Gegen Abend erreicht die Karawane die Abzweigung nach Malkillahbad. An diesem Punkt ist außerdem eine Furt, die Straße nach Unau geht auf der anderen Seite des Flusses weiter. Auf den Kamelen reitend kommt man trockenen Fußes herüber.

Etwa eine Stunde weiter liegt die Karawanserei Bir-es-Soltan. Sie ist von der Anlage her ähnlich wie Ain-es-Sobek und bietet mehr als genug Platz sowohl für die Karawane Abidullahs als auch für eine weitere Karawane, die mit Salz beladen offensichtlich aus Unau gekommen ist.

Sobald Ouroborox erkennt, dass die Karawanserei ihr nächster Halt ist, klettert er mühsam von dem schaukelnden Tier herunter und läuft den Rest des Weges.

Der Wirt weist den Reisenden drei Räume zu (einen für die Novadis, einen für die ausländischen Männer, einen für die Frauen). Im einem Gemeinschaftsraum kann man Essen und Getränke bekommen oder sich mit Spielen oder Gesprächen die Zeit vertreiben.

Ouroborox ist es erst mal egal, wie die Räume aussehen. Er muss sich zunächst von dem Ritt erholen.

Banjew geht es ähnlich. Er ist zunächst einmal froh, den Tag überstanden zu haben, und erst nach einer kurzen Erholung in der Horizontalen fühlt er sich in der Lage, zum Essen zu gehen.

Im Gemeinschaftsraum sind bereits vier Novadis dabei, ihr Essen zu verzehren. Vermutlich gehören sie zu der anderen Karawane.

Nach einer Weile erhebt sich Ouroborox und geht hinüber zu Banjew.

"Wir sollten zu den Anderen gehen und etwas Essen." fordert er den Magier auf sich zu erheben. "Ich frage nach, ob wir uns vorher noch erfrischen oder baden können."

"Ja, sag mir Bescheid, wenn Du fündig wirst, dann komme ich mit", kommt es müde zurück.

Während er den Herrn der Karawanserei sucht, schaut er sich gleich um, ob es etwas Interessantes gibt. Viel Hoffnung hat er dabei nicht, was soll es hier in der Einsiedelei schon geben.

Er findet die Badezuber, den Stall und im Gemeinschaftsraum auch den Wirt der Karawanserei.

Ouroborox bittet den Wirt zwei Bäder für Banjew und ihn zu richten. Dann holt er Banjew und beide genießen das heiße Bad.

Der Wirt weist einen Knecht an, der das Wasser aus dem Brunnen holt und den großen Kessel anheizt. Es dauert eine Weile, bis das Wasser heiß wird. Der Knecht murmelt etwas von verrückten Fremden und Holzverschwendung.

Banjew genießt das heiße Bad, bis das Wasser so weit abgekühlt ist, dass ihm langsam wieder kühl wird. Nach all den Anstrengungen der letzten Tage - vom Schaukeln und Brechen bis hin zur Verletzung durch den Pfeil - ist das warme Wasser eine wahre Wohltat. Egal was die Einheimischen davon halten!

"Ich glaube, ich könnte langsam etwas zu Essen vertragen", wendet er sich an den Zwerg.

Von dort hört er nur regelmäßige Atemzüge. Durch die Anstrengungen der letzten Tage, dem warmen Wasser sowie der Ruhe und Entspannung hier im Bad ist Ouroborox eingedöst.

So bleibt auch Banjew zunächst im Wasser. Mit der Zeit wird ihm das Wasser allerdings zu kalt und der Hunger zu groß. Er steht aus dem Zuber auf, trocknet sich etwas oberflächlich ab (die Temperaturen in dieser Gegend werden den Rest schon besorgen) und wirft sich die Kleider wieder über.

Sollte der Zwerg weiterhin dösen, macht er sich allein auf die Suche nach etwas zu Essen.

Im Gemeinschaftsraum sieht er Cuilyn sich mit ein paar Novadis unterhalten, während die Frauen sich dabei im Hintergrund halten.

Banjew stutzt einen Moment, er kann sich diese Konstellation nicht recht erklären. Einen Augenblick überlegt er, ob er sich ungeschickt verhält, wenn er sich dazusetzt, kommt aber zu dem Ergebnis, dass es bestimmt keinen besseren Eindruck macht, wenn er sich zu den Frauen begibt.

"Guten Abend, habt Ihr noch Platz an Eurem Tisch für einen hungrigen Reisenden?" wendet er sich an die Novadis.

Die Novadis schauen auf. "Rastullah zum Gruße, Fremder", antwortet einer. "Setzt Euch. Ihr seid auch von der Karawane aus Kannemünde?"

"Das sieht man mir wohl an", antwortet Banjew lachend. "Ja, die hiesige Art des Reitens ist mir noch nicht ganz in Fleisch und Blut übergegangen. Umso mehr Interesse hätte ich an etwas zu essen." Er guckt sich um. "Was bekommt man denn hier?"

"Pilaw", erklärt der Novadi. "Ist sogar recht gut."

"Na, dann wollen wir mal sehen, was das ist, dieses Pillaf", meint Banjew fröhlich gespannt, "und ob ein Nordmann nach zwei Tagen auf dem Kamel es verträgt."

Natürlich verträgt Banjew das Essen, dem immer neugierig auf neue Gerichte ist. Solange er den Eindruck hat, dass die Novadis davon nicht genervt sind, wird er den Geschmack das Essens fachmännisch kommentieren, nach ihm unbekannten Zutaten fragen, und im großen und ganzen das Essen so überschwänglich, wie es ihm gelingt, loben. Denn das Reden über das Essen ist ungefähr so verfänglich wie über das Wetter, aber das könnte einem hier ja recht schnell der Gesprächsstoff ausgehen.

Die Novadis scheinen keineswegs genervt, nur etwas amüsiert über den unwissenden Fremden. Sie beantworten ihm seine Fragen gerne und freuen sich über das Lob, als hätten sie das Essen selbst gekocht.

Banjew freut sich, dass er keinen schlechten Eindruck hinterlässt, und traut sich dann auch, die Gesprächsthemen zu erweitern. Sollte das Gespräch wieder auf die Echsen und ihre Kulte kommen, wird er seine entsprechenden Erfahrungen teilen, seinen Magieeinsatz wird er aber für sich behalten.

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Es vergeht noch einige Zeit bis auch Ouroborox vom abgekühlten Wasser aufwacht. Verschlafen sieht er sich im Bad um und erkennt, dass er nun allein ist. Er steigt aus der Wanne und trocknet sich sorgfältig ab. Gerne hätte er sich frische Kleidung angelegt, er wird der Vorstand der Karawanserei fragen, ob es möglich wäre seine Wäsche gewaschen zu bekommen.

Als er fertig angekleidet ist, macht er sich auf den Weg seine Gefährten zu suchen, die wahrscheinlich schon mit dem Essen fertig sind.

Er findet sie im Gemeinschaftsraum, sie sind schon mit dem Essen fertig. Beim Wirt kann er noch welches bestellen, und seine Wäsche kann er auch waschen lassen - das kostet halt 10 Muwlat.

Er wendet sich an den Wirt, bestellt für sich das Essen und vereinbart mit ihm, dass eine Wäsche über Nacht gewaschen wird.

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Zunächst bringt Ayla ihre Sachen in den dafür vorgesehenen Raum. Hier sieht sie sich genauer um. Sie interessiert Anzahl der Betten // Liegeplätze, vorhandene Türen und Fenster, Sicherung evtl. Fenster.

Lauriel folgt der Maga, allerdings ist die Elfe nicht davon angetan sich das Zimmer mit ihr statt mit Cuilyn zu teilen.

"Wie werden noch viel Zeit miteinander haben", raunt Cuilyn Lauriel zu.

"Ja, Liebster!" antwortet die Elfe und küsst ihn noch schnell auf die Wange.

Der Raum hat vier Betten, dazu jeweils eine Truhe, zwei an jeder Seitenwand. Gegenüber der Tür gibt es ein einzelnes Fenster in der dicken Außenmauer der Karawanserei. Es ist gerade breit genug, dass ein schlanker Mensch durchpassen könnte, und kann mit einem Laden verschlossen werden. Unter dem Fenster steht ein Waschtisch. Die Tür hat einen Riegel auf der Innenseite.

Lauriel schaut aus dem Fenster, wo es hinführt.

Man hat einen Blick nach Osten, wo sich in einiger Entfernung die Ausläufer der Unauer Berge erheben. Es gibt nur eine Ebene in der Karawanserei. Aber die ist groß, mit mehreren Gebäuden, Innenhof, Stall und Weidefläche. Ähnlich wie Ain-es-Sobek.

"Dadurch passt Cuilyn nicht." meint Ayla grinsend als sie die Elfe am Fenster sieht. "Soll ich heute Abend einen längeren Spaziergang machen?" fragt sie dann neckend.

"Er nicht, aber ich - wenn ich will!" antwortet die Elfe lächelnd. "Und nein, wir haben noch viel Zeit für uns, da kommt es auf den einen Abend nicht an.

Ich würde lieber der Geschichte lauschen, wo man im Süden Sprüche meiner Brüder und Schwestern lernt."

Ayla schickt sich an den Raum zu verlassen. "Schließt Du nachher die Fensterläden?" fragt sie die Elfe.

"Ja, gleich …"

Im Essensraum sucht sie nach Mitgliedern der anderen Karawane.

Dann sucht sie nach einer Möglichkeit sich frisch zu machen, um den Sand und den Staub von Kleidung, Haar und Haut zu entfernen.

Auch diese Karawanserei hat einen durch Vorhänge abgetrennten Bereich mit ein paar Badezubern. Als Lauriel aber nachfragt, zeigt sich der Wirt schockiert und bietet ihr nach kurzem Zögern an, in den Gemächern seiner beiden Frauen ein Bad zu nehmen.

"Ja, das wäre mir auch genehm", antwortet Lauriel mit einem betörenden Lächeln.

"Ähm, ja, nun, folgt mir bitte." Der Wirt führt sie durch seinen kleinen Wohnbereich und übergibt sie einer seiner Frauen, die er als Yamira vorstellt. Dann zieht er sich rasch wieder zurück.

Yamira, eine kleine Frau um die vierzig, erweist sich als recht schüchtern. Wahrscheinlich hat sie noch nie vorher eine Elfe gesehen. Sie weist Lauriel ein paar Kissen zum Sitzen und bietet ihr etwas Gebäck an, während sie Wasser holt und erhitzt.

Sich höflich bedankend lässt sich die Elfe auf den Kissen nieder und knabbert an ihrem Gebäck. Nebenbei versucht sie ein wenig über die Lebensumstände hier in der Karawanserei zu erfahren.

Yamira sagt nicht viel, aber Lauriel kann heraushören, dass sie wohl lieber in einer Stadt wie Unau wohnen würde als in einer Karawanserei eine Tagesreise von den nächsten Menschen entfernt. Anscheinend hat sie einen Sohn, der in der Leibgarde des Sultans dient.

Da hakt die Elfe nach, lobt die Kämpfer der Leibgarde als große Streiter und versucht mehr über den jetzigen Aufenthalt des Sohnes zu erfahren.

Yamira ist offensichtlich stolz auf ihren Sohn. Die Leibgarde und somit auch der Sohn ist normalerweise in Unau beim Sultan. Sie haben aber neuerdings wohl auch die Aufgabe, für Recht und Ordnung zu sorgen, was sie falls nötig auch in andere Gegenden des Sultanats führen könnte.

"Da Unau unser Ziel ist, sollen wir vielleicht etwas für Euren Sohn mitnehmen oder ihm etwas ausrichten?" fragt Lauriel.

"Eine Mutter weiß doch immer am besten, was dem Kind fehlt …", fügt sie wissend lächelnd an.

"Oh, würdet Ihr?" Yamira erwidert das Lächeln schüchtern. "Also, wenn Ihr ihn seht, richtet ihm einfach Grüße aus. Und sagt ihm, dass es uns gut geht."

"Wie heißt er denn gleich?" fragt Lauriel. Als das Wasser warm ist, zieht sie sich aus und nimmt ihr Bad.

"Khalid ben Rafid", antwortet die Novadifrau. "Ein großer, schlanker junger Mann." Sie hilft Lauriel und bringt Handtücher.

"Ich werde es mir merken. Danke!" Sie nimmt die Handtücher entgegen und trocknet sich ab und zieht sich wieder an.

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Sollten sich Cuilyn oder Banjew im Raum befinden so wendet sie sich ihnen zu. "Hier haben wir eine Chance, mehr über die Verhältnisse in Unau zu erfahren. Aber dafür müsst ihr nach vorne. Als Frau habe ich keine Möglichkeit mit den Novadis zu reden. Aber ich bin bei Euch, notfalls als Übersetzerin."

"Ist das mit dem Reden zwischen Männern und Frauen wirklich so extrem bei den Wüstenbewohnern?" will Cuilyn ungläubig wissen.

Ein grimmiger Ausdruck legt sich auf Aylas Gesicht: "Küche und Kinder." spuckt sie fast aus als wäre alles gesagt.

Cuilyn schüttelt nur den Kopf.

Nach einer Weile kommt auch Lauriel erfrischt in den Raum und gesellt sich zu den Gefährten.

"Und wirst Du es versuchen? Ich kann im Hintergrund übersetzen falls notwendig. Es wäre vielleicht ein guter Test, in wie weit ihr in Unau auffallen würdet." fragt Ayla nach.

"Versuchen wir es!" Cuilyn steht auf und geht zu den Einheimischen. "Guten Tag meine Herren, erlaubt Ihr, dass ich, ein Fremder aus dem Norden, sich zu euch setzt?" versucht sich Cuilyn in einer höflichen Anrede.

Lauriel hält sich bei Ayla im Hintergrund. Sie überlegt, ob sie vielleicht ein wenig Mandra wirken sollte. Aber erstmal abwarten, ob es was spannendes gibt.

"Selbstverständlich, Effendi", antwortet ein Mann mit wettergegerbtem Gesicht. "Setzt Euch und nehmt eine Tasse Tee. Was führt Euch nach Bir-es-Soltan?"

"Sehr gern, danke!" Cuilyn setzt sich. "Wir sind auf dem Weg nach Unau mit unserer Karawane."

"Typisch, uns Frauen bietet keiner Tee an!" empört sich Lauriel flüsternd zu Ayla.

"Dschinnis trinken keinen Tee." Der Gedanke taucht spontan auf und ist ausgesprochen bevor Ayla es gemerkt hat.

Lauriel kichert über die Bemerkung, dann lauscht sie wieder dem Gespräch.

"Ah, das muss die aus Kannemünde sein." Der Mann nickt Cuilyn zu. "Wir ziehen andersherum gerade. Sagt, wenn Ihr aus Kannemünde kommt, habt Ihr etwas gehört, ob die Händler bald den neuen Zoll zahlen werden?"

"Darüber gibt es unterschiedliche Meinungen. Wir wollen mal sehen, was es mit dem neuen Zoll auf sich hat", versucht Cuilyn auszuweichen. "Bei der nächsten Karawanserei Richtung Unau solltet ihr auf etwas gefasst machen", hebt der Krieger dann an zu erzählen.

Die Novadis machen große Augen bei der Geschichte und beglückwünschen Cuilyn zu seinem Sieg. Sie spendieren ihm und seinen Gefährten das Abendessen.

"Seid herzlich bedankt!" erwidert Cuilyn und bittet seine Gefährten hinzu.

Ayla bedankt sich ebenfalls höflich, hält sich dann aber im Hintergrund.

Auch Lauriel ist sich sicher, dass es besser wäre sich nicht zu den Männern zu setzen. Sie bleibt bei Ayla.

Das Essen hier ist Pilaw, einfach, aber gut gewürzt.

Lauriel geniest das scharfe Essen des Südens seit sie in Khunchom ist, das Pilaw macht keine Ausnahme.

Auch Ayla ist mit ihrer Mahlzeit zufrieden. Sie sieht sich dabei nach neuen oder anderen Gästen um, die nicht sofort als Novadis zu erkennen sind.

Weitere Gäste gibt es heute anscheinend nicht.

Während des Essens fragt Cuilyn die Tulamiden beiläufig: "Sagt mal, wie ist er so, der neue Sultan."

"Nun ja …" Die Novadis blicken einander an. "Wir kennen ihn natürlich nicht persönlich, aber er scheint große Pläne zu haben", sagt der bisherige Wortführer.

"Und er ist politisch erfahren", meint ein anderer. "Schließlich war er vorher bereits Großwesir."

"Ja", stimmt der dritte zu, ein etwas untersetzter Mann mit Doppelkinn. "Und er steht unter Rastullahs Schutz, ganz klar. Habt Ihr schon die Geschichte seiner wundersamen Errettung vor dem Tode gehört?"

"O, eine wundersame Geschichte!" entfährt es Cuilyn. "Bitte erzählt!"

Ayla wird aufmerksam und verfolgt die Geschichte interessiert.

Der Novadi räuspert sich. "Ja, nun, es war kurz vor dem Ableben des alten Sultans, Khalid ibn Rusaimi, Rastullah habe ihn selig. Ich denke, im fünften Gottesnamen. Oder war es schon der sechste? Tja." Er räuspert sich erneut. "Also, jedenfalls, der alte Sultan lag auf seinem Sterbebett, und es gab ein Wehklagen unter allen gläubigen Bewohnern Unaus - naja, also eigentlich alle - und der Umgebung, von Hawwah bis Tarfui und von Keft bis, hmm, bis Malkillabad." Er räuspert sich wieder. "Eine furchtbar trockene Luft zum Geschichten erzählen ist das", bemerkt er und sieht Cuilyn erwartungsvoll an.

Ayla muss ein wenig grinsen. 'Geschichtenerzähler scheinen überall in Aventurien durstig zu sein. Komisch nur, dass Wasser ihren Durst eher steigert.'

Sie versucht ein wenig zurückzurechnen wann sich das Vorgetragene denn ereignet haben könnte. Aber solange der Erzähler nicht sagt in welchem der 5 Monate das passiert ist kann sie nur spekulieren.

Ayla kennt das novadische Datum nicht und obwohl sie schon grob gehört hat, wie der novadische Kalender funktioniert, weiß sie nicht, wie man vom Zwölfgötter-Kalender in diesen umrechnet.

"Ah, die Geschichte beginnt!" ruft Cuilyn erfreut. "Herr Wirt! Einen Krug, was immer Du willst, für den edlen Erzähler!"

"Oh, vielen Dank, Sohn der Großzügigkeit", freut sich der Novadi und bestellt einen Krug Wein. Als der gebracht wurde und er sich die Kehle befeuchtet hat, fährt er fort.

"Also, wo war ich? Ach ja. Nun, zu der Zeit begab es sich also, dass eine Karawane von Keft nach Unau reiste. Ich glaube, sie brachten Datteln. Oder Oliven? Hmpf. Naja, egal. Sie nahmen einen etwas anderen Weg als üblich, warum, hat man mir leider nicht überliefert. Das muss also schon hinter dem Salzsee gewesen sein, dort kann man keine anderen Wege nehmen. Aber das ist ja klar."

Der Novadi nimmt einen weiteren Schluck. "Sie zogen also so dahin, als sie am Rande des Weges einen Mann entdeckten, der da einfach so lag. Sie gingen zu ihm, denn jeder rechtgläubige Novadi muss einem anderen helfen. Nicht so wie in den Städten der Ungläubigen, wo die Leute am Straßenrand verhungern. Nun ja. Jedenfalls, der Mann war nicht am Verhungern, sondern er hatte schwere Verletzungen und war dem Tode nah. Er hatte bestimmt schon zwei Tage so in der Wüste gelegen und hatte so viel Blut verloren, dass der Sand um ihn rot, aber seine Haut weiß geworden war. Die Leute der Karawane verbanden seine Wunden, obwohl sie wenig Hoffnung für ihn sahen, und brachten ihn nach Unau zum Palast. Ach so, ja, sie hatten ihn natürlich erkannt, es war Abu Tarfidem Tuametef al-Leram, der Großwesir."

Wieder trinkt der Erzähler und unterdrückt ein Gähnen. "Jetzt lag also nicht nur der Sultan im Sterben, sondern auch noch sein Nachfolger. Es sah aus, als sei Rastullah Unau nicht mehr gnädig, aber die Wege Rastullahs sind unergründlich und wir armen Sterblichen können sie nicht durchschauen. Und so begab es sich, dass Rastullah in seiner Güte einen Weisen Mann nach Unau schickte. Er war ganz in Seide gekleidet und ritt das edelste aller Shadif, und das Licht Rastullahs war in seinen Augen. Natürlich kam auch er aus dem heiligen Keft. Er ging in den Palast zum Krankenlager des Wesirs, wo er sich hinkniete und zu Rastullah betete. Und so betete er die ganze Nacht und den folgenden Tag und die folgende Nacht ohne Unterlass, ohne zu Schlafen, zu Essen oder zu Trinken."

Rasch nimmt der Mann noch einen Schluck Wein als hätte die Geschichte ihn daran erinnert. "Tja, und als die ersten Strahlen der Sonne des nächsten Tages das Zimmer erreichten, da heilte Rastullah seinen Diener - den Großwesir meine ich natürlich, nicht den heiligen Mann - und seine Wunden schlossen sich und sein Gesicht bekam wieder Farbe und er erhob sich als neuer Sultan von Unau, denn in der gleichen Nacht war der alte Sultan verstorben. Und jeder Mann und jede Frau in Unau fiel auf die Knie und dankte Rastullah für seine Güte."

Ayla hört fasziniert zu und versucht eventuell Übertreibungen einzuordnen. Beim letzten Teil des Berichtes überlegt sie, ob sie bereits von solchen Wundern Rastullahs gehört hat.

In Geschichten hat sie schon ab und zu so etwas gehört. Sie zweifelt aber an deren Wahrheitsgehalt genauso wie bei der Geschichte über diese Heilung.

"Eine große Gnade, wahrhaftig", stimmt Cuilyn zu. "Ist denn bekannt, wie der neue Sultan in der Wüste zu seinen schweren Verletzungen gekommen ist?"

"Das weiß niemand", sagt der Novadi. "Auch nicht, warum er überhaupt in der Wüste war. Aber sicher war es nach Rastullahs Plan."

Das nun wieder bezweifelt Ayla sehr stark. Sie beugt sich zu Cuilyn herüber. "Frag doch bitte nach ob es keinen Thronfolger gab."

"Wer wäre denn Thronfolger gewesen, wenn der damalige Wesir seinen Verletzungen erlegen wäre?" fragt Cuilyn nach.

Die Novadis sehen sich an. "Keine Ahnung", antwortet dann einer. "Der neue Sultan wird immer von den neun Beratern des alten Sultans bestimmt."

"Ach so", staunt Cuilyn. Er kennt bis jetzt nur die Erbfolge über den ältesten Sohn oder die älteste Tochter. "Wie kümmert man sich den am besten um eine Audienz beim neuen Sultan", will Cuilyn dann wissen.

"Na, ich nehme an, da müsst Ihr beim Palast vorsprechen", antwortet der Novadi. "Warum wollt Ihr eine Audienz?"

"Verzeiht mein Freund, das ist eine persönliche Angelegenheit", erwidert Cuilyn ernsthaft.

"Dann will ich nicht weiter in Euch dringen."

Ayla hätte gerne noch mehr über den alten Sultan bzw. die Wahl des neuen Sultans erfahren. Wer war der alte Mann, hatte er männliche Nachkommen, wer war der Rat der über den neuen Sultan entschieden hat. Auch der heilige Mann interessiert sie. Und warum er von den Verletzungen des neuen Sultans wusste. So versucht sie Cuilyn leise entsprechende Stichworte zu liefern.

Die Novadis können sagen, dass der alte Sultan einen Sohn hat, Prinz Mustafa. Er gehört zu den neun Beratern, die den Sultan bei der Regierung unterstützen. Bezüglich des Heiligen Manns meint der Geschichtenerzähler, Rastullah habe ihn schließlich geschickt, also wird ER es dem Heiligen Mann auch gesagt haben.

Das Gespräch der Händler wendet sich dann den Echsengötzen zu, deren Macht ihrer Meinung nach gefährlich wächst. Den Überfall auf Ain-es-Sobek sehen sie als Beweis.

"Liebster", meint Lauriel zu Cuilyn als die Novadis sich wieder abgewandt haben, "klingt das mit dem Sultan nicht etwas komisch?"

"Das kannste wohl sagen", raunt Cuilyn. "Und wenn alle Dämonen gemeinsam tanzen, hängen auch die Echsen noch mit drin."

Als sich die Gelegenheit ergeben wird Ayla dem Magier noch folgendes ins Ort flüstern: "Gelbherzen!"

Vielleicht findet er ja noch etwas über den Begriff heraus.

Und so flechtet Banjew beiläufig die Frage ein, ob die Novadis mit dem Begriff "Gelbherzen" etwas anfangen können.

"Bei Rastullah!" ruft einer der Novadis erschrocken aus. "Wo habt ihr denn das gehört?" fragt ein anderer. "Vergesst das ganz schnell wieder, wenn Ihr nach Unau reist. Das ist eine Beleidigung für die Leibgarde des Sultans."

"Ui!", ist alles, was Banjew dazu einfällt, und er wechselt schnell wieder das Thema.

Ayla ist ebenfalls über die Aussage erstaunt. Hatte doch der Bote diesen Begriff benutzt. Scheinbar hat sich mit dem neuen Sultan einiges geändert. Warum sonst sollte man bei einer Palastwache vorsichtig sein. Die kommt doch nur im Palast vor und wird nur etwas unternehmen wenn der Sultan in Gefahr ist.