Schließlich sind die Kamele alle beladen und die Karawane ist abmarschbereit. Spinalis zeigt den Helden, wie man sich als Reiter beim Aufstehen eines Kamels festhalten muss und wie man es lenkt. Mit dem Reiten eines Pferdes ist das nur ziemlich bedingt zu vergleichen.

Lauriel hat das Fahren in einer Kutsche oder einem Schlitten dem Reiten bislang immer vorgezogen und daher hat sie auch mit dem Kamelritt ihre Probleme.

Bereits beim Aufsteigen fällt Ouroborox vom Kamel. Nach zwanzig Schritt dreht sich Ouroborox Magen um sich selbst. "Das ist ja schlimmer als auf einem Schiff im Sturm." stöhnt er.

Banjew wird von dem Schaukeln des Tieres völlig überrascht. So hat er sich das nicht vorgestellt! Nur mühsam kann er sich auf dem Tier halten. Im Gegensatz zu seinem Mageninhalt, wohlgemerkt … auf die Novadis macht er wohl keinen allzu guten Eindruck, aber im Augenblick ist ihm das egal. Hoffentlich sind sie bald da!

Doch es will und will einfach nicht besser werden.

Cuilyn schafft es anfangs gerade eben, seinen Magen zu beruhigen. Dann hat er sich an das Schaukeln gewöhnt.

Die Handelsstraße von Kannemünde Richtung Unau ist unbefestigt, aber ausgetreten und gut begehbar. An den Seiten der ca. fünf Meter breiten Piste sind im Abstand von sechs Metern mannshohe Steinhaufen aufgeschichtet, um im Falle eines Sandsturmes den Verlauf der Straße zu markieren. Der Cheneb ist stets rechts von der Straße in Sichtweite.

Ayla merkt schnell, warum diese Tiere auch als Wüstenschiffe bezeichnet werden. Sie schwankt hin und her und kann sich kaum auf ihre Umgebung konzentrieren. So geht das mit Ausnahme den ganzen Vormittag, erst gegen Nachmittag hat sie sich daran gewöhnt und kann sich auf ihre Umgebung konzentrieren.

Als sie die hohen Steinsäulen das erste Mal sieht begreift sie, was ein Sandsturm hier draußen für die Karawane bedeuten kann. Möge Aves über diese Reise wachen.

Unterwegs versucht Ayla zu erkennen, warum der Cheneb nicht zu befahren ist.

Der Fluss ist ganz einfach nicht tief genug für Schiffe.

Banjew bekommt davon nichts mit. Mit geschlossenen Augen hängte er mehr auf dem Kamel als dass er sitzt. Krampfhaft krallt er sich an dem Tier fest. An diesem Tag ist mit ihm wohl nicht mehr viel anzufangen.

Den ganzen Tag dreht sich ihr Magen immer in die andere Richtung als das Kamel sich bewegt. Und sie kann sich gerade so zusammen reißen um sich auf dem Kamel nicht übergeben zu müssen. Aber so langsam bis zum Abend wird es dann wieder besser. Zum Glück kommt dann aber endlich der Abend und das Abendlager und die Rast.

So hofft sie zumindest.

Nach zwei Stunden auf dem Trampeltier hat Ouroborox genug und er beschließt eine Zeit neben dem Kamel zu laufen. Da er damit das Tempo der Karawane herabsetzt, wird er eindringlich aufgefordert wieder auf das Tier zu steigen. Mühsam hält er sich auf dem Kamel.

Am Nachmittag ist es dann passiert, ihm wird so übel, dass er die Zügel loslässt und vom Kamel stürzt. Mit einem dumpfen Knall landet mit dem Rücken auf der Straße. Im ersten Moment bekommt er überhaupt keine Luft mehr, so dass er schon anfängt rot anzulaufen. Als er endlich wieder atmet, beginnt auch sogleich eine Schimpftirade, dessen Inhalt vom wehenden Wind verschluckt wurde.

Ein gnädiger Karawanenführer gibt ihn einige Tipps, wie er sich am Besten auf dem Wüstenschiff halten kann. Nach weiteren Schwierigkeiten hat er dann den Bogen heraus. Was aber nichts an seiner Abneigung dem Tier gegenüber ändert.

Am späten Nachmittag stoppt Spinalis auf einmal sein Mehari und die Karawane. Er steigt ab und winkt die Helden zu sich, dann deutet er auf ungewöhnliche Spuren im Staub neben der Straße. "Was haltet Ihr davon?" fragt er.

Banjew hält sich mit aschfahlem Gesicht im Hintergrund. Als ob dieses schaukelnde Tier nicht reichen würde, jetzt wankt auch noch der Boden!

Cuilyn schüttelt den Kopf. "Mit so etwas kenne ich mich nicht aus."

Lauriel ist von dem Ritt immer noch übel, so dass sie für die Spuren kein Interesse zeigt.

Ayla kann die Spuren nicht deuten aber sie ist von Natur aus neugierig. "Hier geht es lang." ruft sie den anderen zu. "Ich will wissen was das war."

Nur mit wenig Interesse schaut sich Ouroborox die Spuren an. Noch immer kämpft er mit dem Kamel und seinem Magen.

"Halt!" ruft Cuilyn. Er fragt Spinalis: "Kennst Du diese Art Spuren?"

"Das sieht aus wie von einer großen Echse", antwortet der Karawanenführer. "Wie eine Reitechse der Echsenmenschen. Das ist aber seltsam in der Gegend. Eigentlich leben die nur in den Sümpfen der Inseln und Buchten im Süden."

"Zulneddin? Echsenmenschen hier?" fragt Ayla ungläubig. "Dann sollten wir erst recht hinterher. Sie mögen eine Gefahr für die Karawane sein. Bastrabun ibn Rashtul wusste schon warum er diese Wesen nach Marustan vertrieben hat."

Cuilyn nickt zustimmend.

Die Spuren führen Richtung Süden, aber schon nach einigen Schritt wird der Boden hier steiniger und Ayla kann sie nicht weiter verfolgen.

Cuilyn hat sie begleitet. "Das nützt nichts", meint er. "Da müssen wir wohl die Augen aufhalten."

Spinalis nickt nachdenklich. "Am Abend erreichen wir eine Karawanserei, so Rastullah es will. Da können wir übernachten und den Kamelen Ruhe gönnen, und müssen noch nicht einmal Wachen postieren. Das Gelände ist ummauert."

Tatsächlich bricht bereits die Nacht herein, als voraus die dunklen Mauern der Karawanserei auftauchen. Auf dem erhöhten Dach in der nordöstlichen Ecke lodert ein großes Feuer, und im Nordwesten der grob rechteckigen Anlage ist auf einem einzelnstehenden Turm ebenfalls Flammenschein zu erkennen.

"Rastullah sei Dank, na endlich", sagt Spinalis beim Anblick des Etappenziels. "Aber diese Feuer sind ungewöhnlich. Normalerweise zünden sie hier nur ein paar Fackeln an."

Als Banjew diese Worte hört, blickt er vorsichtig auf und dankt still den Göttern, dass sein Leiden bald ein Ende haben wird. Weiterhin hält er sich krampfhaft am Tier fest.

Lauriel ist immer noch mit dem ungewohnten Kamel beschäftigt, aber nun wird sie hellhörig.

"Sollten wir dann nicht vorsichtig ein paar voraus schicken und die Lage prüfen?"

"Wie Ihr meint", stimmt der Karawanenführer zu.

"Kommst Du, Liebster!" fordert Lauriel den Krieger auf, nachdem sie mehr oder weniger heil von dem Kamel herunter ist. Sie lässt den Bogen und den Magierstab bei ihrem Gepäck, der Säbel sollte reichen.

"Ja, wie früher!" stimmt Cuilyn zu. Auch er lässt seinen Bogen zurück.

Als er mitbekommt, dass Lauriel und Cuilyn vom Kamel steigen, lässt auch er sich von seinem Tier rutschen. Und hofft, dass der Boden irgendwann wieder zu schwanken aufhört.

"Eine gute Idee. Beherrscht einer der Collega eventuell den châhû as'salâm , den Silentium? Oder beherrscht einer der Anwesenden die Kunst des Schleichens?" fragt Ayla. "Doch mich beunruhigen die großen Feuer. Soll hier jemand angelockt werden? Sind es Leuchtfeuer um den Weg zu weisen?"

'Ach nö', denkt sich Banjew nur. 'Will nich.' Den Zauber beherrscht er allerdings tatsächlich nicht.

"Werden wir alles rauskriegen", erwidert Cuilyn leichthin. "Das Gute an den Leuchtfeuern ist, dass man nicht sieht, was im Schatten ist. Da sollte Anschleichen kein Problem sein."

Als die beiden der Karawanserei näher kommen, erkennen sie schon bald vor dem Feuer die Silhouette eines Echsenmenschen. Er hält einen gespannten Bogen in einer Hand.

Weiter am Rand der vom Feuer erleuchteten Fläche schleicht sich Lauriel näher und versucht einen Blick in die Karawanserei zu erhaschen.

Die Mauer ist fensterlos und etwa drei Schritt hoch. Auf dieser Seite ist auch kein Tor; der Karawanenweg führt auf die Nordseite.

Lauriel bewegt sich weiter in der Dunkelheit die Mauer entlang zur Nordseite.

Auch hier sind keine Fenster in der Mauer. Der Weg endet an einem zwei Schritt breiten, geschlossenen Tor.

Noch etwas vorsichtiger nähert sich die Halbelfe dem Tor. Sie versucht durch eine Lücke im Tor einen Blick in den Innenraum zu werfen.

Sollte das nicht gelingen, wird sie mit Cuilyn das Gebäude einmal komplett umrunden.

"Einmal drumherum", flüstert Cuilyn.

Das Tor hat keine Lücke.

Die westliche Mauer knickt nach etwa fünf Schritt leicht nach Südosten ab, weist aber sonst keine Besonderheiten auf. Im östlichen Teil der Südmauer befinden sich jedoch drei schmale Fenster. Sie sind mit hölzernen Läden verschlossen; dahinter ist es offensichtlich dunkel.

Ayla wartet zunächst gespannt was die Elfe und der Krieger machen. Sie wird nur dann ebenfalls näher an die Karawanserei herangehen wenn auch Ouroborox und Banjew losgehen.

Ein Blick auf den Magier zeigt ihr, dass das so bald nicht der Fall sein wird.

So schnell es das Kamel zulässt steigt Ouroborox ab. "Endlich wieder fester Boden!" seufzt er. Noch kämpft er mit den schaukelnden Gang des Wüstenschiffs. Mühsam setzt er sich an den Rand des Wegs und wartet darauf, dass sich seine Innereien beruhigen.

So kehren die beiden zu den Gefährten zurück und berichten von den, was sie gesehen haben.

"Wir haben eine Festung, die von Echsenmenschen eingenommen wurde. Dieses Gewürm hat evtl. die Bewohner gefangen genommen oder getötet. Wir müssen diesen Ort für die Karawanen zurückerobern." Entschlossen blickt Ayla in die Runde.

"Ja, bei Rastullah!" ruft der junge Hassan aufgeregt und wedelt mit seinem Säbel in der Luft. "Der Gottgefällige bekämpft das Echsengezücht ohne Gnade, so wollen es die 99 Gesetze!"

"Nun, ja, durchaus." Spinalis ist etwas weniger enthusiastisch. "Und wenn ich mich nicht sehr täusche, so haben einige unserer Begleiter mehr Erfahrung mit solch kriegerischen Unternehmungen. Nicht wahr, Effendis?" Er scheint vor allem Cuilyn und Ouroborox zu meinen. "Preis sei Rastullah, dass er Euch im rechten Moment hergeführt hat! Wir sollten ihren weisen Ratschlag achten, Hassan."

Auch Lauriel wartet welchen Schlachtplan ihr Freund vorstellt. Aber auf jeden Fall prüft sie ihren Bogen und legt Sehne auf. Die Wache auf dem Turm kann man nur mit Mandra oder Pfeilen besiegen.

Derweil überlegt sie, was sie über diese Echsenwesen gehört hat.

Sie erinnert sich, dass Echsen nachts oft träge werden wegen der Kälte.

"Sie haben die Feuer weil sie in der Kälte der Nacht langsam und träge werden", meint Lauriel. "Wenn wir sie vom Feuer weglocken oder das Feuer löschen könnten, dann hätten wir es einfacher."

"Ich brauch erst etwas Erholung!" verlangt Ouroborox. "Das Schaukeln auf dem Wüstenschiff hat mein Innerstes durchgeschüttelt und ich muss es erst wieder sortieren."

Matt nickt Banjew, der sich nur mit Mühe gerade halten kann.

Zuerst verschwindet er hinter der nächsten Düne und kommt dann etwas erleichtert zurück. Aus seinem Gepäck holt er Ludmilla, seine leichte Armbrust, und Rudolf, den Zwergenschlägel, heraus.

"Gevatter Ouroborox, in diesem Fall arbeitet die Zeit für uns. Jede Stunde in dieser Nacht wird die Echsen träger machen. Ruht Euch noch etwas aus. Und sollte es doch schneller gehen müssen habe ich da noch etwas für Euch." ist Aylas Meinung.

Dankbar hört Banjew Aylas Meinung. Ohne weiteres setzt er sich erst hin und legt sich dann mit geschlossenen Augen auf den Boden.

Lauriel kann Ayla nur zustimmen. Auch ihr Mandra wird nach einer Pause besser fließen und die Hand am Bogen wird sich auch beruhigen.

Nach der Pause sind die Werte dann wieder normal.

"Sie scheinen uns noch nicht bemerkt zu haben." Cuilyn denkt nach. Sind wirklich an allen vier Ecken der Festung Feuer? Und kann man sich vielleicht durch eines der schmalen Fenster zwängen.

Feuer brennen nur im Nordosten und Nordwesten der Karawanserei. Durch so ein Fenster kommt ein schlanker Mensch schon durch, wenn man den Laden irgendwie öffnen kann.

"Wir schleichen uns über die Südseite an", entscheidet Cuilyn. "Dort brechen wir ein Fenster auf und steigen ein." Er schaut seine Gefährten an, wer am schlankesten ist.

Das dürften Ayla oder Lauriel sein. Die Entscheidung liegt vermutlich im Auge des Betrachters.

"Ouroborox, hast Du etwas, was wir als Brecheisen nehmen können?" wendet sich Cuilyn an den Zwerg.

"Ich hätte hier Rudolf." erwidert Ouroborox. "Er ist vermutlich zu laut. Wie sind denn die Fenster verriegelt?"

"Müssen wir schauen", meint Cuilyn leichthin. "Und da fällt mir etwas ein." Er beginnt in seiner Ausrüstung zu kramen, und nach einiger Zeit kommt tatsächlich ein Brecheisen zum Vorschein. "Da war doch noch was."

"Aber auch das macht Krach!" meint Lauriel kopfschüttelnd. "Banjew und ich - vielleicht auch Ayla - können das bestimmt viel leiser", fügt sie verschmitzt grinsend hinzu.

"Vermutlich." konstatiert Ayla trocken. "Ich muss nur leise an das Fenster heran kommen." gesteht sie ihre Probleme beim Schleichen ein.

"Wir müssen nur einen großen Bogen machen!" besänftigt Cuilyn Aylas Sorgen.

"Also gut. Sobald alle ihre Seekrankheit überwunden haben können wir starten." gibt Ayla ihre Abenteuerlust bekannt.

Ouroborox nutzt die Zeit bis es losgeht damit, seine Ausrüstung erneut zu kontrollieren.

So geschieht es. Spinalis und Dschelef bleiben bei der Karawane zurück, aber Hassan will unbedingt mitkommen.

Ohne dass sich im Inneren des Gebäudes etwas tut, kommt die Gruppe unter den Fenstern im Südosten an.

Ouroborox hält sich noch zurück, denn alles was er mit den Fenstern machen würde erzeugt Lärm.

Lauriel schleicht sich leise zu dem Fenster, dass am tiefsten in der Dunkelheit liegt. An dem Laden ruckelt sie vorsichtig.

Der Laden ist irgendwie verriegelt.

"Banjew, möchtest du?" fragt Lauriel. Sie hat zwar den Zauber zum Öffnen von Schlössern gelernt, aber so sicher beherrscht sie ihn nicht.

Der Angesprochene nickt, zögert dann aber, als er sieht, dass Ayla sich dort zu schaffen macht.

Ayla tritt an das Fenster heran und untersucht es näher. Geht es nach innen auf oder nach außen? Könnte Ayla einen Dolch in den Fensterschlitz stecken und nach oben//unten bewegen um den Riegel zu öffnen?

Der Laden geht nach außen auf. Das mit dem Dolch funktioniert nicht, weil die beiden Flügel sich leicht überlappen.

Ayla sieht sich die überlappenden Läden bei maximaler Dehnung an. Könnte man von unten einen Stock nach oben schieben und damit einen evtl. vorhandenen Riegel anheben.

Das würde funktionieren, mit genügend Geschick und einem stabilen, aber schmalen Stock. Ein Magierstab ist zu dick.

Ayla blickt sich um, ob sie hier einen Baum mit Ästen oder einen passenden Stock findet. Falls nicht wird sie die Gefährten von ihrer Idee informieren. Vielleicht haben die etwas passendes dabei.

Leider wächst hier nichts außer spärlichen Kräutern und vereinzelten niedrigen Dornbüschen.

"Hat einer von Euch einen langen, dünnen Stab oder etwas ähnliches dabei? Damit könnten wir das Fenster auf bekommen." fragt Ayla leise.

"Bist Du eine Magierin oder eine Einbrecherin?" fragt Lauriel Ayla. Die Firnelfe wundert sich schon die ganze Zeit, was sie dort eigentlich versucht. Dabei ist doch so ein Riegel einfach zu öffnen.

"Eine Magistra, die sich nicht allein auf ihre Kraft verlässt. Wir wissen nicht wie viele Echsen dort sind. Da kann jeder Funken Kraft wertvoll sein." Sie blickt Cuilyn an. "Hast Du nicht ein Stemmeisen erwähnt? Das könnte vielleicht passen."

"Mandra, sollte genutzt werden, wenn es nutzenswert ist, sonst sparst Du es bis es zu spät ist!" belehrt sie die Elfe.

"Ich nutze die Kraft da, wo ich mit Kopf und Händen alleine nicht weiterkomme." erwidert Ayla leicht bockig während sie ihr Gesicht Cuilyn zuwendet.

"Ja, und auch nur so wir ihr es in euren Büchern lernt, tala", tadelt die Elfe weiter. "Du hättest in meinem Unterricht besser aufpassen sollen. So wird aus Mandra schnell Zertaubraza!"

Ayla schüttelt im Dunkeln den Kopf. Warum hätte sie eine Veranstaltung der Elfe besuchen und dafür auch noch Geld an Okharim zahlen sollen.

Von ihrem kärglichen Lohn konnte sie kaum den Lebensunterhalt finanzieren.

"Jetzt ist aber mal gut!" entfährt es Banjew leicht genervt ob dieses "Zickenkriegs". "Wenn man sinnvoll Kraft sparen kann, spart man sie. Wenn wir hier aber noch lange rumstehen, ist die Nacht rum."

Lauriel zieht die Augenbraue hoch, sagt aber nichts. 'Banjew hat ja Recht.

"Versuch es mal", Cuilyn reicht Ayla sein Stemmeisen. Er glaubt aber nicht, dass es geht. Zu dick und zu kurz. "Eine Säbel- oder Florettklinge sollte dünn genug sein", flüstert er.

Vorsichtig versucht es Ayla. Klappt es nicht seufzt sie einmal enttäuscht. Dann wird sie 3 mal leicht auf den Fensterladen klopfen und dabei "magiach miftah" raunen.

'Warum wollt ihr Kurzlebigen immer glauben, dass ihr Recht habt?' Lauriel schüttelt belustigt den Kopf.

Der Zauber wirkt: ein eiserner Riegel wird aus seiner Halterung gehoben, rutscht hinter dem Laden herab und fällt dann zu Boden.

"Auf ist schon mal." stellt Ayla fest, öffnet die Läden und blickt in den Raum.

Der dahinterliegende Raum ist so dunkel, dass sie nur schemenhaft einige Möbel erkennen kann: ein Bett quer unter dem Fenster, zwei weitere längs an den Wänden links und rechts, dahinter jeweils ein Schrank.

Sie schaut auf den Boden innen unter dem Fenster.

Unter dem Fenster steht ein Bett.

So drückt Ayla Lauriel den Stab in die Hand und klettert ins Zimmer: "An mir ist doch eine Diebin verloren gegangen." meint sie mehr zu sich selbst.

Jetzt ist sie im Raum. Sie verdeckt das schmale Fenster ziemlich, wodurch es noch dunkler wird.

Lauriel nimmt den Stab, wartet bis Ayla durch ist und folgt ihr dann.

Cuilyn schaut, ob er da auch durchpasst.

Es ist zwar eng, aber es dürfte gehen. Vorher aber müsste innen Platz sein. Im Zimmer stehen schon die zwei Frauen, und selbst eine Elfe sieht so gut wie nichts in der Dunkelheit dort.

Sobald Cuilyn drin ist, versucht auch Banjew, mit eingezogenem Bauch, zu folgen.

Ayla lauscht noch einmal auf verdächtige Geräusche. Sollte sie nichts hören wird sie den Stab in eine Fackel umwandeln.

Sie hört nur das Prasseln der Feuer und von weit links vorne ab und zu leises Stampfen und Scharren wie von Huftieren.

Im Licht der Fackel sieht man dann gut die drei Betten vorne, die zwei Schränke und hinter jedem Schrank ein weiteres Bett längs an der Wand. Alle Betten sind bis auf die Matratzen leer. Geradeaus Richtung Norden führt eine schmale Tür aus dem Zimmer, die derzeit geschlossen ist.

Lauriel schaut sich kurz um und geht dann zu der Tür, legt kurz ihr Ohr gegen das Holz und öffnet, wenn sie nicht hört, die Tür.

Dahinter ist ein etwa ein Schritt breiter Quergang. Links geht er nur noch so weit, wie das Zimmer breit ist, und hat dort dann eine Tür nach Norden. Rechts führt eine weitere Tür vermutlich in das Zimmer hinter dem mittleren Fenster und danach endet der Gang an einer vierten Tür.

"Links oder rechts?" fragt Ayla nach einem Blick in den Gang. "Ich bin für rechts."

"Wartet!" flüstert Cuilyn. "Lasst mich erst mal reinkriechen. Und Banjew. Ouroborox, kommst Du da durch?"

"Ja, erst sollten wir zusammen sein", stimmt ihm Lauriel zu. "Und dann ist jede Tür so gut wie die andere, warum also nicht rechts."

Ouroborox deutet auf Banjews Stab. "Mach ein Seil, dann geht es leichter."

Der Zwerg passt nur gerade so durch das Fenster und schabt dabei auf beiden Seiten an der Wand.

"So, alle da? Dann weiter." Ayla ist immer noch abenteuerlustig. Sie geht zur rechten Tür und lauscht daran.

Sie hört nichts.

Ayla öffnet vorsichtig die Tür zum mittleren Zimmer.

Dieses sieht fast genauso aus wie das linke Zimmer. Den einzigen Unterschied macht der reich gekleidete Echsenmensch, der auf dem Bett in der südwestlichen Ecke schläft.

"Ein Echsenmensch. Er schläft. Wer kann gut schleichen und fesseln?" flüstert Ayla leise hinter sich.

"Ein Magier braucht das nicht", entgegnet Cuilyn. "Das könnte der Anführer sein."

"Also vor mit Krieger und Zwerg. Mein Stab kann ein Seil bilden, das funktioniert aber nicht um Personen damit zu fesseln. Außerdem brauche ich den Stab zum Zaubern."

"Oh! Ein Seil." Ouroborox schaut sich um, ob er etwas findet, das er zum Fesseln verwenden kann.

Hier im Zimmer sind die Betten und die Schränke. Es ist aber schon wieder recht dunkel, weil Ayla ihre Stabfackel in den Gang mitgenommen hat.

"Banjew kannst du etwas Licht machen." fordert Ouroborox den Magier auf. "Wir brauchen etwas zum Fesseln."

"Kannst Du ihn nicht versteinern?" fragt Cuilyn erstaunt.

"Der torpescas gehört leider nicht zu meinen Zaubern." bestätigt Ayla die Vermutung.

"Soll ich aushelfen oder wollen wir was von ihm erfahren?" fragt Banjew von hinten.

"Spricht jemand von uns Echsisch?" will Cuilyn wissen. "Und wenn er uns etwas sagt, woher sollen wir wissen, ob er die Wahrheit spricht?"

"DAS würden wir sicher wissen", lächelt Lauriel.

Aufgrund der Frage von Cuilyn dreht sich Ayla nochmals um und kann dem Zwerg leuchten. "Nehmen wir doch ein Bettlaken und schneiden es passend. Die Echse scheint ja trotz Feuer und Diskussion zu schlafen. Oder in Kältestarre zu liegen?" fällt ihr ein.

Auf den Betten sind keine Laken, nur die mit Stroh gefüllten Matratzen.

"Der Grund ist doch egal, solange es so bleibt …"

"Wenn es eine Kältestarre wäre, dann hätten wir noch viel Zeit bis die Echse aufwacht." erläutert Ayla ihre Überlegung.

"Wir müssen die Herberge befreien. Dazu müssen wir alle Echsen töten. Warum sollten wir warten?" will Cuilyn wissen. "Oder willst Du ihn vor das Tore tragen und ihn bitte zu verschwinden?"

"Nein, aber ich möchte auch sicherstellen, dass nicht wieder Echsen hier auftauchen. Dazu muss ich aber wissen, ob es einen Auftraggeber gibt. Und das bekomme ich am besten aus einem lebenden Wesen heraus." kontert Ayla ruhig.

"Eine menschliche Behausung ist von Echsen erobert und besetzt. Wir sind dafür da, für Schutz zu sorgen. Schneiden, wir ihm die Kehle durch!" schlägt Cuilyn grimmig vor.

"Dann mach mal, dann erübrigt sich auch die Frage nach einem Seil", kommentiert Banjew.

"Du kannst nicht jeden töten, Liebster!"

"Aber den hier!" Cuilyn zieht seinen Dolch.

"Wenn Du alles tötest, was Dir fremd ist, wirst Du mich auch eines Tages töten …", unkt die Elfe.

"Ich töte nicht alles, was mir fremd ist, sondern das, was mich und meine mir Anvertrauten bedroht", korrigiert Cuilyn.

"So, er bedroht Dich?"

"So wie es aussieht, bedroht er uns alle - zusammen mit seinen Kumpels von der Echsenkampfakademie", erinnert Banjew an den Grund, warum sie hier sind.

Cuilyn zuckt nur die Achseln.

"Ich wüsste gerne vorher, ob er uns noch etwas sagen kann", wendet Banjew ein. "Mit dem Dolch am Hals entdeckt er vielleicht plötzlich seine Garethikenntnisse. Oder meinetwegen auch sein Tulamidya."

"Oder Rogolan." flüstert der Zwerg.

"Generell habe ich nichts dagegen. Aber erst will ich wissen, warum eine Bande von Echsen eine Karawanserei überfällt. Das hier ist kein Lebensraum für diesen Abschaum. Lasst uns erst die Festung befreien, dann sehen wir weiter." gibt Ayla zu bedenken.

"Gut!" Cuilyn macht sich daran, den Echsenmenschen an der Kehle zu kitzeln, bereit zuzustoßen, wenn es ein Problem gibt.

Dieser wacht bisher nicht auf.

Ayla betrachtet die Kleidung des Echsenwesens. Lässt sich daraus etwas machen? Und was hat er sonst noch bei sich?

Der Echsenmensch trägt nur eine eine golddurchwirkte Halskrause und einen breiten Gürtel sowie goldene Armreifen. Am Gürtel sind drei kleine Beutel und ein Messer befestigt.

'Wäre der Gürtel als Fessel nutzbar?' überlegt sich Ayla.

In den Gürtel lassen sich so ohne weiteres wahrscheinlich nur schwer Knoten machen. Andererseits ist er kaum zu zerreißen.

Da Cuilyn den Echsenmensch auf jeden Fall ruhig halten wird, wird Ayla mutig. Sie versucht den Gürtel abzuziehen. Den Inhalt des Beutels wird sie sich danach ansehen.

Widersetzt sich der Gürtel wird sie nur die Beutel vom selben lösen und den Inhalt begutachten.

Der Echsenmensch wacht selbst dann nicht auf, als Ayla seinen Gürtel öffnet und diesen entfernt.

"Doch Kältestarre?" fragt Banjew in normaler Lautstärke. "Atmet er denn?"

Da Ayla neben dem Bett steht fühlt sie Puls und Atmung.

Beides ist vorhanden. Der Körper ist kühl.

"Er lebt. Puls und Atmung sind da." gibt sie an den Magier weiter.

"Tja, dann sollten wir hier fertig sein, bevor die Sonne aufgeht. Macht die Sache wohl einfacher", stellt der Magier lakonisch fest.

Ayla nickt.

In zwei der Beuteln befindet sich eine Reihe kleiner Edelsteine. Im dritten Beutel, der mit seltsamen verschlungenen Symbolen verziert ist, findet Ayla einen größeren, aber trüben Diamanten.

"Kältestarre." konstatiert die Magierin. "Und eine reiche Echse." Sie zeigt die Edelsteine. Dabei schätzt sie den Wert der Steine.

"Zeig mal", ist Banjew plötzlich hellauf interessiert.

"Hier." Ayla reicht ihm die Beutel.

Sie meint, dass der reine Materialwert der Edelsteine zusammen vielleicht 20 Dukaten beträgt.

Banjew bestaunt die Steine. Ein gieriges Glimmen blitzt in seinen Augen auf. Er guckt sich um: Achtet Ayla auf den Beutel in seinen Händen?

Mit einem Grinsen steht die Magierin da. Ihr Blick sagt: 'Tss, Tss. Geteilt wird später unter allen.'

Genau beachtet sie die Hände Banjews. "Darf ich?"

"Äh…" Banjew ist einen Moment peinlich berührt, dann reicht er den Beutel zurück.

Ayla nimmt den Beutel wieder entgegen. Dabei tritt sie etwas zu nahe an den Magier heran und raunt ihm ins Ohr: "Du darfst die Steine gerne mal mit mir zusammen untersuchen." Ein leichter Augenaufschlag und schon überprüft sie für Cuilyn die Echse.

Banjew steht wie vom Donner gerührt da und wird rot. 'Hoffentlich sieht mich keiner …'

Ayla nimmt sich vor, die Edelsteine nach erfolgreichem Abschluss des Auftrags zu untersuchen. Vielleicht sind es ja Steine wie sie für die Kristallomantie genutzt werden.

"Wer kann die Echse mit dem Gürtel fesseln?" fragt sie nach dem Ende ihrer Präsentation.

"Bringen wir's zu Ende?" fragt er mit einem Blick zu Cuilyn. "Und dann weiter."

"Durchsucht ihn und das Zimmer", fordert Cuilyn seine Gefährten auf. Ich passe auf."

Ayla macht sich bei der Echse auf die Suche. Sie tastet systematisch die Kleidung ab, ob dort noch etwas zu finden ist.

Außer den Beuteln und dem Messer ist da nichts.

"Nichts. Lassen wir ihn hier liegen und kümmern uns um die Wachen. Die dürften die einzigen sein, die heute Nacht noch aktiv sind." gibt Ayla ihre Erkenntnisse weiter.

Achselzuckend steckt Cuilyn den Dolch ein. Mit "Hier war doch noch eine Zimmer am Gang, oder?" wendet er sich zum gehen.

"Ja." Ayla folgt dem Krieger.

Im Gang hat sich nichts verändert.

Ayla wendet sich nach rechts und geht zu der Tür dort. Dann wartet sie ob die anderen folgen.

Cuilyn ist bei ihr.

Und Lauriel ist bei Cuilyn.

Da der große Teil der Gruppe da ist, öffnet sie leise die Tür und leuchtet in den Raum dahinter.

Auch dieser Raum gleicht den anderen beiden, er ist nur um die Breite des Ganges länger, aber dafür etwas schmaler. Die Matratzen auf den Betten sind aufgerissen und das Stroh ist auf dem Boden verstreut. Die Schranktüren stehen offen.

"Keine weitere Echse. Wahrscheinlich darf nur der Anführer schlafen." Ayla sucht erst in dem Raum und dann im Gang nach weiteren Türen. Sollte sie eine finden wird sie diese vorsichtig öffnen.

Es gibt nur noch eine geschlossene Tür, die schräg gegenüber des ersten Raums, in dem die Helden waren. Diese Tür führt zu einem großen Innenhof. In seiner Mitte befindet sich ein runder Springbrunnen, daneben stehen einige Wassertröge und Eimer. An allen Seiten umgeben Gebäude den Hof, links und gegenüber von Ayla führen aber auch offene Gänge weiter. Links und rechts sind weitere Räume nur durch Säulenreihen vom Hof abgegrenzt. Gegenüber sieht sie links des offenen Gangs noch ein Fenster und rechts des Gangs ein Fenster und eine Tür.

Ayla blickt zunächst nach oben und versucht sich anhand der Feuer zu orientieren. Die Wachen dort sind derzeit die größte Gefahr.

Auf den Plattformen in der Nordost- und Nordwestecke der Karawanserei lodern immer noch die großen Feuer. Neben jedem der Feuer steht ein Echsenmensch. Diese Wachen schauen aber nach Norden.

"Die Wachen erwarten scheinbar Angreifer aus Norden." Kurz überlegt sie und meint dann "Vielleicht aus Unau. Wir haben Glück gehabt."

Noch während sie redet, erinnert sich Ayla daran, dass die Straße zwischen Unau und Kannemünde hier grob in westöstlicher Richtung und vor allem nördlich der Karawanserei verläuft.

"Wir müssen hoch und die Wachen unschädlich machen", flüstert Cuilyn.

Lauriel versucht die Entfernung zu den Echsen abzuschätzen und überlegt, ob sie eine mit einem gezielten Schuss ausschalten kann.

Bis zu einer der Wachen schräg hoch sind es sicherlich weniger als 15 Schritt. Aber man müsste schon gut treffen, um sie mit einem einzigen Schuss kampfunfähig zu machen.

"Teilen wir uns auf? Es gibt 2 Wachen und wir wissen nicht, wie viele Echsen noch innen an einem Feuer sitzen." gibt Ayla zu bedenken.

Während Ouroborox seine Armbrust lädt, nickt er stumm. "Wo ist die Treppe?"

"Wahrscheinlich auf der anderen Seite des Hofes. Immer an der Wand lang!" Cuilyn macht sich vorsichtig auf.

"Warte, wir sollten vorher schon wissen, was wir tun", unterstützt Lauriel Aylas Frage, ob sich die Gruppe trennen sollte oder nicht. "Denn wenn wir uns trennen, dann sollten wir gleichzeitig losschlagen, damit keiner der Wachen Alarm schlägt."

Sie wundert sich über Cuilyns Vorschlag, sonst ist der Krieger doch eher bedächtig und plant so etwas, bevor er los rennt.

"Erstmal raus finden, wie viele Echsen hier sind", gibt Banjew seine Meinung bekannt. "Noch wissen die nicht, dass wir hier sind, den Vorteil sollten wir nutzen."

"Und wir müssten näher ran …" Lauriel lässt ihren Bogen wieder sinken.

Ouroborox deutet nach links. "Da lang." flüstert er.

Links beginnt nach wenigen Schritt der offene Gang, der nach Westen geht. Man kann bald ahnen, dass er zu einem größeren offenen Platz führt. Vorher ist aber links im Gang (also Richtung Süden) eine weitere Tür.

Wenn man dem Gang nicht folgt, sondern im Innenhof bleibt, käme man zu dem mit Säulen abgetrennten Raum. Aber die Plattform mit dem Feuer ist deutlich weiter im Westen.

Ayla ist es egal und sie folgt dem Zwerg.

Lauriel hält sich in der Nähe von Cuilyn auf und folgt Ouroborox.

"Alle zusammen, ist doch klar", flüstert Cuilyn nur.

"Nehmen wir erst mal die Südwand und arbeiten uns dann nach Norden zu den Wachen auf dem Dach vor." schlägt Ayla vor. "Also erst mal die Tür in dem Gang."

Cuilyn brummt zustimmend.

Lauriel hängt ihren Bogen wieder über und greift zum Säbel.

An dieser Tür befindet sich ein robustes Schloss, das für einen recht kleinen Schlüssel gedacht ist. Quer über das Schloss laufen Spuren von gewaltsamen Aufbruchs versuchen, die erfolglos geblieben sind.

"Der Raum ist von außen geschlossen. Also sind da keine Echsen drin. Aber vielleicht Gefangene." Sie lauscht an der Tür.

Sie hört nichts.

"Da sind keine Gefangenen drin." bemerkt Ouroborox. "Schau dir das Schloss an, da wollte jemand hinein und nicht heraus."

"Oder einer der letzten Menschen wollte seine Kameraden befreien. Aber ich habe nichts gehört also schauen wir uns weiter um."

"Dann sollten wir uns hier auch nicht weiter aufhalten", meint Lauriel und geht vorsichtig in Richtung des offenen Platzes weiter.

Ayla folgt der Elfe vorsichtig.

Auch Cuilyn folgt vorsichtig.

"Ja, irgendwo müssten die Echsen ihre Gefangenen haben", meint Banjew, als er sich den anderen anschließt. "Wenn sie denn Gefangene gemacht haben …"

"Dann sind sie hinter der Tür in Sicherheit und sollten auch dort bleiben bis wir mit den Echsen fertig sind", meint Lauriel im Weitergehen.

Ayla nickt zustimmend.

Der Gang führt zu einer großen, grasbewachsenen Weidefläche innerhalb der Mauern der Karawanserei. Im Feuerschein des Wachturms im Nordwesten erkennt man fünf schlafende Reitechsen.

Banjew zeigt auf die Tiere und fragt leise: "Ob die wohl auch so fürchterlich schwanken?"

Ayla muss grinsen. "Vermutlich nicht. Aber dafür werden sie andere Macken haben." vermutet Ayla.

Cuilyn schaut sich um, ob es irgendwo von der Weidefläche einen Aufgang zum Nordwestturm gibt.

In der Ostwand hat der Turm eine Tür und daneben steht eine Leiter, die in den ersten Stock führt. Ein direkter Aufgang zur Plattform mit dem Feuer und dem Wächter ist nicht zu sehen.

Cuilyn zeigt auf die Leiter. "Da hoch!"

Bevor Lauriel ihrem Freund widersprechen kann, erklärt Ayla schon, dass es erst sinnvoller ist das Erdgeschoss zu sichern und sich dann um die Türme zu kümmern.

"Auch gut", flüstert Cuilyn. "Also erstmal Erdgeschoss."

"Zwei auf dem Dach, einer im Tiefschlaf. Dann bleiben noch 2 an anderen Stellen über. Keine Übermacht. Die Menschen hier müssen unvorsichtig gewesen sein." überlegt Ayla laut.

"Deine Rechnung geht nur auf, wenn alle beritten sind …"

"Fußgänger machen sie langsam. Also gehe ich davon aus, dass alle beritten sind."

"Trotzdem sollten wir nicht zu optimistisch sein." Lauriel schaut sich um, ob sie im Schatten zur Tür gelangen kann.

So weit reicht der Schatten des Turms nicht. Das Feuer auf seiner Plattform erleuchtet einen großen Teil der Weidefläche.

Die Karawanserei

"Meine ich auch", stimmt Banjew zu. "'Fußvolk' ist zwar langsamer, aber dafür auch billiger."

"Erst die Räume unten. Wenn wir dort alle gefunden haben, nehmen wir uns die Wächter an den Feuern vor." Ayla deutet zurück in den inneren Bereich. "Dort sollten wir weitermachen."

Banjew nickt zustimmend.

"Lasst uns den Bereich hinter den Säulen untersuchen. An denen wir gerade vorbei gekommen sind." schlägt Ayla vor.

Es stellt sich heraus, dass hinter diesen Säulen der Schankraum der Karawanserei ist. Zur Einrichtung gehörten drei runde Tische und eine Anzahl Stühle; jetzt liegen sie allesamt umgestürzt und teilweise zerbrochen auf dem Boden, auf dem auch einige Blutflecken zu sehen sind.

Dahinter befindet sich die Theke, auf der noch eine Halterung für ein Fass zu erkennen ist. Zahlreiche zerschmetterte Krüge und Becher aus Ton vervollständigen das Bild der Verwüstung. Hinter der Theke erblicken die Helden einen auf einem Weinfass zusammengesunkenen Echsenmenschen.

Ganz links in der Nordwand ist noch eine Tür.

"Da fehlt uns nur noch einer." frohlockt Ayla leise und geht auf die Theke zu.

Cuilyn schaut vorsichtig nach, ob der Echsenmensch noch lebt.

Banjew hatte denselben Plan. "Und?" fragt er knapp.

"Ehrlich gesagt, keine Ahnung", entgegnet Cuilyn.

"Wenn er genauso erstarrt ist, dann haben wir erstmal Ruhe", meint Lauriel und folgt ihrem Freund. Auf dem Weg schaut sie sich nach irgendwelchem Material um mit dem sie die Echse fesseln und knebeln können.

Hier im Schankraum gibt es nichts, was man dafür verwenden könnte.

Falls Cuilyn da jetzt länger anfängt zu diagnostizieren, hält Banjew einfach die Hand vor Nase und//oder Mund, um festzustellen, ob die Echse noch atmet. Das ist sein Verständnis von "lebt noch".

Er spürt keinen Atem.

"Wenn ihr mich fragt, ist der tot", gibt Banjew bekannt. "Es sei denn, Echsen atmen nicht", fügt er in ironischem Tonfall an.

So langsam wird es eng hinter der Theke. Da sich Banjew und Cuilyn um die Echse kümmern sieht sich Ayla weiter hinter der Theke um. Vielleicht findet sich hier ja noch etwas was nicht zerbrochen ist.

Unter der Theke findet sie die Kasse des Wirtes (leider leer) und elf heile Tonkrüge.

Neugierig wie sie ist öffnet Ayla einen Tonkrug nach dem anderen. Vielleicht ist da ja noch eine Leckerei für unterwegs drin.

In einem der Krüge findet sie eine Ampulle mit einer trüben, grün-weißen Flüssigkeit.

"Schaut mal hier ist was." Interessiert betrachtet Ayla was sie da gefunden hat.

Sie erinnert sich an ein Seminar zur profanen Heilung, das sie einmal besucht hatte: in dieser Ampulle muss Sansaro-Absud sein, der bei Einnahme eine gewisse Zeit vor Krankheiten schützt. Leider weiß sie nicht mehr so richtig, wie lange der Schutz anhält.

Lauriel, die nichts gefunden hat, mit dem sie die Echse fesseln könnte, gesellt sich zu der Magierin.

"Collega, kennst Du die Wirkungsdauer von Sansaro?" fragt sie Lauriel und deutet auf die Ampulle.

"Hmm, lass mich überlegen …", meint Lauriel.

"Was machen wir mit der Echse?" fragt Ouroborox. "Wenn wir ihn nicht fesseln und knebeln können, müssen wir ihn anders ruhigstellen."

"Nein", meint sie nach kurzer Zeit. "Ich weiß es nicht, vielleicht kennt es Banjew …"

Ayla blickt sich um ob der Magier etwas mitbekommen hat. Wenn nicht wird sie ihn fragen.

Der hat nichts mitbekommen.

Banjew erinnert sich, dass eine Anwendung für etwa einen Tag reichen sollte.

"Sansaro …, hmm … ich glaube, das sollte für ungefähr einen Tag reichen", erklärt er Ayla.

"Ah, ein Kundiger. Wunderbar. Habt Dank Collega." strahlt ihn Ayla an. Wie selbstverständlich steckt sie die Ampulle ein.

"Ähm, die Ampulle könnte den, ähm, einen oder anderen Dukaten einbringen", raunt Banjew ihr zu, während er mit allen zehn Fingern wackelt. "Von wegen später teilen und so …"

"Aber natürlich Collega." ein mitreißendes Lächeln versucht alle Zweifel des Magiers wegzuwischen. Und der rasche Blick verspricht vieles.

"Dann ist ja gut", gibt sich Banjew zufrieden.

"Weiter", sagt Cuilyn nur.

"Warte!" bremst Ouroborox. "Wenn er schon tot ist, dann macht es nichts, wenn du ihn zur Sicherheit noch die Kehle aufschlitzt."

Cuilyn seufzt. "Das wolle ich vorhin ja auch schon, durfte es aber nicht."

Lauriel nickt. "Warum wollt ihr Kurzlebigen immer nur jedes andere Leben zerstören?"

"Ich bin kurz, zugegeben, nicht aber kurzlebig." erwidert Ouroborox. "Und die Frage nach dem 'warum' ist einfach zu beantworten: Wenn die alle aufwachen, dann wollen sie unser Leben zerstören! Also besser jetzt in Ruhe als später im Tumult."

Dann geht Ouroborox zu der Echse und prüft ebenfalls ob sie noch atmet.

Er glaubt, dass auch eine Echse in Kältestarre irgendwann mal atmen müsste und einen Herzschlag haben müsste. Er spürt aber auch über etwas längere Zeit hinweg weder Atem noch Puls.

"Komm, weiter", erwidert Cuilyn nur.

"Lasst ihn liegen. Wenn er tot ist gehört er Boron. Sollte er noch leben gehört er Praios und seiner Gerechtigkeit." äußert sich Ayla dazu.

"Und bis die Sonne aufgeht, wird er uns so oder so nicht stören", versucht Banjew eine pragmatische Lösung des sich anbahnenden Konflikts.

"Bravo, Banjew, dies ist die beste Entscheidung zu diesem Thema!" stimmt ihm die Firnelfe zu.

"Eben." nickt Ayla.

"Warum sollen wir warten bis die Praiosscheibe am Himmel steht? damit dann alle gleichzeitig aufwachen und das Getümmel größer wird?" kontert Ouroborox. "Jetzt ist die Gelegenheit gut!"

"Banjew hat doch festgestellt, dass diese Echse nie wieder atmen wird. Warum also Borons Totenruhe grundlos entweihen?" fragt Ayla irritiert.

"Los kommt weiter!" mahnt Lauriel und folgt Cuilyn, der schon vorsichtig weiter gegangen ist.

Cuilyn macht sich daran, den Hof weiter zu umrunden. Er such einen Aufgang zu Turm.

Die Tür, die vom Schankraum weg führt, lässt er also vorerst außer Acht. Als nächstes kommt er zu einem breiten, oben offenen Gang, der nach Norden zum Tor der Karawanserei führt. Danach folgt in der Mauer wieder ein kleines Fenster (dahinter ist es dunkel) und eine geschlossene Tür. Noch weiter wäre der mit Säulen abgetrennte Bereich östlich des Innenhofs.

Cuilyn schaut nach, was hinter der geschlossenen Tür ist.

Da Lauriel nun auch einige der Zauberrituale der Magier beherrscht leuchtet sie ihm mit dem Zauberstab.

Sobald ihm jemand leuchtet, sieht er in eine Schlafkammer mit zwei Betten und einem Kleiderschrank. Auf dem Fußboden und den ungemachten Betten liegen wild verstreut einige einfache Kleidungsstücke.

Ayla wird ihren Zauberstab in eine Fackel umwandeln. Als sie das Durcheinander sieht meint sie lakonisch: "Das echsische Aufräumkommando war hier schon. Weiter?" wendet sie sich an die anderen.

Banjew zuckt mit den Schultern. "Solange hier nichts lebt …"

"Weiter!" meint Cuilyn nur und folgt der Hauswand.

Lauriel lässt ihren Zauberstab wieder verlöschen bevor sie in den Hof tritt.

Ayla folgt ihrem Beispiel.

Hinter den Säulen im Osten ist ein mit kleinen Tischchen voll gestellter Raum. Auf den Tischen liegen diverse Werkzeuge, an den Wänden ist allerlei Gerümpel aufgehäuft. Im Norden und Süden trennt jeweils ein geschlossener Vorhang weitere Bereiche vom Raum ab.

Vorsichtig zieht Cuilyn erst den einen, dann den anderen Vorhang zurück.

Seine Freundin folgt ihm vorsichtig.

Aus dem Dunkel hinter dem Vorhang löst sich die Gestalt eines Echsenmenschen und schlägt mit einem Schwert zu.

"Uff!" Damit hatte Cuilyn doch nicht gerechnet. Er steckt den Treffer ein.

Fast gleichzeitig wird Banjew von schräg hinten von einem Pfeil getroffen.

Der schreit vor Schreck und Schmerz auf und lässt sich zu Boden fallen.

Da er aber das Bastardschwert in der Hand trägt, kann er zurückschlagen.

Lauriel, die hinter ihrem Freund war, reißt den linken Arm hoch und deutet mit der Faust auf die Echse: "Fial miniza dao’ka!"

"Zulneddin." entfährt es Ayla. Dann besinnt sie sich und wirft der Echse ein "al'barg sefari shinak" entgegen. Dabei zuckt ihre linke Hand mit Zeige- und Mittelfinger in Richtung der Echse vor.

Der Echsenmensch pariert den Hieb mit seiner Waffe, dann wirken die beiden Zauber. Er brüllt laut, weicht einen Schritt zurück und hebt das Schwert zu einer ungelenken Deckung.

Dort versucht er den Pfeil herauszuziehen, besinnt sich aber schnell eines besseren und guckt sich um, von wo der Pfeil gekommen ist.

Er sieht am Durchgang zur Weidefläche einen Echsenmenschen stehen. Der legt gerade einen neuen Pfeil auf die Sehne seines Bogens.

Ouroborox hebt Ludmilla, seine leichte Armbrust, und legt auf die Cuilyns Echse an. Wenn er freies Schussfeld hat drück er ab.

Der Echsenmensch zuckt zusammen und schreit, als ihn der Bolzen trifft. Seinen Bogen behält er aber in der Hand.

Cuilyn greift wieder und wieder an.

Sein erster Hieb trifft, die zweite Attacke kann die Echse mit purem Glück abwehren. Dann scheint sie sich wieder zu fassen und faucht Cuilyn böse an.

Da die Echse geblendet ist und von Cuilyn mit Schlägen eingedeckt ist, versucht Lauriel weitere Gegner auszumachen. Dabei sieht sie die zweite Echse, die Banjew unter Beschuss genommen hat.

Da Banjew sich am Boden wälzt und selber anscheinend nicht zur Gegenwehr bereit ist, will sie der Echse einen Blitz entgegenschleudert, aber die Entfernung ist zu groß.

Die Echse steht quer gegenüber auf der anderen Seite des Hofs und ist dadurch außerhalb der Reichweite dieses Zaubers.

Anschließend lässt sie ihren Zauberstab fallen und zieht im Laufen ihren Amazonensäbel und greift damit die Echse an.

Sie hat gerade erst einen Schritt gemacht, als Banjews Flammenstrahl dem Echsenmensch bereits ein Ende bereitet.

Als er den Absender des "Geschenkes" erkennt, hebt er seine Hand zur Schulter und legt seinen ganzen Schmerz und Zorn in den Zauber, als er sie vorschnellen lässt.

Eine mächtige Feuerlanze entspringt seiner Hand und erhellt den Hof. Der Echsenmensch hat nicht einmal mehr Gelegenheit zu schreien, bevor er mit einem schwelenden Loch in der Brust zu Boden fällt.

"HA!" schreit Banjew seiner Feuerlanze hinterher, bar jeder Vorsicht. "Geschieht dir recht, verdammte feige Schlange, dreckige! Von hinten! Du ehrloser Drecksack!"

Erst jetzt wird Banjew langsam bewusst, wie viel Kraft er in diesen einen Zauber gesteckt, ja vergeudet hat. Dabei hatte er sich doch schon vor langer Zeit geschworen, dass er nie wieder so unbeherrscht und verschwenderisch mit seiner Kraft umgeht! 'Selbstkasteiung hilft jetzt auch nicht', schluckt er seinen Ärger herunter.

Er blickt sich um, wie die anderen dastehen und ob er andere Echsen auf sie aufmerksam gemacht hat.

Ouroborox hat seine Armbrust abgeschossen. Lauriel hat den Stab fallen gelassen und steckt gerade ihren Säbel wieder weg. Ayla kramt mit einer Hand in ihrer Tasche. Hinter den Säulen kämpft Cuilyn offensichtlich noch mit einer Echse, diese oder auch andere Echsen sieht Banjew aber nicht.

Mit einer Echse werden die anderen schon fertig werden. Banjew konzentriert sich darauf, dass nicht wieder was von hinten kommt. Langsam bewegt er sich also rückwärts zu den Gefährten.

Da sie hier nichts mehr ausrichten kann, und die anderen vermutlich in der Zwischenzeit auch mit der anderen Echse fertig sind, steckt sie den Säbel weg und nimmt den Zauberstab wieder auf.

Ayla überlegt die Echse ein wenig abzulenken. Sie holt aus einer ihrer Taschen eine Schleuder und einen passenden Stein hervor. Sie zielt und wirft der Echse den Stein ins Gesicht.

Bis aus der Tasche der Stein herausgesucht wurde, dauert es natürlich einige kostbare Sekunden.

Cuilyns nächste beide Attacken sind ebenfalls erfolgreich.

Mit der ersten Attacke durchbricht er die Deckung des Echsenmenschen, und während sein Schlag vorher nur ein tiefer Kratzer in der harten Schuppenhaut war, zeigt dieser schon deutlicher Wirkung. Doch die Echse scheint auch zäh zu sein, schon schlägt sie wieder zurück.

Cuilyn pariert.

Cuilyns nächsten Angriff kann der Echsenmensch abwehren, sein Gegenangriff gleicht dem davor in Ansatz und Ausführung.

Und dieses mal dringt er durch. Jetzt ist Cuilyn schon zweimal getroffen.

Da sich die Echse, trotz des Zaubers, noch so gut hält und Cuilyn in Bedrängnis bringt, greift die Elfe an.

Da hat sich schon Ouroborox an ihr vorbei gedrängt. Aber ihr Eingreifen ist dann auch gar nicht mehr nötig.

Als Ouroborox sieht wie Cuilyn zum zweiten Mal getroffen wird, legt er Ludmilla, seine geliebte Armbrust, zu Boden und greift sich Rudolf, den Zwergenschlägel.

"Das scheint nicht dein Tag zu sein." ruft er Cuilyn an, während er auf ihn zuläuft. "Lass uns ihn in die Mitte nehmen."

Bevor er sich an Lauriel und Ayla vorbei gedrängt hat und neben Cuilyn ankommt, liegt die Echse aber bereits am Boden.

Aber er kämpft unverdrossen weiter.

Seine nächste Attacke kommt wieder durch. Hat er sich jetzt auf den Echsenmenschen eingestellt? Dieser schlägt jedenfalls noch einmal zurück, verfehlt Cuilyn aber dieses Mal. Dann fliegt auf einmal von hinten ein Stein heran und trifft die Echse am Kopf. Davon ist sie anscheinend irritiert, und Cuilyn trifft sie gleich noch einmal.

Aus vielen Wunden blutend bricht der Echsenmensch zusammen.

"Uff!" stöhnt Cuilyn. "Da sind ja doch welche auf den Beinen und beweglich."

"Stimmt." Ayla sieht sich vorsichtig um. Da waren sie wohl etwas blauäugig.

"Vielleicht sind es die vom Feuer …", vermutet Lauriel.

"Jetzt schnell weiter! Wir müssen das Gebäude säubern!" drängt Cuilyn.

"Ja, aber erst sollten wir Deine Wunden verbinden oder meinst es geht noch?" fragt Lauriel besorgt.

"Das geht schon", erwidert Cuilyn.

"Du bist immer noch so tapfer wie früher", sagt die Elfe und gibt ihm einen Kuss.

"Könnte mir jemand diesen Pfeil entfernen?" fragt Banjew. "Der ist beim Bewegen etwas unhandlich …"

Ayla wendet sich wieder um und tritt vorsichtig an den Magier heran. "Das wird jetzt ein wenig weh tun." meint sie leise. Noch während sie spricht zieht sie den Pfeil ruckartig aber mit der gebotenen Vorsicht aus der Wunde.

"Wär‘ mir kaum aufgefallen", bringt Banjew zwischen weiterhin zusammengebissenen Zähnen hervor.

"Deswegen erwähne ich das auch Collega." spöttelt Ayla leise. Dann sieht sie sich nach etwas zum Verbinden der Wunde um. Notfalls trennt sie mit ihrem Dolch ein passendes Stück aus dem Vorhang. "Die Nachsorge kommt dann später." grinst sie Banjew an nachdem der Verband sitzt.

"Danke!" Banjew ringt sich, obwohl ihm gerade ganz anders zu Mute ist, ein Lächeln ab. Dann prüft er, wie er sich mit dem Verband bewegen kann - und entscheidet sich für "so wenig wie möglich" …

"Gern geschehen. Jederzeit wieder."

"Trotzdem würde ich lieber auf Pfeile in meinem Rücken verzichten", antwortet Banjew etwas matt. Er guckt sich noch einmal um, ob Anzeichen dafür erkennbar sind, dass weitere Echsen auf sie aufmerksam geworden sind.

Er sieht keine Anzeichen dafür.

Ein wenig wundert ihn das, aber froh ist er trotzdem. Nichtsdestoweniger guckt er sich immer wieder nach hinten um, während er den anderen folgt.

Während Ayla sich um Banjew kümmert, hebt Ouroborox seine Ludmilla auf und such nach dem verschossenen Pfeil.

Der Bolzen steckt noch in der Hüfte des toten Echsenmenschen.

Ouroborox zieht kräftig an dem Pfeil, bis er aus der Echse heraus ist. Das Blut wischt er an einem Stofffetzen ab.

Dann folgt sie Cuilyn.

Ayla schließt sich an. Sie hält den Stab und einen Stein in der einen Hand, die Schleuder in der anderen. So kann sie eine erste Ablenkung starten falls notwendig.

Der Raum hinter dem Vorhang war leer. Linker Hand führt eine Treppe nach oben.

Wohin geht's? Die Treppe rauf, hinter den anderen Vorhang oder zu einem der noch nicht untersuchten Räume auf der anderen Seite des Hofs?

Lauriel deutet auf den Vorhang. "Dorthin?"

Cuilyn nickt und schiebt den Vorhang vorsichtig zur Seite.

Dahinter stehen zwei metallene Wannen und ein Ofen, mit dem Badewasser erhitzt werden kann.

"Baden ist gut, wenn der Laden hier gereinigt ist", knurrt Cuilyn.

"Gerne, und wer nimmt die andere Wanne?" fragt Lauriel leise.

Von Cuilyn ist ein unterdrücktes Lachen zu hören.

"Erst die Damen, dann die Herren, dann der Angroschim. Und der bekommt ein Milchbad. Ganz einfach" meint Ayla belustigt.

Lauriel schüttelt den Kopf. "Sooo genau wollten wir das auch nicht wissen. Nicht wahr, Liebster!"

"Ich bade nur mit Dir!" entgegnet Cuilyn grinsend.

"Das hoffe ich …"

"Das heißt Ihr seid Monate ohne ein Bad ausgekommen?" zieht Ayla Cuilyn mit leicht empörtem Ton auf. "Oder wie lange war die Collega schon in Khunchom bevor Ihr dort eingetroffen seid?"

Das Bad sollte vielleicht noch warten, denn wer weiß, ob in anderen Räumen der Karawanserei noch Echsen lauern?

"Und jetzt? Nach oben, um von dort die Wachen auszuschalten?" fragt Ayla in die aufgelockerte Stimmung.

"Ja, natürlich, wohin sonst!" lacht Lauriel fröhlich. Und im nächsten Augenblick ist das Lachen aus den Augen der Elfe verschwunden.

Cuilyn stimmt grimmig nickend zu.

Ayla winkt Cuilyn an sich vorbei. Sie wird sich wieder mittig halten.

Lauriel bleibt direkt hinter ihrem Freund und geht ebenfalls an Ayla vorbei.

Die Treppe führt hoch auf die Plattform des Turmes, wo immer noch ein großes Feuer brennt, aber jetzt kein Echsenmensch mehr ist. Man hat einen schönen Überblick über die Karawanserei. Auf dem anderen Turm ist auch kein Wächter mehr zu sehen.

"Waren das schon die beiden Turmwächter?" Ayla ist irritiert. Sie blickt in die Dunkelheit und sucht nach weiteren von oben sichtbaren Echsen.

Sie sieht keine.

"Würde erklären, warum wir bisher keine Echsen mehr gesehen haben", kommentiert Banjew. "Oder der andere Wächter ist irgendwo hinter uns …"

"Vermutlich", meint auf die Elfe. "Auf jeden Fall ist keiner hier oben."

Sie wendet sich wieder der Treppe zu und geht hinunter.

"Bevor wir zum anderen Turm gehen, sollten wir erstmal hier alle Räumlichkeiten anschauen", schlägt Cuilyn vor.

Er geht zur Tür beim Thekenbereich.

Irgendwelche besondere Vorsicht, wenn er sie öffnet?

Cuilyn ist extrem vorsichtig, Noch einmal will er sich nicht kalt überraschen lassen.

So öffnet er die Tür nur einen Spalt, und sieht hinein, während Lauriel leuchtet. Der angrenzende Raum ist die Küche, die aber richtiggehend verwüstet wurde: alles Zerbrechliche - Krüge, Teller, Trinkgefäße - liegt zerschlagen am Boden, Trümmer eines Tisches liegen herum, dazwischen diverse Küchenwerkzeuge. An der Nordwand ist ein Kamin zu sehen, dessen fast erloschene Glut ein schwaches Licht auf den Echsenmenschen wirft, der, in der Rechten einen Säbel, an der Feuerstelle vor sich hin döst.

"Eine Echse!" flüstert Cuilyn. "Sie schießen aus dem Hinterhalt. Das können wir auch." Allerdings hat Cuilyn seinen Bogen nicht bei sich.

'Dann soll Lauriel nach vorne.' denkt sich Ayla. Für alle Fälle wird sie einen Stein in die Schleuder legen.

"Adepta, macht Ihr Licht?" fragt die Elfe Ayla, dann löscht sie ihren Stab und nimmt ihren Bogen von der Schulter.

Mit vorbereiteter Schleuder entzündet Ayla die Fackel und wartet.

Die Elfe streicht sich mit der Hand über die Augen und murmelt: "Iama yara sala’dha!"

Dann legt sie einen Pfeil auf die Sehne, zielt auf den Echsenmenschen und schießt.

Sie trifft den schlafenden Echsenmenschen gut. Er fällt zu Boden, steht dann aber wieder auf und sieht sich um. Seine Bewegungen wirken schwerfällig.

Sollte Ayla eine Möglichkeit sehen die Echse mit einem Stein zu treffen wird sie diese wahrnehmen.

Dafür müsste erst Lauriel an der Tür Platz machen.

Da der Echsenmensch für einen zweiten Schuss zu nah ist, zieht sich Lauriel zurück und überlässt ihrem Freund den Platz.

Und so stößt Ayla in die vorhandene Lücke vor.

Erst als ihn der Stein trifft, scheint der Echsenmensch zu realisieren, wo die Gefahr herkommt. Er hebt seinen Säbel und bewegt sich langsam in Richtung der Tür.

"Wenn ihn der Pfeil richtig getroffen hat, dann solltest Du schnell mit ihm fertig sein, Liebster!" meint die Elfe zu ihrem Freund.

Cuilyn rückt vor, und greift die Echse an.

Weil er sich selbst Schatten macht, sieht er den Boden nicht gut, aber obwohl er zweimal auf einen herumliegenden Gegenstand tritt, kann er gut das Gleichgewicht halten.

Sein Angriff ist erfolgreich, die Echse bewegt sich wirklich langsam. Aber immerhin schafft sie es, halbwegs gezielt mit ihrem Säbel zurück zu schlagen.

Das pariert Cuilyn lässig.

Bei seinem zweiten Schlag gelingt es dem Echsenmensch irgendwie, den Säbel dazwischen zu bringen, und er nutzt die glückliche Lage für einen Konter.

Den Cuilyn problemlos abwehrt. Der Krieger greift weiter an.

Der Echsenmensch scheint allmählich schneller zu werden. Er pariert den Hieb und findet dann genau die richtige Position für einen besonders guten Angriff.

Den kann Cuilyn nicht parieren. Schwer getroffen taumelt er zurück und sackt zusammen.

Ayla beobachtet was die Elfe machen wird. Zaubern kann sie mit der brennenden Fackel nicht. So tritt sie zur Seite und kramt nach einem weiteren Stein.

Lauriel faucht wie ein wilder Schneeluchs und hat mit einer geschmeidigen Bewegung ihren Säbel gezogen und greift die Echse an.

Und zwar schneller, als Banjew reagieren kann, dem jetzt ein magisches Eingreifen verwehrt ist.

Leicht kommt sie an der Deckung des Echsenmannes vorbei, der das Fauchen mit einem Zischen erwidert. Sie merkt aber, dass sie so ihrem Gegner durch die harten Schuppen hindurch nur einen Kratzer zufügt.

Dieser hält nicht lang inne, sondern schlägt direkt zurück.

Die Elfe beherrscht ihre Waffe aber gut genug um den Angriff abzuwehren und lässt den Säbel ihrerseits auf den Echsenmenschen nieder fahren.

Wieder trifft sie und fügt ihm eine weitere kleine Wunde zu. Sein Gegenangriff geht dieses Mal aber fehl.

Inzwischen hat Ouroborox seine Armbrust erneut gespannt und einen Pfeil eingelegt. Nun wartet er auf eine gute Gelegenheit auf die Echse anzulegen.

Zu dem Zeitpunkt hat auch Ayla Schleuder und Stein bereit. Während sie die Schleuder vorbereitet hat ist sie so zur Seite gegangen, dass der Zwerg "freies" Schussfeld hat.

Ihr Stein gleitet harmlos an den Schuppen der Echse ab.

Da er anderweitig im Augenblick nicht sieht, wie er helfen könnte, versucht Banjew zu Cuilyn zu kommen und dessen Verletzung zu behandeln.

"Bâyak tarmudrach tisa darbahach tisa lailât! Et'tamurûn châhum chordar kêvâtak!" flucht Ayla halblaut vor sich hin nachdem der Stein wirkungslos abgeprallt ist. Dabei stampft sie ärgerlich mit einem Fuß auf.

Und wieder greift die Elfe die Echse an.

Wieder trifft sie, was den Echsenmenschen zu einem schmerzlichen Zischen bringt. Sein folgender Schlag ist zu ungenau, um Lauriel gefährlich zu werden.

Lauriel setzt verbissen nach. Ihren Freund am Boden will und wird sie rächen.

Dieses Mal bringt die Echse ihren Säbel dazwischen. Sie macht einen halben Schritt zur Seite, um gut auszuholen, tritt dabei aber auf eine halbe zerbrochene Flasche, die unter ihrem Fuß weg rollt. Nur mit Mühe kann sie das Gleichgewicht halten.

Geschickt setzt die Elfe nach.

Endlich ist die Armbrust einsatzbereit. Ouroborox nimmt die Echse ins Visier, da Lauriel in der Schussbahn steht und ein sofortiges Handeln nicht notwendig erscheint, wartet er geduldig, bis er sicher schießen kann.

Der Echsenmensch faucht erneut, als er getroffen wird. Sein Atem geht schwer, und sein Angriff ist harmlos.

"Geh' ins Licht!" zischt Lauriel und setzt der Echse vehement zu.

Der kräftige Hieb gibt dem Echsenmenschen den Rest. Mit einem weiteren schmerzvollen Zischen bricht er zusammen.

Ohne sich weiter um die Echse zu kümmern, lässt Lauriel ihren Säbel fallen und kniet sich besorgt neben ihren Freund: "Liebster, wie geht es Dir?"

Cuilyn ächzt: "Nicht so gut."

"Dann lasst Euch helfen." mit einem vorsichtigen Seitenblick auf die Elfe wird Ayla Vorbereitungen für einen Balsam treffen. Dazu sucht sie zunächst eine andere Lichtquelle um ihren Zauberstab zurück zu verwandeln.

Bevor die Magierin aber helfen kann, ist Lauriel an Cuilyns Seite.

"Dann bleib liegen!" Die Elfe küsst ihren Freund sanft auf den Mund und streicht ihm dann sanft über die Wunden. "Bha'sama sala bian da'o!"

"Verausgabe Dich nicht!" flüstert Cuilyn, als Lauriel ihn heilen will.

"Sei ruhig, in mir wohnt nicht nur das Mandra sondern auch die Kraft des Körpers wie Du an der Echse siehst!"

Mit ihrem Zauber hat sie dem Krieger die nach Banjews übrig gebleibenen Wunden geheilt.

Cuilyn nickt ergeben.

Während sich Lauriel um den Verletzten kümmert, sieht sich Ayla noch einmal im Raum um.

Hier ist wirklich so gut wie nichts heil geblieben. Ayla fällt ein ekelhafter, süßlicher Gestank auf, der stärker wird, wenn sie sich den Fässern an der Ostwand des Raumes nähert.

Mit einem kleinen Tuch vor der Nase tritt sie näher heran und sucht nach der Ursache des Gestanks.

So direkt ist nichts zu erkennen. Der Geruch ist am stärksten in der Nähe des Fasses ganz rechts.

Mit dem Zauberstab versucht sie dieses Fass ein wenig zur Seite zu schieben.

Das Fass ist fast leer, und als sie den Stab als Hebel benutzt, kann sie es ein wenig verrücken. Dahinter sieht sie nur die Wand.

Sie sieht in das Fass hinein ob sie dort die Quelle entdeckt. Sonst tritt sie näher an die Wand heran und sucht mit entzündeter Fackel nach einem Luftzug oder einem feinen Riss in der Wand oder dem Boden.

In das Fass kann man nicht so einfach hinein schauen. Dafür müsste man es aufrichten und dann den Deckel entfernen, oder es zerschlagen.

An der Wand entdeckt sie tatsächlich eine feine Fuge, die wie der Umriss einer Tür wirkt.

"Seht mal hier, eine Geheimtür." Ayla wirkt leicht aufgeregt als sie dem Rest der Gruppe ihren Fund zeigt.

Cuilyn ist noch damit beschäftigt, sich über den Heilzauber zu wundern.

"Wollen wir, Liebster?" fragt ihn Lauriel und streichelt ihm sanft über die Narbe im Gesicht. 'Hätte ich Dich damals schon gekannt …'

Cuilyn strafft sich. "Ja, wir wollen. Danke!" Er streichelt sanft ihre Wange. Dann wendet er sich den anderen zu. "Was gibt es?"

"Huch?!" gibt sich Banjew erstaunt. "Wie hast du die denn gefunden?" Er sieht nämlich nichts und mustert grob die Wände in Aylas Umgebung.

"Mit meiner feinen Nase." Ayla zeigt grinsend auf ihr zartes Riechorgan.

Ouroborox tritt hinzu und mustert ebenfalls die Wand. Dann prüft er ob sich die Geheimtür durch Drücken eines Steins öffnen lässt.

"Hier irgendwo muss der Öffner sein." kommentiert er sein Vorhaben.

"Wenn dort eine Tür ist", meint Lauriel, die gerade mit der Heilung ihres Freundes fertig geworden ist und noch neben ihm kniet, "warum macht ihr sie nicht auf?"

"Weil die Nase unseres Gevatters Angroschim vermutlich besser dazu geeignet ist den Eingang zu finden." Ob Ayla damit seinen Sinn für Geheimtüren oder nur den Gestank meint lässt sie offen.

"Nun, mein kleiner junger Freund, dann mach doch die Tür mit Deiner Nase auf!" spöttelt die Elfe, die sich mit Cuilyn auf zu den anderen begibt.

"Und wir anderen machen solange unsere Nase zu." Leicht affektiert hält sich Ayla das Tüchlein vor's Gesicht. Dabei kann sie ein breites Grinsen nicht unterdrücken.

"Ja, jetzt rieche ich sie auch …" Banjew überlegt, ob ihm der Geruch bekannt vorkommt.

"Das riecht nach einem Toten", gibt Banjew bekannt und fügt in Erinnerung an seine erste Begegnung mit diesem Geruch hinzu: "Oder auch einem Untoten …"

Und wirklich: einer der Steine lässt sich drücken, mit einem Klicken springt die Tür auf. Mit der Luft aus dem Raum dahinter wird der eklige Geruch nahezu überwältigend.

Der Gestank, der Ayla entgegen weht, ist widerwärtig. Aber sie kennt solch einen Geruch. Damals in der Akademie hat sie einmal die Paraphernalia für Dämonenbeschwörungen gesehen und gerochen.

"Das riecht wie ein Morrowinza!" meint Lauriel als die Tür aufgeht. "Durch diese Tür gehe ich nicht!"

Nur mit Mühe kann sie das Würgen, dass in ihrem Hals aufsteigt unterdrücken.

"Riecht ein wenig streng", meint Cuilyn nur.

"Bei Angrosch, da hat einer seinen Käse vergessen." kommentiert Ouroborox den süßlichen Gestank der aus der Tür weht. Gespannt schaut er in den dahinter liegenden Raum.

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Obwohl Banjew wusste, was ihn erwartet, überrascht ihn die Intensität des Gestankes. Es gelingt ihm nach den Anstrengungen des Tages mit der ständigen Seekrankheit nicht, sich zu beherrschen; zu viel Erfahrung hat sein Magen heute schon mit der Selbstentleerung gemacht.

Zum Glück für die Gefährten kann ein leerer Magen nicht mehr viel übergeben, so dass sich der Gestank nicht wesentlich verschlimmert. Banjew ist jedoch durch die Krämpfe, die ihn zu Bewegungen zwingen, die seiner Verletzung nicht sonderlich zuträglich sind, außer Gefecht gesetzt.

Langsam, aber so schnell es geht, zieht sich Banjew in Richtung Theke zurück und hofft, dass dort dann die Übelkeit nachlässt. Nach einiger Zeit ist das auch der Fall, und er setzt sich zur Erholung auf den Boden, lehnt sich an die Wand und schließt die Augen. Die anderen werden schon wieder hier vorbeikommen …

Das ist wahrlich nicht sein Tag …

Ayla wendet sich dem Geplagten zu. "Magst Du ein wenig Lakritz um einen anderen Geschmack in den Mund zu bekommen? Mein Riechfläschchen habe ich leider nicht dabei." Sie lächelt entschuldigend.

"Danke, geht schon", presst Banjew zwischen zwei Krampfanfällen hervor. Der Geschmack ist gerade sein geringstes Problem …

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Dies ist, oder besser war, der Schlafraum des Wirtes der Karawanserei. Auf dem Bett in der Nordwestecke liegt seine Leiche; der Zerfall des Körpers ist schon weit fortgeschritten. In seinem Bauch steckt ein Pfeil, und um seinen Hals hängt ein zierlicher bronzener Schlüssel an einer vergoldeten Kette.

Neben dem Bett steht ein kleines Schränkchen, und an der Wand gegenüber des Betts ein kleiner Tisch, auf dem außer einer Schreibfeder und einem ausgetrockneten Tintenfässchen auch ein großes Buch liegt. Die Einrichtung des Raums wird komplettiert durch ein Regal mit einigen Büchern kleineren Formats.

Ouroborox tritt an den Leichnam und löst vorsichtig die Kette mit dem Schlüssel vom Hals.

"Bevor wir hier weitermachen, sollten wir die Leiche hinaus bringen."

Ayla schaut sich zunächst das Buch an und danach das Schränkchen. Sie öffnet vorsichtig alle Schubladen oder Türchen.

Das Buch ist das Hauptbuch der Karawanserei. In langen Zahlenreihen wird bilanziert, dazwischen gibt es ab und an Anmerkungen zu einer Eintragung.

Im Schränkchen findet sie eine Phiole mit einer klaren Flüssigkeit und einen Beutel mit Münzen im Wert von 20 Dukaten.

Als Ouroborox das leise Klingen der Goldmünzen hört dreht er sich um: "Hast du etwas gefunden?"

"Können Zwerge eigentlich Gold riechen?" fragt Ayla mit einem leicht ärgerlichen, ertappten Unterton. "Oder seit Ihr nicht nur mit einer ausgezeichneten Nase sondern auch mit Ohren ausgestattet, denen nichts entgeht?" Mit diesen Worten stopft sie Phiole und Beutel vorsichtig zu den anderen Beutestücken.

"Gold ist fast ein Lebenselexier." wundert sich Ouroborox, dass die Kurzlebigen das Gold nicht erkennen können.

"Wie viel davon braucht denn ein ausgewachsener Angroschim so pro Monat? Und lagert sich das irgendwo ab?" Der Blick, den Ayla dem Zwerg zuwirft, erinnert an den eines Schlachters, kurz bevor er das Schaf schlachtet.

"Wie viel man braucht, hängt davon ab, was man machen will. Für einen Ring braucht man deutlich weniger als für eine Kette." antwortet Ouroborox. "Gelagert wird es dann im Lager. Nur wird zum Verkauf es dann geholt."

Der Gedanke, dass Zwerge Gold essen würde ist ihm nicht gekommen. Das wäre viel zu schade.

"Dieses Gold wird erst mal in meinem Beutel gelagert." entscheidet Ayla. Dann sieht sie sich nach einigen festen Betttüchern um. So sollte der Wirt ins Freie zu bringen sein ohne dass man sich die Finger schmutzig macht.

Die müsste sie aus einem anderen Zimmer holen, zum Beispiel aus dem, durch das die Helden in die Karawanserei gekommen sind.

"Und jetzt zu dem ehrenwerten ehemaligen Besitzer dieses gastlichen Hauses. Sollen wir aus dem Echsenschlafzimmer noch ein paar Decken und Betttücher holen? Damit können wir ihn besser raus tragen und bedecken." fragt Ayla.

Das Bett hat ein Laken. Ayla wollte mehrere feste Beattücher.

Ayla schätzt ab, ob das Laken ausreicht den Wirt nach draußen zu bringen. Falls ja wird sie 2 Ecken ergreifen und fragen: "Trägt jemand den Mann mit hinaus. Er soll ein Boron gefälliges Grab bekommen."

Das wird schon so funktionieren.

"Pack du das Laken unten bei den Füßen und ich nimm ihn oben." fordert Ouroborox sie auf. Dann machen sich beide mit den Überresten auf den Weg nach draußen.

So geschieht es. Der Wirt ist zwar nicht unbedingt leicht, aber für die kurze Strecke reicht es. Am Brunnen legt sie den Leichnam nieder. "Habt Dank, Herr Ouroborox."

Dabei müssen sie wohl oder übel an Banjew vorbei, dessen Magen sich gerade erst wieder beruhigt hat.

Als er erkennt, dass die beiden tatsächlich den Toten raustragen, nimmt er sich nicht einmal die Zeit, die Augen zu verdrehen, sondern gleich Reißaus. Nur irgendwo an die frische Luft und denen aus dem Weg!

Als Lauriel den Geruch des Wirtes wahrnimmt, weiß sie woher der Braten riecht. Sie zieht sich aus diesem Grund auch ein wenig vom Brunnen weg.

Nachdem sie den Wirt abgelegt haben, fällt Aylas Blick auf die Tür mit dem Schloss, das bisher nicht geöffnet wurde.

"Habt ihr nicht vorhin einen Schlüssel genommen?" fragt sie den Zwerg und deutet auf das Schloss.

"Dann wäre jetzt eine gute Gelegenheit ihn zu probieren." antwortet Ouroborox und schaut zu erst, ob der Schlüssel von der Größe her passt. Dann versucht er das Schloss zu öffnen.

Der Schlüssel passt. Der Raum hinter der Tür enthält die Lebensmittelvorräte der Karawanserei. In den Regalen liegen vor allem Bohnen, Hirse, Trockenfleisch und Datteln; Fässer enthalten Wein, Bier, und Branntwein.

Bis auf den zweiten Wachturm haben die Helden jetzt die ganze Karawanserei erkundet.

"Zurück zu den anderen und dann zum Turm?" fragt Ayla den Zwerg.

"Erst der Turm!" sagt Cuilyn bestimmt.

Ouroborox nickt nickt zu Cuilyn Vorschlag und überprüft dann seine leichte Armbrust.

Die Tür in der Ostwand des Turmes lässt sich problemlos öffnen. Das gesamte Erdgeschoss ist ein fensterloser Stall, in dem sich eine Herde Schafe aneinander drängt. Eine Treppe in den ersten Stock gibt es hier nicht, sondern nur eine Leiter außen, die zu einer Öffnung führt.

"Leuchte mal!" bittet Cuilyn Lauriel. Nicht, dass sich hier noch eine Echse versteckt. Cuilyn ist gewarnt.

Die Elfe kommt der Aufforderung ihres Liebsten nach.

Hier im Raum würde es selbst eine Eidechse schwer haben, sich zu verbergen.

Ayla blickt kurz in den Raum, rümpft die Nase und tritt dann zurück. "Wer geht die Leiter hoch?" fragt sie mit Blick auf die einzige Möglichkeit auf das Dach zu kommen.

"Ich!" bietet sich Cuilyn an und beginnt vorsichtig, nach oben zu steigen.

Lauriel bleibt dicht hinter ihm.

Während Cuilyn die Leiter hoch steigt, schaut Ouroborox, mit der Armbrust im Anschlag, ob sich oben etwas rührt.

Die Leiter führt in eine Kammer mit großen Fenstern nach Norden und Westen. Bis auf einige Holzstücke ist sie leer. Eine weitere Leiter in der Südostecke führt aufs Dach.

"Sicher! Hochkommen!" flüstert Cuilyn nach unten.

Und schon steht die Elfe neben ihm.

Sobald sie an der Reihe ist wird sie der Aufforderung nachkommen.

Ouroborox folgt den beiden nach oben.

Ayla folgt ebenfalls und sieht sich um. "Das gleiche Vorgehen wie eben?" fragt sie und deutet auf die Leiter, die auf das Dach führt.

"Jawohl!" Cuilyn steigt vorsichtig nach oben.

Auch hier folgt die Elfe ihrem Freund direkt nach.

Die Leiter führt aufs Dach des Turms. Hier liegen mehrere Haufen Kleinholz, offensichtlich zur Speisung des großen Lagerfeuers, das den Lehmverputz des Daches rußig-schwarz färbt. Ansonsten ist das Dach leer.

"Was ist da?" fragt Ayla leise von unten.

Cuilyn schaut erst einmal in alle Richtungen auf dem Dach.

"Nichts!" meint Lauriel und klettert die Leiter wieder runter.

"Dann war's das wohl!" meint Cuilyn, als er wieder herunterklettert. "Wir können die Karawane reinlassen. Und Chef soll entscheiden, was wir mit dem Schlafenden machen."

"Heute nacht bewachen und morgen früh verhören." Ayla ist froh jetzt nicht mehr mit weiteren Echsen rechnen zu müssen. "Ich will wissen warum sich in diese Gegend Echsen verirren. Die Wüste ist doch nichts für solche Wesen.

Wer holt die Karawane und wer bleibt hier?" fragt sie dann.

Lauriel schaut fragend ihren Freund an, sie wird bei ihm bleiben.

"Lasst uns alle zum Tor gehen, es aufmachen. Und dann rufe ich!" schlägt Cuilyn vor.

"Ich schau mir die verbliebene Echse an und passe dort auf." äußert sich Ouroborox. Dann geht er zu dem Raum in der die Echse schläft.

'Ein Zwerg und eine Echse. Ob das gutgeht?' fragt sich Ayla und folgt vorsichtshalber Ouroborox.