Der Tag der Rondra, oder der Praiostag wie er im Rest Aventuriens genannt wird, ist da. Cassjarellas Meditationen an den Vortagen haben ihr eine Erkenntnis gebracht. Es wird die zweite Rondrastunde sein zu der sie auf dem zweiten Pfeiler stehen soll.

Cassjarella ist frohen Mutes, dass - wenn die Leuin ihr schon ein Zeichen gibt - das ihre Queste gelingen wird.

Sie verbringt den Morgen damit ein paar Übungen zur Körperertüchtigung und Entspannung durch zu exerzieren.

So hat sie am Morgen genügend Zeit sich auf die kommenden Ereignisse einzustellen. Die Sonne meint es heute wieder gut mit ihnen. Wolkenloser Himmel und angenehme Temperaturen kennzeichnen den Beginn des neuen Tages.

Schon früh ist Connor wach und kümmert sich rasch um sein Reisegepäck, verstaut die Rüstung und alles weitere so, dass er es beim Aufbruch zur Brücke nur noch auf sein Pferd schnallen muss. Diesem wird er auch die "Wacht" über seine Siebensachen anvertrauen.

Da er nicht davon ausgeht, dass sie alle ins Wasser und auf den Brückenpfeiler klettern werden, trägt er seine übliche dunkelblaue Kleidung samt Weste und Schärpe, in die er sein Kurzschwert steckt. Das Tuzakmesser trägt er locker in der Hand, das Schultergehänge aufgewickelt. So nimmt Connor sich vor, den "Rückzug" der Gruppe, zur Not mit der Waffe in der Hand, zu verteidigen.

Als die Geweihte mit ihren Übungen fertig ist, wartet sie auf das Eintreffen ihren Gefährten.

Auf jeden Fall berichtet Connor der Geweihten von den Erzählungen des alten Mannes über einen Elfen, der hier sein (Un-)Wesen treibt.

Cassi hört aufmerksam zu, aber dann entscheidet sie kann: "Die Leuin hat mich bestimmt, sie wird uns schon den richtigen Weg weisen. Und wenn wir das Schwert vor allen anderen verteidigen müssen, dann werden wir wie die Heilige gegen alle kämpfen!"

Für diesen Kommentar erntet sie ein schiefes Grinsen des Kriegers. "So sei es!" erwidert er fest. "Mit IHRER Hilfe werden wir fest in jedem Sturm stehen und ich werde nicht von Deiner Seite weichen." verspricht Connor der Geweihten erneut feierlich.

Celissa steht spät auf und frühstückt gut - Nacht und Morgen sind vielleicht die letzten für einige Zeit, die man genießen kann. Danach packt sie ihre Sachen zusammen.

Wie Celissa genießt auch Randirion die gemeinsame Stunden und zeigt ebenfalls keine Eile beim Zurechtmachen. Sein Gepäck richtet er so, dass es bei Bedarf sofort griffbereit ist.

"Was meinst du: sollen wir die Pferde zum Fluss mitnehmen oder versuchen wir, sie später zu holen?" fragt sie Randirion.

Der Cavalliere wirkt unschlüssig. "Ich denke, es ist besser, die Pferde hier zu lassen", erwidert er nach kurzer Überlegung. "Zu viel Volk lagert am Fluss, dem ich nur bedingt zu trauen wage. Wir sollten die Tiere jedoch satteln, um bei Bedarf sofort aufbrechen zu können", schlägt er vor.

"Gut, machen wir es so", stimmt Celissa zu.

Die Horasierin kleidet sich in enganliegende Hosen, Bluse und eine kurze Jacke. Degen und Dolche nimmt sie auch mit zum Fluss und zum Pfeiler, damit sie nicht gestohlen werden. Bevor sie ins Wasser geht, wird sie nur Jacke und Stiefel ausziehen.

Randirion trägt seine übliche Bekleidung und führt neben den Klingenwaffen auch seine Balestrina mit sich. Am Fluss angekommen begrüßt er die wartende Geweihte freundlich.

Cassjarella, die ihr Gepäck griffbereit im Zelt liegen gelassen hat, steht nur in der Robe - ohne Ringelpanzer und Schwerter - und mit dem Dolch gegürtet am Ufer und erwidert den Gruß ebenso freundlich.

Cassjarella warnt sie noch einmal, dass die wenigsten in Neetha erlauben wollen, dass man das Schwert aus der Stadt bringt. Sie erwartet aber nicht, dass die Geweihte deswegen noch irgendwie auf Heimlichkeit setzen wird, und kann nur auf ein direktes Wunder der Göttin hoffen.

"Nun, die Leuin hat mich beauftragt und nicht Neetha." antwortet Cassjarella. "Sie wird mir auch zeigen, was mit dem Schwert passieren soll."

Zur Zeit halten sich wie jeden Tag bis zu einhundert Pilger im Fluss zwischen der Furt und den unter Wasser liegenden Resten der eingestürzten Brücke auf und baden im Wasser, tauchen Waffen hinein oder durchwühlen mit viel Begeisterung den Schlamm auf der Suche nach dem heiligen Löwenschwert.

Cassjarella sieht von Rondra beseelte Gesichter aber auch zu tief enttäuschte Mienen unter den Pilgern. Am Strand selber halten sich derzeit keine weiteren Personen auf.

Will Cassjarella pünktlich auf dem Pfeiler sein muss sie jetzt starten.

Nach einem kurzen Stoßgebet zur Leuin macht sich Cassjarella auf dem Weg zum Pfeiler. Vorsichtig tastet sie mit den Füßen im schlammigen Untergrund um nicht auszurutschen. Ihre Gefährten fordert sie auf ihr mit Gottvertrauen zu folgen.

Schon bald steht ihr das Wasser oberhalb der Hüften und dann geht es nur noch schwimmend weiter. Der Aufstieg auf den Pfeiler verläuft dann problemlos.

Celissa folgt ihr. Wie viel Platz ist auf dem Pfeiler?

Ein halbes Dutzend Personen hätte darauf Platz.

Als nächster folgt Randirion den beiden Frauen nach.

Der ehemalige Stützpfeiler der zerstörten Chababbrücke ist von Neetha aus gesehen der zweite und erfreulicherweise nur wenig durch Satinavs Hörner beschädigt: Er reicht bis etwa dreiviertel Schritt über die Wasseroberfläche. Die raue Oberseite misst etwa drei Schritt im Geviert.

Sobald die Helden den Pfeiler erreicht haben, verdunkelt sich der Himmel auffallend rasch: Von Osten her treibt aufkommender Wind schwarze Gewitterwolken stürmisch auf Neetha zu, die Wellen des Chabab beginnen heftiger zu werden. In der Ferne zucken bereits die ersten Blitze.

"SIE weiß, dass wir hier sind!" freut sich Cassjarella und wendet sich dem Wind zu. Ihre langen gelockten schwarzen Haare wehen ihr wild um Kopf und Schultern.

Celissa nickt stumm und sieht dem Sturm ehrfürchtig entgegen. Ob die Göttin wohl selbst erscheinen wird, so wie Rahja in Grangor?

Aufmerksam beobachtet der Krieger das Verhalten der Pilger, Schwimmer und Taucher, die gerade den Fluss nach dem Schwert absuchen. Dann wendet er seine Aufmerksamkeit dem Lager am Ufer zu und versucht, einen optimalen und mindestens einen weiteren "Fluchtweg" zu planen.

"Wie wahr!" stimmt der Cavalliere der Geweihten zu und erwartet gefasst die Ankunft des Sturms.

Fluchtartig verlässt die Mehrzahl der Sucher das Wasser bzw. das Flussufer. Nur noch einige wenige Menschen stehen oder knien am Ufer und scheinen zu beten.

"Seht, meine Freunde!" ruft Cassjarella verzückt. "SIE trennt den Wankelmütigen vom wahren Gläubigen!"

Auf dem Fluss wird es allmählich arg ungemütlich: Feuchte Böen zerren an den Kleidern der Helden, schäumende Wogen treten über den Rand des Pfeilers und prallen gegen eure Schenkel, immer näher kommen die züngelnden Blitze. Der Wind treibt erregt kreischende Möwen vor sich her, alle anderen Tiere haben sich dagegen angstvoll verkrochen.

Dann fallen die ersten Regentropfen herab: Erst einige wenige, die mit unangenehm lautem Geräusch gegen Eure Köpfe platschen und in ungezählte Partikel verspritzen, danach immer mehr, wie ein dichter Vorhang. Schließlich öffnen sich die Schleusen des Himmels ganz, und der Regen stürzt fassweise hinab - das Wasser rings um die Helden scheint zu kochen, so wird es durch Wind und Regen aufgewühlt. In Kürze seid ihr nass bis auf die Haut, die Kleider mit Wasser vollgesogen. Regentropfen prallen fast schon schmerzhaft in eure Gesichter und rauben euch beinahe die Sicht - doch die um euch herum niederfahrenden Blitze könnt ihr sie immer noch erkennen - sie sind ja auch hell und nah genug.

Unheimlich schnell sind die Wellen des Chabab gestiegen: Die Gischt spritzt jetzt manchmal bis über eure Köpfe, das Stehenbleiben wird immer schwieriger. Im Licht eines Blitzes kann man einen ertrinkenden Tralloper Riesen vorbeitreiben sehen …

Euch kommt es so vor, als wäret ihr zurückversetzt in die Tage von Thalionmels Opfergang.

Celissa hat sich auf ein Knie herabgelassen und hält sich mit einer Hand am Pfeiler fest, um nicht herab gespült zu werden. Aber den Kopf senkt sie nicht, sondern blickt dem Sturm standhaft ins Auge.

"Seid stark und tapfer, die Leuin ist auf unserer Seite!" Cassjarella blickt voll Trotz und Verzücken in die zuckenden Blitze. "Nur der Standhafte ist IHRER Gnade würdig!"

Dann stimmt sie die düsteren Worte von Thalionmels Schlachtgesang an:

"Herrin Rondra, durchdringe mich und fülle mich mit deinem Geist. Dring' ein in meine Glieder und gebe ihnen Kraft, dring' ein in mein Herz und gebe ihm Mut, dring' ein in meine Seele und gebe ihr Zorn, mein Leib sei dein, und den Leib des Feindes will ich dir opfern. Rotes Blut, heiliges Blut - Blut, wasche rein - so sei es."

Randirion stemmt sich gegen den Sturm und begleitet Cassjarellas Gesang in Gedanken.

"Seid standhaft!" brüllt Connor gegen den Sturm an. 'Die wahre Erkenntnis ist nah! Gleich werden wir erfahren, wo das Schwert zu finden ist oder es gar selbst in Händen halten.' da ist sich der Krieger ganz sicher. So hält er sich bereit, Cassjarella zu unterstützen, denn er ist der festen Überzeugen, dass nur sie die Waffe erhalten wird.

Die Geweihte steht fest gegen die Flut gestemmt und wartet auf ein Zeichen der Leuin.

Nie hat Cassjarella die Anwesenheit der Göttin stärker gespürt. Dies ist kein gewöhnliches Gewitter, es ist die Ankunft der Göttin.

Schließlich tobt das Unwetter direkt über der Furt. Vermutlich ist der Gottesdienst unter freiem Himmel längst abgebrochen worden, doch das kann man allerhöchstens vermuten - schließlich ist das sechzehn Schritt entfernte Ufer nicht einmal mehr zu sehen …

Cassjarella stemmt sich weiter gegen die Strömung. "Sie ist mit uns nicht gegen uns!" ruft sie gegen den Sturm ihren Gefährten zu. "Haltet aus, dann wird sie uns belohnen!"

Ohne Zögern tut der Oberst, wie ihm geheißen. 'Mein Glaube ist standhaft!' denkt er, während er sich gegen den Sturm stemmt.

Und so versucht auch Randirion, weiter wacker gegen die Strömung und den Wetterunbilden standzuhalten.

Plötzlich fährt ein Blitz direkt bei den Helden nieder - und auf einmal steht vor ihnen die leuchtende Erscheinung einer schönen und majestätischen Kriegerin in einer altertümlichen Rüstung: Thalionmel die Löwin.

Sie scheint in einem inneren Feuer zu strahlen, ihr Körper zeigt besonders helles Licht an Linien, die kreuz und quer über ihr Gesicht und die nackten Arme laufen - die einzige Erinnerung an ihre Zerstückelung durch die gegnerische Übermacht.

Die "Löwin" spricht mit der Eindringlichkeit und Majestät einer Heiligen. Doch zugleich zeigt sich auch die Wahrheit jener Berichte, die ihre Freundlichkeit rühmen.

Thalionmel beginnt mit einem feinen Lächeln: "Meine Freunde, seid mir gegrüßt im Namen der Göttin. Ihr seid die Abgesandten eines großen und rondragefälligen Recken und auch Ihr selbst folgt Ihrem Weg - so soll Eure Suche erfolgreich sein. Doch dazu müsst Ihr einen anderen Ort aufsuchen - Ihr glaubtet doch wohl nicht, das Löwenschwert sei zu finden, indem man nur tüchtig im Schlamm wühlt? Oh nein, es ist nicht hier - um es zu bekommen, müsst Ihr meinem Beispiel folgen und Euch der Garde des Tugruk Pascha stellen - zu Füßen seines Thrones … Rondra sei an Eurer Seite!"

Mit einem letzten Nicken verschwindet die Heilige wieder - und wenn ihr Euch umschaut, stellt ihr erstaunt fest, dass das Gewitter fast ganz abgeklungen ist.

Rondra hat zu Euch gesprochen und sie hat damit Euren Willen gestählt für die nächste Aufgabe.

Cassjarella fällt noch auf dem Pfeiler auf die Knie um die Göttin für ihren Hinweis zu preisen.

Celissa stimmt in das Gebet ein. Sie ist noch zu überwältigt von der Erfahrung, um zu überlegen, was der Hinweis eigentlich bedeutet.

Der Geweihten erleichtert eine Hand auf die Schulter legend, dankt Connor der Göttin stumm für ihren weisen Ratschluss.

Der Cavalliere atmet erst einmal tief durch, hat ihm doch der Anblick der Heiligen, durch die die Göttin zu ihnen gesprochen hat, schier den Atem geraubt. Nun senkt er ergeben den Kopf. "Euer Wort ist uns Befehl", murmelt er gefasst, auch wenn ihm der Ausmaß der Forderung, gegen die Garde des Turguk Paschas zu Füßen seines Throns bestehen zu müssen, noch nicht völlig bewusst ist.

Nach dem Abklingen des Gewitters füllt sich das Ufer langsam wieder mit Pilgern und Schatzsuchern. Die ersten Sucher steigen wieder in den Chabab und tauchen.

Bei den am Ufer stehenden erregen die 4 auf dem Pfeiler einiges Aufsehen. Immer wieder zeigen die Menschen auf die Gruppe.

"Wir haben das Schwert hier zwar nicht gefunden", meint Cassjarella, "aber wir kennen den Ort des Schwertes. Bitte haltet Stillschweigen, denn die Göttin hat uns ausgewählt dieses heilige Artefakt zu bergen und nicht diese ungläubigen Schatzsucher."

"Das ist doch wohl selbstverständlich!" erwidert Randirion.

So begibt sich Cassjarella zurück zum Ufer, dabei überlegt sie wo sich der Thron des Paschas befinden könnte. Ihr fällt sofort wieder die Legende der Thalionmel ein. Dort wird berichtet, dass der Pascha am Südufer zurück geblieben ist und von dort auf die Brücke und den Kampf der Heiligen herab geblickt hat. Also müssten sie nur eine strategisch passende Stelle finden.

"Ich glaube, ich habe eine Deutung des Hinweises", berichtet Cassjarella als sie wieder am Ufer und allein sind.

"Nicht hier!" warnt der Krieger leise. "Lasst uns erst noch ein Stück weg von hier und aus den Blicken der Schaulustigen." Unauffällig sieht er sich um.

Der Cavalliere steigt ebenfalls aus den Fluten des Stroms ans Ufer und folgt der Geweihten. "Dann lasst hören", fordert er sie zum Reden auf.

Cassjarella nickt und sucht ein ruhiges Plätzchen, wo sie ihre Vermutung erklärt.

Was nach dem Gewitter gar nicht so einfach ist. Das Ufer ist kein ruhiger Ort mehr und auch im Lager sind alle wieder draußen. Überall wird geprüft was der Sturm zerstört hat. Nahe des Siegestempels scheint es derzeit ruhiger zu sein.

Durch den Regen hat sich das Lager langsam aber sicher zu einem riesigen Schlammbad entwickelt. Beim Gang zum Tempel müssen die Gefährten ein wenig aufpassen oder ihre klatschnassen Kleider werden auch noch mit Schlamm bedeckt.

Für eine geübte Kämpferin ist das Ausweichen in der weichen Erde kein Problem.

Celissa muss ein paar Mal fast akrobatisch das Gleichgewicht halten, aber es gelingt ihr, auf den Beinen zu bleiben.

Deutlich eleganter bewegt sich der junge Adlige durch den Matsch, aufmerksam achtet er darauf, helfend eingreifen zu können, sollte seine Liebste Gefahr laufen, auf dem unsicheren Untergrund auszurutschen.

Entweder hat das Standhalten im Sturm den Krieger mehr Kraft gekostet, als er bemerkt hat. Oder ihn beschäftigt die rätselhaft umschriebene Weise, wie sie das Schwert finden sollen, denn seine Konzentration scheint dahin: Ohne Vorwarnung findet sein Tritt in eine Pfütze keinen Widerstand und er gleitet schwungvoll aus.

"Hoppla!"

Er rutscht und landet vor ein Paar schwarzer Stiefel. Zumindest waren sie mal schwarz wie einige saubere Flecken zeigen. "Ist das eine neue Art von Überraschungsangriff?" fragt eine dunkle, weibliche Stimme interessiert. "Oder betreibt ihr ausführliche Studien des hiesigen Bodens." Freundlicher Spott schwingt in der Stimme mit.

'Besser hätte ich es kaum sagen können!', grinst Cassi innerlich.

Connor rappelt sich wieder auf und wischt - mehr schlecht als recht - den tropfenden Matsch von seiner ohnehin nassen Kleidung, ehe er die Sprecherin betrachtet und lachend erwidert: "Keineswegs, dann wäre es ja keine Überraschung mehr!" Offenbar macht es ihm sein Zustand nicht das Geringste aus. "Wie heißt es doch so treffend: Hinfallen ist keine Schande, nur liegen bleiben darfst Du nicht. Im wahrsten Sinne des Wortes."

"Stimmt." lacht die Frau mit. "Erlaubt mir mich vorzustellen und Euch dann ein wenig beizustehen. Der Boden in Neetha soll tückisch sein."

"Tja, und auf tückischem Boden hat mancher Mann so seine Probleme …"

"Es freut mich, dich auch heute erheitert haben zu können." erwidert Connor noch im Liegen mit leicht sarkastischem Unterton.

"Das ist nicht das erste Mal …"

"Heute aber schon, oder?" widerspricht er.

"Sicher?"

Dulacia muss kurz aber herzlich lachen. Danach blickt sie ein wenig verschämt drein während sie mit Connor spricht.

Celissa grinst ebenfalls, gerade weil es bei ihr auch etwas knapp war mit dem glatten Boden.

Die blasse junge Frau mit ihren dunklen Augen und schwarzen Haaren ist ohne Zweifel eine sehr attraktive Erscheinung. Sie tritt noch einen Schritt näher. Ihre Bewegungen verraten eine Geschmeidigkeit, die man nur bei jahrelangem harten Training erhält. "Dulacia Lanera ist mein Name." stellt sie sich vor und hält Connor eine Hand hin.

Nach dem ersten Blick wirft Connor ihr einen zweiten, genaueren, Blick zu und mustert sie rasch von oben bis unten. Dann ergreift er ihre Hand und schüttelt diese kräftig auf Kriegerart. "Angenehm. Connor Sturmfels." Ohne mit Titeln oder Rängen dick aufzutragen, stellt er dann seine Gefährten lediglich mit Namen vor. "Was verschafft uns die Ehre Eurer Aufmerksamkeit?" fragt er. Irgendwie hat er ein komisches Gefühl, dass mit dieser Person etwas nicht stimmt. Er kommt nur nicht darauf, was es ist.

Der Cavalliere macht bei seiner Vorstellung eine seiner formvollendeten Verbeugungen. "Enchanté madame!" ist von ihm mit einem feinen Lächeln zu vernehmen.

Ein offenes, freundliches Lächeln dankt es ihm.

Celissa nickt der Frau zu, als sie vorgestellt wird. Sie mustert sie unauffällig und fragt sich, ob sie ehrlich ist oder etwas im Schilde führt.

Sie erkennt nichts was den Worten der Frau widerspricht.

Cassjarella nickt kurz, aber freundlich als ihr Name fällt. Die junge Frau, die kein Blatt vor dem Mund nimmt, gefällt ihr.

"Angenehm." die junge Frau nickt allen Vorgestellten freundlich zu. "Nun, Eure unfreiwillige Artistik war der Auslöser meines Interesses. Nachdem Rondra uns so viel von ihren Gefühlen gezeigt hat, war ich gerade damit beschäftigt mein Zelt zu prüfen." Sie deutet in den Hintergrund auf ein schlichtes Zelt. "Und dann habe ich Euch erkannt. Ihr habt doch mit dem Novadi auf so faszinierende Weise die Klingen gekreuzt."

'Hmmm, jetzt kommt der Honig in den Bart!'

Der Krieger zuckt mit den Schultern. "Und wenn schon, das war nichts Besonderes. Man sollte immer beherrschen, womit man sich seinen Lebensunterhalt verdient." fügt er schlicht hinzu und sieht seine Gegenüber prüfend an, ob sie wirklich den Eindruck einer rondragläubigen Pilgerin, oder doch eher einer Jüngerin Phex' macht.

Die einfache Bekleidung würde zu beiden Varianten passen, aber bei den geschmeidigen Bewegungen ist sich Connor sicher, dass sie von langem Kampfübungen stammen.

Ein wenig persönliches Interesse vorspiegelnd fragt der Krieger: "Ich habe Euch da gestern gar nicht bemerkt. Aber vielleicht war meine Aufmerksamkeit auch zu sehr mit anderen Dingen befasst. Was habt Ihr denn dort gemacht?" Ein gewinnendes Lächeln unterstreicht diese unschuldig wirkende Frage.

"Zugesehen." antwortet sie mit einem leichten Lächeln. "Und genossen."

Connor schmunzelt. "Danke." Mehr bringt er nicht dazu heraus. Kurz blickt er zu Cassjarella hinüber und seine Augen scheinen zu fragen: 'Und nun? Wollen wir nicht weiter?'

Diese kann nicht an sich halten und meint ironisch: "Dir tropft da etwas vom Kinn, es sieht aus wie Honig! Nanu!"

"IHR müsst EUCH irren, werte Comtessa." erwidert Connor mit einem Seitenblick auf die Geweihte, die übliche Vertrautheit unterdrückend und mit etwas Nachdruck in der Stimme.

"MARCHESSA, werter Oberst! Soviel Zeit muss sein", antwortet Cassjarella, die mit Mühe ein Lachen unterdrücken kann.

"Was auch immer." erwidert Connor leicht belustigt. Dieser kleine Schlagabtausch macht besser als alles andere deutlich, dass die beiden sich ausgezeichnet verstehen und diese Sticheleien allenfalls unbedeutende Neckereien sind. Was dieses blinde Verständnis der beiden für mögliche Gegner im Ernstfall bedeuten mag, kann eine erfahrene Kämpferin mehr als nur erahnen. Und genau diesen Eindruck möchte Connor ihrer Gegenüber auch unterschwellig vermitteln. 'Das sollte sich herumsprechen und uns im Notfall ein paar Übereifrige fernhalten.' sind seine Gedanken dazu.

Celissa lacht. "Nun, angenehm Euch kennengelernt zu haben", meint sie mit einer leichten Verbeugung zu Dulacia. "Aber wir sollten jetzt besser weiter und die nassen Kleider wechseln."

"Ja, das sollten wir unbedingt tun. Gehabt Euch wohl." wünscht der Krieger zum Abschied.

"Rondra sei mit Euch." verabschiedet sich Dulacia freundlich und verschwindet zwischen den Zelten.

Randirion schaut ihr skeptisch hinterher. "Warum nur habe ich das ungute Gefühl, diese Dame nicht zum letzten Mal gesehen zu haben?" sinniert er.

"Wieso ist das ein ungutes Gefühl?" fragt Celissa. "Ich habe hier andere gesehen, denen ich viel weniger lieb noch einmal begegnen würde als der."

Der junge Adlige nickt zu ihren Worten. "Das ist wohl richtig, ich kann auch nicht erklären, worauf diese Eingebung beruht", erwidert er und zuckt ratlos mit den Schultern.

"Wahrscheinlich, weil es so sein wird …" erwidert Connor nachdenklich.

"… und weil sie hier in dem Lager ihr Zelt hat", ergänzt Cassjarella das naheliegende.

"Ich weiß nicht recht, aber irgendwie kam sie mir merkwürdig vor."

"Das war klar, dass Du sie Dir merkst", grinst die Geweihte.

"Naja." sagt Celissa. "Mir kam sie eigentlich ganz ehrlich vor, aber dann sind wir besser vorsichtig, falls wir sie noch einmal treffen."

Ohne auch nur ansatzweise auf Cassjarellas Spitze einzugehen, erwidert der Krieger mit abwesend klingender Stimme: "Wer weiß, wozu das mal gut sein wird." Dann wendet er sich Cassjarella wieder zu, grinst sie frech an und ergänzt: "Meine Liebe, Du weißt doch, Dein Herz gehört nur mir!"

Dabei trägt er fast so dick auf, dass zumindest Randirion und Celissa sich unsicher sind, wie das genau gemeint ist.

"Nun, ich dachte immer Dein Herz gehört nur Dir", antwortet sie trocken. "Denk doch mal an Dein blondes Sternchen."

Connors Gesichtsausdruck macht deutlich, dass er nicht weiß, wovon die Geweihte spricht.

"Genau das meine ich. Reihenweise irgendwelchen Frauen die Herzen brechen, aber dann davon nichts mehr wissen", nickt die Geweihte.

Celissa blickt erstaunt von ihr zu ihm. Connor soll reihenweise Frauen die Herzen brechen? So hat sie ihn bisher nicht erlebt.

"Na für das Herzenbrechen bist Du ja auch ohne Schwert ganz gut." erwidert der Krieger verschnupft. "Und außerdem: Da war nichts mit Morena, falls Du sie meinen solltest. Sie ist nur eine Freundin, mehr nicht."

"Es klang anders …", entgegnet Cassi. "Aber das gehört jetzt nicht hierher."

"Richtig." erwidert Connor mit einem Lächeln und 'Augenblinkern'.

Randirion folgt dem Geplänkel der beiden mit sichtlichem Vergnügen.

Als sie endlich alleine sind, erzählt Cassjarella ihre Vermutung.

"Aber der Pascha wird doch keinen Thron mitgebracht haben?" zweifelt Celissa etwas. "Wäre der nicht irgendwo in den Ländern der Novadis?"

"Aber warum hat mich meine Vision dann hierher geschickt und nicht gleich in die Khom?" fragt Cassjarella ohne Überzeugung.

"Vielleicht wollte sich die Heilige Euch hier zeigen?" spekuliert Celissa.

"Nein, das glaube ich nicht", erwidert Cassjarella kopfschüttelnd. "Aber selbst wenn ihr recht habt, so wäre es doch einfacher erst hier zu Suchen und wenn wir hier nichts finden, dann in die Khom aufbrechen."

"Ich denke auch, dass wir den Thron hier finden. Denn wenn ein Scheich, Kalif oder welchen Titel sie damals getragen haben mögen, den Blick über das Schlachtfeld kreisen lassen will, wird er es von einem Feldherrenhügel getan haben und auf diesen seinen Thron hat bringen lassen." Auch Connor ist davon überzeugt, dass sie gar nicht so weit von hier ihre Suche fortsetzen können und das auch müssen.

"Da habt Ihr sicherlich Recht", stimmt Celissa zu.

"Gut, wollen wir alleine suchen oder erst ein paar Erkundigungen einziehen?"

"Ich weiß nicht, wer uns noch etwas über diesen Thron erzählen könnte …"

"Jemand, der sich mit der Geschichte auskennt. Vielleicht einer von den Ardariten?" legt Connor seine Gedanken offen.

"Ja, vielleicht haben sie auch einen Plan oder eine Zeichnung der Schlacht in ihren Archiven", stimmt Cassi zu.

"Na dann … aber erst muss ich mich umziehen."

"Hm, ja, ich wohl auch." meint Connor dazu.

"Bien, auch ich halte einen Wechsel der Kleidung für notwendig", stimmt Randirion zu. "Und anschließend treffen wir uns vor der Ordensburg der Ardariten", schlägt er noch vor.

"Gut, bis gleich!" bestätigt Cassjarella den Vorschlag und wendet sich zu ihrem Zelt. Dort zieht sie sich wieder 'vollständig' an, sprich mit Rüstung und Bewaffnung, und mach sich anschließend auf dem Pferd auf den Weg zu Ordensburg.

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Das Stundenglas hat sich noch nicht halb geleert als die vier vor der Burg stehen.Die Wachen scheinen sie zu erkennen und auch der Haushofmeister leitet sie umgehend in das Arbeitszimmer Nepolemo ya Torese.

Dieser springt von seinem Schreibtisch auf und eilt Euch entgegen. "Habt Ihr es?" fragt er sichtlich aufgeregt. "Ich konnte heute an nichts anderes denken. Und als dann Rondras Zeichen erschien war an anderes nicht zu denken. Wo ist es?"

"Jedenfalls nicht hier." erwidert Connor und zeigt seine leeren Hände vor. "Aber …" er vollendet den Satz nicht und schaut Cassi an, sie möge entscheiden, wie viel sie zu enthüllen bereit ist.

"… SIE hat uns ein Zeichen gegeben, wo wir das Schwert vielleicht finden könnten." fährt diese fort. "Allerdings hat SIE uns auch aufgetragen, diese Queste im Stillschweigen weiter zu führen." - 'Herrin, verzeih mir diese Lüge!' - "Ihr versteht das sicherlich. Aber Ihr könnt uns Unterstützung gewähren, wenn Ihr uns Zugang zu dem Archiv des Ordens gewährt. Wir benötigen Einsicht in alle Beschreibungen über die letzte Schlacht der Heiligen."

Halb bittend, halb fordern schaut sie den Großmeister an.

"Aber natürlich. Folgt mir." Torese springt auf und eilt voran. Wenig später steht er in einer Art Scriptorium. Mehrere Schreibpulte und Regale mit Schriftrollen, Büchern und Kästen finden sich hier. Der Oberst-Komtur weist auf ein Regal mit nur wenigen Rollen hin. "Hier solltet Ihr finden was Ihr sucht. Bitte wendet Euch an den Bruder vor der Tür wenn Ihr fertig seid. Rondra mit Euch."

"Habt Dank! SIE wird es Euch vergelten", dankbar nickt Cassjarella dem Oberst-Komtur zu. Als sich die Tür geschlossen hat, schaut sie sich in dem gezeigten Regal um und durchstöbert die Rollen nach Hinweisen auf den Thron.

Cassjarella entdeckt, dass der novadische Heerführer der Überlieferung nach auf einem kleinen Hügel im Südwesten der Brücke stehend die Schlacht beobachtet hat. Noch heute ist der Hügel deshalb verrufen und wird von den Neethaern gemieden.

Sie zeigt freudig lachend auf die Stelle in der Schriftrolle. "Hier steht es der Thron ist in der Nähe. Südwestlich der Brücke!

Eine erhöhte Stelle, südwestlich des Brücke, von der aber das Geschehen einsehbar ist, ohne direkt durch den Angriff gefährdet zu sein.

Das sollten wir auch ohne Hilfe eines Führers finden können, oder?"

Celissa nickt. "Bestimmt. Und wir sollten auch versuchen, dorthin zu kommen, ohne dass uns andere Pilger folgen."

Connor, der über ihre Schulter hinweg mitgelesen hat, meint: "Sollten wir das stehende Beobachten einem Überlieferungsfehler zuschreiben? Oder ist eher der Hinweis auf den Thron nur metaphorisch aufzufassen? Und ja, ich denke, diesen Hügel finden wir auch so. Unser vereintes taktisches Geschick sollte ausreichen, eine - auch in jener Zeit existierende - optimale Position für einen Feldherrenhügel zu finden."

Der Krieger schmunzelt.

"Gut, dann wollen wir?" fragt Cassjarella.

Zustimmend nickend ist auch Randirion bereit, seinen Gefährten zu folgen.

Travia mag gerade zu Boron gewechselt haben wie Cassjarella ein Blick aus dem Fenster zeigt.

"Ich denke, die Leuin hat uns heute den Weg aufgetan, wir sollten daher keine Zeit verschwenden und an IHREM Tag nach dem Thron suchen", beschließt Cassjarella. Sie gibt dem Ordensbruder vor der Tür Bescheid, dass sie fertig sind und lässt den Oberst-Komtur grüßen. Dann bricht sie in Richtung Fluss auf und sucht eine Stelle an der sie ihn überqueren können.

"Entschuldigt bitte, der Oberst-Komtur trug mir auf, nochmals auf seinen Wunsch hinzuweisen. Er möchte unbedingt, dass Ihr ihn aufsucht bevor Ihr die Stadt verlasst." informiert sie der abkommandierte Bruder während er die Gruppe aus der Festung führt.

"Na ja, technisch gesehen ist auch das Pilgerlager außerhalb der Stadt." stellt der Krieger vorsorglich fest, obwohl er sicher ist, dass ihre Rückkehr dahin hier niemanden wirklich interessiert.

"Wir verlassen die Stadt nicht, wir machen nur einen kleinen Ausritt", antwortet Cassjarella beruhigend.

Der Weg führt mitten durch das Lager und an den Schatzsuchern am Fluss vorbei. Hier fällt die Gruppe kaum auf. Als sie aber beginnen den Chabab zu durchreiten ist ihnen so mancher verwunderte Blick gewiss.

Auf dem Weg ist Connor still, sieht sich immer wieder verstohlen nach Pilgern und anderen Leuten um, die ihren Weg kreuzen oder ihnen mit ihren Blicken folgen. 'Jetzt werde ich schon paranoid!' denkt er sich, kann aber nicht davon ablassen.

Spätestens als die vier den Fluss durchreiten, um sich dem Hügel zu nähern ist er sich sicher, dass ihn die Blicke der Pilger und Sucher verfolgen.

Am anderen Ufer angekommen folgen sie zunächst der alten Karawanenstraße. Der Hügel liegt etwas abseits dieser Straße nach Drol inmitten einer von Krautstreifen, Sträuchern und vereinzelten Bäumen geprägten offenen Heidelandschaft und ist die höchste Erhebung im Umkreis.

"Tja, das dürfte es wohl sein." meint Connor.

Am Fuße des Hügels sind verwitterte Pfähle zu erkennen, die finsternisbannende Symbole des Praios tragen und den unheiligen Einfluss des Ortes von der Straße abwenden sollen. Das Erklettern des Hügels ist ohne Probleme möglich.

An einen dieser Pfosten bindet Cassjarella ihren Rappen an.

Von der Hügelkuppe aus haben die Helden einen guten Rundblick über das Umland: Im Osten und Süden die Straße, im Westen das Meer, im Norden der nahe Chabab und dahinter die Stadt Neetha.

"Und nun?" lautet die entscheidende Frage.

Cassjarella sucht sich eine Stelle von der sie die Reste der Brücke und die Straße gut im Blick hat und schaut sich suchend um.

Während die Helden auf dem Hügel warten, beginnt im nahegelegenen Fluss das Wasser etwas zu schäumen - zuerst mag es wie eine Nachwirkung des Unwetters aussehen, doch dann wird der Ursprung der Erscheinung deutlich: direkt aus den brodelnden Wogen reitet eine Gestalt auf die Helden zu, der neun weitere Berittene folgen. Wenn sie näherkommen, sind sie deutlich als Untote erkennbar: Aus vermoderten Turbanen und Gewändern trieft das Wasser, ihre Gesichter sind fahlgrau und aufgedunsen, ihre Waffen fleckig, die Pferde gehen mit staksigen Schritten.

Angespannt beobachtet der Cavalliere die anrückenden Monstrositäten, Rapier und Linkhand sind zum Kampf gezückt. Ein sorgenvoller Seitenblick gilt dabei noch seiner Geliebten neben ihm.

Celissa zieht ihre Waffen, obwohl sie nicht weiß, ob sie überhaupt etwas nützen würden. Vielleicht helfen ja auch die Praios-Symbole am Hügel. Sie schaut aber auch zu den Pferden, ob die irgendwie auf die Untoten reagieren … vielleicht sind es auch nur Gespenster.

"Sehr mutig von Euch, Hochwürden!" nickt Cassjarella zustimmend. "Habt Ihr schon gegen Untote gekämpft?"

Celissa ist etwas überrascht ob der Anrede, die ihr nicht zusteht, und merkt so nicht gleich, dass sie gemeint ist. "Nein …" antwortet sie dann und kann die Sorge nicht ganz aus der Stimme halten. "Aber Rondra wird uns schon beistehen. Wie sollen wir vorgehen?"

"Die Leuin wird uns helfen, aber die höchste Ehre ist es im Kampf ehrenvoll zu sterben", gibt Cassjarella zu bedenken. "Aber das wollen wir nicht, nicht hier, nicht heute!

Am Besten Ihr bleibt hinter uns und haltet uns dreien den Rücken frei."

Celissa nickt und und macht einen Schritt zurück. Das ist ihr auch nicht unrecht - sie kann zwar mit ihren Waffen umgehen, aber sie befürchtet, dass sie mit dem Degen wenig ausrichten wird.

Randirion zeigt sich zufrieden über ihre Entscheidung. Nun, da er seine Geliebte hinter sich in relativer Sicherheit weiß, ist sein Blick unverwandt nach vorn auf die Angreifer gerichtet. 'Rondra, steh uns bei', schickt er stumm ein Gebet an die Leuin und fügt noch an, 'Rahja, beschütze deine Dienerin!'

Auch wenn die Neuankömmlinge die wohl interessanteste Beobachtung von hier oben aus sein dürften, lässt Connor die Umgebung nicht vollständig aus den Augen, immer wieder sieht er auch in die eine oder andere Richtung. Zugleich hält er sich bereit, sein Tuzakmesser zu ziehen.

Cassjarella schaut von ihrer Suche auf als sie der Geräusche gewahr wird und schaut sich die Kavalkade an. "Bei den Zwölfen!" murmelt sie. "Wir kriegen Besuch."

Sie beobachtet die toten Reiter, bereit jederzeit ihr Leben gegen diese Horde zu verteidigen.

Die Bemerkung veranlasst Connor, sich ihre beiden Gefährten aus den Augenwinkeln noch einmal genau anzusehen. Wie werden diese sich im Ernstfall halten? Ein Kampf zu Pferd hat er von beiden noch nicht gesehen. Während er ihnen die notwendigen Reitkünste durchaus noch zutraut, hat der Krieger Zweifel, dass ihre Pferde für die Schlacht taugen. Ihm selbst wäre der Kampf zu Fuß weitaus lieber, hat aber gegen eine berittene Überzahl erhebliche Nachteile. Daher entscheidet er sich, Cassjarella zu fragen: "Zu Fuß oder zu Pferd?"

"Zu Fuß!" antwortet Cassjarella umgehend. "Wir haben hier oben die günstigere Position, sie müssen den Hügel hinauf und das ist schwierig genug, daher sollten wir sie so begrüßen.

Außerdem habe ich meinen Rappen unten gelassen, weil es zu steil ist.

Und für eine Feldschlacht sind es zu viele."

Mit einem grimmigen Lächeln erwidert Connor: "Wie immer hast Du Recht, meine Liebe. Aber vielleicht ist es auch eine Ehreneskorte, die uns das Schwert überbringt." Seine Stimme macht deutlich, für wie unwahrscheinlich er diese Variante hält.

"Auch dann werde ich hier warten!"

Wenig später folgen dem novadischen General seine Truppen - all seine Krieger tauchen aus den Fluten auf und reiten an Land.

Die Helden sehen sich jetzt ungefähr 650 bewaffneten Leichen auf untoten Pferden gegenüber, die schweigend auf sie zukommen.

Die Untoten sind in ziemlich fortgeschrittenem Stadium des Verfalls: die Kleider hängen in Fetzen herab, die Gesichter sind kaum zu erkennen, zum Teil liegen die Knochen bloß. Das Sonnenlicht vermag die matten Helme nicht zum Glänzen zu bringen, Gras und Kräuter scheinen unter dem Huftritt der toten Pferde zu verdorren, der Wald von Reiterlanzen ragt hoch in den Himmel, der wie zum Spott freundlich blaue Farbe zeigt.

"Bei Rondra!" ruft Cassjarella. "Das sind viele, zu viele! Bleibt dicht zusammen und habt Göttervertrauen! Die Zwölfe, voran die Leuin sind auf unserer Seite!"

Die Waffen lässt sie in den Scheiden, denn Kampf ist sinnlos. Sie bleibt oben auf dem Hügel stehen und wartet wie sich die Armee verhält.

Celissa folgt ihrem Beispiel, denn sie vertraut auf Rondra und die heilige Thalionmel. Sie fragt sich ein bisschen, ob die Göttin nicht vielleicht will, dass sie trotzdem gegen die Untoten kämpfen - nicht gegen alle, nur gegen ein paar - aber die Geweihte wird schon wissen, was sie tut.

"Das sollte sie auch sein, denn ihretwegen sind wir hier!" Weder Bedauern noch Grimm sprechen aus der Stimme des Oberst. Lediglich eine neutrale Feststellung liegt darin. "Und falls nicht, wird das der würdigste Kampf unseres restlichen Lebens." fügt er leise hinzu, als die Reiterschar immer größer wird. "Du die 300 links, ich die 300 rechts und den Rest überlassen wir unserem Freund in der Mitte." raunt Connor der Geweihten halb scherzhaft zu.

"Wenn SIE das will, dann machen wir es!" grinst Cassjarella immer noch oben auf dem Hügel der Reiterarmee entgegensehend.

Daraufhin stößt Connor einen dreitönigen Pfiff aus, der sein nicht angebundenes Schlachtross veranlasst, seinen Weideposten am Fuß des Hügels zu verlassen und locker trabend der Armee der Untoten den Weg freizumachen.

Schließlich ist der Anführer der Untoten am Fuße des Hügels angekommen. Trotz seines Zustandes lässt sich noch erahnen, dass er einst ein gut aussehender und kühn blickender Wüstensohn gewesen sein muss - heute allerdings trägt sein Gesicht neben Zeichen des Verfalls auch Spuren eines großen Schmerzes.

Gekleidet ist der Reiter in ehemals kostbare Gewänder, unter deren Löchern ein verrostetes Kettenhemd durchschimmert. Vor ihm liegen zwei Schwerter quer über den fleckigen Sattel: Das eine ist ein Doppelkhunchomer voller Rostflecken, das zweite ein makelloses, noch blitzendes Schwert mit langer gerader Klinge und kostbar verziertem Griff.

Nach einigen Momenten Stille bricht der Reiter alle Regeln, die die Gelehrten für das Verhalten von Untoten aufgestellt haben, und beginnt mit knarrender, aber recht gut verständlicher Stimme zu sprechen:

"Ich bin Tugruk Pascha, unseliger und verdammter Anführer der Wüstensöhne.

Groß war meine Gier nach Macht und Ruhm, tief war mein Sturz - ich verstieß gegen die Gebote der Ritterlichkeit, ließ meine Mannen gegen eine Einzelne fechten - und Rastullah übergab sie Rondra zur Vernichtung.

Ich wagte nicht, meine Niederlage einzugestehen und flüchtete in den Tod - doch er ward mir nicht vergönnt - seit Jahrhunderten muss ich das Löwenschwert hüten, dessen Berührung mir unsägliche Qualen bereitete. Wie habe ich gelitten und bereut!

Nun endlich scheint die Zeit gekommen, wo ich es weiterreichen kann. Rastullah und Rondra sind mir wieder gewogen, der Löwe und die Löwin wenden mir ihr gnädiges Gesicht zu - meine Krieger und ich können endlich Ruhe finden.

Nehmt das Schwert, o Fremdlinge, hütet und führt es wohl im Namen und Sinne der Unsterblichen.

Möge Rastullah mit Euch sein!"

Als der Untote zu sprechen beginnt, - so ungewöhnlich das auch sein mag, nach dem Entsteigen einer ganzen Armee bringt Connor nichts aus der Fassung, - bleibt er zwar wachsam, entspannt sich aber ein wenig.

'Das also ist es.' sagt er sich. 'Der Zorn seines und der Zwölfgötter hat ihn getroffen.'

So hält der Krieger sich zurück, da es Cassjarella übertragen ist, das Schwert zu empfangen.

'Oh Ihr strafenden und doch gütigen Götter!' Der Cavalliere kann kaum glauben, was sich ihnen gerade offenbarte. So sind sie also bestimmt, diesen Fluch, der über der Armee der Novadis und ihrem Anführer lag, aufzuheben. Ergriffen erwartet er, dass die Rondrageweihte das Schwert an sich nimmt, um es seiner weiteren Bestimmung zuzuführen, hält seine Klingen jedoch weiter zur Abwehr bereit.

Celissa ist nicht sonderlich überrascht, dass der Pascha redet, denn sie weiß wenig darüber, wie sich Untote üblicherweise verhalten. Sie wundert sich mehr über das alles mit Rastullah; aber anscheinend bleibt so ein Verdammter selbst im Tod noch bei seinem Glauben. Sie überlässt natürlich Cassjarella die Antwort.

"Wahrlich, Ungläubiger, Dir und den Deinen ist Strafe genug widerfahren!" beginnt Cassjarella. "Aber wer gegen die Götter frevelt, der wird von Ihnen gerichtet.

Ich bin von der Leuin gesandt euch zu erlösen. Steige von Deinem Pferd und bring mir das Schwert, dann wird euch allen die endgültige Erlösung zuteil!"

'Oh, ob es klug ist, so zu sprechen?' fragt sich der Krieger im Stillen.

Auch wenn die Geweihte ohne Zweifel in der Sache Recht hat, wäre ihm wohler, wenn die Freundlichkeit auch zu diesen Kreaturen der Finsternis in Anbetracht ihres Auftretens mehr der gegenüber lebenden Wüstensöhnen geglichen hätte. Aber sei's drum.

Tugruk Pascha macht keine Anstalten vom Pferd abzusteigen. "Edle Kriegerin, wohl bin ich verflucht von euren und meinen Göttern, doch gebührt mir immer noch ein wenig Höflichkeit. Meine morschen Knochen sind nicht mehr für das Gehen geeignet. So bitte ich Euch, nehmt das Schwert und damit unseren Fluch von uns." Er hält das Schwert auffordernd hin.

"Du suchst Erlösung und doch ist Dein Hochmut immer noch vorhanden?!" antwortet Cassjarella und bleibt stehen.

"Nun geh' schon!" raunt Connor der Geweihten zu. "Oder soll ich es dem Knochenmann abnehmen?" Die letzten Worte gehen für Cassjarella fast im Rauschen des Windes unter; der Untote dürfte nichts verstanden haben.

"Es ist meine Queste!" faucht die Geweihte zurück.

"Selbstverständlich ist sie das." Connor wirkt fast belustigt ob ihrer aufgeregten Reaktion.

Dann wendet sie sich wieder dem Pascha zu. "Die Leuin hat uns auch Vergebung gelehrt, daher will ich Deinem Wunsch nachkommen!"

Langsam geht sie den Hügel hinab auf den Pascha zu.

Am Pferd angekommen hält sie ihre Hand fordernd hoch.

Vorsichtig reicht der Untote ihr das prächtige Schwert.

Sie nimmt es entgegen, dreht sich wortlos um und steigt den Hügel wieder herauf. Als sie oben ist, dreht sie sich wieder zu dem Heer um und hält Thalionmels Schwert für alle sichtbar nach oben: "Ihr habt gefrevelt, Ungläubige, aber durch die Rückgabe des Schwertes der Heiligen habt ihr eure Schuld getilgt!

Mögen die Götter euch verzeihen!"

Nach einer kurzen Weile gibt Tugruk Pascha einen stummen Befehl und wortlos wenden die Novadis ihre Pferde und bilden eine Gasse, durch die ihr Anführer zurückreiten kann in den Fluss - und direkt weiter in die lang ersehnte Erlösung. Seine Mannen folgen ihm.

Celissa atmet auf. Sie hatte halb erwartet, dass Cassjarella noch ein Duell gegen den untoten Pascha ausfechten müsste, aber umso besser so.

Als die Kavalkade davon zieht, fällt die Anspannung von Cassjarella ab und sie spürt auf einmal welche Kraft und Stärke von dem Schwert ausgeht. Sie fühlt förmlich die Präsenz der Leuin und mit einem Mal ist sie sich sicher, dass sie wieder das Wohlgefallen der Göttin auf sich spürt.

Die verloren geglaubte göttliche Kraft und Stärke kehrt mit einem Schlag in ihren Körper zurück und sie vermeint diese stärker in sich zu fühlen als je zuvor. Selbst ihr Priesterweihe konnte ihr nicht die Nähe zu den Zwölfen geben, die sie jetzt auf diesem Hügel mit dem Schwert in den Händen verspürt.

Als die Armee verschwindet atmet Connor kaum hörbar durch. "Jetzt haben wir zwar das Schwert gefunden, aber wie bekommen wir es hier weg, ohne dass es allzu sehr auffällt? Oder denkt ihr, dass niemand es wagen wird, uns den Weg zu verstellen?" Ein wenig scheint er zu hoffen, dass irgend jemand so dumm sein wird und sie tatsächlich herausfordert.

Celissa sieht zur anderen Flussseite herüber. "Das glaube ich nicht. Die wollen hier alle das Schwert in Neetha behalten … wir könnten vielleicht noch weiter nach Süden, nach … Drôl? Und dort ein Schiff suchen, das uns wieder nach Norden bringt." Begeistert ist sie von der Möglichkeit selbst nicht, aber vielleicht ist das immer noch besser als mit halb Neetha kämpfen zu müssen.

"Wer das eben mit angesehen hat, wird uns ohnehin folgen. Da hilft auch eine Schiffspassage nicht. Die schränkt eher unsere Bewegungsfähigkeit ein." gibt Connor zu bedenken. Cellissas Einwand hält er zwar für berechtigt, aber er wird sein "Glück" lieber in einer Schlacht versuchen. "SIE schätzt keine Heimlichkeiten, gerade auch dann nicht, wenn es sich als der einfachere Weg erweisen sollte. Wer wird sich mit uns, die wir gerade das untote Heer des Paschas überzeugt haben, das Schwert wieder herzugeben, anlegen? Niemand!" Da ist Connor sich ganz sicher.

Celissa nickt; wahrscheinlich hat Connor Recht, auch wenn so ein offenes Vorgehen ihrer Intuition zuwider läuft. "Also gut, versuchen wir es", meint sie.

"Die Leuin hat mich beauftragt ihr Schwert zu finden, was wir jetzt damit machen sollten, hat Sie mir noch nicht offenbart", überlegt Cassjarella. "Trotzdem sollten wir diese heilige Reliquie nicht jedem auf die Nase binden."

Sie betrachtet das Schwert, ob es nicht in eine der Schwertscheiden passt.

Sie betrachtet Ay'Halam al'Rhondrachai ( 'Stahl, der Rondras Ehre schützt'), besser bekannt als das Löwenschwert oder Thalionmels Schwert. Es ist ein Zweihänder, mit dem Thalionmel von Brelak am 4. Peraine 768 BF auf der Silem-Horas-Brücke von Neetha den Angriff der Beni Brachtar zurückschlug. Die Klinge des Rondrakamms ist bis auf die Schneiden vergoldet, die Parierstange an jedem Ende mit dem Haupt einer brüllenden Löwin geziert.

"Gut, es ist ein Rondrakamm …" meint sie nach einer Weile. "Dann werden wir mal einen kleinen Tausch vornehmen.

Denn auch mein Rondrakamm ist ein gesegnete Waffe, wenn auch nicht eine Waffe einer Heiligen."

Sie holt ihren Rondrakamm aus der Rückenscheide und stecke das Löwenschwert hinein.

"Sieht doch auch gut aus …" sagt sie als sie ihren polierten Rondrakamm in die Sonne hält. "… und dürfte sicherlich einige täuschen."

"Und Du kannst es benutzen." fügt Connor schmunzelnd hinzu. "Welchen Weg nehmen wir zurück?"

"Den, den wir gekommen sind, dann in die Ordensburg und dann weiter nach Arivor", überlegt die Geweihte.

Mit gemächlichen Schritten verlässt der Krieger den Hügel und schwingt sich wieder in den Sattel seines Streitrosses. Dort wartet er auf Cassjarellas Abmarschsignal.

Auch die Geweihte steigt in den Sattel, das Schwert der Leuin in der Rückenscheide und ihren glänzenden Rondrakamm vor sich quer über den Sattel gelegt. Wenn alle bereit sind, wir sie zurück zum Fluss und von da aus zur Ordensburg reiten.

Connor hält sein Tier während des gesamten Ritts - mit Ausnahme eventuell zu enger Gassen in Neetha - links neben der Geweihten, um die entsprechende Flanke abzusichern. Da er seine Waffen meist auch mit der linken Hand führt, dürfte er an dieser Position die beste Wirkung entfalten.

Nach dem erneuten Ritt durch den Chabab erreichen die Gefährten komplett durchnässt das Ufer der Schatzsucher. Dort hat sich inzwischen eine größere Menschenmenge an Pilgern und Schatzsuchern eingefunden, die neugierig auf die 4 Reiter blicken. Das Erscheinen des Tugruk Pascha scheint nicht unbemerkt geblieben zu sein.

Dann erblickt der erste Cassjarellas Rondrakamm und der Ruf macht die Runde: "Das Löwenschwert. Thalionmels Waffe ist wieder da." Und schon stürmen die ersten vor um die Reliquie zu betrachten oder sogar zu berühren. Dabei nehmen sie wenig Rücksicht darauf, dass Cassjarella auf einem Pferd sitzt.

Und jeder der dem Pferd zu nahe kommt, spürt die Kraft und das Gewicht des Pferdes wenn er beiseite gedrückt wird. Denn Cassjarella lenkt Rashaldor vorsichtig, aber bestimmt durch den Menschenmenge.

"Wenn ihr das Schwert sehen wollt, dann kommt Morgen in die Ordensburg!" herrscht sie die Menge an. "Dort werden wir es zeigen.

Und jetzt lasst uns - im Namen Rondras! - weiterreiten!"

Die Aussage verhallt ungehört. Weiterhin lagert eine dichte Traube um die Rondrageweihte und ihr Pferd. Erste Blutspritzer auf dem Rondrakamm zeigen Cassjarella, dass die Menschen vorwitziger werden. Auch spürt sie wie die Menschen an ihrem Ornat zupfen. Sei es um sie aufzuhalten, sei es aus anderen Gründen. An Reiten ist derzeit nicht zu denken, Rashaldor kommt kaum von der Stelle. Cassjarella sieht wie einzelne Kinder in die Stadt hineinlaufen.

Connor hat nicht so viel Glück: Die Massen drängen von seiner Seite viel intensiver und rücksichtsloser nach vorn, da sie das Schwert nicht gut sehen können. Da er mit viel Feingefühl und Rücksicht sein Tier lenken will und niemand verletzt werden soll, bringen die Schaulustigen sein Streitross zu Fall. Der Krieger kommt mit einer Rolle über die Schulter unverletzt auf die Füße und hat bereits das Tuzakmesser kampfbereit in der Hand: "Trollt euch, oder hier rollen Köpfe!" ruft er wütend und mit funkelnden Augen der Menge entgegen.

Sofort bildet sich ein Kreis mit mehreren Schritt Sicherheitsabstand, denn einem wütenden Kämpfer mit Zweihänder tritt nun wirklich niemand gern gegenüber.

Den Platz nutzten schwingt Connor sich wieder in den Sattel.

Connor sitzt wieder im Sattel, hat aber mit seiner Aktion die Gaffer noch mehr in Richtung Cassjarella gedrängt. Auch Celissa und Randirion bekommen es jetzt mit versprengten Schaulustigen zu tun.

Die Situation entwickelt sich ungünstig, wenn auch noch nicht so schlimm, wie Celissa befürchtet hatte (denn immerhin will noch niemand Cassjarella das Schwert wegnehmen). Sie hält ihr Pferd zurück, denn weder ist sie eine Kavalleristin noch ihr Pferd ein ausgebildetes Streitross. Und gegen so viele kann man eh nicht kämpfen. Wenn es schlecht läuft und das Schwert gestohlen wird, wird sie eher versuchen, sich zu verdrücken und die heilige Waffe später zurückzuholen.

Cassjarella lässt Rashaldor auf der Stelle steigen. Der Rappe steigt steil auf die Hinterhand und Cassi lässt ihn mit einem festen Zügelzug laut auf wiehern.

In den Platz, der entsteht als die Menschen den gefährlichen Hufen des Rappen ausweichen, drängt sie den Rappen und kommt so in der Menge ein Stück voran.

So kann sich die Geweihte ein wenig Raum verschaffen. Doch je näher sie der Festung kommt, desto mehr Menschen drängen auf sie und das Pferd ein. "Thalionmels Schwert kehrt zurück." schallt der Ruf durch die Gassen.

"… lasst es mich berühren, so bin ich geheilt …". "… segnet mich in Rondras Namen …" solche oder ähnliche Gesprächsfetzen nimmt Cassjarella wahr während sie gleichzeitig Rashaldor bändigen muss. Immer wieder spürt sie das Zupfen und Zerren an Ärmel oder Gewand.

Als er das Manöver der Geweihten sieht, lässt Connor seine Zurückhaltung weiter fahren und treibt sein Streitross rücksichtsloser nach vorn. "He, weg da!", "… Platz da!" oder "Zur Seite mit euch!" ruft er immer wieder. Prellungen und sogar von den Hufen platt getretene Füße nimmt er nun ohne weiteres in Kauf, um durch die Menge zu kommen. Auch wenn es schwierig ist, er schafft es.

Für ihn ist es auch einfacher als für Cassjarella. Sie trägt das Schwert, an ihr hängen die Kletten.

Diesen Umstand nutzt der Krieger auch gnadenlos aus, um Cassjarella so gut es geht zumindest von einer Seite abzuschirmen.

Als sie sieht, dass Cassi & Connor voran kommen, versucht Celissa, in der Lücke hinten dran zu bleiben.

Mit sanfter Gewalt lässt sie Rahaldor durch die Menge laufen, dabei ist sie darauf bedacht niemanden ernsthaft zu verletzten.

Nach einer Weile hält sie ihren Rondrakamm vor sich hoch und ruft: "Seht dieses Schwert! Es ist der Leuin geweiht! Wir bringen es daher an einen der Göttin gewogenen Ort, macht den Weg frei.

Wir werden es dann in die Ordensburg bringen und dann kann es bald jeder sehen!"

Verblüfft hört Connor der Geweihten zu, ehe er nach ein paar Sekunden begreift, dass sie sowohl die Wahrheit gesprochen, als auch das "wahre Schwert" gar nicht gemeint hat und ist beeindruckt.

Viel hilft der Ausruf nicht.

Der Cavalliere treibt daraufhin seinen Rappen Sire an und drängt die Menge an der anderen Seite der Geweihten zurück, um ihr so Platz zu verschaffen, voran zu kommen.

So kommt die Gruppe langsam voran. An einer Stelle wird es noch einmal sehr eng. Die Gruppe braucht gefühlte 10 Minuten, um eine Strecke von vielleicht 50 Schritt durch eine enge Gasse zu reiten.

Aber dann ist es geschafft. Die Ordensburg ragt vor der Gruppe auf. Durch die Menschenmenge aufmerksam geworden schickt ya Torese einige Ordensbrüder nach draußen, die versuchen den Weg freizusperren.

So gelangen die vier wohlbehalten in die Festung.

"Wir müssen zum Oberst-Komtur!" fordert Cassjarella als sie endlich im Palast steht. Dann tauscht sie wieder die Schwerter und betrachtet in Ruhe das Schwert der Göttin.

Sie werden sofort durch die Burg zu einem einfachen Arbeitszimmer geführt. Nepolemo ya Torese sitzt an einem Schreibtisch und liest in einem Brief als die Gefährten hereingeführt werden. Der Oberst-Komtur erkennt die vier sofort und springt auf.

"Ihr habt es." stellt er voll Ehrfurcht fest und kniet andächtig vor Cassjarella und dem Schwert nieder. Er beginnt ein kurzes Dankgebet an die göttliche Leuin.

Cassjarella lehnt das Schwert an eine Wand und kniet sich zum Dankgebet neben ihn.

Auch Celissa kniet nieder und betet mit.

Der Cavalliere zieht respektvoll seinen Hut zur Andacht und folgt den Gebeten andächtig.

Nach dem Ende des Gebets wendet sich Torese an Cassjarella. "Ihr erlaubt?" fragt er mit sehnsüchtigem Blick auf das Löwenschwert.

"Bei dem Trubel auf den Straßen wäre es meiner Meinung besser, wenn das Schwert - und wenn Ihr erlaubt wir oder wenigstens ich - heute in der Ordensburg blieben", antwortet Cassjarella während sie ihm das Schwert reicht. "Und Morgen würden wir mit dem Schwert nach Arivor aufbrechen …"

Connor beäugt misstrauisch, wie der Torese das Schwert erhält. Irgendwie wird er das Gefühl nicht los, dass jedermann nur zum eigenen Vorteil darauf bedacht ist, diese Waffe in die Finger zu bekommen. Auch die Ordensbrüder hier schließt der Krieger dabei nicht aus.

"Aber natürlich. Seid meine Gäste." antwortet ya Torese freundlich aber mit einer gewissen Enttäuschung in der Stimme. Er klingelt und lässt 4 Zimmer für die Gäste herrichten.

"Darf ich Euch Kleidung zum Wechseln anbieten? Sie ist zwar bei weitem nicht der aktuellen Mode entsprechend aber dafür trocken und warm." schlägt er vor.

"Das wird nicht nötig sein", lehnt Randirion das Angebot freundlich ab. "Wir haben angemessene Bekleidung zum Wechseln in unserem Quartier, wo alles zur Abholung bereit gerichtet ist. Wäret Ihr so freundlich und würdet danach und nach meinem Packpferd schicken lassen, Exzellenz?" bittet er höflich.

"So soll es geschehen. Sind dort noch mehr Dinge abzuholen?" fragt er nach.

"Ja." Connor gibt ihm eine genaue Beschreibung seiner Sachen. "Und lasst unserem Gastgeber unseren tiefempfundenen Dank ausrichten. In Anbetracht unserer derzeitigen Reisepläne dürfte es unwahrscheinlich sein, dass wir ihn noch einmal selbst aufsuchen." bittet er.

"Ich habe alles was ich brauche dabei, danke!" ist die freundliche aber bestimmte Antwort der Geweihten. "Wenn wir uns nur eine Weile zurück ziehen könnten und dann ein warmes Bad bekommen könnten …"

"Natürlich. Und danach würde ich mich freuen mit Euch das Abendmahl einnehmen zu können." Er ruft einen Begleiter für sie herbei. Und überreicht Cassjarella das Schwert der Thalionmel. "Eine wahrlich göttliche Waffe." ist sein Urteil.

Celissa hat ihn nicht aus den Augen gelassen, solange er das Schwert hielt. Es ist natürlich viel schwerer auszutauschen als irgendein kleiner Gegenstand, aber deswegen muss man ihm dennoch keine Gelegenheit dazu geben.

Cassjarella nickt nur, zu diesem Urteil war sich auch schon gekommen.

"Ich denke, mindestens zwei Bäder wären schicklich." ergänzt Connor zweideutig und sieht zu Randirion und Celissa hinüber, die sich sicher auch ein Bad teilen würden.

Der Oberst begegnet mit seinem Blick dem mit einem Lächeln zustimmend nickenden Adligen. "Ein exzellenter Vorschlag ", meint Randirion dazu.

"Gerne. Bei weiteren Wünschen wenden Sie sich bitte an ihre Begleiter." nickt Torese und macht Anstalten den Raum zu verlassen. "Bis gleich beim Abendmahl."

Die vier werden zu ihren Zimmern gebracht. Es sind einfache Räume, die alle nebeneinander liegen. In zwei Räumen werden Zuber für die Damen bzw. die Herren vorbereitet.

Nachdem sein Gepäck in der Ordensburg angekommen ist, entledigt sich Randirion seiner durchnässten Kleidung und wirft den Morgenrock über. Die beschmutzte Kleidung reicht ihrem Begleiter und bittet diesen, sie doch bis Morgen früh reinigen zu lassen. "Möchtest du dich allein beim Bade entspannen, ma chérie?" fragt ein mit einem feinen Lächeln seine Geliebte.

Celissa erwidert das Lächeln. "Wenn es dir nichts ausmacht, fände ich es schön, wenn du mich ein wenig massieren würdest."

Randirion nickt erfreut. "Avec plaisir, ma belle! Nichts lieber als das. Gleich hier oder lieber im warmen Bad?" fragt er nach.

Celissa lässt Cassjarella den Vortritt, auch wenn es ihr schwer fällt.

"Connor, kannst Du auf das Schwert aufpassen, während ich mich wasche?" fragt sie den Oberst als sie in ihren Zimmern sind.

"Selbstverständlich, hier?" fragt er nach.

"Wo ist mir egal, Hauptsache Du lässt Dir das Schwert nicht wegnehmen", antwortet die Geweihte und macht ihm die Tür zum Badezimmer vor der Nase zu.

"Na, das ist doch auch eine Antwort." schmunzelt der Krieger und verstaut das Schwert der Göttin auf seinem Rücken, um im Ernstfall mit seiner eigenen Klinge beidhändig kämpfen zu können.

Wenig später klopft Cassjarella frisch gewaschen und mit sauberer Kleidung an seine Tür: "Jetzt solltest Du! Und das Schwert! Bitte!"

Ohne Kommentar übergibt der Krieger ihr das Schwert Thalionmels, nickt ihr ebenso wortlos zu und macht sich daran, erst sich selbst und dann seine verschmutzten Sachen in dem Badezuber zu reinigen.

Und so sitzen die vier wenig später mit dem Oberst-Komtur beim Abendmahl.

Torese erwartet die Gruppe bereits. Kaum schafft er die übliche Höflichkeitsformen einzuhalten. Als alle am Tisch sitzen und sich bedient haben bricht es aus ihm heraus: "Bitte verzeiht meine Neugier, aber was hat sich da draußen zugetragen. Man hört von Untoten, die dem Chabab entstiegen sein sollen. Und die dann nach kurzer Zeit genauso spurlos wieder verschwanden."

Cassjarella, die das Löwenschwert neben sich an den Tisch gelehnt hat, antwortet lakonisch: "Da habt Ihr richtig gehört."

"Sie sind jetzt tot." antwortet Connor ungerührt und schaufelt sich ein großes Stück Braten in den Mund.

"Und da hat er recht!"

"Bitte erklärt Euch näher." ist die drängende Bitte Toreses.

Cassi merkt erst beim Essen wie sehr sie diese Queste sowohl geistig als auch körperlich in Anspruch genommen hat, daher wird sie den anderen das Reden überlassen.

Daraufhin erzählt Celissa vom untoten Pascha und wie er Cassjarella das Schwert gebracht hat. Sie stellt auch heraus, wie sie bereit waren, gegen das Heer der wandelnden Leichen zu kämpfen; dafür lässt sie die Forderung der Geweihten weg, dass der Pascha vom Pferd steigen sollte.

Zwischen zwei Bissen erwidert Connor: "Nichts für ungut, aber eine Armee von Untoten ist an sich schon eine recht unschöne Sache. Herausfinden zu wollen, wieso und weshalb, ist meist mehr, als man wirklich wissen will. Und ich weiß, wovon ich spreche!" Nach einem Schluck Wein fährt er fort: "Dennoch, da Ihr so unbedingten Wissensdurst zu haben scheint: Dies sind wohl die Reiter des Kalifats gewesen, die seinerzeit Thalionmel aufzuhalten versuchte. Für ihren Frevel wurden sie von den Göttern - ihren und unseren - verflucht. Der Fluch ist jetzt von ihnen genommen und sie werden nicht zurückkehren."

Mit einem sinnierenden Nicken bestätigt der Cavalliere die Aussage des Oberst. "So zumindest hat sich der untote Scheich geäußert", fügt er an.

"So zeigt uns Rondra Ihre Macht. Gepriesen sei sie." zeigt sich Torese gefesselt von der kurzen Erklärung. Er vergisst das Essen und starrt versonnen auf das Schwert.

Über das Cassjarella wie mit Argusaugen wacht.

Nach dem Essen entschuldigt sich ya Torese schnell. "Die Dienstgeschäfte rufen. Ich wünsche eine gute Nacht. Wir sehen uns hoffentlich beim Frühstück."

"Ich würde mich darüber freuen", nickt Cassjarella höflich. "Gute Nacht!"

Als der Torese gegangen ist, fragt Connor ruhig: "Müssen wir es bewachen, oder legst Du es Dir einfach unter's Kopfkissen?"

"Das Kopfkissen ist vielleicht ein bisschen klein, aber unter der Matratze ist es schon sehr sicher", erwidert Cassjarella ernst.

Da der Krieger seine Frage auch nicht scherzhaft gemeint hat, nickt er und verabschiedet sich: "Dann gute Nacht. Wenn etwas sein sollte, ich bin gleich nebenan."

"Ja", nickt Cassi nur und verabschiedet sich von den anderen beiden. Als sie in ihrem Zimmer ist, verriegelt sie die Tür von innen und verkeilt diese Zusätzlich mit ihrem Barbarenschwert. Das Fenster versucht sie ebenfalls möglichst sicher zu bekommen, dann stellt sie den Waschkrug knapp auf die innere Fensterbank, so dass jeder der auf diesem Wege herein will unweigerlich den Krug umwirft.

Abschließend legt sie das Schwert der Göttin unter ihre Matratze und ihren Rondrakamm neben sich ins Bett. Dann versucht sie - so gut es im Kettenhemd geht - Schlaf zu finden.

Es passiert aber nichts mehr in dieser Nacht.