Zur abgemachten Zeit treffen sich die 4 vor der Ordensburg der Ardariten wieder. Wie schon in Neetha wachen auch hier 2 Ordensmitglieder darüber, dass niemand unbemerkt in die Burg eindringt.

Nach einer angenehmen, nur etwas zu kurzen Nacht (auch was den Schlaf betrifft) gönnt sich Celissa ein reichhaltiges Frühstück mit Brot, Butter, Wurst, Eiern, Arangen und endlich einmal wieder einer großen Tasse heißer Schokolade.

In gelöster Stimmung nach dieser wundervollen Nacht genießt der Cavalliere in ihrer Gesellschaft das opulente petit-déjeuner.

Ihre Reisekleidung hat sie noch am Abend zum Waschen gegeben und einen frischen Satz modische, aber ihre Bewegungsfreiheit erhaltende Kleidung angezogen. Ihre Stiefel wurden auch bereits geputzt, das ist der Vorteil eines guten Gasthauses.

Auch Randirion hat seine auf der Reise getragene Kleidung zur Reinigung abgegeben und trägt nun frische Sachen, die er zum Wechseln immer in seinen Reisetaschen mitführt. Die schwarzen Haare säuberlich im Nacken zusammengebunden und das Gesicht sorgfältig rasiert, gibt er neben seiner ansprechenden Gefährtin eine recht passable Erscheinung ab.

Für den Tag in Neetha gürtet sie dann wieder Degen und Linkhand und versichert sich, dass der Dolch im Stiefel und die verschiedenen Geldbeutel an den richtigen Stellen sind.

Den breitkrempigen Hut mit der buschigen Feder auf dem Haupt, Rapier und Linkhand in ihren Waffenscheiden am Gürtel, den Ärmelrock lässig über Schulter gebunden, ist der junge Adlige zum Aufbruch zu ihrem vereinbarten Treffpunkt bereit.

Als die vier zusammentreffen wird allen die Veränderung sichtbar, die in Cassjarella vorgegangen ist. Rein äußerlich fällt auf, dass wieder die roten Löwinnen und auch die Knöpfe mit den gekreuzten Schwertern auf der weißen Robe auf genäht sind. Außerdem glänzt unter der Robe der frisch polierte Ringelpanzer.

Gegürtet ist sie mit dem Barbarenschwert an der linken, dem Dolch an der rechten Seite und dem Rondrakamm am Rücken.

Ihr langes schwarzes gelocktes Haar flattert lose im Morgenwind. Glücklich lächelnd schaut sie den Gefährten entgegen.

Connor neben ihr scheint sich in ihrem Lächeln zu sonnen. Ob es einen direkten Zusammenhang gibt, oder der Krieger sich nur über das Wohlergehen der Geweihten freut, ist für die Gefährten nicht zu erkennen. Er trägt ebenfalls einen Ringelpanzer, sein allgegenwärtiges Tuzakmesser hält er lose in der Hand.

"Guten Morgen!" wünscht Celissa und erwidert das Lächeln ehrlich erfreut. "Ihr seht sehr gut aus, Euer Gnaden!"

Connor nickt den beiden freundlich zu und erwidert: "Auch ich wünsche euch einen wundervollen Morgen!" Er scheint viel gelöster, ja fast zufrieden zu sein und strahlt diese Veränderung auch deutlich aus.

"Merci, pareillement!" Randirion neigt freundlich grüßend den Kopf und betrachtet die wie durch ein Wunder verwandelte Rondrageweihte mit Respekt. "Ich kann mich Celissas Worten nur anschließen, ich bin hocherfreut, Euch in eminentem Glanz und Glorie wiederhergestellt zu sehen, Euer Gnaden. Rondra sei gepriesen!" Er zieht achtungsvoll den Hut und führt ihn an seine Brust.

"Ja, das ist sie." murmelt Connor sehr leise und damit unverständlich auf die Redewendung Randirions.

"Auch Euch einen guten Morgen!" antwortet die Geweihte. "Nun, ich fühle mich auch gut, jetzt wo die Leuin mir wieder geneigt ist.

Ich sehe es als Zeichen, dass uns die Quest gelingen wird."

"Bestimmt!" zeigt sich Celissa überzeugt. "Und wie gehen wir jetzt weiter vor?"

"Nun, ich denke wir versuchen das Schreiben des Senneschalls an den Empfänger zu bringen. Und das ist, wie Ihr Euch erinnert Nepolemo ya Torese, der Oberst-Komtur der Burg", antwortet Cassjarella lächelnd. "Wollen wir?"

Dann dreht sie sich um und geht auf die Torposten zu. "Wir wollen zum Oberst-Komtur!"

Cassjarellas Rangabzeichen werden hier sofort erkannt. Die beiden Laien begrüßen Sie angemessen und freundlich. Dann macht sich einer der beiden auf den Weg ins Innere, um seinen Vorgesetzten zu informieren.

'Da können wir wohl nichts anderes tun als warten', denkt Cassjarella.

Während sie also wartet hat sie Zeit die Umgebung ein wenig zu betrachten. Die Ordensburg liegt in einem Dreieck mit 2 weiteren Festungen. Alle 3 sind imposante und wehrhafte Gebäude, die rosa-weiße Farbe des verendeten Marmors wirkt aber deplaziert. Rechts liegt der Chabab und weiter im Hintergrund der Tempel des Sieges. Selten hat Cassjarella ein so verbautes Gebäude gesehen. Hier ein Erker, dort eine Bastion oder eine Wehrmauer.

Kurze Zeit später ist die Wache mit ihrem Vorgesetzten wieder da. Cassjarellas Insignien werden mit der gebotenen Ehrfurcht zur Kenntnis genommen. "Seid mir gegrüßt Euer Gnaden. Willkommen in Neetha." bezieht er auch den Rest der Gruppe in die Begrüßung ein. "Ihr wünscht den Oberst-Komtur zu sprechen? Falls es erlaubt ist, in welcher Angelegenheit?" wendet er sich dann wieder an Cassjarella.

"Ihr habt die Frage richtig angefangen", erwidert Cassjarella spitz. "Falls es erlaubt ist, nun dann ist es das nicht. Ich würde es dem Oberst-Komtur gerne selber sagen."

Ganz flüchtig zieht Connor stoßartig Luft zwischen den Zähnen ein, ehe er sich fängt und mit regloser Miene neben der Geweihten steht.

Aufmerksam beobachtet er ihr Gegenüber, um notfalls eine vermittelnde Position einnehmen zu können.

Wer die Wachgarde unter sich hat, der hat schon so einiges erlebt. Und so reagiert der Mann ruhig. "Das würden viele gerne. Doch Satinav gewährt auch ihm nur 24 Stunden an einem Tag. Und daher gibt es mich. Ich bin beauftragt zu prüfen, ob der Oberst-Komtur gestört werden darf oder nicht. Erklärt Euch mir gegenüber oder geht."

Celissa schüttelt innerlich den Kopf. Jedes Mal das Gleiche. "Dies ist die Marchessa Cassjarella d'Isliquor", weist sie den Mann freundlich, aber bestimmt zurecht. "Womit könnte der Oberst-Komtur beschäftigt sein, dass er für sie keine Zeit hätte? Ist vielleicht der Erzherzog zu Besuch?"

"Weltliche Angelegenheiten sind Aufgabe des Hauptquartiers in Arivor. Darf ich nun erfahren worum es geht?" fragt der Mann immer noch ruhig.

Es fällt Connor schwer, ein Grinsen zu verkneifen, und so überspielt er es mit einem kleinen Räusperer. 'Die Kleine hat echt was los und trifft den Nagel auf den Kopf!' denkt er mit einem anerkennenden Seitenblick.

Laut fügt er an den Wachvorgesetzten hinzu: "Guter Mann, wir kommen auf besondere Empfehlung des Senneschalls." Sein Lächeln wirkt gezwungen und deutlich aufgesetzt. Fast flüsternd fügt er hinzu, während er sich kameradschaftlich vorbeugt: "Und glaubt mir, die Marchessa versteht keinen Spaß. Ich muss das wissen."

Mit hochgezogenen Augenbrauen und einem vielsagenden Blick richtet er sich wieder auf bedeutet dem Wachhabenden mit einem Nicken, er möge endlich tun, um was er gebeten worden ist.

Das Wort Seneschall scheint den Mann mehr zu beeindrucken als der rondragefällige Zorn der Marchessa. Doch da bringt Cassjarella ja noch einen Trumpf ins Spiel.

Celissas Worte kamen gerade noch rechtzeitig, denn die Antwort, die Cassjarella auf der Zunge lag, wäre ungleich unfreundlicher und undiplomatisch ausgefallen.

"Danke, Euer Gnaden", nickt sie Celissa zu. "Vielleicht sollte ich noch hinzufügen, dass ich meine Aufträge direkt vom Schwert der Schwert erhalte und diese größte Vertraulichkeit genießen.

Also, lasst Ihr mich und meine Gefährten vor?"

Zur Bekräftigung lässt sie den Wachhabenden auf ein gerolltes Pergament blicken, dass mit dem Siegel der obersten Vertretung Rondra auf Dere gesiegelt ist.

Ein erstauntes Gesicht und ein eifriges Nicken zeigen die Wirkung an. Und so stehen die vier kurze Zeit später Nepolemo ya Torese gegenüber. Der Oberst-Komtur Neethas ist ein großer Mann (wohl fast 2 Schritt), trotz seines Alters von vielleicht 40 Sommern blickt euch ein fast weißhaariger, weiß bärtiger Mann an. Seine grauen Augen zeigen Neugier, seine strengen, asketischen Gesichtszüge spiegeln ein Leben für Rondra wieder. Er trägt einen Plattenharnisch, ein blutrotes Brokatwams und einen weißen Wappenmantel mit dem Symbol des Ardariten-Ordens (ein rotes Langschwert auf weißem Grund). An seiner Seite ist ein Langschwert gegürtet. "Rondra zum Gruße. Willkommen in Neetha, willkommen in unserer Ordensburg. Was bringt Ihr für Kunde?"

Der Cavalliere verbeugt sich zum respektvollen Gruß vor dem Oberst-Komtur, während Cassjarella das Wort ergreift.

Ein höfliches aber leicht abwesendes Nicken ist die Antwort. Ya Torese blickt sofort wieder zu Cassjarella.

"Euer Hochwohlgeborene Durchlaucht", begrüßt ihn Cassjarella mit einer tiefen ehrfurchtsvollen Verbeugung. "Uns - im besonderen mir - würde durch die Leuin eine Quest aufgetragen.

Wir sollen - und ich gehe auch davon aus wir werden - das Schwert der Göttin finden.

Da wir über Arivor angereist sind, sind wir auch beim Meister des Bundes, Ihre Eminenz Dapifer ter Bredero, in dieser Angelegenheit vorstellig geworden. Und dieser beauftragte uns Euch dieses Schreiben zu übergeben."

Sie reicht ihm das versiegelte Pergament und tritt dann wieder zurück und wartet.

Da Cassjarella wieder das Wort ergriffen hat und sich - nach Connors Meinung - auch gebührlich dabei benommen hat, sagt er nichts und lässt sie gewähren. So steht er nach dem kurzen einleitenden Gruß einfach still hinter ihr.

Sollte Torese diese Eröffnung irritieren so zeigt er es nicht. Er nimmt das Pergament, prüft das Siegel und nickt. Sodann tritt er an einen Schreibtisch im Hintergrund des Raums und öffnet das Siegel vorsichtig mit einem Brieföffner. Er liest es kurz und reicht es dann an Cassjarella zurück. "Lest selber."

Die Geweihte nimmt das Pergament und liest laut vor, was auf dem Pergament steht.

Auf dem Pergament hat der Senneschall seine Vision zusammengefasst und knapp Cassjarellas Traum angefügt. Das Schreiben schließt mit den dem mehr oder weniger konkreten Worten: "Dies sind nun Meine Worte: Stehe an Meinem Tag auf dem Pfeiler Meiner Zahl und harre dessen, was Ich dir sende."

Cassjarella schaut auf und überlegt.

Erwartungsvoll blickt Connor sie an. Da er den Ausdruck auf ihrem Gesicht kennt, spricht er nicht und fragt auch nicht nach. Die Geweihte wird sich bei Zeiten an sie wenden, sollte sie ihres Rates bedürfen.

"Also der zweite Pfeiler?" überlegt Celissa laut. "Sind die Pfeiler denn nummeriert?"

"Am Rondratag am zweiten Pfeiler", bestätigt Cassjarella. "Welchen Tag haben wir heute?"

"Nicht am, sondern auf hat es geheißen." korrigiert der Krieger in die Überlegungen der beiden Frauen hinein.

Randirion indessen überlegt, welcher Tag heute ist, um auf die Frage der Geweihten antworten zu können.

Es ist heute der Erdstag. Damit liegt nur noch der Horastag zwischen heute und dem wichtigen Tag.

"Also in Übermorgen", stellt Cassjarella laut fest. "Euer Hochwohlgeborene Durchlaucht, könnt Ihr uns die Brücke beschreiben. Gibt es noch Pfeilerreste wie sie der Senneschall erwähnt?"

"Genau. Übermorgen. Und ja, es gibt noch 2 Pfeiler oder genauer gesagt, deren Reste. Beide sind ein beliebter Ort für die Tauchversuche von Anfängern. Und die Reste sind noch groß genug dort mit mehreren Personen stehen zu können."

'Hmm. Vielleicht muss man gar nicht tauchen.' überlegt der Krieger, während ihm ein sagenumwobenes Schwert, das in einem Stein steckt und sich nur dem Würdigen offenbart, in den Sinn kommt.

Randirion runzelt nachdenklich die Stirn. Er hat die Ereignisse in Grangor noch nicht vergessen …

"Und welcher Pfeiler ist der zweite?" fragt Celissa. "Der, der weiter vom Ufer weg ist?"

"Eine Nummerierung ist eventuell angebracht worden. Ich könnte mir aber vorstellen, dass Eure Vermutung zutrifft." Der Oberst-Komtur denkt kurz nach und nickt dann bestätigend.

"Dann werden wir dort suchen", meint Cassjarella nachdenklich. "Schließlich hat uns die Leuin diesen Auftrag gegeben."

"Wunderbar. Das Schwert bald wieder unter uns. Doch jetzt erzählt mir bitte ein wenig mehr von Eurer Reise. Wo kommt Ihr her? Wo hat Euch die Siegreiche beauftragt?" ya Torese blickt die 4 mit ehrlichem Interesse an. Er zeigt auf eine gemütliche Sitzecke.

"Weiden." ist die umfassende Antwort des Kriegers auf beide Fragen.

"Kurz und bündig. Wie ein Befehl. Ihr seid es gewohnt zu kommandieren."

Ein halbes Lächeln stiehlt sich kurz auf Connors Gesicht. "In der Tat." antwortet er.

"Sehr gut, sehr gut. Aber nicht alle Herrschaften kommen aus Weiden, oder?" fragt Torese weiter.

Der Krieger zuckt mit den Schultern, als wolle er darauf mit einer Frage antworten: 'Kommt es darauf jetzt wirklich an?'

"Nun, Signorina Celissa von Marlino und meine Wenigkeit, Cavalliere Randirion ya Calmatin, stammen aus dem Alten Reich, Euer Hochwohlgeborene Durchlaucht. Wir haben uns von Grangor aus auf den Weg gemacht, um Ihre Gnaden Marchessa Cassjarella d'Isliquor auf ihrer Queste hierher zu begleiten", berichtet der junge Adlige mit einer angedeuteten Verneigung.

Celissa verneigt sich ebenfalls, als sie vorgestellt wird.

'Oh, wollte er wirklich wissen, woher wir stammen, und nicht woher wir kommen?' fragt sich Connor, verwirft den Gedanken aber sogleich wieder. Außerdem sollte er mit seiner Geburt auf Maraskan hier nicht hausieren gehen, auch wenn seine Eltern mittelreichische Rondrageweihte sind und nach wie vor im Tuzaker Tempel dienen …

"Von Grangor seid Ihr also hierher gekommen. Über die Seneb-Horas-Strasse vermutlich? Hattet Ihr eine ruhige Reise?" Die Neugier des Ardariten scheint eher ihrer Reise und den damit verbundenen Erlebnissen zu gelten.

"Bis auf einen Zwischenfall gut, danke der Nachfrage", antwortet der Cavalliere höflich. "Man bemerkt im nördlichen Reich wenig von den Konflikten, die sich hier im Süden zu entwickeln scheinen." Er zieht eine Augenbraue hoch, was seiner Miene einen fragenden Eindruck gibt. Anscheinend erwartet er von seinem Gegenüber eine Stellungnahme zu seiner Beobachtung.

"Eine treffende Erkenntnis. Aber was stört es ein Grangor auch, wenn sich Al'Anfa und das Kalifat prügeln. Bis die Sieger über die Brücken der Stadt schreiten, würden mögen Jahre vergehen. Hier im Süden sieht das etwas anders aus. Der Landherr von Khomblick mag ein beeindruckender Bündnispartner sein. Ob er alleine allerdings ausreichen würde ist zweifelhaft. Und so fühlt man sich wehrlos und allein gelassen. Und komische Gedanken bekommt." erläutert ya Torese seine Sicht der Lage.

Cassjarella war über die vermutlich nahe Erfüllung ihrer Queste völlig in Gedanken versunken, aber als der Shafir erwähnt, nickt sie bestätigend: "Ja, mit ihm haben wir einen starken Verbündeten und guten Wächter. Aber wenn wir zu dem Prächtigen noch das Schwert der Göttin auf unserer Seite haben, dann brauchen wir uns keine Sorgen mehr um unsere Heimat machen."

Cassjarella hält es nicht für nötig ihre Herkunft zu erkläre. Titel und Name sollten dem Oberst-Komtur deutlich genug sein.

"Wohl wahr. Doch sagt, was war das für ein Zwischenfall auf der Reise?" der Oberst-Komtur scheint an Informationen sehr interessiert zu sein.

"Ein Überfall", antwortet Cassjarella lapidar. Der hochnäsige Umgang des Herolds mit den Gefährten und den Gefangenen lässt sie nur kurz antworten.

"Banditen? Und wo war das? Erzählt bitte mehr." bittet ya Torese.

Cassjarella blickt Connor bittend an, mag er doch erzählen.

Dieser nimmt den Blick auf, hält aber bei der Erklärung an seiner kurzgefassten Ausdrucksweise fest: "Auf der Straße hierher, zwischen zwei Dörfern, den Namen habe ich vergessen." erläutert er. "Aber es war nur halb so wild: ein paar Wegelagerer, nichts, womit eine regelmäßige Patrouille nicht fertig werden würde. So wie wir." fügt er hinzu.

"Gut, sehr gut. Nichts ist in diesen Zeiten schlimmer als ein Gerücht. Da werden dann aus ein paar Strauchdieben die Truppen des Kalifen. Und schon ist das Geschrei groß.

In der Stadt gibt es schon genug Ärger, selbst der Marktgraf soll inoffizielle Verhandlungen führen." Entrüstung macht sich auf dem Gesicht des Mannes breit.

"Verhandlungen?" wundert sich Celissa. "Doch nicht etwa mit den Novadis?"

"Da gibt es die unglaublichsten Gerüchte. Al'Anfa, die Novadis, selbst mit dem Mittelreich soll er schon für über seine Unabhängigkeit verhandeln."

'Bemerkenswerte Reihenfolge!' denkt Cassjarella.

'Oh-oh.' Unabhängigkeit? Vom Reich? Das wäre Hochverrat. In solch ein Thema möchte Celissa nicht hinein gezogen werden, ein falsches Wort kann da leicht schlimme Konsequenzen nach sich ziehen.

"Ja, es ist schon verrückt, auf was die Leute alles kommen", antwortet sie und lacht etwas gezwungen. "Stellt Euch vor, letztens hat auch jemand behauptet, Al'Anfa habe sich mit Fischmenschen verbündet, um Drôl zu erobern."

Ein strenger Zug tritt in das Gesicht ya Toreses, seine bisher interessierten Augen verdunkeln sich. "Sehr geehrte Signora, mein unglaublich war im Sinne von unerhört gemeint."

Mit großen Augen schaut ihn Celissa unschuldig an. "Selbstverständlich, Hochwürden. Unglaublich und unerhört."

Aus diesem Geplänkel hält Connor sich komplett heraus. Politik - denn nur darum handelt es sich seiner Auffassung nach - auf solcher Ebene ist seine Sache nicht.

"Und zudem noch ungeheuerlich", setzt Randirion entrüstet hinzu. "Wurde der Hof bereits von den Vorgängen hier in Kenntnis gesetzt und wird er auf dem Laufenden gehalten?"

"Davon gehe ich aus. Nicht umsonst gibt es hier Landestruppen neben den Truppen des Markgrafen. In Vinsalt wird man vieles über seine politischen Träume wissen. Ich vermute auch, dass der Seneschall Euch vor den Verhältnissen in Neetha gewarnt hat?" fragt ya Torese zurück.

Randirion schaut daraufhin Cassjarella und Connor an, denn dazu kann er nichts sagen, war er doch bei der Audienz beim Seneschall nicht dabei.

"Wir sollten bei Euch vorstellig werden", antwortet die Geweihte ausweichend. "Und nicht beim Markgrafen …"

"Das habt Ihr ja hoffentlich auch so gehalten." Der Oberst-Komtur blickt Cassjarella prüfend an. "Phrenos ay Oikaldiki ist ein Machtpolitiker wie er im Buche steht. Für die Unabhängigkeit würde er alles tun. Und Thalionmels Schwert könnte dabei einige gewisse Bedeutung haben. Es muss gefunden und unauffällig aus Neetha heraus geschafft werden."

'Natürlich! Wie hat dieser Wichtigtuer nur zugehört?' fragt sich Connor bei dem ersten, für ihn wie eine Frage klingenden Satz.

"Es wird uns eine Ehre sein, das Schwert in Sicherheit zu bringen", meint Cassjarella mit leichtem Lächeln.

"Hoffentlich bekommen wir es auch unauffällig", meint Celissa. "An der Brücke wimmelt es nur so von Pilgern, da wird es schwer, unbemerkt ein Schwert aus dem Fluss zu bergen." Sie überlegt. "Wisst Ihr, wie das Schwert aussieht? Könnte man so tun, als ob man sein eigenes Schwert verliert und statt dessen das richtige wieder heraus holen?"

"Warum sollten wir diese Heimlichkeit vonnöten haben? Wir sind von der Leuin erwählt!" fragt Cassjarella erstaunt.

"Der Oberst-Komtur hat doch gerade erwähnt, dass wir unauffällig vorgehen sollen …" wendet Celissa ein.

Bevor Cassjarella antworten kann, hat der Oberst-Komtur bereits erklärt, dass Rondra Heimlichkeiten nicht unbedingt unterstützt.

"Wie das Schwert aussieht? Es gibt eine Darstellung im Tempel des Sieges. Ob diese historisch verbürgt ist vermag ich nicht zu sagen. Die künstlerische Freiheit wird auch hier Einzug gehalten haben.

Nun zum anderen Teil der Frage. Ein Pilger, der mit seinem eigenen Schwert taucht, wird definitiv Aufsehen erregen. Eine Person auf dem Brückenpfeiler welcher das Schwert dann ins Wasser fällt … hmmm …" überlegt ya Torese und schüttelt dann den Kopf. "… wird auch auffallen. Aber Heimlichkeiten werden bei der Siegreichen nicht unbedingt unterstützt." wendet er etwas ungelenk ein.

"Ich denke, dass das Schwert wie eine normale Gebrauchswaffe damaliger Zeit aussieht." kommt es von Connor. "Schließlich würde keine Prunkwaffe den seinerzeit gefochtenen Kampf überstehen." Da ist er sich ganz sicher. "Und Aufsehen? Wen kümmert das? Oder glaubst Du, jemand würde uns das Schwert wieder abnehmen können?" fügt er an Celissa gewandt mit absoluter Zuversicht hinzu, während er den Griff seines Tuzakmesser tätschelt.

Celissa zieht eine Augenbraue hoch. "Die Truppen des Markgrafen vielleicht schon … und auch Ihr seid nicht vor Magie gefeit, oder? Tja … wenn wir das Schwert nicht unauffällig bergen können, könnten wir versuchen, für eine Ablenkung zu sorgen, damit dem Pfeiler und den Leuten da nicht so viel Aufmerksamkeit geschenkt wird."

Connors Blick sagt mehr als Tausend Worte könnten: Er hat fast alles gesehen und erlebt auf Dere. Magie mag gut sein, aber ein treues Schwert ist besser. Außerdem hat Cassi es bereits gesagt: Sie fechten im Namen der Göttin. "Rondra wird uns schützen!" meint er im Brustton der Überzeugung.

Die Aussage versetzt Cassjarella in leichtes Staunen. Sie weiß, dass die Göttin auf ihrer Seite ist, aber bei Connor hatte sie bislang immer gezweifelt …

"So wird es sein. Die Löwin wird Euch leiten." bekräftigt ya Torese die Rondragläubigkeit des Oberst.

'Na dann …' denkt sich Celissa und fragt sich, warum er dann vorher eigentlich noch betont hat, dass man unauffällig sein sollte.

"Die Leuin wird mit uns sein, sonst hätte sie Euch diese Aufgabe nicht übertragen", bekräftigt auch Randirion die Gläubigkeit der Rondrageweihten, ist sich der Widersprüche jedoch auch bewusst. "Dennoch sollten wir die Warnungen nicht außer Acht lassen. Noch wissen wir nicht, wo sich das Schwert befindet und welche Anforderungen nötig sind, es dem Zugriff Unwürdiger zu entziehen. Bald werden wir genaueres wissen, hoffe ich."

"So wird es wohl sein. Seid in zwei Tagen auf dem Pfeiler Nummer zwei und Rondra wird Euch den Weg weisen." ist sich Torese sicher. "Kann ich Euch noch mit Rat oder Tat helfen?"

Cassjarella schüttelt den Kopf. "Im Moment nicht, aber wenn wir noch etwas benötigen lassen wir es Euch wissen. Vielen Dank!"

Sie verneigt sich höflich, denn sie vermutet, dass hiermit ihre Audienz beendet ist.

Auch Connor verabschiedet sich mit einer leichten Verbeugung, ehe er sich umwendet und neben Cassjarella den Raum verlässt.

Celissa tut es ihm gleich, nur mit einer tieferen Verbeugung.

Auch Randirion verbeugt sich respektvoll von dem Oberst-Komtur und verlässt zusammen mit seinen Gefährten den Raum.

"Gewährt mir noch eine Bitte. Sobald ihr das Schwert in Händen habt, lasst es mich einmal betrachten." bittet der Oberst-Komtur zum Abschied.

"Euer Wunsch ist mir Befehl", antwortet Cassjarella die sich entsprechend der Sitte rückwärts entfernt hat. "Aber glaubt mir, Ihr werdet wohl nicht der einzige sein."

"Wohl nicht …"

Ein kurzes Läuten mit einer Glocke ruft den Majordomus der die 4 zum Tor der Ordensburg geleitet. Mit einem freundlichen "Rondra zum Gruße!" verabschiedet er sich.