Aufbruch

Nach dem Gauklerfest geht es endlich los. Frumol bekommt sein neues Sattelzeug rechtzeitig, und so steht der Reise nach Mherwed nichts entgegen.

Die erste 30-Meilen-Etappe führt durch überwiegend Waldgebiet nach Südwesten bis zum Dorf Chefe, wo die Reisenden ihre erste Nacht verbringen. Weiter als bis Chefe geht es an diesem ersten Tag bei bestem Willen nicht, denn Ingalf tut sich außerordentlich schwer mit dem Reiten. Dauernd rutscht er auf dem Sattel hin und her – mit entsprechenden Folgen für sein Hinterteil. Frumol und Sephyra kommen mit dem ungewohnten Reiten recht gut zurecht, sind aber auch froh, als Randirion schon am frühen Nachmittag einen Halt vorschlägt.

Von Chefe aus geht es zuerst Richtung Süden später nach Westen durch Hügelland innerhalb von drei Tagen zum am Mhanadi gelegenen Rashdul. Die Gruppe geht geruhsam voran. Insbesondere Ingalf steigt immer wieder ab, um zwischendrin zu Fuß zu gehen. Sein Pferd ist aber die Ruhe selbst und lässt sich insbesondere besonders willig von ihm striegeln.

Bei jeder sich bietenden Gelegenheit füllt Sephyra die mitgenommenen Wasserschläuche auf oder ersetzt das Wasser durch neues. So wie Uriella trinkt sie sich jedes Mal richtig satt, denn Wasserverlust kann man sich hier nicht leisten.

Von Rashdul aus geht es eine kurze Tagesreise entlang des Mhanadi nach Mherwed. Und dort beginnt die Karte. Ihr zufolge führt die Reise entlang des Mhalik, ein Nebenfluss des Mhanadi, in das Khoram-Gebirge, welches dies Wüste Khom von den Feuchtländern abtrennt. Über einen Pass geht es dann in die Khom und dann immer genau nach Westen.

Der hernieder brennenden Sonne ist Sephyra dank der vorzüglich angepassten Kleidung bei weitem nicht so stark ausgesetzt wie die Gefährten. Gleichwohl ist es *warm*, was ihre Laune nicht zwingend verbessert …

So brummelt sie immer mal wieder während der Reise vor sich hin.

Mherwed

In Mherwed bittet Sephyra die anderen um einen etwas längeren Aufenthalt: "Lasst uns sehen ob wir nicht doch eine Karawane finden." meint sie. "Außerdem finde ich, sollten wir wirklich unsere Ausrüstung auf eine Wüstendurchquerung ausrichten."

"Madame Lunor, so sehr mich die Aussicht auf eine malerische Karawane auch fasziniert, so muss ich doch zugeben, dass in diesem speziellen Fall mir dies keine sinnvolle Idee zu sein scheint. Denkt nur an all die Fragen, die eine solche Reise in Gesellschaft mit sich bringen. Und wir würden die Karawane mitten in der Wüste verlassen müssen. Das würde sicherlich für Aufsehen sorgen. Was wolltet Ihr den andere Mitreisenden sagen?"

Randirion ist sehr skeptisch.

Frumol ist es lieber sich einer Karawane anzuschließen, obwohl auch der der Herr Kavaliere Recht hat.

Sephyra stutzt - da hat der Kawaljere Recht! "Ich muss zugeben, dass ich darüber noch nicht weiter nachgedacht hatte." gibt sie zu. "Aber eine gute Geschichte zu erzählen dürfe wesentlich einfacher sein, als sich einer Bande von 39 Wüstenräubern zu stellen!" untermauert sie ihr Argument, doch eine Karawane zu begleiten. "Anhand der Karte wissen wir doch ungefähr, bis wohin wir mit einer Karawane ziehen können. Dann suchen wir eben eine, die den Großteil dieses Wegs nimmt, dann aber nicht wie wir weiterzieht, sondern abbiegt - oder wir behaupten, wir müssten einen anderen Weg nehmen, oder wir schleichen des Nachts davon. Es gibt viele Wege nach Gareth."

"Ich hoffe, dass Ihr da recht habt - ist denn die Auswahl an Karawanen ausreichend groß?"

"Woher soll ich denn das wissen?" fragt sie zurück. "Das werden wir schon sehen, sobald wir in einer Karawanserei nachgefragt haben, ob überhaupt demnächst eine passende Karawane aufbricht - da herrscht eigentlich kein Linienverkehr." grinst sie.

"Wie unglücklich …" grinst er zurück.

"Auf eine Wüstendurchquerung einrichten sollten wir uns allerdings - aber außer Wasser und einem vor der Sonne schützenden Hut, was braucht man denn noch?"

Hier macht auch Frumol sich Gedanken. Er hatte bisher noch keine Gelegenheit, Einkäufe zu tätigen. Zwar hat Sephyra schon ein solch luftiges Gewand, welches ihren sehnigen Körper mehr verhüllt als betont, doch er reist noch in seinen üblichen Sachen. So wird er sich auch vor der Wüste noch ein solches zulegen.

Frumol ersteht auf dem Basar für 10 Silbertaler ein helles wüstentaugliches Gewand.

Auch über das übrige muss er mit Sephyra noch sprechen. Schließlich sind sie damals nicht fertig geworden Pläne zu schmieden. Zu eilig hatte sie es, "Zaubern zu lernen", wie sie es nannte. Neugierig ist er zwar schon, was sich dahinter verbirgt, doch nachfragen würde er nie! Bei dem Gedanken an die Szene am Lagerfeuer muss er schmunzeln.

"Wie wäre es mit einer schönen warmen Decke für die Nacht, einem Zelt, Futter für die Tiere etc. etc. etc." antwortet Sephyra wissend.

"Hmm - wäre es möglich, Madame Lunor, dass Ihr uns Nicht-Wüstenerfahrenen helft, die nötigen Dinge zusammenzustellen? Ich muss zugeben, dass ich außer der Decke nichts der aufgezählten Dinge besitze …"

"Nun dann wird es Zeit!" ruft Sephyra aus. "Und Pferdefutter brauchen die Tiere nicht nur in der Wüste." ergänzt sie ob des naiven Gesichtsausdrucks des Kawaljere.

Als dieser sie verständnislos ansieht, erwidert Sephyra auf die ursprüngliche Frage: "Natürlich werde ich helfen, die nötigen Dinge zu besorgen, auch zu 'besorgen', wenn es sein muss - aber Ihr solltet eigentlich die nötigen Geldmittel zur Verfügung haben. Und wie gesagt, in der Wüste braucht man eigentlich alles - und was man nicht mitnimmt, hat man nicht - überlegt gut, was Ihr sonst in einer Woche esst, trinkt, etc. und geht davon aus, dass unter widrigen Umständen alles doppelt hilft, wenn man es doppelt hat." beendet sie ihre kleine Lektion.

Obwohl Frumol gar nicht gemeint war, senkt dieser betroffen das Haupt. Bisher hatte er sich höchstens über die Hälfte der Dinge Gedanken gemacht, die Sephyra eben dem Herrn Randirion an den Kopf geworfen hat.

Er bewundert erneut Sephyras ganzes Wissen, und wusste schon, warum mit ihr zusammen planen wollte …

"Nun, an das Pferdefutter hätte ich wahrscheinlich schon noch gedacht … Aber der Rest … Ich gehe also recht in der Annahme, dass wir in absehbarer Zeit nur sehr wenige Gasthäuser finden werden?"

"Die Geldmittel sind vorhanden, natürlich, und Eure Hilfe nehme ich dankend an. Apropos Geldmittel - falls die Euren durch den Kauf der Rösser vorübergehend geschwächt sind, wäre es mir natürliche eine Ehre, auszuhelfen, wo immer nötig. Außerdem können wir, da ich ja ein Packpferd besitze, auch die zusätzliche Last vielleicht entsprechend verteilen …"

Und so machen sich Randirion und Sephyra begleitet von Frumol und Ingalf auf, alles noch fehlende einzukaufen. Knapp 10 Dukaten kostet alles zusammen, was Randirion mit einem Lächeln übernimmt.

Dann geht es an die Organisation der weiteren Reise. Als die vier sich umhören, kriegen sie mit, dass von Mherwed relativ selten Karawanen in die Khom aufbrechen und so beschließen sie, erst einmal allein weiter zu reisen.

Letzte Rast

Es geht den Mhalik entlang ins Khoram-Gebirge. Madrash ist die letzte Ansiedlung, die man als 'Stadt' bezeichnen kann, und eine Tagereise später kommt ein Gasthof im Osten eines bewaldeten Talkessels, wo sich der Weg gabelt. Einer führt nach Nordwesten, der andere nach Südwesten. Diese sind die beiden Wege, um die Khom zu umrunden, erklärt der Wirt den vier Reisenden, die heute die einzigen Gäste sind.

Hier befüllt Sephyra noch einmal alle Wasserschläuche mit frischem Wasser und tränkt Uriella.

Auch Frumol wird sein Pferd fürsorglich tränken und verpflegen.

Aus der Karte ist eindeutig zu sehen, dass das Ziel exakt im Westen liegt. Einen der beiden Wege muss man erst einmal nehmen und dann bei Gelegenheit in die Khom abbiegen.

"Ich wäre für den nordwestlichen Weg, im Süden wird es nur heißer." meint sie zur Entscheidungsfindung.

"Welchen Weg könnt ihr uns empfehlen?" fragt Frumol den Wirt, der sich hier sicherlich besser auskennt als die Schatzsucher.

"Wohin soll es denn gehen, verehrte Reisende?" ist die joviale Gegenfrage des Wirts.

Noch bevor Frumol irgend etwas Unüberlegtes antworten kann, zieht Sephyra ihn zärtlich - aber bestimmt - beiseite und flüstert ihm ins Ohr: "Eh, Du wirst jetzt bitte nicht sagen: 'Wir suchen einen Schatz der mitten in der Wüste liegt.' oder etwas in dieser Art. Niemand braucht derzeit unser genaues Ziel zu kennen!"

Frumol schaut sie aus großen Augen überrascht an. Nie hatte er vor, dies zu sagen. Doch, hätte er es gesagt, hätte ihm vermutlich sowieso keiner geglaubt. Die Erfahrung hatte er schon öfters gemacht. Das wäre zu absurd, um es ihm zu glauben.

Dann knabbert sie noch kurz an seinem Ohrläppchen, und grinst sich dann abwendend den Wirt an: "Entschuldigung, wie meintet Ihr?"

Welches Frumol sichtlich genießt. 'Ob es davon später eine Fortsetzung gibt?' fragt er sich.

'Mince! Ich hatte doch gewusst, dass es dazu kommen würde …' denkt sich Randirion bei dieser Frage. 'Hätten wir uns doch etwas überlegt!'

"Eine Familienangelegenheit … ein entfernter Ahnherr von uns ist in der Gegend verstorben, und wir wollen dem Ahnen die Ehre erweisen." improvisiert Randirion.

Für Frumol kling das, was der Herr Kavaliere sagt zumindest nicht sehr überzeugend …

Der Wirt hat's aber anscheinend gefressen. Oder es ist ihm egal.

'Primitive Kulturen messen der Ahnenverehrung einen hohen Rang bei. Das müsste plausibel sein.'

"Der Ort müsste etwa westlich von hier liegen …" Randirion wedelt in die ungefähre Richtung.

"Etwas westlich - soso", murmelt der Wirt. Laut entgegnet er: "Dann wollt ihr wohl zur Oase Al'Rifat. Dazu müsst ihr den nordöstlichen Weg nehmen. Nach dem Pass geht es hinab zur Wüste, dann zwei Tagesreisen immer am Rand lang, bis es wieder ins Gebirge geht. Dort liegt in einem feuchten Talkessel das Dorf El Karram. Kurz vor El Karram geht der große Südweg ab. Direkt in die Khom. Auf dem halben Weg zum Salzsee Cihanebi liegt Al'Rifat."

Er überlegt einen Moment. "Oder wollt ihr weiter in den Westen - nach Keft?"

"Nein, Al'Rifat war der Name. Entschuldige er bitte, ich bin des Tulamidischen noch nicht sehr mächtig. Habe er auf jeden Fall herzlichen Dank!" und gibt ein gutes Trinkgeld bei der Abreise.

Der Wirt nimmt das Trinkgeld mit tiefer Verbeugung entgegen. "Rastullah behüte Eure Wege!" ruft er den Reisenden hinterher.

'DARAN erinnere ich mich! Als Nicht-Novadi darf man nicht nach Keft hinein …' denkt sich Randirion. 'Also lieber erst gar nicht den Verdacht aufkommen lassen …'

Natürlich wird auch er Sorge tragen, dass seine Pferde reichlich zu trinken erhalten, und auch seine eigenen Vorräte wird er auffrischen.

Ingalf hat die Verhandlungen und Einkäufe gern den anderen dreien überlassen. Er ist in erster Linie damit beschäftigt sich immer wieder vom Reiten zu erholen. Aber langsam gewöhnt sich sein Hinterteil an die Art zu Reisen. Und sein Pferd ist hat ein freundliches Gemüt.

In die Wüste

Nach einer angenehmen Nacht machen sich die Helden auf den Weg in die Wüste. Zuerst geht es über den Pass, über den die Pferde meistens geführt werden, und dann wieder hinab bis zum Rand der Khom. Trocken ist es hier, aber eine schwache Vegetation findet man immer wieder, da einzelne kleine Rinnsale aus dem Gebirge hinab kommen.

Ein ausdörrender trockener Wind bläst über die ebene Wüste - Geröll und Sand Richtung Südwesten, soweit das Auge reicht.

'Wie kann man hier nur leben wollen?' fragt sich Frumol angesichts dieser öden Landschaft. Hier ist ja nichts außer Sand weit und breit. Da hat ihm die Seereise mit der Königin von Festum schon mehr Spaß bereitet.

Dennoch scheint ihm dies ein geeigneter Ort, um einen großen Schatz zu verstecken …

Sephyra zieht den zum Gewand gehörenden "Schleier" fest vor das Gesicht, sodass nur noch ein kleiner Spalt für die Augen bleibt. 'Ich hasse Sand …' denkt sie noch, während der feine Flugsand bis in die Stiefel zieht. "Beeindruckende Landschaft!" ruft sie über das Getöse des Windes, damit auch die Gefährten sie verstehen.

Von ihrer Karte wissen die Abenteurer, dass ihr Ziel weitab aller Karawanenwege mitten in der Wüste liegt.

Von hier aus schätzungsweise 2 Tagesreisen "Richtung "West-Süd-West", wie Ingalf, der von allen den besten Orientierungssinn besitzt, meint. "Wenn die Karte stimmt!" setzt er hinzu. Die Oase Al'Rifat ist auf der Karte nicht eingetragen.

Ingalf schaut seine Gefährten an: "Navigator bin ich gern, aber das Kommando muss vom einem von euch kommen."

Darauf hin erwidert Sephyra erst mal nichts. 'Der Kawaljere wird sicher sofort das Ruder an sich reißen …' seufzt sie innerlich. 'Warten wir ab.'

Randirion imitiert gut gelaunt einen Seeoffizier, und salutiert zackig (und ziemlich geübt …) vor Sephyra.

Eher linkisch erwidert sie nachlässig aber grinsend den Gruß.

"Frau Capitano - Der Navigator hat den neuen Kurs ausgearbeitet. Die Wüstenflottille ist bereit zur Kursänderung. Ihr Befehl, Madame?"

"Aye, Leichtmatrose!" antwortet Sephyra in des Kawaljeres Spiel einfallend. "Steuermann, Kurs wie berechnet setzen. Navigator, du voran!"

Mit diesen Worten folgt sie der Richtungsweisung von Ingalf.

Frumol muss angesichts dieses Schauspiels nur breit, ganz breit grinsen.

Und so geht es ins total Unbekannte.