Nach einer erholsamen Nacht und einem guten Frühstück brechen die 4 am nächsten Morgen auf. Sie folgen zunächst der Herzogstrasse bis Farsid. Und reisen dann über Ruthor und Arinken weiter nach Süden. Bei Pertakis stoßen sie auf die über 600 Schritt lange Zugbrücke über den Yaquir. Ein Meisterwerk der Baukunst. Auf der gut ausgebauten Seneb-Horas-Strasse kommen sie gut voran. Und sehen so am Abend des dritten Tages Arivor vor sich.

Eine Stadt, der man schon von außen ihre kriegerische Vergangenheit und Gegenwart ansieht. Eine Hochburg des Glaubens an Rondra wie Cassjarella weiß. Hier wurde der Theaterorden gegründet, hier soll der heilige Geron gewirkt haben.

Obwohl die großen Pilgertouren erst im Rondra hier erwartet werden, ist die Stadt voll von Menschen. Am nächsten Abend soll eine der riesigen Veranstaltungen im Kolossal-Theater aufgeführt werden. So erfahren es die 4 als sie einen der Arivorer fragen. Auch sollen in den nächsten Tagen die Abschlussfeiern für die frisch gebackenen Absolventen der Kriegerakademie von Statten gehen.

"Meint ihr, wir können einen Tag hier bleiben und morgen ins Theater gehen?" fragt Celissa die anderen.

"Avec plaisir, ein vorzügliche Idee!" antwortet Randirion mit erfreut aufblitzenden Augen. "Dieses Theater ist immer einen Besuch wert. Meine Zustimmung und Begleitung ist Euch sicher."

Connor zieht nur kurz die Stirn kraus, sagt aber nichts. Unabhängig von der Verzögerung scheint ihm ein Theaterbesuch nicht sonderlich zuzusagen.

"Ich muss den Alten Krieger treffen, das ist meine Aufgabe!" schreibt Cassjarella. "Dann werde ich sehen."

Fragend schaut sie Connor an, ob er lieber dem Müßiggang nachgeht oder mit ihr diesen Krieger sucht.

Die beiden sind unterwegs, um die ihnen gestellte Aufgabe zu lösen. Außerdem war und ist Müßiggang keine von Connors bevorzugtem Zeitvertreib. Daher deutet der Krieger mit einem Kopfnicken seine Zustimmung zu Cassjarellas Plan an.

"Was für einen Alten Krieger?" fragt Celissa. "Das sieht aus wie ein Titel …"

"Connor wird sich schon durchfragen", schreibt Cassjarella auf.

"Ach, Ihr wisst gar nicht, wer das ist?" fragt Celissa überrascht. "Na gut …" Sie blickt von einem zum anderen. "Das wird dann aber doch auch einen Tag brauchen, oder?"

Cassjarella nickt nachdenklich. 'Vermutlich.'

"Nun, können wir euch bei der Suche nach diesem Alten Krieger irgendwie helfen?"

"Sicher - fragt euch mit uns zusammen durch." kommt die offensichtliche Antwort von Connor. Innerlich schüttelt er aber nur den Kopf. "Dann geht es bestimmt schneller."

Celissa nickt. Sie hatte eigentlich gefragt, weil sie nicht wusste, ob die beiden vielleicht keine Begleitung wollten. "Was wisst Ihr denn über ihn?"

"Cassjarella erwähnte, dass ihr die Göttin im Traum geraten hat, den alten Krieger in Arivor aufzusuchen, damit dieser sie leite. Ich vermute, dass es sich um ein Mitglied des hier ansässigen Ordens der Rondra, der Ardariten, handeln könnte. Schließlich verehren diese Krieger wie niemand sonst die Göttin." Connors Stimme klingt nachdenklich; sicher ist er sich nicht, aber es scheint der beste Anhaltspunkt hier in Arivor zu sein.

Cassjarella nickt bestätigend, mehr kann sie dazu nicht beitragen.

"Na dann … hoffen wir mal, dass es nicht so viele alte Mitglieder des Ordens gibt." Das scheint Celissa alles etwas vage. "Oder dass die Herrin Rondra dem richtigen auch schon einen Traum eingegeben hat."

"Wenn alt/bei einem Krieger nach allgemeinen Maßstäben überhaupt zutrifft, dann dürfte er ziemlich gut und damit auch in der Hierarchie recht weit oben stehen. Vielleicht sogar ganz oben …" fügt er mit einem Seitenblick zu Cassjarella hinzu. "Und dann ist unser Problem gar nicht, ihn zu finden, sondern ihn zu treffen."

'Wenn die Leuin es will, dann werden wir es, bestimmt!' denkt Cassjarella.

Celissa schüttelt den Kopf. "Auch wenn er da ganz oben steht, kann er einer Marchessa nicht einfach so ein Gespräch verweigern", erklärt sie.

'Aber einer von der Göttin verlassenen Geweihten …'

Der Krieger zuckt mit den Schultern. "Weshalb nicht?" Die Frage ist offensichtlich rein rhetorisch gemeint, denn Connor schneidet ihr jede weitere Antwortmöglichkeit dadurch ab, dass er festhält: "Also lasst uns aufbrechen und mit der Suche beginnen. Wir treffen uns am besten später hier wieder."

Cassjarella schaut ihn fragend an. Erst sollen sie zusammen suchen und dann wieder nicht.

"Oder sollen wir uns erst ein Quartier suchen?" fragt Connor, als er Cassjarellas Blick - offenbar missdeutend - bemerkt?

Sie schüttelt verneinend den Kopf. Jetzt füllen sich doch gerade die Schenken und da bekommt man über Krieger sicherlich die besten Informationen.

Wie sie beim Gang durch die Gassen feststellen handelt es sich hier nur um einen vorgelagerten Stadtteil von Arivor. Der berühmte Waffenschmied Saladan von Arivor hat hier eine Reihe von Manufakturen erbauen lassen. Darum herum haben sich viele kleinere Handwerker angesiedelt. Saladania bietet somit zum Einkaufen wunderbare Möglichkeiten, und auch die Werke des Saladan sind sicher einen Besuch wert. Auf die Frage nach Gaststätten und Märkten wird jedoch schnell auf den im Hintergrund liegenden Goldhelm verwiesen. An seine Hänge schmiegt sich die eigentliche Stadt. Dort befinden sich auch die Tempel und die Ordensburg der Ardariten. Und über allem thronen die Überreste der alten Burg, die auf die wechselvolle Geschichte Arivors hindeuten.

"Ich dachte, wir gehen gemeinsam", versetzt Celissa. "Ist doch einfacher."

"Als große Gruppe werden wir sicher eher auffallen, aber weniger Bereiche der Stadt erforschen können." erwidert Connor. "Aber wenn das der Wunsch der Damen ist" - er wirft Randirion einen bedeutungsvollen Blick zu - "soll es mir Recht sein." Mit einer einladenden Geste bedeutet er den beiden Damen, voranzugehen.

"Vielen Dank, Connor." Celissa schenkt ihm ein Lächeln und folgt Cassjarella.

Der Cavalliere nickt bekräftigend. "Man tut gut daran, den Wünschen der Damen nachzukommen", bemerkt er schmunzelnd und fügt an: "Ich nehme an, die Wahrscheinlichkeit dürfte am Höchsten sein, diesen alten Krieger, zu dem die Leuin Ihre Gnaden geschickt hat, im Orden der Ardariten anzutreffen."

"Eine vorzügliche Idee, mein Lieber." fällt Connor in die gesalbte Ausdrucksweise des Cavalliere ein, ohne wirklich den richtigen Ton zu treffen. Mit raschen Schritten folgt er Cassjarella, die sich bereits in Bewegung gesetzt hat und offenbar weiß, wo der Orden seinen Sitz hat.

Cassjarella lenkt ihre Schritte in Richtung Ordensburg.

Die Ordensburg zu finden ist kein Problem. Arivor ist Stammsitz der Ardariten. Und das traditionelle Zentrum des Kriegeradels und der Rondra-Kirche im Lieblichen Feld. Hier ist jeder der Löwin verbunden und stolz auf den Orden der heiligen Ardare. Und natürlich gerne bereit über Orden und Rondra zu sprechen.

Die Burg liegt am Westhang des Goldhelms gegenüber eines großen Feldes. Dort so wird den 4 erzählt findet jedes Jahr das große Turnier statt. Über einen kleinen gewundenen Aufstieg erreicht man die Burg, die von mehreren Bewaffneten in der Tracht des Ordens bewahrt wird. Ein schlichter weißer Waffenrock mit einem roten Schwert.

Eher gelangweilt beobachten die Wächter den Aufstieg der Gefährten. Am Tor angekommen werden die 4 mit den Worten "Rondra zum Gruß edle Wanderer. Dies ist das Hauptquartier des Ordens der Heiligen Ardare von Arivor. Was führt Euch zu uns?" begrüßt.

"Rondra und die Zwölfe auch mit Euch!" ergreift Connor das Wort. Er sieht sich wegen Cassjarellas Beeinträchtigung zwar nicht als Anführer der Gruppe, wohl aber als ihr Sprecher. Unter Hinweis mit seiner Hand auf die Geweihte fährt er fort: "Diese der Rondra geweihte Streiterin sucht auf Geheiß der Göttin hoch selbst nach Antwort auf eine Frage, die ihr der Alte Krieger beantworten können soll. Wir vermuten ihn in den heiligen Hallen Eures Ordens und begehren einen der Ordensführer zu sprechen."

Cassjarella nickt und holt das Pergament mit der Beschreibung ihres Traums aus ihrer Robe. Allerdings wird sie das Pergament nicht der Torwache geben.

Einen kurzen Augenblick entgleisen die Gesichtszüge des Sprechers. 'Schon wieder jemand mit Visionen. Sollen die doch zum Seelenheiler gehen', drückt seine Mimik aus. Dann hat er sich wieder unter Kontrolle.

"Eine lobenswerte Einstellung sein Leben der heiligen Löwin zu widmen. Und gerne würde ich Euch weiterhelfen. Allerdings liegt unser Senneschall Dapifer ter Bredero nach einem Unfall derzeit krank danieder. Entsprechend ist es uns auch nicht möglich Euch zum Alten Krieger vorzulassen. Doch am Rondratag ist eine öffentliche Audienz.

Dort könnt ihr selbstverständlich eure Frage stellen."

"Oh, das ist aber schade", kommentiert Celissa. "Hoffentlich geht es dem Herrn Senneschall bald wieder besser. Ist er denn dieser Alte Krieger?"

"Er könnte es sein. Wobei er hier von niemandem so genannt wird."

Jetzt schnaubt Cassjarella kurz. Sie überlegt, ob sie die Wache auf der Stelle ohrfeigen sollte, bedenkt sich dann doch eines besseren und holt ihre Legitimation als Marchessa hervor. Die sie stumm dem Torwächter in die Hand drückt.

Dieser liest schnell und gibt die Rolle dann zurück. "Es tut mir leid Erlaucht, auch für Euch gilt meine vorherige Aussage. Unser Landesherr ist wie schon erwähnt indisponiert."

Cassjarella spürt wie sie die Wut überkommt. Die Narbe am Hals fängt leicht an zu brennen und sie kann sich kaum noch im Zaum halten.

"Ist das sein letztes Wort?" schreibt sie auf die Tafel.

"Ganz ruhig, meine Liebe." versucht Connor sie zu beschwichtigen. "Dieser Büttel befolgt doch nur seine Befehle." Bereits die Anrede drückt seinen Unmut über die Behandlung aus.

"Ja, Erlaucht. So leid es mir tut."

Cassjarella nimmt ihr Bündel und wickelt ihren Rondrakamm aus. Den im Licht der Abendsonne rot blitzenden Stahl hält sie senkrecht nach oben vor sich hin als sie sich wieder der Torwache zuwendet.

'Bei Rondra, lass mich ein!' Ihr Blick ist herrisch auf die Wache gerichtet.

Um ihre Spannung zu brechen und sie von ihrem Vorhaben abzubringen, sieht Connor nur noch eine Möglichkeit. Mit einer sehr schnellen und gewandten Drehung stellt er sich zwischen Cassjarella und den Wächter, legt der Geweihten beide Hände um das Gesicht und zieht sie zu einem leidenschaftlichen Kuss heran. Er hofft, sie damit so zu überraschen und abzulenken, dass ihr Zorn verraucht oder sich allenfalls mal wieder auf ihn richtet. Aber damit könnte er leben.

Leider scheint Cassjarella ihn aus den Augenwinkeln beobachtet zu haben, denn seine Attacke geht ist Leere.

Der Krieger ist sich unsicher, ob er sich darüber freuen soll, nicht den Zorn Cassjarellas heraufbeschworen zu haben. Zumindest wird sich das herausstellen, sobald die Situation geklärt und sich alle wieder beruhigt haben werden, oder zumindest fast alle …

Ein solcher Versuch scheint die Wachen nicht zu beunruhigen. Während der Sprecher ebenfalls einen Rondrakamm präsentiert, ziehen sich die restlichen Wachen in eine einstudierte Position zurück. Ein Horn wird gezückt und benutzt. Scheinbar ein Signal für Nachschub.

"Erlaucht überlegt bitte was ihr tut. Selbst ein Sieg im Kampf so wie er Rondra gefällt wird Euch nicht in die Burg bringen. Unser Senneschall ist derzeit nicht zu sprechen." Die letzten Worte spricht er eindringlich und lauter werdend. Dies ist definitiv kein einfacher Wachsoldat wird Cassjarella klar.

"He, he! Immer mit der Ruhe!" mischt sich Connor wieder ein. "Bürschchen, treib es nicht zu weit! Ihr alle hier seit tot, bevor hier auch nur ein weiterer Wächter eintrifft. Und mehr als eine Erklärung wird es uns nicht kosten. Aber das will hier sicher niemand. Also bleiben wir alle schön ruhig und werden uns wie zivilisierte Leute benehmen." Dabei hängt der Krieger sich an Cassjarellas Arm und zieht diesen kraftvoll nach unten.

Der mit Bürschchen Angesprochene lässt sich nicht provozieren. Die Drohung ringt ihm nur ein feines Lächeln ab.

"Ich bitte Euch, Erlaucht, mein Herr!" versucht Celissa zu vermitteln. "Das ist sicher nur ein Missverständnis." Sie wendet sich an die Wache. "Als Ihr Eure Befehle erhalten hat, konnte ja noch niemand wissen, dass die Marchessa d'Isliquor auf einer ihr von der Herrin Rondra persönlich aufgegebenen Queste vorbei kommen würde, um sich mit dem Herrn Senneschall zu beraten." Sie setzt ein gewinnendes Lächeln auf. "Um die Sache harmonisch zu klären, schlage ich vor, dass Ihr angesichts der besonderen Situation noch einmal nachfragt, ob für Ihre Erlaucht nicht eine Ausnahme gemacht werden kann … und sollte."

"So leid es mir tut, die Befehle sind eindeutig. Der Seneschall ist derzeit nicht zu stören. Selbst der Erzkastellan musste heute unverrichteter Dinge zurückkehren." Das Gesicht des Sprechers bleibt dabei unbewegt. Den Rondrakamm hat er vorsichtig vor sich abgestellt.

Im Tor öffnet sich eine kleine Nottür und 8 weitere Ordensmitglieder treten zu den Wachhabenden.

Der Cavalliere hält angesichts dieser Überzahl an Gegnern betont die Hände von seinen Waffen. Er beobachtet Connors Versuche, die Lage zu deeskalieren und hält sich, wenn nötig, für ein eigenes, vermittelndes Einschreiten bereit.

Nur für den Fall, dass er Cassjarella doch nicht zur Ordnung rufen kann, mustert Connor die weiteren Wachen kurz, aber fachmännisch. Den Sitz seines locker in der rechten Hand getragenen Tuzakmessers in der Scheide lockert er mit dem rechten Daumen, bereit, jederzeit die Waffe zu ziehen und dabei bereits den ersten Gegner niederzustrecken. Inständig hofft er, dass es soweit nicht kommen wird. Denn selbst wenn sie den Kampf mit 3 zu 12 in der Unterzahl - Celissa zählt er nicht mit – gewinnen sollten, wären ihre Chancen, den Alten Krieger zu sprechen, erheblich gesunken.

Connor erkennt, dass die Gruppe sowohl aus Anfängern als auch aus Veteranen besteht. Sind die bisher anwesenden Wächter bis auf den Sprecher wohl eher den unerfahrenen Kämpfern zuzuordnen so handelt es sich bei den Neuankömmlingen fast durchgängig um Veteranen.

Cassjarella hat derweil - da sie erkannt hat, dass es sich zu einem Teil um geistliche Ordensmitglieder handelt - ihren Rondrakamm gedreht, dass die Spitze auf den Boden zeigt. Mit einer geschickten Bewegung öffnet sie das hohle Griffstück und entnimmt dem Schwert den Ring, der sie als Ritterin der Leuin ausweist sowie das Schreiben von Schwert der Schwerter das ihr Zutritt zu jeglichem geistigen Gebäude der Leuin zu gewähren ist und hält beides der Wache hin.

'Gut, wenn Du meinst eine Bittstellerin abweisen zu wollen.

Schade, dass Du eine Marchessa nicht einlassen willst.

Aber nun muss Du, bei Rondra!'

Kurz erweist der Angesprochene dem Ring und ihrer Trägerin seine Ehre.

Dann blickt er sie wieder selbstbewusst an.

"Marchessa, auch nun muss ich euch widersprechen. Dies ist der weltliche Teil des Erzherrschers von Arivor. Den geistigen Teil des Ordens findet ihr im Tempel der Heiligen Ardare. Dort werdet ihr jederzeit Einlass finden und eurer Tätigkeit nachgehen können. Und sollte Euch die Ausbildung unserer Mitglieder interessieren so findet ihr gegenüber das Schwerterfeld. Dort ist eine jederzeitige Inspektion möglich."

Nach dem Blick den Cassjarella dem Wachhabenden zuwirft, hätte dieser eigentlich auf der Stelle tot umfallen müssen. Von einem Geweihten der Leuin hätte sie ein anderes Verhalten erwartet und auch erwarten müssen.

Aber es hilft nichts, hier kämen sie nur mit Gewalt durch und das ist nicht förderlich, das sieht sie ein.

Mit einem letzten wütenden Funkeln aus ihren schwarzen Augen dreht sie sich zu ihren Gefährten um und blickt diese fragend an.

Connor nickt erst ihr, dann den Wächtern zu. "Wir kommen dann am Rondratag wieder. Bitte kündigt unser Erscheinen angemessen an." fügt er knapp hinzu und wendet sich dann Cassjarella zu: "Also schön, lasst uns zurück in die Stadt gehen und uns ein wenig abkühlen." Mit einem Nicken bedeutet er den beiden anderen, ihnen zu folgen.

"Gerne. Habt Dank für Euer Verständnis." kommt die erleichterte Antwort. Die Reserve verschwindet schnell und lautlos. Die Wachhabenden nehmen ihre Plätze wieder ein.

Celissa schüttelt den Kopf. "Der Herr Senneschall wird nicht erfreut sein, wenn er hiervon erfährt", warnt sie die Wache, bevor sie sich den anderen anschließt.

"Zum Tempel?" schreibt sie auf ihre Tafel.

"Das wäre die offensichtliche Wahl." stimmt ihr Connor nickend zu.

"Und wohin nun?" fragt Randirion bemüht geduldig. "Verzeiht, wenn man nachfragt, doch gestaltet sich die allgemeine Kommunikation etwas … schwierig." Cassjarella erhält ein entschuldigendes Lächeln wegen seines Einwurfs.

Ihre Geste deutet Randirion als 'Tut mir leid!'.

Cassjarella hat sich schon so an das Schreiben gewöhnt, dass es ihr fast nicht mehr auffällt. Und die letzte Zeit hat sie entweder in ihrer Klosterzelle in Honingen verbracht oder alleine mit Connor - da war die Tafel ausreichend.

'Connor, kannst Du meine Notizen bitte vorlesen?!' schreibt sie, um ihre folgenden Redebeiträge für die anderen zu verbessern.

"Sicher, Liebes." Offenbar hat der Krieger sich entschlossen, die Geweihte noch weiter von ihrer eben gezeigten Jähzornigkeit abzulenken.

Er tut ihr mit einem Zwinkern kund, dass seine 'Avancen' lediglich freundschaftliche gemeint und keine unschickliche Annäherung sein soll. Mögen Randirion und Celissa doch glauben, was sie wollen.

Zwinkern hin oder her, Cassjarellas Fuß ist auf dem direkten Weg gegen Connors Schienbein. Jetzt ist es der Oberst wieder der ihren zornigen Blick ab bekommt.

"Na bitte, geht doch!" meint dieser darauf leichthin und setzt sich bergab in Bewegung.

Am Tempel der Ardare biegt Cassjarella, die bis dahin Connor keines Blickes mehr gewürdigt hat, in den Tempel ab.

Der Tempel der Herrin Rondra besticht von außen durch seine schön gestaltete Fassade. Der Eingang führt durch eine Säulenreihe, die keinerlei Schmuck tragen. Der Dachgiebel über dem Eingang zeigt eine Darstellung der Göttin mit ihrem Gefährten Famerlor. Das Gebäude hat an beiden Seiten halbrunde Fenster, zwischen denen jeweils eine ebenfalls schlichte Halbsäule die Außenmauer ziert und den Eindruck eines umlaufenden Säulenganges erweckt. Der Innenraum des Tempels wird durch jeweils sieben Säulen in drei Bereiche aufgeteilt, den beiden Seitenschiffen und dem Mittelschiff an dessen Ende das Sanctuarium liegt. An den Säulen sind Waffen und Schilde aufgehängt, teilweise altehrwürdig, teilweise neue kostbare Schmuckwaffen. Zwischen den Säulen hängen Banner die berühmte Szenen aus dem Leben der Ardare und anderer Rondraheiliger zeigen.

Der ehrfürchtige Gläubige nähert sich dem Altar durch die Seitenschiffe und gelangt dadurch direkt zu den dort aufgestellten Opferstöcken, deren Oberfläche groß genug ist, um Opfergaben wie Waffen oder ähnliches abzulegen. Für Münzen gibt es einen Einwurfschlitz.

Am Altar hält eine Geweihte stumme Zwiesprache mit der Göttin.

Cassjarella geht ohne auf die Opferstöcke zu achten auf die Geweihte zu. Im Gehen setzt sie ihren Ring auf. Als sie hinter der Geweihten steht räuspert sie sich.

Der Krieger folgt ihr ebenso wortlos. Er trägt sein Tuzakmesser in der rechten Hand und fragt sich, ob er irgendwann einmal dieses gute Stück, dass für ihn persönlich angefertigt wurde und das ihm und den Seinen weit mehr als einmal das Leben gerettet hat, auch einem Tempel stiften wird.

Celissa hält sich im Hintergrund und lässt die Marchessa erst einmal machen. Sie schaut sich lieber den durchaus beeindruckenden Tempel an; mit Rondra hatte sie bisher nicht viel zu tun und daher auch ihre Tempel nur sehr selten besucht.

Beeindruckt durch die Atmosphäre dieses Tempel nähert sich Randirion ehrfürchtig dem Altar. Er wirft fünf Silbertaler in den Opferstock und neigt in Demut vor der Leuin sein Haupt.

Eine ältere Frau blickt sich langsam um. Ein ausdrucksvolles Gesicht blickt Cassjarella an. Satinav hat dort tiefe Furchen hinterlassen.

Und es könnte ein Schwert gewesen zu sein, welches das linke Ohr entfernt hat.

"Rondra zum Gruß. Was kann ich für Euch tun?"

Cassjarella zeigt ihr den Siegelring und blickt zu Connor der Geweihten ihre Wünsche und Fragen zu übermitteln.

Dieser tritt rasch an ihre Seite und erläutert ausführlich, jedoch in gebotener Kürze, ihr Anliegen.

Die folgende Ehrerbietung ist knapp und angemessen. Die Geweihte stellt sich als "Rondria Ravendoza,Knappin der Göttin" vor. Die Vermutung, dass Dapifer ter Bredero der alte Krieger sein könnte, bestätigt sie. Sie weiß auch zu berichten, dass der Senneschall derzeit die Folgen einer schweren Verwundung auskuriert und fast keine Audienzen gibt. Der Erzkastellan erledigt die anfallende Verwaltungstätigkeit.

Einen direkten Weg zum Senneschall kann Rondria nicht bieten. Zwar ist der Tempel direkt mit der Ordensburg verbunden. Aber spätestens auf dem Hof der Burg wäre für die Gefährten Ende des Ausflugs.

Sie zeigt als mögliche Lösungen einen Besuch beim Erzkastellan oder die Audienz am nächsten Praiostag auf. Dieser sei ja schon übermorgen meint sie.

Als Cassjarella bei der Nennung des Tages stutzt fragt Rondria: "Habe ich etwas Falsches gesagt, Euer Gnaden?"

Cassjarella schüttelt den Kopf. Ihr ist klar, dass der Rondratag und der Praiostag derselbe sind.

Zumindest in einigen Regionen wie Weiden oder auch Neetha.

Cassjarella bedankt sich herzlich bei der Knappin.

Den Dank nimmt die alte Geweihte militärisch knapp per Kopfnicken entgegen. Sollten die 4 den Tempel verlassen, wendet sie sich wieder dem Altar zu.

"Habt Dank!" antwortet Connor und an die Gefährten gewandt fügt er hinzu: "Wir sollten erwägen, beide Wege zu gehen."

"Heute werden wir wohl nichts mehr erreichen." schreibt Cassjarella.

"Nein, nicht mehr als bisher." erwidert Connor. Denn er sieht - wohl anders als Cassjarella -, dass sie sehr wohl bereits etwas erreicht haben. "Meine Damen, Randirion, ich denke es ist an der Zeit, uns eine angemessene Unterkunft zu suchen."

Der Weg in die Stadt führt am Tempel der Heiligen Ardare vorbei. Und dann um den Goldenhelm herum. Den Gefährten bietet sich ein faszinierender Anblick. Alle Häuser des Ortes sind entweder weiß verputzt oder grün von Weinlaub. Alles macht einen sehr heimeligen Anblick.

Die Arivorer erweisen sich als freundlich. Auf die Möglichkeit der Abkühlung angesprochen werden die Gefährten in den Stadtteil Morgunora gewiesen. Dort sind die Weinkeltereien für die die Stadt so berühmt ist. Der Bosparanjer wurde hier von der heiligen Rahjalina erfunden wie Celissa einfällt.

"Dann lasst uns gehen. Eine Unterkunft findet sich dort sicher auch." Connors Blick bleibt fragend bei Cassjarella hängen.

Die nickt nur.

"Dann los." entscheidet der Krieger und lenkt seine Schritte in die vorgeschlagene Richtung.

Randirion schließt sich den beiden an, dabei beugt er sich leicht zu Celissa hinüber. "Wie es aussieht, dürfte unserem Vorhaben, die Theatervorstellung zu besuchen, nichts mehr im Wege stehen", sagt er mit einem Augenzwinkern leise zu ihr.

"Hmm", bestätigt Celissa lächelnd.

Unterwegs stellen die Gefährten fest, dass Arivor auch eine kriegerische Stadt ist. Rahja und Rondra stehen hier hoch im Kurs. Überall sieht man Bewohner mit gegürtetem Rapier oder Degen. Und bei Unhöflichkeit oder Unstimmigkeiten werden die Waffen auch gezogen und der Gegner gefordert. So werden die 4 Zeugen eines solchen Duells.

Zwei der stolzen Arivorer stehen sich gegenüber. Die Passanten gehen entweder ruhig vorbei ohne den Kampf zu beachten oder sie bleiben stehen und geben teils fachkundig ihre Meinung zu den jeweiligen Fechtstilen ab. Ein Verbot scheint es hier nicht zu geben.

Cassjarella zieht die Augenbrauen hoch. Ein Duell mitten auf der Straße, dass entspricht nicht den Regel, denen sie sich unterordnet.

Connor hingegen zuckt nur mit den Schultern. "Gut zu wissen, dass wir zukünftige Meinungsverschiedenheiten mit der Wache nur als Duell auszugeben brauchen."

Er bleibt kurz stehen und sieht sich die Duellanten genauer an.

"So einfach wird das nicht sein", meint Celissa auch mit Blick auf Cassjarella.

Da Connor dieser Blick nicht entgeht, lächelt er sie milde an. "Oh doch." erwidert er leise. "Genau so einfach ist das."

Cassjarella schüttelt widersprechend den Kopf. Ein Duell hat mit diesen Straßenprügeleien nicht viel zu tun. Und ein Kampf gegen die Wache ist nicht sinnvoll, da ist sie sich sicher.

Auch Randirion hält an und beobachtet die beiden Kontrahenten mit prüfendem Blick.

"Sich auf der Straße prügeln - selbst mit Waffen - ist keine regelgerechtes Duell!" schreibt Cassjarella. 'Das Wissen hätte ich von Dir eigentlich erwartet!' fügt sie in Gedanken an.

Der Krieger lächelt. "Ja, aber wenn jemand unbedingt und sofort ein Händel auszutragen gedenkt, wäre ich der letzte, der ihm das verwehrt. Du weißt doch: Den letzten Wunsch soll man niemandem abspenstig machen. heißt es doch immer." Dann wendet Connor sich wieder den Gecken zu, die sich mit Degen und Rapier - Krötenspießen, wie er sie gern nennt - duellieren wollen.

Die Krötenspieße mögen in Connors Augen nicht für einen Kampf geeignet sein. Aber beide Duellanten wissen mit ihren Waffen hervorragend umzugehen. Und in einer beengten Situation ähnlich dem Kampf auf der Thalaria wären sie Connor mindestens ebenbürtig.

Während des Kampfes wirken beide sehr konzentriert. Fast als würden sie einen Tanz vor Publikum aufführen. Mit dem ersten Treffer ist das Duell beendet. Die Duellanten verneigen sich kurz und gehen dann ihrer Wege.

Anerkennend nickt der Cavalliere. "Très classe", bemerkt er mehr zu sich und sieht den beiden nach, bevor er seinen Weg fortsetzt.

Celissa nickt. "Es ist schön, wieder so richtig in der Zivilisation zu sein", kommentiert sie.

'Also doch nur Straßenunterhaltung.' grübelt der Krieger, während sie ihren Weg wieder fortsetzen. Ein Duell ist für ihn ein Ehrenhändel, der ein für alle Mal beendet werden muss; nicht so ein Herumgetanze und -gesteche.

Beim Durchwandern des Stadtteils bemerken die Gefährten sofort, was hier hauptsächlich gemacht wird. Wein! Überall in den Straßen riecht es nach Hefe und den Rückständen der Keltern. Die weißen Wände der Häuser sind häufig mit farbenfrohen Darstellungen von Trinkgelagen geschmückt. Immer wieder werden die 4 unterwegs angehalten. Gasthäuser oder Keltereien bieten kostenlose Weinproben an und versuchen damit die Besucher zum Kauf der eigenen Spezialitäten zu animieren. Einige der Gasthäuser bieten auch Möglichkeiten zur Übernachtung.

Mitten im Stadtteil liegt eine kleine Kapelle der Rahja. Sie wird von den Einheimischen als Rahjalina - Kapelle bezeichnet und scheint in der Gunst der Menschen höher zu stehen als der Haupttempel im Ortsteil Goldenhelm.

"Mir gefällt es hier", erklärt Celissa und hakt sich bei Randirion ein. "Lasst uns hier irgendwo eine Unterkunft suchen und dann mal diese Kapelle ansehen."

"Avec plaisir", erwidert der junge Adlige mit einem Lächeln. "Eine passende Unterkunft zu finden, sollte kein Problem darstellen."

Arivor ist auf Gäste eingestellt. An jeder Ecke finden sich Herbergen. Allerdings sind auch die Preise auf die Nachfrage angepasst. Gute Einzelzimmer sind ab 4 Silbertaler die Nacht, gute Doppelzimmer ab 6 Silbertaler die Nacht zu bekommen. Dort kann dann auch eine Unterstellmöglichkeit für die Pferde eingehandelt werden. Natürlich sind auch Sammelunterkünfte vorhanden.

Cassjarella überlegt, ob sie sich vielleicht im Tempel eine Unterkunft beschaffen sollte - wartet aber ab für was sich die Gefährten entscheiden.

Celissa möchte selbstverständlich mit Randirion ein Doppelzimmer beziehen.

Wogegen der Cavalliere selbstverständlich nichts einzuwenden hat.

Nur für einen Moment und nur mit den Augen fragt Connor die Geweihte, ob sie ähnliche Gedanken hegt, wie Celissa. Er kommt aber recht schnell zu der Erkenntnis, dass ihr wohl kaum der Sinn danach steht, sich - nur - mit ihm ein Zimmer zu teilen. Gleichwohl wartet er ihre Entscheidung ab.

Cassjarella hat schon das Wort "Einzelzimmer" auf ihre Tafel geschrieben.

Eine kleine, saubere Gaststätte nahe bei bietet genügend Zimmer für die 4 an. Rahjalinas Gabe hat wie so viele Gaststätten hier auch eine kleine Kelterei, von der sich der Name des Ortes ableitet. Die Wirtin, Elissa Villani, ist sehr bemüht um ihre Gäste. Sie ist nicht mehr ganz jung und gibt im Gespräch an, das Kochen ihre Leidenschaft sei. "Für andere 'Leidenschaften' bin ich wohl schon ein wenig aus der Form geraten." kokettiert sie mit ihrer rundlichen Figur. Auch für die Unterbringung der Pferde sei gesorgt. "Bembo, mein Schwager, hat eine Hufschmiede um die Ecke. Dort sind ausreichend Boxen für Pferde vorgesehen. Und sein Kleiner Alrician liebt es die Pferde zu versorgen." plappert sie fröhlich auf die 4 ein. "Also ein Doppelzimmer und 2 Einzelzimmer?" fragt sie nach. "Und heute Abend darf ich die Herrschaften auf eine Weinprobe einladen? Selbst gekeltert. So was Gutes findet man nicht oft."

Zu den Einzelzimmern nickt Cassjarella bestätigend. Und die Weinprobe ist sicherlich ein Erlebnis - nur bei der Einschätzung des Weines durch die Wirtin hat sie so ihre Zweifel.

Aber es wird sich zeigen.

"Klingt vielversprechend", erwidert der Cavalliere höflich mit einem charmanten Lächeln. "Gerne nehmen wir Eure Einladung an. Und auch Eure Angebote bezüglich unserer Unterbringung und die der Pferde lassen keine Wünsche offen, n'est-ce pas?" stellt er auch an seine Gefährten gerichtet fest.

Cassjarella bestätigt.

"Wir werden sehen." meint Connor kühl. Schließlich überlässt er sein Streitross nicht irgend wem.

"Wir wollten doch ins Theater, chéri", erinnert ihn Celissa.

"C'est vrai!" Randirion lächelt sie an. "Doch, soll diese Veranstaltung nicht erst morgen Abend stattfinden?"

"Oh, natürlich!", erinnert sich Celissa. "Das trifft sich ja gut."

So ist jetzt Zeit, die Pferde abzugeben und zu versorgen. Frau Villani ruft einen der Nachbarsjungen herbei, die edlen Gäste zu Bembo und seiner Schmiede zu führen.

"Doch zuvor weist uns zu unseren Zimmern, gute Frau, damit wir unser Gepäck ablegen können", bremst Randirion die Eifrige etwas ein. "Ich denke, wir werden es nicht von der Stallung hierher zurücktragen wollen."

"Aber natürlich werter Herr." Frau Villani führt die vier auf die jeweiligen Zimmer. Sie sind einfach eingerichtet und sauber. Frisch aufgeschlagene Betten laden zum Verbleib ein.

Cassjarella entledigt sich nur schnell ihre Reiseutensilien und ist dann auch wieder bei ihrem Rappen.

Den anderen folgend hat Connor seine Sachen geschultert und trägt diese in das ihm zugedachte Einzelzimmer. Sein Tuzakmesser hängt er sich über die Schulter, den Ringelpanzer, die übrigen Rüstungsteile und das restliche Gepäck bleiben hier.

Mit einem leichten Seufzer lässt sich Celissa auf das Bett sinken. "Lasst bitte frisches Wasser zum Waschen und etwas Obst nach oben bringen", weist sie die Wirtin an.

"Durchaus akzeptabel", bemerkt der junge Adlige anerkennend angesichts der Zimmerqualität, stellt seine Reisetaschen ab und legt die Satteltasche und den Proviantbeutel dazu. Er behält nur sein Rapier und den Linkhand bei sich, die Ballestrina wird auf dem Zimmer gelassen. "Kümmern wir uns nun um die Pferde", sagt er zu Celissa und wartet, bis auch sie alles abgelegt hat und ihn begleiten kann.

"Ich warte hier und packe schon mal ein bisschen aus", antwortet Celissa.

"Ich verstehe ja, dass du erschöpft sein musst, Liebes", erklärt er ihr verständnisvoll. "Aber ich muss dich bitten, dich noch etwas zusammenzureißen und dein Reittier zum Stall zu führen. Es ist mir nicht möglich, dein Pferd auch noch zu führen, ich habe mit meinen beiden schon alle Hände voll zu tun." Er schenkt ihr ein entschuldigendes Lächeln. "Es wird ja nicht lange dauern, dann kannst du dich vor dem Essen noch frisch machen, meine Hübsche."

Celissa schüttelt den Kopf, das sieht sie nicht ein. Randirion könnte auch drei Pferde führen, glaubt sie, warum er nicht will, weiß sie nicht. "Dann such' eben einen Stalljungen", meint sie.

'Interessant, welche charakterlichen Facetten sich bei näherem Kennenlernen offenbaren' geht dem jungen Adligen durch den Kopf, während er sie sinnierend mustert. 'Hält sie mich etwa für ihren Burschen? Nun, soweit sollte man es nicht kommen lassen …' denkt er sich und wendet sich mit einem kühlen Lächeln zur Tür. "Bien, man wird sehen, was sich machen lässt", meint er nur, während er die Tür hinter sich schließt.

Kopfschüttelnd geht er die Treppe hinab und hinaus aus dem Gasthaus zu den wartenden Pferden. Während er seine beiden bei den Zügeln nimmt, lässt er ihr Pferd von dem Jungen führen, den Frau Villani ihnen als Führer geschickt hat.

Auch Celissa schüttelt noch einmal den Kopf. Sie versteht nicht, was Randirion hat. Hier in der Zivilisation müssen sie sich doch wirklich nicht persönlich um ihre Pferde kümmern. Ob er sie wohl auch noch selbst waschen und striegeln will?

Sie beginnt, auszupacken und wartet auf Waschwasser und Obst.

Beides wird kurze Zeit später von einer schnaufenden Wirtin gebracht.

"Wenn Sie sich frischgemacht haben kommen Sie doch bitte zum Abendessen."

"Vielen Dank, mache ich", verspricht Celissa und fragt sich ein bisschen, ob die Wirtin denn keine Hilfen für so etwas hat. Nach heißem Badewasser fragt sie dann lieber doch nicht, wahrscheinlich würde die Zeit bis zum Abendessen auch sowieso nicht reichen.

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Fröhlich durch eine Zahnlücke pfeifend setzt sich der kleine Cedio an die Spitze des Tross. Und führt ihn rasch zur Schmiede. Bembo der Schmied ist ein vierschrötiger Mann um die 30. Er blickt kurz vom Amboss auf und begrüßt die Neuankömmlinge: "Ingerimm zum Gruß werte Gäste. Entschuldigt bitte wenn ich Sie nicht in aller Form begrüße. Aber es heißt nicht umsonst: man soll das Eisen schmieden solange es heiß ist. Und die gute Rosinante dahinten braucht dringend ein Paar neue Schuhe." Er lacht herzhaft über den eigenen Scherz und weist auf eine der Boxen im Hintergrund. "Alrician komm mal her, es gibt Arbeit für dich."

"Ingerimm zum Grüße", erwidert der junge Adlige den Gruß des Schmieds freundlich. "Lasst Euch nicht bei der Arbeit stören, Meister Bembo, Euer Sprössling wird sich gewiss sachverständig der Bedürfnisse unserer Reittiere anzunehmen wissen." Er führt seine beiden Pferde in Richtung der Boxen, nervös wirft Sire, der Elenviner Rappe, den Kopf, als er das Feuer wittert. "Ho!" beruhigt Randirion seinen Hengst, der leicht tänzelt. Das alles lässt den Braunen kalt, mit stoischer Ruhe folgt er dem Zügel seines Herrn.

Cassjarella nickt dem Schmied freundlich zu und lässt Rashaldor in die Box führen.

Auch Connors Ross rührt sich nicht. Hin und wieder zuckt eines der Ohren und es lässt den Blick aufmerksam von Bembo zu Alrician und zurück schweifen, ansonsten ist es völlig ruhig. Auf ein Wort des Kriegers lässt es sich brav von dem Knaben in die ihm zugewiesene Box führen, während Connor unentwegt auf diesen einredet und ihm Vorsicht und die nötigen Handgriffe einschärft, damit der Junge nicht zu Schaden kommt.

Ein Junge von vielleicht 10 Götterläufen betritt den Stall. Er schaut sich kurz um und geht dann ruhig und bestimmt auf Connor und sein Schlachtross zu. Ein fragender Blick bittet um die Erlaubnis das Tier wegzuführen. "Ein schönes Tier. Und bestimmt gut ausgebildet." meint er mehr zu sich selbst.

Der Krieger lächelt den Jungen an. "Ja, und das darfst Du nie vergessen." beginnt er mit seiner Unterweisung.

"Habt Dank Herr für die Ermahnung. Ich werde sie beherzigen. Aber Euer Tier ist nicht das erste Schlachtross, das ich betreue. Auch die Ordensritter lassen teilweise ihre Pferde hier beschlagen. Und ich kümmere mich um sie." Alricians Gesicht drückt dabei aus, wie stolz er darüber ist, die Verantwortung für die Pferde zu übernehmen. Beim Verlassen der Box streicht er über das Fell des Pferdes. "Du wirst es guthaben hier."

Der Krieger nickt und schnippt dem Burschen ein Silberstück zu. "Hier, für Dich!"

Eine kurze Handbewegung und der Taler ist weg. Dann ein strahlendes Lächeln und eine leichte Verbeugung: "Habt Dank Herr!"

"Nicht der Rede wert!" er zwinkert dem Jungen zu.

Auch bei den anderen wird er die Pferde entgegennehmen, auf Hinweise lauschen und diese zur Bestätigung wiederholen. Kurze Zeit später stehen die Tiere abgesattelt in ihren Boxen und genießen das frische Heu. Alrician wird die Sättel ordentlich zur Seite legen sofern ihn keine andere Weisung erreicht.

Zufrieden beobachtet der Cavalliere das Vorgehen des Jungen und gibt nur wenige Anweisungen. "Kratz die Hufe aus und striegel das Fell ordentlich, das sie glänzen", ordnet Randirion an und reicht Alrician zwei Silbertaler. "Vergiss auch die Haferbeutel nicht, sie haben eine lange Reise hinter sich und können das Kraftfutter gut gebrauchen."

Der Junge nickt eifrig und bekräftigt: "Die Tiere werden es gut haben hier. Wie lange werden sie bleiben?"

"Wenn möglich noch morgen Nacht", meint der Cavalliere mit einem Blick zu dem Oberst und der Geweihten. Doch wer weiß …?

Auch Cassi drückt ihm einen Taler in die Hand.

Alrician nimmt es freudig zur Kenntnis und verschwindet dann. Bembo hat inzwischen sein Hufeisen vorbereitet und fragt nach: "Sind die Eisen für die Tiere noch in Ordnung oder soll ich eines der Tiere neu beschlagen?"

"Mir ist nicht aufgefallen, dass eines meiner Pferde lahmt", erwidert der junge Adlige nachdenklich. "Doch seid so gut und kontrolliert die Eisen. Sollte sich eines als locker erweisen, so beschlagt den Huf neu. Nichts ist unangenehmer als eine Tempoverzögerung, wenn man es eilig hat", weist er den Schmied an.

Der nickt und meint dann: "Alrician wird das nachher mit prüfen. Wenn etwas sein sollte meldet er es bei Mama Villani."

Nach der Rückkehr aus der Schmiede warten bereits frisch gebackenes Brot, Käse und mehrere Trauben der dunklen Weinbeeren im Wohnbereich. Daneben stehen einige Karaffen der unterschiedlichen Weinsorten. Sowohl die für Arivor berühmten Rotweine als auch Weißweine hat Frau Villani für sie angerichtet.

"Ah, gut dass sie wieder da sind. Hier entlang. Erst die Grundlage und dann die Probe. Sonst gibt es morgen Kopfschmerzen."

Bevor Randirion sich zum Essen begibt, entschuldigt er sich, sich noch kurz auf sein Zimmer zurückziehen zu dürfen. "Ich bin gleich zurück", erklärt er höflich. "Nur eine geringfügige Korrektur der Äußerlichkeiten, die notwendig erscheinen. Ich werde keinesfalls Eure Aufwendungen missachten." Charmant verbeugt er sich und sucht sein Zimmer auf. Dort erwartet er, Celissa anzutreffen.

"Ah, chérie, du bist ja noch hier", spricht er zu ihr. "Dein Pferd ist versorgt, der Stall macht einen zuverlässigen Eindruck. Bist du fertig? Madame Villani hat das Essen gerichtet und erwartet uns." Mit keinem Wort erwähnt er seine Gedanken bezüglich ihres Verhaltens, gibt sich neutral, als ob nichts gewesen wäre.

Celissa hat sich inzwischen gewaschen und Bluse und Hose gegen ein blaues Kleid getauscht. Sie begrüßt Randirion mit einem Kuss auf die Wange. "Vielen Dank. Ich bin schon gespannt auf die Weine hier."

Randirion drückt sie leicht an sich. "Moi aussi", stimmt er ihr zu. "Du siehst bezaubernd aus, chérie. Es wird mir schwer fallen, deinem entzückenden Auftreten zu entsprechen", schmeichelt er ihr.

Er legt Hut, Ärmelrock, Ledergürtel und Wams ab und zieht sich das Seidenhemd über den Kopf, um sich an der Waschschüssel den Staub aus Gesicht und vom Oberkörper abzuwaschen, bevor er sich für das Abendessen ein frisches Hemd überzieht und Wams und Ledergürtel anlegt. Seine langen, schwarzen Haare bürstet er, nachdem er sie gelöst hat, kurz durch und richtet sie wieder zu einem säuberlich zusammengebundenen Zopf im Nacken. Zufrieden mit seiner Erscheinung reicht er Celissa de mit einem Lächeln den Arm. "Wollen wir?" fragt er sie auffordernd.

Celissa nimmt den dargebotenen Arm. "Avec plaisir."

Der Cavalliere führt seine Begleiterin stilvoll zum Speiseraum hinein und rückt ihren Stuhl zurecht, damit sie Platz nehmen kann.

Im Essbereich ist eine riesige Schüssel mit würzigem Eintopf auf dem Tisch, darum stehen vier Teller und Besteck sowie Gläser und Wasser. "So dann greifen sie bitte reichlich zu." fordert die Gastwirtin sie resolut auf.

"Vielen Dank, es riecht ja köstlich." Celissa nimmt sich einen Teller Eintopf, dazu auch vom Brot. Mit Käse und Trauben wartet sie, bis auch der Wein verkostet wird.

Der Cavalliere nimmt Platz und entfaltet die Serviette. "Ah, einen guten Eintopf, wohlschmeckend und nahrhaft. Ihr versteht es, Eure Gäste zu bewirten, Madame Villani", spricht er höfliche seine Anerkennung aus und schöpft sich einen Teller voll, schenkt sich ein Glas Wasser ein und beginnt zu essen.

"Ah ein echter Cavalliere, wo gibt es das heute noch. Wo wird heute noch so viel Wert auf Anstand und Sitte gelegt?" fragt Frau Villani wohl mehr sich selbst.

Hocherfreut über den Anklang, den der Eintopf findet, wacht sie mit Argusaugen darüber, dass die Teller nicht lange leer bleiben. "Ich sag ja immer, Essen und Trinken halten Leib und Seele zusammen. Und nur ordentlich gestärkt kann man auch etwas erreichen." scheint ihr Lebensmotto zu sein. Und "Darf ich noch ein wenig nachgeben." ihr Lieblingssatz.

Randirion sagt nicht nein zu ihrer Offerte, der Eintopf mundet ihm gut nach dem langen Ritt und den unbefriedigenden Ergebnissen ihrer ersten Stadtbegehung.

Auch Connor greift ordentlich zu und lässt sich die Suppe schmecken. Eine ordentliche warme Mahlzeit kann er sich einfach nicht entgehen lassen.

Diese Aufforderung lässt sich Cassjarella nicht zweimal sagen. Sie nimmt sich ein paar Stück Käse und Brot und sucht sich dann aus einer der Karaffen einen trockenen Rotwein aus. Ihr eigenes Weingut - nördlich von Vinsalt - ist ja nur gut zwei Tagesreisen weg.

So sollte sie hier etwas vergleichbares erwarten können.

Nachdem die Grundlage gelegt ist und der Wein genug geatmet hat, beginnt die Verkostung. Einen Schwerpunkt legt Frau Villani auf das Arivorer Blut die hiesige Spezialität.

"Was führt die Herrschaften denn nach Arivor?" fragt sie, um für ein wenig Unterhaltung zu sorgen.

Nachdem Cassjarella den ersten Schluck vom Blut genommen hat, denkt sie: 'Nicht der Wein, gute Frau!'

Sie schmunzelt versonnen und denkt an einige Fässer im Keller ihres Gutshauses.

Betroffen blickt sich Frau Villani um, als eisiges Schweigen die einzige Antwort ist.

Unmerklich wechselt Connor mit Cassjarella einen kurzen Blick, während er intensiv Suppe löffelt; schließlich spricht man nicht mit vollem Mund.

Die scheint aber in Gedanken versunken ziemlich weit weg zu sein. Sie starrt in ihr Weinglas, das sie leicht in den Händen schwenkt.

Randirions Blick wandert zu Cassjarella und Connor, ihrem Sprachrohr, die es auf ihrem Weg nach Neetha nach Arivor geführt hat, um hier jemanden zu treffen. Da er nicht weiß, wie viel er über die Queste der Rondrageweihten und die Prophezeiung der Rahjageweihten für seine Gefährtin Celissa berichten sollte, hält er lieber den Mund, um sie selber sprechen zu lassen.

Auch Celissa hat angenommen, dass Connor - oder Cassjarella per Schrift - die Frage beantworten würde.

Da Frau Villani das Schweigen bei der Verkostung nicht gewohnt ist geht ihre Fragerei weiter: "Und was wollen die Herrschaften hier noch unternehmen. Die Rahjatempel sind immer einen Besuch wert. Und auch das Theater lohnt sich. So eine riesige Halle und diese Inszenierungen."

"Tja, nun, die einen so, die anderen so." meint Connor dazu kryptisch. Da er noch nie ein Mann der großen Worte gewesen ist, gefällt ihm seine ihm offenkundig aufgedrängte Rolle als Sprachrohr der Gruppe nicht im Mindesten.

Der Cavalliere nickt dazu zustimmend, sein Blick schweift lächelnd zu Celissa. Wenn sie die Zeit haben, werden sie beide sicherlich diese beiden Örtlichkeiten aufsuchen. Er nimmt noch einen Schluck von dem Wein, an dem er nichts auszusetzen hat. Da seine Gefährten der Wirtin anscheinend nichts über ihre Aufgabe erzählen wollen, bekräftigt ihn in seiner Entscheidung, sich nicht darüber ausgelassen zu haben. Sie werden ihre Gründe haben, auch wenn sich diese ihm bisher noch nicht erschließen.

Auch auf die Gefahr hin, unfreundlich zu wirken, fügt er in dem ihm möglichst freundlichen Ton hinzu: "Gute Frau Wirtin, Euer Wein ist exzellent und wir genießen ihn wahrhaftig. Würde es Euch viel ausmachen, uns nach unserer bisher langen und beschwerlichen Reise ein wenig mehr Ruhe zu gönnen?" Es gelingt dem Krieger nicht ganz, die bloße Rhetorik der Frage zu verbergen.

Connors Einschätzung des Weines lässt Cassi aus den Gedanken aufschrecken, sie schaut sich etwas orientierungslos um.

Da Connor anscheinend aber das Gespräch beendet hat, wendet sie sich wieder dem Wein zu und nimmt ein großen Schluck. 'Na, dann trinken wir uns das Blut mal schön.'

Wenn Cassjarella aber noch einmal genau darüber nachdenkt, kann es der Oberst mit der Einschätzung des Weins unmöglich ernst gemeint haben.

Nach dem zweiten Glas fängt der Wein langsam an zu dem Brot und dem Käse zu schmecken, also nimmt Cassjarella noch ein paar weitere Gläser zu sich.

Anscheinend ist er auch nicht so schwer wie er zu Anfang schien.

Frau Villani ist ob Connor Anfrage mindestens erstaunt. Vielleicht sogar verärgert. Aber sie kommt mit einem kurzen Nicken der Aufforderung nach.

Als sie außer Sicht- und Hörweite ist, schnauft Connor leise und murmelt "Immer das selbe mit dem Wirt."

Randirion erscheint es ratsam, nach seinen Erfahrungen mit den beiden in und um Winhall keine tadelnde Bemerkung zu dem Benehmen des Oberst und der Rondrageweihten zu machen. Möglicherweise ergibt sich später eine Gelegenheit, die Scherben zu kitten, die ihr Verhalten angerichtet haben mag. So äußert er nur: "Wie meinen, Oberst?" Fragend schaut er Connor an.

"Ach nichts." erwidert dieser, ehe er kurz darauf hinzufügt: "Nur immer diese ewige Rederei und Plaudere und zwanghafte Konversation. Da lobe ich mir doch das Redeverbot für Kadetten an der Akademie." Sein Blick geht kurz ins Leere und zuckt für einen mikroskopischen Moment zu Cassjarella. "Andererseits …" Connor führt den Gedanken nicht laut zu Ende, aber Randirion meint zu erkennen, wie nahe ihm die Situation der Geweihten geht.

Die ist immer noch in ihren Wein vertieft.

"Andererseits können sich aus derartigen Konversationen auch das ein oder andere Mal möglicherweise interessante Informationen ergeben", gibt der junge Adlige vorsichtig zu bedenken. "Aber das dürfte Euch sicherlich bewusst sein." Das entschuldigende Lächeln, dass er aufsetzt, sollte seiner Bemerkung die Brisanz nehmen.

"Die gute Frau wollte doch nur freundlich sein", meint Celissa. "Sie hätte uns bestimmt noch etwas zum Theater erzählen können. Aber macht nichts, ich rede einfach nachher nochmal mit ihr."

Auf die beiden Einwürfe seiner Gefährten reagiert Connor nur mit einem Grummeln, dass möglicherweise Zustimmung bedeuten kann.

"Eine gute Idee, ma chérie", stimmt Randirion ihr zu und hebt sein Weinglas zum Mund. Die unverständliche Artikulierung des Oberst übergeht er dezent.

Cassjarella widmet sich dem Rest des Abend still dem Rotwein.

Randirion unterhält sich leise mit Celissa über den Wein und ihren morgigen Theaterbesuch. Nach einer Weile räkelt er sich und schlägt ihr vor: "Ziehen wir uns zurück, ich werde müde. Es war ein langer Tag und morgen haben wir ja noch einiges vor." Er zwinkert ihr zu, erhebt sich und entschuldigt sich bei seinen beiden schweigsamen Begleitern, sich nun auf ihr Zimmer begeben zu wollen.

Daraufhin erhebt sich auch Celissa und wünscht den anderen eine gute Nacht. "Ich komme gleich nach", sagt sie Randirion, dann geht sie auf die Suche nach der Wirtin.

Der junge Adlige nickt. "Ich warte auf dich", erwidert er und begibt sich auf das Zimmer, wo er sich entkleidet und für die Nacht zurecht macht, bevor er sich auf dem Bett ausstreckt, die Hände hinter dem Kopf verschränkt und mit geschlossenen Augen den Tag Revue passieren lässt.

Mit einer lässigen Handbewegung verabschiedet Connor die beiden. Danach starrt er noch ein paar Minuten in seinen Becher, ehe er Cassjarella fragt: "Und? Wie findest Du das Zeug? - Mir steht jetzt eher der Sinn nach einem Ferdoker!"

"Er wird mit jedem Becher besser", schreibt Cassjarella, "aber gut wird er nie."

Daraufhin muss Connor schmunzeln und nickt ihr zu. "Wohl wahr. Also, kommst Du mit?"

"Nein, besser nicht", schreibt Cassjarella, dann verabschiedet sie sich mit einem knappen Nicken von Connor.

Dieser erhebt sich andeutungsweise, als die Geweihte ihn verlässt. Noch ein paar Minuten hält der Krieger sich anschließend an seinem Weinbecher fest und lässt die Gedanken zu einer weit zurückliegenden Zeit und längst bei Boron befindlichen Gefährten zurück schweifen, ehe er ebenfalls auf sein Zimmer geht und sich zur Ruhe legt. Den Rest des Weins lässt er einfach stehen.

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Celissa findet die Wirtin in der Küche. Diese blitzt förmlich vor Sauberkeit. Frau Villani sitzt am Tisch und genießt eine Tasse Tee.

"Junge Dame, kann ich noch etwas für Sie tun?"

Celissa entschuldigt sich erst einmal für Connor - "er kommt aus dem Norden des Mittelreichs, wisst Ihr" - und lobt nochmals das Essen. Währenddessen setzt sie sich zu der Frau (frech genug von der Wirtin, einfach sitzen zu bleiben, aber so revanchiert sie sich vielleicht für die Szene vorhin).

"Cavalliere Randirion und ich haben vor, morgen Abend das Theater zu besuchen", erklärt sie dann. "Wisst Ihr mehr über die Aufführung?"

"Da habt ihr Glück. Normalerweise kommt man an die Elfenbeinbillets für das Theater kaum heran. Ich hatte mal einen Gast, der hat 20 Dukaten für sein Ticket bezahlt.

Aber morgen Abend wird alles was Rang und Namen hat im Hesindetempel sein. Der 'Kampf gegen die Hjaldinger' wird dann aufgeführt. Die Geweihten singen und sprechen dabei so 'ne komische Sprache, die keiner mehr versteht. Und trotzdem tun alle so, als ob sie was mitbekommen.

Im Theater gibt es morgen 'Die heiligen Thalionmel'. Ein so schönes Stück. Wie die Reiter im Theater auf die Brücke zu preschen und dann wieder zurückgeworfen werden. Einfach toll. Ich war einmal im Theater als es gespielt wurde. Ein Gast war erkrankt und hat mir das Billet geschenkt. Hach, was war das ein schöner Abend." Ein verträumter Blick tritt auf das Gesicht der Wirtin.

"Soll der kleine Alrician sich morgen ein wenig für Euch anstellen und die Karten besorgen?"

Die heilige Thalionmel! Na, das passt ja! Ein bisschen ist Celissa enttäuscht, dass dann im Theater niemand von Rang und Namen sein wird. Andererseits hätte es anders anscheinend sowieso nicht geklappt, und der Hesindetempel wird zu voll sein. "Das wäre sehr praktisch, vielen Dank", nimmt sie das Angebot an. "Dann haben wir morgen mehr Zeit, die restliche Stadt anzusehen. Randirion wird wahrscheinlich die Ordensburg der Ardariten besuchen wollen", tastet sie sich zu dem anderen Thema vor, das sie interessiert.

"Da wird der Cavalliere wenig Erfolg haben. Die Burg selber öffnet sich nur zu den Audienzen. Aber der Rondratempel und das Schwerterfeld solltet ihr Euch ansehen. Bald ist ja wieder Turnierzeit. Dann ist hier ein Leben." meint die alte Frau. Sinnend schweigt sie kurz. Dann schießt ihr das Blut ins Gesicht. "Verzeiht Madame, ich habe mich bei Eurer Anrede vergessen. Ich hoffe Ihr könnt mir den Fauxpas verzeihen. Wenn ich so junge Abenteurer sehe, muss ich an die Kinder denken. Wo sie jetzt wohl stecken mögen. Die Welt wollten sie sehen. Neetha, die Zyklopeninseln oder auch die glühende Wüste im Osten musste es sein. Und jetzt bin ich hier allein." Kurz sinkt sie in sich zusammen. Doch dann strafft sich ihre Gestalt. "Doch zurück zu den Sehenswürdigkeiten von Arivor. Wer sich für Waffen interessiert der sollte den Norden der Stadt besuchen, Saladania. Dort hat Meister Saladan seine Manufakturen und auch einen der besten Läden wenn es um Waffen geht. Der Hesindetempel, der große Rahjatempel und natürlich auch unsere Kapelle sind interessant. Markt ist auch immer. Und manchmal lohnt es sich auch einfach nur die Leute aus einem der kleinen Imbisse heraus zu beobachten. Hier ist viel exotisches Volk." erzählt sie stolz. Celissa merkt, dass es für die alte Frau eine Möglichkeit ist, sich und ihr Leben mit all seinen Nöten zu vergessen.

Sie plaudert gerne noch ein bisschen mit der Wirtin und erkundigt sich auch nach empfehlenswerten Einkaufsmöglichkeiten für Kleider und Schuhe (man weiß ja nie). "Stimmt es eigentlich, dass der Seneschall der Ardariten erkrankt ist?" fragt sie dann.

Frau Villani ist sofort begeistert als das Thema Einkauf aufkommt. Sie schwärmt von einigen Läden, in denen es herrliche Stoffe und auch die gute Droler Spitze gibt. Auch einen guten Schuster kann sie empfehlen.

Beim Thema Dapifer ter Bredero nickt sie traurig. "Man erzählt sich, unser Landesherr hätte sich zu viel zugemutet. Er ist wohl bei einer Reitübung schwer gestürzt und soll schlecht liegen. Und das wo doch bald wieder der Konvent ist. Und übermorgen ist ja auch die wöchentliche Audienz. Die letzte musste sogar ausfallen. Da werden heuer wohl viele ihr Anliegen vorbringen wollen."

"Das muss sehr schlimm für ihn sein. Möge Rondra ihn stärken, auf dass er bald wieder gesund ist", wünscht Celissa. "Kann denn jeder zu dieser Audienz? Gibt es nicht eine Kammer oder einen Rat, welcher die Anmeldungen verwaltet?"

"Es ist gute Tradition, dass jeder Antragsteller mit einem gut begründeten Ansinnen vorgelassen wird. Normal dauert so eine Audienz einen halben Tag. Aber da bestimmt noch Anträge aus der letzten Woche nachzuholen sind wird es übermorgen wohl länger dauern. Ich war bisher nur einmal dabei, damals als dieser Halunke Rabenhorst mich übervorteilen wollte. Der war damals mein Nachbar und wollte seinen Garten erweitern. Aber egal, das langweilt Euch bestimmt Madame."

"Oh, nein, erzählt ruhig", meint Celissa, obwohl sie in Wirklichkeit überhaupt nicht an solchen Dingen interessiert ist. "Aber sagt vorher noch: wenn da schon jeder kommen kann, so wird doch sicherlich zumindest die Reihenfolge geordnet festgelegt, oder? Es wird doch nicht etwa ein Comto warten müssen, bis etliche Bauern ihr Vorliegen vorgebracht haben?"

"Natürlich. Hier herrscht noch Recht und Ordnung. Diese Gleichmacherei kommt uns hier nicht unter. Und ich glaube auch nicht an diese Verleumdung, dass man mit Geld schneller voran kommt. Das hat mal einer der anderen Winzer behauptet. Er hätte sich den Weg bei einem der Beamten freigekauft. So was." sie schüttelt missbilligend den Kopf.

"So ist es Recht", nickt Celissa. "Diese Korruption gehört zu den Tulamiden oder nach Mengbilla, nicht in unser Horasreich." Ob hier Geld aber tatsächlich nichts hilft, bezweifelt sie etwas. Dennoch hat sie nun keine Zweifel, dass Cassjarella übermorgen nicht lange warten muss, bis sie die Audienz bekommt - um eine Marchessa auszustechen, müssten andere doch ganz schön viel zahlen, das wird sich für die meisten nicht lohnen.

Sie plaudert noch ein bisschen mit der Wirtin und geht dann auch nach oben.

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"Oh, du bist schon im Bett, Chéri", bemerkt sie Randirion, als sie das Zimmer betritt. "Ich dachte, wir könnten uns noch diese Rahjakapelle ansehen. Naja." Sie sieht ihn weiter an und lächelt, während sie ihr Kleid von den Schultern streift und zu Boden fallen lässt. "Dann machen wir eben dieses Zimmer dazu."

Randirion schlägt die Augen auf, als Celissa das Zimmer betritt. Er gibt einen wohligen Laut von sich und dreht sich zu ihr um. "Das hat doch noch Zeit bis morgen", murmelt er schläfrig. "Das mit dem Tempel meine ich …" fügt er mit einem Lächeln hinzu, während er, nun deutlich wacher, Celissas wohlgeformten Körper betrachtet. Er schlägt einladend die Decke zurück und macht ihr an seiner Seite Platz. Die linke Seite seines nackten Körpers verunziert eine hässliche Narbe, die bleibende Erinnerung an Murgols Flammenschwert, eine schwere Verletzung, die jedoch, den Göttern sei Dank, weder seine Bewegungs- noch seine Kampffähigkeit beeinträchtigt. "Komm zu mir, ma belle, lass uns IHR huldigen wie es sich geziemt", gurrt er ihr zu. "Alles andere hat Zeit bis morgen …"

"Bis morgen ist noch viel Zeit", meint sie leise und nimmt seine Einladung an. Ihre Göttin wird sich über mangelnde Huldigung nicht beklagen können, fährt es ihr kurz durch den Sinn. Aber welchem Gott huldigt man auch so gerne wie Rahja?