Hinein mit den Pferden

Wenn wir unsere Pferde hier lassen wollen, sollten wir das schon genauer prüfen. Komm Ingalf, lass uns mal die Gänge da hinten ableuchten."

Mit Ingalf und seiner Sturmlaterne im Schlepptau geht Sephyra weiter in die Höhle hinein und versucht im Lichtschein zu erkennen, ob und wie weit die beiden Gänge in den Berg hineinführen. Sie ist immer darauf gefasst, zurückzuspringen und sich aus der Höhle zurückzuziehen, sollte eine unangenehme Überraschung warten.

"Tja, ich würd' ja auch denken, dass eine Ameise wohl nich' allein is', aber hier is' doch weniger los, als im Holzbein meines Onkels und wovon, frag' ich, soll'n dann die anderen Ameisen sich ernähren?"

'Zumindestens sollte es wohl möglich sein mit den Balken das Tor so zu verrammeln, das wenigstens von draußen keiner mehr an meinen Leif 'rankommt, wenn er hier drin is' ', denkt Ingalf, die Balken in der Nische betrachtend.

Und auf der Innenseite der Torflügel sind genau die passenden Halterungen für die Balken.

Zuerst schauen die beiden in den schmalen Gang nach rechts. Der scheint ziemlich lang geradeaus zu gehen. Es hat den Anschein, dass an an der Grenze des sichtbaren Bereiches der gang nach rechts abbiegt.

"So, 'n Knick nach Steuerbord, na ob wir das Ende vom Gang nich' kennen? Was denkste Mädel, woll'n wir die Tür von achtern ansteuern?"

"Ja, lass uns erst mal sehen, ob nicht hinter dem Knick etwas lauert." antwortet sie und lässt Ingalf mit einer galanten Handbewegung den Vortritt: "Ihr habt das Licht, Steuermann!" fällt sie in das alte Spiel wieder ein.

"Ay, Käptn! Leinen los und 'rum ums Kap" antwortet Ingalf mit breitem Grinsen.

Er geht vor Sephyra um die Ecke. In der Linken die Laterne, in der Rechten den Schneidzahn.

Sephyras Befürchtung ist unbegründet: Hinter dem Knick lauert nichts.

Dafür ist die Vermutung Ingalfs richtig: Kurz hinter dem Knick des schmalen Ganges kommt eine Tür. Als er sie vorsichtig zu öffnen versucht, gelingt das problemlos. Und dahinter ist der schon bekannt Gang mit der Abzweigung zur Schießscharte.

Frumol betrachtet interessiert die Örtlichkeit im Schein der Laterne.

"Na, die Balken da in der Ecke, die dienen wohl der Verriegelung des Tors," überlegt er laut und blickt neugierig nach hinten zu den zwei Gängen.

"Wenn wir die Pferde nicht hier lassen wollen, wo es eh ziemlich dunkel ist, wenn wir das Tor schließen, sollten wir uns mal den breiteren Gang dahinten links ansehen. Vielleicht finden wir ja ein gemütlicheres Plätzchen für die Tiere als hier in Gesellschaft der angeblichen Illusion." Bei den letzten Worten grinst er den Kavaljäre an. Er hofft immer noch inständig, dass zu diesem Riesenvieh hier nicht noch weitere Kollegen in den Gemäuern gehören, die auf dessen Ableben möglicherweise ungehalten reagieren könnten.

Ingalf folgt ihr nach draußen und nimmt seinen Leif am Halfter.

"So, mein Guter, jetzt bugsier' ich dich in deinen neuen Hafen" flüstert er dem Pferd ins Ohr und führt ihn nach innen.

Dort angekommen beruhigt sie Uriella mit leisen Worten, die niemand versteht und das Tier lässt sich in die Höhle führen. "Ich würde vorschlagen, die Tiere nicht anzubinden. Sollte etwas von draußen das Tor aufbrechen, können sie noch immer weglaufen …" Aber daran will sie eigentlich lieber nicht denken.

Nachdem Frumol sein Pferd von der Last befreit und das Seil wieder sorgsam aufgerollt hat, führt auch er das Tier zum Tor zurück. Sir Alrik ist nicht sehr begeistert, wieder in den dunklen Raum bugsiert zu werden, stemmt sich mit den Vorderbeinen in den Boden und wirft den Kopf hoch. "Na, wer wird denn," redet Frumol halblaut auf ihn ein. Der heiße Wind pfeift ihnen um die Ohren. "Da drinnen ist es viel gemütlicher, und Uriella ist doch auch schon dort." Mit diesen Worten und einem beruhigenden Streicheln der Schnauze versucht er, sein Pferd zu überzeugen, ihm zu folgen. Energisch packt er die Zügel und zieht Sir Alrik hinter sich her. Ergeben schnaubt der gutmütige Wallach, gibt seinen Widerstand auf und folgt Frumol in den Raum, wo sich Sephyra und Ingalf über die Versorgung der Pferde unterhalten.

Es gelingt den Vieren ohne Probleme, die Pferde eines nach dem anderen in die Eingangshalle zu bugsieren, da Randirion seine zwei gerade eben schon hinein bugsiert hatte.

"Vielleicht sollten wir den Pferden auch etwas Futter auf den Boden streuen, wer weiß, wann wir mit dem Schatz zurück sind." sagt Ingalf in die Runde blickend. "Wasser wäre ja auch nicht schlecht, aber wo sollen wir das für die Pferde hinschütten, aus der Buddel trinken sie ja wohl nich', oder Randirion?"

Wenn alle Pferde im Gang sind, bittet Ingalf Frumol oder Randirion ihm beim Verschließen des Tors zu helfen.

Das Tor lässt sich leicht verschließen, denn die Balken passen genau.

"So, hier kommt hoffentlich keiner rein, der uns bei der Schatzsuche überrascht!"

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Die Gänge

So drehen die beiden um - zurück zur Halle, um den breiteren Gang mit der kurzen Treppe zu erkunden.

Der breite Gang auf der anderen Seite der Höhle ist übersichtlicher. Nach wenigen Schritten geht er in eine nach oben führende kurze Treppe über. Von hier unten ist sogar noch das obere Ende der Treppe zu sehen. Da scheint eine Kreuzung zu sein.

"Oder lieber stromauf die Treppe 'rauf"

"Eine Treppe!" ruft Sephyra erfreut. "Die führt bestimmt nicht in einen Ameisenbau." Den anderen Gang besieht sie sich im Laternenschein zunächst genauer, ob er "natürlichen Ursprungs" (Ameisenbau) oder eher von Menschenhand geschaffen ist.

Der Gang ist in das Gestein gehauen worden - wie alles bisher betrachtete.

Vorsichtig machen sich Ingalf und Sephyra daran, die Treppe hinaufzusteigen. Oben ist wirklich eine Kreuzung.

Geradeaus kommt sieht es genauso aus, wie eben: Ein kurzes Gangstück, dann kurze Treppe, oben scheint es wieder eine Kreuzung zu geben.

Nach links geht ein breiter Gang bis zu einer Schießscharte, durch die Licht fällt.

Nach rechts ist es fast genauso wie geradeaus: Ein kurzes Gangstück, dann kurze Treppe, oben gibt es aber nur eine Abzweigung nach rechts.

"Hmm." Überlegt Sephyra laut. "Gehen wir gerade aus oder nach rechts?"fragt sie die anderen. "Navigator. Sage Er mir Seine Meinung." spricht sie Ingalf mit der 'üblichen' Art an. "Oder hilft uns hier die Karte weiter, Frumol?"

Niemand ist zu sehen oder zu hören.

'Hm. wenigstens ist alles ruhig.' denkt sie.

"Ay, Käptn, der Wind kommt von achtern, also mit vollen Segeln voraus. Nach Steuerbord segeln wir erst nach der Halse. Nur sollt'n wir erst die Beiboote an Bord holen" antwortet Ingalf.

"Hey, Frumol, Randirion, herbei, sonst holen wir den Schatz ohne euch!" ruft der den beiden zu.

Seine Stimme hallt durch die Gänge …

"Aye-Aye! Wir kommen!" ruft Randirion zurück und kommt mit Frumol nach, sobald das Insektenvieh entsorgt ist.

"Nee, leider nicht", erwidert Frumol, der mit Randirion herangekommen ist. "Auf der Karte war nur der Weg zum Kloster eingezeichnet."

Er schaut an Sephyra vorbei in den nach rechts abbiegenden Gang. "Also, wenn wir uns erst mal in diesem Gang umsehen, wissen wir wenigstens, was wir im Rücken haben, sollte der Weg geradeaus sich doch als der bessere erweisen," äußert er seine Meinung, noch an die Riesenameise und mögliche Artgenossen denkend. Er ist aber auch unschlüssig und schaut die anderen fragend an.

Sephyra folgt Frumols Blick: "Ja, das ist eine Möglichkeit. Andererseits könnten wir uns auf aufteilen …" Ihr Erkundungsdrang überwiegt eindeutig. Angst hatte sie ja vor der Ameise auch nicht wirklich.

"Tja, wenn wir uns denn teilen, ich hab' nur eine Lampe." sagt Ingalf.

"Allerdings könnte ich eine Kerze zur Verfügung stellen, bloß bei Wind steht ihr dann im Dunkeln" gibt Ingalf zu bedenken.

"Wartet mal, ich hole mal eben meinen Seesack. Wir brauchen für die Schätze, die wir hier finden wollen ja auch etwas zum transportieren."

"Wer würde sich denn mir und meiner Orknase anvertrauen?"

"Der Kawaljere dürfte der Mann deines Vertrauens sein." flötet Sephyra.

"Ich werde mich mit Frumol hier nach rechts begeben - ihr geht geradeaus weiter." kommandiert sie dann.

Ingalf kramt in seinem Seesack, nimmt eine Kerze heraus,zündet sie an und gibt sie Sephyra.

Da fällt Sephyra ein: "Na sowas! Ich habe doch auch eine Lampe. Wartet eine Minute." fordert sie auf und ist schon zurück zu Uriella gespurtet.

Aus ihrem Rucksack sucht sie die Lampe und nach kurzer Überlegung schnallt sie sich diesen danach auf den Rücken zusammen mit einem frisch befüllten kleinen Trinkschlauch.

Frumol ist ihr eilig gefolgt, denn er will auf seine Dietriche nicht verzichten. 'Die kann ich bestimmt gut gebrauchen.' denkt er, löst Rucksack und Wasserschlauch von Sir Alriks Sattel und schultert beides.

Nach kurzer Zeit ist sie zurück bei den anderen: "Also los, Frumol. Jetzt können wir." und entzündet die Lampe mit Hilfe der bereits brennenden von Ingalf.

"Ich bin bereit," lächelt er sie an und überlässt ihr die Führung. Das Frumol seine Gefährtin begleitet und mit ihr auf Erkundung geht, das stand für ihn eh fest.

An Ingalf gewandt geht er auf dessen Angebot ein. "Wenn du eine der Kerzen entbehren kannst, gib sie mir mit. Sicher ist sicher."

Ingalf und Randirion

"Also, voran, Freund Randirion! Nimm doch die Lampe, denn Seesack und Orknase sind schon genug für einen." sagt er zu Randirion.

"Einen Moment noch, Herr Wedmannsson." Randirion ist momentan noch dabei, seine Balestrina wieder zu laden.

Hier müssen wir auf Kai warten. Randirion trägt nämlich gern die Balestrina in der einen und das Rapier in der anderen Hand. Dann kann er keine Lampe tragen.

Solange Randirion noch mit seiner Balestrina beschäftigt ist, schaut sich Ingalf auf der Ebene um. Es leuchtet mir Laterne, die ihm Randirion noch nicht abgenommen hat den Gang bis zur Schießscharte hinab und danach geht er bis zum Fuß der Treppe und schaut nach oben.

Bis zur Schießscharte scheint es einfach ein gerader Gang zu sein und oben sieht es so aus, als ob da noch einmal genau so eine Kreuzung wie hier ist.

"Los, lad' ein bisschen schneller, sonst haben die beiden den Schatz gefunden, bevor wir überhaupt losgekommen sind!" fordert Randirion auf sich zu beeilen.

"Meister Wedmannsson, dann solltet Ihr mir leuchten. Ich werde mich aber bemühen, das Laden der Balestrina in völliger Dunkelheit zu üben." Der Tonfall Randirions ist förmlich, aber Ingalf vermeint, ein leichtes Funkeln in Randirions Augenwinkeln zu sehen.

"Jau, dat könnt hier drin nich schaden," erwidert Ingalf grinsend. "Aber nu mal nich sauer wern. Ich leucht dir ja schon, daste die Kugeln in deine Handrotze kriechst." Hilfsbereit hält er dem Kavaljäre die Lampe hin, damit der endlich mit dem Laden fertig wird und sie den Gang geradeaus erkunden können.

"Fertig …" meint Randirion, und nimmt wie gewohnt die Balestrina in die Linke und das Rapier in die Rechte.

"Und abgesehen davon, denke ich schon, dass die Ehre gebietet, den Schatz, dessen Karte wir uns gemeinsam verdient haben, gerecht zu teilen, nicht wahr?". Randirion ist es ernst mit dem, was er sagt.

Ingalf schaut ihn erstaunt an. "Das wohl! Wär ja noch schöner. Du meinst doch nich', dasse sich …?" Weiter will er den Gedanken nicht spinnen.

"Nee, also wenn … bei Swafnir!" Nachdenklich brummt er vor sich hin.

Ingalf und Randirion haben mitbekommen, dass Frumol und Sephyra , die ja im Moment nur eine halbe Treppe entfernt sind, etwas entdeckt haben.

"Was'n los bei euch?" ruft Ingalf Frumol zu, den er an der Abzweigung in dem Gang stehen sieht. Den Seesack über die Schulter geworfen, mit seiner Sturmlaterne in der linken und die Orknase in der rechten Hand, wartet er auf eine Antwort.

Frumol wendet sich Ingalf zu und senkt die Lampe, damit er ihn nicht blendet.

"Nichts. Nur ein weiterer Gang." antwortet er.

"Scheint ja hier drin zuzugehn wie innem Ameisenbau, Gänge und Abzweigungen, wo man hinschaut," kommentiert Ingalf Frumols Antwort und muss an die Gänge der Schlossruine denken.

"Und bei Euch?" fragt er nach, denn es scheint ihm, dass die Beiden sich noch gar nicht in Bewegung gesetzt haben.

"Hier gabs noch Verzögerungen beim Klarmachen der Geschütze," erwidert Ingalf grinsend. "Aber nu sinn wir bereit zum Ablegen un' Segel setzen."

In diesem Moment ertönt ein Ruf von Sephyra, den Ingalf und Randirion allerdings nicht verstehen.

"Hat das Mädel was entdeckt?" fragt Ingalf sofort.

Frumol hebt blitzschnell die die Finger vor den Mund, denn ihm kommt Sephyras Tonfall merkwürdig drängend vor. Außerdem hätte sie ihn nicht so ohne weiteres gegenüber einem Unbekannten verraten.

Während er ihr "Ich komme. - Moment, ich muss nur noch diese verflixte Lampe hier … Aua. Verdammt nochmal." antwortet, stellt er die Lampe so, dass Randirion und Ingalf in den Gang hineinsehen können.

Dann hebt er noch kurz beide Hände, die Handflächen nach außen, bevor er Sephyra folgt.

Frumols Verhalten ruft Ingalf auf der Stelle zur Vorsicht auf. Da in dem Gang muss etwas sein, das nicht geheuer ist. Und Frumol scheint zu wollen, dass er und Randirion sich vorerst nicht zu erkennen geben.

"Kavaljäre, lass uns ma fix un' leis' zur Abzweigung vorgehn, die beiden ham wohl wat ausgemacht, wat von uns noch nix wissn soll," flüstert er Randirion zu, fasst die Orknase fester und bewegt sich vorsichtig den Gang entlang auf die Öllampe zu.

Randirion nickt nur und versucht sich leise zu verhalten.

Wenn es möglich ist, blendet er die Sturmlaterne ab, ansonsten stellt er sie vor der Abzweigung auf dem Boden, um im Schatten der Öllampe zu bleiben, wenn er in den Gang hineinlugt.

Frumol hat sich offensichtlich in den Quergang aufgemacht. Als die beiden um die Ecke schauen, sehen sie nicht besonders viel: Es scheint am Ende des abzweigenden Ganges Licht zu geben, und dort unterhält sich jemand.

Ingalf vermag, eine unbekannte Männerstimme auszumachen.

'Da sinn die Zwei wohl aufn menschliches Wesen gestoßn,' denkt Ingalf bei sich. Er beschließt, vorerst im Hintergrund zu bleiben, bis die Situation sein Auftreten erforderlich machen sollte oder einer der beiden Entwarnung gibt. Entsprechend gibt er Randirion Zeichen, abzuwarten, schaut ihn aber gleichzeitig fragend an. Angestrengt lauscht er, ob er nicht doch ein paar Worte der Unterhaltung auffangen kann.

Zu verstehen ist nichts.

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Frumol und Sephyra

Vorsichtig machen sich Sephyra und Frumol in den rechten Gang auf, die kurze Treppe hoch. An der Abzweigung halten sie an. Von hier aus ist zu sehen, dass sich voraus in einiger Entfernung eine Tür befindet.

Vorsichtig schaut Sephyra um die Ecke - ohne Licht, denn dann kann man eine eventuelle fremde Lichtquelle am besten sehen. Und tatsächlich - von irgendwo ganz weit hinten scheint schwaches Licht zu kommen.

Dazwischen ist es aber dunkel.

Neugierig wirft Frumol einen Blick über Sephyras Schulter und sieht den entfernten Lichtschein. "Was meinst Du, sollen wir erst nachsehen, was hinter dieser Lichtquelle steckt, bevor wir die Tür untersuchen?" fragt er sie und überlegt laut weiter: "Es könnte allerdings auch wieder nur ein Fensterschlitz sein."

"Schon, aber ich glaube, wir sollten diese Theorie prüfen." erwidert Sephyra und setzt sich vorsichtig - auf das Licht zu - in Bewegung.

"Soll ich hier warten?" fragt Frumol. Er weiß dass Sephyra genau soviel Angst vor den großen Ameisen hat, wie er selbst. Nur würden Beide es sicher nicht zugeben.

"Ich könnte aufpassen, dass keine weiteren Tiere auftauchen", bietet er sich an. Nicht auszudenken, wenn sie in diesem schmalen Gang in der Falle säßen …

"Ja." antwortet Sephyra kurz angebunden und drückt ihm statt dessen einfach die Lampe in die Hand. Ohne eigenes Licht ist sie in dieser Situation einfach besser dran.

Vorsichtig schleicht sie auf das Licht zu und sieht sich bewusst nicht zu Frumol um, damit dessen Lampe sie nicht blenden kann. An die dem Licht gegenüberliegende Wand geschmiegt, nähert sie sich vorsichtig dem Licht.

Sephyra hält ihre linke Hand an die Wand und geht langsam vorwärts in die Dunkelheit. Ihre Augen sind auf das Licht gerichtet und ihre Füße tasten vorsichtig den Boden ab, bevor sie einen Schritt vorwärts macht.

Langsam kommt sie dem Licht näher, und es entpuppt sich als ein durch eine einzelne Öllampe erleuchteter Raum, die auf einem mit schwarzen Samt bedeckten Tisch steht. Viele Tische, auf denen seltsame Dinge liegen, stehen an den Wänden des Raumes.

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Hatief

Von der Seite tritt ein Mann in den typischen Gewändern eines Novadi in den Lichtschein. "Ich bin Hatief", ruft er Sephyra zu, "der beste Karawanenführer im ganzen Land. Soll ich Dir einen Weg durch diesen unwirtlichen Granitblock weisen?"

Frumol bekommt davon nichts mit, den er wird in diesem Moment von Ingalf angerufen.

'Vorsicht!' schrillen sofort sämtliche Alarmglocken in Sephyras Kopf.

Mit der für dieses Land üblichen Höflichkeit deutet sie eine Verbeugung an, ohne den Fremden aus den Augen zu lassen: "Möge Rastullah Deinen Weg in dieser Finsternis beleuchten und auf Dich herablächeln." beginnt sie das Gespräch ihrerseits.

Dann, ohne den Blick zu wenden, ruft sie nach hinten: "Frumol, bitte sei so gut und komm zu mir! Begrüße bitte diesen Fremden hier!". Das Drängen in ihrer Stimme sollte ihm auffallen. 'Hoffentlich begeht er keine Dummheit …' schießt es ihr durch den Kopf.

Frumol schaut wieder in Sephyras Richtung.

'Sie hat was entdeckt. Oder wen.' bemerkt er einen Unterton in ihrer Stimme. 'Das verheißt nichts Gutes.'

"Ich komme." antwortet er ihr. "Moment, ich muss nur noch diese verflixte Lampe hier … Aua. Verdammt nochmal."

Dann stellt er die Lampe ab, so dass ihr Licht in den Gang hinein scheint.

'Da es da hinten hell ist, fällt das hoffentlich nicht auf.'

'Hoffentlich begreifen die das …'

Dann folgt er Sephyra, wobei er sich die Hand reibt, als hätte er sich gerade verbrannt.

"Vermaledeite Lampe. Das Ding muss verhext sein." flucht er leise vor sich hin, während alle Aufmerksamkeit auf Sephyra und das Unbekannte vor ihm gerichtet sind …

Da er sich nicht mehr zu verstecken braucht, geht er auf das Licht zu. Von seiner Lampe müsste der Gang auch noch ein wenig erhellt sein, so dass er schon sehen sollte wo er hintritt.

Der Blick ist ein wenig gesenkt, und er versucht den Eindruck zu vermitteln, dass er sich mehr auf seine Hand konzentriert als auf seine Umgebung.

Dann wieder dem Novadi zugewandt: "Verzeih, ich hatte Deinen Namen nicht richtig verstanden."

Auch der Novadi verbeugt sich seinerseits: "Hatief ist meine Name. Wie schön ist es, dass eine Blume des Nordens sich in der Höflichkeit des Südens versteht." Er macht einen Schritt in die Mitte des Raumes, so dass er von Frumol schon aus einiger Entfernung gesehen wird. "Und mit wem habe ich die Ehre?"

Sephyras Gedanken rasen. 'Er macht den üblichen Eindruck eines Einheimischen.' überlegt sie. 'Unhöflich werden sollte ich tunlichst vermeiden.'

Ohne zuviel über sich verraten zu wollen, überbrückt sie geschickt die Zeit, die Frumol wahrscheinlich brauchen wird, die Situation zu erfassen, mit ihrer Antwort: "Hatief. Du schmeichelst mir." und unterstreicht das mit einem betont schüchternen Lächeln. Dabei streicht sich Sephyra eine lange Haarsträhne aus dem Gesicht, die bei ihrer Verbeugung verrutscht war.

"Nun, ich bin Zafiria, Reisende auf der Suche nach einer sicheren Unterkunft für die Nacht und Ruhe für einige Tage auf der Reise durch die Große Wüste." Ihren Namen spricht sie bewusst anders aus. Zum einen klingt er etwas der hier gesprochenen Sprache ähnlicher, zum anderen: 'wer weiß schon, welche Macht die Kenntnis des wahren Namens verleiht?' überlegt sie dabei.

Hatief trägt Dolch und Khunchomer am Gürtel.

Nach der Verbeugung lässt sie ihre linke Hand spielerisch auf den Knauf ihres Rapiers rutschen und dort verharren. Die rechte Hand bleibt offen und ist jederzeit bereit, einen der Wurfdolche zu ziehen und seinem Zwecke zuzuführen …

Hatief ignoriert das völlig.

Hatief fällt die Kinnlade herunter: "Bei Rastullah! Dieser Ort hier ist doch weitab von allen Karawanenwegen!"

Gestikulierend fängt er an, hin und her zu gehen. "Wie bist Du denn hierher geraten? Hast Du Dich verirrt? Ja, ja ihr Nordlinge solltet nicht allein in die Wüste gehen, sondern immer einen erfahrenen Führer, wie mich, Hatief, dabei haben."

"Wie - äh - ja." antwortet sie zögernd. Offensichtlich ist es ihr peinlich, darüber zu sprechen. "Nun, wir" - eine ausholende Geste zu Frumol - "haben uns nicht verirrt. Nicht im herkömmlichen Sinne." ergänzt sie schnell. "Nachdem wir diesen Berg hier ausmachen konnten, war er unser Ziel. Das einzige, was auch nur annähernd ein Ziel in dieser Einöde sein konnte. Eigentlich wollten wir zum Fest nach Khunchom - aber das dürfte mittlerweile vorbei sein." lügt sie seufzend.

In diesem Moment betritt Frumol den Raum. "Und da ist ja auch Dein Reisegefährte. Konntest Du nicht besser auf dieses liebreizende Wesen aufpassen?" Spricht Hatief Frumol an.

Frumol betritt den Raum und schaut den Fremden an. "Die Götter mit Euch."

"Und Du besorgst das nächste mal eine Lampe die auch wirklich funktioniert" macht er Sephyra einen gespielten Vorwurf. "An dem Mistding habe ich mir die Hand verbrannt. So werde ich wohl kaum weiter jonglieren können!" fügt er hinzu um Sephyras Aussage zum Gauklerfest zu untermauern.

Er blickt sich weiter im Raum um. "Schön hast Du es hier." stellt er fest.

Sephyra folgt Frumols Blick. Auf den Tischen liegen seltsame Gegenstände, deren Sinn und Zweck nicht zu erkennen ist: ein glattes schwarzes Kästchen mit Knöpfen und Tasten; stabförmige, blanke Geräte, auf denen geschwungene Farblinien entlang laufen; ein handtellergroßer durchsichtiger Reif, aus einem merkwürdigen geschliffenen Material, das wie Glas aussieht, keulenähnliche rostrote Gegenstände, Armbänder und Helme mit seltsamen Zeichen. dazwischen aber auch vertrautes: bauchige Gefäße, versengte Stofffetzen, Holzsplitter.

Frumol sieht wieder auf, denn Hatief hat nicht geantwortet. Und sofort ist klar, warum. Hatief hat sich umgedreht und verschwindet in einem Ausgang des Raumes neben dem Eingang, der Frumol und Sephyra bislang nicht aufgefallen ist.

"Dhona 's dhorlas ort agus leat-sa! … Ungl … Ungl … rablagurgl …" ist noch zu vernehmen. Dann ist er weg.

"Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich habe ein ganz mieses Gefühl bei der Sache." zischt Sephyra Frumol zu. "Das erinnert mich irgendwie an den Kerl aus dem Keller der alten Schlossruine …" beendet sie den Satz nicht. Eine Gänsehaut bildet sich auf ihren Armen und dem Rücken.

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Auch Frumol schaut Sephyra misstrauisch an.

"Warum geht er einfach?" fragt er zweifelnd. Und diese Worte jagen ihm einen kalten Schauer über den Rücken.

"Lass uns verschwinden!" drängt sie leise und ist bereits auf Rückzug.

Dabei sieht sie sich vorsichtig um, beschleunigt schließlich ihre Schritte, bis sie rennt.

Er nickt ihr stumm zu und folgt ihr, einen Dolch in der Hand.

Die brennende Öllampe und alle Gegenstände bleiben zurück.

Auf dem Rückweg hat Sephyra wieder die Hand an der linken Wand, und plötzlich stockt sie, so dass Frumol fast auf sie aufläuft. Da ist eine Ecke. Geht hier etwa nach links ein Gang ab? In der Dunkelheit ist nichts zu erkennen.

"Hol unsere Lampe, schnell." flüstert Sephyra Frumol zu. "Hier scheint ein Gang zu sein … Nein, wir laufen weiter und treffen uns mit Ingalf und dem Kawaljere - wenn dieser Hatief tatsächlich irgend etwas Übles plant, möchte ich nicht in unbekanntem Terrain sein."

'Was ist denn los?' will Frumol schon fragen als Sephyra einfach so stehen bleibt. Doch sie ist schneller und erteilt ihm eine Anweisung, die sie jedoch gleich widerruft.

So folgt er ihr auf dem Fuße und versucht die fremdartigen Dinge, die er bei dem Fremden gesehen hat sowie dessen seltsames Verhalten in Gedanken zu ordnen und sich einen Reim darauf zu machen.

Seinen Dolch behält er in der Hand.

Ebenfalls nimmt er seine abgestellte Lampe, damit sie nicht im dunklen stehen.

Also läuft sie weiter, merkt sich aber die Stelle für eine eventuelle spätere Erkundung genau.

Bei Ingalf und dem Kawaljere angekommen, macht sie nicht halt. Statt dessen drängt sie im Vorüberlaufen: "Kommt, schnell!" Ihr Ton ist drängend und für Fragen bleibt auch keine Zeit, da sie - schwupps - vorbei ist und in Richtung der Pferde zurück läuft. Erst dort werden ihre Freunde sie wartend antreffen.

Völlig verdutzt sieht Ingalf im Licht der Lampen erst Sephyra, dann Frumol an sich vorbei rennen. "Bei Swafnir, ihr rennt ja, als ob sämtliche Dämonen der Niederhöllen hinner euch her sinn!" Aber natürlich will er nicht wissen, ob seine Theorie stimmt, sondern setzt sich mit seiner Sturmlaterne in der Hand in Bewegung, hinter den beiden her, im Laufschritt zurück zur Eingangshalle.

Da Randirion nicht allein zurückbleiben will, schließt er sich Ingalf an.

Sie ist nur ein paar Schritte die Treppe hinab gelaufen, da hält sie an, denn es ist absolut dunkel vor ihr.

Frumol holt Sephyra ein, und gemeinsam erreichen sie die Halle.

Als Ingalf bei ihnen ankommt, stößt er gleich schnaufend die ihn brennend interessierende Frage aus: "Was, bei Firun, isn euch begegnet? Ich hab' die Stimme eines Fremden gehört, wo isn der?" Wie um sich seine Frage selber zu beantworten, dreht er sich mit drohend erhobener Orknase suchend um, sieht aber nur Randirion hinter sich, der ihm gefolgt ist.

"Los, nu macht schon! Erzählt! Wat habter entdeckt?" drängt er sie, von ihrem Erlebnis zu berichten.

"Ich … äh … wir … haben … einen Ein­heimischen … getroffen, der … sich … sehr … für uns … interessierte." stößt Sephyra zwischen schnellen Atemzügen hervor. Nicht nur der schnelle Lauf ist für ihre Atemlosigkeit verantwortlich.

"Nach ein paar höflichen Worten verschwand er in einem Nebenraum und murmelte irgendwas." sie berichtet kurz von dem Raum. "Dann überkam mich plötzlich die Erinnerung an diesen … diesen … wie hieß der gleich? Na ihr wisst doch, dieser Zauberer in der alten Schlossruine." erklärt sie.

"Murgol, Madame." ergänzt Randirion leise.

"Und da hielt ich es für besser, den Rückzug anzutreten." schließt sie ihre Ausführungen.

"Nicht gerade höflich, aber sicherlich sehr verständlich …"

Zu ihren Ausführungen nickt Frumol nur stumm.

"In dem Arbeitszimmer befanden sich merkwürdige Dinge. Dinge die ich noch nie vorher gesehen habe. Da war buntes Licht. Es ist nicht so wie das Labor von Murgol gewesen. Fremdartig. Geheimnisvoll. Beängstigend." fügt er Sephyras Ausführungen noch hinzu.

"Hm", brummt Ingalf, der den Magier auch nicht gerade in guter Erinnerung hat. 'Gebranntes Kind scheut dat Feuer, wie man so schön sacht,' denkt er bei sich. 'Ach wat. Feuer … jetzn Schluck Premer'.

Ein genüssliches Grinsen geht über sein Gesicht bei dem Gedanken. Er blickt fragend in die Runde und setzt zu einer Rede an. "Un nu? Sinn wir nich hier, umn Schatz zu finden? Also los, gehn ma zusammen noch ma dorthin zurück un sehn uns die Dingens ma näher an. Könnt doch sinn, dat uns irgendwat dort zu dem Schatz führt. Links liegen lassn könn wir den Fremden och nich, jetzt, wo er weiß, dat ihr hier seid."

"Stimmt." muss Sephyra zugeben. "Dann lasst uns aber alle zurückgehen - gemeinsam haben wir schon einiges durchgestanden. Dann sollte da auch kaum ein Problem werden." fährt sie hoffnungsvoll fort.

"Aber vielleicht solltet ihr euch" damit macht sie eine Geste zu Ingalf und dem Kawaljere, "doch lieber im Hintergrund halten und dann als 'Überraschung' auftauchen, sollte uns dieser Fremde nicht wohlgesonnen sein."

Randirion gibt durch Nicken seine Zustimmung bekannt.

Ingalf ist auch einverstanden.

"Frumol, vielleicht könntest Du meine Lampe nehmen. An der wirst Du Dir nicht die Finger verbrennen. Und außerdem können wir dann langsam im Dunkeln hinter euch bleiben und euch Rückendeckung geben!" schlägt er noch vor.

"Hab' ich doch gar nicht." antwortet ihm Frumol grinsend. Er scheint ja überzeugend gewesen zu sein.

"Los geht's?" fragt er weiter.

"Gut, dann sind wir uns einig." stellt Sephyra fest. Sie zieht einen Wurfdolch, lässt ihn aber versteckt hinter den Unterarm gleiten, so dass sie ihn im Notfall mit Schwung von unten - nicht von oben - werfen könnte.

Mit einem Zwinkern an Frumol, dass wohl mehr ihr selbst als ihm Mut machen soll, schleicht sie den Weg zum Raum des Fremden zurück. Immer in dem Bewusstsein, ihre Freunde hinter sich zu haben, versucht sie, aus dem Blick des Eingangs der Kammer zu bleiben und wartet dort auf die anderen.

Frumol schleicht direkt hinter ihr, Sephyras Öllampe in der Hand.

Randirion und Ingalf bilden die Nachhut.

Sephyra erinnert sich daran, dass in dem Gang zum Raum des Fremden noch etwas abging. Deswegen ist sie nicht überrascht, als im Schein der Lampe eine Nische in der Gangwand sichtbar wird.

In dieser 2x2 Schritt großen Nische sitzt eine furchteinflößende mumifizierte menschliche Gestalt an die Wand gelehnt. In der skelettierten Hand hält die Figur ein kunstvoll geschmiedetes Schwert.

Als Rüstung trägt sie ein völlig intakt aussehendes Kettenhemd. In den leeren Augenhöhlen seines Totenschädels funkeln zwei rote Edelsteine.

Bei diesem grauenhaften Anblick muss Frumol an die Piraten auf dem schwarzen Schiff denken. Seine Hand schließt sich fester um den Griff der Lampe. Nicht das sie ihm noch entgleitet. Die untoten Piraten standen auch regungslos herum bis sie plötzlich angriffen …

Aber hier ist es anders. Die Piraten konnten nur im Dunklen erwachen, und dieser Mumifizierte scheint sich nicht zu regen. Oder? War da ein Funkeln der Edelsteine? Ein leichtes Zucken? Furcht schleicht sich langsam in sein sonst so frohes Gemüt.

Mühsam reißt er sich von diesem Anblick los. Ihm wird langsam klar, dass er sich schon wieder auf ein Abenteuer eingelassen hat, das ihm nur böse Träume bescheren wird.

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Schnell schreitet er hinter Sephyra her, um nicht den Anschluss zu verlieren. Seine Wurfhand nestelt derzeit an dem Griff des wurfbereiten Dolchs herum. Er hat eine schlimme Vorahnung bei der Begegnung mit dem mysteriösen Fremden.

Beim Anblick der "Figur" schlägt Sephyra ein Boronrad und flüstert den anderen zu: "Das sollten wir uns später unbedingt genauer ansehen!"

Dann schleicht sie weiter.

Frumol würde ihr gerne erwidern, dass er das für keine gute Idee hält, doch zum einen ist jetzt nicht die Zeit dafür, zum anderen würde Sephyra wahrscheinlich sowieso nicht auf ihn hören.

Und Frumol folgt ihr erst einmal.

Ingalf hält seine Orknase fester und leuchtet - da keiner seine Lampe haben wollte, hat er sie noch in der Hand - der Gestalt im vorübergehen ins Gesicht. Er dreht sich auch nachdem er vorbei ist immer wieder um, sollte er eine Regung in der Gestalt feststellen, stellt er seine Lampe ab und wird die Gestalt angreifen.

Die Gestalt rührt sich nicht die Bohne. Die Edelsteine sehen wirklich sehr wertvoll aus.

Randirion rümpft angewidert die Nase über diese "Kunst", ist aber momentan vollauf beschäftigt, leise zu sein.

Er weiß aber, dass ein gutes Schwert und ein gutes Kettenhemd einiges wert sind.

Die Lampe ist mittlerweile aus dem Raum verschwunden. Das ist das einzige, was sich geändert hat. Als Sephyra und Frumol die Gegenstände untersuchen, kommt ihnen fast nichts bekannt vor. Die Fetzen scheinen allerdings mal zu einer Robe gehört zu haben. Und die Splitter gehörten alle mal zu einem Holzstab. In den bauchigen Gefäßen waren früher wohl mal Öle. Die anderen Gegenstände haben eines gemeinsam: Aus ihrem Gewicht wird sofort klar, dass sie nicht aus Gold sind.

Stumm deutet Frumol auf den anderen Ausgang. Dorthin scheint der Fremde verschwunden zu sein. Nachdem er von Sephyra ein zustimmendes Zeichen bekommen hat, schleicht er langsam darauf zu um einen Blick in die dahinter liegenden Räumlichkeiten zu erhaschen.

Wieder kommt ihm diese merkwürdig Sprache in den Sinn.

Der Ausgang ist nichts weiter als ein schmaler Gang, der nach wenigen Schritten nach rechts abknickt.

Sephyra steht wie gebannt und mustert aufmerksam den ganzen Raum. Dann folgt sie Frumol und wirft ebenfalls einen Blick in den Raum/Gang? in dem der Fremde vorhin verschwunden ist. Dabei raunt sie Ingalf zu: "Du sicherst uns nach hinten ab?"

'Diese Erlebnisse, das schwarze Schiff, Untote, Krakenmolche, Riesenameisen … all das kann einen schon paranoid machen!' denkt sie,nur um sich gleich darauf wieder auf den Moment zu konzentrieren.

"Ay, Käptn!" sagt Ingalf.

'Da sich der Freund in seiner Nische nicht regt, brauch' er mich nicht mit seinen toten, roten Augen anzustarren! Die passen doch viel besser in meinen Beutel!' denkt sich Ingalf, geht - während die anderen den Raum untersuchen - zurück zur Nische, stellt die Lampe so auf den Boden, das sie das Gesicht der Gestalt beleuchtet, und versucht die zwei Edelsteine herauszupullen.

Als Ingalf den ersten Stein anfasst, fühlt der sich unnatürlich warm an.

Seine Nackenhaare richten sich auf.

'Das ist nur die Aufregung.' denkt sich Ingalf und versucht den Edelstein zu lösen (und den zweiten auch).

Die Steine lassen sich problemlos aus den Augenhöhlen lösen. Als er sie in die Hosentasche steckt, bleibt das unnatürliche Wärmegefühl erhalten.

"Komm, Kavaljäre, die beiden sind schon fast nicht mehr zu sehen und wir sollen doch auch sie aufpassen!" sagt Ingalf schmunzelnd zu Randirion.

Die Edelsteine in seiner Tasche hinterlassen zwar ein ungutes Gefühl bei ihm, aber noch überwiegt der Gedanke ein gutes Geschäft gemacht zu haben.

Ingalf nimmt die Lampe auf und geht in Richtung des Raumes.

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Auf leise Sohlen folgt Frumol dem Gang.

Sephyra folgt Frumol leisen Fußes …

Hinter dem Knick wird es breiter, aber nach 6 Schritt knickt der Gang schon nach rechts ab. Von dort kommt Licht. Das Licht fällt auf eine Holztür in der linken Gangwand.

Geradeaus geht noch ein schmaler, dunkler und zwergenhoher Gang weiter.

Frumol vergewissert sich, dass Sephyra ihm gefolgt ist und konzentriert sich wieder auf das, was vor ihm liegt.

An der Ecke lauscht er angestrengt nach verräterischen Geräuschen.

Es sind keine zu hören.

Er geht vorsichtig in die Hocke und schaut vorsichtig um die Ecke in Richtung der Lichtquelle.

Nach einem 2 Schritt kurzen Gang kommt wieder ein offener Raum. In der linken sichtbaren Wand, ist eine Öffnung zu einem weiteren Gang. Das Licht kommt aber von rechts aus dem unsichtbaren Bereich.

Drei Statuen

Als Frumol weiter vorrückt, überblickt er den ganzen neuen Raum:

Der Raum ist leer. Nur an der rechten Wand stehen drei kunstvoll gearbeitete Statuen auf würfelförmigen Sockeln. Auf diese Weise erreichen sie fast die Größe eines ausgewachsenen Menschen.

Die linke Statue stellt einen weisen alten Mann mit langen Haaren und langem Bart dar. Er hält die rechte Hand vor das Gesicht und starrt in die leere Handfläche.

Die rechte Statue ist die Nachbildung eines Kriegers in voller Rüstung und Bewaffnung (Kettenhemd, Helm, Beinschienen, Speer, Schild, Kurzschwert). Sein Antlitz drückt Tatkraft und Entschlossenheit aus.

Aus der Mitte starrt ein hässlicher gehörnter Steingötze Frumol mit weit aufgerissenem Maul an. Die Hände hat er fast bis vor seine Fratze erhoben, als wolle er sich mit beiden Händen Nahrung in den Rachen schaufeln.

An der Wand dahinter brennen vier Fackeln in Wandhaltern.

'Wo ist der merkwürdige Kauz hin?' fragt sich Frumol während er den Raum Überblickt.

Der Gang in der linken Wand ist unbeleuchtet, aber dahinter schein ein schwach indirekt beleuchteter Raum zu sein.

Beim Anblick der Statue des Alten hat Frumol das Gefühl einem lieben, weisen Opa gegenüberzustehen, dessen Augenlicht allmählich nachlässt.

Der Krieger vermittelt ihm Tatkraft und Entschlossenheit, aber nichts Bedrohliches.

Der gehörnte Steingötze hingegen lässt ihm ein kalten Schauer über den Rücken laufen - Diese Statue ist bedrohlich und furchteinflößend!

'Vielleicht sind die beiden äußeren Statuen die Wächter für diesen Dämon.' überlegt er. Eine bessere Bezeichnung fällt ihm nicht ein.

'Nicht auszudenken, wenn die drei Statuen plötzlich zum Leben erwachen würden …' Da der Raum anscheinend leer ist, wird Frumol ihn gar nicht erst betreten. Viel wichtiger ist es ihm, nicht von dem merkwürdigen Novadi überrascht zu werden.

So geht er zurück zu der Holztür und wird diese genauer untersuchen, nachdem er Sephyra mit einer beruhigenden Geste heran gewunken hat.

Die Holztür ist aus massivem Holz. Sie hat ein Schlüsselloch. Dahinter ist es ruhig.

Dann wird er kurzerhand die Tür öffnen, um herauszufinden, ob sie verschlossen ist. Falls sie verschlossen ist, wird er sich später mit ihr auseinandersetzen.

Die Tür ist eindeutig verschlossen.

Frumol dreht sich zu den Gefährten um.

"Die Tür ist verschlossen." gibt er bekannt.

"Da hinten ist ein Kultraum mit 3 Statuen. Eine davon ist sowas wie ein Dämon", gibt er bekannt und deutet auf den erleuchteten Eingang des nächsten Raumes. "Sieht schrecklich aus." fügt er noch hinzu.

Mittlerweile sind auch Ingalf und Randirion herangekommen.

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Da Frumol sich die Tür ansieht, winkt Sephyra Ingalf zu sich: "Leuchte doch mal hier in diesen 'Zwergengang', damit wir mal schauen, wer oder was sich dort verbirgt." fordert sie ihn auf.

Sie selbst geht in die Hocke, um den Gang genau in Augenschein nehmen zu können.

Der Gang geht wenige Schritte geradeaus. Kurz vor seinem Ende steht eine längliche Steinkiste. Das könnte ein Sarkophag sein.

"Was habt ihr da gefunden?" fragt er Sephyra neugierig, welche den niedrigen Gang mit Ingalfs Hilfe untersucht.

"'Ne Kiste - 'n Sarg oder so!" ruft Ingalf - der an Sephyra vorbei geschaut hat - zurück. "Wo sollte den eigentlich der Schatz drin sein? Könnte es das der Schatz sein?"

"Hm. Das glaube ich kaum. Schätze werden gemeinhin in dunklen Kellern versteckt und/oder sogar bewacht. Dass hier so offensichtlich der Schatz liegen soll, halte ich für unwahrscheinlich." antwortet Sephyra Ingalf und erhebt sich dabei.

"Ich habe keine Lust, da hinein zu krabbeln." sagt sie mit einem Blick auf den flachen Gang. Nur zu deutlich hat sie vor Augen, was das letzte Mal passierte, als sie allein unterwegs war, weil der Gang nur für sie groß genug war. Bei dem Gedanken an das Schwarze Schiff läuft ihr ein Schauer über den Rücken.

"Dann lasst uns weiter suchen."

"Ja." Stimmt Frumol ihr zu.

"Wo lang?" fragt er weiter. Ihm ist nicht wohl bei dem Gedanken, den Raum mit den Statuen zu betreten. Lieber würde er erst einmal hinter diese Tür schauen. So kniet er sich nieder um aus seinem Rucksack die Dietriche hervor zu holen.

"Ay, Käptn, aber wo zuerst?" meint Ingalf. 'Schade das sie nicht durch den Gang kriechen will, vielleicht wäre da ja was zu haben gewesen. Ich würde es ja versuchen, aber is man bannig eng.

"Zum Kultraum? Da zweigt noch ein weiterer Gang ab." ergänzt Frumol.

Ingalf fühlt sich plötzlich ein wenig schlapp.

'Ob das mit diesen komischen heißen Edelsteine zu tun hat? Vorher war doch alles in Ordnung oder sollte es dieser komische Gang sein?' denkt sich Ingalf und betrachtet die Steine im Licht der Lampe, ob er etwas an ihnen feststellen kann. Dann schaut er nochmal in den Zwergengang und fragt Sephyra: "Sach' ma', Mädel, geht's Dir auch nicht so'n bütten schlecht?"

Die Steine sind immer noch ziemlich warm.

Plötzlich kommt Ingalf eine Idee: 'Wenn die Götter mich für den Diebstahl strafen wollen, dann muss ich sie irgendwie versöhnen. Und diese vertrackten Steine loswerden! Ich werde sie einer der Statuen im Kultraum opfern.'

Zu den anderen gewandt - ganz mutig und mit gefasster Stimme, damit die anderen seine Zweifel nicht mitbekommen: "Ich schaue noch mal in den Raum mit den Statuen!"

Er geht in den Raum und schaut sich die drei Gestalten an. Da er mit dem Krieger am meisten anfangen kann, legt es die zwei Edelsteine auf den Sockel.

'Ich hoffe, dass Du mir vielleicht helfen kannst!?' denkt er und schaut die Figur an.

"Schlecht? - Nein." Sephyra runzelt die Stirn. "Na ja, ganz wohl ist mir nicht, aber ich glaube nicht, dass es das ist, was Du meinst."

Sephyras Aussage bestätigt Ingalf noch in der Meinung, das die Steine die Wurzel seiner Übelkeit sind.

Als ob der Krieger ihn verstanden hat, klappt plötzlich mit deutlichem Geräusch, das auch die drei anderen nebenan hören, die Vorderseite des Standsockels nach vorn und gibt eine Öffnung dahinter frei.

In der Öffnung liegt ein aus Metallgliedern kunstvoll gearbeiteter Gürtel.

'Na, ob das etwas besseres ist als die Steine, oder vielleicht ist es nur eine neue Teufelei?! Egal, ich ruf' die anderen.' denkt sich Ingalf und schaut vorsichtig in die Öffnung.

"Hey, kommt 'ma her, ich habe eine Entdeckung gemacht!"

Während er auf die anderen wartet, schaut Ingalf sich die anderen Figuren an, ob er an dieses auch irgendwelche Öffnungen oder Fugen erkennen kann. Dabei hütet er sich aber den Dämon in der Mitte zu berühren.

Den 'Weisen' berührt er aber, und da klappt auch der Sockel auf. Dort liegt ein handtellergroßer Spiegel mit goldenem Rand.

"Überaus faszinierend …" findet Randirion.

Auf diesen Ruf hin spannt sich Sephyra und eilt zu Ingalf: "Was ist?" fragt sie unterwegs und im Nebenraum angekommen bleibt sie in 2 Schritt Entfernung von den Statuen stehen. "Was hast Du entdeckt?" entfährt es ihr.

"Ich hatte …, äh, wollte … und da …, äh." druckst Ingalf rum, denn er will die Geschichte mit den Edelsteinen nicht so breit treten, da er sie - ja heimlich mitgenommen hatte.

Dieses verhaltene Antworten "zaubert" einen missbilligenden Ausdruck auf Sephyras Stirn.

"Also ich hab' die beiden Figuren angefasst und schwupps, war achtern je ein Loch und da sind 'n Riemen und 'n Spiegel drin!" fasst er schließlich zusammen. 'Aber ich hole die Sachen da nicht raus!'

"Aha." sagt sie mit leicht unterkühltem Ton. Dann nähert sie sich der Statue des Weisen und wirft einen Blick in die Öffnung. Beim Anblick des Spiegels glättet sich ihr Ausdruck und ein Lächeln erscheint.

Unwillkürlich greift sich danach. Aber im letzten Augenblick verharrt die Hand vor der Öffnung und misstrauisch beäugt sie den gesamten Sockel der Statue. Erst und nur wenn sie nichts Verdächtiges bemerkt, ergreift sie den Spiegel und nimmt ihn heraus, um ihn genauer zu betrachten.

Der Spiegel sieht wertvoll aus. Das Spiegelbild ist unwirklich perfekt. Nicht die kleinste Unebenheit ist im Glas zu sehen. Die Rückseite des Spiegels ist golden. In der Mitte sind seltsame Zeichen eingraviert.

Frumol eilt aufgrund des Geräusches und des Ausrufs zu Ingalf in den Raum, wobei er einen sicheren Abstand zur mittleren Statue einhält und betrachtet dessen Fund.

"Hübschen Gürtel hast Du da. Willst Du ihn nicht?"

"Er gefällt mir schon, aber so ganz will ich ihn doch nicht haben. Nimm' ihn dir ruhig, vielleicht bringt es dir Glück" antwortet Ingalf.

Dann fällt sein Blick auf die beiden Edelsteine auf dem Sockel.

"Was ist mit denen?" fragt er und streckt die Hand danach aus.

"Ähm, … Tja, …" Ingalf wird rot und druckst ein wenig rum. Dann platzt es aus ihm heraus: "Das sind die verfluchten Augen von dem Toten, und ich glaube die sind echt verflucht!! Ich würd' sie nich' nehmen!"

Frumol erstarrt mitten in der Bewegung, kurz bevor seine Finger die roten Steine berühren.

"Verflucht?" fragt er vorsichtig nach und zieht langsam seine Hand zurück. Dabei mustert er die beiden Steine argwöhnisch.

Zwar sind viele der Dinge, vor denen sich er Thorwaler fürchtet Hirngespinste, doch wenn er deshalb zwei solche - sicher sehr wertvolle - Steine verschmäht, muss er einen triftigen Grund haben.

So kniet er vor der Luke nieder und betrachtet den Gürtel und die Kammer genauer. Falls er keine sichtbaren Fallen wahrnimmt, so greift er vorsichtig hinein und holt den Gürtel heraus.

"Das die verflucht sind, hast Du ziemlich schnell gemerkt", lenkt er das Gespräch zurück auf die Edelsteine. "Oder war das ein anderer Toter als der eben im Gang?"

"Ne, das war schon der. Nachdem ich Steine genommen hab',wurden sie heiß und mir wurd' schlecht, also hab' ich versucht sie schnell wieder los zu werden," gesteht Ingalf, "und nur so wegwerfen wollte ich sie ja man auch nich', also hab' ich sie hierhin gelegt. Und dann schwupps …"

Während er auf eine Antwort wartet breitet er den Gürtel aus und mustert ihn genauer. 'Warum hinterlässt jemand einen Gürtel unter einer Krieger-Statue?' überlegt er weiter. 'Cuilyn hätte sicher eine Antwort.'

Die einzelnen Glieder des Gürtels bestehen aus stilisierten Kriegshämmern, Schwertern und Morgensternen. Sehr gut gearbeitet!

Randirion kommentiert: "Eines Kriegers würdig!"

Frumol erwidert seine Worte mit einem breiten Grinsen.

Dann schnallt er den Gürtel um und wendet sich an Sephyra: "Was meinst Du? Steht der mir?" fragt er sie.

Sephyra lässt den Spiegel Spiegel sein und dreht sich zu Frumol: "Ja, schon. Vielleicht ein wenig protzig." antwortet sie.

"Toll, dann behalte ich ihn." erwidert Frumol erfreut. "Ein passendes Gewand finde ich bestimmt später noch. Vielleicht schaffen wir es dann noch an eines Fürsten Hof!" Wobei er offen lässt, was genau er meint.

Randirion rümpft kurz die Nase, sagt aber nichts weiter.

Dann wendet sie sich dem Spiegel und den "merkwürdigen Zeichen" zu.

Sie überlegt: 'Könnte das eine Schriftsprache sein?'

Dann zeigt sie Frumol den Spiegel: "Hier. Sieh mal. Was meinst Du, bedeuten diese Symbole irgendwas?" fragt sie, den Spiegel drehend, damit Frumol die Zeichen sehen kann.

"Lass mal sehen." erwidert er konzentriert und versucht die Zeichen zu deuten. "Wäre möglich."

"Wenn Hatief sie noch nicht genommen hat, muss wohl was damit sein." antwortet Frumol bestätigend. Für ihn ist das Thema abgeschlossen. Er lässt die wertvollen Steine liegen - außerdem hat er einen schmucken neuen Gürtel.

Frumol kann die Zeichen nicht lesen, aber irgendwo hat er so ähnliche Zeichen schon mal gesehen. "Das ist die Schrift der Zauberer!" fällt ihm schließlich ein.

"Bosparano ist das aber nicht", wirft Randirion ein, der Frumol über die Schulter schaut.

"Dann muss es ein Zauberspiegel sein!" kommentiert Sephyra und sieht das kleine Kunstwerk in anderem Licht. "Also immer schön vorsichtig. Wie verpacken wir das am besten?" fragt sie Frumol und sieht sich nach den Rucksäcken um. 'Ach ja, die sind ja bei den Tieren geblieben.'

Noch während sie das denkt, fällt ihr Blick auf den Seesack Ingalfs, dann auf Frumols Rucksack und schließlich wird ihr Augenmerk auf die beiden Riemen auf ihrer Schulter gelenkt: 'Wie ich das nur vergessen konnte!' ärgert sie sich über sich selbst. Natürlich hatten sie die Rucksäcke gerade für all die Schätze mitgenommen!

Daher nimmt sie ihr Halstuch ab, knotet es vorsichtig um den Spiegel und schiebt diesen in eine der weiten Taschen des Kaftans.

Statt dieses Vorhaben umzusetzen, steckt sie den Spiegel gut eingewickelt in den Rucksack.

Als Frumol und Sephyra 'versorgt' sind, fragt Randirion: "Wollen wir weiter gehen, geneigte Gefährten?" Er weist auf den Durchgang. "Oder möchtet Ihr Euch wieder in der Kunst des Türöffnens üben, Herr Pellocke."

"Wie es Euch gefällt." macht Sephyra eine einladende Geste, die dem Kawaljere bedeutet, vorzugehen.

"Wie es Euch genehm ist", antwortet ihm Frumol.

"Hatief muss wohl da lang gelaufen sein" weist er auf den Durchgang. Die verschlossene Tür birgt allerdings auch einen gewissen Reiz. Schlussendlich ist es ihm egal, nur möchte er nicht länger unter den Augen dieser Dämonenstatue verharren. Die Steine und der Gürtel haben ihn schon lange genug hier verweilen lassen.

"Somit werden sich dort sicher auch weitere Personen aufhalten." kombiniert Frumol weiter.

"Daher halte ich es für ratsam, erst einmal hinter die verschlossene Tür zu schauen." siegt Frumols Neugierde für das Unbekannte. Schon gibt er Sephyra ihren 'Zauberspiegel' zurück und umfasst wieder seinen Dolch – den er zugunsten das Gürtels auf den Boden gelegt hatte – und marschiert aus dem Raum in Richtung verschlossener Tür.

"Jau, ich glaub' auch das man besser segelt, wenn man weis was von achtern kommt!" stimmt Ingalf Frumol zu. "Lass uns die Tür untersuchen."

Randirion zuckt die Achseln und schließt sich an.

Der Mönch

Das Schloss hakelt ein wenig, aber mit ein bisschen Probieren bekommt Frumol es auf. Als er vorsichtig die Tür aufdrückt, überblickt er einen unregelmäßig geformten Raum, in den an der gegenüberliegenden linken Ecke noch zwei Türen führen.

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Mitten vor der rechten Wand steht ein kleiner Altar mit einem Schemel davor. Neben dem Altar und neben der gegenüberliegenden Tür stehen Schränke. Aus der nicht sichtbaren Ecke des Raumes kommt schwaches Licht.

Frumol dreht sich ein wenig um, und hält den Zeigefinger senkrecht vor die Lippen. Dann packt er sorgfältig die Dietriche weg und richtet sich auf.

Nachdem er wieder seinen Dolch zu Hand genommen hat drückt er vorsichtig die Tür weiter auf, soweit, bis er hindurch huschen kann oder etwas verdächtiges erblickt oder hört.

Auch bei voll geöffneter Tür ist nichts wesentlich neues zu sehen. Zu hören ist auch nichts.

Da Frumol keine Gefahr erkennen kann, betritt er den Raum leise, aber nicht übervorsichtig.

Als er um die Ecke in den bislang nicht sichtbaren Teil des Raumes schaut, sieht er, wie sich ein Mann, der in eine dunklen Kutte gekleidet ist, von einer Liege erhebt. Auf dem Boden steht eine Öllampe.

"Woher kommst Du, was willst Du?" kommt die Frage, bevor Frumol irgendetwas sagen oder machen kann.

Auf der Brust der Kutte prangt ein gelber Kreis, in den ein blaues Quadrat einbeschrieben ist.

Sephyra folgt ihm mit katzenhafter Anmut, einen Wurfdolch bereit haltend.

Als Sephyra die Stimme eines (weiteren) Fremden hört, verharrt sie sofort regungslos, da sie noch nicht in dessen Blickfeld gelangt ist.

Sich zu Ingalf und dem Kawaljere umdrehend legt sie warnend den Zeigefinger der freien linken Hand über die Lippen und bedeutet ihnen, still zu sein.

'Man weiß ja nie, ob der Überraschungseffekt nicht doch unsere einzige Chance ist.' überlegt sie. Der Fremde muss ja nicht erfahren, dass Frumol nicht allein ist.

Als Ingalf ihre Zeichen sieht, verhält es sich still. Er stellt vorsichtig seine Laterne auf den Boden, nimmt seine Orknase in die Linke und den Schneidzahn wurfbereit in die Rechte.

Als einzige Reaktion hebt Randirion seine Armbrust, so dass er gegebenenfalls schnell schießen kann.

"Äh, …", beginnt Frumol.

"Durch die Tür dort." beantwortet er die Frage des Unbekannten und zeigt in die Richtung aus der er gekommen ist.

"Wer bist Du?" fragt er neugierig. "Ich habe mich ein wenig verlaufen." begründet er seine Anwesenheit.

"Manieren Dir beibringen werde ich!" Der Mann greift mit der linken Hand einen körperlangen Stab, der auf der Liege lag.

Sephyra macht einen Schritt und schmiegt sich gegen die Wand, so dass sie weiterhin den Blicken des Fremden verborgen bleibt, sollte dieser sich von seiner jetzigen Position entfernen. Gedanklich bereitet sie ihren Wurf vor, denn das Gefasel hört sich nach einer Kampferklärung an.

Zunächst würde sie nur versuchen, den Fremden mit dem Knauf des Dolchs am Kopf zu treffen, denn verletzen oder gar töten will sie ihn eigentlich nicht - er könnte schließlich wissen, wo der Schatz versteckt ist …

Sie hält sich bereit, sofort zu reagieren, je nachdem, was Frumol jetzt tut oder ob der Fremde tatsächlich angreift.

"Warum?" fragt Frumol mit einer unschuldigen Mine. Er breitet sich jedoch darauf vor, seinen Dolch zu werfen, sollte der Fremde seine Drohung weiterhin in die Tat umsetzen wollen.

Er bereitet sich darauf vor, in den Raum auszuweichen und so den Fremden zwischen die Fronten zu locken. Ebenfalls hofft Frumol so, ihm die Flucht durch eine der anderen Türen zu vereiteln.

"Oh je, Du meint es ernst!" bemerkt Frumol ein wenig spitzbübisch, als sich der Fremde weiterhin drohend nährt. Als plötzlich der Stab vorschnellt, ist Frumol für den Bruchteil eines Augenzwinkerns überrascht.

Dank Sephyras guten Körpertrainings kann er jedoch reagieren und sich mit einem schnellen Radschlag seitwärts in Sicherheit bringen.

Sephyra ist ehrlich beeindruckt: 'Wow.' denkt sie sich. 'Da hat er aber gut aufgepasst!'

Als er wieder au den Füßen steht und der Fremde nun nahezu zwischen ihm und den drei Gefährten steht, nutzt er die Gelegenheit, schnell seinen Dolch zu werfen: Er zielt auf die rechte Schulter - doch der Wurf geht fehl.

Vermutlich, das er bei seiner Akrobatikeinlage den Griff der Waffe anders fassen musste und so dass Gefühl für den Wurfdolch verloren hat.

'Das darf doch nicht wahr sein! Hey, ich stehe direkt hinter ihm!' schießt es ihr durch den Kopf und instinktiv weicht sie aus, indem sie sich duckt. Aber der Dolch fliegt nicht einmal in ihre Nähe.

'Macht nichts.' überlegt er selbstsicher.

"Komm her und lehre mich Manieren!" provoziert er den Fremden mit einem breiten Grinsen, um dessen Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Randirion hebt seine Balestrina, als der Kuttengekleidete sichtbar wird, schießt aber nicht, als er Frumols Spruch hört. Ein aufmerksamer Beobachter wird ein leichtes anerkennendes Nicken bei ihm wahrnehmen.

Frumol hat noch keinen weiteren Dolch gezogen, sondern winkt den seltsamen Gekleideten - ist es ein Mönch? - provozierend heran. Da er eben so hervorragend ausweichen konnte, geht Frumol ein wenig übermütig in diese Konfrontation.

Sephyra versteht den Wink und schleicht sich direkt hinter den abgelenkten Fremden. Sicher ist sie ihm im direkten Kampf körperlich weit unterlegen - aber wer will schon offen kämpfen?

Frumols Ablenkung nutzend nähert sie sich lautlos bis auf Armeslänge.

'Lieber kein Risiko eingehen.' denkt sie und überwindet rasch den Abstand.

Für den Fremden völlig überraschend schließt sich plötzlich von hinten ein Arm um seinen Hals und der Knauf des Wurfdolchs wird ihm von Sephyra mit aller Kraft gegen die Schläfe gestoßen, so dass er bewusstlos zusammenbricht.

So hatte Sephyra es geplant. Und als es dann gelingt, ist sie ein wenig überrascht.

"Kompliment, Madame Lunor!" lässt sich Randirion vernehmen.

Den Arm noch immer um den Hals des nun Bewusstlosen geschlungen, lässt sie ihn zu Boden gleiten.

Sephyra deutet dann eine leichte Verbeugung an: "Vielen Dank!" Das ist keineswegs scherzhaft, sondern ernst gemeint.

Sie steckt den Dolch ein und fragt: "Was machen wir jetzt mit ihm?"

"Ay, das war toll, erst'n Schuss vor'n Bug und dann von achtern auf'n den Kopf!" stimmt auch Ingalf zu.

"Toll gemacht!" Lobt Frumol den Einsatz seiner Gefährtin und streicht ihr zärtlich mit der Hand über die Schulter. Schließlich reist er sich los und nimmt seinen Dolch und den Stab des Bewusstlosen auf.

Den Stab mustert er genauer und wiegt ihn abwägend in den Händen. 'Eine interessante Waffe. Die sollte ich nicht unterschätzen.'

Ein Holzstab, die Enden mit Eisen beschlagen. Diverse Macken deuten darauf hin, dass er schon des öfteren benutzt wurde.

Frumol nimmt den Stab vorerst mit. Vielleicht erweist er sich noch als nützlich …

'Tja, meine Kleine, dich brauch ich dann ja man nich!' und stellt sich von kampfbereit (Waffen in den Händen) auf erkundungsbereit (Schneidzahn am Gürtel, Orknase und Laterne in den Händen) um.

Er geht mit den Worten "Dann wollen wir doch mal schauen, was er hier so alles bei sich hat." auf den Bewusstlosen zu.

Die Durchsuchung führt zu zwei Erkenntnissen:

- Der Mann trägt nichts unter der Kutte.

Sephyra räuspert sich und überlässt die Durchsuchung den anderen.

- Die Kutte hat keine Taschen, in denen man nach etwas suchen könnte.

"Wir sollten ihn hier nicht einfach so liegen lassen." meint sie. "Der kann uns ganz schöne Kopfschmerzen bereiten - so wie ich ihm gerade …" grinst sie.

"Sollte er ein Zauberkundiger sein, müssen wir uns in Acht nehmen. Lasst ihn uns irgendwo festbinden und den Mund stopfen. So dürften wir die meisten Möglichkeiten, Zauber zu wirken, unterbinden."

"Ich glaube nicht." gibt Frumol seine Meinung bekannt. "Sieht mir eher nach einem Mönch oder Priester oder so aus."

"Na gut. Auf deine Verantwortung." antwortet Sephyra. "Aber trotzdem wird er wütend sein, wenn er wieder aufwacht. Das sollten wir bedenken."

"Wir können ihn ja trotzdem fesseln. Außerdem habe ich nicht vor noch hier zu sein, wenn er wieder zu sich kommt." antwortet Frumol.

"Ich habe ihn schließlich nicht niedergeschlagen", fügt er grinsend hinzu.

Dieser Kommentar trägt ihm einen säuerlichen Blick von Sephyra ein.

"Genau betrachtet waren wir etwas rüde zu ihm …" denkt Randirion laut.

Er überprüft kurz, ob der Bewusstlose die klassischen Handflächentätowierungen der Gildenmagier trägt.

Da sind keinerlei Tätowierungen.

Da der Fremde nun auf dem Boden liegt, sieht sich Sephyra in dem Raum um, von dem sie vorher nicht viel sehen konnte. Etwaige Behältnisse durchsucht sie.

In den Schränken befinden sich in erster Linie Kutten, wie sie der Niedergeschlagene trägt.

"Was meint ihr?" fragt Sephyra. "Sollen wir uns 'unsichtbar' machen - oder sind hier so wenige von ihnen, dass sie sich alle persönlich kennen und 4 weitere 'Mönche' auffallen?"

"Wie wäre es, wenn wir sie mitnehmen und bei Bedarf verwenden?"

"Was glaubt Ihr, wäre dieser 'Bedarf'?" fragt Sephyra zurück. "Meint Ihr, wir sollten bei Antreffen eines anderen Mönchs diesen kurz bitten, wegzuschauen, weil wir 'uns umziehen' wollen?" Sie schüttelt nur den Kopf.

In einem Fach findet sich noch eine Liste, auf der Wertgegenstände verzeichnet sind: u.a. ein Smaragd von 50 Karat, 200 Silbertaler, ein goldener Dolch und teuer Tuchstoffe. An einer Ecke des Pergamentes ist mit Siegellack ein einfacher goldener Ring befestigt.

'Hm, interessant.' denkt sie und steckt die Liste samt Ring in den Kaftan.

Frumol nutzt derweil die Gelegenheit einen Blick durch die anderen Türen zu werfen. 'Hoffentlich warten da nicht noch mehr …' überlegt er dabei.

Die beiden anderen Türen sind auch abgeschlossen.

"Gut. Die Türen sind verschlossen, da kann uns keiner überraschen", gibt Frumol bekannt.

Er schaut sich weiter im Raum um.

Auf dem Altar steht eine kleine Götzenfigur mit zwei Hörnern. Sie besteht aus einem polierten grünlich durchschimmerndem Stein. Der Schemel ist reich verziert und mit Kupfer beschlagen.

"Werter Gefährte Wedmannsson - meint Ihr nicht, dass dieses Götzenbild sich einen Kuss Eurer Axt verdient hat?" kommentiert Randirion dieses Götzenbild.

"Meine Vorstellung von Religionsfreiheit endet bei der Anbetung von Gehörnten!"

"Ay, dem sollten wir die Hörner ein wenig abstoßen! Aber auch ein Schwert kann dabei gute Dienste leisten! Und wie heißt es doch: Geteilter Dämon gibt doppelte Freude!" antwortet Ingalf, nimmt die Orknase in beide Hände und mit einem "Swafnir steh' mir bei!" holt er aus und führt den ersten Schlag auf den Götzen.

Die Figur zersplittert in ungezählte Stücke.

Danach tritt er beiseite und grinst Randirion an, dass der den zweiten Schlag ausführt. 'Diesmal will ich nicht wieder alleine den Zorn Niederhöllens auf mich ziehen, die Edelsteine haben mir für heute schon gereicht.'

Ein zweiter Schlag erscheint Randirion nicht notwendig.

"Ein guter Schlag, Gefährte Wedmannsson - insbesondere da ein Rapier wirklich nicht geeignet wäre, auf Stein zu schlagen …"

Auf dem Boden neben der Liege liebt ein Schlüssel.

Da sich die beiden Kämpfer schon um die Götzenfigur kümmern, kann Frumol sich anderen Dingen zuwenden.

'Eigentlich schade, dass sie die Statue zerschlagen wollen. Sie scheint gut gefertigt zu sein und würde auf dem Basar sicher Einiges einbringen.', überlegt er mit einem Seitenblick auf den grünlich schimmernden Stein.

Er schiebt jedoch diesen Gedanken beiseite und hebt den Schlüssel auf. Er betrachtet ihn genauer, während er ihn in den Händen dreht.

Von der Größe her könnte der Schlüssel in die Türschlösser passen.

"Das sieht doch gut aus! Vielleicht sollten wir uns, wie unser Mädel gedacht hat, als Mönche verkleiden und dann die Türen mit dem Schlüssel und nicht mehr mit Kraft und Gewalt öffnen!" nimmt Ingalf den Vorschlag Sephyras auf.

"Pah. mit Kraft und Gewalt - Hast Du eine Ahnung", murrt Frumol halblaut und überlegt schon an welcher Tür er den Schlüssel zuerst ausprobiert.

Er geht ohne die Antwort der anderen abzuwarten zu Schrank und schaut, ob eine Kutte in seiner Größe zu finden ist.

'Mmh,selbst wenn die Dinger passen sollten, was machen wir nur mit der Ausrüstung. So'n Mönchlein mit Orknase sieht doch sicher lustig aus' bei der Vorstellung seine Gefährten in Kutte, mit dickem Rucksack auf dem Rücken und bis an die Zähne bewaffnet durch die Gänge laufen zu sehen, muss er breit grinsen.

Kein Problem. Da gibt es von der Größe her passende Kutten.

Ingalf legt den Rucksack und die Waffen ab. Er verstaut, nachdem er sie gelöscht hat, seine Laterne wieder im Rucksack. 'Wenn die hier Öllampen hab'n, brauch' ich ja man meine Lampe nich' runter brennen!'

Anschließend zieht er sich eine passende Kutte über und prüft die Bewegungsfreiheit.

Seine Bewegungsfreiheit ist deutlich eingeschränkt, den die Kutte ist aus ziemlich dickem Stoff gemacht.

Dann wendet er sich an die Gefährten: "Na, wie seh' ich aus als Mönch?"

Sephyra sieht Ingalf interessiert zu: "Und, wie ist es so als 'Mönch'?" fragt sie ihn. "Mir werden die da" - sie zeigt auf den Bewusstlosen - "den Mönch sowie so nicht abnehmen. Und Nonne … ich weiß nicht recht." überlegt sie laut.

Von dem auf dem Boden liegenden kommt ein Stöhnen.

Das lässt Sephyras Aufmerksamkeit kurz zu dem Fremden schwenken. Um sicher zu sein, sieht sie nach dessen Kopf, ob er eine Wunde von ihrer Attacke davongetragen hat.

"Was machen wir mit ihm?" fragt sie dann, den Dolch bereit haltend, um dem Fremden erneut eine mit dem Knauf überziehen zu können, sollten die Herren ein längeres Gespräch vorziehen.

"Wir könnten ihn fesseln und knebeln …" greift Frumol Sephyras Vorschlag auf.

"Ingalf könnte das machen, der kennt sich aus mit Knoten. Außerdem ist er gerade gleichen Standes." schlägt er weiter vor.

"Jau, dann woll'n wir mal!" sagt Ingalf und reist von der Kutte des Bewusstlosen einen Stoffstreifen ab, aus dem er einen Knebel fertigt.

Anschließend sucht er etwas mit dem er den Mönch fesseln kann.

Man könnte eine der Kutten aus dem Schrank in Streifen schneiden.

Da sich auch in Ingalfs Rucksack nichts besseres finden, wird er genau dieses tun. Anschließend knotet er die Streifen zusammen und fesselt mit guten thorwalschen Knoten den Mönch.

Irgendwie hat Ingalf gerade selbst einen Knoten in den Fingern. Jedenfalls sehen die Knoten nicht besonders gut aus.

Mit etwas mehr Konzentration und leisem Schimpfen schafft es Ingalf aber dann doch den Mönch relativ sicher zu verschnüren.

"Hast Du Schwierigkeiten?" fragt Sephyra, die sich selbst ein wenig mit Knoten und Seile auskennt. Schließlich ist sie "im Zirkus" aufgewachsen und dort gab es auch einen Entfesselungskünstler … Erstaunlich, was man mit der richtigen Technik alles machen kann.

Falls Ingalf nicht zurecht kommt, prüft Sephyra die Knoten und zieht sie gegebenenfalls noch einmal nach - damit sie den Mönch nicht doch im Rücken haben.

Aus einem Impuls heraus schneidet sie aus der von Ingalf dafür bereits verwendeten Kutte noch einen breiten Streifen ab und verbindet dem Mönch damit die Augen: "Er hat doch nur Frumol gesehen." kommentiert sie die Aktion.

Der Knoten sieht jetzt gut aus.

"So, fertig." verkündet Sephyra ein wenig stolz, dem großen Seefahrer auch einen Knoten gezeigt zu haben.

"Ay,Käptn! Nicht schlecht für'ne Landratte. Wenn du mal 'nen Platz in 'nem Otta suchst, werde ich ein gutes Wort für Dich einlegen!" erwidert Ingalf.

Die Kutte, die Ingalf anhat, kratzt an den Armen.

'Bei Swafnir, bin ich den heute von allen Göttern verlassen! Erst die heißen Steine, jetzt die kratzende Kutte, sollte ich durch niederhöllisches Gezücht schon so früh auf Swafnirs Insel anlanden?' denkt sich Ingalf. Dann versucht er die Ursache des Kratzens zu finden, sind es Flöhe, der rauhe Stoffe oder doch niederhöllische Einflüsse, die das Kratzen hervorrufen?

Der Stoff ist einfach ziemlich rauh. Selbst für einen Thorwaler.

'Tja, mit diesem Stoff ist es wie mit den Flöhen. Die Flöhe merken ja auch, wenn es einen juckt und kratzen einen dann. Ohne Flöhe käme man mit den Kratzen nicht nach. Also lass ich den Stoff mal ein wenig kratzen.' denkt sich Ingalf beruhigt und sieht sich nochmal im Raum um, ob die anderen noch irgendetwas übersehen haben.

Ingalf entdeckt nichts neues.

Inzwischen hat er sich entschieden, den gefundenen Schlüssel an der rechten Tür auszuprobieren. Da der noch bewusstlose Priester im unter Sephyras Bewachung steht, beginnt er sein Vorhaben in die Tat umzusetzen.

Lager

Der Schlüssel passt. Als Frumol die Tür vorsichtig öffnet, ist es dahinter dunkel. Er leuchtet mit Sephyras Öllampe und sieht wieder einen unregelmäßig geformten Raum. Er geht vorsichtig soweit vor, dass er einen vollständigen Überblick hat.

"Und?" fragt Sephyra gespannt. "Was ist da drin?" erweitert sie ihre Frage, immer einen Blick auf den (noch) Bewusstlosen werfend. 'Vielleicht sind das hier ja alles wirklich harmlose Mönche. Aber welchem der Zwölfgötter mögen sie dienen?' fragt sie sich und grübelt über das Symbol auf der Kutte, das ihr nicht bekannt ist.

Außer der Eingangstür, durch die Frumol gerade blickt, gibt es noch zwei weitere Türen. Die meisten Wände sind mit Regalen zugestellt. Nur in der Ecke zwischen den beiden anderen Türen befindet sich ein alter Tisch und ein wackliger Stuhl davor, offensichtlich ein Arbeitsplatz. Bis auf die Einrichtungsgegenstände ist der Raum leer. Frumol verschafft sich einen Überblick:

In einem Regal hängt Dörrfleisch, daneben stehen zwei Salzfässer und zwei leer Eimer.

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Nachdem Frumol sich umgesehen hat und die Türen überprüft hat, geht er zum Regal mit dem Dörrfleisch und nimmt sich ein wenig davon, bevor er den Raum durch die eben benutzte Tür wieder verlässt.

"Hat jemand Hunger?" fragt er seine Gefährten während er zurück in den Raum schlendert.

"Da drinnen gibt es eine Menge Dörrfleisch." Er hält bestätigend seinen mitgebrachten Fund hoch.

Zwei Eimer sind auch im nächsten Regal, allerdings sind sie mit einer schwarzen Masse gefüllt. Mehrere Schilde, ein halbes Dutzend Messer, vier Dolche, ein Dutzend Kampfstäbe, wie sie der Mönch benutzt hatte, fünf Säbel, zwei Kriegsbeile und drei Kurzbögen nebst gefüllter Köcher befinden sich ebenfalls in dem Regal, dazu drei wattierte Waffenröcke, drei Lederrüstungen, ein Schleifstein, Säge, vier Hämmer, ein Kistchen mit Nägeln und drei Meißel.

"Außerdem können wir sicher ein ganzes Heer unter Waffen stellen. Es gibt genug Ausrüstungszeug." grinst er in die Runde.

"Diese Mönche sind - wie wir gesehen haben - nicht gastfreundlich und sicher auch nicht friedfertig." ergänzt er.

Im dritten Regal stehen neben einem kleinen Tiegelchen neun größere grüne Flaschen. Separat stehen sechs durchsichtige Fläschchen, zwei grüne und vier braune Fläschchen säuberlich aufgereiht und mit Symbolen beschriftet.

"Ein Seil konnte ich allerdings nicht finden." fügt er mit einem Blick auf den Bewusstlosen hinzu.

Da sich offensichtlich niemand für seine Entdeckung interessiert probiert er selbst ein wenig gelangweilt - und von seinen Gefährten enttäuscht - von dem Dörrfleisch. Dabei schaut er zu wie sie den Gefangenen knebeln und fesseln.

Das Dörrfleisch schmeckt, wie Dörrfleisch zu schmecken hat. Jedenfalls ist es nicht verdorben.

"Und jetzt?" fragt er anschließend.

"Meine Bewaffnung ist völlig ausreichend, aber es ist gut, wenn wir vor dem Rückweg unsere Vorräte ergänzen können. Jetzt fehlt eigentlich nur etwas zu trinken." Randirion denkt kurz nach. "Ansonsten sollten wir mit der Untersuchung dieses Gangsystems fortfahren, denke ich."

"Und jetzt?" echot Ingalf. "Jetzt gibste mir mal was von dem Dörrfleisch, den Knoten macht hungrig. Und dann sollten wir vielleicht stiller sein, denn sonst kriegt unser Paket doch noch mit, dass wir mehr als einer sind. Und dann gehn wir weiter, oder?"

Sephyra nickt stumm, gleich den Einwand Ingalfs berücksichtigend.

Mit einem Grinsen wirft Frumol ihm etwas Dörrfleisch zu.

Da alle zum Aufbruch drängen geht Frumol noch mal zurück und untersucht den Arbeitstisch sowie die Flaschen im Regal etwas genauer.

Der Arbeitstisch bietet nichts auffälliges.

Die neun großen grünen Flaschen sind mit einer Flüssigkeit gefüllt und verkorkt. Alle kleineren Fläschchen und der Tiegel sind versiegelt. In den Fläschchen befindet sich Flüssigkeit.

Auf dem Siegel der zwei kleinen grünen Fläschchen vermeint Frumol einen stilisierten Storch zu erkennen. Auf dem Siegel des Tiegels ist ein stilisiertes Schwert zu sehen. Auf den anderen Siegeln sind unverständliche Symbole.

'Der Storch als Zeichen der Zwölfgöttlichkeit? Dann könnte hierin eine Medizin sein.' überlegt Frumol, obwohl dies ihm in diesem seltsamen Kloster nicht sehr wahrscheinlich erscheint.

Dennoch nimmt er eine der beiden Flaschen und schüttelt sie leicht.

Dann hält er sie gegen das Licht und schaut durch das grüne Glas - sofern die Flaschen transparent sind.

Zu erkennen ist nichts weiter.

"Wie nun weiter?" fragt sie.

"Nach Ihnen, Madame Lunor," erwidert Randirion mir einer galanten Verbeugung.

"Hier führen noch zwei Türen weiter." gibt Frumol zu bedenken, bevor er in den Vorratsraum zurückkehrt.

Sephyra antwortet nicht, sondern nickt dem Kawaljere nur zu.

Sie nimmt sich ebenfalls etwas Dörrfleisch aus der Kammer nebenan und verstaut dies in ihrem Rucksack, die mittlerweile dünnen Vorräte etwas auffüllend.

'Hm. Nur etwas Wasser fehlt uns noch.' denkt sie. 'Aber dieses Kloster muss doch einen Brunnen haben. Dieser wird irgendwo im Keller liegen, oder einem anderen Hof.' überlegt sie weiter.

Randirion versorgt sich ebenfalls. Er nimmt eine der großen grünen Flaschen, entkorkt sie und schnuppert. "Mich deucht, wir haben es hier mit geistigem zu tun. Mag jemand probieren?" kommentiert er.

"Seid ihr sicher?" fragt Frumol ihn.

"Probiert doch einen Schluck!" fordert er ihn weiter auf.

"Danke, nein!" entgegnet Randirion. "Kein Alkohol bei der Arbeit!" fährt er grinsend fort.

"Dann nehmt den Schluck mit, für die Zeit, wo Eure Arbeit getan ist." schlägt Frumol vor.

"Freund Wedmannsson, wie ist es mit Euch?" irgendwie scheint Randirion keine rechte Lust zu haben, seinen Rucksack mit Schnaps zu beschweren.

"Zeig mal her, wenn es Feuer oder was ähnliches ist, dann wäre es bei mir doch am besten aufgehoben!" sagt Ingalf mit breitem Grinsen.

Randirion reicht ihm die Flasche. Ingalf nimmt sofort einen Schluck.

Bester Schnaps! Ingalf kann zwar nicht erkennen, was da gebrannt ist, aber der Brennmeister verstand sein Handwerk.

"Der ist aber echt gut! Wollt ihr nicht auch'n Schluck?" fragt Ingalf in die Runde und nimmt erstmal einen weiteren guten Zug aus der Flasche. "Richtig gut! Das wohl! Kein Feuer, aber …" der nächste Schluck unterbricht Ingalfs Beurteilung, "… guter Brand! Das wohl!"

Die nun noch etwa halbvolle Flasche bietet er seinen Gefährten an, die restlichen packt er in seinen Rucksack. 'Die bringen auf dem Markt sicherlich ein paar Taler, und solange ich nix besseres finde, löschen sie ja auch den Durst.'

"Habt Ihr etwas identifizieren können, Herr Pellocke?" wendet er sich an Frumol, nachdem dieser mit der Untersuchung der Fläschchen fertig ist.

"Ich weiß nicht so recht", beantwortet er die Frage. "Dies scheint mir eindeutig ein Storch zu sein." Er deutet auf das Etikett.

"Ja, das sieht so aus," stimmt Randirion ihm zu.

"Dann läge der Schluss nahe, dies wäre eine Art Medicin." schildert er seine Schlussfolgerung.

"Peraine, die Göttin der Fruchtbarkeit und Heilkunst, hat das Symbol des Storchs." Randirion klingt fast so, wie ein stolzer Schüler.

Ein amüsiertes Lächeln huscht über Frumols Gesicht.

"Aber in Anbetracht dessen, was wir bisher hier fanden, sollten wir mit Rückschlüssen auf zwölfgöttliche Symbole vorsichtig sein." gibt er weiter zu bedenken.

"Wie wahr!" stimmt Randirion zu. "Mitnehmen sollten wir die Fläschchen aber auf jeden Fall. Sie könnten mehr als ihr Gewicht in Gold wert sein."

"Ihr nehmt die eine, und ich verwahre die andere." teilt Frumol den seltsamen Fund auf. "Wir können dann später weitersehen."

"Ihr wollt nur die beiden Fläschchen mitnehmen?" vergewissert sich Randirion.

"Für meinen Teil ja. Um den Eure Falsche kümmert sich ja schon der Herr vom Meer. Und was soll ich mit so vielen Dingen, die ich nicht kenne und die mir im Zweifelsfall nur den Rucksack durchnässen?"

"Ihr könnt meinetwegen nehmen was ihr wollt, was es auch sei. Vielleicht ist es Gold wert, wenn ihr es aus der Wüste schafft, vielleicht der Grund weshalb ihr es nicht schafft." erklärt Frumol praktisch.

"Zwei Barren Gold sind mir lieber als eine Kostbarkeit, die – wenn Phex es will - gar keine ist." spricht er weiter.

"Nein, den einen Tiegel und die Fläschchen mit den anderen Zeichen nehme ich." erwidert Sephyra und steckt sie in den Rucksack.

'Uff. Langsam muss ich aufhören, alles einzusammeln.' überlegt sie, als sie den immer schwerer werdenden Rucksack zurück auf die Schultern hebt.

Randirion wirft noch einen Blick durch den Raum, um sich sicher zu sein, dass er nichts übersehen hat.

Da ist nichts weiter.

Randirion kommt eine Idee, und er steckt ein paar Nägel und einen Hammer ein. Auf die sicherlich verblüfften Blicke seiner Gefährten hin kommentiert er:

"Nun, da diese Räume bewohnt sind - vielleicht muss man einmal eine Tür vernageln oder ein Schloss sabotieren … da erscheinen mir diese die sinnvollsten Dinge aus dem Rest zu sein, nachdem die ganzen Flaschen und Tiegel in Madame Lunors Rucksack oder Herrn Wedmannssons Kehle sind …"

Ingalf winkt die Gefährten zusammen und flüstert dann: "Wenn mich nich' alles täuscht, dann müssten die Türen auf den linken (Süd-) Seite zurück Richtung Eingang oder zu den Schießscharten führen. Wenn wir sicher sein wollen, dass wir nichts zwischen uns und unseren Fluchtweg zu bekommen, dann sollten wir dort 'mal nachseh'n, wenn wir aber nur Neues finden wollen, dann wäre wohl gradzu der richtige Kurs."

"Was meint ihr?" fragt er leise in die Runde.

"Ist doch egal welchen Weg wir nehmen." meint Frumol. "Hauptsache, wir kommen heil und reich wieder raus."

Das ist ihr Frumol! Sephyra muss lächeln.

Da er sich gerade in dem Lager befindet, schaut er abwägend die beiden Türen an.

"Lasst uns die da nehmen", entscheidet er sich und deutet auf die linke. Er holt schnell seinen Rucksack und postiert sich vor der Tür. Er geht davon aus, dass es hinter dahinter ruhig und dunkel ist.

Da die Gruppe nicht sehr leise gewesen ist, nimmt er an, es hätte ansonsten schon jemand nach dem rechten gesehen …

Somit drückt er die Klinke herab und öffnet die Tür sofern sie nicht verschlossen ist. Ansonsten probiert er zuerst den Schlüssel, bevor er seine Dietriche das Schoß knacken lässt.

Sephyra stellt sich nach Auffüllen ihrer Vorräte in genügendem Abstand hinter Frumol seitlich auf und zieht erneut ihren treuen Wurfdolch, gespannt, was sich hinter der Tür verbergen wird …

Ingalf macht sich kampfbereit, um den Gefahren die hinter der Tür lauern können zu begegnen.

Randirion wartet erst einmal ab.

Brunnenraum

Der Schlüssel passt. Hinter der Tür ist eine kurze hinabführende Treppe.

Dahinter öffnet sich ein weiterer Raum.

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Der Lichtschein von Sephyras Lampe fällt auf einen achteckigen Brunnen in der Mitte des ansonsten leeren Raumes. In der linken hinteren Ecke gibt es noch eine Öffnung. Anscheinend ein Durchgang.

'Wusste ich es doch! Hier ist keiner.' freut sich Frumol still.

Rings an den Wänden stellen Sandsteinreliefs verschiedene Szenen dar. Die Reliefs kann man nicht als kunstvoll oder ausgesprochen naturalistisch bezeichnen. Manche Szenen sind nur schwer zu erkennen.

Heimsuchung und Chaos, aber auch Erlösung und Glück scheinen dargestellt zu sein. Mensch und Tier ziehen aus einem Wüstengebiet aus, Erdbeben und Sandstürme hinter sich zurücklassend. An einer anderen Wand ist ein Kreis mit einbeschriebenem Quadrat über einer Gruppe Menschen zu sehen, die sich in pastoraler Landschaft ausruhen. Beherrscht werden die Reliefs aber von der Darstellung eines gehörnten Götzen, in dessen riesigem Rachen ein Strom von Menschen verschwindet.

Über dem Brunnen ist eine Winde, an dem ein Seil mit ledernem Eimer hängt.

Die Vorrichtung mit dem Eimer in dem Badebecken ignoriert er vorerst. Was auch immer da aufbewahrt wird, es hat sicher seinen Grund. Falls es wertvoll ist, ist es auch noch irgendwie geschützt. Die Wandbilder hingegen können seiner Einschätzung nach gefahrlos betrachtet werden.

"Was mag das zu bedeuten haben?" fragt Frumol nachdem er sich im Raum umgeschaut hat. "Was hat der Gehörnte damit zu tun? Und warum verschwinden so viele Menschen in seinem Rachen? Nach Fressen sieht mir das nicht aus."

"Hm. Das kennen wir doch." murmelt Sephyra, die sich nur ungern an die Schlossruine und den aus dem Schacht kommenden Molch erinnert.

"Vielleicht können wir hier unsere Vorräte auffüllen." mutmaßt sie und lässt den Eimer probeweise hinab, bis er auf einer eventuellen Wasserfläche aufschlägt und kurbelt ihn anschließend wieder nach oben, um das Wasser zu probieren - sollte tatsächlich Wasser zum Vorschein kommen. "Aber von irgendwas muss auch der asketischste lebende Mönch den Durst stillen."

Die Wasseroberfläche befindet sich 2 Schritt unter Bodenniveau. Das Wasser schmeckt frisch und kühl.

"Hm, gut." macht Sephyra und füllt ihre Wasserschläuche nach.

Da Sephyra den Eimer ganz nach oben gezogen hat, fällt ihr auf, dass am Eimerboden ein dünnes Lederseil hängt, das im Wasser verschwindet.

Da das Seil den anderen nicht aufgefallen ist, geht Ingalf zum Brunnen und zieht das Lederseil herauf.

Das geht problemlos. Es kommt sofort eine grüne Flasche zum Vorschein. Sie ist versiegelt.

Diese Flasche nimmt Sephyra von der Schnur und besieht sie sich genauer.

"Nu, mal langsam Käptn, schließlich hab' ich die Flasche raufgezogen!" kritisiert Ingalf ihr Vorgehen.

Eigentlich ist Sephyra nicht zum streiten zumute.

"Dafür hast Du mir das lederne Seil zum Heraufziehen nahezu aus der Hand genommen." verteidigt sie sich, jedoch ohne besonderen Nachdruck in der Stimme.

"Hier." sie reicht Ingalf die Flasche. "Aber nicht gleich austrinken!" spöttelt sie.

'Oh je, ziemlich gereizte Stimmung hier.' denkt Frumol als der die Auseinandersetzung hört. Er mischt sich jedoch nicht ein, schaut nur Sephyra an und lächelt ihr zu, falls sie ihn anschaut.

'Kein Wunder, bei dem, was wir bisher fanden. Wieder nur gefahren, und keinen Schatz. Sollte dies Kloster nicht unbewohnt sein? Besser wir wären nie hierher gekommen.' kritisiert er gedanklich das ganze Abenteuer.

"Naja, zum Trinken hab' ich ja man noch genuch dabei," entgegnet Ingalf und deutet auf seinen Rucksack. "Aber es is' doch schon komisch, dass man inner Wüste 'n Brunnen findet und noch viel komischer isses, dass in dem Brunnen auch noch 'n Flasche aufbewahrt wird, oder? Ich glaub' nich' dass das was ganz normales is'!"

Dabei betrachtet er die Flasche, ob er irgendetwas findet, was auf eine Besonderheit oder den Inhalt hindeutet.

Die weinflaschengroße Flasche ist durch das Wasser gut gekühlt. Sie ist mit einer Flüssigkeit gefüllt. In den Flaschenkörper sind drei stilisierte Störche eingearbeitet.

"Oh Mann, schon wieder diese komischen Vögel! Das scheint ja man hier üblich zu sein Störche auf die Flaschen zu malen, dabei wäre Feuer doch viel leckerer. Aber was solls! Hier, Sephyra, ich will nich' mit Dir streiten, Du hast ja schon 'n Fläschchen mit'm Storch, vielleicht nimmst Du das auch noch! Aber schön vorsichtig, denn man hängt so'ne Flasche nicht einfach in den kühlen Brunnen."

Dankend nimmt Sephyra die Flasche zurück.

"Vielleicht," sinniert Ingalf laut weiter, "sollten wir die Flasche in irgendwas wickeln, dann geht sie nich' so schnell kaputt und kühl bleibt sie dann auch?"

"Ja, ich glaube, das wäre eine gute Idee." sagt sie und holt eine der verbliebenen Roben aus dem Nachbarraum. Dabei wirft sie schnell einen Blick auf den "Schlafgast".

Der hat weiterhin die Augen geschlossen.

Zurück am Brunnen tränkt sie die untere Hälfte der Robe kräftig im Wasser, wickelt die Flasche darin ein und knotet schließlich alles mit den Ärmeln in die Kapuze. Das "Paket" ist jetzt etwas sperrig für ihren Rucksack, daher bindet sie es außen daran fest. "Oder hat jemand eine bessere Idee?" fragt sie vorsichtshalber.

Dann schießt Ingalf noch ein Gedanke durch den Kopf und er fängt an zu Grinsen: "Wenn Du die Flaschen alle ausgetrunken hast und es wird 'n Junge, dann nenn' ihn ruhig Ingalf."

Der "Scherz" muss erst mal ein paar Sekunden sacken, ehe Sephyra überhaupt merkt, worauf Ingalf hinaus will. Dann zieht sie missbilligend die Augenbrauen zusammen und legt die Stirn in Falten. "Solche Geschenke nehme ich grundsätzlich nicht an!" erwidert sie giftig und meint zur Frumol mit lieblicher Stimme: "Horch a'mal, der halbnackte Zottelbär dort drüben möchte Dir etwas sagen …" Als sie mitbekommt, dass Frumol weiter erkundet, ignoriert sie Ingalf einfach und widmet sich erneut der sicheren Verpackung der neuen Flasche.

'Autsch, das is' wohl in die Hose gegangen, dabei wollte ich nur 'n Scherz machen!' denkt sich Ingalf, schüttelt den Kopf und murmelt: "Versteh' man einer die Frauen, als wenn ich ihr Storch sein will, dazu hat sie doch ihr'n Seuten!"

Als Sephyra fertig ist, kommt Frumol schweigend von seiner Erkundung zurück. Er wirkt nachdenklich.

Nachdem Sephyra den Eimer - hoffentlich mit Wasser - hochgezogen hat, sieht auch sie sich besagtes Wandbild genauer an.

"Nein, das sieht es wohl nicht." meint sie nach einer Weile zu Frumol. "Eher so, als wenn diese Menschen 'freiwillig' hinein spazieren. Vielleicht stellt das eine rituelle Opferung dar?" überlegt sie laut.

"Könnte sein. Passt zu einem Gehörnten." Frumol klingt nachdenklich.

"Wir sollten sehr vorsichtig sein. Schließlich kann es hier noch einige Mönche geben." Er betrachtet weiterhin die Wandbilder.

Es ist aber kein weiteres Bild zu sehen, das Frumol so gefangen nimmt, wie das mit dem menschenverschlingenden Dämon.

Frumol wendest sich schließlich ab. Diesem Dämon möchte er nicht begegnen, schon gar nich seinem Rachen. Bei dem Gedanken daran läuft ihm ein kalter Schauer über den Rücken.

'Vielleicht wäre es besser, von hier zu verschwinden.' warnt ihn zaghaft eine innere Stimme.

'Ach, das wird schon nicht so schlimm, bisher habe ich doch alles unverletzt überstanden.' beruhigt er sich. 'Ich kann mich auf meine Intuition verlassen … Außerdem wird mich Sephyra für einen Feigling halten, wenn ich jetzt einen solchen Vorschlag mache!'

"Habt ihr noch etwas Wasser? Ich hätte gerne einen Schluck." fragt er um sich abzulenken.

"Ja, hier." antwortet Sephyra und füllt für Frumol den Eimer neu mit frischem Wasser.

"Danke". Frumol lächelt sie an und schöpft mit beiden Händen Wasser aus dem Eimer und führt es langsam zum Mund. Mit einem langen Zug trinkt er. Anschließend schöpft er noch einmal Wasser, welches er sich jedoch ins Gesicht spritzt und mit den Händen abreibt. Mit den noch feuchten Händen wischt er sich über den Nacken.

'Mmh, das tut gut nach dem ganzen Stress und dem Staub der Wüste.' denkt er erfrischt.

Während Ingalf noch an dem dünnen Lederseil zieht, schaut es sich auch die Bilder an: "Tja, sieht auf jeden Fall komisch aus. Und unsere Freunde scheinen damit zu tun zu haben, denn auf den Kutten ist das gleichen Zeichen, wie auf der Wand." Dabei schaut er an der Kutte, die er übergeworfen hat, herunter.

"Und da wo das Zeichen is', siehst besser aus als auf der anderen Seite. Mmh, soll man durch den Gehörnten in eine bessre Welt kommen. Tja, aber dann is' man wohl bei Swafnir im Paradies?!"

Randirion betrachtet sich die Bilder ebenfalls interessiert.

"Etwas absonderlicher Kunstgeschmack …" kommentiert er abwesend.

"Menschen, die im Strome im Rachen eines Gehörnten verschwinden? Merkwürdig …"

Und dieses Symbol vom Quadrat-im-Kreis wird ebenfalls eingehend betrachtet. Irgendwelche profanen Brunnen oder so sind völlig uninteressant …

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Ja. Dieses Symbol ist genau das, was sich auf Ingalfs Robe (und auch auf allen anderen gefundenen Roben) befindet.

Er schaut wieder auf: "Was mag da wohl hinter der Ecke sein?"

Ohne lange zu zögern geht er zur Öffnung in der hinteren Ecke und schaut hinein.

Ein kurzer Gang, der gleich nach links zu einer kurzen Treppe abknickt.

Frumol steigt mit Sephyras Lampe in der Hand schnell hoch. Es geht schon wieder um die Kurve, und da kommt noch eine kleine Treppe. Da die andere drei im Brunnenraum wohl ungefährdet sind, steigt er soweit hoch, bis sein Kopf höher als die oberste Stufe ist. Oben kommt ein langer dunkler Gang. Das ist die Richtung zu der Eingangswand des Klostermassivs.

Enttäuscht darüber, dass er nichts Aufregendes gefunden hat geht er noch lustlos ein paar Schritte weiter und dreht dann endgültig um.

'Hier scheine ich nichts weiter zu finden. Wir müssen wohl in den Raum mit den Statuen zurück.' überlegt er weiter.

'Ob wir die Statue des Gehörnten untersuchen sollen?' überlegt er, obwohl bei diesem Gedanken aller Warnglocken läuten.

"Habt ihr noch was herausgefunden?" fragt er, als er wieder den Raum betritt und sich umblickt. Je länger er in diesem verfluchten Gemäuer ist, desto unwohler fühlt er sich. Besonders dieser Dämon macht ihm Angst.

"Da hinten ist nur ein langer, dunkler Gang, der in Richtung Eingang führt." beichtet er kurz angebunden und deutet über die Schulter zurück.

"Was hast Du da?" fragt er Sephyra, als er ihr weiteres Bündel erspäht.

"Noch eine Flasche. Die hing hier zum Kühlen im Brunnen, also habe ich sie in eine nasse Kutte gewickelt und verschnürt."

Sie berichtet von den 3 Störchen auf der Flasche, lässt aber ihr "Geplänkel" mit Ingalf weg. 'Braucht er sich jetzt nicht den Kopf darüber zu zerbrechen.' denkt sie. Vielleicht wird sie es ihm in einer ruhigen Stunde am Lagerfeuer erzählen, wer weiß?

Frumol hört ihr aufmerksam zu.

Über die ihr zuteil werdenden Aufmerksamkeit freut sich Sephyra besonders.

"Meinst Du nicht, es wäre nicht besser, die Flasche im Brunnen zu lassen?" antwortet er nachdenklich.

"Es hat doch einen Sinn, falls sie dort gekühlt wurde." überlegt er weiter. "Wir könnten Sie später noch mit nehmen."

"Na ja. Erstens wissen wir nicht, ob wir hierher zurückkommen - äh - können. Und zweitens soll sie vielleicht auch nur versteckt oder im Dunklen gelagert werden. Die anderen Flaschen mit den Störchen darauf standen auch einfach im Regal des Lagerraums." antwortet sie auf die Frage.

"Und deshalb willst Du alles mitschleppen, was merkwürdig ist? Was machst Du wenn Gold und Silber vor Dir liegt? Vielleicht ist die Flasche oder deren Inhalt auch wertlos." Dies ist keine Kritik, nur Frumols Meinung. Er selbst versucht sich möglichst nicht unnötig zu belasten.

"Mir erscheint der Raum mit den Statuen am interessantesten für unsere Suche. Wollen wir da weiter machen?" fragt er alle drei Gefährten.

"Tja, wenn der Kurs stimmt, den Du uns berichtet hast, gibt's ja in die Richtung nur den Ausgang und da war man bislang nichts los." 'Außer der blöden Ameise' fällt Ingalf ein.

"Und 'nen Schatz haben wir hier nicht gefunden, auf jeden Fall sollten wir zurück gehen. Und vielleicht ist unser Mönchlein wieder wach und wir können ihn noch was fragen!"

Dann schaut sich Ingalf seine Gefährten an. "Wenn hier überall dieses komische Zeichen is' - an den Wänden und auf den Roben - dann solltet ihr auch lieber eine anziehen, so haben wir doch 'n Überraschungsvorteil falls uns jemand an den Kuttenkragen will!"

Als die Gruppe wieder zurück in den Andachtsraum gegangen ist, stellen alle fest, dass der niedergeschlagene Mönch wieder wach ist. Er windet sich. Anscheinend versucht er seine Augenbinde an einem Pfosten der Liege abzustreifen. Der Knebel verhindert aber, dass er Lärm macht.

Ingalf hebt den Zeigefinger vor den Mund und fragt dann leise in die Runde: "Wie Sephyra vorhin richtig erkannt hat, kennt er bisher nur Frumol, wenn wir wollen, dass das so bleibt, dann sollten wir jetzt still sein, oder wollen wir ihn nach dem Schatz fragen?"

Randirion nickt zustimmend, macht sich aber trotzdem kampfbereit.

"Wenn man mit dem Herrn redet, denkt aber daran, dass Zauberkundige häufig nur ihre Stimme brauchen …" warnt er.

Sephyra schüttelt nur den Kopf …

'Oh, Mann, die eine schüttelt dem Kopf, der andere nickt, aber reden wollen sie alle nicht! Es ist nicht immer einfach.' denkt sich Ingalf.

… und bedeutet Frumol mit einem Nicken, dass er die Fesseln und die Augenbinde des Mönchs prüfen möge. 'Hoffentlich merkt er, was ich ihm sagen will.' hofft sie.

Sollte Frumol ausnahmsweise mal begriffsstutzig sein, zieht sie seinen Kopf ganz dich heran und flüstert ihm das ins Ohr.

Auf Sephyras Kopfschütteln hin, bewegt sich Ingalf möglichst lautlos zu einer Position im Raum, die es dem Mönch nicht ermöglicht ihn zu sehen, wenn Frumol die Augenbinde abnehmen sollte.

Dort wartet er das nächste Geschehen ab.

Randirion tut es ihm gleich.

Frumol versteht diesen Wink und zuckt mit den Achseln. 'Warum nur dieses Versteckspiel? Der Mönch kann uns nichts anhaben und wir wollen uns hier doch nicht wohnlich einrichten. Außerdem weiß er doch durch Sephyras überwältigenden Angriff, dass ich nicht allein bin …'

Er kniet sich neben dem Gefesselten nieder und überprüft die Stricke und die Augenbinde sowie den Knebel. Dabei tätschelt er ihm leicht die Wange: "Schön artig sein, dann geschieht Dir nichts."

Fesseln und Knebel sind vollkommen in Ordnung, soweit Frumol das beurteilen kann. Der Gefangene macht sich bei der Untersuchung ganz steif.

Anschließend erhebt er sich und nickt den Gefährten zu.

'Da Frumol bei seiner Untersuchung nichts festgestellt hat, können wir auch hier verschwinden' sinniert Ingalf nachdem er gesehen hat, das der Mönch immernoch gut verschnürt ist. 'Doch, halt, wollten die anderen jetzt noch Kutten, oder nicht?'

Er winkt den Gefährten zu und zeigt dann auf seine Kutte und den Schrank und schaut sie fragend an.

Frumol schüttelt nur den Kopf. Wie sie nebenan auf den Darstellungen an den Wänden ersehen konnten stehen diese Mönche in Kontakt zu einem Dämon. Darauf deutete ja auch schon die zerschlagenen Götzenstatue hin. 'Ich werde bestimmt keinen Anbeter eines Dämons mimen.'

Er bückt sich jedoch und hebt eins der größeren Fragmente der zerschlagenen Statue auf. 'Vielleicht erzielt das merkwürdige Material bei einem Bildhauer noch einen guten Preis. Ich muss ja nicht erwähnen, dass es von einer Dämonenstatue stammt …'

Mit kritischem Blick verfolgt Sephyra Frumols Handlungen. 'Er wird doch nicht …?' - 'Er hat!' stellt sie für sich fest, ohne etwas dazu zu sagen. Aber gefallen tut ihr das nicht, nein, ganz bestimmt nicht.

Er verlässt den Raum in Richtung des Statuenraums, …

… gefolgt von Frumol.

Sich noch einmal nach dem "Mönch" umsehend verlässt auch Sephyra den Raum. Wenn der Kawaljere noch vor ihr den Raum verlassen sollte, schließt sie leise die Tür hinter sich. 'Muss ja nicht gleich im Vorbeigehen jeder sehen, dass hier die Kavallerie durchgezogen ist.'

Über ihren gedanklichen Scherz muss sie lächeln - auch wenn der Kawaljere weder den Mönch niedergeschlagen noch die Statue zerhauen hat.

Am niedrigen Gang vorbei geht es wieder in den Raum mit den drei Statuen, die mittlere Dämonenstatue noch unberührt. Nach links führt der Gang in einen indirekt spärlich beleuchteten Raum.

'Ob ich es wagen soll?' setzt Frumol seinen Gedanken bezüglich der Untersuchung der Dämonenstatue fort.

'Immerhin habe ich ein Bruchstück der Götzenstatue. Vielleicht hilft es, vielleicht auch nicht.' überlegt er weiter.

'Sollte ich zuerst den Gang sichten?' schaut er sich auf der Suche nach Alternativen um, denn die Dämonenstatue jagt ihm noch immer einen Schauer über den Rücken.

'Da liegen auch noch die Diamanten, die Ingalf dort hin gelegt hat. Ob sie wirklich verflucht sind? Jedenfalls sind die bestimmt viel wert …', Frumols Überlegungen führen noch zu keinem klaren Ziel.

So steht er ein wenig verloren da, ohne einen Entschluss zu fassen.

"Kommt weiter, hier gibt's nix neues!" fordert Ingalf die Gefährten auf und geht dann vorsichtig weiter in den noch unerforschten Gang.

Frumol reißt sich von seinen Gedanken los und verliert das Interesse an der Statue.

Da er als einziger eine Kutte trägt, hat er beschloßen voranzugehen, um ein eventuelles Überraschungsmoment nutzten zu können. Um auch entsprechend 'überzeugend' auftreten zu können, hat er wieder seine Lampe im Rucksack verstaut und die Orknase in den Händen.

Unwillkürlich muss er grinsen: 'Wenn er wüsste wie lächerlich er aussieht …'

Das Grinsen vergeht ihm aber ganz schnell.