Es ist ein schöner warmer Frühlingsmorgen an dem Cassjarella d'Isliqour auf ihrem Rappen Rashaldor Ferdok hinter sich gelassen hat und sich dem Gestüt des Oberst Sturmfels nähert.

Es ist viel passiert seit sie vor fast 2 Jahren die gleiche Strecke geritten ist. Damals in vollem Ornat und Rüstung und im Auftrag des Schwertes der Schwerter und heute in schlichter weißer Robe, die Waffen und die Rüstung verpackt.

Immer wieder gehen ihre Gedanke zurück zum letzten Abenteuer. Erst schien es eine einfache Aufgabe zu sein zusammen mit Connor zum Schwertfest nach Winhall zu reisen, dort die Absolventen in den Kriegerstand zu entlassen und dann dort ein wenig Unterricht erteilen.

Zu einfach, wie es sich herausstellte.

Denn auf einmal waren die Geschichten vom diesem Werwolf im Umlauf und schon waren sie mit drei weiteren tapferen Abenteurern mitten in einer Queste. Und es ging eigentlich auch alles gut, sie haben die Spuren aufgenommen, die Werwölfe verfolgt und schließlich auch gestellt. Beim dritten Wolf allerdings hat sie das Kampfglück verlassen und dann ging alles sehr schnell. Ein Patzer mit dem Rondrakamm, ein Sprung des Wolfes, ein Biss in den Hals. Der Biss war nicht tödlich, aber Cassjarella hatte in ihrem Blut etwas was schlimmer war als der Tod.

Nach einige Tagen hat sie es dann gemerkt: Sie war auf dem Weg selbst ein Werwolf zu werden. Und gleichzeitig schien sich auch Rondra von der Geweihten abgewandt zu haben.

Sicherlich konnten die Gefährten auch noch den Verursacher diese Werwolfverwandlungen zur Strecke bringen und damit Winhall wieder Ruhe und Ordnung bringen, aber die beginnende Lykantropie und die Ferne der Göttin haben Cassjarella innerlich stark mitgenommen - und wie sie jetzt rückblickend feststellt verändert.

Dank des Hüters der Saat in Honingen konnte die Lykantropie geheilt werden, aber was nützt es, wenn die Göttin ihr Antlitz von der Geweihten abwendet.

So hat sie stumm - denn trotz aller Heilkräfte, die den Geweihten der Peraine zur Verfügung standen, konnten sie ihr die Sprache nicht wiederbringen, denn auch Peraine muss sich den Wünschen ihrer Schwester Rondra fügen - im Kloster ausgeharrt und auf ein Zeichen der Leuin gewartet.

In dieser Zeit hat sie das Schwert der Schwerter um die Entlassung aus dem Bund des Schwertes gebeten. Aber die Antwort aus Perricum lautete nur, dass sie von ihren Aufgaben entbunden ist aber nicht aus dem Bund entlassen wird. Sie hat die Antwort zur Kenntnis genommen, aber trotzdem die Löwinnen und die Goldknöpfe, die Zeichen ihres Ranges in der Rondra-Kirche, von ihrer Robe entfernt. Auch die Rüstung und die Waffen hat sie seitdem sie im Kloster der Peraine ist nicht angelegt. Nur eine regelmäßige Pflege ihrer Ausrüstung und allgemeine Übungen zur körperlichen Ertüchtigung hat sie täglich durchgeführt.

Melina, der Verwalterin auf dem geerbten Weingut, hat sie jede Woche einen Brief geschrieben, in denen sie ihr gelegentlich Anweisungen aber auch Privates mitteilte.

Und plötzlich nach fast eineinhalb Götterläufen in Honingen erschien ihr vor einigen Nächten im Traum die Göttin und begann:

"Kurz nachdem das Liebliche Feld vor mehr als zweihundert Jahren seine Unabhängigkeit erfochten hatte, erschien eine neue Bedrohung - diesmal von Süden.

In Keft hatte die Offenbarung des Gottes Rastullah zur Errichtung eines fanatischen Gottesstaates geführt, in dem die neun mächtigsten Sippen der Oase das Sagen hatten. Der Blick dieser Neun fiel auf das jüngst entstandene Vinsalter Königreich und sie beschlossen, es zu unterwerfen.

Mehr als sechshundert Wüstenreiter brachen auf - angeführt von dem ehrgeizigen Scheich Tugruk Pascha - und ritten westwärts, überschritten unter hohen Opfern die Eternen und stürmten auf die Stadt Neetha zu - nur noch der breite Chabab trennte sie von ihrem Ziel.

Dort gab es zu der Zeit nur wenige Krieger, denn die meisten Söhne der Stadt kämpften noch im Norden gegen die Kaiserlichen. Die stolze Handelsstadt wäre ohne mein Eingreifen zweifellos den Novadis eine leichte Beute geworden - so aber ergriff eine junge Kriegerin, Thalionmel die Löwin, ihr Schwert und stellte sich auf der einzigen Chababbrücke der Übermacht. In zahlreichen Wellen schickte Tugruk Pascha seine Reiter, eine Sippe nach der anderen: doch Thalionmels Löwenschwert tötete sie alle. Der Kefter Heerführer war furchtsam zurückgeblieben und musste, umringt von seiner neunköpfigen Garde, von seinem Platz auf dem Südufer das Unvorstellbare ansehen: Einer seiner Männer nach dem anderen fiel der durch mich beseelten Streiterin zum Opfer. So befahl Tugruk Pascha, die kühne Streiterin von ferne mit einem Pfeilhagel zu überschütten. Die war nach kurzer Zeit von ungezählten Pfeilen durchbohrt, doch unerschüttert focht sie gegen die anstürmenden Novadis. Bis sie schließlich tot zusammen sank. hatte sie so manchen Wüstensohn ins Verderben geleitet.

Tugruk Pascha ließ nun die überlebenden Novadis die Brücke stürmen. Die fanatischen Reiter vergaßen jede Ehre und vergriffen sich selbst noch am Körper der toten Heldin: Sie zerstückelten ihn und warfen ihn in den Chabab. Das Löwenschwert trugen sie im Triumph umher - der Weg nach Neetha schien frei.

Da aber ließ ich einen Sturm über die Welt fegen, wie man ihn seitdem nicht mehr sah - eine gewaltige Flutwelle türmte sich auf und raste chabababwärts gen Neetha, um dort die Brücke zu zerschmettern. Alle fünfhundert Novadis fanden den Tod in den. Fluten, mit ihnen versanken ihre Pferde und das Löwenschwert.

Als Tugruk Pascha dies sah, brach ihm das Herz - er hatte nicht einmal genug Mut, sich seiner Niederlage zu stellen: Mitsamt seinen neun Leibwächtern ritt er ans Meer und stürzte sich in dessen Wogen. Die Leiche des Generals aber fand sich ebenso wenig wie die seiner Scharen - ich habe sie hinab geschleudert in die öden Kammern wo die Feiglinge ihr Nachleben fristen. Thalionmel aber wurde von mir in den Stand einer Heiligen erhoben und speist in Alveran von meiner Tafel. Das Löwenschwert aber ruht heute noch auf dem Grunde des Chabab.

Finde mein Schwert und damit mein Wohlwollen, dann werde ich auch dich wieder an meinen Gaben teilhaben lassen. Der alte Krieger in Arivor wird Dich leiten!"

Am nächsten Morgen ging Cassjarella zum Hüter der Saat und hat ihm den Traum aufgeschrieben. Nachdem er den Bericht mehrmals gelesen hat, hat er Cassjarella zugenickt und gesagt: "Die Leuin wird Dich wieder in ihre Reihen aufnehmen, wenn Du diesen Auftrag erledigst, Schwester! Auf diesen Ruf wartest Du schon so lange, daher sollten wir alles für Deinen Aufbruch nach Arivor vorbereiten. Ich nehme an, Du willst heute noch los?"

Cassjarella hat nur genickt, während ihr vor Freude Tränen über die Wangen liefen. Dann hat sie gepackt und ist mit dem Segen Peraines aufgebrochen.

Unterwegs hat sie sich an Connors Abschiedsworte gedacht und daher führt sie ihr erster Weg zu Connors Gut. Als sie über den nächsten Hügel reitet, kann sie schon die Dächer des Herrenhauses sehen und wenig später reitet sie auf den Hof.

Hier herrscht geschäftiges Treiben. Etliche Stallburschen, Knechte und zwei Hufschmiede sind damit beschäftigt, sich um ein Dutzend majestätisch wirkender Pferde in einem großen Pferch zu kümmern.

Die Szenerie wird von einem schlanken und hoch aufgeschossenen jungen Mann überwacht, der den Teint eines Südländers hat. Als dieser Cassjarellas gewahr wird, springt er von dem Stapel Heuballen, auf dem er gesessen hat, herunter und eilt ihr entgegen.

"Euer Gnaden!" ruft er freudig. "Wie schön, Euch wiederzusehen!" Angekommen, verneigt er sich und ergreift dann die Zügel ihres Pferdes. "Kommt herein, ich melde Eure Ankunft!"

Cassjarella nickt dem jungen Mann freundlich zu und steigt aus dem Sattel. Dann deutet sie ihm mit dem Zeigefinger vor dem Mund zu schweigen und macht sich auf den Weg ins Haus.

Sie erntet ein - vermeintlich - wissendes Lächeln und eine weitere Verbeugung. Und während Cassjarella geht, führt Amrik das Pferd in den Stall, um es höchst selbst zu versorgen.

Derweil ist Cassjarella im Haus und versucht sich an die Lage von Connors Arbeitszimmer zu erinnern.

Das fällt ihr nicht schwer, hört sie doch Connors Stimme bereits laut durch eine am Ende des Flurs befindliche - geschlossene - Tür dröhnen. Offenbar macht er sich gerade gegenüber einem Untergebenen Luft über dessen nicht zufrieden stellende Arbeit.

Nachdem sie sich sicher ist, geht sie zu der Tür und öffnet diese mit einem kräftigen Ruck - und einem breiten Grinsen.

Über die Unterbrechung zuerst erbost, dann beim Anblick Cassjarellas überrascht, fängt der Oberst sich fast sofort und verkündet gegenüber einem stramm stehenden Weibel: "Gut. Oder auch nicht. Ich hoffe, dass nun klar ist, was getan werden muss. Also tut es!"

Mit einem Winken ist der Mann entlassen. Im Vorbeigehen wirft er der Geweihten einen dankbaren Blick zu.

Kaum sind die beiden allein, kommt Connor hinter dem Schreibtisch hervor und geht mit offenen Armen auf Cassjarella zu, um sie in die Arme zu schließen. "Schön Dich zu sehen! Wie geht es Dir?"

Cassjarellas Gesicht scheint ebenfalls eine gewisse Freude über das Wiedersehen auszudrücken, allerdings sagt sie - aus verständlichen Gründen - nichts. Stattdessen greift sie in die Tasche ihrer Robe und holt dort einen Pergament heraus, das sie Connor reicht. Auf dem Pergament hat sie ihren Traum und ihren Auftrag aufgeschrieben.

Nachdenklich mustert er ihr Gesicht. "Also ist es noch nicht wieder gut." Es ist klar eine Feststellung. "Na wenigstens scheint der Haarwuchs ausgeblieben zu sein."

Und schon verspürt er einen Schmerz in seinem Schienbein - dort wo ihm die Stiefelspitze Cassjarellas traf.

"Schon gut, schon gut!" meint er beschwichtigend und mit einem Lächeln überspielt Connor seine Sorge um den Zustand der Geweihten, ehe er zu lesen anfängt. Mit jeder gelesener Zeile scheint sein Gesicht ernster zu werden.

Nach zweimaliger Lektüre fragt er schlicht: "Wann brechen wir auf?" Für ihn ist klar, dass er Cassjarella nicht allein wird ziehen lassen. Und gemeinsam werden sie es sicher schaffen.

Cassjarella schreibt: "Wenn Du mit willst - was mich freuen würde - sobald es Deine Geschäfte zulassen.

Unser nächste Ziel wäre ein Halt in Isliqour und dann Arivor."

Fragend schaut sie den Krieger an.

Fast spöttisch mutet sein Grinsen an, als er mit dem Daumen über die Schulter in die hintere Zimmerecke weist. Dort stapelt sich fein säuberlich aufgeschichtet ein Rucksack sowie ein großes Bündel, das offenbar eine Decke und Reiseutensilien enthält und sicher hinter einen Sattel geschnallt werden wird. Daneben hängt ein Ringelpanzer auf einem Rüstungsständer, Helm und Handschuhe liegen in einem Regal und eine große Auswahl erlesener Waffen hängt an der Wand daneben.

Connor durchquert den Raum, steckt sich ein einschneidig geschliffenes Kurzschwert in den Gürtel, hängt sich das Tuzakmesser - Gehänge über die Schulter, ergreift Rüstung und Bündel und steht binnen weniger Lidschläge reisefertig vor Cassjarella. "Dann los!" fordert er sie auf, stapft auf den Hof und ruft: "Amrik! Unsere Tiere, reisefertig für 5 Tage." Dabei geht er auf die Ställe und Amrik zu. Mit einem Seitenblick auf die Geweihte fügt er dort angekommen hinzu. "Wenn alles bereit ist, möchte ich, dass Du hier die Verantwortung übernimmst. Wir reisen sofort ab und sind frühestens in einigen Wochen, eher einigen Monden, zurück.

Behalt alles im Auge, besonders diesen Gorlik. Wenn er Ärger macht, bekommt er extra Wachdienst an der Alten Weide."

Seufzend blickt sie zu Amrik und ahmt stumm die Gesten der Oberst nach. Dann blinzelt sie ihm zu.

"Lass meinen Rappen erst etwas trinken!" schreibt sie Connor auf einen der vielen Zettel, die sie bei sich trägt. "Und Du warst schon einmal ein besserer Gastgeber!"

Er blinzelt kurz, zuckt dann mit den Schultern und übergibt Amrik seine Sachen mit Ausnahme der Waffen, damit er diese ordentlich verstaut. "Ich dachte, Du hättest es eilig." meint Connor dann entschuldigend, hält ihr den Arm zum Einhaken hin, um sie ins Haus zu geleiten und ergänzt: "Dann speisen wir eben zuerst. Meine Dame …"

'Geht doch!' denkt Cassjarella und hakt sich unter. Als sie endlich einen tüchtigen Schluck zu sich genommen hat, legt sie Connor einen Zettel hin: "Was hast Du gemacht?"

Da sowohl Bier als auch Wein auf dem Tisch steht, macht Connor es der Geweihten nach und nimmt einen tiefen Zug aus seinem Becher, ehe er beginnt. "Nun, dies und das. Hauptsächlich das." Dabei macht er eine ausholenden Handbewegung, die zu verstehen geben soll, dass sowohl das Gestüt, als auch sein Dienst als Oberbefehlshaber der Streitkräfte ihn in Anspruch genommen haben. "In den letzten Wochen ist es etwas ruhiger geworden, da ich militärisch etwas kürzer getreten bin. Dies lässt mir mehr Zeit mich um die Tiere zu kümmern. Mein Stellvertreter macht sich ganz ordentlich und da habe ich ihm kurzerhand etwas mehr Verantwortung übertragen."

Erneut nimmt er einen Schluck. "Und Du?" Die frage ist offenkundig rhetorisch gemeint. "Du siehst viel besser aus, als beim letzten Mal!"

Erst nachdem er den Satz beendet hat, merkt Connor, welche Interpretationen seine Wortwahl zulässt. "Ich meine … also … na ja … gesünder irgendwie … Oh, na ja, äh, auch äh … Du weißt schon!"

Versucht er die Situation zu retten und lächelt nervös.

Cassjarella lächelt. Connor hat recht, im Gegensatz zu ihrer letzten Begegnung sieht Cassjarella gut erholt aus und auch von den Wunden am Hals ist nichts mehr zu erkennen. Allerdings fällt Connor auf, dass die Löwen auf Cassjarellas Robe entfernt wurden ebenso die Goldknöpfe.

Und was er auf den Blick nicht wahrgenommen hatte: Sie trägt weder Rüstung noch Waffen.

Da eine Unterhaltung mit der Geweihten, die alles aufschreiben muss, um sich bei komplizierteren Sachverhalten ihrem Gegenüber mitzuteilen, wirft Connor ihr nur einen fragenden Blick zu, während er auf ihr Gewand deutet. "Hat das mit der Queste zu tun?" fragt er daher, um Cassjarella das Gespräch mit Nicken oder Kopfschütteln zu ermöglichen.

Cassjarella nickt. Dann überlegt sie und schüttelt doch den Kopf.

Schnell schreibt sie: "Damals hat SIE mich verlassen und mit der Queste kann ich wieder zu IHR gelangen."

Der Krieger zuckt nur mit den Schultern, als wolle er sagen: 'Und? Wo ist der Unterschied?' Dann schenkt er ihnen beiden nach und holt dann von seinem Schreibtisch eine Karte, die die Gegend sehr detailliert und das Mittelreich noch recht ausführlich zeigt. Weiter entfernte Bereiche sind nur noch im Überblick dargestellt. "Also, wo wollen wir lang?" fragt er.

Cassjarella zeigt zwei Strecken auf:

- Den Großen Fluss hinunter bis Elenvina und dann nach Süden über Grangor und Vinsalt nach Arivor

- Die Reichstrassen entlang bis nach Ragath, den Yaquir hinab und dann nach Arivor

"Hm. Ich denke, die erste Strecke ist angenehmer, solange wir ein Flussschiff für die Fahrt bis Elenvina nutzen können. Das erspart uns ein paar Tage im Sattel." entschließt Connor sich für den ersten der beiden aufgezeigten Wege. "Oder?" Diese Frage ist rein rhetorisch gemeint. Cassjarella hätte den Vorschlag nicht unterbreitet, wäre er inakzeptabel.

Da Cassjarella Herzog Cusimo von Grangorien schon einmal auf einem Fest kennen gelernt hat, verdreht sie zwar die Augen, kann sich Connors Argumenten aber nicht verschließen.

Also nickt sie zustimmend und nimmt noch einen Schluck Wein - das dieser auf ihrem Gut eher als Darreichung zum Salat dienen würde, veranlasst sie zu einem stillen Lächeln. Sie freut sich schon darauf Melina und das Gut wiederzusehen.

Nach einiger Zeit, die Connor hauptsächlich damit verbracht hat, Cassjarella über den Rand seines Bechers hinweg anzusehen, wird das Essen aufgetischt: Es gibt etwas kalten Braten - wohl ein Wildschwein - und frisches Brot, dazu Käse und eine Schüssel mit dampfendem Gemüse: Karotten, Erbsen und Blumenkohl. "Bedien' Dich." fordert er die Geweihte auf, während er zwei Teller und Besteck zurecht rückt und die Karte wieder wegpackt.

Der Aufforderung kommt Cassjarella umgehend nach - das Anstarren war etwas was sie noch nie ausstehen konnte und daher ist sie über jede Ablenkung froh.

Nachdem sie gegessen hat und auch Connor fertig ist, schreibt sie: "Wo finden wir ein Flussschiff? In Ferdok?"

Connor nickt: "Ja, das wird gehen. In Ferdok finden wir zur Not auch eine gute Übernachtungsmöglichkeit und Schiffe sollten von dort zumindest alle paar Tage fahren."

Cassjarella nickt und fordert Connor auf, dass sie jetzt aufbrechen.

"Doch keine Nachtruhe mehr?" Der Krieger zieht eine Augenbraue fragend in die Höhe. "Wirklich?"

Dann geht sein Gesichtsausdruck in ein angedeutetes Grinsen über, ehe er fortfährt: "Also schön, wie Ihr wollt, Meine Dame!" Mit diesen Worten geleitet Connor die Geweihte wieder nach draußen.

Die Anrede ignorierend geht Cassjarella zum Stall und macht sich zur Abreise zurück nach Ferdok bereit.

Da die Geweihte heute entweder nicht zu Scherzen aufgelegt ist, oder es ihr nun schwerfällt, das Dank ihrer Verletzung zu zeigen, ruft Connor auf dem Weg dem einen hier und dem anderen da noch Anweisungen zu, die während seiner Abwesenheit zu beachtende Einzelheiten betreffen.

Als die beiden am Stall ankommen, ist alles bereit: Die Tiere sind gesattelt, die Ausrüstung ist verstaut und es stehen sowohl ein Packpferd mit Proviant und Futter für die Tiere bereit, als auch zwei kompakte Bündel, die die Reisenden einfach an ihre Sättel hängen können.

"Leichtes Gepäck?" fragt der Krieger kurz und weist auf die Ausrüstung.

Cassjarella weißt auf ihre doch ziemlich dicke Gepäckrolle, die hinter dem Sattel aufgeschnallt ist. Und unter dem Sattel ist auf der einen Seite der Rondrakamm, auf der anderen Seite das Tuzakmesser befestigt. Was Connor auch nur an den Griffen erahnen kann, denn beide Schwerter stecken in Tuchhüllen.

Der Abschied vom Gut ist kurz und schmerzlos. Die Vision des Löwenschwerts treibt Cassjarella zur Eile. So ziehen die Schönheiten Garetiens unbeachtet an ihnen vorbei. Die frisch bestellten Felder, die kleinen Weiler und Gehöfte, das alles nehmen die beiden Reiter kaum zur Kenntnis. Und so nähern sie sich auch schnell der Grenze der Baronie Schwarztannen. Ab Schwarztannen ist dann die Raller ihr ständiger Begleiter, die sie Richtung Gormel geleitet. Kurz vor Gormel stoßen sie auf die Lebensader der Region, den Großen Fluss. Hier entsteht er aus der Raller, der Ange und der Breite. Da sich der Tag langsam seinen Ende zuneigt suchen sie Unterkunft in einem der einsamen Gehöfte am Rand der Straße. Sie finden sofort herzliche Aufnahme. Der alte Bauer und seine Frau sind froh über die Gesellschaft. Und auch ein reisender Kiepenkerl, der sich als Bredo Bento vorstellt, sucht an diesem Abend noch ein Lager. Er bietet fremdartige Güter und Geschichten im Gegenzug für Kost und Logis. Und auch Connor wird im Laufe des Abends gebeten etwas aus der Ferne zu erzählen. Cassjarella selbst zieht immer wieder interessierte Blicke auf sich. Ihr Schweigen wird aber respektiert.

Da Connor gerne und viel redet, hat Cassjarella die Gelegenheit sich zurück zu lehnen und über ihren Auftrag nachzudenken. Ob es ihnen gelingen mag, das Schwert zu finden und Rondras Wohlwollen zurück zu erlangen? Falls sich das Unterfangen als zu schwierig heraus stellt, erhält sie einen Platz an Rondras Tafel oder wird sie auch nach ihrem Tod von der Göttin fern bleiben müssen?

Da sie ihre Gedanken immer wieder um dieses Thema kreisen lässt, bekommt sie von den Erzählungen des Krämers und Connors so gut wie gar nichts mit.

Da Connor - weder heute noch sonst - zu großen Reden zumute ist, berichtet er militärisch kurz über eine gefährliche Reise, die er vor vielen Jahren mit einer Handvoll Gefährten unternommen und die zur Erschlagung eines der berüchtigten Tatzelwürmer, von manchen sogar als "Drachen" bezeichnet, geführt und die ihm schließlich den Posten als Oberst eingebracht hat.

Während seiner Erzählung hängen die beiden Gastgeber an seinen Lippen. Solche Taten kennen sie zwar aus den Geschichten, die sonst auf den Feierlichkeiten im nächsten Weiler erzählt werden. Aber so etwas aus dem Mund eines Helden zu hören ist etwas ganz anderes. Sie fiebern mit. Als Connor den ekelerregenden Geruch des Wurms schildert, fängt die alte Bäuerin wie abwesend an zu schnüffeln. Entsprechend sind auch die Äußerungen nach dem Ende der Geschichte. Herzlicher Dank und unverhohlene Bewunderung sind die Belohnung für den abwechslungsreichen Abend.

Am nächsten Morgen in aller Frühe verlassen die beiden den Hof, nicht ohne einen kleinen Obulus entrichtet zu haben. Der Kiepenkerl will auch nach Ferdok und fragt an, ob er mit ihnen reisen könne. Ein entschiedenes Kopfschütteln von Cassjarella gefolgt von einem scharfen Galopp vom Hof lassen einen Connor zurück.

Der nur über die Schulter zuruft: "So sind sie, die Frauen!", während er lachend hinter der Geweihten her reitet.

Er lässt einen enttäuschten Händler zurück. Hatte der doch auf den Schutz der weitgereisten Helden gehofft.

Nun ja, den Blick, den er dafür von Cassjarella erntet, hätte manch weniger tapferen Recken erschreckt. Connor ist diesem Blick schon mehrfach begegnet und er weiß, dass Cassjarella dann nicht zu weiteren Späßen aufgelegt ist.

Am späten Nachmittag dieses Tages erreichen die beiden Ferdok und seinen Hafen. Dort suchen sie nach einem Flussschiffer der kurzfristig Ferdok in Richtung Elenvina verlassen will. Kapitän Dielbrack von der Thalaria wird ihnen immer wieder empfohlen. Und so besuchen sie zunächst seinen Ankerplatz. "Efferd zum Gruß werte Dame, werter Herr. Was kann ich für Euch tun?"

Cassjarella überlässt aus bekannten Gründen Connor das Reden.

Ein kurzer Seitenblick zu Cassjarella, dann antwortet Connor: "Meister Kapitän, nehme ich an. Wir sind auf der Reise nach Süden und benötigen eine Passage, zumindest bis Elenvina. Euer prächtiges Schiff ist uns mehrfach empfohlen worden." fügt er mit einem kaum merklichen Zögern hinzu.

Cassjarella fügt diesen Ausführungen ein huldvolles Lächeln hinzu.

"Dann seit ihr hier richtig. Mein Name ist Lando Dielbrack und ich befahre mit meiner Thalaria schon lange den Großen Fluss. Und wie es sich trifft habe ich hier eine Ladung für Havena. Platz für Euch und eure Tiere wäre noch vorhanden. Große Ansprüche dürft ihr nicht stellen. Die Thalaria ist ein einfaches Schiff, ausgelegt auf Waren. Passagiere sind da nur ein Zubrot. Wenn ihr mitwollt kostet Euch das 30 Dukaten für jeden von Euch sowie 15 Dukaten für eure Pferde." erwartungsvoll blickt er die beiden an. "Wie sieht es aus, sind wir uns einig?" Er bietet Connor seine Hand zum einschlagen an.

Erst schaut Cassjarella den Kapitän entgeistert an, dann wendet sie ihr Pferd und reitet langsam weg.

'Der Preis wäre ja nicht einmal angemessen, wenn er uns an Bord getragen hätte!' grummelt sie.

Sein Blick folgt kurz der Geweihten, ehe er sich wieder zu Lando dreht.

"Wohl gesprochen. Große Ansprüche haben wir wahrlich nicht. Aber wie Ihr unzweifelhaft aus dem Verhalten meiner Begleiterin ersehen könnt, sind wir nicht daran interessiert, Euren Kahn" - das Wort spricht er mit größtmöglicher Verachtung aus - "zu kaufen. Gehabt Euch wohl!"

Mit diesen Worten schwingt er sich aus dem Stand zurück in den Sattel und reitet Cassjarella hinterher. 'Dann eben zu Pferde.' denkt Connor sich dabei.

"Aves sei mit Euch auf Euren Wegen." ruft ihnen der Kapitän hinterher. Dann wendet er sich wieder einem Matrosen zu und gibt einige Anweisungen.

Die beiden Reisenden stehen jetzt vor der Wahl: einen anderen Flusskahn zu finden oder die Strecke mit den Pferden zu bewältigen.

Einige Schritt von dem Kahn entfernt wartet Cassjarella auf Connor und schreibt: "Für die 500 Meilen hätte er vielleicht 5 oder 10 Dukaten nehmen können, aber 30 sind zu viel!

Wie wollen wir jetzt weiter?"

"Wucherer!" knurrt Connor. "Vielleicht finden wir ja noch ein besseres Angebot." schlägt er vor. "Was hältst Du von einem Besuch beim Hafenmeister?"

Cassjarella nickt, wenn der nichts zu bieten hat, dann wird halt geritten - und unterwegs nach einer anderen Möglichkeit Ausschau gehalten.

Der Hafenmeister ist schnell gefunden. Sein Büro liegt am Hafen, ganz in der Nähe des Ugdan-Damms.

Der Mann wirkt wie ein alter Seebär. Und er scheint ein wenig verstimmt zu sein. "… diese hesindeverlassenen Leichtmatrosen. Lassen den Kahn mitten in der Rakula liegen …" Dann blickt er kurz auf und wieder herunter auf ein vor ihm liegendes Papier. In dieses trägt er mit krakeliger Handschrift noch einige Worte ein. Dabei brummt er: "Was wollt ihr?"

Wäre Cassjarella noch in ihrer früheren Tätigkeit unterwegs, dann hätte sie dem Hafenmeister erst einmal Manieren beigebracht. So aber schnauft sie nur kurz.

Connor ist merklich schlecht aufgelegt, so dass er zurück brummt: "'Ne Passage nach Elenvina, so schnell als möglich, aber nicht mit einem Wucherkahn!"

Jetzt hat er die Aufmerksamkeit des Hafenmeisters. "Wieso Wucher? Bei Phex, wer wollten denn was von Euch haben?"

Der Krieger berichtet von Landos Angebot.

Was ihm ein schallendes Gelächter einbringt. "Ja, ja, der Dielbrack kennt scheinbar den Fluss besser als seine potentiellen Kunden. Aber er ist ein treuer Anhänger des Phex. Nimm was Du kriegen kannst und hilf Dir selbst, dann hilft dir Phex. Vom Feilschen habt ihr noch nichts gehört?"

"Das ist kein Handel, sondern Flusspiraterie. Vielleicht sollten wir ihn entsprechend behandeln gehen." erwidert Connor giftig mit einem Seitenblick zu Cassjarella, die linke Hand betont lässig auf dem Griff des Kurzschwertes, dass er sich in die Schärpe, die seine Reiseweste zusammen hält, gesteckt hat. Er macht nicht den Eindruck, in dieser Beziehung zu Scherzen aufgelegt zu sein.

Die unbewaffnete Cassjarella zieht ihm nur kurz am Ärmel.

"Aber Spaß beiseite. Er ist der beste Kapitän vor Ort. Es gibt wenige wie ihn. Übermorgen kommt wieder ein Treidelkahn an. Der fährt am Tag darauf wieder gen Havena. Aber der Kapitän ist ein arger Seelenverkäufer. Daher mein Rat, handelt mit Dielbrack oder reist zu Fuß. Und wenn ihr handeln wollt: 10 Dukaten pro Person sind durchaus angebracht. Und Pferde kosten das gleiche wie die Reiter. Das mag Euch teuer erscheinen, aber die Kapitäne können mit Ware genauso viel verdienen. Wer Passagiere mitnimmt, hat entweder gerne Gesprächspartner oder er erhofft sich noch etwas von den Mitreisenden.

Und der gute Lando gehört zur ersteren Sorte.

So und nun genug der kostenlosen Aufklärung. Ich habe noch einen Kahn in der Rakula. Und die Perle von Salmingen wartet schon darauf in den Hafen einlaufen zu können. Efferd zum Gruße"

Mit diesen Worten steht der Alte behände auf und verlässt den Raum.

Draußen hören sie ihn schreien: "He, was steht ihr da rum. Bei Efferd, das Lotsenboot soll rausfahren. Wir haben hier einen Hafen zu verwalten. Da steht kein Boot mitten in der Fahrrinne. Und wenn das der Fürst von Khunchom ist. Hier herrscht Ordnung."

"Also reiten wir?!" schlägt der Krieger vor. "500 Meilen, das sind zwar mindestens 2 Wochen, aber ich lasse mich nicht von so einem dahergelaufenen Ruderknecht ausnehmen!"

"20 Dukaten sind weniger als die Hälfte, die er zuerst haben wollte!" schreibt Cassjarella. "Versuchen wir es noch einmal!"

Entgeistert sieht Connor sie an. "Ist das Dein Ernst?" Ein Blick in ihre Augen genügt ihm aber, um festzustellen, dass dem so ist. "Also schön." meint er dann resignierend.

So kehren die beiden zu Lando zurück. Auf dem Weg meint der Krieger: "Ich wette, er wird uns mit einem selbstgefälligen Spruch begrüßen, dass er es doch gleich gesagt hätte, dass wir hier nichts anderes finden werden …" Eine Antwort erwartet er - natürlich - nicht.

"Die Zwölfe werden es schon richten!" schreibt Cassjarella. "Wir sind schließlich in ihrem Auftrag unterwegs."

'Ja, ja, das kenne ich schon.' denkt sich Connor. Gegenüber Cassjarella legt er solche Gedanken jedoch schon lange nicht mehr offen. Statt dessen nickt er nur.

Bei der Thalaria herrscht derzeit Trubel. Da werden Kisten und Krüge an Bord und unter Deck gebracht, während große Stapel an weiteren Gütern noch an Land der Verladung harren. Kapitän Dielbrack steht an Deck und weist die einzelnen Schauerleute ein. Und so bemerkt er sie zunächst nicht einmal.

Dafür werden sie von einem der Matrosen entdeckt. Ein Mann mittleren Alters, muskulös und doch geschmeidig. Er taxiert die beiden Ankömmlinge und kommt dann auf sie zu. "He ihr, seht ihr nicht, dass ihr stört. Wir sind hier am Verladen …"

Sanft hält Cassjarella Connor am Arm fest, nicht das der Oberst hier und jetzt ein Exempel statuieren will.

Sanft tätschelnd schiebt er ihren Arm zur Seite und flüstert trocken: "Ist ja gut. Ich tue ihm schon nichts." Nach einer fast unmerklichen Pause fügt Connor noch trockener hinzu. "Jedenfalls jetzt nicht."

Cassjarella atmet erleichtert auf. Ihre Mission ist schon schwierig genug.

Doch bevor er die Gefährten noch weiter reizen kann, hören sie schon die Stimme Dielbracks. "Ah unsere Gäste. Schön dass ihr da seit. Wie sieht es aus? Schippern wir zusammen auf des Flussvaters Reich?"

Ohne Gruß zieht Connor seine Börse und meint: "Hier sind die 15 Dukaten für uns und unsere Tiere zusammen, auf die wir uns geeinigt haben werden." Sein Ton ist kaufmännisch sachlich. Zu Späßen ist er noch immer nicht aufgelegt. Sein Auftreten macht aber deutlich, dass der "Verhandlungsspielraum", wenn man ihn überhaupt so nennen kann, allenfalls marginal ist.

Schräg hinter sich hört Connor ein leichtes Zähneknirschen - Etikette und Verhandlungsgeschick sind nicht die Stärke Connors sollen diese Geräusche andeuten.

Selbstbeherrschung schon, denn der Krieger geht nicht darauf ein. Nicht mal eine Wimper zuckt.

"Aber hallo, eigentlich war mein Angebot ein anderes. Doch bei Phex, ich bin bereit auf Profit zu verzichten. Und dafür Sicherheit einzukaufen. 2 erfahrene Kämpfer an Bord sind immer von Vorteil." Er zeigt ein verschmitztes Lächeln.

"Dann bekomme ich 15 Dukaten von jedem von Euch." Wieder hält er dem Oberst die Hand hin.

"Du" - er betont die Anrede - "hast mich wohl falsch verstanden. 15 für uns alle zusammen." Er räuspert sich kurz. "Und dafür würden wir auch nicht zusehen, sollte es Piraten und lichtscheues Gesindel geben, dass diesen Kahn belästigt." Seine Hand wiegt dabei ein kleines klimperndes Säckchen prüfend in der Hand.

"Aber nein, ich habe Euch richtig verstanden. Und ich habe euer Angebot mit einem Gegenangebot erwidert. Und dank eurer erfrischenden Verhandlungstaktik bin ich ja bereit euch einen Preisnachlass zu geben. Aber bei Phex, zu verschenken habe ich nichts."

Wie gut, dass Cassjarella bei ihrer Ankunft in Ferdok in Stoerrebrandts Kontor noch einen Wechsel gegen Bargeld getauscht hat, so kann sie den Kapitän bezahlen. Dann führt sie ihren Rappen vorsichtig über die Planke an Bord und wartet auf die Anweisungen des Kapitäns, wo sie sich niederlassen sollen.

Connor sieht, dass die Hand für einen Handschlag vorgesehen ist. Nicht für einen erneuten Beutel.

Die angebotene Hand ignoriert Connor.

"Na dann haben wir ja einen Vertrag." Ob Dielbrack die ausgeschlagene Hand übelnimmt ist nicht zu erkennen. Zuviel ist an Bord los und die Träger fluchen nicht schlecht als sie gerade abgestellte Kisten wieder verrücken müssen.

"Also schön." seufzt Connor. Da Cassjarella bereits bezahlt hat, macht es keinen Sinn, hier weiter verhandeln zu wollen. "Dann werde ich im Gegenzug auch nicht zulassen, dass ein dahergelaufener oder -geschwommener Pirat Dich als ersten tötet, sondern höchstens als letzten." Ein freudloses Grinsen begleitet die Übergabe der 15 Dukaten, ehe der Krieger sein Pferd ebenfalls auf das Schiff führt. Das Tier ist völlig ruhig und lässt sich weder von der schmalen Planke, noch dem schwankenden Schiff und erst recht nicht von dem bunten Treiben der Matrosen und den Verladeaktivitäten beeindrucken. Stoisch bleibt es an Connors Seite.

"Jalik, räum mal da vorne die Kisten weg. Wir müssen ein wenig umbauen." Dielbrack spricht dabei den Matrosen an, der sie vorhin so freundlich begrüßt hat. Schnell werden Plätze freigeräumt, an den die beiden Pferde angeleint werden können.

"Habt ihr noch Futter für die beiden Prachtburschen dabei? Oder sollen wir noch ein wenig Stroh besorgen?" fragt Jalik die Marchessa nach getaner Arbeit.

Wortlos drückt ihm die Marchessa 5 Silbertaler in die Hand.

Jalik nickt und verschwindet. Kurz darauf kehrt er zurück mit einem Sack voll Möhren. An Cassjarella gewandt meint er: "Das Stroh wird nachher geliefert. Und das ist zum beruhigen der Beiden." Er reicht ihr einen Taler zurück und gibt den Pferden vorsichtig je eine Möhre.

Connors Streitross schnaubt nur kurz, ohne auch nur an der Möhre zu schnuppern. Erst als der Krieger den Hals des Pferdes streichelt und Shibannah es erlaubt, schnappt sie sich das Gemüse. Mit einem warnenden Blick klärt er den Matrosen auf: "Du hast Glück, dass sie dich nur ignoriert hat. Normalerweise ziehen solche Bestechungsversuche mindestens gebrochene Knochen nach sich. Sag es auch deinen Freunden, dass Shibannah eine gefährliche und eigenständig handelnde Waffe ist."

Das zu glauben dürfte beim Anblick des ausgewachsenen Tralloper Riesen nicht schwerfallen.

Jalik zuckt zurück und verschwindet schnell. Connors Warnung wird rasch unter der Mannschaft und den Schauerleuten verbreitet.

Cassjarella schnippt dem Matrosen mit einem fröhlichen Lächeln den Taler zu und macht sich dann daran den Möhre kauenden Rappen abzusatteln.

Fragend blickt sie sich nach einem Ort um, an dem sie die Sache ablegen kann.

Jalik grinst und lässt die Münze schnell verschwinden. Eine angedeutete Verbeugung und der Matrose geht seinen Aufgaben wieder nach.

Dielbrack wendet sich den beiden erst wieder zu, als ihm Jalik die Begebenheit mit Connors Schlachtross erzählt. "Wenn ihr wegen der Pferde an Bord bleiben müsst, begebt Euch bitte in deren Nähe. Andernfalls wäre es schön wenn ihr noch 3 Stunden die Stadt unsicher macht. Der Verkauf von Stoerrebrandt ist um die Ecke und die Parallelstrasse zur Mole bietet einige Tavernen. Dort könnt ihr noch was essen. Oder ihr wollt richtiges Ferdoker vom Fass haben dann ist am Ende der Mole die Brauerei. Dort besteht die Möglichkeit zur Verkostung. Wenn der Zwerg am Eingang meckert grüßt den alten Worrwisch von mir. Er wird Euch dann einlassen."

"Shibannah wird niemandem etwas zuleide tun, es sei denn, sie fühlt sich angegriffen. Wenn sie in Ruhe gelassen wird, passiert niemandem etwas. Nähert sich jedoch jemand auch nur in der Absicht, einen Blick auf mein Gepäck zu werfen, wird eine kleine Schachtel für die Beerdigung reichen. Mach das den Männern klar und es gibt keine Probleme." Connor scheint sich dessen völlig sicher zu sein und flößt dem Kapitän entsprechendes Vertrauen ein.

"Die Matrosen und die Träger sind instruiert. Und ich werde noch ein Auge darauf haben." versichert Dielbrack den beiden. Ihm scheint daran gelegen zu sein den Trubel nicht noch durch zwei Gäste zu vergrößern.

Connor nickt bestätigend und flüstert Shibannah noch etwas ins Ohr, das aber keiner der Umstehenden versteht. Das Tier wiehert und schnaubt kurz, verhält sich aber danach sofort wieder völlig ruhig.

An Cassjarella gewandt: "Ich befürworte den Vorschlag, noch einmal in Ruhe ein gutes Mahl zu genießen. Wollen wir?"

Cassjarella, die gerade alle ihre Sachen verstaut hat, nickt und geht vor dem Oberst von Bord. Dann wendet sie sich nach links zu den Tavernen.

Connor folgt ihr. Um die schwierige Kommunikation zu erleichtern, lässt er Cassjarella nach der Beschreibung des Kapitäns einfach die passende Lokalität aussuchen.

Am Ende der Mole biegt sie rechts ab um dann in der Parallelstrasse zum Hafen ein gut besuchtes Lokal aufzusuchen. Nachdem sie sich an einem Tisch im mit Weinranken bewachsenen Hof der Taverne gesetzt hat, überlässt sie das bestellen des Essens Connor.

Der ordert kurzerhand zwei Krüge Ferdoker und zum Essen die "Empfehlung des Hauses": Flussforelle vom Grill mit Knoblauch und gedämpften Kartoffeln.

Während sie auf das Essen warten, sieht der Krieger Cassjarella wieder nachdenklich an. Fast meint die Geweihte, sein Blick geht durch sie hindurch und in die Ferne.

Da sie nichts sagen kann und das Schreiben auf Dauer auch nicht wirklich kommunikativ ist, schaut sich Cassjarella ungeachtet Connors Blicke im Innenhof um. Ein wenig wehmütig betrachtet sie die frischen grünenden Weinranken.

'Reiß Dich zusammen, alles wird wieder gut!' sagt sie sich leise seufzend.

Das Bier ist kalt und die Forelle heiß als sie geliefert werden. Und beides schmeckt auch noch sehr gut. Dem Wirt scheint die trübe Stimme Cassjarellas nicht entgangen zu sein. "Werte Dame, ihr scheint betrübt. Ich hoffe nicht über die Wartezeit oder mein Gasthaus. Das könnte ich nur schwer ertragen." Dabei lächelt er sie aufmunternd an. "Esst und trinkt, denn beides hält Körper und Geist zusammen. Und wenn ich wiederkomme erwarte ich ein fröhliches Lächeln auf Eurem Gesicht.

Einen solchen Tag darf man einfach nicht an Trübsal und Sorge verschwenden." versucht er Cassjarella abzulenken.

Cassjarella versucht den Wirt mit einer Geste zu beruhigen. 'Nein, guter Mann, es ist bestimmt nicht das Essen.' will sie sagen - kann es aber nicht.

Sie versucht dabei etwas weniger Ernst zu schauen.

"Nein, nein, alles bestens!" versucht Connor den Wirt zu loben. "Schenkt uns noch 2 Krüge aus." komplementiert er ihn höflich weg.

Das bestellte Bier ist rasch geliefert und der Wirt wendet sich seinen anderen Gästen zu.

Auch Connor genießt sein Essen ohne weitere Konversation.

Das Essen war vorzüglich, der Preis angemessen. Doch jetzt rückt die Abfahrt näher.

Cassjarella gibt dem Wirt ein Zeichen, dass sie bezahlen möchte und legt noch ein kleines Trinkgeld für das gute Essen oben drauf.

Dankend nimmt der Wirt seinen Lohn entgegen. "Mögen die Götter über Euch wachen." verabschiedet er die beiden.

Dann nickt sie Connor zu und begibt sich zurück zum Schiff.

Kurz vor Ablauf der vereinbarten 3 Stunden finden sich die Beiden am Schiff ein. Die Pferde sind ruhig geblieben. Auch das notwendige Futter ist inzwischen geliefert worden. Kapitän Dielbrack empfängt die beiden mit einem herzlichen "Bei Efferd. Das passt ja gut. Wir haben alles verladen. Die Reise kann beginnen."

Freundlich bestätigt Cassjarella die Feststellung mit einem Nicken. Dann sucht sie sich einen ruhigen Platz an dem sie den Seeleuten nicht im Wege ist.

Vor dem Aufbau sind einige Kisten abgestellt. Auf einer dieser Kisten kann die Geweihte Platz nehmen und ist niemand im Weg. Auch für Connor findet sich eine Kiste als Sitzgelegenheit.

Der Krieger folgt ihr auf dem Fuße, überzeugt sich von der Qualität des Pferdefutters und tätschelt sein Streitross liebevoll, ehe auch er sich ein Fleckchen sucht, an dem er niemanden stört. Zur Beschäftigung holt er seinen Ringelpanzer hervor und beginnt, diesen mit Bürste, Zange und Öl zu pflegen. Danach ist sein Waffenarsenal an der Reihe: Kurzschwert, Tuzakmesser, Dolch.

Eine Arbeit, der sich Cassjarella anschließt. Sie holt ihre drei Schwerter und den Dolch aus den Tuchhüllen hervor und beginnt sie zu putzen. Dabei ist sie so in die Arbeit vertieft, dass sie nicht einmal ihre schwarzen Locken, die ihr ins Gesicht fallen beiseite streift.

Nachdem der Dolch geputzt ist, kommt ihr Barbarenschwert an die Reihe. Dann "Sturmbringer", ihr Tuzakmesser und zum Schluss der Rondrakamm. Als die Sonne kurz ihre Strahlen auf die gewellte Klinge fallen lässt, scheinen kleine Flammen am Rand des makellosen Zweihänders entlang zu laufen.

Nach getaner Arbeit werden die Waffen wieder von in ihre Tuchhüllen verstaut.

Ein kurzer Blick auf die Rüstung zeigt Cassjarella, dass diese die bisherige Reise in ihrer Schutzhülle gut überstanden hat und keiner weiteren Pflege bedarf.

Langsam steuert Kapitän Dielbrack seine Thalaria aus dem Hafen. Vorbei am Tempel des Efferd lenkt er das Schiff gekonnt auf den Großen Fluss. Stromabwärts treibt der Kahn gemächlich. Waren beim Auslaufen noch alle Matrosen beschäftigt, so kehrt nun Ruhe ein. Jalik übernimmt das Steuer und der Kapitän kommt vom Aufbau herunter. Er betrachtet versonnen die glänzenden Waffen und Rüstungen. "Das reicht ja für eine Armee. Wenn ihr in die Khom wollt, seid ihr hier aber falsch. Da wäre ein Schiff die Rakula entlang ins Mittelreich besser gewesen. Und dann über die Reichsstraße 2 nach Süden." Leicht grinst er bei diesem Hinweis.

"Ja, jede Armee wird es sich sicher zweimal überlegen, ob sie sich mit uns beiden anlegt." erwidert Connor leicht spöttisch. "Und was sollen wir in der Khom?" fragt er nach einem Seitenblick zu Cassjarella nach.

Auch die hebt nur fragend die Schultern. 'In die Khom?'

"Habt ihr es nicht gehört, da soll doch gerade der nächste Krieg vorbereitet werden. Aus Al'Anfa sollen sie unterwegs sein. Ein Händler, der vor kurzem da war hat es gestern erzählt. Hatte schöne Schals dabei, Burnus hat er sie glaube ich genannt. Das soll da unten fast jeder tragen."

"Wir können nicht in jedem Krieg kämpfen." merkt Connor lakonisch an. Aufhorchen lässt das den Krieger allerdings schon. Schließlich besteht ihre Aufgabe in der Wiederbeschaffung eines Schwertes, an dessen Verschwinden die Wüstensöhne nicht ganz unbeteiligt gewesen sind. Aber das geht den Kapitän nun wirklich nichts an. Daher fügt er hinzu: "Falls sich einer dieser Burnus-Träger hier blicken lässt und das Schiff bedroht, sind wir hier zu finden." Damit ist für ihn die Konversation beendet und Connor widmet sich wieder der Pflege seines Schwertes.

Zu dieser Abfuhr schüttelt Cassjarella nur schmunzelnd den Kopf.

Kapitän Dielbrack zieht sich daraufhin in seine Kabine zurück.

Und so vergeht der restliche Tag ruhig. Die Thalaria zieht vorbei an mehreren kleinen Dörfern. Die Landschaft ist frühlingshaft grün und häufig reichen die Felder bis nahe ans Ufer. Wallersheim und seine Thorwaler lässt das Schiff ebenso hinter sich wie Nadoret und sein Schloss. Hinter Nadoret beginnt sich die Landschaft langsam zu wandeln. Die Felder werden weniger, das Grün scheint zu verblassen. Moorbrück und seine Sümpfe kommen näher. Das können die Gefährten dem Gespräch der beiden Matrosen an Deck entnehmen. Nachdem sie ihre Routinearbeiten erledigt haben sind sie nun dabei das Abendessen zu angeln. Doch die Ausbeute für heute ist mager. Ein Wels wird an Bord gezogen. Zusammen mit Brot und Bier reicht es aber den Hunger zu stillen.

Gegen Abend erreicht das Schiff den Zufluss der Warna. Ab hier übernimmt Kapitän Dielbrack wieder das Steuer. "Eure Hängematten sind fertig, der Hummel kann Euch den Platz zeigen." Dabei deutet er auf einen Matrosen. Dieser nickt stumm und blickt die beiden fragend an.

Cassjarella, die nach dem Waffenreinigen, die Umgebung und das Treiben auf dem Schiff beobachtet hat, erhebt sich und folgt dem Matrosen.

Der Krieger folgt ihr ebenso wortlos.

Kapitän Dielbrack erzählt beim Abendbrot, dass sie mit der Thalaria nur in Städten anlegen werden. Auf dem Fluss sind sie vor Räubern und wilden Tieren sicher. Und den Flusspiraten würden sie an Land auch nicht entgehen können.

Cassjarella schnaubt nur ein wenig verächtlich.

Connor schüttelt den Kopf. "Ein wenig Übung jeden Tag ist doch nicht verkehrt?!" Dabei streicht er über den Griff seines Kurzschwertes, das auch hier an Bord in der Schärpe steckt, die seine Weste zusammenhält.

"Ein wenig Übung ist bestimmt nicht verkehrt. Aber mein Geschäft ist das des Phex, nicht der Rondra oder des Firun. Und dafür brauche ich eine scharfe Zunge, einen wachen Verstand und ausgeruhte Matrosen. Übernächtigte Krieger mögen Ruhm ernten, aber den können weder ich noch meine Männer essen. Seht es also uns einfachen Flussschiffern nach, dass wir keine Rücksicht auf Eure Übung nehmen." antwortet Dielbrack höflich. "Vielleicht bekommt ihr eher Gelegenheit für eine Übung als Euch recht ist." setzt er mit leicht verzogener Miene nach.

"Erklärt das!" hakt Connor nach.

Auch Cassjarellas Aufmerksamkeit ist jetzt ganz bei dem Kapitän.

"Ich hatte doch schon von den Piraten erzählt, die derzeit den Großen Fluss unsicher machen. Derzeit weiß niemand, wo sie ihr Lager haben und wo sie als nächstes auftauchen. Daher mag es sein, dass ihr schneller eine Übung bekommt als Euch lieb ist." erläutert der Kapitän seine Andeutung.

"Ich hab gehört sie waren zuletzt unten bei Albenhus." mischt sich ein älterer Matrose mit Schnauzbart ein.

"Und ich dachte sie seien derzeit auf der Ange unterwegs" gibt Jalik weitere Gerüchte preis.

"Wie auch immer, wir werden wachsam sein. Jalik und Salm, ihr geht gleich schlafen. Die Hummel übernimmt die erste Wache. Dann Salm, dann Jalik. Ich bleibe am Steuer." beendet der Kapitän das Essen für die Matrosen und sich.

Da jetzt mehr Ruhe und Platz auf dem Schiff ist, nutzt Connor die Gelegenheit zu Übungen mit dem Kurzschwert und dem Tuzakmesser. Auf beengtem Raum zu kämpfen will gelernt oder zumindest trainiert sein. Je besser er die Umgebung auch bei Dunkelheit kennt, um so sicherer kann er im Kampfgetümmel agieren.

Er merkt dabei schnell, dass auf Deck das Kurzschwert vorzuziehen ist. Überall steht oder liegt etwas, nur schmale Gehwege sind vorgesehen. Und auch dort mag noch ein Tauende den unachtsamen Kämpfer zu Fall bringen.

Dielbrack beobachtet vom Ruder aus den Schattenkampf. Hin und wieder kommentiert er die Übungen mit "Achtung, zerbrechlich." oder "Hinter euch ein Tampen".

Obwohl der Krieger die gerufenen Bemerkungen scheinbar ignoriert, nimmt er sie auf und berücksichtigt alle Hinweise, so gut es geht. Der Kapitän ist überrascht, mit welcher Präzision Connor auch flink und kraftvoll geführte Schläge und Schwünge immer rechtzeitig - manchmal keinen Halbfingerbreit über dem Ziel - abstoppt oder die Schlagrichtung ändert.

Da Cassjarella mit Connor schon die Kräfte messen konnte, schaut sie nur gelegentlich bei seinen Übungen zu. Ansonsten entspannt sie sich.

Am Bug hält die Hummel Ausschau nach Hindernissen oder entgegenkommenden Schiffen. Doch dank der Vorführung des Oberst kommt der Matrose seiner Tätigkeit eher nachlässig nach. Immer wieder dreht er sich um, um die Figuren, Drehungen und Schläge zu sehen.

Das bringt ihm zunächst einen milden Tadel des Kapitäns ein. Doch als er wiederholt ermahnt werden muss scheint es Dielbrack zu reichen.

"Erwisch ich Dich noch einmal mit dem Kopf gen Heck zieh ich Dir einen Tag Deiner Heuer ab. Und jetzt pass auf, da vorne ist was."

Kaum hat Dielbrack seine Warnung ausgesprochen gibt es einen dumpfen Knall. Die Thalaria erbebt leicht. Dann ist ein Geräusch von Holz das auf Holz schabt zu hören.

"So 'ne Sch…! Was macht ein Baumstamm mitten in der Fahrtrinne." flucht Hummel vorne.

Cassjarella springt aus ihre Meditation gerissen auf die Beine und schaut sich nach der Ursache um.

Ein Baumstamm schrammt derzeit an Backbord am Schiff entlang. Es handelt sich nicht um einen zufällig ins Fahrwasser geratenen Baum. Soviel kann Cassjarella sofort feststellen. Der Baum wurde sorgfältig entastet.

Nachdem sie das festgestellt hat, beobachtet sie das nächste Ufer und ob sich das Schiff auf Grund des Baumstammes noch näher an das Ufer annähert. Auch hält sie nach auffälligen Bewegungen auf dem Wasser Ausschau.

Da der Kapitän dem Baumstamm nicht mehr ausweichen konnte, liegt das Schiff immer noch auf Kurs. Zu sehen ist nichts. Auch Hummel schweigt.

Dafür ist Dielbrack in Rage. "Du hesindeverlassener Leichtmatrose. Jetzt werden wir vorsichtshalber in Albenhus stoppen müssen. Wofür habe ich eine Nachtwache, die sich von einem Schwerttanz ablenken lässt."

Die weitere Nacht verläuft ereignislos. Woher der bearbeitete Baumstamm kam, kann keiner der Schiffer nachvollziehen.

Der Tag selber verläuft ereignislos. Auf dem Großen Fluss ist flussaufwärts wenig Verkehr. Und so haben Cassjarella und Connor viel freie Zeit.

Die Umgebung ist geprägt durch die Ausläufer des Koschgebirges auf der einen Seite und des Amboss auf der anderen Seite. Dazwischen der Fluss und fruchtbare Felder und Wald.

Die Thalaria macht gute Fahrt und scheint auch den Zusammenstoß gut überstanden zu haben. Doch der Kapitän verkündet gegen Mittag: "Heute Nachmittag werden wir Albenhus erreichen. Da landen wir an und ich werde das Schiff eingehend prüfen. Wir werden dann auch evtl. die Nacht im Hafen verbringen."

Cassjarella freut sich darauf von den Planken herunter zu kommen und ihrem Rappen ein wenig Bewegung zu gönnen.

Am späten Nachmittag erreichen sie Albenhus. Mitten in den Großen Fluss hinein ist hier eine künstliche Insel gebaut worden. Sie hat das Aussehen eines Schiffs, mit einer großen Steinsäule als Mast. Auf diesem Mast thront ein springender Delphin.

Sie weist fragend auf diese Insel.

"Eine Tempelinsel?" fragt Connor den Kapitän.

Bevor Dielbrack antworten kann bestätigt Jalik seine Vermutung.

Jalik, der gerade in der Nähe steht, bemerkt ihre ausgestreckte Hand. Ein Blick in ihr fragendes Gesicht scheint ihm zu helfen. " Das ist der Tempel der Rauschenden Wasser. Ein Wunderwerk zu Ehren Efferds. Wenn wir über Nacht halten, solltet ihr überlegen es zu besuchen. Auch wenn der Weg dahin nicht ganz einfach ist. Man sollte einigermaßen schwindelfrei und trittfest sein."

Dankend neigt Cassjarella den Kopf.

Albenhus erweist sich als sehr hektisch. Der Hafen ist voll mit Flussschiffen und Lastkähnen, die Waren auf dem Großen Fluss transportieren wollen.

Kapitän Dielbrack besieht sich den Schaden und atmet erleichtert auf. "Ein wenig Pech wird reichen. Morgen früh geht es weiter."

"Lass uns ein wenig reiten!" schreibt Cassjarella auf einen Zettel.

"Ja, die Tiere brauchen Auslauf." bestätigt Connor knapp.

So bietet sich ein kurzer Besuch der Stadt an. Was ihnen im Gedächtnis bleibt sind die trichterförmigen Häuser. Jede Etage eines Hauses ist etwas größer als die untere Etage. Und so treffen sich teilweise die Häuser in der Mitte der Straße. Was für Reisende auch von Nachteil sein kann. Nur knapp entgeht Connor einer Ladung aus einem Nachttopf.

Die darauf folgende Flucht in die nächste Kneipe zeigt eine weitere Besonderheit des Ortes. Hier ist vieles auf die Angroschim ausgelegt. Da Albenhus der Wohnort für viele Angroschim ist haben sich die ansässigen Händler und Wirte darauf eingestellt. Theken und Teile des Inventars sind an die Größe des kleinen Volks angepasst. Das merken auch die beiden. Bei ihrem Besuch sind nur noch für Zwerge passende Tische frei. Und die sind auf Dauer extrem unbequem.

Nachdem Cassjarella das Essen schnell aufgegessen hat, deutet sie Connor, dass sie doch lieber einen anderen Ort aufsuchen sollten.

Der nickt stumm. "Die Kurzen sollen sich doch vortrefflich auf die Schmiedekunst verstehen. Vielleicht finden wir einen versierten Waffenhändler." deutet er ein mögliches Ziel an.

Cassjarella Interesse ist nicht sehr groß, aber wenn Connor dorthin will, so wird sie mit ihm gehen.

Eine Rückfrage bei den Albenhusern ergibt, dass es natürlich Waffenhändler und -schmiede im Ort gibt. Wobei ein Händler der neben Waffen auch Expeditionsmaterial und sonstigen Kleinkram verkauft wohl nicht in Connors Vorstellung eines geeigneten Geschäfts passt.

Aber auf der anderen Seite des Flusses, nahe am Ingerimmtempel auf der Kuppe, soll es noch einen guten Waffenschmied geben. Orlax, Sohn des Ortogosch, sei sein Name. Neben seiner Schmiede betreibe er auch eine kleine aber feine Waffenhandlung.

Eine Fähre über den Fluss sei vorhanden und würde bei Bedarf übersetzen.

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Der nächste Tag verläuft ereignislos auf der Thalaria. Es hat am Morgen schon begonnen zu regnen und das setzt sich tagsüber fort. Erst gegen Abend klärt sich das Wetter auf.

Cassjarella lässt sich von dem Regen nicht stören. Sie sitzt wie am Vortag in einer Meditationshaltung am Bug.

Um die wertvollen Waffen und die Rüstung zu schützen, stopft Connor seine Sachen unter eine der Persennings und zurrt sie mit Hilfe eines Matrosen wieder fest.

In der Nacht erschallt plötzlich der Ruf Dielbracks. "Achtung. Da vorne liegen Stämme im Wasser."

Und wieder steht Cassjarella auf und beobachtet die Umgebung.

Das ist auch für Connor ein Grund, sich aufmerksam umzusehen. Abwesend streicht seine Hand immer wieder über den Griff des Kurzschwerts, das in seiner Schärpe steckt.

Vor dem Schiff erkennen die beiden eine Reihe von Bäumen. Sie liegen auf dem Wasser von einem Ufer des Flusses bis zum anderen. Wie Perlen auf einer Kette scheinen sie aneinander gereiht.

"Eine Sperre!" da ist sich Connor ganz sicher. Zwar sind seine Kenntnisse im Bereich der Seegefechte eher gering. Allerdings hat er schon mehr als eine Schiffsreise unternommen, die zum unrühmlichen Ende einiger Piratenbanden geführt hat. Und das hier trägt genau so eine Handschrift!

Cassjarella deute Connor, dass er doch mal schnellstens die Sperre durchbrechen sollte.

"Und wie stellst Du Dir das vor?" fragt der Krieger mit einem kritischen Seitenblick. "Sehe ich etwa wie eine Pionierkolonne aus?" Suchend blickt er sich um, ob von einem der beiden Ufer aus vielleicht etwas auf sie zukommt. Der Geweihten trägt er auf: "Behalte die Stämme im Auge, vielleicht dienen sie Angreifern als Schwimmhilfe, die sich tauchend um das Schiff herum verteilen, um uns von allen Seiten gleichzeitig anzugreifen!" Diese Befürchtung teilt er auch rasch den nächsten Matrosen mit, damit auch diese gewarnt sind.

Aus gut getarnten Verstecken am Ufer tauchen nun 3 Boote auf. Sie sind mit je 3 Personen besetzt. Ebenfalls entdeckt Connor ein Floß, welches langsam auf die Thalaria zutreibt. Hier halten sich noch 4 Personen auf. Allesamt eher schlecht gekleidet. Aber die Entermesser die sie in den Händen halten sind gut gepflegt.

Dielbrack hat die Situation so wie die Helden eingeschätzt und durch lautes Rufen den Rest der Mannschaft an Deck geholt. Auch die Matrosen sind mit Entermessern bewaffnet und suchen sich jetzt geeignete Kampfplätze. Da geht ein harter Ruck durch die Thalaria. Das Schiff ist auf der Barrikade aufgelaufen.

Connor federt den Aufprall des Schiffes locker aus den Knien ab und macht sich bereit, den ersten Angreifer direkt beim Erklettern der Schiffswand mit einem gezielten Stich des Schwertes wieder in den Fluss zu befördern. Den Matrosen ruft er zu: "Bootshaken herbei! Stoßt sie ins Wasser!"

Connors Angriff war sehr gut gezielt. Einer der Piraten wird von oben in die Brust getroffen und stürzt schwer verwundet zurück ins Boot. Dabei gerät das Boot so stark ins Schwanken dass ein zweiter Pirat aus dem Gleichgewicht gerät und ins Wasser fällt.

Cassjarella hat den Stoß kommen sehen und kann ihn einfach abfangen. Dann eilt sie zu ihrem Bündel und wickelt ihr Barbarenschwert aus. Sie verschafft sich anschließend einen Überblick über die Lage und eilt zu dem am nächsten liegenden Floss.

Das Floß ist noch unterwegs, aber an 2 Stellen sind die Boote jetzt an das Schiff herangekommen. Und Jalik und Hummel waren mit den Bootshaken nicht sehr gut. Statt die Angreifer zu vertreiben sind sie selbst im Wasser gelandet.

Dielbrack ist außer sich: "Bei den Bartalgen des Flussvaters, was macht ihr Landratten da. Badetag ist nur jeden ersten Markttag im Praios."

Dann kommt er Salm zu Hilfe, der von 2 Piraten gleichzeitig bedrängt wird. Ähnlich geht es Cassjarella, die es ebenfalls mit 2 Angreifern zu tun bekommt. Connor selber hat derzeit keine Gegner. Der 3. Mann im Boot kümmert sich erstmal um das schwankende Gefährt und den verletzten Kameraden.

Somit stellt sich die Situation wie folgt dar:

 

Connor rechnet nicht damit, dass "sein" Gegner so schnell an Bord kommt, dass er nicht erst noch Cassi einen "ihrer" Gegner abnehmen kann. So wendet er sich um und stürmt auf den Piraten los. Er fällt ihn mit einem starken Angriff an.

Der Pirat weicht zurück und Connors Schlag geht ins Leere. Dafür muss er aufpassen, denn im Gegenzug greift der Pirat zu einem an der Bordwand herumstehenden Eimer und wirft ihn nach Connors Füßen. Das Geschoss rauscht in Richtung des Kriegers, der noch mitten in der Bewegung ist.

Als hätte der Krieger nie etwas anderes getan, weicht er dem Geschoss aus und überwindet dabei sogar noch die Entfernung zum Piraten, um einen weiteren massiven Angriff auszuführen.

Der Pirat taumelt unter dem wuchtigen Hieb, greift dann aber mit dem Mut der Verzweiflung an und stolpert dabei über ein herumliegendes Tau.

Da der Krieger den Piraten nicht töten will, wenn es nicht unbedingt erforderlich ist, versetzt er ihm einen gewaltigen Schlag mit dem Heft des Schwertes gegen die Schläfe, so dass sein Gegner nur ins Reich der Träume geschickt wird.

Er trifft seinen Gegner genau. Der Pirat stöhnt kurz auf und bleibt dann bewusstlos liegen.

Ein kurzer Blick zeigt Cassjarella mit 2 Piraten kämpfen. Obwohl sie gerade einen Treffer einstecken musste, wirkt sie keinesfalls hilfsbedürftig. Dielbrack dagegen könnte Unterstützung brauchen. Auch er steht jetzt gegen 2 Piraten, da Salm sich zurückgezogen hat. Die Hand des Matrosen blutet stark. Und auch Dielbrack hat einen Schnitt am linken Arm.

Connor eilt dem Bedrängten zu Hilfe und stürmt auf den 2. Gegner zu.

Der Pirat kann die Attacke abwehren und greift seinerseits an. Doch der Angriff ist zu schwach, um den kampferfahrenen Oberst in Bedrängnis zu bringen. Da erschallt die Stimme Dielbracks, der die Piraten auffordert sich zu ergeben.

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Derweil ist Cassjarella bei dem ersten Piraten angelangt. Knurrend greift sie ihn an.

Auch hier kann der Pirat sich verteidigen. Dafür ist sein Angriff eher stümperhaft.

Cassjarella setzt nach und attackiert den Piraten erneut.

Sie trifft diesmal heftig. Doch der Pirat hat noch nicht genug. Er greift erneut an.

Cassjarella hat nicht umsonst fast ihr ganzes Leben Kämpfen geübt, sie kann den ungeübten Pirat abwehren und greift ihrerseits wieder an.

Dieser Angriff gibt dem Piraten den Rest. Er wird herumgewirbelt und sucht sein Heil in der Flucht.

Auch Kapitän Dielbrack hat seinen Piraten zur Flucht gezwungen. Doch dafür hat inzwischen das Floß angelegt und 3 Piraten betreten die Szene.

Cassjarella trifft einen der Piraten.

Dafür muss sie aber 2 Attacken einstecken.

Die Attacke des ersten pariert sie mit Leichtigkeit, aber dadurch hat der zweite Gelegenheit zuzuschlagen. Fauchend schlägt Cassjarella auf den Piraten ein.

Der Angegriffene pariert locker. Doch sein nächster Streich hinterlässt nur ein Loch in der Luft. Sein Kumpan stellt sich noch dümmer an, stolpert und haut sich einen Zeh ab.

Und noch einmal attackiert sie vehement ihren ersten Gegner. Sie hofft, dass die Piraten vielleicht aufgeben, wenn der erste der ihren tot ist.

Die Wucht des Hiebs wirft den Piraten zu Boden. Er blickt sie verwirrt an. Solch einen Gegner scheint er bisher nicht gehabt zu haben. Sein Kumpan erhebt sich schwerfällig, wirft das Entermesser weg und hebt die Hände.

Sofort deutet Cassjarella den Seeleuten und Connor an mit dem Kampf aufzuhören. Die Lage ist klar, weiteres Blutvergießen unnütz.

Kapitän Dielbrack, der ihre Gestik sieht und richtig versteht, macht den beiden noch kämpfenden Piraten mit knappen Worten klar, dass der Kampf vorbei ist. Beide legen daraufhin die Waffen nieder und heben die Hände.

Dielbracks Schnitt scheint schmerzhafter zu sein als er aussieht. Der Kapitän atmet schwer und ist für einen kurzen Moment unachtsam. Diesen Moment nutzen die beiden Gefangenen und springen über Bord.

Connor lässt sie gewähren und wendet sich der Wunde des Kapitäns zu.

"Das sollten wir versorgen." meint er mit fachmännisch.

"Habt Dank. Diese Hunde werden nie wieder ehrbare Flussschiffer belästigen." Mit schmerzverzerrtem Gesicht wendet sich Dielbrack an Salm. "Was ist mit Dir?" fragt er ihn besorgt.

"Sie haben mir einen Finger abgehauen." kommt die schwache Antwort des Matrosen.

"Könntet Ihr ihm helfen?" wendet sich der Kapitän an Connor.

"Sicher." ist die kurze Antwort, als der Krieger sich die Verletzung bereits ansieht.

"Aber helfen wird es kaum was. Der Finger bleibt ab." tröstet Connor den Matrosen.

"Dann haben wir also einen Vierfinger-Salm. Jetzt brauchst Du Dir wenigstens keinen Spitznamen mehr suchen." meint der Kapitän lakonisch.

"Recht herzlichen Dank." kommt die gepresste Antwort Salms. "Auch euch für die Behandlung." Dabei blickt er den Oberst dankbar an.

Die von Cassjarella Bewachten sind zu sehr eingeschüchtert bzw. noch am Boden. Für sie scheint eine Flucht unmöglich.

Nach einem Seitenblick zu den geschlagenen Gegnern der Geweihten - der auch beinhaltet, dass des Cassi gut geht - fragt der Dielbrack noch: "Gibt es die alte Tradition, Piraten an der höchsten Rah aufzuhängen, eigentlich noch? Oder müssen wir uns mit Gefangenen bis zum nächsten Hafen belasten?"

Cassjarella hat, da sie ohne Rüstung gekämpft hat, einen Schnitt ab Oberkörper abgekommen. Aber nachdem sie das Schwert gereinigt hat, beginnt sie mit der Reinigung der Wunde und verbindet sich anschließend.

So wie es aussieht, benötigt sie Connors Hilfe nicht.

"Wir werden die beiden wohl mitschleppen müssen. Sollen sie in Elenvina mit ihnen verfahren wie es Recht und Gesetz vorsehen."

Inzwischen sind auch Hummel und Jalik wieder an Bord. So durchnässt wirken sie wie geprügelte Hunde. Ihre Wut und Scham lassen sie beim Fesseln an den Piraten aus. Connor ist sich sicher, dass die Piraten sich nicht mehr aus eigener Kraft befreien können. Und das die gelegentlichen Aufschreie nicht von den Wunden der beiden kommen.

Als die Ordnung an Bord wieder hergestellt ist wendet sich der Kapitän an die Gefangenen. "Wie kommen wir denn jetzt wieder frei?" fragt er sie grimmig.

"Am Südufer ist die Kette befestigt. Und am Nordufer haben wir eine Winde aufgebaut, um die Stämme wieder einziehen zu können." kommt die kleinlaute Antwort.

Dielbrack überlegt kurz und sagt dann: "Jalik nach Süden und Hummel nach Norden ans Ufer. Boote sind ja genug da." Dann wendet er sich an die beiden Mitreisenden. "Würdet ihr je einen der beiden begleiten?"

"Ich fahre mit nach Norden." bestimmt der Krieger und nickt Hummel zu, ins Boot zu steigen.

Hummel steigt ein und legt ab. Mit schneller Schlägen bringt er das Boot in die Nähe des Nordufers.

Auch Jalik steigt in ein Boot ein und wartet ab, ob die Geweihte einsteigt.

Cassjarella, die gerade mit ihrem Verband fertig ist, nickt Jalik zu und steigt in das andere Boot.

So geht es dann auf zum südlichen Ufer des Großen Flusses. Dort angekommen finden sie das Ende der Kette. Mit einem Schloss ist es an fest an einem großen Findling befestigt.

Da Cassjarella ihr Schwert nicht ruinieren möchte, bitte sie Jalik um sein Entermesser. Diese schiebt sie in den Bügel des Schlosses und versucht es aufzubrechen.

Sie setzt an, drückt und wird von einem Krachen belohnt. Das Schloss ist auf, aber auch eine heftige Scharte im Entermesser. Jalik blickt ein wenig bedröppelt als er das Entermesser zurück erhält.

Das ihm von einer fröhlich lächelnden Cassjarella mit einem Dukaten überreicht wird.

Jalik blickt erstaunt zwischen Dukaten und Waffe hin und her. Dann grinst er: "An Bord liegen ja noch genug von den Teilen. Jetzt hab ich ein Entermesser, eine Geschichte und das passende Feuer dazu."

Blitzschnell verschwindet das Geld in seiner Kleidung und der Matrose im Boot.

Mit einem freundschaftlichen Rückenschlag fordert Cassjarella den Seemann auf sie wieder zurück zum Schiff zu bringen. Sollte sie unterwegs der Situation auf der anderen Flussseite gewahr werden, dann wir sie Jalik dorthin rudern lassen.

Sie kommen trocken wieder am Schiff an. Von Hummel und dem Oberst ist nur das Boot zu sehen. Der Rest wird durch die Bäume verdeckt.

Unruhig geht Cassjarella an Bord auf und ab. 'Es kann doch nicht so schwer sein die Stämme zu lösen! Was macht der Mann den nur!'

Dann eilt sie zum Bug und schaut sich an wie die Stämme mit einander verbunden sind, vielleicht können sie sie auch schon vom Boot aus trennen.

Dabei stellt sie fest, dass das Schiff schon frei wäre. Die Kette treibt langsam in Richtung Nordufer.

Erleichtert wartet sie auf Connors Rückkehr und die Weiterfahrt.

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Auch Hummel greift weit aus um schnell das Ufer zu erreichen. Dort ist durch tief hängende Trauerweiden eine seichte Bucht verdeckt. In dieser befindet sich eine Winde mit der die Kette eingeholt werden kann. Aber scheinbar benötigt man noch Hilfe aus dem Boot heraus, um die einzelnen Stämme in die Bucht zu bringen und zu sichern.

"So ein Mist, das ist ja schon fast professionell zu nennen. Das muss doch mal jemandem aufgefallen sein." flucht Hummel ganz entgegen seiner sonstigen Art.

"Können wir die Kette nicht lösen, damit die Stämme einfach mit der Strömung davon treiben?" schlägt der Krieger vor.

"Bräuchten wir ja nicht mal mehr wenn auf der anderen Seite die Kette gelöst ist. Mit der Strömung würde die Kette immer mehr ans Nordufer getrieben. Und da schadet sie niemand mehr.

Aber andererseits, es sind nicht alle Piraten gefangen. Wenn wir hier nichts machen ist das nächste Schiff wieder dran. Schauen wir mal."

Dabei sieht er sich die Winde an. "Kennt ihr euch mit Mechanik aus?"

"Du meinst, ob ich mehr darüber weiß, als es in 5 verschiedenen Sprachen aufzuschreiben?" fragt der Krieger rein rhetorisch nach.

"Aber wenn wir ein starkes Feuer entfachen, dann wird auch das beste Metall der Winde und der Kette spröde und zerbrechlich. Dann wird kein Pirat sie mehr einsetzen können." fügt er nach kurzem Nachdenken hinzu.

"Das könnte funktionieren. Habt ihr etwas dabei um Feuer zu entzünden?" fragt ihn der Matrose. "Sonst fahre ich grad rüber. Und bringe auch noch ein Beil fürs Holz mit."

"Nein. Wir fahren beide zurück. Soll der Käpt'n entscheiden, was wird." bestimmt Connor und steigt wieder ins Boot.

Kurz zuckt Hummel mit den Schultern dann geht es los. An Bord angekommen entscheidet der Kapitän, dass sie schon genug Zeit verloren haben. Bei der Übergabe der beiden Strolche will er auf die Falle hinweisen. Sollen sich die Büttel oder sonst wer darum kümmern.

Und so schippert die stolze Thalaria siegreich den Großen Fluss entlang. Dank der heilenden Hilfe Connors schließen sich die Wunden rasch und Komplikationen bleiben aus. Dielbrack und seine Mannschaft sind guter Dinge.

Am Morgen des dritten Tages nach dem Überfall erreicht die Thalaria Elenvina. Der Moment des Abschieds ist da. Dielbrack dankt den beiden noch einmal überschwänglich um sie dann mit einem "Phex zum Gruß. Wenn ihr auf dem Rückweg wieder über den Großen Fluss müsst, dann seid willkommen. Die Überfahrt für Euch ist dann umsonst. Und eure Pferde zahlen auch weniger. Und jetzt runter von den Planken wir müssen ausladen. Die Stadtwache muss noch informiert werden. Und in Havena warten sie auch auf mich. Also husch husch raus hier!" Bei den letzten Worten schnäuzt sich der Kapitän kurz und Cassjarella meint eine Träne der Rührung in seinem linken Auge zu sehen.

Kräftig drückt ihm Cassjarella die Hand bei der Verabschiedung und dankt ihm so.

Auch Connor schenkt ihm einen kräftigen Händedruck und bedankt sich. Dann führt er sein Pferd rasch die Planken hinunter und ein Stück vom Kai weg. "So, da wären wir." meint er zu Cassjarella, während er sich umsieht.

Der Hafen in Elenvina ist auch nicht viel anders als andere Häfen die Connor schon gesehen hat. Tagsüber geschäftig und voller Menschen. Jeder hat es eilig. Connor und Cassjarella werden kaum beachtet. Wenn sie einmal angesprochen werden dann weil die Pferde jemandem im Weg sind.

Die sichtbare Besonderheit liegt wie schon in Albenhus im Großen Fluss. Die herzögliche Residenz "Eilenwid-über-den-Wassern" ragt dort auf.

In Elenvina hätten Connor und Cassjarella vermutlich noch viel Zeit verbringen können. Doch Unruhe treibt sie weiter gen Arivor. Und so stehen sie einige Tage später am Abend vor Grangor. Im letzten Gasthaus hatte man ihnen geraten sich auf der Burg Windehag knapp außerhalb von Grangor zu melden. Der Burgherr, Herzog Cusimo von Garlischgrötz, habe eine offene Tür für Helden wie sie.

'Cusimo …' Cassjarella verdreht die Augen.

Und tatsächlich werden sie nach einer kurzen Vorstellung vom Majordomus in den Hof geführt. Die Pferde werden ihnen abgenommen und versorgt. Der Stallknecht versäumt es auch nicht beide nach Besonderheiten im Umgang mit den Tieren zu befragen. Er scheint sich mit Pferden auszukennen.

Ein knapper Befehl sorgt dafür, dass sich Connors Streitross vom Stallburschen wegführen, füttern und striegeln lässt. Er wirft ihm einen Silbertaler zu und schenkt ihm ein knappes Nicken.

Der bedankt sich artig und führt das Pferd weg.

Durch schwach erleuchtete Gänge werden Connor und Cassjarella zum derzeitigen Aufenthaltsort des Grafen geführt.

Während sie durch die Burg geführt werden, sieht Connor an sich herab.

"Ob ich den Ringelpanzer gegen etwas informelleres hätte tauschen sollen?" fragt er mit einem Seitenblick zu Cassi.

'Egal!' scheint Cassjarella zu antworten.

"Ja, Du hast ja auch keinen an." erwidert der Krieger. Offensichtlich fällt es ihm von Tag zu Tag leichter, Cassjarellas wortloser Art zu begegnen und so etwas wie Gespräche mit ihr zu führen.

'Und ich werde erst wieder eine Rüstung tragen, wenn Sie mich wieder in ihre Gemeinschaft aufnimmt.'