs Antwort.

"Warum nicht?" will nun Morena wissen. "Wenn Ihr Fallen oder so etwas aufgebaut habt, dann wäre ich froh davon genaueres zu wissen!"

"Was genau erwartet Ihr - oder besser fürchtet Ihr?" will Torkan wissen. "Ihr habt einen Wachtrupp angeheuert, der ein ganzes Stadtviertel bewachen könnte. Wenn Ihr Euren Fallen trauen würdet, brauchtet Ihr weniger Leute. Eure Gebäude sind anscheinend auch gesichert! Entweder Ihr rechnet mit einem Frontalangriff einer ganzen Schlägertruppe - nun, damit würden wir fertig - oder mit magischen Angriffen, oder einem Mondschatten. Dann sollten wir entsprechend gewarnt werden, um wenigstens eine Chance zu haben!"

"Der Meister arbeitet an einer unglaublichen Erfindung. Da ist jede Schutzmaßnahme wichtig. Denn Protasius, ein Rivale Leonardos, will ihm den Ruhm nicht gönnen. Er hat zwar nicht das Genie des Meisters, aber dafür kennt er viele gefährliche Personen. Und er hat keine Skrupel. Daher hat der Meister im Garten einige Armbrüste verstecken lassen, die bei Berührung von Alarmschnüren abgefeuert werden. Leider konnten die einen Einbruch und eine Brandstiftung nicht verhindern. Und ich habe derzeit keine Ruhe um die Mechanismen zu entschärfen." gibt Rambolosch kleinlaut zu. "Für Euch bedeutet das, dass nur die festen Wege zwischen Haus, Halle sicher sind. Es gibt hinter dem Haus noch einen Weg an den Zaun, der ist aber nicht markiert."

Ungläubig sieht Dhanajida ihn an. Nur die festen Wege sollen sie benutzen können? Wie sollen sie denn da jemanden effektiv aufhalten? "Könnt Ihr uns nicht zeigen, wo die Fallen sind?" fragt sie. "So können wir doch nicht einmal um das Haus herum, ohne vielleicht von einem Bolzen erschossen zu werden."

Rambolosch seufzt und zeichnet mit raschen Strichen einige Linien. "Das sind Eure Grenzen."

"Nicht gerade üppppig", ist Talfans Antwort, nachdem er sich die Karte gut eingeprägt hat. "Was, wenn es jemand schafft, sich auf den anderen Flecken zu bewegen? Dann kommen wir nicht an ihn dran?"

"Nein, warum auch? Entweder er muss weiter durch die Fallen zu Euch kommen oder er flieht wieder. In beiden Fällen habt Ihr die Situation unter Kontrolle."

"Naja, wen der Pursche die Fallen irgendwie überwinden kann und er flieht, dann hätten wir keine Changen." Talfan ist sichtlich nicht überzeugt.

Torkan nickt dazu nachdenklich. "Die Fallen konnten Sabotage-Akte bisher nicht verhindern. Deshalb sind wir ja hier. Das bedeutet aber, dass der Schurke entweder offen Zugang zum Gelände hat, oder die Fallen kennt und umgehen kann. In beiden Fällen hätten wir daher ein Problem. Wer arbeitet eigentlich außer Euch - und uns - noch auf dem Gelände?" fragt er den Zwerg.

"Hier sind ständig nur Meister Leonardo und ich. Hin und wieder ein Handwerker oder ein Laufbursche mit Kleinteilen. Sonst bisher niemand." antwortet Rambolosch.

"Nun, einige von uns können auch aus der Ferne kämpfen!" Torkan tätschelt seinen Schneidzahn. "Gegen die Einschränkungen auf dem Gelände müssen wir aber was tun! Niemand stoppt bei einer Verfolgung an einer unmarkierten Linie! Und Fallen, die den Wachen nicht bekannt sind, sind einfach schwachsinnig, bei Swafnir! Wachleute sollten Heimvorteil haben! Wir werden uns morgen darum kümmern! Das wohl!" Beschließt der Nordmann.

"Gut gesprochen!" lobt Mustafa. "Denn wenn die Fallen wirklich so gut wären, bräuchte man keine Wachen." stellt der Novadi noch fest. "Außerdem müssten ein paar Dutzend davon versteckt sein - pro Seite - um überhaupt bei ungezielten Schüssen wirksam gegen Eindringlinge sein zu können. Andererseits …" er überlegt. "Wie wäre es, wenn wir eine Armbrust schlecht verstecken, so dass sie gut sichtbar für alle Neugierigen ist. Das wäre doch auch eine Warnung und hält vielleicht schon den einen oder anderen ab."

"Gute Idee!" findet Dhanajida. "Oder einer glaubt, die Gefahr so zu kennen und läuft erst recht in die richtige Falle."

"Pah!" ist Torkan von dem Vorschlag wenig begeistert. "Wenn hier einer eindringt, während ich Wache halte, dann will ich ihn auch ordentlich durchwalken. Wenn er sich durch offensichtliche Fallen vom Eindringen abhalten lässt, dann lässt sich so ein Schlaukopf sicher was heimtückischeres einfallen, um sein Ziel zu erreichen. Und wenn er sich durch eine Attrappe in eine echte Falle locken lässt, dann..., dann... ach das macht doch keinen Spaß!" Der Thorwaler ist verstimmt.

'Als ob es Spaß machen würde, mit irgendeinem Saboteur zu kämpfen', denkt sich Dhanajida. 'Thorwaler!'

"Ah ja, der nordmännische Spaß." seufzt Mustafa, scheinbar wie zu sich selbst. "Ausnahmsweise ist bei dieser Aufgabe wohl kaum der Weg das Ziel, sondern das Ergebnis entscheidend."

"Völlig falsch, mein südländischer Freund!", belehrt in der Nordmann. "Wenn Wachleute keine Eindringlinge fangen, dann weiß niemand, ob ihnen die Burschen schlicht entwischt sind, oder gar ob sie sie nicht mal bemerkt haben! Nicht einmal, ob es überhaupt nötig war, Wachen zu beauftragen! Wenn man allerdings Schurkenbrut stellt und ordentlich aufmischt, dann sieht der Arbeitgeber, was man Wert ist und bei dem Gesocks spricht sich ebenfalls herum, dass man um dieses Gelände besser einen großen Bogen macht!" Torkan grinst den Südländer an: "Und damit wird der Weg wieder das Ziel!"

"Hmm." macht Dhanajida. Sie fragt sich, ob man vielleicht ein paar falsche Angreifer anheuern könnte. Dann ein bisschen Schaukampf, und es gibt einen Bonus, und die echten Angreifer sind im besten Fall auch noch abgeschreckt … allerdings müssten dafür diese Armbrust-Fallen weg.

"Genau so hab' ich mir das gedacht!" feixt Mustafa. "Ist es nicht viel besser, weder zu kämpfen, noch irgend etwas tun zu müssen, und trotzdem den Auftraggeber davon zu überzeugen, wie gut und einzigartig die eigenen Dienste gewesen sind? Mehr Geld für weniger Arbeit - das muss sogar, äh, das muss doch jedem einleuchten!" korrigiert der Novadi sich schnell.

Dhanajida nickt grinsend. Dieser Novadi hat Ideen nach ihrem Geschmack.

Torkan schüttelt den Kopf. Er ist sich sicher, dass der Südländer ihn nicht verstanden hat. Er hatte davon gesprochen, sich einen guten Ruf zu verschaffen - durch schnappen und vermöbeln von Eindringlingen - und der Novadi spricht von vortäuschen und abkassieren! "Falls ich mal ein Pferd kaufen sollte," bemerkt er wenig diplomatisch, "erinnert mich daran, es nicht bei einem Novadi zu versuchen!"

"Ich bedaure, aber diesen Gefallen würde ich niemandem tun." erwidert er mit einem leichten Lächeln auf den Lippen. 'Immer diese sinnlose Gewalt, wo es doch auch ganz anders ginge.' denkt Mustafa bei sich.

"Danke!" freut sich Dhanajida. "Das hilft viel."

Der Novadi überlegt. "Wenn der Gegner des Meisters eine so hochgestellte Persönlichkeit oder zumindest kein Unbekannter in der Stadt ist, könnte es Schwierigkeiten geben, auch ohne dass hier ein grober Überfall stattfindet. Ich denke, dass wir eher mit einer Infiltration zu rechnen haben. Ist denn ausgeschlossen, dass eine der Wachen für diesen Protestius arbeitet?" wendet Mustafa sich noch einmal an den Zwerg.

"Ja, Ihr zum Beispiel!" antwortet Morena schnippisch.

"Protasius. Nun, Ihr und der fesche Herr seid in dieser Schicht die einzigen Verdächtigen." er deutet dabei auf Talfan. "Für die andern 3 bürgt eine hochgestellte Persönlichkeit.

Für die Tagesschicht mag das anders aussehen."

Zufrieden nickt Morena.

"Nun, wenn ich dieser Protasius wäre, und meine Leute bei meinem Rivalen einschleusen wollte, dann würde ich nicht unbedingt auf solche … hmmm, tja - sagen wir … Exoten - zurückgreifen. Das heißt nicht, Freunde, dass ich Euch blind Vertrauen würde, das wohl - nicht. Aber wenn wir nur uns gegenseitig beargwöhnen täten, wären wir vermutlich zu abgelenkt, um einen Angriff von anderer Seite rechtzeitig zu bemerken. Also lasst unsere Bekanntschaft mit der gebotenen Vorsicht, aber unvoreingenommen beginnen." gibt Torkan zu Bedenken.

"Oh Rastullah, preiset diesen weisen Mann!" ruft Mustafa laut aus und reckt die Hände gen Himmel. "Wahr und gut gesprochen, Nordmann. Auch wenn eher ihr für mich die Exoten seit." fügt er mit einem Lachen hinzu. "Und Ihr umso mehr!" fügt er an den Zwerg gewandt hinzu. "Nichts für ungut, kleiner Mann. Ich werde es einfach als unvollkommene Übersetzung betrachten, möge Rastullah mir vergeben."

Es wird deutlich, dass der Novadi zwar ein schnell aufbrausendes Gemüt, jedenfalls soweit es seine Ehre betrifft, zu haben scheint, aber auch schnell wieder vergeben und vergessen kann. "Also schön, lasst uns diesen Protestus davon abhalten, das zu tun, was immer er im Schilde führt."

Rammböck nickt unwillkürlich anerkennend.

"Du, Du …" dabei zeigt sein Zeigefinger anklagend auf den Zwerg, "wagst es, MICH zu verdächtigen?!" Er sieht aus, als wolle er unmittelbar seinen gefährlich aussehenden Khunchomer ziehen und zum Duell fordern, denn offenkundig ist mit dieser Unterstellung die Ehre Mustafas verletzt worden.

"Nein, ich antworte nur auf Deine allgemeine Verdächtigung." bleibt der Zwerg dabei ruhig. "Du fragst nach Verdächtigen, ich liefere die möglichen Kandidaten."

Torkan lauscht dem Wortwechsel amüsiert. Der Zwerg redet nicht um der heißen Brei herum, eine Sprache, die dem Thorwaler gefällt. Und diese Südländer sind immer so herrlich aufbrausend. Das ganze könnte doch lustiger werden, als er gedacht hat. Er hat nicht vor, sich einzumischen, es sei denn, es käme wirklich zum Kampf. In diesem Falle würde er notfalls seinem Auftraggeber beispringen.

Talfan muss lachen, "Na, dann werden wir uns gegenseitig im Auge pehalten", meint er nicht ganz ernst. Verletzt fühlt er sich nicht von der Verdächtigung.

"Nun gut, und das hier", er deutet auf das kleine Häuschen, "ist wohl der Abtritt?", fragt er nach einem weiteren Blick auf die Karte.

"Ja. Früher war davor noch ein Geräteschuppen. Aber irgendwann konnte man die Geräte nicht mehr gebrauchen …" Ein leichtes Schmunzeln gleitet über das Gesicht des Angroschim.

Talfan grinst zurück.

"Bestehen weitere Fragen?" fragt Rambolosch nach. "Andernfalls werde ich mich jetzt um mein Pilzbier kümmern. Morgen bei Sonnenaufgang ist Wachwechsel. Ich werde dann wieder da sein."

"Dann bring aber eine Probe von deinem Pilzbier mit!" fordert Torkan.

"Ja, aber nur zusammen mit dem Strohhalm." grinst der Zwerg. Dann blickt er nochmals fragend in die Runde.

Talfan scheint das Gespräch langweilig zu werden. "Ich tenke, wir sollten uns langsam um unsere Wache kümmern, sonst passiert noch auf der anderen Seite des Grundstückes noch was während wir hier debattieren."

"So, mein Pilzbier wartet. Die interne Aufteilung könnt ihr gerne unter Euch ausmachen." Rambolosch wendet sich zum Gehen und dreht sich dann nochmal um: "Einer der Männer der Tagesschicht meinte vorhin, er wäre den ganzen Tag über von einer Gestalt im Haus gegenüber beobachtet worden. Mehr vermochte er aber nicht zu erkennen. Und rübergehen wollte er auch nicht."

"Nun, dann machen wie uns mal so gut als möglich mit dem Gelände vertraut. Morena, Dhanajida, würdet ihr mit dem Herrn Mustafa rechts herum gehen? Talfan und ich gehen links herum. Wenn wir wieder hier ankommen, können wir uns ja über eine zeitliche Einteilung verständigen. Haltet dabei, nach diesem Beobachter Ausschau. Wenn wir den ausmachen können, können wir uns den vielleicht heute Nacht noch vornehmen. Was meint ihr?"

Morenas Stärken liegen nicht in der strategischen Planung, daher nickt sie zustimmend und wird sich dem Novadi anschließen.

"In Ordnung", stimmt Dhanajida zu.

Auch Talfans Stärken liegen nicht gerade in der strategischen Planung, der Beobachter weckte jedoch sein Interesse. "Hört sich nach nem Plan an.", meint er somit nur. Nach einem Moment fügt er jedoch hinzu: "Wir sollten aber nicht zu regelmäßig patrouillieren, vielleicht suchen die Schurken ja genau nach solchen Mustern. Aber ein Rundgang zum Start ist sicher nicht schlecht."

"Wieso erst heute Nacht?" Mustafa wirkt verunsichert. "Jetzt gleich wäre doch passender. Wer weiß, ob der Beobachter es so lange an seinem Platz aushält?"

"Ich meinte natürlich, während unserer Nachtwache, die ja schließlich jetzt gleich beginnt.", erklärt der Nordmann. "Und wenn jemand die Wachen beobachtet, welchen Sinn sollte das machen, nur die Tagwachen zu beobachten? Es sei denn, dass was man vorhat, will man am Tag ausführen. Für Attentäter ist das vernünftig. Saboteure und Spione schlagen eher Nachts zu, oder?"

"Kann sein, vielleicht. Sicher weiß ich das nicht, da mir insoweit die berufliche Erfahrung fehlt." erwidert der Händler in Anspielung auf die letzte Spitze gegen ihn.

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Langsam verschwindet die Praiosscheibe und das Madamal geht auf. In der aufkommenden Dunkelheit ist wenig zu sehen.

Torkan hält vor allen nach dem Beobachter Ausschau, aber grundsätzlich auch nach offensichtlich Merkwürdigem.

Mustafa nickt der Magierin ebenfalls zu. "Dann wollen wir mal." fordert er sie auf, ihn zu einem Rundgang, der eine Inaugenscheinnahme des Hauses gegenüber beinhalten soll, zu begleiten. "Zu zweit ist es sicher unauffälliger." konstatiert er. Entgegen aller Erfahrungen der Gefährten scheint der Novadi nicht die bei seinen Glaubensbrüdern sonst nicht unübliche Abscheu vor Zauberkundigen zu teilen.

Morena tappt im Halbdunkel hinter dem Novadi hinterher, sie ist mehr damit beschäftigt nicht zu stolpern als auf eventuelle Beobachter zu achten.

Dhanajida hält Ausschau nach Eindringlingen und nebenbei versucht sie, die Stolperdrähte der Armbrüste zu erkennen.

Talfan schaut sich nach allen Seiten um. Während er zwar immer wieder sich auch im Gelände umzusehen versucht, versucht er meistens jedoch, draußen was zu erkennen. Viel Erfolg hat er dabei jedoch nicht. Wenn jedoch irgendwo ein Licht in nem Fenster zu sehen sein sollte, würde ihm das sicherlich auffallen.

Es fällt ihm nichts auf. Nach der ersten Runde steht nun die Planung der Nachtwachen an.

Als die erste Runde beendet ist, fasst Torkan erstmal seine Erkenntnisse zusammen: "Also, wir haben zwei Gebäude, wenn wir den Abtritt mal als ungefährdet ansehen! Aufgrund persönlicher Erfahrungen der letzten Tage sollten wir auch den Brunnen im Auge behalten! Das nördliche Gebäude wird bewohnt und unsere möglichen Feinde werden sich wahrscheinlich auf die Werkstatt konzentrieren, wenn sie sabotieren oder spionieren wollen. Praktischer Weise sind Fenster und Tür in der Westwand. Wir sind zu fünft - und die Nachtwache! Geschlafen wird also am Tag. Habe ich etwas vergessen? Irgendwelche Anmerkungen oder Vorschläge?" Der Nordmann blickt in die Runde!

Morena schüttelt nur den Kopf. Ihr ist egal wann und wo sie wachen soll.

"Wie kommt Ihr auf den Brunnen", möchte Talfan wissen. Zu seinen Gedanken äußert er folgendes: "Ich denke, wir sollten unsere Rundgänge auf jeden Fall ohne ein erkennbares Muster machen. Die Werkstatt wird zwar sicher das Hauptziel sein, aber wenn wir das andere Gebäude vernachlässigen, erlauben wir uns hier eine unnötige Lücke. Können wir übrigens sicher sein, dass die Feinde nicht von oben kommen?"

"Wie, von oben?" fragt Dhanajida. "Ich glaube, wir sind genug, dass immer einer vor der Werkstatt und einer hinter ihr bleiben kann."

"Von oben?" Ist auch Torkan verwirrt. "Nur Dämonengezücht und Drachen könnten von oben angreifen, oder?" Der Thorwaler kann an solche Gefahren nicht wirklich glauben.

Talfan wird leicht rot, was man aber aufgrund der Dämmerung wohl nicht sehen kann. "Naja, ähäm, vielleicht schwingt sich jemand von den Nachbargebäuden rüber. Das machen doch Piraten immer so. Es soll aber auch, ähm, Leute geben, die sich anderen Kräften bedienen. Auch wenn das hier nicht gerne gesehen wird, so gibt es solche Leute durchaus."

Und wieder etwas gefasster fügt er hinzu: "Wir sollten so was zumindest in Betracht ziehen. Sonst könnte man uns so überraschen. Ich meine, wir sollten auch schauen, ob wir dort wen erreichen können."

"Was den Brunnen angeht: Gift könnte den Meister oder seine Gehilfen - und auch uns - außer Gefecht setzen, das wohl!" Den Vorschlag, unregelmäßig zu patrouillieren, findet er gut. "Ihr habt recht. Ebbe und Flut kann man ausrechnen und danach seinen Überfall planen. Diesen Luxus sollten wir niemandem gewähren. Wir sollten uns eine Parole ausdenken, um uns im Dunkeln zu erkennen, oder wollt ihr die ganze Nacht mit Fackeln rumlaufen? Dann können wir nämlich im Dunkel erst recht nix sehen und gute Zielscheiben sind wir dann auch!"

Der Novadi nickt zustimmend. "Unregelmäßigkeiten sind aber so eine Sache." kommentiert er. "Entweder man geht unbewusst zu oft an die selben Stellen und vernachlässigt andere, oder es schleicht sich doch ein Muster ein, auch wenn das auf den ersten Blick nicht offensichtlich sein mag."

"Das zu Erkennen bedingt aber einen Beobachter, der die ganzen Nacht an allen Stellen beobachtet ...", wendet Morena ein.

"Was ist mit dem am Fenster?" fragt der Novadi nach. "Wenn es einen gibt, kann es auch mehrere geben." da ist er sich sicher.

Morena zuckt mit den Schultern.

"Puh …" das ist Dhanajida zu viel Überlegung. Wache halten ist doch nichts, wofür man einen Gelehrten bräuchte.

"Das mit der Parole ist eine Gute Idee. Was schlagt ihr vor? Vielleicht können wir ja auch einen von uns absichtlich mit einer Fackel patrouillieren lassen. Die anderen laufen dann in der Dunkelheit über das Gelände."

"Ich glaub' nicht, dass das was hilft", meint Dhanajida. "Besser drei patrouillieren und zwei halten vorn und hinten Wache. Und wenn man sich abwechselt mit patrouillieren kommt da auch kein Muster rein. Parole, ja … was haltet ihr von 'preise die Schönheit'?"

"Wenn der Saboteur aus Maraskan kommt, dann hören wir es häufiger", lacht Morena.

"Dann sind wir eh auf der falschen Seite, Bruderschwester", lacht Dhanajida mit.

Auch Torkan ist ob dieser Parole belustigt. "Die Erwiderung auf diese Parole lautet natürlich: 'Das wohl!' " Er kann sich ein breites Grinsen nicht verkneifen.

"Ja, das ist gut", Morena lacht immer noch.

"Also schön, das geht natürlich auch." stimmt Mustafa zu. Auch die Parole ist ihm recht.

"Gut! Wie teilen wir uns auf?" will der Thorwaler wissen. "Übrigens, falls etwas passieren sollte: die Wachen am Haus sollten auf jeden Fall ihren Posten halten - nicht, dass wir auf ein Ablenkungsmanöver hereinfallen!" warnt Torkan.

"Da wir uns ohnehin abwechseln wollen, nehme ich als erstes den Posten hinter dem Haus ein." schlägt der Novadi vor.

Talfan überlässt die Wacheinteilung den erfahrenen.

Abschnitt vor hinter Patrouille
1 Torkan Mustafa Dhanajida / Talfan / Morena
2 Dhanajida Talfan Mustafa / Dhanajida / Talfan
3 Morena Torkan Mustafa / Dhanajida / Talfan
4 Mustafa Dhanajida Torkan / Talfan / Morena
5 Talfan Morena Mustafa / Torkan / Dhanajida
6 Mustafa Torkan Dhanajida / Talfan / Morena

Der erste Abschnitt verläuft ruhig. Es scheint noch zu hell für einen Sabotageakt zu sein.

Auch der zweite Abschnitt beginnt ruhig. Dann aber bemerkt Torkan auf einer Runde ein Licht im gegenüberliegenden Haus. Und eine Gestalt, die aus dem Fenster schaut.

An welcher Seite des Grundstückes liegt dieses Haus? Er macht auf jeden Fall seine Kameraden auf seine Entdeckung unauffällig aufmerksam.

Das Haus liegt gegenüber dem Eingangstor (nördlich).

"Mit dem Licht im Fenster ist der ja nicht besonders unauffällig. Wir werden ihn weiter im Auge behalten, aber wir werden uns nicht ablenken lassen. Ich schlage vor, dass wir uns das Haus Morgen mal näher ansehen!" Torkan ist vorsichtig.

Dhanajida nickt. "Mit so einem Erfinder als Nachbarn wäre ich auch neugierig."

"Hat er explizit nach dem Grundstück geschaut? Bist Du gesehen worden?", möchte Talfan wissen.

"Sicher wird er mich gesehen haben! Ich bin schließlich ein großer stattlicher Thorwaler. Das wohl! Und ich patrouilliere ja offen! Ich habe aber keine offensichtliche Notiz von ihm genommen!" antwortet Torkan.

Talfan fragt: "Wissen wir eigentlich, wer in dem Haus lebt?"

Diese Überlegungen bleiben unbeantwortet bis Morena, Torkan und Talfan auf ihre Runde gehen. Sie sind in der Nähe des Eingangs als sie das Lied "Havena, oh mein Havena." hören. Ziemlich stark gelallt.

"Leute", grinst Torkan, "wir sind nicht die Stadtwache, die um den Schlaf der braven Bürger bemüht sein sollte. Ein Einbrecher wird nicht solchen Lärm machen, es sei denn, er will uns vom anderen Ende des Geländes fernhalten. Wir sollten uns nicht ablenken lassen!"

Auch für Talfan ist das mehr als durchsichtig. Somit stimmt er mit einem undefinierten Ton zu. Nach kurzem Nachdenken meint er dann: "Dann sollten wir uns mal aufteilen und uns nachher wieder treffen."

Der angesäuselte Bürger ist inzwischen am Tor angekommen und pocht laut dagegen: "He Ihr Süßen lasst mich rein. Lasst uns Rahja mal so richtig huldigen."

"Ich glaube, er ist hier falsch", murmelt Morena.

Der Mann ist hartnäckig und klopft wohl noch 5 min. bevor er mit einem lauten: "Komischer Laden. Wollen wohl kein Geschäft machen." weiter trottet.

Es wird wieder ruhig rund um das Haus.

Mustafa tut den Nachtschwärmer mit einer verächtlichen Handbewegung ab. "Nur ein dem Trunke Ergebener, also sicher kein Recht-Gläubiger!" da ist der Novadi sich sicher, lebt er doch abstinent.

Da Torkan den Zecher für ein Ablenkungsmanöver hält, ist er besonders aufmerksam!

Torkan wird auf ein Maultiergespann aufmerksam, das langsam den Weg zum Grundstück herunter kommt.

'Ein Maultiergespann, das Nacht unterwegs ist? Seltsam. Aber scheinbar nicht bedrohlich.' Torkan sagt erst mal nichts, behält es aber im Auge.

Das Gespann nähert sich langsam einem der Nachbargrundstücke. Torkan einige verdächtige Gestalten hin und her huschen sehen. Bei genauerer Beobachtung erkennt er vier Männer, die von dem Maultiergespann auf der Straße Kisten abladen und sie verstohlen zum Haus tragen wo ein fünfter Mann vor der Tür steht.

Torkan macht nun seine Begleiter auf seine Beobachtung aufmerksam. "Das muss nicht unbedingt mit uns zu tun haben, scheint aber nicht ganz praiosgefällig zu sein!" meint er. "Wir behalten das im Auge und werden das morgen aufklären. Vielleicht weiß ja unser zwergischer Freund, wer da wohnt und was der macht!"

"Mhm", macht Dhanajida. Sie fragt sich, ob da ein Zusatzverdienst drinstecken könnte fürs Stillhalten. Aber noch kennt sie die anderen nicht gut genug, um das gleich vorzuschlagen.

"Eine vorzügliche Idee." erwidert der Novadi, obwohl Torkan sich nicht sicher ist, wie der (ehemalige) Pferdehändler das wieder gemeint hat.

So verläuft die erste Nacht recht ereignislos.

2. Tag

Am Morgen liefert Rambolosch ein einfaches Frühstück und bittet um kurzen Rapport.

"Nun, einem fröhlichen Zecher haben wir den Eilass verwehrt und Euer Nachbar hielt uns mit offensichtlich phexgefälligen Aktivitäten wach. Die Werkstatt liegt nicht zufällig neben dem geheimen Gotteshaus des Fuchses, oder? Könnt Ihr und mit Informationen über Euren Nachbarn aushelfen?" Fasst der Thorwaler die Nacht zusammen und sucht nach einem Anknüpfungspunkt für weiter 'Ermittlungen'. "Könnte Euer Nachbar etwas mit dem missgünstigen Konkurrenten zu tun haben?"

Zu der Zusammenfassung hat auch Talfan nichts hinzuzufügen.

"Wenn ich wüsste, wo der geheime Phextempel ist und es Euch sagen würde, wäre es kein geheimer Tempel mehr." grinst Rambolosch. "Und zu unserem Nachbarn. Es handelt sich dabei um den Krämer Kalman. Er hat in der Gegend einen guten Ruf. Dank seiner guten Preise und seines reichhaltigen Angebots. Ich sehe so keinen Grund warum er etwas mit den Anschlägen zu tun haben sollte."

"Wenn ihr jeden Verdächtigen so ausschlagt, dann werden wir nie ein Ergebnis finden", bemerkt Morena.

"Solange es die nächsten Tage ruhig bleibt sind Meister Leonardo die Nachbarn egal." erklärt Rambolosch.

'Ja ja, und wenn sie es dann doch waren, dann ist da Geschrei groß …' denkt die Maga und verkneift sich diese Antwort.

"Na wenn er einen so guten Ruf hat, sollten wir ihm doch sicher mal einen Besuch abstatten." zwinkert Mustafa der Maraskanerin zu.

Dhanajida nickt und grinst zurück. Der Kalman ist bestimmt ein Hehler - da muss man keine Sorge vor der Garde haben, nur vielleicht vor seinen Freunden.

"Womit handelt er?" Torkan ist neugierig.

"Hauptsächlich mit Alltagsdingen. Aber er kann wohl auch ungewöhnliche Sachen besorgen." die Antwort des Angroschim deutet an, dass es ihm selber nicht ganz klar ist.

"Ahh!" macht der Novadi. "Dann dürften wir gestern Zeuge einer dieser Lieferungen besonderer Dinge geworden sein."

"Das mag so sein." Rambolosch zuckt mit den Schultern.

"Und ich finde, dass macht ihn verdächtig …"

"Jemand unauffälliges sollte sich mal im Laden umsehen. Vielleicht hat der Krämer ja brauchbare Ausrüstungsgegenstände, die man erwerben könnte. Und vielleicht wird einem ja etwas 'Besonderes' angeboten?" murmelt Torkan. Das Problem sieht er allerdings auch: so richtig 'unauffällig' ist keiner aus der Gruppe.

"Hat jemand eine Idee?" Er zuckt mit den Schultern.

"Eigentlich gibt es dafür doch die Tagschicht?!" meint Morena, der langsam aber sicher die Augen zufallen.

"Nee nee!", meint Torkan. "Die Tagschicht soll das machen, was wir in der Nacht gemacht haben: patrouillieren! Und, meine Liebe, die Anderen sind nur Wachen - ohne Spezialauftrag. Wir jedoch müssen die Aufgaben für 'zwei' Auftraggeber erfüllen. Das lässt sich nicht so leicht in einer Schicht bewerkstelligen!"

Morena zuckt nur müde mit den Schultern.

Talfan hört auf bei diesen Worten. "Was meint ihr mit »zwei Auftraggeber«?"

"Nun, Magister Leonardo und Herr Rammböck", versucht Morena zu erklären.

"Genau!" Torkan grinst!

"Das sind doch mehr oder weniger die selben."

"Mehr oder weniger, Ihr sagt es", erwidert Morena mit freundlichem Lächeln.

Talfan lässt sich damit zufriedengeben.

Der Novadi zuckt mit den Schultern. "Wenn er einen ganz normalen Laden führt, wird er auch auffällige Kundschaft, die sich zu benehmen weiß, bedienen. Also spricht doch wohl nichts dagegen, sich als ganz normaler Kunde mal in seinem Laden umzuschauen." erwidert er auf Torkans Frage. "Falls niemand mit mir geht, mache ich das auch allein." erbietet er sich noch.

"Jup, ich bin dabei.", stimmt Talfan zu.

Dhanajida lehnt stumm ab. Ihr wäre es lieber, wenn der Händler/Hehler sie gar nicht zu Gesicht bekommt.

Auch Morena schüttelt den Kopf. Sie ist viel zu müde.

Nach dem Frühstück macht sich die Gruppe auf, den Krämerladen zu erkunden. Es handelt sich dabei zunächst einmal um einen kleinen Verkaufsladen, in dem auf Regalen allerlei alltägliche Gebrauchsgegenstände wie Kochgeschirr, Zunderkästchen, Werkzeug, … liegen. Ein kleiner Tresen steht im hinteren Teil des Raums. Er bildet eine klare Grenze zu den hinteren Räumen. Der Weg dorthin ist durch einen Vorhang gekennzeichnet.

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Torkan sieht sich das Gebäude derweil von außen an: gibt es Nebengebäude, einen Zugang zu Kellerlagerräumen, Fenster, Hintereingänge, etc.?

Das Haus stellt eine Eckbebauung dar. Direkt daran schließt sich ein Haus der Querstraße an. Somit sind Hintereingänge nicht zu erkennen. Auch ist zur Straßenfront nur ein Fenster zu erkennen.

Geht Torkan in die Querstraße hinein, so findet er einen Torbogen mit einem verschlossenen Tor. Es scheint also einen Hinterhof zu geben. Was sich dort befindet, kann er nicht erkennen.

Torkan geht in die Querstraße und findet den Torbogen. Er sucht den Boden ab, ob beim nächtlichen Entladen des Wagens etwas heruntergefallen ist. Anschließend versucht er einen Blick in den Hinterhof zu werfen, indem er sich am Zaun hochzieht.

Dabei fällt ihm ein, dass das Entladen am Vordereingang erfolgt ist. Hier wird er keine Spuren der nächtlichen Transaktion finden.

Das Tor ist wohl 2 Schritt hoch, so dass er mit etwas Mühe darüber hinweg sehen kann. Er sieht einen geräumigen Innenhof und mehrere Türen, die hineinführen. Eine ist vermutlich dem Krämerladen zuzuordnen.

Torkan hält das, was er gesehen hat nicht unbedingt für verdächtig. Wenn seine Kameraden im Laden nicht mehr herausbekommen, dürfte es Zeit für eine Mütze voll Schlaf sein. Alles weitere sollte sich dann am Abend ergeben. Als Seemann ist er gewohnt, längere Zeit mit wenig Schlaf auszukommen. Er wird sich - nachdem er sich nochmal mit dem Rest der Truppe beraten hat - gut vier Stunden aufs Ohr hauen.

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Hinter dem Tresen steht ein kleiner, drahtiger Mann. Er blickt auf als Ihr den Raum betretet. "Die Zwölfe zum Gruß." begrüßt er Euch freundlich.

Mustafa macht eine umständlich anmutende Geste, die wohl zu einem längeren Begrüßungsritual gehört und antwortet: "Und möge Er über Euch wachen, guter Mann." Dann sieht er sich betont interessiert um und fragt: "Einen feinen Laden habt Ihr da, Meister Händler."

"Habt Dank für Euer Kompliment. Ja, Kalmans Laden ist klein aber fein. Womit kann ich Euch helfen?" fragt der Händler höflich.

Erst scheint es, als habe der Novadi die Frage nicht gehört oder verstanden, aber schließlich dreht er sich zum Verkäufer um und fragt: "So sagt, habt Ihr vielleicht ein, äh, ich weiß nicht, wie es in Eurer Sprache heißt, Shoufa?" Er möchte Talfan so viel wie möglich Zeit geben, sich genauer nach ungewöhnlicher Ware umzusehen.

"Was versteht Ihr unter Shoufa? Leider ist mir dieses Wort nicht geläufig." geht Kalman auf den Versuch ein. "Wozu benötigt man es?"

Der Novadi gestikuliert wilder: "Nun, so, hier." macht er Andeutungen um seinen Kopf und Hals herum. "Und dann hier." Seine Bewegungen lassen darauf schließen, dass er sich etwas um Kopf und Hals wickelt. "Es ist so kalt und feucht in dieser Stadt." lächelt er den Verkäufer an.

Ein Kapuzenmantel vielleicht? Oder ein breites Tuch? Haben wir beides." versucht der Händler die Beschreibung zu deuten.

"Ja! Genau! So ein breites Tuch, einem Schal ähnlich." meint Mustafa begeistert, dass der Händler ihn verstanden hat.

"Nun denn, an der linken Wand dort drüben haben wir verschiedene Stoffe. Der grobe Stoff in grau ist wahrscheinlich am Besten für Euch geeignet. Seht ihn Euch an." Er weist auf ein Regal und kommt dann hinter dem Tresen hervor. Dabei lässt er seine Augen unruhig durch den Raum schweifen.

Auch Talfan begrüßt den Händler, jedoch nicht so überschwenglich. Er hat Mustafas Taktik erst nach einem Augenblick verstanden und schaut sich dann anfangs unverfänglich in dem Raum um. Dabei versucht er, wenn der Händler bei Mustafa steht, einen Blick hinter den Vorhang zu werfen.

Talfan ist offensichtlich immer noch etwas auffällig.

"Ich komme sofort zu Euch. Ihr sucht bestimmt das Ausgefallene. Vorne am Fenster sind einige interessante Stücke." wird er zurückgepfiffen.

Talfan strahlt den Händler offen an und erwidert: "Genau was ausgefallenes suche ich, ihr habt eine gute Menschenkenntnis."

Damit dreht er sich umständlich Richtung Fenster, wobei er versucht, den Vorhang wie zufällig etwas zur Seite zu schieben.

Danach geht er zum angewiesenen Fenster und schaut, was sich dort befindet. Der Händler dürfte trotz allem ihn jetzt nicht mehr aus den Augen lassen.

So geschieht es. Talfan entdeckt einen Flur mit 3 weiteren Türen. Links und rechts sind die Türen zu, geradeaus sieht er einen größeren Raum mit einem Tisch und einen Regal an der linken Wand. Darauf liegen einige Kisten und Kästchen.

Da er leider nur einen kurzen Blick darauf werfen kann, prägt er sich die Lagen ein und geht zur Front. Mit Befriedigung registriert er, dass kein weiterer Mensch zu sehen ist.

Kalman unterhält sich noch kurz mit Mustafa und kommt dann nach vorne zu Talfan. "Habt Ihr schon etwas gefunden was Euch gefällt?"

Er wiegt den Kopf hin und her. "Habt ihr denn nichts … spezielleres?"

Dabei blinzelt er dem Händler mit seinen strahlenden Augen zu.

"Was Spe…zi…el…le…res?" fragt Kalman zurück. "Vielleicht …" Er schweigt kurz: "Was denn?"

"Naja, ihr wisst schon. Was ein junger Mann so brauchen kann.", erwidert er anscheinend schüchtern und senkt den Blick etwas. Talfan ist in seinem Element.

"Hmm, vielleicht ein wenig Tabak? Oder einen guten Schluck Premer Feuer?" Kalman blickt Talfan nochmals an: "Ich hätte da auch noch schöne Creolen für die Ohren. Mit so netten kleinen Federn."

"Jetzt kommen wir der Sache näher.", antwortet er auf den letzten Satz in einem recht tuntigen Tonfall.

Talfan findet den Händler nicht sehr geschäftstüchtig oder ohne die notwendige Menschenkenntnis. Aber das behält er erstmal für sich. Dafür dreht er sich so, dass der Händler mit dem Rücken zu Mustafa steht. Er gibt sich nervös, tippelt von einem Fuß auf den anderen und ergänzt (weiterhin in einem recht tuntigen Tonfall): "Aber habt ihr nicht was für - spezielle Stunden?"

"Einen wundervoll plüschigen Bezug für Euer Lager vielleicht? Oder einen guten Tropfen? Mit Pülverchen kann ich leider nicht dienen. Da fragt Ihr besser einen der hiesigen Apotheker."

Da er den Händler wohl nicht aus der Ruhe bringen kann, antwortet er: "Ihr habt Plüschüberzüge? Kann man die sehen?"

"Aber natürlich. Gleich dort vorne liegen sie." Der Händler weist 2 Regale weiter.

Talfan lässt sich die Plüschüberzüge zeigen und versucht so, Mustafa möglichst viel Zeit zu geben, sich seinerseits im Laden umzusehen. "Aus was sind die denn gemacht?", will er vom Händler wissen.

"Dies ist feiner gewirkter Scherplüsch. Seht Euch einmal die wunderbare Verarbeitung des zusätzlichen Fadens an." erzählt der Händler erfreut, mit seinem Wissen prahlen zu können.

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Und Mustafa nutzt die Zeit, so gut es geht. Mit dem ihm angepriesenen 'Schal' hantierend, versucht der Novadi, die Ecken und das hinter dem Vorhang liegende Stück des Hauses zu erkunden, ohne aufzufallen.

Er schafft es in den Gang hinein. Dort sind 3 geschlossene Türen vorhanden.

Auf leisen Sohlen eilt er den Gang hinunter und lauscht zuerst rechts, dann links an der Türe, ehe er sich die letzte Tür vornimmt.

Mustafa bemerkt an allen drei Türen keine Geräusche.

Vorsichtig öffnet er die letzte Tür und späht hindurch.

Eine einfache Wohnstube mit einer kleinen Kochecke befindet sich hinter der Tür. Ein einfacher Tisch mit 4 Stühlen sowie ein großer Schrank bilden das Inventar. Eine Ecke ist mit zwei Vorhängen abgetrennt. Gegenüber von Mustafas Standort befindet sich eine weitere Tür.

Auf leisen Sohlen eilt Mustafa durch den Raum, späht rasch hinter den Vorhang und prüft dann, wohin die zweite Tür führt, nachdem er daran gehorcht hat.

Hinter dem Vorhang ist ein einfaches, ungemachtes Bett zu finden. An der Tür hört er nichts. Dahinter befindet sich ein großer Innenhof, den sich mehrere Häuser teilen. Er besteht aus einer großen Grasfläche sowie einigen gepflasterten Bereichen. Auf der linken Seite ist ein Tor zu sehen.

Leichtfüßig geht er den Gang zurück und horcht erneut - erst rechts, dann links - an den beiden Türen.

Er hört immer noch nichts.

Mustafa öffnet daher leise die Tür zu seiner Rechten und späht durch den Spalt.

Der Raum selber ist dunkel. Durch den Spalt kann Mustafa gefüllte Regale erkennen. Kleinere Kästchen, Phiolen und Beutel sind zu erkennen. Und ein betäubender Duft schlägt ihm entgegen.

Kommt ihm der Duft bekannt vor? Ist dies vielleicht eine "Räucherhöhle" Wasserpfeife schmauchender Herren der "gehobenen Gesellschaft" oder riecht es eher wie in einer Alchimistenwerkstatt?

Mustafa meint verschiedene Düfte zu erkennen. Aber sie überlagern sich extrem.

Noch während er darüber nachdenkt, schließt er die Tür wieder, horcht an der gegenüberliegenden Tür und - soweit nichts zu hören ist - öffnet diese auf die gleiche Weise und sieht hinein.

Auch hier gibt es nur Regale. Voller kleiner Kisten. Hier herrscht ein muffiger Geruch vor. Vermutlich sind einige der Behältnisse schon seit langer Zeit hier.

Da ihm nichts weiter auffällt, schließt er die Tür wieder und huscht hinter den Vorhang, der den Gang zum Verkaufsraum hin abschließt.

In einem günstigen Moment, den ihm Talfan hoffentlich verschaffen kann, kehrt er ungesehen in den Laden zurück.

Der Krämer steht mit dem Rücken zu ihm. Mustafa hört gerade noch etwas von 5 Goldstücken.

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"Ja, wirklich fein." Er hält das Teil etwas nach oben und lässt den Stoff durch die Finger gleiten als prüfe er genau die Verarbeitung in Stoff und auch an den Kanten. "Habt ihr den in verschiedenen Farben?" will er wissen.

"Nun, ich habe noch ein wenig Stoff in Gelb. Aber ich kann Euch gerne noch weitere Farben beschaffen. Wie viel benötigt Ihr denn und in welchen Farben?"

"Ich liebe blau!", meint er, "Könnt ihr das beschaffen? Wie teuer würde das werden?"

"Beschaffen kann ich auch blauen Plüsch. Aber könnt Ihr ihn auch bezahlen? 5 Goldstücke pro Rechtschritt kostet so ein Stoff." antwortet Kalman ruhig.

"Sehe ich so aus, als ob ich das nicht zahlen könnte?", blufft er. "Aber das ist schon recht teuer. Günstigeres habt ihr nicht?"

"Nun, wir können beim Stoff Abstriche machen oder bei der Farbe. Dann würde es aber natürlich qualitativ minderwertiger sein."antwortet der Händler. "Das könnten wir auch für zwei oder evtl. sogar ein Dukaten abwickeln."

"Wisst Ihr was, da ihr ja nur Meterware zu verkaufen scheint, werde ich mir erst einen Schneider hier suchen. Überlegt es euch noch mal, ich habe auf jeden Fall Interesse an dem Stoff. Können wir so verbleiben?"

Diese Attitüde muss Talfan nicht vorspielen, das ist quasi seine Art. Er ist sich absolut nicht bewusst, wie lächerlich er sich damit bei dem Händler macht.

Vernehmlich räuspert der Novadi sich, um die Aufmerksamkeit des Händlers wieder auf sich zu ziehen und ohne sich etwas anmerken zu lassen, zupft er etwas an dem Schal herum und fragt: "Was sollte dieses prächtige Stück gleich kosten?"

"Eine wunderbare Wahl. Kleidsam und praktisch. Egal ob als Schutz vor Wind und Wetter oder als Schmuck. Und so günstig. 5 Silber, und dieses prächtige Stück wird zukünftig Euren Hals oder den Eurer Frau schmücken." plaudert Kalman erfreut.

"Ganze fünf?" fragt der Novadi gedehnt und dreht sich zierend ein wenig hin und her. "Wenn ich mich wenigstens sehen könnte - Ihr habt nicht zufällig einen Spiegel zu Hand, guter Mann?"

"Aber natürlich." Er geht zu einem Regal und greift einen Spiegel heraus. "Seht doch, wie gut der Schal mit Eurem Haar harmoniert. Und dieser wunderbar dezente Kontrast zu Eurer Kleidung. Der Schal ist wie für Euch geschaffen."

"Jaaa… aber für 5 Taler kann ich meine 5 Kinder mehr als eine Woche ernähren." gibt der Novadi zu bedenken und taucht in das ihm vertraute Handeln um den Preis ein. "Ich gebe Euch nicht mehr als zwei dafür!" schlägt er vor.

"Nun denn, aber wenn ich Euch nur 2 Taler dafür berechne muss ich meine arme, alte Großmutter auf die Straße zum Betteln schicken. Gebt mir 4 1/2 und lasst die alte Frau in Ruhe ihren Lebensabend verbringen." Kalman scheint die Art des Handels zu kennen.

Er wendet sich zum gehen, da ja sein Freund auch wieder zurück ist.

"Aber natürlich. Ich würde mich freuen wieder etwas von Euch zu hören." antwortet Kalman indigniert und geleitet die beiden mit einem säuerlichen Lächeln zur Tür.

"He, was …" wird Mustafa dadurch unterbrochen. Mitten im Feilschen abgewürgt zu werden, ist er nicht gewohnt. So lässt er den Schal enttäuscht vom Hals gleiten, reicht ihn dem Händler zurück und meint: "Ich überlege noch mal und komme dann wieder." Allerdings klingt das recht halbherzig.

Mustafa ist so verärgert, dass ihm gar nichts weiter auffällt.

Während die beiden zum Anwesen des Mechanicus zurückkehren hat Mustafa ein Gefühl, als ob sie mit dem Besuch in ein Wespennest gestochen hätten.

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Als die drei wieder in ihrer Unterkunft sind, schaut ihnen Morena fragend und müde entgegen: "Na, gibt es etwas wichtiges zu berichten?"

"Auch wenn ich nicht den Finger in die Wunde legen kann, kommt mir dieser Laden komisch vor." beginnt Mustafa und berichtet über seine Entdeckungen in den Hinterzimmern.

"Ihr seid in Wortspielen sehr bewandert", lobt die Maga.

Der Novadi verneigt sich dankend auf die bei seinem Volk übliche Weise: "Ihr schmeichelt einem unbedeutenden Händler, meine Dame." erwidert er dabei. "Aber nach allem was ich gesehen habe, dürfte es sich wahrscheinlich eher um eine Unternehmung handeln, die an den getreuen Augen der Büttel vorbeigehen soll, als etwas mit unserem Auftrag zu tun zu haben. Meint Ihr nicht auch?" bezieht Mustafa seinen Gefährten mit in das Gespräch ein.

Talfan hat gespannt der Erklärung gelauscht; schließlich waren ihm die Erlebnisse im Hinterzimmer unbekannt. Danach gähnt er ausgiebig und antwortet erst dann; recht verschlafen: "Bei dem, was ich gesehen und gehört habe, kann ich nichts Verdächtiges bezüglich unseres Auftrags entdecken. Aber ich gebe Dir recht, irgendwas ist dort nicht sauber."

"Ich glaub', der kauft halt Sachen, die auf Bruder Phex gefällige Art besorgt wurden. Am besten lassen wir ihn einfach in Ruhe.", meint Dhanajida dazu. Sie hat die Zeit für etwas Schlaf genutzt und fühlt sich jetzt wieder frischer.

"Das ist wahrscheinlich. Wie auch immer, ich werde mal schauen, dass ich etwas Schlaf bekomme. Schließlich müssen wir heute Abend wieder fit sein."

"Ja, etwas Schlaf wäre für uns alle gut", nickt Morena und legt sich dann auch hin.