Die Rutsche macht viele Kurven und zieht sich lang hin. Die Blätter haben genau die richtige Mischung zwischen Rauigkeit und Glätte, die dazu führt, dass es weder zu schnell noch zu langsam wird.

Mit einem lauten "Weeh" nimmt Frumol die ersten Kurven. Das Rutschen ist angenehm und er wurde bisher nicht unangenehm überrascht. So schöpft er Vertrauen und versucht in einem Anflug von Übermut - oder Leichtsinnigkeit? - durch Gewichtsverlagerung die Fahrt noch ein wenig zu beschleunigen. Er ist damit so beschäftigt, dass er das Ende er Rutsche gar nicht kommen sieht und sich plötzlich in einem Haufen Stroh, halb auf dem Rucksack liegend, wiederfindet.

Überrascht hebt er der Kopf und streicht sich etwas Stroh aus Augen, damit er besser sehen kann.

Was er erblickt, kann er kaum glauben: Hier ist eine Siedlung! Das sind eindeutig Hütten! Auf einer riesigen Plattform.

Der Baumstamm hat hier 25 Schritt Durchmesser, und die Plattform ist noch einmal 30 Schritt breit. Sie scheint rund um den ganzen Baum zu laufen. Sie weist mehrere Öffnungen auf, durch die zum Teil Äste und Pflanzen wachsen. Große Kelchblüten fallen auf.

Kurz hinter Frumol kommt Sephyra auf der Plattform an.

Frumol krabbelt schnell zur Seite, damit es nicht zu einem Zusammenstoß kommt.

"Willkommen im Baumdorf," begrüßt er sie. "Kommen die Angsthasen auch hinterher?"

Insgesamt befinden sich zwölf Hütten auf der Plattform, die näher beisammen stehen. Dazu kommt noch eine abseits errichtete dreizehnte Hütte. Aus den Behausungen strömen kleine, Sephyra und Frumol nur bis zur Schulter gehende, haarlose menschenähnliche Wesen mit relativ langen Oberkörpern und kurzen Beinen. Sie fangen an aufgeregt miteinander zu reden - in einer Sprache, die Frumol und Sephyra völlig unbekannt ist.

Interessiert sieht sich Sephyra um. Als sie die "Wesen" erblickt, hängt sie sich den Rucksack langsam wieder auf den Rücken und öffnet Arme und Hände in einer weiten Geste nach vorn, um ihre Friedfertigkeit anzuzeigen.

In der Hoffnung, dass sie verstanden wird, sagt sie in allen ihr bekannten Sprachen und Dialekten nacheinander: "Hallo, wir kommen in Frieden." bewusst hält sie die ersten Worte einfach.

Frumol schaut ungläubig auf die merkwürdigen - ähm - Fremden.

Feindlich scheinen sie nicht gesinnt zu sein, sonst würden sie sich aggressiver verhalten. Überhaupt sieht er keine Waffen.

So bleibt Frumol erst einmal sitzen und schaut zu Sephyra hinüber. Solange sie nichts tun, was aufsehen erregt scheint alles in Ordnung zu sein. Also: Am besten vorerst ruhig verhalten.

Dass es hier eine Sprache gibt, die er nicht versteht überrascht ihn wenig. Zum einen kann er nicht allzu viele Sprachen, zu anderen können doch solch seltsame Wesen auch eine seltsame Sprache haben.

'Wir werde uns schon irgendwie verständigen', davon ist er überzeugt. 'In der einzelnen Hütte wird wohl sowas wie der Häuptling wohnen, oder der Schamane, oder …' er bricht die Überlegung aber, denn auch dieses Rätsel muss nich unbedingt sofort gelöst werden.

"Wir sollten den Nachzüglern ein wenig Platz machen," spricht er leise zu Sephyra, nachdem er seine Musterung der Plattform beendet hat. So fängt er an seinen Rucksack etwas beiseite zu heben - Vorsichtig, um keine bedrohliche Geste zu machen.

Unmerklich hat Sephyra sich bereits 2 Schritt von dem Heuhaufen entfernt. Offenbar hatte sie ähnliche Gedanken.

Anschließend erhebt er sich vom Stroh und zupft einige Halme von der Kleidung, während er die aufgeregte Menge mustert.

'Ob ich genügend Aufmerksamkeit für ein paar Worte habe? Schließlich ist es unhöflich, sich nicht vorzustellen', überlegt er dabei. Leise räuspert er sich. 'Hoffentlich purzeln die beiden Tollpatsche nicht im ungünstigsten Moment von der Rutsche.'

"Ähm, eine tolle Rutsche habt ihr da", fängt er zögerlich an. "Die Götter zum Gruße!" Er deutet auf sich, und anschließend auf Sephyra: "Mein Name ist Frumol, und meine Gefährtin nennt sich Sephyra."

Bei der Erwähnung ihres Namens verbeugt sich Sephyra leicht. 'Hoffentlich erkennen sie das als Wertschätzung.'

'Ob sie mit Nachnamen und Titeln was anfangen können? Ich versuche es mal ganz einfach.'

"Wir kommen von weit her, und sind irgendwie auf diesen Baum gekommen." 'Erschienen' will er nicht sagen, das klingt so … göttlich …

"Wir sind nicht alleine, es folgen uns noch zwei Kameraden."

Dabei hebt er die rechte Hand und deutet mit Zeige- und Mittelfinger das Symbol 'Zwei' an.

'Sollte ich noch hinzufügen, dass wir in friedlicher Absicht hier sind, und dass wir eigentlich nur zurück nach 'Hause' wollen?' Er entscheidet sich jedoch dagegen, keinem ist mit zu vielen Worten gedient.

Und da kommen auch schon kurz hintereinander Ingalf und Randirion wohlbehalten an.

In dem Moment fügt sie mit einer Geste, die alle vier umschließt, hinzu: "Wir sind Freunde."

All das sagt sie in sehr ruhigem Tonfall.

'Hoffentlich können wir uns verständigen.'

Als Ingalf Sephyras Bemühungen gewahr wird, versucht er seine Orknase hinter seinem Rücken zu verstecken, um nicht zu kriegerisch auf die Fremden zu wirken.

Dann setzt er sein breitestes Grinsen auf.

Nach der überraschend weichen Landung im Stroh erhebt sich Randirion sofort und betrachtet erstaunt das Dorf und seine Bewohner, während er sich das Stroh aus der Kleidung klopft und mit ruhigen Bewegungen seinen Rucksack schultert.

'So sehen sie also aus, die Erbauer dieser Kletter­pfade,' denkt er sich. Die ruhigen, beschwichtigenden Worten Sephyras bekräftigend hält auch er die Hände fern von seinen Waffen, um damit seine friedlichen Absichten zu demonstrieren, denn er konnte bisher bei den Baumbewohnern keine Bewaffnung feststellen.

Die Eingeborenen scheinen Frumol und Sephyra nicht zu verstehen, deswegen aber nicht beunruhigt zu sein. Sie schauen die vier neugierig an, zeigen teilweise direkt mit Fingern auf sie und scheinen sich dann über einzelne Besonderheiten der Neuankömmlinge auszutauschen. Im übrigen scheinen sie abzuwarten.

Da auch die Fremden miteinander reden, hält Sephyra das für unschädlich: "Frumol, ich glaube kaum, dass wir hier mit reden weiterkommen. Kavaljäre, Ihr seid doch in Konversation geübt, die niemand versteht. Wollt Ihr Euch nicht versuchen?" fragt sie Randirion über die Schulter, ohne sich umzudrehen, um die Fremden nicht aus den Augen zu lassen.

"Wenn Ihr mir noch erklären würdet, Madame Lunos, wie Ihr das meint, dann werde ich gern mein Bestes versuchen," entgegnet Randirion überaus freundlich und beherrscht, behält dabei sein zuvorkommendes Lächeln den Eingeborenen gegenüber bei.

"Sie meint, dass Ihr durch Eure Kenntnisse in der Lage sein solltet, in kürzester Zeit mit ihnen zu plauschen und eine Tasse Tee zu trinken." erklärt ihm Frumol.

"Oder soll ich das machen?" fügt er noch hinzu.

"Ganz einfach, verehrter Kavaljäre: Da ich oft nicht verstehe, was Ihr zu sagen wünscht, und ich die Baumbewohner hier auch nicht verstehe … Naja, dass Ihr und sie" - eine Geste zu den Fremden - "vielleicht eine andere Verständigungsmöglichkeit habt."

Ohne es zu wollen, muss Sephyra über ihren eigentlich ungewollten Scherz in einer doch recht ernsten Situation lachen.

"Ach nehmt nicht immer alles so furchtbar ernst!" lacht sie und wendet sich wieder an die Fremden: "Seht ihr? Wir sind/freundlich!" lächelt sie. Zwischen den Zähnen hervor zischt sie zu Frumol und den anderen: "Die haben keinen blassen Dunst und verstehen kein Wort."

"Nun, wenn das so ist … Verzeiht, dass ich Euren Humor nicht gleich als solchen verstanden habe, werte Madame, doch die Situation erscheint mir prekärer als wünschenswert wäre, solange wir keine Möglichkeit haben, mit ihnen zu kommunizieren."

Randirion versucht, locker und freundlich zu erscheinen, beobachtet dabei weiter das Verhalten der Eingeborenen.

"Wir sollten überlegen, ob wir etwas bei uns haben, was das Wohlwollen dieser Leute hervorrufen und sie uns geneigt machen könnte. Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft, wie man so schön sagt."

Er überlegt weiter.

"Wenn ich mich recht zurück erinnere, meinte dieser Magister Inkognito doch, wir hätten alles gefunden, was nützlich ist. Und er meinte weiter, wir sollten nach Auffälligem Ausschau halten," sinniert er. Worauf er sich nochmals umschaut, ob ihm etwas Auffälliges in die Augen stechen sollte.

Eigentlich ist hier alles auffällig.

Dann, an Frumol gewandt, erwidert er auf dessen Einwurf galant. "Tut Euch keinen Zwang an, Meister Pellocke. In der Tat ist die Idee, mit diesen Einheimischen über einen Umtrunk in Kontakt zu treten, durchaus überlegenswert. Setzen wir uns doch und laden die Leute ein, gemeinsam mit uns etwas zu essen und zu trinken."

Fragend schaut er die anderen an.

"Ja. Gastfreundschaft gehört zu vielen Kulturen." erinnert sich Sephyra an die tulamidischen Bräuche. "Aber haltet Ingalf von der Spendierung von 'Feuer' ab." fällt ihr - hoffentlich rechtzeitig - ein.

"Nee, man keine Angst mein 'Feuer' verschwende ich nich' an solche komischen Gestalten, aber mal schauen!" Ingalf setzt vorsichtig den Seesack vor sich ab, öffnet ihn und beginnt zu suchen.

"Nee … hmm … das isser" und zieht einen ziemlich großen prall gefüllten Weinschlauch heraus.

Er nimmt ihn vorsichtig hoch und lässt sich aus einiger Entfernung den Wein gekonnt in den Mund spritzen.

Dann setzt er den Schlauch ab und hält ihn vor sich in die Richtung der Baumbewohner.

Feizal

"Bei Rastullah! Wein!" ertönt es da aus Richtung der einzeln stehenden Hütte. Ein - man sollte es kaum glauben - Novadi ist aus ihr hervorgetreten und bahnt sich jetzt seinen Weg durch die Eingeborenen, die ihm respektvoll Platz machen .Bei diesen Worten blickt Frumol unwillkürlich in diese Richtung.

'Jemand der unsere Sprach spricht. Und dann auch noch ein Novadi!'

Ihm ist, als falle ihm eine Last von den Schultern. Hier ist ein Mensch, der nicht nur eine ordentliche Sprache spricht, sondern - sofern er sich hier schon länger aufhält - auch auskennt! Vielleicht kennt er sogar den Weg zurück. Doch, dann wäre er sicher nicht (mehr) hier …

"Willkommen hier in Wo-immer-das ist! Meine Name ist Feizal al-Fessir. Habt ihr auch Bekanntschaft mit den verrückten gemacht?" begrüßt er die Ankömmlinge, als er vor ihnen steht.

"Wenn du die Mönche meinst, dann wohl!" erwidert Ingalf, da jetzt jemand da ist mit dem er sprechen kann. "Nimm 'nen Schluck und erzähle, was das hier alles so is'!"

"Ich bin Frumol," stellt er sich vor und anschließend der Reihe nach Sephyra, Ingalf und Randirion. Schließlich kennt er mittlerweile die Bräuche der Novadis ein wenig, auch wenn ihm ihre wortreiche Sprache nicht so recht gelingt.

"Sehr erfreut, Blume des Nordens, meinen Respekt meine Herren! Es sind hier schon andere wesentlich mitgenommener angekommen." Feizal verbeugt sich.

"Es ist mir eine Ehre Eure Bekanntschaft zu machen!"

Nach dieser Begrüßungsfloskel und einer kavaliersmäßigen Verbeugung lässt auch Randirion sich im Schneidersitz nieder und nimmt ebenfalls einen kräftigen Schluck aus dem Weinschlauch, so wie dieser an ihn weiter gereicht wird. Vorerst hört er dem Gespräch zwischen seinen Gefährten und dem Novadi nur aufmerksam zu.

Frumol tut es ihm gleich, nimmt jedoch nur einen kleinen Schluck. Wer weiß schon, was der Held der Meere da gebunkert hat …

Bei der Erwähnung ihres Namens macht Sephyra eine angedeutete Verbeugung und folgt danach dem Beispiel des Novadi.

Ingalf hält ihm den Weinschlauch hin.

Feizal nimmt den Schlauch mit einer Verbeugung entgegen, nimmt einen tiefen Schluck und reicht ihn Ingalf wieder mit einer Verbeugung zurück.

"Rastullah möge auch hier über uns wachen!" erklärt er und nimmt dann auf dem Boden der Plattform mit gekreuzten Beinen Platz. Er ruft den Eingeborenen etwas zu, worauf diese verschwinden.

"Es gibt nicht viel zu berichten", fängt er an. Die Watabh, die kleinen Leute hier, sollen eigentlich das Tor bewachen. Wie sie das machen sollen, haben sie vergessen. Der Baum bewacht sich selbst. Von den Watabh stammen die Kletterrouten. Von Zeit zu Zeit kommen Aventurier durch das Tor - und auch bis hierher. Alle wollen natürlich zurück und machen sich auf, ein zweites Tor zu suchen. Aber noch nie ist einer zurückgekehrt, und ich persönlich glaube nicht an die Existenz eines zweiten Tors. Das ist eigentlich alles."

Als alle vorgestellt sind, fragt sie höflich: "Seid Ihr ebenfalls durch das Tor gereist, weil es ein Wunsch der Mönche war, oder kamt Ihn - nun ja - freiwillig her?"

Feizal setzt zu einer Antwort an, aber …

Noch bevor er antworten kann, fragt sie weiter: "Wie meint Ihr das, ein zweites Tor? Bislang ging ich davon aus, dass wir durch das Ankunftstor auch zurück reisen können. Denn wenn …" sie stutzt kurz und hat einen furchtbaren Gedanken: "… wir ein anderes Tor für die Rückkehr brauchen, werden wir wohl auch kaum wieder in die Wüste und dieses Kloster zurückkehren, aus dem wir kommen!" - 'Vielleicht ist deswegen nie jemand zu den Mönchen zurückgekehrt.' überlegt sie.

"Da hast Du recht" pflichtet ihr Frumol bei. "Ob wir dann überhaupt wieder zurück nach Aventurien kommen?"

"Egal. Das Zauberding oben im Baum empfängt nur. Ich habe einen vollen Monat dort Wache gehalten, um zu erfahren, ob es mich aufnimmt und wieder irgendwohin sendet. Aber das funktioniert nicht. - Egal. Hier kann ich leben. Die Watabh achten mich, und ab und zu kommen Gäste durch das Tor. Es lässt sich aushalten. Wollt ihr nicht hier bleiben?"

Feizals Frage wirkt ernsthaft, den speziellen Blick, den er Sephyra zuwirft, kennt sie.

"Aha." macht sie und ergreift demonstrativ Frumols Hand, …

… welche Frumol gleichfalls drückt und Feizal ein wenig drohend anstarrt.

Als sie sich ihm zuwendet und ihn anlächelt. Dann antwortet sie Feizal: "Wir werden wohl den 'Verrückten' folgen und ebenfalls einen Weg zurück suchen, oder Freunde?!"

Die anderen merken sofort, dass Sephyra das eigentlich nicht als Frage verstanden wissen will.

"Sicher. Wir werden einen Weg zurück in die Heimat finden." bekräftigt Frumol mit Nachdruck.

"Naturellement werde wir einen Weg zurück finden," mischt sich Randirion ein. "Und es muss auch ein Tor zurück in das Kloster geben. Denn hat nicht dieser Salon, der Mönch, davon geredet, dass durch das Tor, durch welches wir hierher kamen, diese Riesentiere dort ins Kloster gelangten?"

Bei Sephyras düsteren Spekulation über das angebliche zweite Tor hat er sorgenvoll an Sturmwolke, seinen zurückgelassenen Apfelschimmel, denken müssen.

"Nun denn, ich will euch nicht zurückhalten. Bleibt einfach für die Nacht unsere Gäste. In einer Stunde sollte es dämmern. Ich bin sicher, die Watabh sind schon dabei, ein Festmahl vorzubereiten. In letzter Zeit sind Gäste von oben seltener gekommen."

Feizal seufzt, noch einmal.

"Ein Festmahl?" hakt Frumol nach. "Für uns als Gäste?"

Er klingt ein wenig Misstrauisch. Das alles kommt ihm sehr seltsam vor. Warum sollten sie alle Fremden derart festlich begrüßen? Andererseits scheint Feizal hier schon länger zu leben …

"Weshalb sollten die Watabh eigentlich das Tor bewachen? Haben sie das auch vergessen?" fragt er etwas schroff.

"Nun ja, die wissen wirklich nicht so richtig, was sie hier eigentlich sollen. Aber zumindest wird hier jeder Gast, der hier ankommt mit einem Festmahl begrüßt. Und ich kann hier gut leben. Sie lassen sich sogar von mir manchmal los scheuchen, die Kletterwege in Schuss zu halten."

Feizal lässt sich nicht aus der Ruhe bringen.

"Wenn die Waabat sagen es gibt noch ein Tor müssen sie das denn nich' bewachen? Wenn sie es bewachen sollen, dann müssen sie doch auch wissen wo das Tor is', oder?" fragt Ingalf nach.

'Dann können sie uns auch führen und wir sind weg hier.' fügt er in Gedanken hinzu.

"Vielleicht habe ich mich falsch ausgedrückt. Nicht die Watabh sagen, dass es ein zweites Tor gibt, sondern die Verrückten, deren Gehirn schon lange von der Wüste der tausend Sonnen ausgedörrt ist, sagen das. Möge ihre Leber von Dämonen zerfressen werden!"

Feizal spuckt dreimal aus.

'Irgendwie ist mir dieser Typ unsympathisch.' überlegt sie, ohne genau zu wissen, woher dieser Gedanken kommen mag. Mit einem Seitenblick mustert sie Feizal kritisch, lächelt dann unverbindlich, aber freundlich, zurück und fragt: "Wie habt Ihr die Sprache dieser 'Wattabb' gelernt?"

"Genauso, wie wir alle unsere Muttersprache gelernt haben. Von allein, mit der Zeit." Feizal seufzt.

"Wie lange seid ihr denn schon hier? Und - ihr habt die Frage vorhin nicht beantwortet - wie kamt ihr hierher?" fragt Frumol weiter.

Feizal schaut leicht verwundert. "Es werden jetzt bald sechs Jahre, wenn ich mich nicht verzählt habe. Die Jahreszeiten sind hier fast nicht auseinander zuhalten. Und zu deiner zweiten Frage: Die Verrückten haben mich hierhin geschickt. Wie euch. Das sagte ich doch."

"Sechs Jahre sind eine lange Zeit", sinniert Frumol. "Was weißt Du denn noch so von dieser Welt? Mir schein, du wärst hier bei den Watabh so etwas wie ein …" Frumol such einen Moment nach dem passenden Ausdruck, doch findet ihn nicht. "Du hast Einfluss auf die Watabh."

"Ein wenig" antwortet Feizal. Er wirkt fast ein wenig verlegen. "Als ich herkam dachte ich, dass ich vielleicht einen Rückweg dadurch sicherer finde, indem ich erst einmal die Sprache der Eingeborenen lerne. Und sie dann frage. Aber sie wissen nichts von einem anderen magischen Tor. Und sie haben mich gern bei sich aufgenommen und versorgen, denn so kann ich Ankommenden ein bisschen bei der Orientierung helfen. Ich habe den Baum nie verlassen, denn die Watabh haben erzählt, dass dort unten grässliche Ungeheuer leben."

"Da brauchste aber nich' mal vom Baum zu klettern!" meint Ingalf skeptisch. "Solche Viecher haben wir auch auf dem Weg von oben gehabt. Die anderen können uns nicht mehr schrecken, oder?"

"Eben", entgegnet Feizal. "Die hier auf dem Baum reichen schon. Wenn ich nur an den Sadur denke …"

"An wen?" kommt die Frage von Ingalf.

Feizal lacht trocken: "Freut euch, dass ihr ihm noch nicht begegnet seid!Die dreiäugige Großkatze ist der eigentliche Herr des Baumes. Zum Glück vermehrt sie sich nur selten."

"Das ist gut zu wissen, denn jetzt sind es zwei weniger!" Ingalf grinst breit.

"Ihr macht Witze, mein Herr!" kommt es ungläubig von Feizal zurück.

"Nee, nicht wirklich! Zwei von den Kätzchen wollten mit uns spielen," meint Ingalf, dessen Grinsen immer breiter wird, "aber wir wollten nicht mit denen spielen, …"

"Solche Ungeheuer wie Riesenameisen und Riesenschlangen oder andere, sehr aggressive Tiere etwa?" Randirion horcht auf. "Das könnte doch auf ein zweites Tor unten am Baum hindeuten, durch das die Tiere ins Kloster kamen," überlegt er und äußert dann resolut: "Wir sollten nichts unversucht lassen, danach zu suchen. Ich gedenke nicht, hier länger als nötig zu verweilen."

"Freund Randirion, du spricht mir aus der Seele. Bei Swafnir!" erwidert Ingalf. "Wir sollten hier möglichst fix verschwinden!"

"Wie ihr wollt. Ich weiß, dass ich gegen eine Libelle, die größer als ein Adler ist, nicht kämpfen möchte. es gibt hier selbst Fliegen, die …"

Feizal schüttelt sich.

"Haben wir gemerkt." wirft Sephyra ein.

"Es scheint, wir kennen den Großteil der gefährlichen Tiere hier schon. Was kann uns denn noch überraschen?" fragt Frumol Feizal, in der Hoffnung mehr Informationen zu bekommen.

Darauf kommt aber keine weitere Reaktion.

"Was machst Du hier denn den ganzen Tag?" fragt er weiter.

"Ach wisst ihr, die Watabh sind zwar ein friedliches Völkchen, aber es gibt waaahnsinnig viel zu organisieren und zu entscheiden. Manchmal kommt auch Edric vorbei, oder ich besuche ihn."

Feizal scheint nicht besonders erpicht darauf zu sein, viel über seinen Tag zu erzählen.

"Verzeiht meinen Unglauben, Herr Nordländer! Wenn ihr wirklich zwei Saduri getötet habt und euch auch Riesenfliegen nicht schrecken, dann könntet ihr in der Ebene überleben."

Feizal scheint ehrlich beeindruckt.

Frumol muss breit grinsen, als der Novadi erst so ungläubig und dann so beeindruckt schaut, sagt aber nichts. Schließlich ist die Begegnung auch nicht ganz glimpflich vonstatten gegangen.

"Und das müssen wir auch! Wir wollen nämlich nach Hause!" meint Ingalf und blickt in die Runde. "Aber sag, Freund, wie kommen wir eigentlich von diesem Baum runter? Und du hast wirklich keinen Tipp in welche Richtung wir dann müssen?"

"Ab hier ist es einfach", entgegnet Feizal verschmitzt. "Lasst euch morgen früh überraschen." Dann wird er wieder ernst. "Wenn ich eine Vorstellung hätte, wo sich ein zweites Tor befindet, dann wäre ich hier schon längst weg. Aber wie gesagt, ich glaube nicht einmal daran, dass ein zweites Tor existiert."

"Gut. Mag sein. Aber das führt uns wieder zur unserer ersten Überlegung zurück, dass das 'Ankunftstor' uns auch zurück bringen können muss. Denn wir haben im Kloster eine der riesigen Ameisen gesehen! Irgendwie müssen die doch da hin gekommen sein, oder? Und wenn die Ameise das geschafft hat, dann ist entweder die Einstellung am Tor ganz leicht oder es gibt ein zweites Tor. Da aber die Ameise aus dem Tor im Kloster erschien, glaube ich eher daran, dass wir über das eine Tor auch wieder zurück kommen." Beendet Sephyra ihren 'Vortrag'. "Korrigiert mich bitte, wenn ich falsch liegen sollte. Aber das scheint mir eine sehr logische Schlussfolgerung zu sein."

"Ganz einfach: Es gibt keine Riesenameisen hier auf dem Baum", antwortet Feizal ganz sachlich.

"Dann sollte unser weiterer Weg wohl ohne Zweifel fest stehen," wirft Randirion ein. "Wir müssen den Baum hinab zum Boden und dort nach einem Rückweg suchen."

"Genau!" fügt Ingalf hinzu. "Wenn es hier Riesenameisen gibt, die aber nicht hier auf dem Baum leben, dann muss uns es das zweite Tor geben und - was ja fast das Wichtigste ist - wir kommen durch das Tor wieder an unseren Ausgangspunkt ins Kloster zurück."

Ingalf hofft, dass jetzt alle seinen Schluss verstanden haben und genauso beruhigt sind wie er. 'Es gibt einen Rückweg und den finden wir!'

Einer der Eingeborenen kommt zu Feizal und flüstert ihm etwas ins Ohr. Mit einem strahlenden Lächeln wendet der sich an seine Gäste: "Das Festmahl wird in etwa einer halben Stunde fertig sein. Mögt ihr euch vielleicht in meiner Hütte etwas frisch machen?"

Nach all der Aufregung wäre Sephyra für eine derartige Möglichkeit mehr als nur aufgeschlossen. Aber sie will die anderen um keinen Preis hier verlassen. Daher fragt sie: "Wollen wir gemeinsam gehen?"

Die merkliche Betonung des Wortes 'gemeinsam' und ihr fester Händedruck mit Frumol sollten Feizal die Umstände begreiflich machen können, auch wenn er bereits 6 Jahre unter den Watabh lebt und sie kennt.

"Ich fühle mich in diesen Höhen nämlich leicht unwohl." lügt sie Feizal frei heraus an und 'verschweigt aktiv', dass sie eigentlich die einzige ist, die hier überhaupt keine Probleme mit der Höhe hat, abgesehen von den Baumbewohnern vielleicht …

"Das ist eine gute Idee. Ich werde Dich begleiten." antwortet Frumol, der Sephyras Anliegen wohl begriffen hat.

"Wie ihr wünscht, Rose des Nordens, meine Hütte steht euch allen zur Verfügung." Feizal steht auf.

"Ihr seid zu gütig, Monsieur Feizal. Selbstverständlich werden wir zusammen bleiben," antwortet Randirion, dem die Blicke des Novadi nicht entgangen waren. "Ich hätte nichts dagegen einzuwenden, mich der Spuren unserer bisherigen Reise ein wenig zu entledigen."

Er wirft seinen Begleitern einen nur kurzen, aber vielsagenden Blick zu. 'Das bietet uns eventuell auch die Möglichkeit, uns ohne Feizal abzusprechen,' denkt er sich, während er sich ebenfalls erhebt.

"Das wohl!" meint auch Ingalf, der sich schon ein wenig von der Gepflogenheit seiner Stammesbrüder sich nur in den thorwalschen Badehäusern zu waschen, gelöst hat.

Sephyra erhebt sich auch und von ihren drei Begleitern gefolgt strebt sie auf die von Feizal gewiesene Hütte zu. 'Mal sehen, was uns erwartet.'

Auf dem Weg dahin sieht sie sich genau um und erkundet eventuell "Fluchtmöglichkeiten." - 'Irgendwie müssen die doch von dem Baum auch herunter kommen. Und das auch aus dem Dorf heraus, denn erst ewig über die Äste klettern tun diese Watabhs wohl nicht, sonst müsste dieser Novadi sie nicht zum Instandhalten der Wege überreden.' denkt sie auf dem Weg nach.

Es fällt kein direkter Weg nach unten ins Auge. Allerdings überblicken die vier auch nur ungefähr zwei Drittel der Plattform. Der Rest ist vom Baum verdeckt.

Abend bei den Watabh

Feizals Hütte hat einen großen Raum und eine kleine abgeteilte Ecke. Alles ist einfach für die Bedürfnisse eines einzeln lebenden Mannes eingerichtet. Große Blüten dienen als Wasserspeicher. Eine wohlriechende Seife und Tücher zum Waschen und Abtrocknen sind bereitgelegt.

Mit den Worten "Wenn ihr noch Wünsche habt, ruft mich einfach." lässt Feizal die Gefährten allein.

Mit einem huldvollen Nicken "entlässt" Sephyra Feizal und sieht sich um.

Er ist neugierig auf Feizals Hütte, die sicherlich einiges über den Novadi verraten wird. Frumol wird den Verdacht nicht los, dass der freundliche Fremde etwas verbirgt. Er erinnert ihn an den Räuber im Kloster. Auch er ist plötzlich aufgetaucht und hat seine Hilfe angeboten …

Es gibt in Feizals Hütte aber nichts, was einen irgendwie seltsamen Eindruck machen würde. Frumol hat das Gefühl, dass eine Hütte, die er nach sechs Jahren hier bewohnen würde, so aussähe, vorausgesetzt, jemand anders räumt auf.

Frumol schaut sich um, findet jedoch nichts Interessantes.

'Hier stimmt was nicht.' überlegt er, während auch er sich etwas frisch macht. 'Was macht der Kerl hier? Gut, die Verrückten haben ihn hierher geschickt. Und er hat zumindest großen Einfluss auf diese Watabh - Wieviel Macht hat er über sie? Ob er sowas wir ihr Anführer ist? Sie scheinen friedlich, oder ist das nur Täuschung? Warum wird jeder Fremde mit einem Festmahl begrüßt?' überlegt er. Das Festmahl hinterlässt bei ihm den Eindruck einer Henkersmahlzeit und einen bitteren Geschmack im Mund.

Mit einem Blick auf die Blüten schöpft sie schließlich das Wasser mit beiden Händen und wäscht sich Gesicht und Hände.

Anschließend trocknet sie sich ab und wartet, dass die anderen ebenfalls fertig werden.

Auch Ingalf wird sich ein wenig frisch machen, aber dann einen Sitzplatz suchen, um sein Bein ein wenig zu schonen.

Randirion reinigt sich mit der wohlriechenden Seife, deren Duft ihm sehr angenehm ist, die Hände, bevor er sich Gesicht, Nacken und Arme wäscht und sich dann sorgfältig mit den bereitliegenden Tüchern abtrocknet. Er streicht sich noch die Haare glatt, als sein Blick auf Ingalf fällt.

"Freund Wedmannsson, ich sehe, das Malheur mit der Raubkatze bereitet Euch immer noch starke Schmerzen, n'est pas?" bemerkt er und wendet sich fragend an Sephyra: "Führen wir nicht etwas für solche Fälle mit uns, Madame Lunos? Da wir nun wissen, dass unser Weg uns noch weiter hinunter führt, sollten wir dafür sorgen, eine gewissen körperliche Unversehrtheit wieder herzustellen, meint Ihr nicht? Ein kleiner Schluck von dem Heiltrank könnte unseren Freund hier und auch Euch wieder auf die Beine helfen, würde ich meinen."

"Das wohl! Wie unser Freund sagen würde." antwortet ihm Sephyra. Dabei merkt sie die Verletzung besonders, da sie sie bisher ganz gut verdrängen konnte.

"Glaubt Ihr nicht, wir sollten uns die Tränke für richtige Notfälle aufheben und erst mal die Nacht durch schlafen und sehen, was der neue Morgen bringt? Bestimmt haben auch die Eingeborenen hier eigene Mittelchen. Feizal sagte doch: 'Wenn Ihr etwas braucht, sagt es mir.'

Dieses Angebot würde ich zuerst testen … Ness pass, wie Ihr sagt."

"Vielen Dank, Freund Randirion!" meint Ingalf auf das Angebot. "Aber ich glaube der Käptn hat recht, erstmal was Essen und 'ne Runde schlafen, damit Frumols Künste richtig wirken können. Und Morgen sehen wir weiter!"

Randirion entgegnet darauf mit einer teils erstaunten, teils entschuldigenden Miene: "Da habt ihr allerdings auch wiederum recht. Nutzen wir besser die Kenntnisse der Eingeborenen."

Er schaut sich in dem Raum um. "So ist es also beschlossen, dass wir der Einladung folgen und hier nächtigen?" fragt er plötzlich. Der Gedanke, die Nacht hier zu verbringen ist ihm auch angenehmer als wer-weiß-wo im Baum zu hängen, nur so ganz traut er dem Frieden noch nicht.

In diesem Moment ruft Feizal von draußen: "Gibt es eventuell zu versorgende Verwundungen?"

"Das wohl!" ruft Ingalf nach draußen. Dann wendet er sich an Sephyra: "Na, Käptn, wollen wir mal schauen was diese Baummenschen so drauf haben."

Es lässt seinen Seesack und die Orknase in der Hütte und geht nach draußen.

Gefolgt von Sephyra, die ebenfalls ihren Rucksack zurück lässt, ihr Rapier jedoch an der Seite hängen lässt. Jedoch eher aus praktischen Erwägungen.

'Außerdem sieht es gut aus!' freut sie sich jedes Mal, wenn sie es in die Hand nimmt oder ansieht.

Auch Frumol folgt, auch wenn er keine Verletzungen vorzuweisen hat.

Ihn interessiert vielmehr wie die Wunden behandelt werden, schließlich sind hier alle nützlichen Erkenntnisse überlebenswichtig.

Die Watabh-Frau scheint zu wissen, was sie macht.

Die beiden werden von einer uralt aussehenden Eingeborenen versorgt, die die Wunden zuerst vorsichtig, aber gründlich säubert, dann eine kurz stark brennende bräunliche Flüssigkeit darauf streicht und dann mit Blättern verbindet. Dabei redet sich die ganze Zeit melodisch leise auf den Patienten ein.

Interessiert beobachtet Sephyra das Vorgehen der Frau. 'Ob sie so etwas wie die Medizinfrau oder Schamanin hier ist?' überlegt sie, während Ingalf verarztet wird.

Als sie selbst an der Reihe ist und die bräunliche Flüssigkeit die Wunde berührt, zuckt sie kurz zusammen, denn der brennende Schmerz kam nach der vorsichtigen Wundsäuberung überraschend. Schnell hat sie sich wieder im Griff.

Als der Blätterverband fertig ist, bedankt sich Sephyra mit einer halben Verbeugung - üblich bei den Tulamiden und Novadis - für die Hilfe und sagt langsam: "Vielen Dank." Danach wiederholt sie dies auf Tulamidia.

'Vielleicht haben sie ein paar Worte von Feizal gelernt.' überlegt sie.

Die Frau lächelt freundlich zurück, sagt etwas und geht.

Als Ingalf sieht, wie sich Sephyra verbeugt, versucht er es ihr nachzumachen und verbeugt sich ebenfalls mit einem breiten Grinsen.

Die Frau schenkt auch Ingalf ein Lächeln.

Das anschließende Festmahl besteht aus verschiedenen gekochten oder gedünsteten unbekannten Gemüsesorten sowie gebratenem Fleisch. Die Würzung ist unbekannt aber nach kurzer Gewöhnung angenehm. Dazu werden Wasser und verschiedene Säfte gereicht, der eine oder andere leicht angegoren. Delikat.

Ingalf langt richtig zu. Er merkt auf einmal wie ausgehungert er doch eigentlich schon ist. Nachdem er sich ein wenig mit dem Gemüse beschäftigt hat, wendet er sich dem Fleisch zu, probiert und nimmt dann ein gute Portion.

'Tja, Fisch gibt's hier wohl nicht, aber Fleisch tut's ja auch.'

Nachdem er gesättigt ist, widmet er sich den Säften - besonders natürlich den vergorenen. 'Zwar kein Feuer, aber es geht. Jetzt weiß ich auch warum Feizal so hinter dem Wein her war!'

Auch Randirion hat die Hütte verlassen und gesellt sich zu den anderen, um am Festmahl teilzunehmen. Seinen Rucksack hat er bei Ingalfs stehen lassen, seine Waffen führt er jedoch mit sich. Neugierig kostet er von allen Speisen und probiert auch von den verschiedenen Säften. Es scheint ihm zu munden, denn er nimmt sich mehrmals kleine Portionen nach, die er genussvoll verspeist.

Zuerst zögerlich an den einzelnen Speisen und Getränken schnüffelnd, dann später wenig damenhaft schlägt sich Sephyra den Bauch voll.

So gut hat sie lange - eigentlich seit Aufbruch in die Wüste - nicht mehr gegessen, erinnert sie sich.

Frumol verhält sich zuerst zögerlich, greift aber schließlich mit wachsendem Appetit zu. Schließlich liegt die letzte Mahlzeit scheinbar schon eine Ewigkeit zurück.

Immer wieder beobachtet er Feizal, dem er nach wie vor misstraut.

Feizal prostet Frumol freundlich zu, als er einmal seinen Blick spürt.

Auch die Dorfbewohner langen kräftig zu. Die Stimmung ist insgesamt äußerst fröhlich.

Nach dem Essen werden Musik und Tanz dargeboten - relativ getragene Weisen und langsame Bewegung.

Verwundert nimmt Frumol das ruhige Geschehen auf. Es ist so ziemlich das unspektakulärste Fest in seinem Leben - hier muss Feizal wohl noch kräftig nachbessern - doch er genießt die Ruhe und entspannt sich ein wenig. Seit ihrem Aufbruch gab es keine Gelegenheit sich zurückzulehnen und die Füße auszustrecken.

Das muss er sich eingestehen: Alle die aufs ärgste strapaziert durch das Tor gekommen sind konnten sich hier erschöpft nieder sinken.

'Oder ist das Ganze beabsichtigt?' wieder keimt der Zweifel auf.

'Die Feststimmung ist zwar nicht mit Khunchom zu vergleichen, aber ein wenig Ruhe ist auch nicht schlecht.' denkt sie.

Gelassen lehnt sie sich zurück und lässt die fremde Musik und die Tänze auf sich wirken.

'Oh, Mann, wat is' dat langweilig!' denkt sich Ingalf.

Er schaut sich zu seinen Gefährten um, die auch noch nicht so ganz von den kulturellen Vorführungen begeistert zu sein scheinen.

Dann nimmt er noch einen tiefen Schluck aus dem Saftbecher und fängt mit lauter Stimme ein fröhliches thorwalsches Seemannslied an.

Die Gastgeber reagieren - höflich. Musik und Tanz stoppen, und alle Aufmerksamkeit richtet sich auf Ingalf.

Ingalf der sich der neu gewonnenen Popularität bewusst wird, schaut im Mitten im Lied hoch und mit "… und jetzt alle: Hey hoo hey hoo - Thorwaaaaler die sind froh! …" fordert er seien Zuhörerschaft zum Mitsingen auf.

Als Ingalf zu gröhlen anfängt kann Frumol sich ein schmunzeln nicht verkneifen. Zumindest der Seeheld scheint seinen Spaß zu haben. Aber eins ist sicher: Frumol wird nicht mitsingen, allein weil er den Text nicht kennt.

Entsetzt schüttelt Sephyra den Kopf. Ein Seitenblick zu Frumol verrät ihr, dass auch er nur wenig von Ingalfs Auftritt hält.

Leise flüstert sie ihm zu: "Das musste ja kommen! Aber so viel Alkohol hat er doch heute noch gar nicht getrunken, oder?" muss sie grinsend dazu setzen.

Die Watabh hören und schauen interessiert zu, Feizal lächelt amüsiert.

Von den Gastgebern macht aber keiner mit. Nach dem Ende von Ingalfs Darbietung schnalzen alle beifällig mit den Zungen.

Auch Frumol klatscht ein wenig Beifall als der Gesang verstummt.

Zwar hat Sephyra für derartige "Kunst" wenig übrig, ist aber von der hingebungsvollen Darbietung Ingalfs beeindruckt. Daher klopft sie ihm anerkennend auf die Schulter.

Ingalf ist sehr stolz auf seine Darbietung und freut sich, dass sie anscheinend gefallen hat.

Er wendet sich daraufhin an die Gefährten: "Seht ihr, auch wenn ihre eigenen Lieder eher lahm sind, verstehen sie doch gute Lieder zu erkennen!"

Der Cavalliere hat sich nach dem reichlichen und genussvollen Essen relativ entspannt zurückgelehnt und ist den kulturellen Darbietungen ihrer Gastgeber mit großem Interesse und sehr aufmerksam gefolgt. Als Ingalf mit seiner Solodarbietung einsetzt, rollt er zwar kurz mit den Augen, spendet dem Thorwaler nach Beendigung seiner thorwalschen Sangeskunst dennoch gebührenden Beifall.

"Mein Kompliment, Freund Wedmannsson, Ihr habt ein beeindruckendes Stimmvolumen," gratuliert er ihm höflich zu seiner Darbietung.

'Andere Länder, andere Sitten …' sinniert er mit einem leichten Grinsen auf den Lippen.

Dann gähnt er und fährt fort: "Aber singen macht auch müde, ich glaube ich geh' bald in die Hütte schlafen!"

Randirion stimmt Ingalf zu. "Ihr habt recht, ein kleines Nickerchen würde auch mir jetzt gut tun." Er schaut sich nach Feizal um. "Was meint Ihr, wo wir hier übernachten werden? Ob uns Monsieur Feizal wohl seine Hütte zur Verfügung stellt?"

"Dann sollten wir ihn mal fragen!" meint Ingalf zu Randirion und dann ruft er Feizal: "Hey, wo können wir heute Nacht schlafen?"

"Vier Lagerstätten werden gerade in meiner Hütte bereit. Ich hoffe, dass euch das angenehm ist. Wenn ihr euch noch einen kleinen Moment gedulden mögt." Feizal scheint an alles gedacht zu haben.

"Ich für meinen Teil gehe jetzt zu Bett!" sagt Ingalf zu Randirion. "Kommst du mit oder willst du die Turteltäubchen stören?"

"Da ich das junge Glück nicht stören möchte, werde ich mich Euch anschließen," antwortet ihm Randirion mit einem leichten Grinsen. Er verbirgt ein vorgetäuschtes Gähnen hinter vorgehaltener Hand und schickt sich an, sich zu erheben.

Feizal räuspert sich auf einmal leicht verlegen: "Sagt einmal, meine Herren, ganz im Vertrauen. Habe ich irgend etwas gesagt oder getan, was euren Gefährten Frumol verärgert haben mag? Oder ist er immer so abweisend?"

Feizals Worte führen dazu, dass Randirion noch für einen Moment sitzen bleibt.

"Sag, Freund Feizal," setzt Ingalf ein als er die Geschehnisse des Tages überdenkt und vom Thema Frumol ablenken möchte, "da wir noch nicht in unsere Hütte kommen, habt ihr hier auf dem Baum irgendetwas mit dem wir bis dahin vielleicht noch unsere Waffen säubern könnten?"

"Was brauchst Du? Tücher? Öl? Eine Schleifstein hast Du doch sicher selbst, oder?" fragt Feizal verwundert.

"Aber sicher habe ich alles," flunkert Ingalf, "allerdings auf meinem Zossen und der steht im Kloster. Wenn du also so freundlich wärst uns Öl, Tücher und vielleicht auch 'nen Schleifstein zu leihen?"

Feizal bringt das Gewünschte und anschließend auch eine Wurzelbürste.

"Das ist ja super! Vielen Dank, bei Swafnir!" sagt Ingalf als der das Gewünschte erhält.

Während Feizal das Gewünschte beschafft, holt Ingalf seine Orknase aus der Hütte und beginnt dann das geronnene Blut und die Überreste der Riesenfliegen von den beiden Beilen zu putzen.

Beim Einölen der Waffen werden die feinen Ornamente auf den Blättern der Äxte wieder deutlich sichtbar.

Als Ingalf fertig ist, gibt er die Utensilien t an Randirion weiter und begibt sich zur Nachtruhe in die Hütte.

Randirion, dem es sehr recht war, dass Ingalf das Gespräch von Frumol ablenkte, greift ebenfalls nach den Pflegemitteln und reinigt sorgfältig seine Rapier von dem anhaftenden Blut. Mit einer leichten Verbeugung und einigen Worten des Dankes reicht er es an Feizal zurück und folgt Ingalf zu ihrem Nachtlager.

Feizal wünscht den beiden vor der Hütte freundlich eine gute Nacht.

In der Hütte angekommen, schaut er sich nach Feizal um, und, wenn dieser nicht sogleich folgt, sucht er noch ein kurzes Gespräch mit Ingalf.

"Freund Wedmannsson," beginnt er, während er sich eine der vier Lagerstätten aussucht, neben die er seinen Rucksack abstellt. "Ich würde vorschlagen, dass wir trotz der Freundlichkeiten, die uns dieser Monsieur Feizal und die Watabh entgegenbringen, uns nicht von unserer Wachsamkeit ablenken lassen und für die Nacht abwechselnd Wachen einteilen. Oder was meint Ihr?" Er lässt sich auf dem Lager nieder und schaut den Thorwaler fragend an.

"Jau, das wohl!" erwidert Ingalf, dann gähnt er herzhaft und mit einem breiten Grinsen dreht er sich in seinem Bett um und murmelt: "Ich mach die zweite Wache!"

Sekunden später ertönt ein sonores Schnarchen aus dem Bett.

Frumol und Sephyra

Frumol ist von der Anstrengung und des üppigen Mahls müde und sehnt sich nach ein paar Stunden Schlaf.

Zwar hat er noch einige Fragen, aber das Feizal sich seit ihrer Ankunft wenig auskunftsfreudig gezeigt hat - oder gar nicht so viel weiß wie er vorgibt - spricht ihn Frumol nicht weiter an.

Was sie herausgefunden haben ist schon eine Menge und gibt ihm Grund zur Hoffnung: Es muss ein zweites Portal geben, und zwar in der Nähe von Ameisen! Er ist sich sicher, dass sie es gemeinsam finden werden, egal ob mit oder ohne der Hilfe vom Feizal und den heimischen Baumbewohnern.

Auch Sephyra ist müde. Trotzdem ergreift sie erneut Frumols Hand und fragt gerade so laut, dass Feizal es hört: "Wollen wir vor dem Schlafen gehen noch einen kleinen Spaziergang machen und den herrlichen Abend ausklingen lassen?"

"Gerne", antwortet Frumol erfreut und schenkt ihr ein Lächeln.

Dabei erhebt sie sich langsam und in einem unbeobachteten Moment flüstert sie Frumol unauffällig zu: "Dann können wir uns vielleicht ungestört umsehen. Man weiß ja nie, aber Ortskenntnis wäre sehr hilfreich."

'Vielleicht können wir auch einfach mal allein sein?' überlegt Frumol. 'Aber warum nicht das Nützliche mit dem angenehmen verbinden?'

Und mit einem gewinnenden Lächeln und einer angedeuteten Verbeugung verabschiedet sie sich von Feizal und den in der Nähe sitzenden Watabh mit Frumol im Schlepptau.

"Bis später." Auch Frumol verabschiedet sich von den Gastgebern und seinen Gefährten. Er ergreift Sephyras Hand und schlendert mit ihr langsam zum Rand der Plattform.

Als die beiden aufstehen, werden die beiden gewahr, dass es mittlerweile dunkel geworden ist. Das ist deswegen nicht aufgefallen, da hier im Bereich der Hütten genügend Fackeln entzündet sind.

Feizal steht mit auf. "Ein kleiner Rindgang gefällig?" fragt er höflich.

"Ähh. Ja." antwortet Sephyra, ohne genau zu wissen, was Kühe damit zu tun haben. 'Ach ja, natürlich. Die ziehen auch planlos über die Weide …' fällt ihr ein.

"Wir kommen schon zurecht." meint sie und mit Frumol im Schlepptau entfernt sie sich von den anderen.

"Aber es ist dunkel." protestiert Frumol leicht. "Wir sollten Licht mitnehmen. Nicht das wir von irgendeinem Riesenvieh überrascht werden …"

"So so, ein Riesenvieh. Überraschen. Uns. Aha."

"Habt ihr eine Lampe für uns? Wir würden uns gerne die Beine vertreten." fragt er freundlich den Novadi und zwinkert ihm schelmisch zu.

'Außerdem ist Feizal denn hoffentlich nicht allzu misstrauisch, da er uns ja besser sehen kann.' hofft er.

Feizal ruft einem Watabh etwas zu, und nach kurzer Zeit kommen zwei der Eingeborenen mit je einer Fackel in der Hand angelaufen.

"Bitteschön!" sagt Feizal nur und lässt die beiden mir den Watabhs allein.

Als sie außer Hörweite sind, fragt sie: "Ist dir irgend etwas aufgefallen? Ich weiß nicht so recht, aber irgend etwas stimmt hier nicht." beginnt sie das Gespräch. Dabei schlendern die beiden Hand in Hand in Richtung Baumstamm, um die andere Seite der Plattform anzusehen.

"Hier stimmt einiges nicht." stimmt er ihr zu.

"Genau. Aber bei Phex! Ich kann nicht sagen, was mich hier stört. Und das stört mich!" antwortet sie ihm.

"Mir geht es genauso. Das ist alles irgendwie … seltsam." meint Frumol.

Die Watabhs warten diskret, dass Sephyra und Frumol in eine Richtung vorgehen.

"Lass uns zum Rand der Plattform gehen. Da ist nicht so viel los." schlägt Frumol vor und zieht Sephyra mit sich.

"Danke!" ruft Sephyra ihm hinterher und will gerade einem der beiden dessen Fackel aus der Hand nehmen, als sie die Erkenntnis wie ein Blitz trifft: 'Zwei Anstandsdamen!'

Zum Austesten wendet sie sich an die beiden und verbeugt sich zum Dank leicht: "Da ihr beide mich wohl nicht versteht, danke ich euch so. Wir kommen allein zurecht. Gebt uns jedem eine Fackel."

"Nein, lass sie ruhig mitkommen." entgegnet Frumol, gespannt darauf, ob die Watabh reagieren.

Ohne dass sie eine Hand hinhält wartet sie kurz, ob die beiden sie tatsächlich nicht verstehen. Denn dann könnten sie zumindest so tun, als würde sie mit Frumol nur "belanglose" Dinge und Persönliches austauschen, während sie sich umsehen. Und sollten die beiden sie von einem bestimmten Weg abhalten wollen, wüssten sie ganz genau, dass es dort etwas gibt, dass sich später anzusehen lohnen sollte. Allein. Ohne Fackel.

Die beiden Watabhs verstehen anscheinend kein Wort, denn nur ein freundliches Lächeln ist die Reaktion auf Sephyras Ansprache.

Am Rand angekommen schaute er nachdenklich in die Dunkelheit. Dann dreht er sich um und spricht die Watabh auf Garethi an: "He, kommt bitte beide näher."

Er wartet gespannt auf die Reaktion, denn wäre es nicht möglich, dass die Watabh ihn verstehen? Feizal lebt seit über sechs Jahren hier, und war sicher nicht der erste Fremde aus Aventurien. Warum sollte nur der Novadi die Sprache der Watabh gelernt haben, nicht auch andersherum.

Es gibt keine andere Reaktion als freundliches Lächeln.

Sollte der Watabh nicht reagieren, wiederholt Frumol seine Aufforderung auf Tulamidisch.

Daraufhin sagt einer der beiden Watabhs etwas in seiner eigenen Sprache.

Mit einer abschließenden Verbeugung zu den beiden dreht sich Sephyra zu Frumol um und legt ihren Arm um ihn. Dann lehnt sie ihren Kopf gegen seine Schulter und sagt leise: "Dann lass uns mal los schlendern. Offenbar sollen uns die beiden nur von Bereichen fernhalten, die wir nicht sehen sollen. Vielleicht sollten wir immer 'ziellos' an der Brüstung entlang gehen, bis wir hier wieder ankommen."

Und damit setzt sie sich langsam in Richtung weg von dem Platz des Feierns in Bewegung, immer am Rand der Plattform entlang.

Auch Frumol umarmt Sephyra. Es ist schön, sie endlich wieder einmal in den Armen zu halten.

"Komm lass' uns gehen", stimmt er ihr zu.

Er denkt weiter über die Watabh und ihre Sprache nach. "Meinst Du, es könnte noch jemanden geben, der ihre Sprache spricht?" überlegt er leise. "Feizal ist doch schließlich nicht der einzige Fremde. Oder könnte es unter den Watabh einen geben, der unserer Sprache erlernt hat? Schließlich hat auch Feizal dies geschafft."

Sephyra genießt den Spaziergang.

Auf Frumols Überlegungen antwortet sie nach kurzer Denkpause: "Schon möglich, allerdings weiß ich nicht, wer das sein sollte."

"Es wäre doch gut zu wissen, ob die Watabh mit dem übereinstimmen, was Feizal uns berichtet hat, oder?" fährt er fort, während sie langsam über die Plattform schlendern.

"Keine Ahnung." antwortet er. "Aber die Frage lautet eher: Wo finden wir ihn?"

"Ja, da hast du Recht. Aber ich glaube kaum, dass einer von uns die Sprache derart schnell lernen könnte, um das zu überprüfen. Und Jahre wollte ich hier eigentlich nicht zubringen." ergänzt sie.

"Ich will hier auch keine Jahre zubringen, doch dieser Feizal ist mit unheimlich. Irgend etwas stört mich an ihm."

Nachdenklich schlendern die beiden weiter. Unauffällig beobachtet Sephyra aufmerksam die Umgebung. Aber offenbar ist das hier genau das, was es zu sein scheint: Ein Dorf mitten auf einem Baum.

"Lass' uns zurückgehen, wenn wir nicht in ein paar Minuten noch etwas erspähen sollen. Ich bin müde." sagt sie schließlich zu Frumol und gähnt leicht.

Die Plattform geht um den ganzen Baum. Zwischendrin gibt Äste, die durch die Plattform wachsen. Die Watabh leuchten den beiden den Weg.

"Wie Du meinst." Frumol klingt ein wenig traurig.

Frumol kann seine Stimmung nicht vor ihr verbergen. So dreht sich sich zu ihm und nimmt sein Gesicht in beide Hände. Sie blickt in lange und eindringlich an. Ihre Augen wollen sagen: 'Ich weiß, ich weiß genau, was Du fühlst.'

Dann drückt sie ihm einen dicken Kuss auf, ohne sich um die Watabh zu kümmern und fragt: "Wollen wir zu den anderen zurück? Wenn Du Recht hast und irgendetwas nicht stimmt, sollten wir uns nicht solange fernhalten - so schön das auch sein könnte."

Ein Schmunzeln, das sich zu einem schelmischen Grinsen auswächst.

Dann lässt sie ihn los, gibt ihm einen Klapps auf den Allerwertesten und spurtet unvermittelt los: "Fang mich doch!" ruft sie ihm über die Schulter zu.

Frumol ist nicht nach solchen Spielen zu Mute, so dass Sephyra schon einen recht große Vorsprung hat, bevor er ihr hinterher trabt.

Sobald sie merkt, dass Frumol nicht darauf eingeht, bleibt sie stehen und wartet auf ihn. Ihre Enttäuschung lässt sie sich aber nicht anmerken.

Zusammen gehen sie dann zurück zu Ingalf und dem Kawaljere.

Die beiden kleinen Watabh kommen hinterher gekeucht.

Darauf nimmt Sephyra keine Rücksicht …

Frumol lächelt sie an. "Danke, ihr könnt jetzt auch schlafen gehen", verabschiedet er sie, bevor er die Hütte betritt.

Als Frumol und Sephyra die Hütte betreten, finden sie die Lager bereitet. Ingalf schläft bereits, wie man seinem Schnarchen entnehmen kann, Randirion wacht.

Leise, um Ingalf nicht zu wecken, geht Sephyra zum Kawaljere hinüber und flüstert: "Habt Ihr etwa auf uns gewartet?"

Randirion, der auf seiner Schlafstätte sitzend den Eintretenden entgegen schaut, lächelt ihr zu und antwortet galant: "In gewisser Weise schon, Madame Lunos. Wäret ihr nicht in absehbarer Zeit erschienen, hätte ich gewiss nach Euch und Meister Pellocke aus Besorgnis Ausschau gehalten."

Dabei sucht sie sich ein freies Lager aus und setzt sich. Mit einem Blick auf Ingalf stellt sie fest, dass dieser nicht mal die Stiefel ausgezogen hat. Sie entscheidet sich daher ebenfalls für eine 'aufbruchfreudige' Schlafhaltung und lässt ebenfalls Stiefel und Kleidung an. Lediglich das Rapier zieht sie heraus und legt es griffbereit neben sich, aber so, dass es nicht gleich zu sehen ist und es ihr nicht wegzunehmen ist, ohne dass sie dadurch geweckt würden.

Dann legt auch sie sich hin und mit einem tiefen Luftholer entspannt sie sich leicht und flüstert: "Gute Nacht!" - 'Obwohl, Ingalf schnarcht so laut …'

Durch Frumols und Sephyras Ankunft und Gespräch im Schlaf leicht gestört - aber nicht wach geworden - dreht sich Ingalf auf die andere Seite und das Schnarchen wird deutlich leiser.

"Hältst Du Wache, oder kannst Du nicht schlafen?" fragt er Randirion.

Nachdem der Cavalliere Sephyras Frage beantwortet hat, entgegnet er Frumol: "Herr Wedmannsson und ich haben uns kurz abgesprochen, dass wir besser abwechselnd Wache halten sollten. Die Leute hier sind zwar ausgesprochen freundlich, doch eine gewisse Vorsicht erscheint uns angebracht. Ihr könnt dann die dritte Wache übernehmen, wenn Euch das recht ist."

"Und, wo schläft Feizal?" fragt er weiter, nachdem er dessen Schlafstätte nicht ausfindig machen kann.

Randirion schaut sich um und sein Blick fällt auf die abgeteilte Ecke.

"Möglicherweise dort hinten," weist er mit einer Kopfbewegung darauf hin.

"Wir sollten morgen einmal den Anführer der Watabh besuchen." überlegt er, während er sich bettfertig macht. "Die Watabh werden doch sicherlich einen Häuptling oder König haben. Was meint ihr? Oder hat Feizal diese Rolle übernommen?"

Randirion überlegt einen Moment. "Hätte nicht bei der Begrüßungsfeier der Anführer der Watabh anwesend sein sollen, wenn es denn einen gäbe? Mir zumindest ist niemand aufgefallen. Es ist zu vermuten, dass dieser Monsieur Feizal hier unter den Eingeborenen die Position eines Anführers übernommen hat, da sie sich seinen Anweisungen fügen."

"Gute Nacht!" wünscht er und gibt Sephyra noch einen Kuss, bevor er sein Lager etwas näher an Sephyra heran rutscht und sich niederlegt, die Waffen griffbereit. Er schließt die Augen, doch kann er nicht einschlafen. Zuviele Gedanken über diese seltsame Situation gehen ihm durch den Kopf.

"Gute Nacht und angenehme Ruhe," wünscht ihnen Randirion und macht es sich, soweit es geht, bequem. Balestrina und Rapier griffbereit lauscht er auf die Geräusche der Nacht und die der Schlafenden. Nach ein paar Stunden wird er dann Ingalf zur zweiten Wache wecken.

Das denkt Randirion noch, als am nächsten Morgen alle Schlafenden durch ein fröhliches "Guten Morgen, Rastullah beschütze euren Tag!" von Feizal aufgeweckt werden.

"Mensch, Randirion," meldet sich Ingalf grinsend, "sooo lange solltest Du doch gar nicht Wache schieben!"

Dann nimmt er seine Sachen auf und tritt vor die Hütte.

Randirion schreckt aus seiner sitzenden Position, in der er eingenickt war, auf. "Wie? Wo … entschuldigt, ich muss wohl …," entfährt es ihm verschlafen. Peinlich berührt wünscht er allen einen guten Morgen und verrichtet seine Morgentoilette an den mit Wasser gefüllten Blütenblättern. Anschließend nimmt er seine Waffen auf und folgt Ingalf vor die Hütte.

Sephyra schlägt die Augen auf und stellt fest, dass sie erstaunlich gut geschlafen hat. 'Na offenbar hatte ich das sehr nötig.' denkt sie verwundert.

Auch sie erhebt sich und streckt die Arme weit von sich. Ihr Gähnen ist nicht zu überhören. Dann erfrischt sie sich aus den "Wasserblüten" und trocknet Gesicht und Hände.

Ganz langsam verblasst die Dunkelheit um Frumol. Es ist als würde er langsam aus den Tiefen eines Sees an die die Oberfläche aufsteigen.

Die Worte dringen an sein Ohr, doch im ersten Moment kann er sie nicht verstehen, erst allmählich erschließt sich ihm der Sinn des Gesagten.

Er wagt es noch nicht, die Augen zu öffnen, aus angst vor dem hellen Tageslicht.

'Sollte er nicht Wache halten?' Träge bahnt sich dieser Gedanke einen Weg durch seinen Kopf.

'Wie lange habe ich geschlafen?' Auch dieser Gedanke quält sich langsam vorwärts.

Die Geräusche um ihn herum werden lauter. Jemand spricht mit dröhnender Stimme: Ingalf.

Auch der Kavaljäre scheint wach zu sein. Und Sephyra.

Vorsichtig öffnet er ein Auge um sich an die Helligkeit außerhalb des Körpers zu gewöhnen. Langsam richtet er sich auf. Ein gemurmeltes "Hmm" ist seine einzige Antwort auf die allgemeinen Begrüßungen.

Müde reibt er sich die Augen und wuschelt sich durchs Haar, bevor er sich ausgiebig streckt und anhalten gähnt.

Mit trägen Bewegungen und halb geschlossenen Augen quält er sich von seinem Quartier und zieht sich umständlich die Stiefel an. Sein Hemd steckt er achtlos in die Hose.

Er schielt zu den Blüten mit Wasser hinüber, brummt kurz vor Unmut und trottet zu ihnen hinüber, um sich ein wenig Wasser ins Gesicht zu spritzen. Er reibt sich noch einmal den Schlaf aus den Augen und versucht erfolglos seine Haarpracht zu bändigen, bevor er noch einmal ausdauernd gähnt.

Anschließend ergreift er seine Waffen, welche er sich mit geübten Griffen umgürtet und verlässt als letzter das Quartier.

Anschließend steckt sie das Rapier an seinen Platz zurück und tritt zu Ingalf: "Moin, alter Seebär!" begrüßt sie ihn.

"Moin, Moin, Käptn!" erwidert Ingalf, der nach dieser Nacht wieder Bäume ausreißen könnte - sogar den auf dem stehen, und grinst Sephyra an: "Na, gestern Abend auch nicht verlaufen?"

"Nein." Das Schmunzeln in Sephyras Gesicht macht sie derart 'unschuldig', dass Ingalf es schon fast nicht mehr für wahr hält …

"Alles ganz ruhig." erklärt sie kurz. "Wir hatten ja 2 'Aufpasser' mit Fackeln, die uns den Weg leuchteten."

"So, wo gibt's jetzt Frühstück?" fragt er Feizal, nachdem er sich umgesehen hat.

"Bitteschön!" Feizal weist nach rechts, wo Obst und Brot, Wasser und Tee bereit stehen.

Wie auch schon am Abend vorher greift Ingalf ungeniert zu und isst sich ordentlich satt.

Nach dem erholsamen Schlaf, den er anscheinend nötig hatte, ist auch Randirion wieder hungrig geworden und betrachtet erfreut die Speisen und Getränke. Er setzt sich neben Ingalf, gießt sich Tee ein und nimmt vom Brot und den verschiedenen Obstsorten eine angemessene Portion, die er genüsslich verzehrt.

Auch Frumol setzt sich und greift mechanisch nach Brot und Obst. Noch immer halb verschlafen kaut er langsam ohne die verschiedenen und fremden Geschmacksrichtungen wirklich wahrzunehmen.

"Hmm." macht Sephyra, hat sie doch richtig Appetit (und auch Hunger). Sie greift zu und nimmt von Obst und Brot. Dazu trinkt sie Tee. Mit vollem Mund und halb kauend fragt sie Feizal: "Und nun, zeigt Ihr uns den Weg hinab?"

"Geduld, Geduld, Rose des Nordens!" Feizal klingt fast ein bisschen wehmütig. "Gleich werde ich euch den Abstieg zeigen."

Während des Essens beobachtet er aufmerksam die Umgebung und sinniert über Frumols Frage gestern Abend nach einem Häuptling nach. Als Sephyra und Feizal auf den weiterer Abstieg zu sprechen kommen, meint er, an Feizal gewandt: "Bevor wir weiter ziehen, wäre es doch gehörig, sich von dem Stammesführer dieser überaus gastfreundlichen Baumbewohner zu verabschieden. Ihr habt es bisher versäumt, uns diesem vorzustellen. Werden wir noch mit ihm zusammentreffen oder sitzen wir ihm gar unwissend gerade gegenüber und teilen dies köstliche Frühstück mit ihm?"

Fragend schaut er den Novadi an.

Bei dieser Frage spitzt er die Ohren. Offensichtlich hat er sich nicht als einziger Gedanken gemacht, und wartet gespannt auf die Antwort.

Auf Randirions Frage hin wird Sephyra hellhörig: 'Sieh an, sieh an! Ziemlich geschickt vom Kawaljere!' muss Sephyra anerkennen, sagt aber nichts und frühstückt weiter. Nach den ersten Bissen wandert jedes zweite Stück Brot nicht mehr sofort in den Mund, sondern wird eindringlich betrachtet und erst dann verspeist.

Feizal kratzt sich am Kopf: "So etwas wie einen Stammesführer gibt es hier nicht. Die Funktion habe tatsächlich wohl ich hier übernommen. Aber wenn Du etwas spezielles sagen möchtest, kann ich den Ältesten und die Älteste gerne nach dem Frühstück her bitten."

Randirion schaut kurz seine Gefährten an und entgegnet dem Novadi höflich: "Dann darf ich Euch wohl zu dieser Position gratulieren und Euch meinen zutiefst empfundenen Dank für Eure Gastfreundschaft aussprechen! Und es wäre mir und meinen Gefährten durchaus eine große Ehre, die beiden Ältesten dieses Stammes kennenlernen und, vorausgesetzt Ihr seid uns dabei behilflich, da wir ihrer Sprache nicht mächtig sind, ein paar freundliche Worte mit ihnen wechseln zu dürfen."

Der Cavalliere nickt Feizal freundlich und auffordernd zu. Vielleicht besteht ja die Hoffnung, dass sich die beiden Ältesten des Stammes an ein zweites Tor und seine Lage hier in dieser seltsamen Welt erinnern …

"Das lässt sich einrichten", entgegnet Feizal ganz würdevoll.

Sephyra nickt.

An einen der Watabh gewandt zeigt Sephyra ihm ein Stück Brot und holt ein Tuch hervor, in das sie das Brot provisorisch einwickelt und so tut, als wolle sie es in die Tasche stecken. Dazu sagt sie langsam: "Essen.

Mitnehmen. Ja?" und hofft, dass der kleine Kerl versteht, dass sie Reiseproviant haben möchte.

Der junge Watabh schaut fragend zu Feizal. Der meint nur an Sephyra gewandt: "Packt Dir soviel ein, wie Du möchtest." Er scheint noch etwas sagen zu wollen, lässt es dann aber.

"Danke." antwortet sie, an beide gerichtet.

Sobald sie satt ist, sucht sie sich ein paar besonders schöne, aber noch feste Früchte heraus und nimmt sich reichlich Brot. Den entstehenden Haufen wird sie anschließend nach dem Frühstück in ihren doch recht leeren Brotbeutel und dann in den Rucksack verpacken, um für unterwegs einen kleinen Vorrat zu haben.

Auch ihren Wasserschlauch wird sie mit frischem Wasser füllen, bevor es endgültig los geht und sie den Baum verlassen.

Vorher geht es allerdings noch zu den Dorfältesten.

Als Ingalf sich dann ein wenig bewegt, stellt er fest, dass der Schmerz im Bein, der ihn am Vortag soviel zu schaffen machte gänzlich verschwunden ist. Er schaut sich die Wunde an und stellt mit Entzücken fest, dass dort nur noch eine leicht rosa gefärbte Narbe zurückgeblieben ist.

Freude strahlend wendet er sich an Feizal: "Also eins muss man deinen Watabh lassen, sie verstehen was vom Wunden heilen!"

'Ich hoffe, dass nimmt mit Frumol jetzt nich übel, sein Verband war auch gut, aber so schnell alles verheilt - das ist doch sensationell!

Mit einem Blick auf ihren Arm stellt sie fest, dass bis auf etwas Schorf über den Kratzspuren die Wunde gut verheilt ist. "Wie ich sehe ist auch deine Wunde gut verheilt." merkt sie mit einem Blick auf Ingalfs Bein an. "Da kannst Du ja endlich wieder richtig klettern. Das ist gut für unseren Abstieg heute, nicht wahr?"

"Das wohl!" brummelt Ingalf. "Aber ich hoffe, dass wir bald unten sind, irgendwie liegt mir das Klettern bei allem was höher ist als ein Mast nicht so sehr."

Dann wartet er, dass Frumol sein Frühstück nimmt und staut mit was die Watabh so ihr Tagwerk verrichten. 'Viel zu tun, werden die hier ja nich' haben, der Baum liefert alles.'

Es sind nur ein paar Frauen, Kinder und alte Männer da, die alle das machen, was Frauen, Kinder und alte Männer üblicherweise so machen. Die jungen Männer scheinen alle unterwegs zu sein.

Nach abgeschlossenem Frühstück werden die Reisenden zu einer der Hütten geführt. Davor sitzen zwei - geht man nach ihren Falten im Gesicht - uralte Watabh. Nach einer freundlichen Begrüßungszeremonie, zu der Feizal durchaus gekonnt übersetzt, schauen sie die vier Gäste erwartungsvoll an.

Würdevoll, denn das Alter sollte man überall respektieren, verbeugt sich Sephyra. Da sie die Kultur der Watabh nicht kennt, aber mit den Tulamiden und Novadis schon etwas zu tun hatte und Feizal hier sicher etwas Einfluss hatte, hält sie sich zunächst zurück und nimmt sich vor, lieber aus dem Hintergrund still zu beobachten.

Auch Frumol verneigt sich höflich vor den Alten. Ebenso wie Sephyra hat er vor sich im Hintergrund zu halten und Randirion das Reden zu überlassen. Aufmerksam mustert er Feizal und die Alten.

'Schließlich war es die Idee des Kawaljere, hierher zu gehen. Soll er auch reden!' ist ihr Motto.

Der Cavalliere wart während der Begrüßungszeremonie eine respektvolle Haltung. Mit einer gekonnt höfischen Verbeugung erbringt er den beiden Stammesältesten seine Hochachtung, bedankt sich bei Feizal mit einem gebührenden Kopfneigen und bringt dann sein Anliegen vor, hoffend, dass der Novadi seine Worte in seinem Sinne übersetzt. "Im Namen meiner Freunde möchte ich Euch für die ausgesucht freundliche Aufnahme in eurer Dorfgemeinschaft danken. Widrige Umstände verschlugen uns in diese Welt und wir wagten nicht zu hoffen, hier auf eine Kultur zu stoßen, die uns mit einer derartigen Gastlichkeit aufnehmen würde. Dafür würden wir uns gern erkenntlich zeigen, gleichwohl es nicht viel ist, was uns mitzubringen möglich war. Ich hoffe dennoch, diese kleine Aufmerksamkeit wird Euch erfreuen und uns in guter Erinnerung bewahren."

Mit diesen Worten holt er eines seiner rüschenbesetzten und mit dem Monogramm "RyC" versehenen, strahlend weißen Herrentaschentücher hervor und überreicht es mit einer weiteren, respektvollen Verbeugung den beiden Ältesten.

Feizal übersetzt. Allerdings fällt allen auf, dass Feizals rede deutlich kürzer als Randirions ist. Die Reaktion der beiden Alten ist freundlich.

Sie nehmen das Präsent gern an.

Sollten diese sein Präsent annehmen, wird er seine Rede mit folgenden Worten fortsetzen: "Angesichts der Weisheit, Erfahrung und Erinnerung an viele Jahrzehnte, der mir ins Antlitz zu blicken vergönnt ist, bitte ich um die Erlaubnis, eine Frage stellen zu dürfen, die für uns von großer Wichtigkeit ist. Monsieur Feizal berichtete uns, dass Euer Volk mit der Aufgabe betraut ist, das Tor zu bewachen, durch welches wir zu Euch gelangten. Nun suchen wir nach dem Rückweg in unsere eigene Welt und wir vermuten, und hoffen, dass sich ein weiteres Tor hier befinden muss. Ist Euch etwas darüber bekannt, das uns einen Hinweis geben würde, wo wir dieses finden könnten?"

Respektvoll, aber auch erwartungsvoll, blickt Randirion mit leicht geneigtem Haupt die beiden Ältesten an und hält für einen Moment den Atem an.

Hier dauert Feizals Übersetzung etwas länger. Es antwortet der Mann. Die beiden machen ein bedauerndes Gesicht. Feizal übersetzt: "Von einem zweiten Tor der Mächtigen wissen die beiden nichts. - Das habe ich sie auch schon gefragt, aber ihr habt recht, man soll immer direkt die Quellen befragen."

In diesem Moment sagt die alte Frau noch etwas. "Es ist allerdings überliefert, dass die Mächtigen ihr Dorf am Fuße der Berge gehabt haben sollen", übersetzt wieder Feizal und kommentiert: "Na, dann wisst ihr wenigstens, wo ihr euch fressen lässt."

Randirion scheint Feizals Kommentare zu überhören und wendet sich wieder an die beiden Ältesten. "Ich danke Euch vielmals für diese wertvolle Information. Mögen die Zwölf ihre schützenden Hände über euch halten und euch ein weiterhin angenehmes Leben schenken."

Mit einer galanten Verbeugung tritt er zurück und warte, bis Feizal mit seiner Übersetzung fertig ist, bevor er sich an diesen wendet. "Auch Euch gilt unser Dank, Monsieur Feizal. Da wir nun wissen, wohin wir uns wenden müssen, frage ich Euch, wollt Ihr uns nicht doch begleiten und in die Heimat zurückkehren?"

"Nein danke, Freund der geschliffenen Rede. Solltet ihr wirklich ein zweites Tor finden, womit ich nicht rechne, schickt mir doch einfach eine Nachricht durch das bekannte Tor." Feizals Entscheidung scheint endgültig.

'Hmm. Interessant.' überlegt Sephyra. 'Ein Dorf am Fuße der Berge. Wenn hier nicht an allen Seiten Berge zu sehen sein sollten, dürfte damit wenigstens die Richtung für unseren Marsch durch die Wildnis klar aufgezeigt sein. Das ist doch schon mal was.'

Lediglich ihr zufriedenes Gesicht zeigt, dass sie die Rede verfolgt hat. Ansonsten hält sie sich weiter zurück.

'Hmm,' Ingalf denkt scharf nach und sieht sich auf der Plattform um, 'also die Sonne geht dahinten auf und ist gestern Abend auf der Seite untergegangen. Hmm, gestern von der Plattform stand die Sonne, äh, na ungefähr da, die Berge - die wir sehen konnten - müssten also, hmm, … äh, … ja, das wohl!'

"Also, wenn ich mich recht orientiere, dann müssen wir von hier aus wohl nach Norden, wenn es hier genauso heißt wie zu Hause, denn da haben wir gestern die Berge gesehen!" teilt er seinen Gefährten das Ergebnis seiner Überlegungen mit.

"Dann lasst uns nicht lange zögern, sondern unser Gepäck holen," antwortet Randirion dem Thorwaler und fragt gleich darauf den Novadi: "Monsieur Feizal, Ihr wollte uns doch den Abstieg zeigen. Wir wären dann soweit."

Es drängt ihn, den neuen Hinweisen nachzugehen, um endlich den Heimweg zu finden.

Da Feizal nichts dagegen hatte, dass sich Sephyra mit weiterem Proviant verpflegt, wird er sich vor dem Aufbruch ebenfalls bisschen Proviant einpacken und dann sein Gepäck holen. Kurz überprüft er ob noch alles vorhanden ist.

Die Reisenden schultern ihr Gepäck und es beginnt die dritte Etappe des Abstiegs vom Baum.