Sephyra klettert die Lianenstrickleiter mit mittlerweile geübten Bewegungen hinunter. Sie ist von dichtem Geäst umgeben, aber es bereitet

ihr keine Mühe hindurch zukommen.

Die Strickleiter ist deutlich länger als alle vorigen, Sephyra hat das Gefühl doppelt so lang. Sie endet auf einem horizontalen wohl 10 Schritt dicken Ast. Es gibt wieder eine Markierung, die vom Baum weg weist.

Sephyra ruft nach oben: "Alles klar, ihr könnt nachkommen!"

Ingalf schaut etwas verwirrt auf den Kavaljäre, der immer noch als erster klettern will,schüttelt den Kopf und folgt Sephyra die Strickleiter hinab.

Trotz aller Sorgfalt beim Klettern kommt Ingalf auf halber Höhe mächtig ins Schaukeln. Die Strickleiter ist eben ziemlich lang. Die Lianen knacken bedrohlich.

Ingalf hält die Luft an und bliebt erstarrt beim Klettern. 'Bei Swafnir! Auch das noch! Wenn ich mich jetzt nicht bewege, dann muss doch das Schaukeln aufhören! Die besch… Wanten!'

Wenn sich die Leiter beruhigt hat, wird er vorsichtig weiter absteigen. Allerdings versucht er für den Rest der Strecke keinen Rhythmus ins Klettern zu bekommen, dass sich die Leiter nicht wieder aufschaukelt.

Es dauert ziemlich lange, bis sich die Strickleiter beruhigt hat. Ingalf ist das Herz erst einmal ziemlich in die Hose gerutscht, als er unten ankommt.

"Das hat aber gedauert! Was hast Du unterwegs getrieben?" fragt Sephyra belustigt.

Mit zitternden Knien setzt sich Ingalf auf den Ast. 'Nee, das Mädel mag zwar Ahnungen habe, aber ich habe die Ahnung, dass das bald mein letzter Ast war. Sowas muss ich nicht nochmal haben!'

"Sephyra, rufst du die anderen? Ich bin fertig mit der Welt! Ach ja, sie sollen bloß vorsichtig sein und vielleicht alles Überflüssige abseilen, bei mir hat die Leiter schon ganz schön geknackt!" Er versucht dabei das ängstliche Zittern, dass seinen Körper durchläuft nicht in die Stimme gelangen zu lassen.

Als sie Ingalfs noch immer leicht verstört wirkendes Gesicht sieht, wird sie ernst: "Tut mir leid, war nicht so gemeint." entschuldigt sie sich.

Dann ruft sie nach oben: "Der nächste bitte, aber seid vorsichtig!"

Nun sind wieder der Kavaljäre und Frumol die Letzten.

"Ich lasse Euch gerne den Vortritt" sagt Frumol, während er sich umwendet und zurück zu seinem Rucksack geht und diesen wieder aufsetzt.

Randirion macht sich an den Abstieg, nach den Erlebnissen der letzten Leiter und den Schwanken bei Ingalf jetzt sehr langsam und vorsichtig, immer einen Arm in der Leiter verhakt.

Obwohl die Strickleiter eine sehr wackelige Angelegenheit ist, kommt Randirion problemlos unten an.

Anschließend geht er zu der Lianenstrickleiter zurück und folgt den anderen hinab.

Frumol nimmt die Sache offensichtlich zu leicht. Genau wie Ingalf kommt er heftig ins Schwingen. Und die Strickleiter knackt wieder.

'Das war je klar', verflucht Frumol seine Unvorsichtigkeit. Während er in luftiger Höhe hin- und her pendelt und das ächzen der Lianen hört, wird ihm bewusst, dass er nicht alles einfach so auf die leichte Schulter nehmen sollte.

'Sephyra wird mich auslachen!' Das sie sieht, wie er sich hier wie ein Anfänger anstellt, ist ihm klar, währen ihm die Schamröte ins Gesicht steigt. Sicher ist, dass sie ihn damit die nächste Zeit immer wieder mit seiner Kletterkunst aufziehen wird.

So klettert vorsichtig und erheblich langsamer als eben weiter.

'Vielleicht hätten wir den dritten Weg nehmen sollen' überlegt er dabei.

Schließlich kommt auch er mit wackligen Beinen auf dem Ast an.

"Das war anstrengender als erwartet." erklärt Frumol während er seinen Rucksack abstellt und sich daneben nieder sinken lässt um eine wenig Atem zu schöpfen.

"Diese Kletterei geht mir langsam auf den Senkel." murmelt er leise.

Von Ingalf, der neben ihm sitzt, kommt ein Stoßseufzer: "Das wohl! Bei Swafnir! Das wohl!"

"Dem kann man nur zustimmen, vraiment!"

Randirion ist ein wenig außer Puste.

Der Weg auf dem Ast führt erst einmal ein kurzes Stück bis zu einer Astkrone. Hier wachsen eine ganze Reihe kugelförmiger, bläulich-brauner Pilze. Hinter der Pilzkolonie ist eine feste nach unten führende Leiter zu sehen.

"Dahinten geht es weiter!" Frumol deutet auf die Leiter. 'Es gab lange keinen Angriff von übergroßen Tieren. Vielleicht ist dieser Ort ja doch nicht so gefährlich wie wir bisher dachten.'

'Fein!' denkt sich Ingalf. 'Endlich wieder eine vernünftige Leiter!'

"Hmm," kommt dann ein Murmeln von Ingalf. "Sagt mal, die Blüten vorhin haben uns vollgespoddert, und nun Pilze! Also ich kenne aus den thorwalschen Wäldern so komische Morcheln, die platzen, wenn man denen zu nahe kommt. Wir sollten uns auf jeden Fall schützen!"

"Du meinst also, wir sollten uns wieder etwas vor das Gesicht binden? Oder hilft das gegen die Sporen dieser Thorwalerpilze nicht?" fragt Sephyra dazwischen.

Nach einer Pause in der Ingalf seinen Seesack durchsucht hat,wendet er sich an Randirion: "Hey, Kavaljäre, kannste mir eins von deinen Taschensegeln leihen?"

Offenbar glaubt Ingalf, dass diese Tücher helfen können, also zuckt Sephyra die Schultern.

Nach kurzer Pause zieht wieder eines ihrer bunten Tücher hervor. Das schüttelt sie noch einmal kräftig aus und meint dann: "Ich glaube, ein nasses Tuch schützt uns vor den Pollen noch besser." und befeuchtet ihr Tuch aus dem Wasserschlauch, bevor sie es sich vor Mund und Nase bindet.

"Dann lasst uns los." muffelt sie unter dem Tuch undeutlich hervor und geht vorsichtig auf die Pilze zu, um sie sich näher - ohne sie zu berühren, anzusehen und vielleicht einen Blick auf die Leiter zu werfen.

Ingalfs Voraussicht ist mindestens in einer Hinsicht weise. Die Pilze entpuppen sich als Sporenfungi, von denen im Moment einige reif sind und durch die Erschütterungen von Sephyras Schritten platzen, wobei sie bräunliche Sporenwolken freisetzen. Ob die Sporenwolken allerdings bei Inhalation gefährlich sind, wird Sephyra nicht mitkriegen.

Die Leiter führt ein Stück weit hinunter zum nächsten Ast. Die daran anschließende Leiter ist von hier aus schon zu sehen.

"Na! Sach' ich doch!" Ingalf blickt stolz in die Runde. "Wie die alten Morcheln früher! Leihst du mir jetzt 'n Taschensegel, Kavaljäre?"

Randirion sucht in seinen Taschen und verteilt seine restlichen Taschentücher an Ingalf, Frumol und sich selbst.

"Danke!" kommt von Ingalf, allerdings schon ziemlich schlecht verständlich, da er sich schon das Tuch vor Mund und Nase gebunden hat und versucht möglichst viel von seinem Bart in Sicherheit zu bringen.

Dann wird er sehr vorsichtig den Weg zu Sephyra und der Leiter antreten.

Zwar wird keine neue Sporenwolke ausgelöst, es einige fliegen noch in der Luft.

Er kommt bei Sephyra an, ohne irgendetwas einzuatmen.

"Danke", Frumol nimmt das Taschentuch entgegen und erhebt sich seufzend. Er schultert wieder seinen Rucksack und befeuchtet, ganz nach Sephyras Beispiel, das Taschentuch, bevor er es sich vor Mund und Nase bindet.

Schließlich macht er sich auf den Weg in Richtig Leiter, während er auf diese merkwürdigen Pilze achtet.

Es ist ein durchaus interessanter Anblick, so einen Sporenpilz platzen zu sehen. Weiter passiert nichts besonders.

Randirion schließt sich an, und kurz danach sind alle vor der Leiter versammelt.

Ingalf knotet das Taschentuch wieder von seinem Gesicht ab. Dann schüttelt er es aus - natürlich so, dass alle Gefährten im Lee stehen und keine Sporen abbekommen.

"Danke, Randirion" sagt er zu dem jungen Horasier und gibt ihm das Tuch zurück.

"Dann woll'n wer ma!" er wendet sich der Leiter zu und schaut sich diese an. Durch das Schaukeln der letzten Leiter vorsichtig geworden, fällt die Betrachtung der Leiter sehr genau aus.

Vorher war das ja eine Strickleiter. Diesmal ist es eine gezimmerte Holzleiter.

Da die Leiter stabil genug aussieht, steigt er vorsichtig - alle Sprossen erst leicht, dann voll belastend - hinab.

Es geht drei Leitern hintereinander von je knapp fünf Körperlängen hinab. Das ist nur ermüdend.

Während Ingalf hinabsteigt, nimmt auch Sephyra das Tuch ab, schüttelt es vorsichtig aus und steckt es weg.

Sobald Ingalf die erste Leiter verlassen hat, steigt sie ebenfalls hinab und kommt kurz nach ihm auf dem Ast an.

Auch Frumol nimmt das Tuch an und reicht es wortlos dem Kavaljäre zurück. 'Nicht das er gleich wieder in einen Redeschwall ausbricht', befürchtet er.

Dann folgt er Sephyra die Leiter hinunter. Er ist froh, dass dies keine frei schwingende Strickleiter ist, sondern eine massive, gezimmerte Holzleiter. Dennoch hält er sich gut, besser als nötig wäre, fest.

Ingalf kommt auf einem sehr dicken Ast an. Aus diesem Ast wachsen viele andere Äste in verschiedenen Winkel, das Blattwerk ist jedoch licht, und man kann relativ weit sehen. Pfeilförmige Kerben führen vom Stamm weg.

"Uff, ganz schön anstrengend." meint sie, während sie sich recht unweiblich den Schweiß mit dem Ärmel von der Stirn wischt.

"Anscheinend geht es da weiter." zeigt sie auf die Kerben. "Aber lass uns auf die beiden anderen warten."

"Das wohl! Dieses ewige Geklettere …" sagt dann auch Ingalf als er wieder zu Atem gekommen ist. Dann schaut er die Leitern hinauf und wartet auf die anderen.

"Ich hoffe das hat bald ein Ende" sagt er zu den beiden Wartenden, als er unten angekommen ist.

Kurz danach sind auch Randirion und Frumol da.

"Schön, dass ihr Zeit habt." begrüßt Sephyra die beiden freundlich. Schließlich haben sie die Kletterei bestimmt genauso satt wie sie selbst. "Kurz verschnaufen und dann weiter?" fragt sie.

Gerade, als die Gruppe weitergehen will, wird auf dem Ast voraus plötzlich eine große Raubkatze mit längs gestreiftem braunorangen Fell sichtbar, wie sie die Helden schon auf der oberen Plattform kennen. Die Katze ist zum Sprung geduckt.

'Die scheint es hier öfters zu geben. Hoffentlich ist sie klüger als ihrer Verwandte.' überlegt Frumol, während er langsam sein Rapier zieht und sich wieder vor Sephyra schiebt. Er verzichtet darauf einen Wurfdolch zu ziehen, denn im Falle eines Fehlwurfs wäre dieser sicher verloren.

Vor Sephyra schieben, das ist leichter gesagt als getan, Sephyra ist der Katze am nächsten, und sie macht auch noch einen Schritt nach vorn. Und auch Ingalf ist im Weg. Der holt gerade mit seiner Orknase aus. Nur Randirion ist noch hinter Frumol.

Mit einem Schreck bemerkt Frumol, dass er Sephyra gar nicht rechtzeitig erreichen kann um sie zu schützen. Und macht sie noch einen Schritt nach vorn auf das Tier zu! Blankes Entsetzten ist auf seinem Gesicht zu sehen, seine Kehle wie zugeschnürt, seine Beine wie angenagelt. Er kann ihr weder zurufen, noch zu ihr eilen!

Und dann ist der Kampf auch schon vorbei. Sowohl Ingalf als auch Sephyra haben etwas abgekriegt, aber die Katze rührt sich nicht mehr.

Ingalf macht sich bereit den Sprung der Katze - falls diese angreift - abzuwehren. Dazu nimmt er seine Orknase so, dass er die Katze mit der flachen Seite aus ihrer Flugrichtung schlagen kann. 'Wenn der Kavaljäre bei der letzten schon gejammert hat, vielleicht geht es auch mit einem guten Imman-Schlag!'

Soweit die Planung - ein Wesen, das wohl doppelt so schwer wie er selbst ist, aus ihrer Flugrichtung schlagen. Aber es kommt sowieso anders.

Sephyra ist ja ganz vorn, und sie macht einen Schritt vorwärts.

'Schon wieder!' stöhnt Sephyra in Gedanken und zieht in einer fließenden Bewegung ihr Rapier. "Husch husch ins Körbchen!" ruft sie der Wildkatze drohend zu und macht einen energischen Schritt in ihre Richtung.

Sephyra, Ingalf und Frumol handeln gleichzeitig - so wie es völlig normal ist, wenn man sich nicht absprechen kann. Da Sephyra am weitesten vorn steht, ist sie es, die das offensichtliche ziel der Katze ist, als sie los springt.

So schnell wie der Kampf begonnen hat, so schnell ist er auch vorbei.

Kaum ist die Katze los gesprungen, da schlägt Ingalf mit seiner mächtigen Axt auch schon zu …

Dann fließt erste Blut auf menschlicher Seite: Erst wird Ingalf gebissen, und dann - da stockt Frumol einen Moment das Herz – auch Sephyra!

Doch er kann noch immer nichts tun! Seine Arme und Beine scheinen noch immer nicht ihm zu gehören, außerdem käme er wohl ohnehin nicht an dem Seemann vorbei, welcher seine Axt gegen die Raubkatze schwingt.

Da Sephyra einen Schritt voraus gemacht hat, als sie der Katze gewahr wurde, ist niemand neben ihr, so dass sie problemlos im Moment des Sprunges auf dem breiten Ast einen Schritt zur Seite machen kann. Ein gleichzeitig versuchter Stich in die Flanke des Tieres geht allerdings fehl.

Direkt hinter hier ist Ingalf, der durch Sephyras Vortreten für einen Moment in seinen Plänen überrascht wurde. Die Katze ist allerdings auch überrascht, als da, wo eben noch eine Beute war, niemand mehr ist. So kann Ingalf mit seiner Orknase einen sauberen Schlag gegen den Kopf der Bestie anbringen. Direkt über dem rechten Auge trifft er.

"Da haste, was de willst" freut sich Ingalf.

Ingalf ist völlig überrascht, als die Katze statt zurückzuweichen vorrückt und ihm ins Bein beißt, …

"Au! Blödes Mistvieh, dass haste nich' umsonst gemacht!"

… und gleichzeitig schlägt die Tatze noch gehen Sephyra, die aber elegant ausweicht und dem Vieh diesmal wirklich einen tiefen Stich in die Seite versetzt. Ingalf ist so geschockt, dass sein zweiter Schlag gegen die Katze daneben geht.

Durch den Stich abgelenkt, wendet sich die Katze Sephyra zu und reißt ihr mit einem Biss den linken Arm auf. Sephyras Gegenangriff ist deswegen nicht perfekt und fügt der Katze deswegen nur einen leichten Schmiss zu. Trotz seiner Schmerzen im bei gelingt Ingalf noch ein Schlag, der tief in die Seite der Katze eindringt.

"Arrgh!" entfährt es ihr bei dem schmerzhaften Biss und der entstehenden Wunde.

Jetzt ist die Katze wohl schon geschwächt, denn als sie nun versucht, Sephyra zu beißen, schnappt sie kläglich ins Leere, und nach Sephyras daraufhin wieder perfekt ausgeführtem Stich, ist ihr Leben zu Ende.

Als alles vorbei ist und die Katze regungslos auf dem Ast liegt erwacht er aus seiner Starre, steckt seinen Rapier weg und eilt zu Sephyra.

Ingalf stützt sich auf seine Orknase ab, und versucht sich - nachdem er sich nach einer weiteren Katze umgesehen hat - hinzusetzten und seine Bisswunde zu betrachten.

Seine Kleidung hat ein Gutteil abgefangen, aber ein Verband wäre schon nützlich.

"Ha ha! Das hast Du nun davon!" triumphiert Sephyra, als die Katze leblos zusammenbricht. "Mich beißen? Das kommt davon!" fast euphorisch hat sie vorübergehend die Schmerzen verdrängt, die sich aber schnell wieder melden, als die Wirkung des Adrenalins nach Ende des Kampfes nachlässt.

Sie steckt das Rapier weg und untersucht vorsichtig die Wunde, dann: "Hier Frumol, sieh Dir das bitte mal an!" fordert sie ihn auf.

Die Fänge der Katze sind eingedrungen, aber die Wunde ist im Gegensatz zu Ingalfs Wunde nicht besonders breit, eher wie ein Messerstich.

"Oh je, die hat Dich ganz schön zugerichtet!" stellt Frumol fest, während er versucht den inzwischen Blut durchtränkten Ärmel hoch zuschieben oder oberhalb der Wunde sauber abzutrennen.

"Es ist furchtbar!" grinst Sephyra ihn an. "Mach nicht solch ein Drama aus diesem kleinen Kratzer!"

Die Ärmel der Bluse sind recht weit, so dass ein Abtrennen unnötig ist.

Er greift in den abgestellten Rucksack und holt sein Verbandszeug hervor mit dem er zuerst die Wunde säubert und anschließend fest verbindet.

Obwohl er weiß, dass Sephyra vermutlich richtig gehandelt hat, indem sie die Flucht nach vorne angetreten hat muss er sie liebevoll schelten: "Und dass Du mir in Zukunft solche Dummheiten unterlässt!" sagt er mit Nachdruck, aber mit einem Lächeln auf den Lippen.

"So fertig", beendet er sein Werk und dreht sich nach einem letzten aufmunternden Blick zu Ingalf um.

Als Frumol damit fertig ist, macht sie ein paar Greifübungen und bewegt den Arm, dann streicht sie vorsichtig über die verbundene Stelle: "Ein guter Verband." stellt sie fest. "Der sollte mich beim weiteren Klettern eigentlich nicht behindern oder verrutschen. Danke."

"Kann ich Dir helfen", fragt er ihn unschuldig, sucht aber schon nach weiterem Verbandsmaterial in seinem Rucksack.

"Frumol, wenn Du mit Sephyra fertich bist, kannste dann ma' bei mir vorbei kommen?" ruft Ingalf Frumol zu als er sich das Bein betrachtet hat. "Und Kawi, krieg' ich Dein Taschensegel nochma'? Er kann dann aber vielleicht ein bütten blutig werden!"

"Habt Ihr nicht noch etwas Verbandszeug übrig, Herr Pellocke?" Randirion ist es offensichtlich unangenehm, diese Frage zu stellen. 'Aber Blut geht beim Waschen doch so schwer heraus …'

"Keine Sorge, noch ist etwas vorhanden. Aber ihr solltet bei nächster Gelegenheit für Nachschub sorgen! Ihr habt darin doch sicherlich militärische Erfahrung, oder?" antwortet ihm Frumol.

"Ich muss gestehen, dass die Nachschubabteilung allgemein beim Militär nicht als Gipfelpunkt der Karriere angesehen wird. Ihre Bedeutung lerne ich allerdings immer mehr zu schätzen", entgegnet Randirion versonnen.

Auch Ingalfs Hose wird vorsichtig hoch geschoben, oder notfalls seitlich geschlitzt um an die Wunde heranzukommen. Die Reinigung der tiefen Kratzer ist schon fast wie Routine, auch der anschließende Verband bereitet Frumol keine Probleme.

"Das Bein solltest Du schonen." erklärt Frumol sicherlich unnötigerweise. "Sonst kann die Wunde nicht heilen und entzündet sich." Bewusst übertreibt er ein wenig.

"Kein Problem!" grinst Ingalf zurück, als der Schmerz nachgelassen hat. "Wer trägt mich?" 'Klar Bein schonen, schön gesagt auf 'nem Baum mit Leitern!'

Als alle wieder versorgt sind, geht es weiter.

Nach 20 Schritt auf dem Ast vom Stamm weg ist ein Kletterbaum mit eingesetzten Holzpflöcken zu erkennen, der nach unten führt. Unten ist ein großer Ast zu sehen, auf dem der Kletterbaum festgemacht ist.

Selbst für die verletzen Sephyra und Ingalf ist es kein Problem, den Höhenunterschied zu überwinden.

Der Bereich, in dem die vier ankommen, ist durch viele Reben und Ranken charakterisiert. Auf dem Ast scheint der Weg nicht weiterzuführen, denn es gibt weder ein Zeichen noch einen offensichtlich freien Weg.

Beim Umschauen entdeckt Frumol eine dicke Liane, die zwei Schritte neben dem Fuß des Kletterbaumes an einem abstehenden Ast befestigt ist und nach unten führt. Beim Hinab schauen wird deutlich, dass die Liane in drei Schritt Tiefe eine Verdickung aufweist, die man zum Abstützen und Ausruhen nutzen kann. Kurz darunter verschwindet sie in einer wasserfallartigen Blütenpracht.

"Schaut mal!" ruft Frumol erfreut aus und deutet auf die Liane. "Die Liane scheint für den weiteren Abstieg wie geschaffen zu sein."

Doch fast im selben Moment weicht die Freude über seine Entdeckung schon wieder aus seinem Gesicht: Hier muss er ja schon wieder klettern, und spätestens seit seinem Erlebnis dort oben auf der Lianenleiter hat er vorerst absolut (und überhaupt) genug davon!

'Wäre ich doch nur nicht so voreilig gewesen,' scheltet er sich selbst, und hält Ausschau nach einem möglichen anderen Weg, doch es scheint auf diesem Ast zu zwei Möglichkeiten zu geben: Den Weg zurück und den Weg über die Liane abwärts …

So sieht es tatsächlich aus.

"Lasst uns kurz rasten." fordert Frumol, auch in Hinblick auf die beiden Verletzten.

"Hier sieht es sicher aus, und wer weiß, was uns weiter unten noch alles erwartet.", er erwartet eigentlich keine Antwort, und setzt schon seinen Rucksack ab, und lässt sich nieder um es sich bequem zu machen.

"Gute Idee!" erwidert Ingalf. "Obwohl, getragen werden wäre auch nicht schlecht!" fügt er mit einem Grinsen hinzu. Dann setzt er sich auf den Ast und streckt das verletzte Bein aus.

Sephyra nimmt ihren Rucksack als Rückenstütze, als sie sich auf dem breiten Ast niederlässt und die müden Beine ausstreckt.

'Diese Kletterei ist doch anstrengender, als ich gedacht habe.' überlegt sie, während sie ihre Oberschenkelmuskulatur massiert.

Nach einer kurzen Weile, in der sie sich auch ein paar Schlucke Wasser gegönnt hat, fragt sie: "Habt ihr euch schon mal überlegt, dass wir das alles wieder hinauf müssen, wenn wir nicht noch einen anderen Eingang zu dem Portal im Innern des Baumes finden? Außerdem, wonach suchen wir hier eigentlich?" und macht eine Geste, die den gesamten Wald mit einzubeziehen scheint.

"Ich glaub' nicht, dass wir hier alles erkunden können. Und dass es hier große Tiere gibt, wissen die 'Mönche' schließlich selbst."

Irgendwie macht Sephyra auf die anderen den Eindruck, in leichte Resignation zu verfallen. Trotzdem schafft sie es, Frumol anzulächeln, ohne allzu müde zu wirken.

"Ich weiß nicht. Wir suchen sicherlich etwas, das so aussieht, wie das Ding im Baum. Leuchtender Boden, und so." erwidert ihr Frumol.

"Ich hoffe nicht, dass wir den ganzen Baum wieder hinauf müssen." überlegt er weiter. "Hier muss es doch irgendwo eine Siedlung geben, schließlich muss jemand diese Wege gebaut und gekennzeichnet haben."

Er schaut gedankenverloren in den Wald, und lauscht dem Rauchen des Windes, zieht ein Knie unters Kinn und faltet seine lange, fast dürren Finger darum.

"Warte mal ab, was uns da unten erwartet. Schlimmer als die Katakomben des Wirtshauses kann es nicht werden. Und damals sind wir den Orks auch ohne gekrümmte Haare entkommen …" erinnert er sie an den Beginn ihrer Abenteuer. Müde lächelt er sie an, auch er hat viel von seinem Optimismus verloren.

"Bei Swafnir! Mensch, Kinners, nu unkt doch nich so rum!" setzt Ingalf an. "Runter von dem Baum müssen wir wohl, denn das Ding an dem wir angekommen sind, war ja nicht für die Rückkehr gemacht. Also muss es wo anders sein! Und wir haben im Schloss schon mehr Dönnekens angestellt, als nur diese paar Viecher kalt zu machen, wir schaffen das schon und finden einen Weg zurück! Mein Wort, mein Pfand! Wir werden hier nicht bleiben! Was meinst du, hoher Herr?" fragt er Randirion. 'Wenn die weiterhin hier so rumschlaffen, muss ich denen wohl noch mal 'n paar gute Seemannsgeschichten erzählen!'

"Sicher, sicher." beschwichtigt Sephyra. Plötzlich stutzt sie, ihr war gar nicht aufgefallen, dass der Teleporter im Innern des Baums nicht für die Rückkehr geeignet sein soll. So kommt es für die anderen drei überraschend, als sie fragt: "Wie meinst du das?"

An Ingalfs fragendem Blick erkennt sie sofort, dass der gar nicht weiß, wovon sie spricht, so dass sie erklärend fortfährt: "Na ja, du weißt schon, dass das 'Ding' nicht für die Rückkehr gemacht sein soll. Hm, sag schon." fordert sie ihn auf.

'Jetzt fragt sie aber was? Du meine Güte - warum geht es eigentlich nicht?' überlegt sich Ingalf. "Weil … weil … weil ich es auch nicht weiß! Aber hatte nicht die Priester gesagt, dass wir zwar damit in eine andere Welt gelangen, aber nicht genauso zurück? Und wenn es zurückginge, dann wären wir doch gleich bei unserem Erscheinen wieder zurück gelangt, oder nicht?!"

'Hm, da ist wohl was dran!' überlegt sie. "Reg ich ab. Es war ja nicht bös' gemeint. Wir sind alle müde. Aber du sprichst da einen wesentlichen Punkt an, über den nachzudenken wir uns Zeit nehmen müssen. Das hat aber Zeit, bis wir unten nichts finden, womit es zurückgeht, dann kann uns das Überlegen vielleicht eine unnütze Kletterei ersparen."

Sephyra wünschte ehrlich, Banjew wäre hier. 'Der würde wissen, wie das geht.' denkt sie wehmütig an die gemeinsamen Abenteuer zurück

"Nun, wie ich es sehe, haben wir bisher auf diesem Baum nichts gefunden, was uns den Weg zurück weist. Also müssen wir weitersuchen. Und das Klettern erweist sich zwar als anstrengend und - ich muss gestehen - in dieser Höhe auch als ein wenig furchterregend, aber bei Rondra, ein wenig Furcht macht vorsichtig. Und Vorsicht ist der Schlüssel zum Überleben!" Randirion schaut seine Gefährten abwartend an.

"Wenn Du meinst." antwortet ihm Frumol einsilbig und lehnt sich zurück.

'Vorsicht? Wenn er meint. Soll er doch vorsichtig sein. Doch das reicht nicht', denkt Frumol. 'Da gehört noch mehr dazu. Zum Beispiel die Bereitschaft, ein Risiko einzugehen. Oder Improvisation. Damals, als wir den Goblins gegenüberstanden - ha - das war was! Denn haben wir es ganz schön gezeigt! Überlistet …' Bei den Gedanken an die aufregende Vergangenheit muss er grinsen.

Sephyra weiß zwar nicht, was ihn in dem Moment so erheitert, aber der Kawaljere hat ihrer Ansicht nach Recht: "Ja, sicherlich. Aber …" sie sieht sich um "… ich sehe hier leider auch keine andere Möglichkeit."

Da alle drei anderen ihren eigenen Gedanken nachzuhängen scheinen, steht Sephyra nach etlichen Minuten auf, klopft sich die Hose sauber, die vom Sitzen auf dem Ast nicht mehr ganz sauber ist und nimmt den Rucksack wieder auf.

"Dann lasst uns los." meint sie und beginnt, die Liane hinabzuklettern. Aber immer schön vorsichtig.

Schön vorsichtig ist gut gesagt, aber an einem Seil mit einem Rucksack auf dem Rücken zu klettern und das noch leicht verletzt, ist doch schwerer als gedacht. Sephyra rutscht ab, wird aber von der ersten Verdickung aufgehalten. Wenn die nicht wäre …

Auch Frumol erhebt sich uns schaut Sephyra hinterher.

Als sie abrutscht bleibt ihm einen Moment fast das Herz vor Schreck stehen, mehr als den Schrei "Sephyra" bringt er nicht heraus.

Erleichtert sieht er, dass sie von der ersten Verdickung aufgehalten wird: "Alles in Ordnung? Brauchst Du Hilfe?" ruft er besorgt.

Misstrauisch horcht er auf verräterisches Knacken der Pflanze, denn schon bei der letzte hatte er das Gefühl, die Belastung wäre zu hoch.

"Wenn Sephyra schon solche Probleme hat, dann müssen wir wohl wieder das Gepäck abseilen!" meint Ingalf - und fügt nach einem Blick auf sein Bein hinzu: "Und mich müsst ihr wohl auch sichern, sonst lerne ich fliegen!"

"Mich deucht, dass die Seile sich bei Madame Lunos befinden", kommentiert Randirion.

"Och Mensch, Kawi, und was sind das für Lianenseile, die du da mit dir rumschleppst?" erwidert Ingalf mit leichtem Grinsen.

"Nun, darauf wollte ich gerade hinweisen." Randirion lässt sich nicht aus der Ruhe bringen und lässt ein Lianenende zu Sephyra hinunter. "Madame Lunos, wenn ihr Euch selbst sichern wollt, oder das Gepäck abzugeben wünscht, stehe ich Euch gern zur Verfügung."

"Autsch! - Ja!" hört er sie von unten rufen. "Es ist … alles in Ordnung." lügt sie geschickt, denn in Wahrheit ist sie nur ganz knapp einer Katastrophe - sprich dem Absturz - entgangen und ihr verletzter Arm tut niederhöllisch weh.

'Hätte ich nur den Rucksack abgenommen!' macht sie sich selbst Vorwürfe.

Sich kurz auf der Verdickung ausruhend, sieht sie nach unten und schätzt den restlichen Weg hinunter ab. 'Weiter runter oder lieber wieder das Stück hinauf?' überlegt sie, denn der Rucksack ist wirklich ganz schön schwer.

Testweise versucht sie sich einen Schritt nach oben zu arbeiten, soweit das geht, überwindet sie die restlichen Schritt nach oben mit aller Kraft und nötigen Vorsicht, um dann den Rucksack abseilen zu lassen.

Sephyra kann klettern, dass merken alle Zuschauer in diesem Moment. Sie will gerade wieder ganz nach oben klettern, als Randirion von oben sein Lianenseil herablässt. Mit ihrer Körperbeherrschung ist es kein Problem, ein Lianenende an einem Tragegurt ihres Rucksacks zu verknoten.

Nachdem die Liane als Seilersatz bei Sephyra angekommen und diese ihren Rucksack daran befestigen konnte, ruft sie: "Los, ihr könnt den Rucksack bitte wieder hochziehen. Sonst komme ich wahrscheinlich nicht heil unten an."

"Gern geschehen, Madame Lunos!" Randirion zieht den Rucksack hoch.

Ohne die Bürde des Rucksacks klettert es sich wesentlich leichter und Sephyra kommt hoffentlich ohne weitere Zwischenfälle bis ans Ende der Liane und auf den nächsten Ast.

Weiter geht es durch die Blüten, die diesmal aber keine Pollen verbreiten. Darunter kann sie weiter nach unten schauen. Noch drei Verdickungen sind zu sehen, so in knapp zwei Körperlängen Abstand. Die Liane endet nicht auf einem Ast, sondern oberhalb eines Gewirrs aus Ranken, die sich inner halb einer Astgabel aufspannen.

Interessiert sieht sieh Sephyra diese Konstruktion an, als sie sich auf der vorletzten Verdickung ausruht. 'Wofür das wohl sein mag?' fragt sie sich. 'Das erinnert mich irgendwie an den Zirkus.' überlegt sie. Wenn die lieben Kleinen der Hochseiltänzer mit dem Lernen neuer Kunststückchen begannen, spannte man auch ein - wenn auch altes - Fischernetz über dem Boden auf, damit man sich im Fall des Falles nicht alle Knochen brach.

Das weitere Klettern geht ohne die Belastung durch den Rucksack leicht - Sephyra kann sich ja auch an jeder Verdickung ausruhen.

Sephyra ist völlig perplex, als die letzte Verdickung unter ihr überraschenderweise nachgibt. Die Liane reißt knapp oberhalb der Verdickung, und Sephyra fällt.

Sie bringt nur noch ein überraschtes "Ahh …" heraus, das für die oben Stehenden mit dem Fall nach unten immer leiser wird.

Da der Fall sich nur über die Länge von knapp zwei Körperlängen erstreckt, gibt es keinen besonderen akustischen Effekt.

Aber bereits nach kurzem Flug schlägt Sephyra in dem gespannten Lianennetz bzw. dem Rankengewirr, an dem sie sich sofort mit beiden Händen festzuhalten versucht, Arme und Beide weit ausgebreitet, um möglichst viel Körper von den Ranken auffangen zu lassen und das Gewicht zu verteilen.

Nett eigentlich, dieses federnde Rankengewirr. (Sephyra ist fast versucht, noch einmal zum Lianenende hochzuspringen, um sich noch einmal fallen zu lassen.)

'Puh, das war knapp!' - "Alles in Ordnung, mir ist nichts passiert!" ruft sie erleichtert, damit die anderen Bescheid wissen, fügt sie hinzu: "Seht euch vor, hier unten fehlt ein Stück der Liane."

Dann versucht sie vorsichtig, aus dem Gewirr heraus und auf einen der beiden Grenzäste zu gelangen, damit notfalls das Sicherheitsnetz für den nächsten Kletterer frei ist.

"Sollten wir nicht erst einmal unser Gepäck hinunterlassen, Madame Lunos?" ruft Randirion von oben.

"Komm mal erst noch einer von euch herunter. Die beiden anderen können dann das Gepäck hier in Empfang nehmen." ruft sie dem Kawaljere entgegen.

"Da mir das Klettern mit meinem kaputten Bein ganz bestimmt nicht so leicht fällt wie euch, wäre es ganz gut mich als nächstes runterzulassen." sagt Ingalf und legt seinen Seesack ab. Dann betrachtet er kritisch Randirions Lianenseil und legt es sich - wenn keine Einsprüche kommen - um die Brust. "So, dann man los! Aber schön festhalten!"

Er greift die Liane und versucht beim Hinabklettern möglichst diese um das gesunde Bein zu wickeln und sonst hauptsächlich mit der Kraft seiner Arme und der Unterstützung der Gefährten zu klettern.

Mit der Sicherung durch Randirion und Frumol kommt Ingalf heil unten an. Randirions Lianenseil ist gerade eben lang genug - und es hält.

Anschließend lassen die beiden auch das Gepäck herunter, welches von den beiden unten in Empfang genommen wird.

Als nur noch Frumol und Randirion oben sind meint Randirion: "Nach Euch, Meister Pellocke, ich sichere Euch!"

"Wie ihr meint", antwortet ihm Frumol und bindet sich das Seil um, bevor er mit gemischten Gefühlen nach der Liane greift und mit dem Abstieg beginnt.

Die Liane einfach hinabzurutschen, ist wirklich kein Problem, insbesondere da ja immer wieder die Verdickungen als natürliche Bremse wirken. Und die Lianenseilsicherung führt dazu, dass aus den gemischten Gefühlen ein Gefühl relativer Sicherheit wird. Die letzten drei Schritt verlässt sich Frumol genau wie schon Ingalf vor ihm auf den Halt von Randirions Seil, da das Lianenende ja abgerissen ist. Sich einfach ins Netz fallen zu lassen, das ist einfach momentan nichts für ihn.

"Schön, Dich zu sehen!" begrüßt ihn Sephyra lächelnd und reicht ihm sein Gepäck. Ihr eigenes hat sie schon wieder auf dem Rücken.

"Danke." Frumol lächelt ebenfalls und nimmt sein Gepäck entgegen.

Mit dem Ruf "Vorsicht, das Seil kommt!" lässt Randirion anschließend das Seil los und macht sich daran, sich herab gleiten zu lassen. Allerdings überschätzt er seine Kräfte ein wenig und kommt ins unkontrollierte Rutschen. Zum Glück sorgt die nächste Verdickung dafür, dass aus dem Rutschen kein Sturz wird. Mit zusammengebissenen Zähnen legt er die letzten Körperlängen zurück und lässt sich zum Schluss entnervt ins Netz fallen.

"Ihr macht es aber spannend! Sah fast so aus, als wolltet Ihr auf einen artistischen Nebenberuf ausweichen." wird der Kawaljere lachend empfangen. Offenbar ist Sephyra froh darüber, sie alle unversehrt wieder zusammen zu sehen.

Randirion wirkt ein wenig angestrengt, reibt sich die Hände verstohlen und nickt Sephyra etwas verkniffen zu.

"Lasst uns weitergehen." Sie sieht sich nach weiteren Markierungen oder Anzeichen für den richtigen Weg um.

Der Weg führt auf dem 5 Schritt dicken Ast zurück zum Stamm.

Noch einmal blickt er nach oben: "Den Weg können wir auf jedenfalls nicht wieder zurück!" stellt er abschließend fest.

"Na denn: Da geht's lang!" er deutet in Richtung Stamm.

Auch Ingalf nimmt seine Sachen wieder auf und stützt sich auf seine Orknase: "Denn man tau!"

Und geht vorsichtig auf dem Ast weiter.

Randirion schließt sich genauso wie Frumol an.

Als der Stamm schon wieder in Sichtweite ist, eröffnet sich eine interessante Konstellation: Ein zweiter Ast wächst ein Stück weit parallel, so in fünf Schritt Entfernung. Zwischen den beiden Ästen liegen in regelmäßigen Abständen mehrere Holzstege, und in den Räumen zwischen den Stegen sind Lianennetze gespannt. Insgesamt fünf Stück.

"Hier hat sich jemand viel Mühe gegeben, damit niemand abstürzt."

Frumol mustert interessiert die Konstruktionen. Sein Blick wendet sich nach in der Erwartung doch auch solche merkwürdigen Lianen zu sehen.

"Lasst uns weiter. Hier muss doch irgendwer leben!" drängt er die Gruppe weiter.

"Sieht so aus, als wenn das zum Übergang auf den nächsten Baum gedacht ist." überlegt Sephyra laut. "Wollen wir diesem Weg folgen?" fragt sie, mit der Hand auf die Holzstege weisend.

"Meinst Du?" Frumol klingt etwas skeptisch.

"Ich glaub' ja nich', dass der Ast da zu 'nem anderen Baum gehört, aber auf jeden Fall sieht das nach der Arbeit von Menschen aus und irgendwo muss doch auch jemand zu finden sein, der uns helfen kann." erwidert Ingalf. "Also sollten wir die Richtung nehmen!"

"Ich denke auch, wir sollten uns mal mit jemandem unterhalten." pflichtet er Ingalf bei.

Die vier Erkunder kommen ohne Schwierigkeit auf die andere Seite. Auf den ersten Blick bieten sich aber keine weiteren Abstiegsmöglichkeiten, und es gibt auch keinerlei Zeichen, die in irgendeine Richtung weisen.

"Tja, jetzt können wir nur noch zum Stamm oder vom Stamm weg!" versucht Ingalf die Möglichkeiten zusammenzufassen. "Also zum Stamm hin sollte es ja nich so weit sein, das sollten wir als erstes versuchen!"

"Äh …" kommt von Randirion noch, da wendet Ingalf sich schon …

… Richtung Stamm und geht vorsichtig los.

Der Weg erweist sich als Sackgasse.

Ingalf dreht also wieder um.

"So, damit wissen wir jetzt ja wo wir lang müssen, denn da geht's nicht weiter!" sagt Ingalf als er wieder bei den Gefährten ist und deutet Richtung Stamm.

"Was uns folgerichtig die Entscheidung erleichtert." bemerkt Sephyra lächelnd, als das Unvermeidliche offensichtlich wird.

"Dann lasst uns die Richtung versuchen." schlägt sie überflüssigerweise vor und setzt sich in Bewegung, darauf vertrauend, dass die anderen ihr folgen werden.

"Vorwärts, wir müssen zurück! lautet dann wohl unser Motto." versucht sie die Stimmung etwas aufzuheitern.

Ob ihres Wortspiels runzelt Frumol leicht die Stirn und folgt ihr.

Auch der Weg auf dem Ast vom Stamm weg erweist sich als Sackgasse, da nach kurzer Zeit Seitenäste und Laub so dicht stehen, dass kein sinnvolles Vorankommen möglich ist. Die Gefährten drehen um.

Als alle wieder bei den Übergängen sind, deutet Randirion nach unten. In drei Körperlängen Tiefe, genau unter den Netzen befindet sich ein weiterer wohl 10 Schritt dicker Ast - gut begehbar, soweit das Auge reicht.

"Sollte das unser weiterer Weg sein?" fragt er vorsichtig.

"Da wir ja man nich mehr so einfach zurück können, sollten wir uns das doch mal ansehen!" sinniert Ingalf.

Ingalf schaut sich die Verankerung der Netze an den Ästen an: "Hmm, wenn wir die Lianennetze an dem einen Ast los schneiden, so dass sie senkrecht hängen, sollten wir doch auch in den Netzen relativ sicher auf den Ast kommen, oder?"

"Genau das ging mir auch durch den Kopf", antwortet Randirion.

Auch Sephyra sieht sich die ganze Sache sehr genau an. Mit fachfrauischem Blick für Sicherheitsnetze und -seile mustert sie den Ast samt Lianengewirr und überdenkt Ingalfs Vorschlag.

"Ich weiß nicht recht. Hier etwas zerschneiden, was uns selbst - na gut, zumindest mir - das Leben gerettet hat, widerstrebt mir. Die 3 Schritt überwinden wir auch mit einer einzelnen Liane, soweit wir unser Gepäck abseilen."

Soweit hat sie auf jeden Fall dazugelernt.

"Da hast Du wohl recht, aber an solchen Wanten kommen wir alle einfacher runter und vor allen Dingen schneller wieder hoch, wenn es nötig wäre." wendet Ingalf ein. "Aber ich will mich nicht mit dir streiten. Abseilen geht auch - falls ihr mich festbindet, denn Seilklettern is' mit dem kaputten Bein nich drin!"

"Also ein Kompromiss." seufzt Sephyra nachgebend. "Wir kappen nur eines der Lianen-Netze und seilen das Gepäck trotzdem ab."

Gesagt, getan. Sie setzt schon mal den Rucksack ab um meint dann nach Begutachtung der Lianen: "Am einfachsten geht es wohl mit der Axt." und meint das Trennen der Lianenbefestigung.

"Siehst du hier jemanden, der sich mit Äxten auskennt?" fragt Ingalf mit breitem Lächeln, dann nimmt er seine Orknase und beginnt bei einem Netz die Befestigungsseile zu kappen.

Es funktioniert genau wie geplant. Das eine Netz hängt genau so, dass man problemlos an ihm herunter steigen kann.

Randirion nickt Ingalf anerkennend zu, als alle heil unten angekommen sind.

Frumol schaut abwechselnd in die eine und in die andere Richtung und versucht einen Hinweis auf den rechten Weg - oder auf eine der Gefahren des schwarzseherischen Kavaljäre - zu entdecken.

"Welche Richtung nehmen wir? Was meint ihr?" fragt er in die Runde.

"Lasst mich am Stamm nachschauen", bietet sich Randirion an.

Nach kurzer Zeit kommt er zurück. "Dort gibt es kein Weiterkommen", erklärt er.

"Dann sollte die Richtung ja klar sein!" murmelt Ingalf halblaut, nimmt seinen Seesack auf, stützt sich auf seine Orknase und humpelt auf dem Ast vom Stamm weg.

"Du solltest dich nicht so anstrengen!" mahnt ihn Frumol.

"Lass mich Deinen Seesack einen Augenblick tragen." bietet er sich an.

"Also nur astwärts oder weiter hinab," überlegt Frumol, während er in die Tiefe schaut.

Oho! Ein nächster Ast ist im Blattwerk gar nicht auszumachen.

"Dann haben wir ja kaum noch eine Wahl", murmelt Frumol bevor er sein Gepäck aufnimmt und Ingalf folgt.

"Danke, Jungchen!" erwidert Ingalf mit breitem Grinsen. "Aber solange wir nich klettern müssen, geht das schon!"

"Wie Du meinst." antwortet Frumol.

"Aber wehe Du meckerst, wenn Dir nachher das Bein abfällt …"

"Nicht so schlimm!" feixt Ingalf weiter. "Ich hab' ja noch eins."

Nur still den Kopf über Ingalfs "Starrsinn" schüttelnd, folgt Sephyra den anderen und bildet den Schluss.

Immer wieder sieht sie sich um, denn irgendwie hat sie kein gutes Gefühl, seit sie an der Leiter dieses unbestimmte Gefühl einer Gefahr hatte. Genauer kann sie es nicht mal für sich selbst beschreiben.

Der weitere Weg auf dem Ast führt durch Blätter und Blüten, es wird aber deutlich, dass hier der Weg ist, denn immer wieder sind entfernte Äste zu sehen.

Auf einem ist aus einem nahe Busch *wutsch*, *wutsch* zu hören. Ingalf, Frumol und Sephyra spüren, dass sie von etwas kleinem, spitzem getroffen werden. Und im gleichen Moment schreit Sephyra: "Au!"

Als alle nachschauen, sieht Sephyra, dass eine lange Dorne in ihrer Kleidung steckt und wohl auch durch sie hindurch gedrungen ist. Bei Ingalf und Frumol ist die Spitze nicht durch die Kleidung gedrungen.

"Aaauu!" schreit Sephyra, als sie getroffen wird. "Los, weg hier!"

Gleichzeitig zieht sie so schnell als möglich den Dorn heraus.

'Hoffentlich nicht vergiftet!' denkt sie dabei noch.

Unschlüssig, ob sie lieber zurück oder vorwärts laufen soll, sieht sie die anderen an: "Hier können wir nicht bleiben! Zurück oder vorwärts?" fragt sie.

"Vorwärts!" ruft Ingalf, der jetzt seine Orknase nicht mehr als Stock benutzt, sondern sie kampfbereit in beiden Händen hält. "Denn zurück ist ja irgendwann Sackgasse!"

Frumol schaut verwundert auf die Dornen in seiner Kleidung. Er glaubt nicht, dass dies ein Angriff war, eher eine Verteidigung irgendeiner Pflanze, der sie zu Nah gekommen sind.

Als Kind hatte er immer den Geschichten dieses Reisenden gelauscht, der von riesigen Schlingpflanzen erzählte, die ihre Beute mit ihren Tentakeln umschlossen und zerquetscht hat. - Klar, dies ist nicht das gleiche wie eine Pflanze, die mit Dornen wirft. Aber da waren doch vor der Stadt diese wuchernden Pflanzen, die ihre Samen in dicken Schoten hatten. Waren sie reif und er hat die Schote vorsichtig mit dem Finger berührt, zerplatzte diese und die Samen wurden herausgeschleudert! Damit hat er ganze Nachmittage verbracht!

Aber Sephyra hat recht: Sie sollten weg hier. Also folgt er Ingalf.

Randirion schließt sich eilig an.

'Hm, auch wieder wahr.' denkt sich Sephyra und stürmt Ingalf hinterher. Sie achtet trotz der Eile sehr genau auf den Ast und das vor ihnen (auch rechts und links) liegende Blattwerk und zieht zur Sicherheit ihr Rapier im Laufen.

Immer wieder blickt sie sich um und sieht vermeintlich hinter jedem Büschel Grün kleine böse Männer mit Blasrohren und vergifteten Dornen sitzen. Schnell schüttelt sie diese Vorstellung ab: 'Die Angst ist mein Feind. Die Angst ist mein Feind.' sagt sie sich immer wieder und erinnert sich damit selbst an die Predigten, die ihr vor jeder akrobatischen Einlage von den erfahrenen Gaukler-Kollegen gehalten wurden.

Da ist aber nichts weiter. Was immer die Dornen abgeschossen hat, scheint auf einen eng begrenzten Ort beschränkt zu sein.

Erleichtert atmet Sephyra auf, als sie offenbar schnell genug dem Einflussbereich der gefährlichen Dornenschützen entkommen sind.

Die Helden kommen nun in einen Bereich, wo großkelchige Blumen mit enormen, mehr als körperlangen gelben Blütenblättern stehen.

Frumol verlangsamt staunend seine Schritte. 'Boah, das sind Blumen.'

Eigentlich hatte er bisher nicht sehr viel für die Botanik übrig, gut er weiß ein wenig von Blumen und Gewürzen und bestaunt öfters die Rätsel der Natur, mit denen die Götter Dere bestückten … aber diese gigantischen Blumen faszinieren ihn mit ihrer Pracht so sehr dass er gar nicht an Gefahren denken kann. Wie gebannt bleibt er stehen und kann seine Augen nicht von dieses üppigen und prächtigen Blumen lösen.

"Sie sind zwar wunderschön, aber sicher ist sicher." meint sie und zieht erneut ein Tuch hervor, das sie sich vor Mund und Nase bindet. Dabei achtet sie peinlich genau darauf, das Tuch richtig herum zu binden, also nicht eine einmal bereits den Pollen ausgesetzte Seite nach innen zu nehmen.

Auch Randirion bindet sich vorsorglich ein Taschentuch vor Mund und Nase. "In der Tat, wirklich eine Pracht, sie anzusehen. Doch Ihr habt recht mit Eurer Vorsicht, Madame Lunos," bestätigt ihr der Cavalliere etwas gedämpft durch seinen Atemschutz. "Schön, aber vielleicht auch gefährlich …"

Pollen setzen diese Blüten beim Vorbeigehen offensichtlich nicht frei, so dass Sephyra ihr Tuch nach kurzer zeit wieder abbindet.

Etwas anderes erregt aber die Aufmerksamkeit der vier: Kurz hinter den Blüten gabelt sich der Ast, und in dieser Astgabel beginnt eine offensichtlich künstlich angelegte Rutsche bestehend aus den großen Blütenblättern, die sich in die Tiefe schraubt.

'Mon Dieu … uns bleibt auch nichts erspart!' denkt sich Randirion, nachdem er das Tuch wieder abgenommen hat und mit kritischem Blick die Stabilität der Rutsche begutachtet.

"Das sieht nach einer Rutschpartie aus …" kommentiert er das Erblickte. Er versucht ein Ende der Rutsche zu erkennen, indem er dem Verlauf folgend in die Tiefe blickt.

Eine Ende der gewundenen Rutsche ist nicht zu erkennen.

Ingalf, der als letzter humpelnd ankommt, schaut ebenfalls die Rutsche hinunter. Dann meint er zu Randirion: "Los, Kawi, wenn du 'ne Rutschpartie willst, dann zeigt, was in dir steckt!"

Er verbeugt sich und weist mit dem Arm die Rutsche hinab.

Etwas missbilligend schaut Randirion den Thorwaler an. "Nun, Freund Wedmannsson, nach unüberlegtem Handeln steht mir momentan nicht gerade der Sinn." Er zieht bei seinen Worten eine Augenbraue hoch.

"Im Ernst, runter müssen wir wohl, aber sollten wir den Ersten vielleicht anbinden? Wer weiß wie und wo das Ding endet? Und fliegen kann doch keiner von uns, oder?"

"Assurément, eine Sicherung wäre sehr anzuraten, ist doch kein Ende dieser Rutschbahn abzusehen." Randirion wirkt nicht gerade begeistert von dem Gedanken, in eine ungewisse Tiefe zu sausen und versucht abzuschätzen, wie viele Schritt tief es bis dahin geht, wo er das Ende der Windungen noch erkennen kann.

Fünf Schritt kann Randirion ungefähr sehen, dann verschwindet die Rutsche in einer Kurve zwischen Blättern und Blüten.

"Also los! Wir knoten dir jetzt das Seil um und dann lassen wir dich vorsichtig hinunter!"

Gesagt, getan, Ingalf lässt sich von Sephyra das Seil geben und bindet es fachmännisch - er hatte ja auf der Kletterpartie genug Übung - unter den Schultern des Kavaljäre durch.

"So, Frumol, dann wollen wir unseren tapferen Helden anseilen. Hilfst du mir?" fragt er seinen Gefährten.

"Mmmh." stimmt Frumol zu. Er hatte sich schon über eine aufregende und schnelle Rutschpartie ins ungewisse gefreut.

'Warum haben die soviel Angst? Wer auch immer dies gebaut hat, hat uns bisher keine Steine in den Weg gelegt. Sogar Sicherungsnetze wurden - welch ein Glück für Sephyra - gespannt!'

Randirion schnappt unmerklich nach Luft, entgegnet dem forschen Vorgehen Ingalfs dann etwas pikiert klingend: "Parbleu! Selbstverständlich werde ich voran gehen, ich darf jedoch darum bitten, beim nächsten Mal um meine Meinung gefragt zu werden."

"Das wohl! Aber wer wäre denn besser geeignet als der Kavaljäre? Madame Lunos, Herr Frumol oder ich mit Hinkebein?"

"Nun, ich dachte da an den leichtesten von uns, den man, sollte es Not tun, mit vereinten Kräften wieder nach oben befördern könnte," entgegnet Randirion etwas steif.

"Ich würde' ja …" setzt Frumol an, doch bricht schließlich ab. Die beiden scheinen ihm ja doch nicht zuzuhören …

Mit etwas ungehaltener Miene betrachtet er den Thorwaler. "Ich kann mich drauf verlassen, dass Ihr das Seil wieder gut festhaltet, n'est-ce pas?"

"Das wohl! Und wenn das Seil zu Ende ist, dann wird gerutscht!

Vielleicht solltest du noch dein Lianenseil hierlassen?"

Der Cavalliere schaut Ingalf an und erwidert korrigierend: "In der Tat eine gute Idee. Sollte die Rutschpartie weiter gehen als die Länge des Seiles reicht, nun, dann könnt Ihr das Seil damit verlängern."

Hier nickt Sephyra und antwortet: "Ja. Lasst uns das Lianenseil und mein beiden Seile hier zusammen knoten, das dürfte ausreichen." und reicht Ingalf die beiden Seile, damit dieser den Vorschlag umsetzen kann.

Derweil besieht sie sich die Wunde, die durch den Dorn entstanden ist, genauer und lässt sie Frumol gegebenenfalls verbinden.

Ein sauberer Stich. Der sollte schnell verheilen.

Er tritt an den Rand der Rutschbahn und stellte den Rucksack neben sich. Während er sich niederlässt, sinniert er: "Es wäre vielleicht besser, wir ließen unser Gepäck wieder separat hinunter."

"Vielleicht sollte ich als Erste hinunterrutschen?" wirf Frumol in die Überlegungen des Kavaljäre ein. Bietet sich hier die Möglichkeit für sein Abenteuer?

"Lasst gut sein, Meister Pellocke, Herr Wedmannsson hat das Sicherungsseil bereits so perfekt angelegt, da wäre es ein faux pas, es wieder zu lösen," entgegnet Randirion, der sich bereits auf die Rutschpartie ins Ungewisse eingestellt hat. "Ihr könnt gern als nächster folgen."

'Pah, Sicherungsseil. Und warum muss der Kerl sich immer so geschwollen ausdrücken?' denkt Frumol etwas frustriert und genervt.

"Das wohl! Aber du zuerst, dann das Gepäck und dann der Rest." Ingalfs Laune steigt bei immer mehr an je mehr Randirion entgeistert ist.

"Wie Ihr meint," antwortet Randirion beherrscht und will noch etwas entgegnen, als sich die Ereignisse überschlagen …

Mit enttäuschter Mine setzt Frumol seinen Rucksack ab und wartet auf das was kommen wird.

Das Gequassel der beiden Kontrahenten dauert Frumol zu lange und schaut zu Sephyra hinüber. In seinen Augen kann sie ein Aufblitzen erkennen. Es ist das typische Blitzen, wenn Frumol etwas vorhat.

Er grinst sie noch einmal frech an.

Sephyra weiß genau, was das zu bedeuten hat, schließlich kennt sie Frumol lange genug.

Kurzerhand nimmt er seinen Rucksack und stellt ihn auf die Rutsche. Er selbst springt hinter um etwas Schwung zu haben, stößt den Rucksack an und bugsiert ihn als Schutz halb zwischen seine gespreizten Beine. Mit einem "Wir sehen und unten!" biegt er schon um die erste Kurve.

Die Sekunden vergehen für die Zurückbleibenden. Nichts ist zu hören.

Aber damit hatte sie nicht gerechnet! "Dieser … Verrückte!" grinst sie. "Also dann, hinterher! ruft sie, ohne lange zu überlegen. Sie macht es Frumol nach: nimmt den Rucksack ab und setzt diesen vor sich auf die Rutsche. Dann wartet sie noch ein paar Herzschläge, damit Frumol genug Abstand und Vorsprung hat und folgt ihm.

Etwas verdutzt schaut Randirion ihnen hinterher. 'Mon Dieu, welche unüberlegte Kühnheit! Dass sie es nicht abwarten können …'

"Nun, Herr Wedmannsson, tun wir es ihnen gleich oder warten wir die gesammelten Erfahrungen unserer Gefährten ab?" wendet er sich fragend an Ingalf. So recht entscheiden kann er sich nicht, den ungesicherten Sprung zu wagen, aber wenn die anderen … da wird er natürlich nicht zurückstehen.

"Äh, was?" fragt Ingalf, der sich gerade in den kleine Zwist mit Randirion vertieft hatte und jetzt erst mitbekommt, was die anderen gemacht haben. "Natürlich hinterher, wer weiß wo wir die beiden sonst noch raushauen müssen!"

Dann knotet Ingalf den Kavaljäre wieder los, wickelt sich das Seil um den Bauch, geht zum Rand der Rutsche und setzt sich möglich aufrecht mit Seesack auf dem Rücken auf den Rand der Rutsche und stößt sich ab. "Komm, Randirion, auf geht's!"

"Bien sûr!" Randirion sieht dem Thorwaler nach, bis dieser aus seinem Blickfeld entschwunden ist, nimmt seinen Rucksack zwischen die Beine und folgt den anderen mit leisem Fluchen und gemischten Gefühlen. Rasant geht es die Kurven der Rutschbahn hinunter, auf ein ungewisses Ende zu …