Guten Mutes machen sich Cuilyn, Banjew und Ouroborox auf die Suche nach Lauriel. Und zuerst scheint es auch einfach zu sein, sie zu verfolgen: obwohl schon viel Zeit vergangen ist, finden die drei bald Leute, die sich an die auffällige Firnelfe mit ihrem Schneedachs erinnern, wie sie phecadiaufwärts gezogen ist.

Aber der Traum hatte Cuilyn doch auch auf die Wüste hingewiesen? Sie entschließen sich, nach Süden abzubiegen und direkt dort weiterzusuchen. Aber im östlichen Teil des Lieblichen Feldes ist von Lauriel keine Spur, und auch als sie ein Stück in die Khom reisen und die Oasen Virinlassih und Achan besuchen, kann sich dort niemand an Lauriel erinnern. Doch hier müsste sie einfach vorbei gekommen sein, und die Oasen sind so klein, dass man sie gesehen haben müsste.

Jetzt ist guter Rat teuer, denn die Khom ist groß. Sehr groß. Schließlich drehen sie um und folgen doch der Straße Richtung Elenvina, in der Hoffnung, hier die Spur wieder aufnehmen zu können. Und in Elenvina haben sie dann Glück: Banjew fällt eine Ausgabe des Salamander in die Hand, in der eine Firnelfe als neue Magistra an der Khunchomer Akademie erwähnt wird. Das ist ungewöhnlich genug und die Beschreibung passt zu Lauriel, wenn auch Khunchom nicht wirklich zum Traum. Es ist aber inzwischen zu spät im Jahr, um noch über Punin zu reisen und den Raschtulswall zu überqueren.

So müssen sie einen weiten Umweg nach Norden machen, bis nach Darpatien, und dann die weitläufigen Tulamidenlande entweder zu Fuß durchqueren oder mit dem Schiff von Perricum aus umrunden. Erst im Spätwinter des Jahres 7 Hal erreichen sie schließlich Khunchom. Dort wird die lange Reise aber auch belohnt, denn Lauriel ist tatsächlich noch an der Drachenei-Akademie, wo sie inzwischen jeder kennt.

Als die drei in die Akademie vorgelassen werden, hätten sie Lauriel fast nicht erkannt, sondern fast für eine Tulamidin gehalten. Gerade und aufrecht, in der Rechten einen Zauberstab steht sie hinter einem großen Schreibtisch. Sie trägt einen sonnengelben Kaftan der in blutrot mit magischen und elfischen Symbolen bestickt ist. Darüber einen mittagsblauen Burnus mit einer weiten Kapuze und über dem Kopf einen ebenfalls sonnengelben Seidenschleier, der ihre Haare und ihre Ohren verdeckt. Ihre Haut ist durch die lange Zeit im Süden nicht mehr so weiß und eisblaß wie sie noch in Grangor war. Ihre blauen Augen strahlen die drei glücklich an.

Banjew verschlägt es die Sprache. Eine Elfe mit Zauberstab! Und er dachte, es könnte ihn nichts mehr überraschen … aber Lauriel scheint seinen entgeisterten Gesichtsausdruck (zunächst?) nicht zu bemerken.

Cuilyn glaubt seinen Augen nicht zu trauen.

"Freund Ouroborox! Magister Banjew!" begrüßt sie die Freunde, dann kann sie sich nicht mehr halten und läuft um den Tisch herum und schließt Cuilyn in ihre Arme. "Liebster!"

Völlig benommen lässt er sich in die Arme schließen. Ja, das Gefühl ist noch da. Alle seine Sorgen, die er während der ganzen Reise vor seinen Freunden verbarg, sind wie weggeblasen.

Der Zauberstab poltert auf den Boden als die Elfe sich immer fester an Cuilyn schmiegt. "Mein Liebster, endlich! Du bist wieder da!"

"Wie …, wa…, woh…?" Cuilyn weiß gar nicht, was er zuerst fragen soll.

"Später, Liebster! Alles zu seiner Zeit! Du wirst alles erfahren!" flüstert die Elfe.

Banjew betrachtet den Zauberstab, und wenn ihm genug Zeit bleibt, hebt er ihn auf und nimmt ihn fachmännisch unter die Lupe.

Da sie hier in der Akademie sind und Lauriel wohl kaum als Akademiemaskottchen tätig ist, setzt er die Echtheit des Stabes voraus. Trotzdem muss er sich an die Vorstellung erst noch gewöhnen.

Den Stab kennt er. Es ist der Stab von Lauriels Mutter, den Lauriel seit ihrer Flucht aus dem Eispalast bei sich trägt. Bislang war war es nur ein Stab, aber Banjew erkennt, dass es jetzt Lauriels Stab ist.

Als die Elfe sich dann aus Cuilyns Umarmung löst und die beiden begrüßt, erkennt er, dass die Elfe auch das Siegel der Drachenei-Akademie in der Rechten hat.

Langsam hat er sich wieder gefangen. Eigentlich hatte er doch mit so etwas rechnen müssen. Lauriel hat doch des öfteren von ihrem elterlichen Erbe erzählt und auch Andeutungen über ihre Pläne gemacht. Trotzdem ist der tatsächliche Anblick einer (halb-)elfischen Magierin überraschend.

"Hast Du hier gefunden, was Du gesucht hast?" fragt er die Elfe, nachdem sich alle wieder etwas gesammelt haben.

"Hmm, schwer zu sagen, Magister Banjew", antwortet Lauriel fröhlich. "Erst jetzt weiß ich, was ich gesucht habe und da ihr alle hier seid, habe ich es hier gefunden."

Die Gruppe kann in den nächsten Tagen ausgiebig ihr Wiedersehen genießen und sich von Lauriel die prächtige Stadt Khunchom zeigen lassen.

Banjew genießt die Stadt und ihren Trubel und versucht dabei, ein paar Worte Tulamidisch aufzuschnappen.

Lauriel berichtet von ihrer Reise und ihrem Abenteuer. Stolz erzählt sie auch von ihrem Tagen an der Drachenei-Akademie, ihren Tätigkeiten und ihren Lernerfolgen.

Auf ihren Wegen durch die Stadt bleibt sie immer an Cuilyns Seite.

Was völlig im Sinne des Kriegers ist.

Eines Tages erhält Lauriel dann eine Einladung zu einem informellen Abendessen mit Spektabilität Okharim. Ihre Freunde sind ebenfalls eingeladen, und außer der Spektabilität selbst sind weiterhin noch dessen Assistentin (seine Tochter, Magistra Ashtarra Okharim) und eine weitere Magierin anwesend, welche er als Adepta Ayla saba Amchur vorstellt.

Banjew hat sich zu diesem Anlass in seine Magierprunkrobe geschmissen, die er vom Markgrafen von Warunk erhalten hat. Wenngleich er die blumige Sprache der Hiesigen nicht sonderlich gut beherrscht, weiß er doch, wie wichtig hier der äußere Eindruck, vor allem der erste, und das geschickte diplomatische Schmeicheln sind. Daher wird er sich in den Gesprächen zwar zurückhalten, aber auch nicht den Eindruck eine unhöflichen Schweigers vermitteln.

Die Adepta erweist sich als junge, mittelgroße Frau mit dunkelblonden, glatten Haaren. Bei der Begrüßung strahlen ihre braunen Augen die anderen Gäste an. Die Halbelfe hat sie schon einige Male in der Akademie gesehen. Die Männer mustert sie offen und versucht sich so einen ersten Eindruck zu verschaffen.

Sie selber hat sich auf eine Musterung eingestellt. Die Kleidung der Adepta ist einfach aber von guter Qualität. Eine blaue Pluderhose hat sie mit einer gleichfarbigen Bluse und einem ebenfalls blauen Burnus kombiniert. Die benutzte Schminke ist typisch für eine Tulamidin und sachkundig aufgetragen.

Banjew versucht sie, mehr schlecht als recht, mit ein paar der aufgeschnappten tulamidischen Brocken zu begrüßen. Nun ja, der Wille zählt, denkt er sich …

Die Adepta zeigt sich hocherfreut. Sie revanchiert sich durch eine kurze Antwort in Garethi. Es klingt zwar nicht ganz sauber ist aber problemlos verständlich: "Habt Dank für eure herzlichen Wort Magister." Nach einem Blick auf das Siegel in seiner Hand fährt sie fort: "Ich sehe Ihr gehört der höchst ehrwürdigen Akademie des Handelshauses Stoerrebrandt an. So seid ihr sicher ein bekannter und berühmter Kenner der Magica clarobservantia oder der Magica combativa, nicht wahr. Es ist mir eine Freude Euch kennen zu lernen." Sollte Banjew dabei in ihr Gesicht sehen, wird er darin ehrlich empfundene Freude entdecken. Und ein wenig Neugier.

"Die Freude ist ganz meinerseits", antwortet Banjew, "auch wenn mich Eure Vorschusslorbeeren ein wenig … beschämen. Ihr versteht Euch mit Sicherheit ebenso gut auf die …" Banjew stutzt, und mehr fragend als feststellend fährt er fort: "Magica moventia oder transformatorica."

Auf die Spezialisierungen der Akademien hat er nie viel Zeit verschwendet, hat er doch eine Akademie doch erstmals zur offiziellen Abschlussprüfung von innen gesehen. Doch hofft er, in den letzten Tagen die richtigen Hinweise aufgeschnappt zu haben.

"Habt Dank für Eure Freundlichkeit. Doch Khunchom ist nicht meine Heimat. Ich bin auf der Wanderschaft. Die 'Akademie von Pentagramma, Hexagramma und Heptagramma zur Meisterung jenseitiger Entitäten zu Rashdul' hat mich ausgebildet im Bereich der Magica aenea. Die Akademie zu Khunchom ist ob ihres dereweiten Ruhmes von mir besucht worden. Dank seiner Spektabilität habe ich hier eine interessante und lehrreiche Tätigkeit gefunden." Bei den letzten Worten passen Stimme und Mimik kurz nicht zusammen.

Dann aber leuchten ihn die Augen wieder freundlich an.

Noch während Banjew versucht, sich die Verärgerung über seinen Schnitzer, dem Siegel keine Beachtung geschenkt zu haben, zu verdauen, trifft ihn der Name der Akademie, der ihm kurzzeitig die Gesichtszüge entgleiten lässt. Wieder rächt sich, dass er sich nie sonderlich für die Details der jeweiligen Akademien interessiert hat. Von Rashdul hat er einige merkwürdige Dinge vernommen. Sicher, nicht aus erster Hand, aber dennoch - seine bisherigen Begegnungen mit den dämonischen Sphären waren nicht unbedingt geeignet, deren Gefahren gering zu schätzen. So entgehen ihm auch die Untertöne am Ende der Äußerung.

Um möglichst unbefangen das Gespräch in andere Bahnen zu lenken und für andere Teilnehmer zu öffnen, meint er: "Auf Wanderschaft sind wir doch alle irgendwie, sei es, dass wir Dere durchstreifen, sei es, dass wir Bücher studieren …"

"Das Studium eines Buches ersetzt nicht das Leben. Deswegen treffen wir uns hier. Und wer weiß wohin Fata uns noch treiben wird." antwortet Ayla vorsichtig.

Während der ersten Gänge plaudert die Spektabilität nur locker mit den Gästen, erkundigt sich nach deren Reisen und früheren Abenteuern. Erst beim Dessert (es gibt Zuckergebäck, vielerlei Früchte und mit magischer Hilfe hergestelltes Speiseeis) kommt er dann auf den eigentlichen Grund der Einladung zu sprechen:

"Ich weiß nicht, inwieweit ihr über die Lage im Süden von hier informiert seid. Es gibt da eine kleine Stadt namens Kannemünde an der Mündung der Chaneb, die von den bornischen Handelshäusern kontrolliert wird und über die ein Großteil des Handels mit der Khom, vor allem der Sultansstadt Unau, abgewickelt wird. Nun hat kürzlich eben der Sultan von Unau aus dem Nichts heraus Anspruch auf die Stadt erhoben und verlangt Tribut sowie Zoll vor allem auf das wichtigste Handelsgut, Salz vom großen Salzsee von Unau."

Es geht also um Geld, viel Geld. Das käme Ayla gerade recht. Sie ist chronisch pleite.

"Gut, werdet ihr vielleicht fragen, was hat das mit der altehrwürdigen Akademie vom Ei des Drachen zu tun? Zunächst tatsächlich nichts, doch ein guter Freund und Kunde, der Handelsherr Stoerrebrandt - einige von euch haben ja bereits für ihn gearbeitet - ist verständlicherweise besorgt über diese Entwicklung und um seine guten Gewinne beim Salzhandel und möchte, dass da ein paar vertrauenswürdige Leute nach dem Rechten sehen und dafür sorgen, dass der Status Quo und die guten Beziehungen zum Sultanat wiederhergestellt werden."

'Stoerrebrandt' denkt sich Ayla. 'Ein gelungener Auftrag mag weitere nach sich ziehen.'

"Ihr scheint mir dafür genau die richtigen Personen zu sein, und da ihr euch gerade in der Stadt befindet, habe ich dem Herrn Stoerrebrandt vorgeschlagen, dass ihr das übernehmen könntet - falls ihr zustimmen solltet, natürlich. Der Sahib hat sich hocherfreut gezeigt und ist auch bereit, jedem von euch die großzügige Belohnung von 50 Batzen pro Person zukommen zu lassen. Wärt ihr damit einverstanden?"

Als Banjew die versprochene Summe hört, beginnen seine Augen zu leuchten; würde sie doch sein Vermögen um die Hälfte vergrößern. Doch es gelingt ihm, den spontanen Impuls zuzusagen, zu unterdrücken. Denn wenn Stoerrebrandt 50 Batzen pro Person bietet, dann steht für ihn einiges auf dem Spiel. Und das könnte ihm noch mehr wert sein. Bevor er sich aber die Worte zurecht gelegt hat, kommt ihm die tulamidische Kollegin zuvor.

Solange die Halbfirnelfe bei Cuilyn bleiben kann, ist sie mit allem einverstanden, daher wartet sie seine Entscheidung ab.

"Oh du weiser und kluger Âmûzgâr ich danke dir für dieses verheißungsvolle und sicherlich angemessene Angebot.

Gerne will ich deiner Bitte nachkommen und in der fremden Stadt die Wünsche des großmächtigen Sahibs durchsetzen. Doch wie du bestimmt schon bedacht hast, ist dieses Unternehmen ein kostspieliges. Wir werden weit reisen müssen, vor Ort werden wir viele eingedörrte Zungen lösen und Bakschisch verteilen müssen. Auch werden wir dem großen und mächtigen Sultan begegnen können. Du, oh Herr, hast in Deiner klugen und vorausschauenden Art bestimmt mit dem Sahib Stoerrebrandt auch diese Dinge besprochen und eine angemessene Lösung gefunden. Ich bitte Dich, nenne sie uns auf das wir deine Weitsicht und Erfahrung weit über die Mauern Khunchoms hinweg preisen können."

Cuilyn hört mit offenem Mund zu. 'Das ist Etikette!' geht ihm durch den Kopf.

Banjew verschlägt es geradezu die Sprache. Die junge Frau bringt genau seine Gedanken zum Ausdruck, nur wesentlich geschickter und diplomatischer, als er es sich in seinen kühnsten Träumen ausgemalt hätte. Oh ja, sie wäre wirklich eine hilfreiche Begleitung bei diesem Auftrag.

"Adepta Ayla, deine wohlklingenden Worte erfreuen mein Herz." Der Akademieleiter lächelt ihr gutmütig zu. "Tatsächlich hat sich der Sahib auf meine Bitten hin bereit erklärt, nicht nur die Kosten für die Reise nach Kannemünde komplett zu übernehmen, sondern auch die Hälfte der Belohnung schon im Voraus zur Verfügung zu stellen, im Vertrauen auf eure weitgerühmte Kompetenz und Ehrlichkeit. Zudem bin ich sicher, solch eine Tochter der Geschäftstüchtigkeit wie du wird auch dort Chancen zu ergreifen wissen." Er zwinkert ihr zu. "Auch andere Handelshäuser haben ja Interessen in Kannemünde."

"Wie immer sind deine Worte voller Süße und Köstlichkeit oh Herr. Ich danke dir für deine Voraussicht und Anteilnahme. Auch der Sahib Stoerrebrandt ist mir als kluger und verständiger Geschäftsmann bekannt, der die Nöte des einfachen Gesandten kennt. Und so gehe ich davon aus, dass ich nach Abschluss dieser Transaktion mich vertrauensvoll an den Sahib wenden kann, um unsere angemessenen Spesen ersetzen zu lassen. Denn weit eilt dem Sahib sein Ruf als gerechter und verständiger Mann voraus."

"So viele Worte nur um zu sagen, 'Ich will mehr Geld'." Ouroborox schüttelt leicht den Kopf.

Nur mühsam kann Banjew das breite Grinsen in einen allgemein freundlichen Gesichtsausdruck wandeln. Die Adepta hat es geradezu faustdick hinter den Ohren!

Die Spektabilität schmunzelt. "Selbstverständlich kannst du das tun, Adepta. Sahib Stoerrebrandt ist ein weiser Mensch und ein sehr fairer Verhandlungspartner, ich bin sicher, deine wohlgesetzten Worte werden ihn rasch überzeugen."

Eine angedeutete Verbeugung ist ihre Antwort. Nun schaut sie interessiert, wie sich der Rest der Gruppe entscheiden wird.

Dann wendet sich Khadil an die anderen. "Wie ihr euch vielleicht bereits gedacht habt, habe ich die liebreizende Adepta hinzu gebeten, weil sie abgesehen von ihrer vorzüglichen Ausbildung auch eine profunde Kennerin der novadischen Kultur und natürlich auch der tulamidischen Sprache ist. Ich denke, sie wird eure Gruppe wunderbar ergänzen."

Bei diesen Worten verneigt die Adepta sich leicht. Sie lässt einen Hauch von Röte auf ihren Wangen erscheinen. So wie man es bei einem leicht überzogenen Lob erwartet.

Lauriel ist Ayla schon einige Male in der Akademie begegnet, aber jetzt betrachtet sie das erste Mal die doch sehr fremdländische Magierin. Obwohl sie schon so lange im Süden weilt, ist Lauriel die blumige Sprache der Südländer immer noch ungewohnt.

Banjew blickt sich um zu Cuilyn und Ouroborox, was diese wohl von dem Auftrag halten.

Cuilyn nickt. Dann sagt er. "Dem Herrn Stoerrebrandt zu Diensten sein zu können, ist schon eine Sache für sich. Und einmal selbst die Wüste kennenzulernen, die Lauriel ja schon kennt, ist noch ein Grund. Ich bin dabei."

"Wir sind dabei!" korrigiert ihn die Firnelfe.

"Bin dabei." kurz nickt Ouroborox.

"Nun, ich werde wohl kaum einen Auftrag des Stifters meiner alma mater ablehnen können", stimmt Banjew jetzt auch äußerlich zu. Und eine zweite, nein, Banjew korrigiert sich: dritte Magierin in der Gruppe, das wird spannend!

Khadil Okharim klatscht in die Hände. "Vorzüglich! Euer Mut, eure Hilfsbereitschaft und euer diplomatisches Geschick werden weit gerühmt werden, wenn ihr wieder Frieden gestiftet habt zwischen dem Sultan und den Bewohnern von Kannemünde.

Nun, da das geklärt ist und ihr dann sowieso in die Gegend reist, hätte ich persönlich noch eine kleine Bitte an euch." Er senkt die Stimme etwas und beugt sich vor. "Das sollte aber unter uns bleiben.

Leider ist uns vor einiger Zeit ein Buch abhanden gekommen, oder besser gesagt gestohlen worden. Die Götter mögen den unseligen Dieb bestrafen, denn wenngleich es kein sonderlich großes oder wichtiges Buch ist, so hinterlässt es doch eine Lücke in unserer Sammlung, und wer weiß schon, ob es in den falschen Händen nicht Schaden anrichten kann? Die Spur führte jedenfalls auch nach Südwest, verlor sich aber hinter Thalusa. Es handelt sich um einen eher dünnen Quarto mit dem Titel Die fünf arkanen Kapitel H'ranga betreffend. Gut möglich, dass es in die Echsensümpfe geschafft wurde, aber falls ihr auf eurem Weg darauf stoßen solltet, so packt es doch einfach ein und bringt es wieder hierher zurück, wo es hingehört."

Banjew nickt und denkt sich seinen Teil: 'Wenn wir rein zufällig auf dieses Buch stoßen, dann ist es vermutlich auch nur rein zufällig gestohlen worden. Wenn überhaupt.'

"So, was bleibt noch?" Die Spektabilität lehnt sich wieder zurück und nimmt sich ein weiteres Stück Gebäck. "Es ist natürlich wie immer in solchen Sachen keine Zeit zu verlieren, doch dank der Großzügigkeit von Sahib Stoerrebrandt liegt im Hafen bereits die Adler von Festum bereit, die übermorgen mit der Flut auslaufen und euch so schnell und sicher wie der stolze Vogel, nach dem sie benannt wurde, nach Kannemünde bringen wird. Dort sollt ihr euch dann im Kontor des Handelshauses melden." Zufrieden schaut Okharim in die Runde. "Habt ihr noch weitere Fragen?"

Ein leichtes Lächeln spielt um die Lippen der Tulamidin. "Gerne bin ich bereit, nach diesem Kleinod der Gelehrsamkeit zu suchen. Es soll seinen angestammten Platz in diesem Hort des Wissens wieder einnehmen. Doch erlaubt mir, oh weiser und freigiebiger Âmûzgâr, eine bescheidene Bitte an Dich zu richten. In den umfangreichen und wohl sortierten Gewölben dieser wunderbaren Akademie soll ein vollständiges Exemplar des Einmaleins der Elementarmagie vorhanden sein. Sollte das verschwundene Buch zurückkehren, so bitte ich um die Gnade, das Einmaleins ausgiebig studieren zu dürfen."

Die Spektabilität erwidert das Lächeln. "Dies sei dir gerne gewährt, kluge Tochter Rashduls. Als Ausdruck meiner besonderen Wertschätzung bin ich sogar bereit, für die Akademie auf drei Prozent der üblichen Gebühren zu verzichten." Er nickt Banjew zu. "Dies gilt natürlich auch für die anderen."

Das saß. Jetzt weiß Ayla wieder warum er der Leiter einer Akademie ist und sie nur einfache Adepta. Und warum sie sich gegen die Beschwörung der Ifriitim entschieden hat. Ein Fehler wie dieser und sie wäre jetzt tot.

Doch es gilt den Patzer wieder gut zu machen. "Oh ehrwürdiger Meister, weise sind Deine Worte. Und schwach scheint mein Gehör zu sein. 3 vom 100 willst Du mir nachlassen? 3? Selbst der einfachste Bäcker, welcher das tägliche Brot liefert, würde besser gestellt sein. Sicherlich meintest Du das ich nur 3 vom 100 des üblichen Preises zahlen soll.

Doch diese Mildtätigkeit oh Herrscher der wunderbaren Dinge will ich nicht annehmen. So will ich 10 vom 100 für meine Einsicht bezahlen. Und Deine Milde und Barmherzigkeit preisen. Deine Freigiebigkeit soll Dir stets zum Vorteil gereichen."

Khadil Okharim lacht diesen Vorschlag einfach weg. In der folgenden kurzen Verhandlung merkt Ayla, dass sie noch sehr viel übers Feilschen lernen kann. So ist sie hinterher sogar ein bisschen stolz, weitere zwei Prozent Rabatt herausgeschlagen zu haben.

'Na gut, dann eben nicht. Die Wahrscheinlichkeit ein Buch im Vorbeigehen zu entdecken ist nicht wirklich groß.' Und zu seiner Spektabilität gewandt: "Habt Dank für diese kostenlose Lehrstunde. Doch gibt es noch mehr Erkenntnisse über den Diebstahl? Wie ist der Dieb in diesen Hort der Wachsamkeit gelangt? Und wie wieder hinaus? War das Buch so leicht zugänglich? Wurde der Dieb gesehen und erkannt? Von wem kam die Kunde, dass das Buch bis Thalusa wanderte? Und warum gerade dieses Buch?" Da steckt mehr dahinter erkennt Ayla bei diesen Fragen. Und der Nebenjob wird gegebenenfalls gefährlicher als der Hauptauftrag.

"Hmm. Warum dieser Sohn der Niedertracht - wer auch immer es gewesen sein mag - es ausgerechnet auf dieses Buch abgesehen hatte, wissen wir auch nicht. Der Rest deiner Fragen sollte für euch nicht von Belang sein", wimmelt Okharim sie ab. "Wir haben jedenfalls dafür Sorge getragen, dass das so leicht nicht wieder passieren kann."

Ayla gibt sich mit dem Erreichten nur ungern zufrieden. Aber wenn Ohkarim seine Chancen mit Geheimniskrämerei herabsetzt, dann ist das nicht ihr Problem. Ihr Problem sind Salz und dessen sicherer Transport.

Zumindest Banjew macht nicht den Eindruck, als sei er besonders an diesem Buch interessiert. Er folgt eher der Diskussion um Ausrüstung und Vorräte.

Nach dieser Bitte kehrt sie zur zweiten Frage Ohkarims zurück. "Wird man in Kannemünde wissen, was unsere Aufgabe ist? Oder tauchen wir dort unter einem Vorwand auf?"

"Sahib Stoerrebrandt hat seinem Kontor dort bereits einen Brief gesandt, worin er die Ankunft einer Gruppe ankündigt, die sich um die Sache kümmern soll", lautet die Antwort. "Ihr werdet also erwartet."

Lauriel hat im Moment keine Fragen, allerdings ist sie doch darüber verwundert wie weit die Pläne fortgeschritten sind - obwohl die Gruppe gerade erst zugestimmt hat.

Cuilyn ist in seinen Gedanken ganz woanders. "Lauriel", fragt er seine Freundin. "Wenn es in die Wüste geht, was müssen wir da unbedingt mitnehmen?"

"Einheimische Kleidung wäre wohl in mehrfacherweise angezeigt", sinniert Banjew.

"Das ist eine gute Idee." stimmt Ouroborox zu.

"Ein Zwerg im Burnus ist immer noch ein Zwerg!" grinst Lauriel.

"Als Schutz vor der Sonne sicherlich. Um zu verbergen, dass ihr kein Tulamide seid eher nicht. Oder versteht Ihr Tulamidya?"

"Wer will sich verbergen?" fragt Ouroborox. "Die Kleidung soll praktisch sein.Luftig und kühl. Außerdem brauchen sich Zwerge nicht zu verstecken."

Banjew hält es nicht für angemessen, in dieser Situation lauthals zu lachen, und so gelingt es ihm, sich unauffällig abzuwenden und nur leise in sich hinein zu lachen.

"Da habt ihr natürlich recht. Erst recht nicht wenn es sich um so ein stattliches Exemplar der ehrwürdigen Angroschim handelt."

"Viel zu sehen, gibt es ja auch nicht!" lacht Lauriel. "Auch Du hast mir gefehlt, Freund Ouroborox!"

"Gibt es nicht auch schweigsame unter den Tulamiden?" fragt Lauriel lächelnd.

"Nein. Die Gefahr ist auch eher, dass er nichts versteht, wenn er angesprochen wird."

Dabei muss sie grinsen. Sie erinnert sich noch gut an den hochnäsigen Sahib den sie einst begleitete. Dieser meinte auch sich verkleiden zu können und so mehr von Land und Leuten zu erleben.

"Nein, noch nicht." Banjew lächelt breit. "Aber ich habe die nicht unberechtigte Hoffnung, daran in den nächsten Wochen etwas ändern zu können. Obwohl es schon einen Unterschied macht, ob man auf 5 oder auf 500 Schritt als Fremdling erkennbar ist, meinte ich eigentlich nur, dass die Einheimischen ihre Kleidung meist nicht tragen, weil sie in ihrer Gegend so fürchterlich unpraktisch ist."

"Das ist sicher sinnvoll die Sprache ein wenig zu lernen. Mit der Entfernung ist das so eine Sache. Den ishab karwan oder Wüstenräubern ist es egal wen sie überfallen. Und ein Schejk der Beni Novad wird euch freundlich aufnehmen unabhängig von wo ihr kommt. Und er wird euch töten wenn ihr die Gesetze der Gastfreundschaft missachtet. Unabhängig ob ihr sie kanntet oder nicht.

Doch kommen wir wieder zur Sprache zurück. Seht Ihr, Mudarri Lauriel, Euch in der Lage den Herren das Tulamidya zu lehren? Oder beherrscht Ihr, Sahib Cuilyn oder Ouroborox, die Sprache soweit? Andernfalls gestattet es mir, euch meine bescheidenen Fähigkeiten als Ustâd anzubieten."

"Ich verstehe einiges und ich kann auch etwas sprechen, aber meine Wörter sind nur meine Gedanken in der Sprache des Südens. Ich werde aber nie - in der Sprache der Menschen - schöne Sätze formen können."

Cuilyn horcht auf. "Tulamidya lernen ist kein schlechter Gedanke. Ich fange dann allerdings mit Nichts an."

"Das, oh tapferer Mubarazan, soll mich nicht schrecken. Denn auch Magister Banjew und Meister Ouroborox scheinen ebenfalls begierig auf die Kenntnis unserer wunderbaren Sprache zu sein. Und auch ihnen scheint das Tulamidya neu zu sein.

Vielleicht fangen wir morgen auf dem Basar einfach an. Dort können wir mit den Begriffen für die wichtigsten Güter und Handlungen sowie das Zahlensystem beginnen." Fragend blickt sie dabei Lauriel an. Diese sollte ihre Freunde besser kennen und wissen wie sie am besten lernen können.

"Ja, warum nicht …", antwortet diese. "Wobei man im Basar nicht nur auf die Stimmen, sondern auch auf die Hände achten muss."

Ob sich das auf die beredeten Gesten der Händler oder die flinken Finger der Taschendiebe bezieht, bleibt offen.

"Oh ja, das wäre eine gute Idee!" Banjew ist wirklich begeistert. Er fühlt sich immer unwohl, wenn er sich nicht selbst verständigen kann. Ganz zu schweigen von den Bedeutungen, die über den bloßen Wortlaut hinausgehen wie beim Feilschen das "damit treibe ich mich selbst in den Ruin" …

Ouroborox nickt bestätigend.

"Bevor wir auf den Basar gehen, hätte ich gern die einfachsten Worte gelernt." Beginnt er. "Ja und Nein, Bitte und Danke, Guten Morgen und Auf Wiedersehen, sowie die kleinen Zahlen. Ich möchte nicht schon am Anfang, wenn ich meine 'Noch gute Geschäfte.' der Andere dann versteht 'Möge Rastullah seinen Daumen in deinen Hintern stecken!'"

"Natürlich, wir werden dann im Innenhof eine kurze Einführung mit einigen Worten und Zahlen machen."

Dann blickt sie kurz zu Okharim und verneigt sich leicht. "Sofern es Euch genehm ist, edler und gerechter Âmûzgâr."

"Aber gewiss doch", stimmt die Spektabilität zu. "Ashtarra wird Euch dann den Vorschuss auszahlen und den Kapitän der Adler von Festum informieren."

"So wird es also eine anstrengende Lehrstunde werden. Was mich zu der Frage bringt, ob wir in diesem Rahmen noch etwas zu diskutieren haben. Andernfalls würde ich mich freuen Sie oder Euch morgen zu Beginn der 10. Stunde im Hof der Akademie wiederzutreffen."

Dabei lässt sie einen Blick durch die Runde schweifen.

"Ich bin mit morgen einverstanden", sagt Cuilyn etwas zu leichthin. Sein Blick wandert zu Lauriel.

Die Geschwindigkeit seiner Zusage kommt der Elfe etwas befremdlich vor, aber sie nickt ebenfalls.

Banjew nickt. "Die Freude ist ganz meinerseits."

Khadil Okharim hört sich die Diskussion interessiert an, mischt sich aber gerade nicht weiter ein.

"Seit darüber nicht betrübt. Auch mir ist die Gabe der Haimamud nicht gegeben. Wichtiger wird für unsere Gruppe aber sein das alltägliche Leben in Basar oder Karawane zu meistern. Es mag über Leben und Tod entscheiden die Befehle des Karwanbashi sofort zu verstehen."

"Wasser! Viel Wasser!" ist die lakonische Antwort der Elfe auf die noch offen Frage Cuilyns. Ihre Augen strahlen, denn schließlich fragt sie ihr weitgereister Freund nach ihrer Meinung. "Und leichte Kleidung, keine schwere Rüstung, etwas für den Kopf, dass vor der Sonne schützt. Und vielleicht ein Tier, dass unsere Ausrüstung trägt. Denn Fleckchen werde ich wohl hier lassen müssen."

Fragend blickt sie den Akademieleiter an.

"Dein interessantes Haustier?" fragt dieser. "Ja, es kann hier bleiben. Such' dir ein oder zwei Novizen aus, die es versorgen sollen, und eine Studiosa, die das überwacht."

"Habt Dank, Eure Spektabilität", antwortet Lauriel freundlich. "Ich denke, ich habe da schon ein paar Eleven im Auge. Es waren durchaus einige an Fleckchen interessiert. Und Fleckchen hat sie an sich heran gelassen. Ich werde mit ihnen sprechen, wenn Ihr erlaubt."

"Gut, einkleiden können wir uns wohl am besten in Kannemünde, dann müssen wir nicht soviel schleppen, oder was meint ihr? Wie weit ist es eigentlich von Kannemünde nach Unau?" spricht Cuilyn seine Gedanken laut aus.

"Etwa vier Tage Reise mit einer Karawane", antwortet Khadil Okharim. "Wenn ich einen Rat geben darf, geht ruhig morgen noch einkaufen. Die Auswahl an Waren ist hier im Bazaar ungleich größer, und das Schiff transportiert auch Gepäck."

'Das bietet vielleicht auch die Möglichkeit, sich von einigen Dingen zu trennen', überlegt sich Banjew beim Gedanken an die vor der Abreise vom Grangorer Zoll zurück erhaltenen Fläschchen und Phiolen, die er nicht erst seitdem vor allem als zusätzliches Gewicht mit sich herumträgt …

"Und eines dieser Bidenhöcker kaufen wir bei Stoerrebrandt in Kannemünde", ergänzt Lauriel.

"Nein! Keine Bidenhöcker!" Ouroborox ist entsetzt. "Ich reite auf keinem dieser Tiere."

"Die Sandverwehungen sind größer als Du, mein Freund", antwortet Lauriel. "Es ist besser weit oben zu reisen."

"Ob Jamal oder eher ein Dromedar sollten wir vor Ort entscheiden. Störrisch sind beide. Doch das Dromedar ist das bessere Reittier. Bei den Kamelrennen werdet ihr kaum einen Bidenhöcker finden." mischt sich Ayla ein.

"Wie du meinst …"

"Gut, so machen wir es!" stimmt Cuilyn zu. "Und ich vermute, dass es immer wieder Karawanen gibt, denen man sich anschließen kann, oder?"

"So war es zumindest früher", erklärt die Spektabilität. "Wie die Situation jetzt ist, mit der angespannten Lage durch die Forderungen des Sultans, werdet ihr vor Ort herausfinden müssen."

Banjew musste am Abend noch die Entdeckung machen, dass er sich mit seinen Phiolen, Fläschchen und Elixieren zu lange zu wenig Gedanken gemacht hat: Die mit "Spinnengift" und "Curare" beschrifteten Fläschchen sind mit einer merkwürdig trüben Brühe gefüllt, die offenbar ihre besten Zeiten bereits hinter sich hat. Diese Fläschchen wird er wohl nicht mehr losschlagen können.

Der reine Alkohol und das Klugheitselixier scheinen aber noch wirksam zu sein, vor allem aber erschließt sich sich die "Tinctura Magica" in der magischen Analyse als Flüssigkeit, in der ein "Saft, Kraft, Monstermacht" gebunden ist, der beim Trinken ausgelöst wird. Entsprechend erfolgreich ist am Folgetag sein Versuch, die noch wirksamen Flüssigkeiten zu verkaufen.

Auf dem Basar

Ayla hat nicht so viel, dass sie großartig packen müsste. Daher bereitet sie einige Blätter mit den wichtigsten Floskeln, Wörtern und Zahlen vor. Sie schreibt dabei in Kusliker Zeichen und benutzt Lautsprache.

Am Morgen händigt sie dann diese Zettel an die 3 aus. Danach ist eine kurze Wiederholung der Worte als akustische Gedächtnisstütze und Einstimmung auf das Tulamidya dran. Abgeschlossen wird es durch die ersten Versuche der 3, die Lautschrift nachzusprechen.

Auf dem Weg zum Basar wird sie auf einige grundlegende Eigenarten des Handels aufmerksam machen. So gehört das Feilschen zum Geschäft. Und dabei ist das Feilschen teilweise Selbstzweck. Es geht nicht nur darum den Preis zu ändern, sondern auch um die Unterhaltung mit fantasievollen Übertreibungen und Untertreibungen. Bei einem befreundeten Händler wird sie die Theorie in der Praxis vorspielen und dabei einen kleinen Seidenschleier erstehen. Unter diesem wirft sie den Männern einige scheue und unschuldige Blicke zu. Dann zieht sie den Schleier langsam vom Gesicht und lässt ein fröhliches Lachen erklingen.

Soweit Bedarf besteht, wird sie die anderen zu ihr bekannten Händlern führen und dort beim Handel unterstützen. Für sich selber ersteht sie noch eine einfache weiße Leinenhose und einen grauen Kaftan mit Kapuze, der vom Händler als Djellaba bezeichnet wird. Darin kommt ihre mädchenhafte Statur durchaus vorteilhaft zur Geltung.

Mehr braucht sie nicht für die Reise. Und so kann sie sich auch einem Gaukler zuwenden, der einen kleinen Moosaffen auf der Schulter trägt. Das Tier hat es ihr angetan wie es so seine Kunststückchen macht. Während sie dem Tier zusieht, geht eine Verwandlung mit ihr vor. Da steht plötzlich ein kleines Mädchen und versinkt fast in den Anblick des Affen.

Als Abschluss des Besuchs auf dem Basar besorgt sie noch einige Leckereien wie Feigen und Datteln und verteilt sie freigiebig unter den Gefährten. Auch einige der vorwitzigen Straßenkinder bedenkt sie mit einer der Köstlichkeiten.

Lauriel, die ja bereits einige Zeit in Khunchom lebt, hat ihre Kleidung bereits beisammen. Aber sie begleitet Cuilyn gerne und hilft ihm bei der Auswahl der geeigneten Kleidung. Außerdem hat sie ihn dann besser unter Kontrolle - wie er doch gestern diese Ayla angestarrt hat …

"Hilf mir aussuchen bitte", bittet Cuilyn Lauriel. "Was brauche ich an Kleidung?"

"Mir bitte auch." bittet Ouroborox. "Etwas auf dem Kopf. Kleidung die angenehm zu tragen ist, ohne hinderlich zu sein. Was soll ich für die Füße nehmen?"

"Dann schau, was ich für Cuilyn aussuche und wenn es Dir gefällt, dann versuchen wir es in Deiner Größe zu bekommen." meint Lauriel fröhlich. "Nur mit Deinem Kettenhemd würde ich nicht in die Wüste wollen."

"Der Frage schließe ich mich auch an", gibt Banjew bekannt. Er hatte sich schon nach luftiger Kleidung umgesehen, aber die Auswahl und seine Unerfahrenheit mit südlicher Kleidung machen ihm die Entscheidung schwer.

Auch dem Magier gibt Lauriel gerne Tipps. Sie kennt ja auch den Schneider, der ihren Kaftan mit den magischen Symbolen und Schneeflocken verziert hat, diesen empfiehlt sie dem Magier.

Da die meisten Akademiemitglieder dort einkaufen, sollte sicherlich ein Kaftan dabei sein, der Banjew zuspricht.

Cuilyn schaut sich nach Kleidung gehobener Qualität um. 5 Dukaten wird er anlegen.

"Weiche Unterkleidung, dann entweder diese weiten Pluderhosen", Lauriel deutet an einem Kleiderstand auf diese, "und ein Leinenhemd. Oder stattdessen geht auch ein Kaftan - der sieht zwar aus wie ein Kleid, aber so etwas tragen hier auch die Männer."

Nachdem sich Cuilyn für die eine oder die andere Variante entschieden hat, kommt dann die engere Auswahl der verschiedenen Farben und Muster.

Cuilyn überlegt. Wer weiß, was ihnen alles auf der Reise begegnen wird. Nicht aufzufallen ist da alles. Er entscheidet sich für unterschiedliche sandfarbene Töne.

Schließlich blickt sie ihren Freund zufrieden an.

"So, jetzt brauchen wir noch etwas gegen die Sonne und den Wind. Dazu trägt man in der Wüste einen Burnus."

Auch hier entscheidet sich Cuilyn für einen Ockerton.

Auch hier werden wieder verschiedene Modelle ausprobiert bis Lauriel nickt.

"Für den Kopf solltest Du noch eines dieser bunten Tücher kaufen - nein, nicht so ein durchsichtiges aus Seide, dass ist nun wirklich für uns Frauen. Und ein paar leichtere Stiefel könntest Du auch brauchen.

Rüstungen werden hier weniger getragen und wenn, dann nur aus Leder. Metall wird in der Sonne zu warm und ist viel zu schwer."

Für den Kopf nimmt Cuilyn ein hellgelbes Leinentuch, einem roten seidenen Halstuch, das man sich auch vor das Gesicht binden kann, kann er nicht widerstehen. Leichte Lederstiefel ergänzen die Ausrüstung.

Nachdem auch das erledigt ist, schaut sie sich Cuilyn an und meint: "Du siehst gut aus!"

"Danke!" erwidert er fröhlich. "Im Gegensatz zu Dir brauche ich Kleidung, um gut auszusehen."

"Du meinst, ich sehe nur ohne Kleidung gut aus?" fragt Lauriel verschmitzt.

"Ich wüßte nicht, was Kleidung an Deiner Schönheit verbessern könnte", erwidert Cuilyn mit einem Zwinkern in den Augen.

Und bekommt davon von seiner Freundin einen dicken Schmatz auf die Wange.

Ayla muss innerlich grinsen. Äußerlich aber verdreht sie sichtbar die Augen und stöhnt gespielt. "Vielleicht ist der Bidenhöcker doch das richtige Gefährt für Euch. Zwischen den beiden Höckern findet ihr bestimmt auch zusammen Platz."

"Es gibt doch auch kleine Zelte auf den Bidenhöckern …", grinst Lauriel Cuilyn an. "Das wäre doch was?!"

"Ah, eine Sänfte für die Sahib. Eine wahrlich herrschaftliche Möglichkeit der Reise für zwei so reich mit Schönheit beschenkte Herrschaften." spöttelt die Magierin.

Cuilyn wird schlagartig ernst und das sieht die Magierin auch. Er funkelt sie wortlos an. Seine Gesichtsnarbe, die sich über die gesamte Wange zieht, pulsiert rot.

"Gibt es auch Pferde in der Wüste?" will er wissen.

Ayla übergeht den Fauxpas wortlos. "Ja, es gibt dort auch Stämme, die Pferde halten. Die edlen Shadif sind ein Beispiel. Aber für eine Durchquerung der Wüste werden sich nur Kamele finden lassen. Pferde brauchen zu viel Wasser."

Cuilyn nimmt das nickend zur Kenntnis.

Banjew ist eher weniger wählerisch, wenn es um Kleidung geht. Praktisch sollte sie sein - und nicht zu teuer. Seine leichten Stiefel werden wohl noch ein paar Tage halten, daher belässt er es bei den Anschaffungen beim Nötigsten: einem Kaftan "von der Stange", einem Burnus sowie einem langen Leinentuch, mit dem er, wenn nötig, seine weiteren Körperpartien vor Wind und Sonne schützen kann.

Als es ans Bezahlen geht, stellt Banjew allerdings fest, dass er beim Feilschen hier noch viel lernen muss.

Offenbar hatte der Händler ihm als Magier in Begleitung zweier Magierinnen von vornherein einen sehr guten Preis angeboten. Sein Versuch, ihn noch weiter zu drücken, wurde dann als ernsthafte Beleidigung aufgefasst, so dass er dem armen Mann mit seinen fünf Frauen und 25 Kindern schließlich beschämt noch einige Zechinen zusätzlich in die Hand legte.

Dennoch ist Banjew zufrieden. Ja, er hat sogar fast das Gefühl, ein gutes Geschäft gemacht zu haben, würde ihn nicht der Eindruck verunsichern, dass die Adepta Ayla einen überraschend amüsierten Eindruck macht …

Ayla hat alles für den Auftrag zusammen. "Begeben wir uns an Bord der Adler von Beilunk oder fehlt Euch noch was?" fragt sie deshalb in die Runde.

"Wir können", erwidert Cuilyn knapp.

Lauriel nickt.

"Wenn mir noch was fehlt, dann werde ich es erst noch merken", meint Banjew.