Die Fahrt mit der Adler von Festum nach Kannemünde verläuft ohne besondere Vorkommnisse. Die letzten Seemeilen geht es zwischen bergiger Küste im Norden und Sumpfland im Süden in einen Meeresarm (die sogenannte "Tränenbucht"), an dessen Ende die Mündung des Chaneb wartet. An einem späten Nachmittag läuft das Schiff in den Hafen ein und die Mannschaft beginnt sofort mit dem Löschen der Ladung.

Cuilyn stellt sich beim Lernen nicht besonders klug. Immer wieder kommen ihm Tulamidya, Rogolan, Nivesisch und Elfisch durcheinander.

Lauriel hilft ihm so gut sie kann, aber so gut ist das auch nicht.

Ayla genießt die Reise auf dem Schiff. Es ist eine ganz andere Art des Reisens. Bisher war sie eher zu Fuß oder als Reiterin unterwegs.

Bei den Sümpfen muss sie irgendwie an das Oktav denken, welches Khadil Okharim "verloren" hat.

Im Hafen angekommen steht sie schon mit gepackten Sachen bereit und verlässt als eine der ersten das Schiff,

"Auf ins Kontor." ruft sie fast übermütig. Ihre Laune ist bestens.

Banjew schließt sich wortlos an.

"Ja, auf!" stimmt Cuilyn zu.

Auch Lauriel hat alles gepackt und ist bereit, um den Auftrag zu beginnen.

Die Hafengegend wird von vielen großen Lagerhäusern dominiert, dazwischen sind nur wenige kleinere Gebäude. Mehrere Straßen führen Richtung Stadtmitte.

Ayla mag nicht suchen und wendet sich an einen der Schauerleute. "Sagt an guter Mann. Wie komme ich zum Kontor Stoerrebrandt?"

Sie hat Glück, der Mann kann ihr den Weg tatsächlich beschreiben. Das Kontor liegt in der Nähe des Marktplatzes und ist wie sehr viele Häuser hier im typischen bornländischen Fachwerkstil erbaut. An die Tür ist ein Zettel geheftet, der in penibler Handschrift in Garethi mitteilt:

"Ich bin vorübergehend zu einer Besprechung in der Krone. Bulgin Linnas."

"Gehen wir hinterher? Oder sehen wir uns erst noch ein wenig in der Stadt um?" fragt sie die anderen.

"Sollten wir nicht in die Krone gehen?" fragt Lauriel. "Danach können wir immer noch in die Stadt …"

"Gerne. Mich interessiert auch was ein Kontorleiter in einem Gasthaus für Besprechungen abhält. Die Krone klingt zumindest nach einem solchem."

"Nur die allerwichtigsten, bei denen man den Gesprächspartner bei Laune halten muss", gibt Banjew - gefolgt von einem erzwungenen Hüsteln - weltmännisch bekannt.

"Ich dachte mit so etwas bedeckt ihr Kurzlebigen die Köpfe eurer Herrscher", antwortet Lauriel.

"Ja, aber eine Krone ist auch der obere Teil eines Baumes, eines Hirschgeweihs oder der Schaum auf einem guten Ferdoker. Es kommt wohl aus dem Bosparano und bedeutete soviel wie Kranz. Die Herrscherkrone mag früher ein Siegerkranz gewesen sein." betreibt Ayla ein wenig Sprachdeutung.

"Ihr Menschen habt so wenig Wörter …", Lauriel schüttelt den Kopf.

"Wir haben halt nicht so lange Zeit alles auswendig zu lernen." Ayla grinst verstohlen dabei.

"Also los! Auf zur Krone!" sagt Cuilyn lachend. Er lässt sich von einem der Einheimischen den Weg weisen.

Die Aufforderung ihres Freundes folgt sie gerne. Eine Antwort wäre wohl auch sinnlos.

Zur Krone

Der Gasthof Zur Krone/ist ein großes, zweistöckiges Gebäude an der Nordseite des Marktes. Die Fenster sind verglast, die Tür aus schwerem Eichenholz. Ein Schild über der Tür zeigt eine juwelengeschmückte Phantasiekrone und den Namen des Lokals auf Garethi.

Die Gäste im gut gefüllten Schankraum entstammen der Kleidung nach sämtlich den höheren Schichten. Die Gespräche werden leise geführt, an manchen Tischen sitzen auch einzelne Männer und Frauen, in das Studium von Akten vertieft. Die Theke ist betont vornehm gehalten, die beiden Kellner tragen dunkle Jacken mit langen Schössen.

Cuilyn spricht einen der Kellner an: "Könntet Ihr bitte den ehrenwerten Bulgin Linnas informieren, dass Abgesandte des Handelsherren Stoerrebrandt ihn zu sprechen wünschen?"

Stolz über die sprachliche Gewandtheit ihres Freundes hakt sich Lauriel bei ihm ein.

Der Kellner deutet eine Verbeugung an. "Selbstverständlich. Wenn Ihr solange Platz nehmen mögt …" Er weist auf einen freien Tisch. "Darf ich Euch etwas zu trinken bringen?"

"Gerne, einen Raschtulswaller wenn ihr habt." antwortet Ayla und geht zum Tisch.

"Ich nehme einen leichten Wein", bestellt Cuilyn.

"Für mich bitte einen Tee", bestellt Lauriel.

"Und für mich das für Zwerge übliche." bestellt Ouroborox. "Ein großen Humpen kühles Fedorker!"

"Tut mir Leid, das führen wir nicht", bedauert der Kellner. "Aber Festumer Bier könnte ich anbieten."

"Das würde ich dann auch gerne nehmen", mischt sich Banjew ein, dem gerade völlig egal ist, was er trinkt. Denn Abwaschwasser erwartet er hier nicht.

"Gut, dann eben das. Aber reichlich!" ändert Ouroborox seine Bestellung. "Und kühl!"

"Selbstverständlich." Mit einer weiteren leichten Verbeugung zieht sich der Kellner zurück und bringt auch bald die bestellten Getränke. Danach verlässt er den Schankraum wieder nach hinten.

Inzwischen sind die anderen Gäste auf die Gruppe aufmerksam geworden und alsbald werden die Helden höflich begrüßt, willkommen geheißen und gefragt, wo sie herkommen, ob sie Neuigkeiten aus Festum haben und warum sie hier sind.

Lauriel erwidert freundlich die Grüße der anderen Gäste hält sich aber mit den Gesprächen zurück. Schließlich hat sie keine wirklichen Neuigkeiten.

Ayla verhält sich distanziert freundlich. Da sie noch nie in Festum war, kann sie zu den Fragen wenig sagen. Sie versucht aber im Gegenzug etwas über den Sultan, den Salzhandel, Unau und den Weg dorthin zu erfahren.

"Wir kommen zuletzt aus Khunchom", erzählt Cuilyn freundlich aber bestimmt. "Deswegen haben wir leider keine Neuigkeiten aus Festum. Den genauen Grund unseres Hierseins werden wir mit Bulgin Linnas besprechen. Natürlich handelt es sich um Geschäfte."

Sie bekommt nur zu hören, dass der Chaneb nicht schiffbar ist ("was sich der Herr Efferd bloß bei diesem Fluss gedacht haben mag"), dann kommt auch bald der Kellner wieder und bittet die Gruppe in das Hinterzimmer des Gasthauses.

Ouroborox nimmt noch einen kräftigen Schluck aus dem Krug und schließt sich dann dem Kellner an.

Der Raum wirkt mit einem großen runden Tisch und dem darüber hängenden Kronleuchter durchaus elegant. Um den Tisch sitzen sieben reich gekleidete Männer und Frauen, die sich bei Ankunft der Helden von ihren Stühlen erheben.

Ein recht alter, kleiner Mann mit schütterem grauen Haar gibt sich als Bulgin Linnas zu erkennen und stellt die anderen als die Vertreter der Handelshäuser Surjeloff aus Festum, Waltich aus Beilunk, Klande aus Perricum, Morello aus Tuzak, Alschera aus Sylla und der Fürstlich-Aranischen Handelskompanie vor.

Mit einem Blick auf Ayla überlässt er das Reden besser denen, deren Zuge geschmeidiger ist. Was nicht bedeutet, dass er keine Geschichten erzählen könnte, die hier wahrscheinlich keiner hören will.

Banjew fühlt sich in seiner Vermutung bestätigt und hält sich im Folgenden zurück. Ein solch illustre Runde ist sicherlich nicht frei von Intrigen und Neid …

Cuilyn stellt daraufhin seine Gruppe vor.

Als Lauriel vorgestellt wird, verneigt sie sich in der Art der Menschen.

Ouroborox verneigt sich ebenfalls als sein Name genannt wird.

Auch Ayla ist auf den ersten Eindruck bedacht. Eine angedeutete Verbeugung, dann wartet sie auf die Eröffnung des Kontorleiters.

Banjew hält sich ebenfalls an die Etikette.

"Ich als Chefbuchhalter", fährt Linnas dann fort, "sitze hier in dieser illustren Runde, weil der Leiter unseres hiesigen Kontors seit nunmehr zwei Wochen abwesend ist. Als die erpresserische Forderung hier eintraf, schrieb er einen Brief an den Herrn Stoerrebrandt in Festum; danach reiste er selbst nach Unau. Wörtlich sagte er "ich will doch einmal nachsehen, ob der alte Greis auf dem Sultansthron nunmehr endgültig senil geworden ist". Wir erhielten später noch eine von ihm unterzeichnete Brieftaubenmitteilung, in ihr warnt er ausdrücklich vor den "Gelbherzen". Keiner von uns kann damit etwas anfangen. Seitdem haben wir nichts mehr gehört."

So viele Handelshäuser auf einen Haufen. Wir haben in ein Wespennest gestochen, denkt sich Ayla. Laut gibt sie von sich: "Edle Sahibs, dann ist dies der Augenblick, an dem meine erfahrenen Gefährten und ich ins Spiel kommen. Unser Auftrag wird uns nach Unau führen. Gerne sind wir bereit, die mysteriösen Vorgänge dort aufzuklären. Für eine kleine Aufwandsentschädigung werden wir unser Wissen und unsere Fähigkeiten für Euch einsetzen." Im Stillen hofft Ayla, dass die anderen jetzt nicht querschießen. Hier sieht sie eine Chance, sich den bestehenden Auftrag nochmal bezahlen zu lassen. 'Hilf Dir selbst, dann hilft Dir Phex'.

Für eine kleinen Moment scheinen sich Banjews Mundwinkel zu einem Schmunzeln zu verziehen. Nur mit Mühe kann er ein neutrales Gesicht wahren. Aber man müsste schon sehr genau auf ihn geachtet haben, um das bemerkt zu haben.

Cuilyn ist gespannt, was die Anwesenden zum Vorschlag sagen. Er hütet sich aber, etwas hinzuzufügen. So etwas hilft nicht beim Handel.

Im Moment ist Cuilyn im Herzen wieder Söldner.

Ganz so einfach ist es aber doch nicht. "Ich denke, Herr Stoerrebrandt bezahlt Euch bereits genau dafür?" fragt die Vertreterin der Fürstlich-Aranischen Handelskompanie eher rhetorisch.

"Sahib Stoerrebrandt bezahlt uns, seine Angelegenheiten zu vertreten. Nicht die von Zorgan oder jemand anders. Wollt ihr, dass der Sahib als einziger Händler demnächst zollfreies Salz verkaufen kann?" antwortet Ayla ruhig und bestimmt.

Die Vertreter der Handelshäuser werfen sich einen Blick zu. Der von Surjeloff antwortet dann mit leichtem Lächeln: "Da wurdet Ihr anscheinend nicht informiert, dass die Abkommen der Handelshäuser untereinander Kannemünde betreffend so etwas nicht erlauben würden."

"Tatsächlich?" fragt Linnas in erstauntem Tonfall. "Ich war mir nicht bewusst, dass da etwas von Zollbefreiung steht."

"Doch, doch, Bruder", nickt die Vertreterin Morellos. "Es würde unter die Regelungen bezüglich Monopolen fallen. Ich bin sicher, das Haus Stoerrebrandt ist sich bewusst, dass so eine Zollbefreiung einen Vertragsbruch nicht wert wäre."

Vielsagend wirft die junge Frau einen Blick auf die anderen Vertreter. 'Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser', scheint er zu sagen. Sie spitzt die Lippen leicht als ob sie unauffällig pfeifen möchte.

"Es war nur eine theoretische Erörterung", beeilt sich Linnas zu versichern. "Wir sitzen hier in Kannemünde doch alle im selben Boot. Aber gerade deswegen wäre es vielleicht durchaus angemessen, wenn die anderen Häuser unsere Agenten auch unterstützen würden."

Beifällig nickt die Adepta.

"Nun ja … wie wollt Ihr den Sultan überhaupt dazu bringen, irgendetwas an seinen Forderungen zu ändern?" fragt der Vertreter Alscheras Ayla interessiert.

Jetzt ist Cuilyn gespannt. Diese tulamidische Magierin ist für ihn ein weitgehend unbeschriebenes Blatt. Er selbst hätte da die eine oder andere Idee, aber erstmal sehen, was Ayla sagt.

Da es immer nur um die Menge der Metallscheiben geht von denen Lauriel immer wieder ausreichend hat, hält sie sich aus dem Gespräch heraus und lehnt sich leicht an Cuilyn an.

Banjew muss sich zunehmend beherrschen, um seine Freude darüber, dass es Ayla tatsächlich geschafft hat, die Front der Handelsherrenvertreter, die ihnen da gegenüber sitzt, zu durchbrechen, nicht allzu deutlich erkennen zu geben. 'Mensch, die hat es wirklich drauf!'

"Oh edler Sahib, Du wirst mir in Deiner großen Weisheit und Erfahrung bestimmt zustimmen, dass ich nicht jedes Geheimnis ausplaudern kann. Ihr als Väter des Handels verschenkt auch keine wertvolle Ware an Eure Kunden. Unser Handelsgut ist unser Wissen." Dabei blickt sie den Vertreter aus großen Augen unschuldig an. Ein Blick halb bittend und halb befehlend, dem sich bisher nur wenige Menschen entziehen konnten.

Der Mann streicht mit Daumen und Zeigefinger seinen schwarzen Schnurrbart glatt. "Hmm. Ihr macht mich neugierig, Adepta." Seine Augen funkeln, und Ayla fühlt sich unwillkürlich an die Geschichten über die waghalsigen Piratenkapitäne Syllas erinnert.

Ein scheinbar schüchterner Blick ist Aylas Antwort. Wenn er spielen will, soll er es versuchen.

Die Aranierin hingegen lacht hell auf. "Nun, allein mit euren schönen Augen werdet Ihr den Sultan kaum überzeugen können, zumal ich bezweifle, dass Euch überhaupt erlaubt werden wird, ihn zu sehen. Aber Ihr erwartet doch nicht im Ernst, dass wir hier die Katze im Sack kaufen?"

"Ähm", mischt sich der Vertreter Waltichs ein. "Gehen wir doch einfach davon aus, dass sich Okharim bei der Auswahl der Damen und Herren schon etwas gedacht haben mag." Er wirft einen Blick in die Runde, und man könnte den Eindruck haben, dass er diesbezüglich Ideen hat - oder auch nicht. "Vielleicht, ähm, sollten wir da nachher untereinander noch einmal darüber reden. Möglicherweise haben sie ja auch noch Fragen, die vorher geklärt werden können?"

"Mich würde interessieren, was die letzten Gerüchte und Informationen aus Unau sind. Bis die Gerüchte nach Khunchom gelangen ist meist viel Wasser den Chaneb heruntergeflossen.

Apropos Chaneb. Ist es richtig, dass er derzeit nicht befahrbar ist? Könnt ihr uns dann eine Alternative empfehlen?"

"Oh, da habt Ihr etwas falsch verstanden", antwortet Linnas. "Der Chaneb ist nie befahrbar. Nach Unau kommt ihr nur mit einer der Kamelkarawanen. Die waren früher auch zahlreicher, aber es gibt immer noch ab und zu welche, die nach Unau aufbrechen. Vielleicht könnt Ihr Euch dort als Söldner oder so verdingen.

Was Nachrichten oder Gerüchte angeht, da herrscht leider große Stille. Durch die Situation kamen in letzter Zeit nur noch wenige Karawanen von Unau her, und die Novadis zeigen sich gegenüber den 'Ungläubigen', wie sie uns nennen, sehr verschlossen. Über den Handel hinaus sagen sie kaum etwas, von der Politik reden sie überhaupt nicht."

"Daraus ergeben sich für mich noch weitere Fragen. Wo findet man die Karawanenführer um sich zu anwerben zu lassen? Gibt es Führer die man den anderen vorziehen sollte? Unsere Gruppe ist ja relativ leicht als Ansammlung von Ungläubigen zu erkennen.

Und wenn wir in Unau sind: gibt es dort einen Ansprechpartner an den wir uns wenden können?" fragt Ayla weiter.

Linnas schüttelt den Kopf. "Wenn wir da schon Leute hätten, müssten wir Euch nicht schicken. Die Karawanen bleiben immer in der Novadisiedlung, bevor sie zurück reisen; ich glaube aber nicht, dass Ihr viel Auswahl haben werdet."

"Im Augenblick ist nur eine Karawane dort", bestätigt die Vertreterin Morellos. "Die vorletzte ist schon wieder abgereist. Wenn Ihr mit dieser irgendwie nicht reisen könnt oder wollt, werdet Ihr einige Tage warten müssen."

"Ihr habt keine vertrauenswürdige Person in Unau?" wundert sich Ayla. "Ihr reist also für jedes Geschäft nach Unau und handelt dann ohne über die Umgebung und den Handelspartner etwas aktuelles zu wissen?"

"Keineswegs", verneint die Aranierin nachsichtig lächelnd. "Wir handeln überhaupt nicht in Unau, sondern mit den Karawanen hier. Würden wir in Unau das Salz direkt erstehen, müssten wir auch eigene Karawanen zum Transport haben … aber weder wollen die Karawanenführer auf ihren Gewinn verzichten, noch würden sich die novadischen Kameltreiber direkt von uns anheuern lassen."

"Das klingt aber eher so als wenn sie es nicht versuchen wollen, da das Leben hier einfacher ist", raunt Lauriel ihrem Freund ins Ohr.

"Damit seid ihr also nicht unbedingt vom Sultan abhängig was den Preis angeht. Sondern von den Karawanenführern? Woher würdet ihr merken, wenn die die Preise über Gebühr anheben würden?"

"Wir sind Händler, schöne Dame", bemerkt der Mann aus Sylla grinsend. "Und die Karawanenführer sind sich da untereinander auch nicht einig … wenn Ihr möchtet, erkläre ich Euch das später gerne noch genauer, aber ich glaube, wir schweifen gerade etwas vom eigentlichen Thema ab."

Ähnliche Gedanken wie Lauriel verfolgt Ayla auch. Sie hätte auf jeden Fall einen Vertrauensmann in Unau postiert.

"O edle Sahiba, verzeiht meinen Trugschluss. Ich erkenne jetzt die Brillanz und Einfachheit dieses Vorgehens." Der Aussage lässt sie eine angedeutete Verbeugung folgen. "Dank Eurer hilfreichen und versierten Antworten werden wir in der Lage sein, den Auftrag des Sahib Stoerrebrandt auszuführen." Wobei diese Antworten sie nicht zufriedenstellen. Entweder sind diese Vertreter wirklich so unfähig oder sie verbergen etwas."

Oder Ayla versteht weniger von Handelsdingen als sie vielleicht glaubte. Das ist ja eigentlich nicht so ihr Metier.

"Die Kunstpause sollte auch den Händlern klar machen, dass es noch einen nicht unwichtigen Punkt zu klären gilt.

Auch Banjew ist nicht zufrieden mit dem Gehörten. Denn eigentlich haben sie nichts erfahren. Wie es die Magierin fertig bringt, das Gegenteil zu behaupten, erstaunt ihn.

"Nun, das ist beruhigend zu hören", meldet sich der Vertreter Waltichs wieder zu Wort. "Vielleicht, ähm, möchtet Ihr Euch dann noch kurz zurückziehen und etwas trinken, während wir bereden, ob wir noch, ähm, etwas weitere Hilfe geben können."

Ayla deutet eine Verbeugung an und wendet sich zur Tür.

Lauriel folgt.

Zusammen mit Cuilyn.

Auch Banjew schließt sich an.

Nach nicht allzu langer Zeit werden die Helden wieder zurück in das Hinterzimmer gebeten. "Nun, ähm", fängt der Vertreter Waltichs umständlich an, "meine, ähm, geschätzten Kollegen und ich sind uns einig, dass eure, hmm, Mission durchaus von einer, ähm, gewissen Wichtigkeit ist und wir das Haus Stoerrebrandt dabei unterstützen sollten. Von daher sind wir bereit, im Falle des Erfolgs jeden von euch mit einer weiteren Prämie von, hmm, 12 Dukaten zu belohnen." Irgendwie vermittelt er den Eindruck, als hätten die anderen ihn dazu zwingen müssen, dabei mitzumachen. "Ich nehme an, Ihr werdet das Geld nicht ablehnen?"

Das Angebot freut Banjew, aber will sich nicht in die Karten schauen lassen. Wer weiß, was Ayla noch in petto hat.

Bei der Nachfrage muss er jedoch unwillkürlich losprusten. Was für eine blöde Frage!

"Oh, Du Sohn der Untertreibung. Eine gewisse Wichtigkeit? Ohne uns wird es in naher Zukunft kein Salz mehr aus den Oasen geben. Oder zu einem Preis gegen den sich Eure Prämie wie ein Tropfen Wasser auf einem heißen Stein ausmacht." echauffiert sich Ayla mit schauspielerischem Talent. "Das, oh ihr Söhne und Töchter der Habgier, ist kein einmaliger Einkauf von Gemüse. Das Haus Stoerrebrandt hat handverlesene Spezialisten auf diese delikate Mission geschickt. Und ihr meint uns mit einem Almosen abspeisen zu können." Aylas braune Augen blitzen dabei scheinbar zornig auf. "Einigen wir uns auf …" - kurz stoppt sie um scheinbar nachzudenken - "25 Dukaten pro Person und ich will die Beleidigung vergessen."

Da steht die zierliche Ayla, die Hände in die Seite gestützt und blickt leicht beleidigt auf die Vertreter.

"Spart Euch das für den Basar", versetzt die Aranierin mit einem herablassenden Lächeln. "Wenn Ihr die Prämie nicht wollt, sagt es einfach; wir wissen doch alle, dass Ihr sowieso bereits verpflichtet seid, Euren Auftrag durchzuführen."

'Alte Zicke' ärgert sich die Adepta kurz. Wobei sie eine solche Reaktion schon kennt.

"Ach, kommt schon, Kollegin. Ich finde sie süß." Ein Goldzahn blitzt auf, als der Vertreter Alscheras grinst. "Verzeiht bitte die Knausrigkeit meiner Mitstreiter, Adepta", wendet er sich an Ayla, "leider haben wir abgemacht, dass alle Häuser gleich viel geben. Aber für Euch ganz persönlich erhöhe ich gerne noch aus meinem Privatvermögen um weitere zweieinhalb Dukaten - Ihr könnt sie natürlich auch mit Euren Kameraden teilen."

"Die Götter seien gepriesen. Gaben Sie Euch nicht nur Schönheit und Reichtum sondern auch Weisheit." Dabei verschenkt sie eines ihrer strahlenden Lächeln an den Händler.

So geht es noch eine kleine Weile weiter, bis man sich schließlich auf 16 Dukaten pro Held einigt.

Lauriel hat sich aus der Feilscherei um die Goldmünzen heraus gehalten. Jetzt wo Cuilyn wieder bei ihr ist, kann sie sich wieder auf ihn im Umgang mit Geld verlassen.

Insgesamt ist Ayla mit den Verhandlungen zufrieden. Wenn diese Aranierin nicht dabei gewesen wäre, wäre vielleicht noch mehr drin gewesen.

Sie wendet sich an Stoerrebrandts Vertreter in Kannemünde. "Ich hätte gerne noch eine Karte der Stadt. Könnt ihr mir so etwas kurzfristig zur Verfügung stellen? Und uns eine gute Übernachtungsmöglichkeit nennen? Heute Abend werden wir keine Karawane mehr finden." Sie blickt dabei fragend die anderen an, ob sich bei ihnen inzwischen noch Fragen ergeben haben.

"Ihr könntet natürlich hier in der Krone übernachten", schlägt Linnas vor. "Oder irgendwo im Schlepperviertel, das wäre billiger. Eine Karte von Kannemünde habe ich nicht. Der Ort ist aber auch nicht so groß, dass man so etwas bräuchte."

Die Wahl des Gasthauses überlässt Ayla den anderen. Die Krone sieht durchaus einladend aus und vielleicht sind sie morgen schon unterwegs gen Unau.

"Ich bin für die Krone", meint Cuilyn.

"Dann möchte ich auch hier bleiben!" Lauriel schmiegt sich an ihren Freund an.

"Ja, sieht doch gut aus", stimmt auch Banjew zu.

In der Krone gibt es Einzelzimmer für 4 Silbertaler und Doppelzimmer für 3 Silbertaler pro Person. Sie sind geräumig, komfortabel und sauber.

Cuilyn nimmt für Lauriel und sich ein Doppelzimmer. 'Wer weiß, wann wir wieder komfortabel schlafen können.'

Lauriel nickt nur freudig.

Ayla blickt von Lauriel über Cuilyn und Ouroborox zu Banjew. Dort verweilt ihr Blick etwas länger bevor sie verkündet: "Ich nehm dann wohl besser ein Einzelzimmer. Ich schnarche nämlich."

Das ist doch mal eine freudige Überraschung! Bisher hat sich noch kein Schnarcher davon abhalten lassen, sein Zimmer mit Banjew zu teilen!

Ayla blickt den Magier mit einem durchdringenden Blick an. "Wie meinen?" reagiert sie mit einem Lächeln auf die kurze Reaktion Banjews.

"Nichts, nichts", wehrt der ab.

Ouroborox schaut zu Banjew: "Dann nehmen wir ein Doppelzimmer."

"Schnarchst Du?" fragt Banjew mit einem undefinierbaren Gesichtsausdruck.

"Nein." ist die kurze Antwort von Ouroborox. "Ich höre nichts, wenn ich schlafe."

"Dann passt das ja wunderbar." Ayla klatscht begeistert in die Hände. Innerlich grinsend fragt sie sich, ob Banjew wohl eine andere Zimmeraufteilung vorschwebte.

"Ja, wunderbar, wie sich das alles fügt", kommentiert Banjew bierernst.

Nachdem die Schlafordnung geklärt ist wendet sich Ayla den angenehmeren Dingen des Lebens zu. "Wie sieht es aus. Ich hätte noch Hunger. Welchem der anwesenden Streiter für Recht und Gerechtigkeit geht es ebenso?" fragt sie schmunzelnd in die Runde.

"Ja, Hunger auch." stimmt Ouroborox zu. "Und vor allem Durst!"

"Solange wir noch etwas trinken können, sollten wir es tun", stimmt ihm Lauriel zu - ihr letztes Wüstenabenteuer ist ihr noch gut in Erinnerung.

"Unbedingt!" stimmt Cuilyn lächelnd zu.

"Gut, wollen wir hier essen oder noch kurz durch die Stadt ziehen?" fragt Ayla weiter.

"Woanders wäre es doch netter, nicht wahr Liebster?" fragt sie Cuilyn.

"Könnte hier die letzte Gelegenheit sein, vertraute Küche zu genießen", wendet der ein.

"Nach dem Essen will ich vermutlich nicht mehr durch die Stadt ziehen", wendet Banjew ein, "also sollten wir das jetzt machen. So groß ist die Stadt doch nicht."

Ayla beobachtet die beiden interessiert. Es ist immer gut zu wissen, wie eine Gruppe funktioniert.

"Ja, aber vielleicht auch eine gute Gelegenheit sich auf das Kommende einzustellen", erwidert Lauriel, der es eigentlich egal ist, was und wo sie essen - solange sie bei ihrem Freund ist.

"Und?" fragt Ayla nochmals nach. "Gehen wir jetzt noch ein wenig die Stadt erkunden?"

"Ja, los", legt Banjew fest und macht sich auf den Weg nach draußen in der Hoffnung, dass die anderen folgen werden.

"Lass uns sehen, was die Stadt zu bieten hat." stimmt Ouroborox zu.

"Macht nur!" sagt Cuilyn leichthin. "Lauriel und ich haben einiges nachzuholen."

"Ach komm, Liebster!" gurrt die Elfe. "Ihr Menschen habt doch das Sprichwort: 'Liebe geht durch den Magen'."

Cuilyn geht auf das Spiel ein. "Dann los, ich folge Dir!"

Cuilyn bekommt einen Schmatz auf die Wange und Lauriel hakt sich zum Stadtrundgang bei ihm ein.

Mit beruflichem Interesse betrachtet Ayla die beiden. Es gibt doch immer noch was zu lernen.

Direkt vor der Krone ist der Marktplatz, um den sich die Kontore der großen Handelshäuser gruppieren. Die Händler auf dem Markt sind bereits teilweise dabei, ihre Waren wieder einzupacken.

Ouroborox schaut sich die verbliebenen Auslagen an. Sollte er etwas besonderes entdecken fragt er nach. Eventuell schnappt er einen Hinweis auf, ob und wo es hier eine Gaststätte mit Zwergen gibt.

Zwerge scheint es in Kannemünde überhaupt nicht zu geben. Tatsächlich sind die Händler mehr oder weniger deutlich erstaunt, ihn zu sehen.

An einem Stand fragt ihn ein Händler, ob er nicht von der köstlichen Milch des Bidenhöckers probieren will.

"Ist das für eine Wundheilung hilfreich?" befragt Ouroborox den Händler.

"Selbstverständlich, Effendi", behauptet der Händler nach kaum merklicher Pause. "Die Milch ist äußerst gesund."

"Und wie wendet man die an?" befragt Ouroborox den Händler. "Muss man warten bis die Milch dick geworden ist und dann auftragen?"

"Nein, Kamelmilch ist gesund für die innere Anwendung. Sprich man kann sie trinken. Sie fördert auch nicht die Heilung sondern ist einfach nur gesund." flüstert Ayla dem Zwerg leise zu. "Und sie schmeckt gut."

"Wie? Aber nein, Effendi, Ihr müsst sie einfach nur trinken", bestätigt der Händler.

Entsetzt schaut Ouroborox zum Händler. "Du möchtest mich sterben sehen! Milch kann man nicht trinken!"

"Äh …" Damit hat er den Händler jetzt wirklich überrascht. "Doch, natürlich kann man sie trinken, Effendi."

"Zwerge vertragen nur Ferdoker." erklärt Ouroborox. "In der Not geht auch Wasser. Aber Milch? Daran stirbt man."

Bei diesen Worten schmunzelt Ayla.

"Oh weh!" Der Händler wirft die Hände in die Höhe. "Bei Rastullah, so seid ihr Zwerge ein armes Volk, das auf den Genuss der herrlichen Kamelstutenmilch verzichten muss. Vertragt ihr dann auch keinen Käse? Ich habe hier einen wundervollen Weichkäse, hergestellt aus der besten Kamel- und Ziegenmilch. Riecht das Aroma!"

Dieser Schwenk weckt das Interesse Banjews. Interessiert wendet er sich dem Käse zu und versucht das Aroma zu beurteilen. Er will schon nach einer Geschmacksprobe verlangen, da kommt ihm Ayla zuvor. Und die ist da sicherlich erfolgreicher.

In diesem Fall scheinbar nicht. Was an ihrer forschen Art liegen mag oder daran, dass der Händler den Zwerg als aussichtsreicheres Opfer ansieht.

Gerne kommt sie dem Angebot nach. Der Besuch eines Marktes mit all seinen Facetten ist immer wieder faszinierend. Mal sehen ob es hier auch schon Haimamuds gibt.

"Herrlich riecht der Käse, aber ob der Geschmack diese Versprechung halten kann?" lockt sie den Händler.

Der Händler ignoriert sie. Er schaut sie nicht einmal an.

Als Banjew das bemerkt, ist er erst einen Moment irritiert, dann wartet er auf eine Reaktion des Zwerges.

Auf das Ansinnen des Händlers macht Ouroborox einen Schritt zurück und dreht sich zu den Anderen um: "Möchte jemand von euch?"

Lauriel zieht Cuilyn am Arm und flüstert ihm ins Ort: "Probier mal!"

Gut erzogen, wie er ist, probiert Cuilyn.

"Hmmmm!" Cuilyn kaut langsam. "Gewöhnungsbedürftig, aber nicht übel!" lobt er.

"Hier ist jedes Essen - zumindest für mich - gewöhnungsbedürftig, Liebster!" meint Lauriel lächelnd. "Aber Du gewöhnst Dich schnell daran."

"Das ist auch besser so!" stimmt Cuilyn zu.

Ayla hält sich zurück. Sie hat den Käse gerochen.

"Ja, gerne", meldet sich Banjew zu Wort. "Dürfte ich vielleicht ein kleines Stück probieren?" fragt er den Händler.

"Natürlich, Effendi." Der Händler schneidet ihm ein Stückchen ab. Der Käse ist würzig und für einen Weichkäse noch recht fest. "Lasst ihn noch ein paar Tage stehen, dann wird er noch weicher und das Aroma noch stärker", rät der Händler.

"Er meint damit, dass er furchtbar stinkt!" flüstert die Elfe ihrem Freund kichernd ins Ohr.

Banjew versucht sich den Anstrich eines professionellen Käsekosters zu geben, obwohl er im wesentlichen nur auf die Erfahrungen in Gareth zurückgreifen kann. "Ja, nicht uninteressant", gibt er nach ausgiebiger Prüfung bekannt. "Habe ich richtig verstanden, dass der Käse aus verschiedenen Milchsorten hergestellt wird?"

"So ist es, Effendi. Ziegen- und Kamelmilch in einer perfekten Mischung. Und nur drei Heller für einen Käse von acht Unzen!"

"Das ist ein …" Gerade noch kann sich Banjew entsinnen, in welcher Kultur sie hier sind. "… wenig übertrieben. Ihr wollt mich wohl ruinieren! Mehr als ein ganzer Heller kann auch solch ein Käse nicht wert sein!"

Nach etwas Feilscherei einigt man sich in der Mitte bei zwei Hellern.

Ayla betrachtet die Szene mit Wohlwollen. Scheinbar war ihre Vorarbeit ja zu etwas nütze.

Banjew erkundigt sich noch danach, wie lange der Käse wohl sein bestes Aroma entfaltet, und wahrt sein Pokerface, solange sie noch in der Hör- und Sichtweite des Standes sind.

"Je länger ihr ihn aufbewahrt, desto weicher und aromatischer wird er", erklärt der Händler. "Aber irgendwann ist selbst dieses Guten zu viel. Verspeist ihn also am besten dann, wenn er Euch am besten mundet."

Danach überrascht er die Gefährten mit einer geradezu kindlichen Begeisterung über den Kauf.

Grinsend knufft Ayla ihn in die Seite. "Es geht doch!" meint sie leicht prustend.

Banjew ist so begeistert vom erfolgreichen Geschäft und dem herrlichen Käse, den er da erstanden hat, dass er sich einfach keine Gedanken macht, wie er das Verhalten von Ayla einsortieren soll. Er freut sich weiter, auch über jeden der sich mitfreut.

Nach dem Erfolg auf dem Basar sieht sich Ayla nach einer kleinen Gaststätte mit typischem tulamidischem Essen um. Sie will die männlichen Teilnehmer der Gruppe so auf die kommenden Tage vorbereiten. Lauriel sollte aufgrund des längeren Aufenthalts in Khunchom damit bekannt sein.

"Vom Käse alleine können wir nicht leben. Wie sieht es aus? Ein wenig tulamidische Küche in Vorbereitung auf die kommenden Tage?"

Lauriel nickt begeistert und zieht Cuilyn hinter sich her. "Es gibt sooo viele leckere Sachen! Und auch ganz scharf!"

Die Vorstellung ist für Cuilyn nicht so angenehm. Ganz scharf ist überhaupt nicht sein Ding. Deswegen sagt er lieber gar nichts.

"Dann sind ja nur noch zwei zu überzeugen. Gevatter Ouroborox, wie sieht es mit Euch aus? Seid ihr mutig genug für ein kulinarisches Abenteuer? Danach könnt ihr mir bei einem Krug Ferdoker gerne erklären, warum die Angroschim von Milch sterben." dabei lächelt sie den Zwerg offen an.

"Gevatter, seh ich schon so alt aus?" grummelt Ourobrox leise. "Ja Essen könnte ich schon vertragen. Und was das Ferdoker angeht, da wird ein Krug kaum reichen, das befeuchtet gerade den Gaumen."

"Nun werter Herr Ouroborox, Euer wunderbarer und einem gestandenen Zwerg ziemlicher Bart gestattet es mir nicht, Euer faltenfreies und jugendliches Antlitz zu erblicken. Und ob der Pracht und Länge dieses Bartes schloss ich auf einen erfahrenen und damit für uns kurzlebigen Menschen auch reiferen Mann. Sollte ich darin irren bitte ich um Verzeihung." geht Ayla auf das Grummeln ein. Ihr Gesicht zeigt so etwas wie Zerknirschung.

"Und natürlich kann ein Krug zunächst nur leicht die Zunge anfeuchten. Doch Euer 8. Krug soll dann derjenige sein bei dem wir uns über die Gefahren der Milch für das Leben eines Angroschim unterhalten."

"Und ihr werter Collega, reicht Euch der Käse oder darf es auch noch ein wenig mehr sein? Es gibt viel Neues zu erfahren und vielleicht könnt ihr auch mit dem Wirt ein wenig das Handeln üben." wendet sie sich danach an Banjew.

"Der Käse ist ein guter Anfang", antwortet ein gut gelaunter Banjew, "aber wo der herkommt, ist bestimmt noch mehr Interessantes zu finden. Ich bin gespannt."

Wenn Ayla jemanden fragt, findet sie rasch heraus, dass man tulamidisches oder besser gesagt novadisches Essen eigentlich nur in der Novadisiedlung bekommt.

Da sie sich nicht so auskennt fragt sie auch gleich nach wo die Siedlung liegt. Dort soll ja auch der Treffpunkt für die Karawanen liegen.

Die Novadisiedlung ist im Westen der Stadt.

Ayla wendet sich zum Novadiviertel. Dort sucht sie nach einem gemütlich aussehenden Gasthaus und schlägt es als Haltepunkt vor.

Lauriel folgt ihr mit Cuilyn händchenhaltend.

Das Gasthaus sieht nicht nur gemütlich aus, sondern ist auch gemütlich eingerichtet - jedenfalls für Novadis. Es gibt keine Theke und keine Stühle, sondern einige große, sehr niedrige Tische, um die herum viele Sitzmatten und Kissen drapiert sind. An den Wänden hängen Teppiche, die abstrakte geometrische Muster zeigen. Auf einer kleinen Bühne im Hintergrund spielen zwei Musiker auf Bandurria und Flöte. In der Nähe der Eingangstür steht ein Regal für die Schuhe der Gäste.

Banjew staunt und saugt die Atmosphäre in sich auf.

Zwei Tische sind bereits von Gruppen gut gekleideter Novadis (ausschließlich Männer) belegt, die restlichen noch frei. Der Wirt, ein untersetzter Novadi mit stattlichem Bart, begrüßt die Helden mit einer Verbeugung und einem "Rastullah Al Eikum" und geleitet sie zu einem der freien Tische. Ein halbwüchsiger Knabe serviert stark gesüßten Tee in kleinen Tassen, während der Wirt nach den Wünschen für das Essen fragt. Angesichts der Zusammensetzung der Gruppe verwendet er dabei Garethi, das er akzentuiert, aber flüssig beherrscht.

Lauriel grüßt auf Tulamydia zurück, hält sich dann aber zurück. Ihre Zeit in Khunchom hat ihr gezeigt, dass hier besser die Männer reden sollten.

Ayla stellt flink ihre Pantoffeln auf dem Regal ab und folgt dem Wirt. Sie setzt sich im Schneidersitz auf die Matte.

Banjew orientiert sich an ihrem Verhalten.

Beim Essen fragt sie nach: "Oh Meister der Gastlichkeit, eine Augenweide ist Dein Palast. Deine dienstbaren Geister sind schnell und zuvorkommend, Dein Tee stärkt Körper und Geist. Sag, Herr der Köstlichkeiten, hast Du ein wenig tulamidisches Pilaw vom Huhn mit Apfelstückchen für eine hungrige Reisende? Und vielleicht ein wenig des köstlichen Yoghurts mit einigen Datteln und Stücken der Melone? Oder empfiehlst Du uns andere Gaumengenüsse?

Dazu nehme ich auf jeden Fall etwas Wasser, um meine Zunge nicht um die Genüsse Deiner Küche zu bringen."

Er wartet erst ab, wie sich das Gespräch weiter entwickelt, ist sich aber schon sicher, sich auch bei der Speisen- und Getränkeauswahl nach Ayla zu richten.

Erneut verbeugt sich der Wirt. "Selbstverständlich haben wir Yoghurt und Früchte, o Tochter der Tulamiden. Unser Pilaw könnt Ihr mit Hühner- oder Hammelfleisch bekommen. Zu meinem Bedauern kann ich keine Apfelstücke anbieten, jedoch enthält es Rosinen und - bei aller Bescheidenheit kann ich sagen, das gibt es nirgendwo sonst auf ganz Dere - hier ist unsere Spezialität, auch bornländische Kartoffeln mitzugaren. Wenn Ihr es einmal probiert habt, wird Euch in jedem anderen Pilaw etwas fehlen. Des weiteren kann ich die besten Falafel Kannemündes anbieten, und köstliches Zuckergebäck für den kleinen Hunger oder den Nachtisch."

"Falafel sind etwas ganz leckeres!" raunt Lauriel Cuilyn zu, die sich ebenfalls zu den anderen gesetzt hat. "Und diese Gebäcke, die sind so herrlich! Die musst Du auch probieren, Liebster!"

"Nun denn, bornländische Kartoffeln dürften meinen Gefährten bekannt sein. Für mich sind sie etwas Neues. Also probiere ich das Pilaw einmal so." antwortet sie dem Wirt. Kurz denkt sie nach und leckt sich unbewusst über die Lippen "Mmmh, Zuckergebäck ist immer gut. Ein kleines Schälchen bitte. Und etwas Yoghurt." bestellt sie schließlich.

"Sehr gerne", bestätigt der Wirt. Erwartungsvoll richtet er den Blick auf die anderen.

"Mir bitte dasselbe wie der Dame, deren geschmackssicherer Auswahl ich voll und ganz vertraue", versucht sich Banjew an dem ausufernden Stil, der hier offenbar gang und gäbe ist.

"Sehr wohl", nimmt der Wirt die Bestellung entgegen.

Ein strahlendes Lächeln und eine angedeutete Verbeugung sind der Dank für das Kompliment.

Banjew freut sich, dass er offenbar den richtigen Ton getroffen hat, lässt sich aber nichts weiter anmerken.

Dann schweift Aylas Blick durch den Raum und sucht nach Gelegenheiten, auf novadische Besonderheiten hinweisen zu können.

Sei es eine Partie Weiße und rote Kamele oder auch einige Wasserpfeife rauchende Novadis. Auch blickt sie in Richtung der Musiker, ob dort eine Fläche für eine Tanzvorführung vorgesehen ist.

Tatsächlich sieht die kleine Bühne so aus, als wäre sie für so etwas geeignet. Für Wasserpfeifen oder Brettspiel ist es vielleicht einfach noch zu früh, die anderen Besucher sind noch beim Essen.

"Vielleicht sehen wir heute eine der tulamidischen Spezialitäten. Den Tanz einer schönen Sharisad. Gute Tänzerinnen sind bei uns hoch angesehen. Und auch die wenigen Tänzer, die dies professionell machen. Ich durfte einmal einen solchen Säbeltanz erleben. Einfach wunderbar." erzählt Ayla leise den anderen.

"Ich habe in Khunchom ein wenig auf der Banduria geübt", erklärt Lauriel. "Ein schönes und wohl klingendes Instrument."

"Dann sollten wir uns einmal zusammentun. Ich tanze gerne und auch ganz annehmbar." meint Ayla erfreut.

"Wollen wir hier und jetzt?" der Schalk blitzt in Lauriel in den Augen.

"Warten wir bis nach dem Essen. Es wäre doch schade, wenn das gute Essen kalt wird. Und das nur weil die Herren den Mund nicht mehr zubekommen." antwortet Ayla schelmisch.

Lauriel kichert und nickt. "Das wird bestimmt ein Spaß!" flüstert sie Cuilyn ins Ohr.

Da Cuilyn sich mit der Bestellung zurückhält, bestellt sie für sich und ihren Freund zweimal Falafel und Gebäck sowie Wasser.

Da Ouroborox die Namen der Gerichte nicht kennt bestellt er mit Umschreibungen: "Ich hätte gern eine Spezialität mit Fleisch, eine ohne Fleisch und ein normales Essen. Dazu ausreichend Ferdoker."

Der Wirt versucht gar nicht erst, sein Erstaunen zu verbergen. "Verzeiht, Effendi, habe ich Euch recht verstanden? Ihr wünscht drei ganze Mahlzeiten? Und was meint Ihr mit Ferdoker?"

"Sehe ich so aus wie ein Vielfraß?" entrüstet sich Ouroborox. "Bringt mir nur jeweils ein Drittel einer Portion. Das dritte Essen sollte von normalen Leuten, wie ich, gewöhnlich verspeist werden. Und was das Ferdoker angeht, da habt ihr wahrscheinlich das köstlichste Labsal auf ganz Dere noch nicht probiert. Wenn ihr keins habt, dann bringt mir … kühles Wasser."

Nachdem der Wirt schon kein Ferdoker kennt, fragt er erst gar nicht nach einem Brand.

"Wie Ihr wünscht, Effendi." Ouroborox kann leicht erkennen, dass es hier nicht üblich ist, drei Drittel-Mahlzeiten zu bestellen, und dass der Wirt ihn nicht für einen Teil der "normalen Leute" hält.

"Was schaut Ihr so?" fragt Ouroborox. "Schafft Ihr es nicht auch kleinere Portionen zu reichen?"

"Doch, selbstverständlich, Effendi." Da nun alle bestellt haben, zieht sich der Wirt zurück. Der Junge bringt bald darauf das Wasser.

Bald darauf wird das Essen aufgetischt. Der Pilaw kommt direkt im Tongefäß, in dem er gekocht wurde, die Falafel sind auf Tellern angerichtet. Ouroborox bekommt seine drei Gerichte auf einem Teller; das 'normale' Essen besteht aus Couscous mit Linsen und Kichererbsen. Zu allem wird Fladenbrot gereicht.

Die Speisen sind fehlerlos zubereitet und gut gewürzt.

Lauriel beobachtet ihre Gefährten dabei wie sie mit den exotischen Gewürzen und Geschmäckern zurecht kommen.

Cuilyn isst nach Devise: Hauptsache es macht satt.

Banjew ist trotz erwartungsvoller Neugierde zunächst vom exotischen Geschmack der Gewürze überrascht, findet diese Erfahrung aber interessant und spannend. Nach einiger Eingewöhnungszeit genießt er das Essen.

Ouroborox schaut zuerst wie seine Gefährten und die anderen Gäste essen. Vorsichtig probiert er das 'normale' Essen. Dann versucht er die anderen zwei Essen auf seinem Teller. Nach und nach wird sein Teller leerer, bis er mit dem Brot den Teller sauber gewischt hat.

Ayla genießt das Essen. Dabei schaut sie sich noch etwas im Raum um. Nach dem Essen wird sie sich speziell bei Banjew erkundigen, wie es ihm geschmeckt hat.

Der ist regelrecht begeistert von dem Essen. Es wird deutlich, dass er kulinarischen Abenteuern und ungewohnten Geschmacksrichtungen alles andere als abgeneigt ist.

"Dann wird diese Reise Dir noch viel zu bieten haben." meint sie erfreut.

"Das will ich doch hoffen", antwortet ein vergnügter Banjew.

"Kor-Damom" berichtigt Ayla den Magier und ihre unklare Aussprache. "Ein Gewürz, das wir häufig für Kuchen oder Wein nutzen. Das was Du da ansprichst möchte ich nicht in meinem Tee haben." Dabei verzieht sie das Gesicht zu einer kleinen Schnute.

"Oh, das habe ich wohl falsch verstanden", entschuldigt sich Banjew, dem es in seiner aktuellen Verfassung schwer fällt, ein zerknirschtes Gesicht zu machen. "Ich dachte, der Name wäre eine Anspielung auf die Geschmack oder Wirkung des Gewürzes. Solche Namensgebungen gibt es im Norden häufiger."

"Pupps-Pfeffer und Spei-Salz", flüstert Lauriel kichernd Cuilyn ins Ohr.

Ein Grinsen zeigt ihm, dass auch hier nicht alles so heiß gegessen wird wie es gekocht wird. "Und bei Kor-Damom sollte man vorsichtig sein. Es hat zwar nichts mit Dämonen zu tun, aber wenn ein Stück Fleisch sehr stark nach Kor-Damom schmeckt, dann ist meist schon sehr alt. Und das Gewürz soll den "alten" Geschmack überdecken. Also aufgepasst bei dem Geschmack. Sonst haben wir mit Difar doch noch einen Dämonen dabei."

"Ein Grund mehr, diesen Geschmack möglichst bald kennenzulernen", ist Banjew überzeugt.

Mit Ende des Essens blickt sie erwartungsvoll zu Lauriel. 'Wollen wir?' scheint ihr Blick zu fragen.

Lauriel nickt fröhlich und erhebt sich, nachdem sie Cuilyn einen Kuss gegeben hat. "Adepta, fragst Du den Wirt?"

In diesem Augenblick tritt der Wirt heran und lenkt das Gespräch von diesem Thema ab. "Wenn der Tee da ist, Magistra." meint Ayla nach der Bestellung.

Lauriel nickt, in Khunchom hat sie sich die förmliche Anrede zwischen Schüler und Lehrer angewöhnt.

Eben da tischt der Wirt den Joghurt und die Süßspeisen auf. "Haben die Herrschaften sonst noch einen Wunsch?" fragt er. "Darf ich noch Tee bringen?"

"Tee wäre wunderbar." meint Ayla vergnügt. "Meinen wenn möglich mit einem Hauch Kor-Damon." Zu den anderen gewandt fügt sie hinzu: "Ist nicht unbedingt jedermanns Geschmack."

"Da ich nicht jedermann bin, hätte ich meinen Gerne auch mit diesem Gor-Dämon", gibt sich Banjew abenteuerlustig.

"Tee und eine Bandurina!" bestellt Lauriel.

"Eine Bandurria?" fragt der Wirt verwundert. "Behagt Euch die Musik nicht? Dann werde ich den Spieler her schicken."

"Aber nicht doch. Die Musik ist wunderbar, aber die Edle Djinni möchte etwas von ihrem zauberhaften Gesang als Dank für diese herausragenden Speisen erklingen lassen. Und ich würde, Eure Zustimmung vorausgesetzt, dazu ein wenig Tanzen wollen." beeilt sich Ayla die Situation zu beruhigen.

Lauriel nickt bestätigend.

"Ah, ich verstehe, meine Dame." Der Wirt wirkt etwas verlegen. "Wie könnte ich etwas dagegen einzuwenden haben, das einmalige Erlebnis zu bekommen, eine Dschinni singen zu hören? Was das Tanzen angeht, nun ja, tatsächlich habe ich bereits eine Sharisad bestellt, die nachher auftreten soll. Mit Eurem Tanz würdet Ihr sie sicherlich so blass aussehen lassen, dass ich um das Selbstverständnis des armen Mädchens fürchten müsste."

Aylas Mundwinkel zucken kurz nach unten. Dann hat sie sich wieder im Griff. "Aber natürlich. Ich möchte nicht, dass das arme Ding um Lohn und Brot gebracht wird."

"Nun, wackerer Emir der Herberge", entgegnet Lauriel mit zornig funkelnden Augen. Das Lächeln, das noch vor wenigen Wimpernschlägen ihr Gesicht erstrahlen ließ, ist verschwunden. "Wenn Ihr nicht wollt, dass meine Freundin uns und die anderen durch ihren anmutigen Tanz verzaubert, dann musst Ihr notgedrungen auch auf den Gesang der Djinni verzichten."

Dann blickt sie wie abwesend auf ihre Fingernägel und fährt leise zischend fort: "Und Euer Bakschisch wird wohl auch nur eine Fata Morgana sein."

Die Augen des Wirts werden groß. "Aber edle Dschinni, ihr missversteht mich vollkommen!" protestiert er. "Ich habe überhaupt nichts gegen einen Tanz der Dame einzuwenden. Ich wollte nur darauf hinweisen, dass, nun ja, manche Tänzerinnen es nicht mögen, wenn am gleichen Abend noch eine andere Frau auftritt. Aber es ist natürlich Eure Entscheidung."

Ayla ist sehr erstaunt über das Temperament der Elfe. Davon hat sie an der Akademie noch nicht gehört. Dankbar lächelt sie die Elfe an. Im Grunde ist ihr die folgende Sharisad egal. Soll sie doch keifen oder es besser machen. "Gibst Du Melodie und Takt vor?" fragt sie die Elfe. "Etwas mit Feuer." meint sie zwinkernd.

Lauriel nickt und nimmt die Bandurina in die Hände. Erst vorsichtig dann kräftiger lässt sie ihre Finger über die Saiten und Bünde gleiten, um ein Gespür für das Instrument zu bekommen.

Nach einigen kurzen Melodiefragmenten nickt sie Ayla zu und beginnt eine langsame Melodie zu spielen und leise dazu zu singen.

Nachdem Ayla sich an den Rhythmus gewönnt hat, wird sie langsam immer schneller und ihr Gesang wird lauter und drängender.

Ouroborox, der Lauriels Musik- und Gesangskünste kennt, wenn gleich er schon lang kein Stück von ihr gehört hat, lehnt sich zurück, entspannt sich und geniest die Darbietung.

Cuilyn tut es ihm gleich.

Ayla geht auf die Tanzfläche. Bei den ersten Akkorden wiegt sie langsam den schlanken Körper. Als sie das Signal der Elfe bemerkt, steigert auch sie das Tempo ihrer Bewegungen im Rhythmus der Musik. Noch ist sie mehr mit dem Kopf bei diesem Tanz. Sie flirtet mit ihrem Publikum, versucht sie in die Darstellung einzubinden. Doch je mehr Lauriel das Tempo und die Intensität der Musik steigert, desto mehr gewinnt ihr Körper die Kontrolle. Aus der kontrollierten Tänzerin wird ein junges Mädchen. Ein Mädchen, das voller Enthusiasmus über die Tanzfläche schwebt. Selbstvergessen gleitet sie dahin, springt hier und dreht sich dort. Ihr Tempo steigert sich mit der Musik bis zum abrupten Finale.

Erschöpft und ein wenig desorientiert begibt sich Ayla zu Lauriel, um dieser mit einer angedeuteten Verbeugung zu danken. "Danke." Mehr bekommt sie zunächst nicht heraus.

'Erst der Käse, dann das Essen hier und jetzt noch diese Musik und der Tanz - was soll da denn noch kommen?' fragt sich Banjew innerlich, während er die Darbietung genießt.

Lauriel lächelt. "Das war sehr gut, nächstes mal benutzen wir ein wenig Mandra und die fressen uns aus der Hand!"

"Du warst toll!" flüstert Cuilyn Lauriel zu.

Die Halbfirnelfenmagierin strahlt ihren Freund stumm an.

"Das können wir machen. Aber bei den Novadis nur dann, wenn unser Leben davon abhängt. Sie sind meist etwas missgestimmt bei Zauberei." antwortet Ayla leise. Sie hatte kurz darüber nachgedacht, es aber dann verworfen.

"Ihr Kurzlebigen müsst viel mehr Gefühl für Mandra entwickeln", meint Lauriel nachdenklich, "dann ist es viel einfacher. Aber ich habe es in Khunchom erlebt, dass ihr nicht loslassen wollt oder könnt. Ihr braucht immer eure Bücher - nicht das ich sie nicht schätzen gelernt habe …"

"Vielleicht dauert es einfach zu lange für uns ein Gefühl für die Zauber zu bekommen. Im Endeffekt sind wir begabte Kinder denen niemand die Zeit gibt etwas richtig zu lernen." philosophiert die Adepta während die Elfe das Instrument niederlegt.

"Und ich bin alt und habe das Leben nie kennen gelernt …" Die Elfe spricht eher zu sich als zu Ayla.

Das Gesicht der Adepta zeigt ein großes Fragezeichen.

"Ach nichts …" Lauriel winkt ab.

Ayla zuckt kurz mit den Schultern und setzt sich dann zu den Gefährten.

Die anderen Gäste haben interessiert zugesehen und -gehört. Jetzt klatschen sie höflich, wenn auch nicht enthusiastisch Beifall. Der Wirt allerdings ist voller Lob und überbietet sich geradezu mit blumigen Komplimenten.

Ayla ist in diesem Fall nicht enttäuscht. Sie hat sich gehen lassen und der Tanz war eher für sie selbst. Und zumindest Lauriel scheint auch ihren Spaß gehabt zu haben.

Jetzt ist sie erschöpft aber neugierig auf die Konkurrenz. Vielleicht kann sie sich noch etwas abschauen.

Auch Lauriel legt die Bandurina beiseite und wartet gespannt auf die angepriesene Tänzerin.

Es dauert noch ein bisschen, bis der Wirt diese dann ankündigt. Vielleicht wollte er sie auch einfach nicht direkt nach Ayla auftreten lassen. Dann stimmen die Musiker eine leise, verführerische Musik an und eine schlanke, tief verschleierte Novadi scheint geradezu auf die Bühne zu schweben. Der folgende Tanz hat schon eine andere Qualität als bei Ayla, wenngleich sie sich sicher ist, dass die wahren Zaubertänze der Sharisad noch einmal etwas ganz anderes sind. Während die Musik zwischen schnellen, aufpeitschenden und langsamen, spannungsgeladenen Passagen wechselt, fallen nach und nach die Schleier und enthüllen eine junge, hübsche Novadi mit langem tiefschwarzem Haar, das bei den Drehungen um ihren Körper wirbelt und bei den langsameren Bewegungen ihre Figur umschmeichelt. Der Tanz endet mit einem letzten Crescendo und einer herausfordernden Pose, dann verschwindet sie so schnell, wie sie gekommen ist.

"Nicht schlecht, aber wir waren besser!" raunt Lauriel Ayla mit einem Augenzwinkern zu.

"Was die Musik angeht hast Du recht. Aber der Tanz war etwas anderes. Wobei ich ja auch keine Schleier hatte." antwortet Ayla grinsend. "Mir hat er gefallen. Die Frau versteht etwas von ihrer Aufgabe." gibt sie schließlich ehrlich zu.

Banjew ist fasziniert, dass der Abend noch immer besser wird. 'Oh Augenblick, verweile doch du bist so schön!' Nur kurz ist er irritiert darüber, wo dieser Gedanke wohl herkam, zu sehr ist er im Hier und Jetzt gefangen.

Der Tanz hat Ayla doch etwas erschöpft. So fragt sie nach einer kurzen Zeit, ob noch jemand mitkommt in die Krone.

Banjew guckt in die Runde, was die anderen denken. Er ist in guter Stimmung, so dass es ihm egal ist, wohin sie gehen. Wenn die anderen mit Ayla gehen, geht er auch mit, wenn die anderen noch was anderes machen wollen, schließt er sich dort an.

Lauriel schaut ihren Freund an. Sie will nur bei ihm bleiben, ob hier, in der Krone oder woanders.

"Gut, gehen wir zur Krone", sagt Cuilyn. Er steht auf. "Wollen wir?"

Lauriel nickt und hakt sich wieder bei ihm unter.

Ayla wartet auf den Gastwirt und erkundigt sich: "Hab Dank o Herr dieses gastlichen Hauses für die freundliche Aufnahme. Was sind wir Dir schuldig für Speise und Trank?"

"Frag ihn lieber, was er uns für den Auftritt zahlt!" raunt Lauriel Ayla ins Ohr.

Der Wirt rechnet kurz zusammen. "Insgesamt sind das sieben Groschen und acht Deut, edle Dame", antwortet er dann. "Wir nehmen aber auch gerne die Münzen des Kalifats."

Rasch rechnet Ayla um und gibt dem Gastwirt 4 Zechinen. "Habt Dank für Eure Gastfreundschaft."

"Seid vielmals bedankt, o Schwester der Großzügigkeit", verneigt sich der Wirt. "Ich hoffe, Ihr und Eure Freunde erweisen uns bald wieder die Ehre."

Ayla nickt stumm.

In der Krone hat sich die Gaststube inzwischen deutlich geleert. An einem Tisch ist noch eine Boltan-Runde zu Gange, und an einem anderen Tisch spielt die Vertreterin der fürstlich-aranischen Handelskompanie mit dem Vertreter des Handelshauses Alschera eine Partie Rote und Weiße Kamele.

Boltan war nie ihr Spiel, aber die Kamele haben es ihr schon immer angetan. Hesinde ist ihr einfach näher als Phex.

Leise wendet sie sich an die Anwesenden: "Das ist das Spiel nach dem ich eben schon gesucht habe. Es ist ein Volkssport hier. Ein Mann mag vieles hergeben, seine roten und weißen Kamele aber nicht. Kennt ihr es?"

Lauriel nickt. In Khunchom konnte sie schon viele Akademieangehörige beim Spielen beobachten, allerdings hat sie nie ihren Spaß daran gefunden.

"Nur dem Namen nach", antwortet Banjew. "Kann man es durch Zusehen lernen, oder muss es einem erklärt werden?" fragt er neugierig nach.

"Eine kurze Einweisung wird Euch helfen, das Prinzip des Spiels zu erkennen. Und ab da könnt ihr durch Beobachtung der beiden Parteien viel lernen. Grundsätzlich handelt es sich hierbei um die Simulation einer Handelskarawane. Wie ihr seht stellt der Teppich auf dem die beiden spielen verschiedene Oasen dar. Es geht darum möglichst wertvolle Fracht mit den weißen Kamelen in eine andere Oase zu bringen. Dabei muss man aber vor den roten Kamelen des Gegners aufpassen. Die können eine Karawane überfallen und weiße Kamele entführen. Mit den Quarzpyramiden dort wird gewürfelt und die Anzahl der Schritte bestimmt, die in dieser Runde möglich sind. Doch lasst uns ein wenig zuschauen, dann kann ich mehr über den aktuellen Stand erzählen."

Interessiert und aufmerksam hört Banjew zu, während er auf das Spiel blickt und die Einweisung auf das Gesehene anzuwenden versucht.

Cuilyn schüttelt den Kopf. "Glücksspiel ist nicht so mein Ding", erklärt er.

"Boltan ist ein Spiel für Phex. Die Kamele sind dagegen ein Spiel der Hesinde. Hier kommt es auf Strategie und Nachdenken an." erläutert Ayla.

"Oho!" entfährt es Cuilyn. "Das klingt interessant, wie Kriegskunst."

"Kriegskunst ist Strategie und Taktik, wenn ich in den kurzen Lehrstunden an der Akademie richtig zugehört habe." sie blickt Cuilyn fragend an. "Hier haben wir beides. Beide Spieler haben eine Strategie, wie sie ihre Truppen, die Kamele, einsetzen wollen. Doch die kurzfristige Taktik wird durch die Quarzpyramiden bestimmt, die entscheiden, ob der Gegner besiegt werden kann oder man sich heimlich an den gegnerischen Truppen vorbei schleichen kann." erläutert Ayla leise.

Cuilyn hört aufmerksam zu und versucht, die Spielzüge der Spieler nachzuvollziehen.

Interessiert geht Ouroborox zu dem Tisch mit den beiden Vertretern der Handelshäuser.

Der Mann aus Sylla blickt auf, als sich Ouroborox nähert, und grinst. "Ah, unsere mutigen Leute! Hattet Ihr einen schönen Abend?" Auf seine Worte hin dreht sich auch die Aranierin um und nickt den Helden zu.

"Ja." antwortet Ouroborox knapp. "Kann ich bei eurem Spiel zuschauen?"

"Wie Ihr möchtet", stimmt die Aranierin zu.

Wenn die Zustimmung erfolgt, setzt er sich an den Tisch und verfolgt das Spiel.

"Man begegnet selten einem Zwerg, der sich auf das Kamelspiel versteht", meint sie, nachdem sie ihren nächsten Zug gemacht hat. "Wo habt Ihr es gelernt?"

"Gelernt ist zu viel." wehrt Ouroborox ab. "Auf meinen Wanderungen habe ich ein .. zwei mal die Regeln erklärt bekommen. Ich bin aber weit davon entfernt die Feinheiten zu beherrschen."

"Ach so. Dann solltet Ihr einfach mehr üben", rät ihm die Aranierin.

Auch Ayla versucht sich in das Spiel hineinzudenken. Sie hat es früher gerne gespielt.

Banjew versucht bei jedem Zug zu verstehen, was der Spieler damit wohl bezweckt. Doch entweder liegt es an der Komplexität des Spiels oder daran, dass er es nicht von Anfang an gesehen hat, jedenfalls versteht er die meisten Züge überhaupt nicht, und bei den anderen weiß er auch nicht, ob seine Vermutungen überhaupt etwas mit dem Spiel zu tun haben …

Nach und nach machen die beiden Händler einige Züge. Es scheint aber keiner bereit, den Kiebitzen etwas zu erklären. Wahrscheinlich wollen sie beide gewinnen.

Banjews Interesse lässt nach und nach nach. Heute Abend wird er dieses Spiel wohl nicht mehr verstehen. Wahrscheinlich müsste er einfach ausprobieren, was in dem Spiel Erfolg verspricht und was nicht - und dabei viel Lehrgeld zahlen …

Ayla ist zunächst ganz bei der Sache. Nach und nach macht sich aber die Müdigkeit breit. "Wenn Du magst, können wir morgen gerne eine Partie spielen. Jetzt ist für mich Schlafenszeit. Wir müssen morgen noch eine Karawane finden." meint sie zu Banjew, neben dem sie noch steht und zuschaut.

"Ja, gerne", antwortet Banjew mit einem Lächeln. "Ich dachte gerade schon, dass ich dieses Spiel wohl nur verstehe, wenn ich es selbst spiele. Wünsche dann eine geruhsame Nacht!"

Wenn Ayla gegangen ist, meint er: "Jetzt brauche ich noch ein Bier, und dann mein Bett. Was ist mit Dir, Ouroborox? Auch noch einen Humpen?"

"Einer wird nicht reichen." grinst Ouroborox.

"Beidhändig reißen?" grinst Banjew zurück.

"Och, bisher hat noch ein Arm ausgereicht." dabei lässt er dann die Muskeln spielen.

Dann wendet er sich an die beiden Spieler. "Wie ist es? Möchtet ihr auch einen Humpen?"

Die Aranierin blickt auf. "Hmm? Nein, danke, ich bleibe beim Wein."

"Ich nehme gerne einen", sagt ihr Gegner. "Habt vielen Dank dafür."

Ouroborox wendet sich an die Bedienung und bestellt drei Humpen.

Die bekommt er auch sofort.

"Kümmern wir uns um eine Karawane!" schlägt Cuilyn vor, nachdem er er eine Zeitlang zugeschaut hat.

"Jetzt noch?" mault Banjew ein wenig rum. Er hat offensichtlich keine Lust darauf, noch etwas wirklich Sinnvolles zu tun. Andererseits wäre es sicherlich nicht von Nachteil, eine Karawane zu suchen, bevor selbige bereits aufgebrochen ist …

"Jetzt noch, es ist doch eher Zeit zum Schlafen!" meint Lauriel verschmitzt.

"Da hast Du recht", erwidert der Krieger. "Lass uns zu Bett gehen."

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So verabschiedet sich Lauriel von den anderen und geht mit Cuilyn auf ihr Zimmer. Da sie endlich seit ihrem Wiedersehen ein Zimmer für sich alleine haben, kommen beide diese Nacht nicht richtig zum schlafen.

Ayla findet dank der Geräusche aus dem Nebenraum in dieser Nacht auch wenig Schlaf.

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Ouroborox wartet bis die beiden Anderen ebenfalls ihr flüssiges Gold haben.

"Endlich!" seufzt Ouroborox und nimmt einen tiefen Schluck.

Banjew prostet ihm zu und nimmt ebenfalls einen tiefen Schluck, wobei ein tiefer Schluck bei einem Zwergen offenbar etwas ganz anderes bedeutet als bei einem Magier. Dann meint er: "Genieße es, wer weiß, wann wir wieder eins bekommen können. Der Tulamide konnte jedenfalls nichts mit Deiner Bestellung anfangen …"

Ohne abzusetzen leert Ouroborox seinen Krug.

"Klar genieße ich." grinst er und bestellt gleich noch einen Humpen. "Und wenn das Fass leer ist, wird der Wirt das nächste anstechen müssen."

Der Kellner scheint jedenfalls nicht zu befürchten, dass ein Zwerg die Vorräte leertrinken könnte. Ouroborox bekommt so viel Bier, wie er möchte.

Beim Kamelspiel tut sich schließlich etwas. Der Mann aus Sylla verliert eine Karawane, und kurze Zeit später gibt er auf. "Das nächste Mal kriege ich euch", verspricht er seiner Gegnerin, und "wir werden sehen", antwortet sie lachend.

Ouroborox bedankt sich bei den Spielern, dass sie zuschauen durften.

Dann wünschen sie den Helden noch einmal viel Erfolg, verabschieden sich und verlassen das Gasthaus.

"Wann gehen wir?" fragt er Banjew, der anscheinend immer nur an dem Bier nippt. Dann dreht er sich um und bestellt das nächste Bier.

"Ich glaube, ich sacke bald ab", antwortet ein müder Banjew.

"Lass mich erst noch das letzte Bier trinken." beruhigt Ouroborox. "Dann gehen wir."

Kurz darauf trinkt Banjew seinen Krug aus, wünscht Ouroborox gute Nacht und geht schlafen.

Nachdem Ouroborox seinen letzten Humpen auf Zwergenart geleert hat, bezahlt er die Zeche und verlässt zusammen mit Banjew die Gaststätte.

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Der nächste Morgen beginnt nach kurzer Dämmerung mit blauem Himmel und strahlendem Sonnenschein. Nun gilt es, eine Karawane zu finden, die nach Unau reist.

Mit Hilfe einiger Straßenjungen lässt sich Ayla den Sammelplatz der Karawanen zeigen. Einige Kreuzer wechseln dafür den Besitzer.

Der Platz ist rasch gefunden, er liegt am Rande des Novadiviertels. Eine richtige Karawanserei gibt es hier nicht, die Händler und Treiber kommen einfach in den Herbergen und Hütten des Viertels unter.

Das Areal kommt einem sehr großzügig dimensioniert vor, bis klar wird, dass derzeit tatsächlich nur eine einzige Karawane hier lagert. Das sind aber immerhin auch ungefähr dreißig Kamele. Man verweist die Helden rasch an den Leiter der Karawane, einen gewissen Abidallu Spinalis. Er ist um die vierzig Jahre alt, schlank und groß gewachsen. Er hat langes, rabenschwarzes Haar mit (für einen Novadi ungewöhnlichen) Locken, einen kurzen Vollbart und dunkle Augen, mit welchen er die ungewöhnliche Gruppe skeptisch mustert.

Lauriel, die sich neben Cuilyn aufhält, bleibt eher im Hintergrund. Sie ist hier auch so schon auffällig genug, da muss sie nicht auch noch in dieser Männerwelt das Wort führen. Sie beobachtet aber das Umfeld und die anderen Menschen.

Auch Banjew hält sich zurück. Interkultureller Dialog geht viel besser, wenn man eine(n) Einheimische(n) reden lässt.

Anders als Lauriel hat Ayla hier keine Berührungsängste: "Sei mir gegrüßt, oh Herr über die Karawane. Mögen Deine Kamele niemals störrisch sein und Deine Waren niemals verderben. Mögest Du den Sandsturm und dem Treibsand meiden und Reichtum und Ruhm für Deine Familie erringen."

Als Ayla die Ansprache übernimmt, hält sich auch Cuilyn zurück.

Er spürt wie Lauriel dicht neben ihn tritt und ihre Hand die seine sucht.

Gespannt hören die beiden zu.

"Danke", antwortet Spinalis kurz. "Aber ich habe viel zu tun, wir wollen vor dem Mittag noch aufbrechen. Also was führt Euch zu mir?"

'Gut, dann also kurz und schmerzlos.' denkt sich Ayla. "Wir suchen eine Möglichkeit, von hier nach Unau zu kommen. Und möchten uns daher Eurer Karawane anschließen."

"So." Erneut geht ein skeptischer Blick über die Helden. "Und warum wollt Ihr nach Unau?"

"Weil wir Kenntnisse und Fähigkeiten haben die Ihr gut gebrauchen könnt." antwortet Ayla selbstbewusst.

Lauriel nickt nur still.

Der Karawanenführer runzelt die Stirn. "Das ist ein Grund, um nach Unau zu reisen? Was, wenn meine Karawane nach Malkillabad geht?"

"Wir brauchen Geld und einen Führer nach Unau. Und eine unserer Fähigkeiten ist die Recherche. Wir wissen das Ihr nach Unau wollt." antwortet Ayla ruhig.

"Aha", macht Spinalis. "Ja, das will ich tatsächlich. Aber ich will auch keine Schwierigkeiten. Ich will wissen, wen ich mitnehme. Und darum frage ich Euch, was Ihr in Unau wollt." Inzwischen wirkt er etwas ungeduldig.

Ayla blickt den Karawanenführer prüfend an. Sie versucht ihn einzuschätzen. Wird er akzeptieren, dass sie unterwegs sind, um einen verschwundenen Kontorleiter zu suchen?

Schon nach diesem bisher nur kurzen Gespräch hat Ayla den Eindruck, dass Spinalis es durchaus ernst meint mit seiner Sorge um etwaige Schwierigkeiten. Sie meint auch zu erkennen, dass er sich ganz gern vom Gegenteil überzeugen lassen würde. Ob er aber durch die Suche nach einem Vermissten Probleme erwartet, kann sie nicht abschätzen.

"Meinst Du, Liebster, ich sollte ihn mal überreden, dass er uns mitnimmt?" fragt Lauriel Cuilyn leise. Und der Krieger weiß, dass die Elfe nicht nur Worte meint …

"Abwarten", raunt Cuilyn.

Der Elfe juckt das mandra förmlich in den Fingern, dass spürt Cuilyn, aber Lauriel harrt noch etwas aus.

"Wir sind im Auftrag der bornischen Handelshäuser unterwegs, um mit dem Sultan von Unau über den Handel zu sprechen", ergreift Cuilyn das Wort.

"Ach soo ist das", macht der Karawanenführer gedehnt.

'Ah, mit dem hier kann man also ganz normal reden', stellt Banjew fest.

"Na, sagt es doch gleich, Effendi. Ja, in dem Fall kann ich Euch gerne mitnehmen. Der Schutz und die Führung durch die Karawane kostet pro Person eine Zechine pro Tag, außerdem wird erwartet, dass Ihr Euch an den allgemeinen Arbeiten beteiligt. Wenn Ihr keine eigenen Kamele habt, kann ich Euch auch Reittiere für eine weitere Zechine pro Tag zur Verfügung stellen. Exzellent ausgebildete Meharis übrigens. Für Proviant solltet Ihr selbst sorgen. Seid Ihr damit einverstanden, Effendi?"

"Ich denke damit könnten wir einverstanden sein", meint Banjew. "Was hieltet Ihr im Gegenzug davon, wenn wir Euch für zwei Zechinen pro Tag unsere Kräfte nicht nur zu allgemeinen Arbeiten, sondern auch im Falle von besonderer Gefahr zur Verfügung stellen?"

Cuilyn wollte gerade etwas ähnliches sagen, hält sich aber zurück, als Banjew das Wort ergreift.

"Ja, ein guter Vorschlag. So machen wir es." Spinalis reibt sich die Hände. "Seid Ihr fertig zur Abreise oder müsst Ihr noch Besorgungen machen?"

'Warum kippt er auf einmal um?' fragt sich Lauriel. 'Erst will er nicht, dann doch … und so schnell!'

Sie wird auf der Hut bleiben und Cuilyn in einem geeigneten Moment warnen.

Ayla hat bisher noch keinen Proviant für die Reise besorgt. Wenn sie den Rest ihrer Habseligkeiten holt, wird sie dieses nachholen.

Der Karawanenführer weiß das jedoch nicht und wartet noch auf eine Antwort.

"Wir sind fertig, nicht wahr?" fragt Lauriel in die Runde. Die Elfe hat alles dabei, was sie braucht.

"Proviant kann man nie genug haben", brummt Cuilyn.

"Wir reisen doch in einer Karawane, da wird es doch Essen geben", meint Lauriel.

"Er hat doch gesagt, wir sollen uns selbst versorgen", widerspricht Cuilyn.

"'Sollten' hat er gesagt, Liebster!" meint Lauriel augenzwinkernd. "Das heißt, dass er auch was hat … aber wenn Du meinst, dann kaufen wir halt was."

"Gut!"

Beide erscheinen wohlversorgt zum Abmarsch der Karawane.

So gibt Ayla kurz ihre Planung bekannt.

"Ja, gut, dann erledigt das bitte rasch. Je früher wir loskommen, umso besser", ist Spinalis' Antwort.

"Muss noch jemand seine Sachen holen?" fragt Ayla. Falls nicht wird sie sich schnell auf den Weg machen und unterwegs die letzten Kleinigkeiten besorgen.

"Ja, muß ich", gibt Banjew bekannt, der sich auch noch mit einigen Rationen für die Reise eindecken wird.

"Ja, ich." meldet sich Ouroborox. In der Herberge kleidet er sich in den Sachen, die sie gestern auf dem Markt gekauft haben, packt den Rest seiner Sachen und wartet dann bis Ayla fertig wird.

Die ist rasch fertig. Auch sie wirft sich in ihre Wüstenkleidung.

Auf dem Rückweg ersteht sie noch schnell einen Wasserschlauch, einen Brotbeutel und genug Nahrung für die nächsten 2-3 Tage. Sie gedenkt diese vor der eigentlichen Wüste noch einmal aufzufüllen.

Und da sie gestern Abend vergessen hat zu fragen, bringt sie das Thema Milch noch einmal bei Ouroborox zur Sprache. "Vertragen Zwerge wirklich keine Milch?"

Ayla übernimmt die Rechnung der Herberge. Sie lässt sich vom Wirt einen kleinen Zettel unterschreiben (notfalls per Daumen) in dem dieser die Ausgabe bestätigt. Diese Kaufleute sollen ja unter einer Krankheit leiden die Bürokratia heißt. Und da hat besser ein Heilmittel dabei.

Ganz bereit ist die Karawane aber noch nicht als die Helden wieder da sind, und so kommt Spinalis auch gleich auf die Helden zu. "Alles fertig? Gut. Ihr könnt gleich noch beim Beladen der Kamele helfen. Wir zeigen euch, was zu tun ist."

Der Karawanenführer teilt die Helden unter sich und seinen beiden Gehilfen auf: Banjew und Ouroborox schickt er zu Hassan ibn Kharmal, einem jungen Mann, dessen Aussehen mit schwarzem Haar und Bart, dunklen Augen und Adlernase geradezu prototypisch für einen Novadi ist. Cuilyn wird zu Dschelef ibn Birtan beordert, der eher klein und schlank von Gestalt ist und sein Gesicht verschleiert hält. Ayla und Lauriel nimmt Spinalis selbst mit.

Die Säcke und Ballen an den Packsätteln der Kamele zu befestigen, ist eigentlich nicht sonderlich schwierig. Nur die Tiere sind für die Helden ungewohnt und geben sich ab und an auch recht widerspenstig.

Das mit den Kamelen hatte Ayla erwartet. Die Geschichten waren nicht übertrieben. Sie versucht die Lasten nach Vorgabe sachgerecht anzubringen und dabei das Schema zu erkennen. Diese Arbeiten wird sie in den nächsten Tagen sicherlich noch einige Male machen müssen.

"Ruhig, ruhig", versucht Cuilyn das Kamel zu beruhigen.

Banjew gibt sich größte Mühe, und für Magierverhältnisse ist er auch praktisch nicht schlecht begabt, zumal er bei seinen Eltern auch immer mit anpacken musste, die Waren zu verstauen. Doch mit den Kamelen tut er sich schwer, zumal Tiere noch nie so recht seine Spezialität waren.

Lauriel hat sie die "allgemeinen Arbeiten" zwar etwas anders vorgestellt, versucht aber ihr bestes zu geben.

Ouroborox hat besonderes Pech: sein Kamel hat heute so richtig schlechte Laune und schließlich spuckt es eine satte Ladung halb flüssige, grünliche Masse in Richtung des Zwergs.

Ouroborox fühlt sich nicht besonders wohl in der Nähe der riesigen Tiere, deshalb achtet er auf das Verhalten der Tiere. Als er merkt, dass sich da etwas zusammenbraut und auf ihn zu fliegt, springt er rasch zur Seite.

Ayla muss leicht grinsen als sie den Zwerg sieht: "Die Stute nimmt Euch übel das ihr ihre Milch verschmäht habt, Gevatter Ouroborox." ruft sie ihm zu.

"Die Tiere geben keine Milch." wettert Ouroborox.

"Doch, doch." grinst Ayla. "Und sie ist wirklich lecker. Und sehr gesund. Auch für gestandene Angroschim. Zumindest gesunder als das, was Euch das Tier gerade schenken wollte!"

So kommt er gerade noch davon. Von den Novadis hört man ein paar Kommentare auf Tulamidya, halb spöttisch, halb anerkennend.