Der Trampelpfad führt eine zeitlang am Fluss entlang, verlässt ihn dann aber, als das Flussufer immer sumpfiger wird. Und er wird immer dünner.

Irgendwann zuckt auch Edric, der ganz offensichtlich am geübtesten darin ist, Spuren zu lesen, die Achseln: "Keine Ahnung, wo wir weiter langlaufen sollen."

"Erinnere ich mich richtig an die Erzählung der alten Watabh über das Dorf der …  wer-auch-immer …, dann sollten wir uns auf die Berge zu wenden. Außerdem werden wir sonst bald an die Stelle kommen, wo die großen Riesenameisen auf ihre Jungtiere starren …" ergänzt sie überflüssigerweise.

"C'est vrai," meldet sich nun Randirion zu Wort. "Wir sollten in der Tat den Fluss verlassen und uns in Richtung der Berge halten. Eigenartig erscheint es mir jedoch, dass auf dieser Flussseite von der Brücke aus kein Weg zu diesem Dorf der Mächtigen weiterzuführen scheint," fügt er nachdenklich hinzu.

Auf die Riesenameisen geht er nicht weiter ein, seiner Meinung nach haben sie die weit hinter sich gelassen, flussaufwärts. Der Blick des Cavalliere schweift kontrollierend über die Hügellandschaft.

Auf den Hügel ist nichts zu sehen, was vermuten lässt, dass hier irgendwo ein Dorf liegt. Ein paar Vögel sind in der Luft, es scheinen aber keine Rieseninsekten dabei zu sein. Randirion will seine Aufmerksamkeit schon wieder seinen Gefährten zuwenden, da wird er von einer Bewegung auf an einer Hügelflanke abgelenkt. Er schaut noch einmal genau hin.

Tatsächlich, da hinten scheint eine Riesenameise über die Flanke eines Hügels zu kriechen.

"Mon Dieu!" entfährt es dem Cavalliere. "Riesenameise voraus!" ruft er seinen Gefährten zu. Randirion kontrolliert seine Balestrina und macht sie schussbereit. Leicht erhoben hält er sie in der Linken und beobachtet, welche Richtung das Rieseninsekt einschlägt.

Auf Frumol schaut in die angegebene Richtung. Er hält die Ameise jedoch noch nicht für eine Bedrohung.

Sephyra zuckt zusammen und sucht sofort die Umgebung nach der Ursache für Randirions Erregung ab. Mit der Hand beschattet sie ihre Augen und hat nach Orientierung an Randirions Richtung schnell die Ameise entdeckt.

"Ich schlage vor, wie verhalten uns ruhig und versuchen, sie zu umgehen." meint sie. "Ich habe da ein ganz mieses Gefühl! Nicht dass es hier noch ein Nest in der Nähe gibt: bereits 3 erwachsene und 2 Jungtiere. Eujeujeu." entfährt es ihr.

"Find' ich auch." stimmt ihr Frumol zu.

"Und da es hier sowieso keinen Weg mehr gibt, sollten wir in Richtung Berge unser Glück versuchen. Wenn Phex uns beisteht finden wir bald unser Ziel." fügt er noch hinzu.

Die Ameise befindet sich außer Schussweite Randirions. Allerdings würde ein Weg Richtung Berge ziemlich genau an der Ameise vorbeiführen. Und jetzt gerät die Ameise außer Sicht.

"Lasst sie uns umgehen. Wo eine Ameise ist, sind meist noch mehr. So ist es jedenfalls bei den 'normalgroßen' Exemplaren bei uns zu Hause immer gewesen."

Offenbar gefällt Sephyra die Vorstellung, hier eine ganze Kolonie dieser Tiere zu finden, überhaupt nicht.

"Einverstanden" grinst Frumol und marschiert los. In sicherer Entfernung versucht er die Ameise und mögliche weitere Exemplare zu umgehen.

Anschließend hält er auf die Berge zu und hält Ausschau nach einem Dorf.

Der Weg Richtung Nordosten gestaltet sich kurvenreich, da immer wieder unvermittelt Ameisen auftauchen. Die Helden werden dadurch Richtung Nordwesten abgedrängt. Ein Dorf ist weit und breit nicht zu erkennen.

Nach einem halben Tag wird es wieder möglich nach Nordosten zu gehen.

Das Ameisengebiet bleibt zurück.

Als Frumol sich zum ungezählten Mal umschaut, diesmal auf einer besonders hohen Hügelkuppe, sieht er im Südosten, also im gerade umgangenen Gebiet, ein Glitzern.

"Da ist etwas!" entfährt es ihm.

Sephyra schaut sich ebenfalls um. In die angegebene Richtung sieht sie auf Frumols Ausruf hin.

Edric schaut in die Richtung in die Frumol schaut und bestätigt: "Ja, da ist etwas. Irgendetwas glitzert da. Ich kann aber nicht mehr erkennen. Du vielleicht?"

"Aber was ist da?" fragt sie. "Könnte das wieder der Fluss sein, der dort eine Biegung macht, die wir vorhin umgangen haben? Vielleicht ist es aber auch ein anderes Gewässer." überlegt sei weiter.

"Nein, das kann es nicht sein", entgegnet Edric. "Ein Gewässer müsste tief zwischen den Hügeln sein, und der Fluss ist doch viel weiter südlich."

Randirion, der sich ebenfalls auf Frumols Ausruf hin umgedreht hat, schattet seine Augen mit der rechten Hand ab und blickt nach Südosten. Aber trotz aller Anstrengung kann er von einem Glitzern nichts sehen.

"Ich kann nichts erkennen," erwidert er achselzuckend. "Aber wir sollten es uns vielleicht doch näher ansehen, wer weiß, wo genau sich dieses Tor oder ein Tempel befinden."

"Dann lass uns nicht zu lange warten, sonst wird es noch dunkel." greift Frumol den Vorschlag auf und macht sich schon auf den Weg.

Er versucht, so gut es geht, sich die Richtung zu merken, denn das Glitzern verschwindet, als die Gruppe die Hügelkuppe verlässt.

Nach kurzer Zeit wird allen deutlich: Das Glitzern kommt aus dem Gebiet, wo die Ameisen sich bevorzugt aufhalten. Eine Konfrontation wird fast unvermeidlich sein. Drei Ameisen sind momentan im Blickfeld: Eine voraus in Richtung auf das geschätzte Ziel, eine etwas weiter links, die dritte querab rechts. Bislang scheinen die Ameisen aber noch nicht aufmerksam geworden zu sein.

Von diesen Aussichten ist Frumol nicht allzu sehr begeistert.

'Erst sind es nur drei Ameisen, und dann der ganze Stock …' erinnert er sich an Erfahrungen mit den kleinen Ameisen.

'Na toll!' denkt sich Sephyra. "Wisst ihr, was ich vermute?" beginnt sie nach kurzer Überlegung. "Im Kloster war diese Ameise durch das Tor gekommen. Was also liegt näher, als dass auch hier die Ameisen nahe dem Tor leben, das uns zurück nach Hause führt? Denn ich glaube kaum, dass die Ameisen einfach so durch die Gegend laufen, um weit entfernt ein Tor zu durchqueren. Was meint ihr? Ich glaube, wir sind hier richtig." ergänzt sie.

'Nur leider müssen wir dann auch durch die Ameisenhorde hindurch.' ihr Gesicht verfinstert sich bei diesem Gedanken deutlich, ohne dass sie jedoch den Gefährten den Grund für ihren Missmut mitteilt.

"Das ist möglich." überlegt Frumol.

Mit besorgtem Gesicht stimmt Randirion ebenfalls zu.

"Ich fürchte, Ihr habt recht, Madame Lunos," lässt er verlauten. "Malheureusement könnten sich diese Tierchen jetzt bevorzugt dort aufzuhalten, wo wir das Ziel unserer Suche vermuten."

"Doch bei so vielen Ameisen wird es schwierig da durch zu kommen. Vielleicht sollten wir es bei Dunkelheit versuchen." schlägt er vor.

"Aber was ist, wenn die Vermutung falsch ist?" gibt er zu bedenken.

"Ich denke aber nicht, dass wir dort ein Dorf finden. Es ist kein Rauch zu sehen. Wir sollten zuerst das Dorf suchen, die Watabh können uns sicher weiterhelfen." schlägt er vor.

Der Cavalliere atmet tief durch und hält seine Balestrina schussbereit, während er die Ameisen nicht aus den Augen lässt.

"Wir sollten vielleicht versuchen, wenigstens heraus zu bekommen, was da das Glitzern verursacht. Bei Dunkelheit werden wir nicht viel erkennen können.

Möglicherweise ist es das Dach eines Tempels. Von der Brücke aus führte auf dieser Flussseite kein Weg weiter und es wäre daher auch möglich, dass es hier kein bewohntes Dorf mehr gibt."

"Das wohl!" lässt sich Ingalf vernehmen. "Ich glaub' wir sollten uns sputen, um zu dem Glitzern zu kommen! Und wenn uns dabei Ameisen innen Weg kommen, nun …" Ingalf macht eine eindeutige Bewegung mit seiner Orknase "… dann werden sie in den Niederhöllen weiterlaufen!

Also los, sonst verdaddeln wir noch den Rest des Tages!"

'Phex steh' mir bei - worauf habe ich mich da nur eingelassen?' fragt sich Frumol ein wenig die Augen verdrehend.

"Wie Du meinst", antwortet er kurz angebunden. Da es ein schneller Marsch sein wird, nimmt er noch einen Schluck aus seinem Wasserschlauch und beißt einmal kräftig von dem mitgenommenen Proviant ab. Dann überprüft den Sitz seines Rucksacks. Um sich nicht zu behindern, wird er die Hände weiterhin frei behalten.

Edric, der Frumol aufmerksam zugeschaut hat, nimmt auch einen Schluck.

Dann packt er seinen Stab mit beiden Händen fester. Er ist offensichtlich bereit, wartet aber ganz klar darauf, dass jemand vorgeht.

Auch Sephyra prüft den Sitz des Rucksacks. Bei der Aussicht, nicht nur gegen eine Ameise auf stark begrenztem Raum, sondern gegen vermutlich unzählige Ameisen auf einer weiten Ebene oder in leichtem Hügelland kämpfend anzutreten, sträuben sich ihr die Nackenhaare.

"Glaubst Du wirklich, dass wir einen Kampf riskieren sollten?" fragt sie Ingalf ungläubig. "Wir sollten zusehen, so etwas zu vermeiden. Von daher wäre ich schon eher für den Vorschlag, bei Nacht weiter zuziehen, da Ameisen ja wohl entweder tagsüber oder nachts aktiv sind. Diese scheinen tagaktiv zu sein. Andererseits: je eher wir hier wegkommen, um so besser!" unterstreicht sie ihre Meinung und sieht sich hilfesuchend nach Frumol um.

"Wenn wir sie vorsichtig umgehen und uns nicht direkt nähern, werden wir von ihnen bestimmt auch nicht als Gefahr eingestuft und in Ruhe gelassen. Bestimmt." wiederholt sie nachdenklich.

"Denn man tau. Oder wie sagst Du immer, Ingalf?" lange kann Sephyra nicht in griesgrämiger Stimmung sein, also sucht sie immer die schönen und guten Seiten des Lebens.

"Eh bien, Madame Lunos", beschließt Randirion die Diskussion, "wir haben sicherlich nicht vor uns diesen Bestien zum Fraß vorzuwerfen, aber wir sollten bei dem Umgehen nicht unser Ziel aus den Augen verlieren und außerdem ist Aufgeben für einen horasischen Adligen keine Option!"

Mit diesen Worten schiebt er sich seinen Hut zurecht, prüft die Verteilung der Last seines Rucksacks und den lockeren Sitz seines Rapiers, nimmt die Balestrina in die Linke und stapft voran.

Ingalf folgt ihm, die Orknase in beiden Händen haltend.

Vorsichtig versuchen die fünf, ihr Ziel zu erreichen und gleichzeitig den jetzt immer häufiger auftauchenden Ameisen auszuweichen. Und es gelingt überraschend lange.

Als die Gruppe wieder einmal eine Hügelkuppe besteigt, um sich einen Überblick zu verschaffen, wird allen klar, dass ihr unmittelbares Ziel erreicht ist. Hinter der Hügelkuppe geht es senkrecht hinab, mehr wohl 20 Schritt, und unten liegt ein Kessel von höchsten 50 Schritt Durchmesser, der nur von Südosten aus zugänglich ist.

Im Kessel befindet sich ein pyramidenförmiges Bauwerk aus einem schwarz glänzenden Material. Die Spitze ist so hoch wie der Kessel tief ist, befindet sich also auf Augenhöhe mit der Gruppe. Die Pyramide hat auf der dem Talausgang zugewandten Seite eine halbkreisförmige mannshohe Öffnung. Rund um die schwarze Pyramide befinden sich einige verfallene Gebäude.

Eigentlich ist es jetzt ganz einfach: Nach links den Hügel hinab gehen, so weit, bis man zum Zugang zum Talkessel kommt. Und dann dem Zugang bis zur Pyramide folgen.

Es gibt nur ein Problem. In den Talkessel hinein und wieder heraus bewegt sich ein Strom von Riesenameisen, zu einem Höhleneingang bzw. von ihm weg, der sich hinter der Pyramide in einer Felswand befindet.

Frumol bestaunt den Talkessel und das Bauwerk aus dem glänzenden Schwarz und die Unmengen von Ameisen, die dort emsig ihrem Tagewerk nachgehen.

"Das ist also unser Ziel", sagt er nach wenigen Augenblicken. "Hat einer von Euch eine Idee, wie wir dort unbeschadet hinkommen?"

"Excellent!" sagt Randirion, "Wir sind am Ziel! Jetzt müssen wir nur noch zu dieser Öffnung und - mit Hesindes Segen - sind wir zurück bei den Mönchen!"

Randirion versucht die Möglichkeit abzuschätzen sich durch Abseilen dem Eingang der Pyramide zu nähern, ohne mit den Ameisen in Berührung zu kommen.

Ingalf zieht die Augenbrauen zusammen: "Das wohl! Unser Ziel ist da, aber die Viecher auch! Und das sin' man mehr als wir!"

"Hm, Abseilen …" überlegt Sephyra laut. Sie besieht sich die Pyramide und die Umgebung sowie die jeweiligen Abstände genau. Schließlich ist sie Expertin für solche Aktionen!

Die Abstände sind so groß, dass es nur durch Ausprobieren festzustellen ist, ob Sephyras beide Seile zusammen geknotet ausreichen würden, die Entfernungen zu überbrücken.

Sicherheitshalber holt Sephyra gleich die Seile hervor und beginnt damit, sie zu verknoten.

Nach eingehender Betrachtung: "Und wenn wir versuchen, hinüber auf die Spitze der Pyramide zu gelangen, dann abseilen bis direkt vor das Tor. Schwupps hinein! und dann den Eingang von innen verbarrikadieren?" stellt sie ihre Idee in den Raum. "Dürfte ziemlich gewagt sein, aber vielleicht klappt es." erneut schätzt sie die zu überwindende Entfernung ein.

"Hm, ein Seil zur Spitze werfen. Schlinge, die sich zuzieht. Hm. Hier irgendwie befestigen. Hinüber hangeln. Müsste gehen." murmelt sie vor sich hin.

Edric mischt sich ein: "Wie soll sich eine Seilschlinge drüben an der Spitze halten?"

"Sapperlot!" Randirion schaut Sephyra an: "Madame Lunos, ich glaube unser junger Freund hat Recht, wir werden das Seil wohl nicht richtig fixieren können. Was haltet ihr denn davon, einfach in der Nähe des Eingangs abzuseilen und dann über die restliche freie Fläche in den Eingang zu laufen?"

"Immer mit der Ruhe. An den Einzelheiten des Plans arbeite ich noch. Aber wenn hier einer eine wirklich hilfreiche Idee haben sollte, bin ich für jeden Vorschlag offen." gibt sie ein wenig frostig zurück.

'Natürlich hat er Recht.' überlegt sie. 'Wie kann das Seil an der Spitze halten, wie nur?' zermartert sie ihr Hirn.

Edric schaut kritisch zu, wie Sephyra die Seile zusammenknotet. "Und ich bin auch nicht sicher, dass wir mit der Länge der Seile überhaupt zur Spitze kommen", ergänzt er.

"Nun, Kamerad Edric, keine Panik!" meldet sich Randirion und beginnt in seinem Rucksack zu wühlen. "Wo … ist … es … denn? Ah, da haben wir es ja!"

Er zieht die 15 Schritt des selbstgeflochtenen Lianenseils hervor.

"Damit sind die Seile lang genug! Bitte sehr, Madame," er reicht das Seil an Sephyra weiter.

"Vielen Dank." erwidert sie und verlängert das Gesamtseil entsprechend.

"Da vorne können wir ein Ende befestigen", mein Edric und weist auf einen kräftigen Busch.

"Und was, wenn wir hier warten, bis es dunkel ist?" fragt sie. "Dann sehen wir doch, ob die Tierchen auch Nachts herumlaufen. Wenn nicht, seilen wir uns hier ab und schleichen uns durch die Ruinen immer in Deckung bleibend zum Eingang und verschwinden von hier." Strahlend lächelt sie die anderen an. Offenbar ist sie stolz auf ihre Idee.

Edric schaut nicht begeistert, hält sich aber erst einmal mit einem Kommentar zurück.

"Oh, einen kleinen Einwand hätte ich da schon!" lässt sich der Cavalliere vernehmen. "Wenn es hier dunkel ist, dann ist es im Tal sicherlich noch ein wenig dunkler. Und da Ameisen in der Regel keine Lampen benutzen - korrigiert mich, wenn ich mich irre - werden wir nicht sehr viel von dem was im Talkessel vor sich geht, sehen.

Ich denke, es wäre besser das Licht zu nutzen und sich einem Gegner, den man sehen kann zu stellen!"

"Vor was könnten den solch große Ameisen Angst haben? Vielleicht können wir so etwas wie eine Aufruhr verursachen und kommen ungestört zum Turm." schlägt Frumol vor.

"Glaubst Du wirklich, dass ein Aufruhr dieser Riesenameisen für uns nützlich wäre?" fragt Sephyra skeptisch. "Wenn es da drunter und drüber geht, kommen wir da wohl gar nicht mehr durch." gibt sie zu bedenken.

Er schaut sich den Kopf der Steilwand an, und versucht herauszufinden, ob es die Möglichkeit gibt, so etwas wie einen Erdrutsch zu verursachen.

"Vielleicht ließe sich ja auch das Loch,in dem die Ameisen verschwinden, verschütten." schlägt er vor.

Das sieht schwierig aus. Die Hügel sind nur von einer dünnen Erdschicht bedeckt. Darunter ist massiver Fels, wie an den Steilwänden zu erkennen ist.

"Ja genau. Und dann haben wir nur ein paar hundert hier im Talkessel, die nicht mehr in das Nest hineinkommen. Nein, ich glaube, wir sollten uns sehr zurückhaltend bewegen und uns unauffällig zu dem Eingang der Pyramide schleichen." verteidigt sie ihren eigenen Vorschlag.

'Hm. Auch was dran.' denkt Sephyra, während sie noch das Seil knotet.

"Aber dann wäre ich dennoch dafür, wenigstens die Abenddämmerung abzuwarten und die längeren Schatten zwischen den Steinwänden da unten zu nutzen." schlägt sie vor. Denn so ganz will sie von ihrer Idee, den Ameisen bei weniger Aktivität des Nächtens aus dem Wege zu gehen, noch nicht Abstand nehmen.

"Dem stimme ich zu", stärkt Frumol seiner Gefährtin den Rücken.

"Können Ameisen im Dunkeln nicht sehen?" fällt Edric noch eine Frage ein.

"Oh!" macht Sephyra. Denn dabei fällt ihr ein offensichtlicher Haken ihrer Theorie auf: Der Bau der Ameisen dürfte kaum im Fackelschein erstrahlen!

"Vielleicht sehen sie gar nicht, sondern 'riechen'. Denn ihre Gänge in finsterer Erde sind ja auch ohne Licht. Und wie kann etwas oder jemand ganz ohne Licht sehen? Gut, nachts ist es dunkel. Aber so dunkel, wie es unter der Erde sein kann, ist es nie." - Und schon wieder muss sie an den Beginn der Abenteuer mit Frumol denken: 'Der Keller im Wirtshaus. Da war es richtig dunkel. Nicht zu vergleichen mit einer Nacht, auch nicht ohne Mada-Mal.

"Das Getier, das ich kenne, ist entweder an Tage oder Nachts aktiv. Und das die Ameisen am Tage so emsig geschäftig sind, sollten sie des nachts ruhen. Oder?" stellt Frumol eine Theorie auf. Schon als Kind hat er gerne die Ameisen geärgert. Aber immer nur tagsüber. Dummerweise hat er keine Ahnung, wie sich Ameisen bei Nacht verhalten … Spinnen bauen ja meistens nachts ihr Netz und warten dann, bis sich etwas darin verfängt … Aber das hilft hier auch nicht weiter.

"Herr Kavaljäre, was meint Ihr, was passiert, wenn Ihr von hier auf die Ameisen schießt?" hat Edric eine Idee.

'Komische Frage.' überlegt Sephyra. 'Er wird sie fuchsteufelswild damit machen! Was denn wohl sonst. Sie werden uns bemerken, uns schnappen und in ihren Bau als Wintervorrat schleppen, das wird passieren!' fällt ihr ein.

Sie spricht ihre Befürchtungen nicht laut aus, aber ihr Stirnrunzeln dürfte jedem aufmerksamen Beobachter sagen, dass sie von einer solchen Idee gar nichts hält.

"Eine formidable Idee, Freund Edric" gibt Randirion leicht resigniert zurück, "Ich hatte knapp ein Schock Kugeln für meine Balestrina und gehe von 2-3 Schuss pro Ameise aus. Das macht maximal und unter besten Schussverhältnissen 20-30 Ameisen. Allerdings glaube ich kaum, dass die Tierchen darauf warten erschossen zu werden.

Ich denke eher, sie werden versuchen die Quelle des Beschusses ihrerseits anzugreifen. Und um dafür dann gut auszusehen fehlen uns hier die Deckungsmöglichkeiten."

'Da hat er recht.' stimmt Frumol ihm zu.

"Wenn ich die strategische und taktische Lage abschätze, macht es keinen Sinn die Ameisen bewusst anzugreifen oder sie aufzuscheuchen.

Ich würde mich - obwohl es mir als horasischen Offizier in der Seele widerstrebt - heimlich in der Nähe des Eingangs abseilen und diesen schnellstens besetzen, dann haben wir nur wenige Ameisen, die uns gleichzeitig angreifen können. Und die toten Ameisen würden uns mit ihrem Körpern vor den nachrückenden Tieren schützen."

'Pah, horasischen Offizier. Ihm widerstrebt so manches. Wichtiger ist doch, dass wir da heil hinkommen.' Frumol runzelt die Stirn.

"Wie es aussieht, steigen die Ameisen nicht die Steilwand hoch, sondern gehen nur durch das Tal unten. Wenn wir Glück haben, könnten wir durch ein paar Schüsse Eurer Balestrina die Ameisen hier hochlocken. Sie würden den weiten Weg gehen und wir den direkten nach unten. Ich könnte mit meiner Schleuder mitmachen und die anderen könnten Steine werfen.

Unten würde ich gar nicht versuchen zu kämpfen, sondern laufen."

Edric lässt sich nicht so leicht von seiner Idee abbringen.

"Und wie viele Ameisen werden dann kommen? Nur die die jetzt in Tal sind, oder noch mehr?" wirft Frumol ein.

"Wenn ich Ameisen geärgert habe kamen immer ganz viele von allen Seiten." ergänzt er.

"Da unten sind momentan … Moment" - Edric schaut noch einmal in die Tiefe - "13, nein 14 Ameisen. Wenn in den Hügeln noch hunderte sind, dann trifft der Ork natürlich den Oger, wenn alle rauskommen." Edric kaut auf der Unterlippe.

"Mit Verlaub," erwidert Randirion, "das wage ich zu bezweifeln, Meister Edric, würdet ihr den die Wände hochgehen, wenn ihr keinen Grund dazu habt? Korrigiert mich, wenn ich irre, aber bei uns zu Hause gehen Ameisen auch an Steilwänden hoch und, ich denke, genau das werden sie machen, wenn wir sie beschießen!

Ich bin für unbemerktes Abseilen, Rennen, Tor Besetzten und - wenn möglich - Schließen, sonst Verteidigen!"

'Und wenn das gar nicht das Tor ist' Frumol hütet sich, diesen Gedanken laut auszusprechen.

"Wenn der Weg zum Tor zu lang wird,können wir uns die Tierchen ja mit Feuer vom Leib halten." fügt Randirion noch grübelnd an. 'Zumindestens haben die Kammerjäger immer Ungeziefer mit Feuer und Rauch vertrieben.'

"Feuer ist gut." überlegt Frumol weiter. "Können wir nicht vor der Talöffnung ein Feuer legen und der Wind treibt den Rauch ins Tal?"

"Dazu müsste unten aber mehr Wind als hier oben sein und in die richtige Richtung blasen", gibt Edric zu bedenken. "Und wir müssten das Feuer genau an dem Ort entzünden, wo bestimmt alle Ameisen vorbeikommen."

"Hast ja Recht." gibt Frumol zu.

"Hier geht sie aber nicht die Wände hoch! Schaut doch selbst!" Edric bleibt störrisch. "Dazu sind sie viel zu schwer!"

"Vielleicht nur, weil sie keinen Grund dazu haben. Auch eine Ameisenstraße nimmt einen leichten Weg. Aber wir können es gerne versuchen, doch sollten wird uns im Zweifelsfall schnell zurückziehen, denn ich möchte keine Konfrontation mit dem gesamten Nest."

"Nun, werte Gefährten!" Randirion wirkt ein wenig gereizt. "Was gedenkt ihr zu tun?"

"Ihr habt mehr Erfahrung. Entscheidet Ihr!" Edric gibt sich geschlagen.

"Also, dann ohne eine Ameise auf uns aufmerksam zu machen. Hört sich für mich viel besser an." antwortet Sephyra. "Wer ist noch dafür?" fragt sie in die Runde, Edric schon auslassend.

Randirion nickt ihr zu.

Ingalf, der die ganze Zeit den Talkessel beobachtet hat, aber keine bessere Variante gefunden hat, dreht sich jetzt zu den Gefährten um: "Nu los, wir ham schon genuch Zeit verdaddelt, Taue gespannt und los gerannt!"

Frumol grinst breit in die Runde: "Worauf warten wir?"

"Auf jeden Fall sollten wir die Seile zum Abseilen vorbereiten, denn runter müssen wir auf jeden Fall. Ob nun mit oder ohne angreifende Ameisen."

"Schon erledigt!" wirft Sephyra ein, die sich während des kleinen 'Meinungsaustausches' der Herren bewusst zurückgehalten hat. Statt dessen hat sie konzentriert die Seile getrennt, so dass jetzt der Verbund der beiden Seile mit ca. 20 Schritt Länge und das Lianenseil mit rund 15 Schritt Länge am Boden liegen.

"Bitte sehr." ergänzt sie. "Jetzt müssen wir nur noch sehen, wo wir die befestigen, damit wir uns beim Abseilen nicht im Weg sind."

Sie sieht sich wieder um. "Nach wie vor glaube ich, wir sollten uns in der Dämmerung abseilen und zum Tor schleichen. Dann können wir meinetwegen soviele Eingänge verschließen und Feuer anzünden, wie wir wollen."

"Wie ich schon sagte, da vorne können wir ein Ende befestigen", erinnert Edric und weist auf einen kräftigen Busch, der 2 Schritt von der Kante entfernt wächst.

"Ja, ja. Den sehe ich." erwidert Sephyra leicht genervt. "Ich meinte: einen zweiten Busch, Baum oder sonst etwas, damit nicht beide Seile an dem einen Strauch hängen." erklärt sie.

"Vielleicht sollten wir es einfach probieren. Die Götter helfen denen, die etwas wagen." schließt Frumol.

Obwohl niemand auf Sephyras Vorschlag reagiert hat, muss sie Frumol zustimmen. "Ja, ich glaube auch, dass ein Versuch besser ist, als hier endlos über das Für und Wider aller Möglichkeiten zu streiten." meint sie.

Dann nimmt sie ihren Rucksack und fängt an, darin herumzukramen. Offenbar sucht sie etwas.

Edric schaut interessiert, sagt aber nichts.

Frumol lächelt sie an und nimmt die beiden Enden der Seile auf. Er geht zu dem Busch und knotet die Enden dort fest.

Verständnislos sieht Sephyra ihm zu: "Was machst Du da?" fragt sie irritiert. "Ich meinte, die beiden Seilenden sollten wir zusammenknoten, nicht noch mal am Busch festmachen. So entsteht dann ein großes 'U', an dessen beiden Seiten wir uns gleichzeitig herablassen können." erklärt sie noch einmal ihren Plan.

"Wie Du meinst. Ich dachte ja nur." Frumol zuckt mit den Schultern und ändert die Knoten.

Edric fällt die Kinnlade runter. "Und wer geht zuerst?" fragt dann aber nur.

Das nimmt Sephyra regungslos zur Kenntnis. "Ich natürlich." erwidert sie selbstverständlich. "Ich kann am besten klettern und mich lautlos bewegen. Sobald ich unten bin und ein 'Versteck' habe, winke ich, damit ihr nachkommen könnt."

"Nun," lässt sich Randirion vernehmen, "wenn keiner Einwände hat sollten vielleicht zuerst Kamerad Wedmannsson und ich abseilen und einen Brückenkopf bilden.

Allerdings würde ich dann gerne ein paar Fackeln mitnehmen, leider sind diese nicht in meinem Inventar vorhanden."

"Jau" meint Ingalf kurz. "Wär wohl so das Beste, 'ne Fackel brauch ich aber auch. Mit der Laterne werde ich wohl keine Ameise verscheuchen." fügt er mit einem Grinsen hinzu.

"Ihr wollt was?" fragt Frumol erstaunt. Schließlich hat er von militärischen Fachausdrücken keine Ahnung …

"Da ist doch gar keine Brücke …"

Randirion räuspert sich vernehmlich, um ein Lachen zu kaschieren, dann legt er los: "Nun, Meister Pellocke, einen Brückenkopf baut man nicht nur an einer Brücke, obwohl genau die Allegorie wohl einstmals den ersten Strategen dazu verleitet hat, dieses so zu benennen.

Im heutigen Sprachgebrauch ist mit einem Brückenkopf eine militärische Stellung auf feindlichem Territorium gemeint, welche vom eigenen Territorium getrennt ist.

Und dieses ist doch wohl der Fall, wenn wir unten und ihr hier oben seit, oder nicht?"

Frumol hört den Ausführungen mit großen Augen zu. Obwohl der den Begriff 'Allegorie' nicht kennt, aber dieser scheint dieser auch nicht wichtig zu sein, nickt er.

"Aber, sind wir dann nicht sowieso schon ein Brückenkopf?" fragt er, da sich die Gruppe ohnehin schon auf 'feindlichem Territorium' - wie der gebildete Herr sagen würde - befindet.

"Sollten wir nicht alle zügig hinab klettern ohne uns lange zu trennen?" schlägt er vor. Er würde es jedenfalls so machen, ohne lange Worte und weitschweifende Reden.

"Wie lange braucht ihr denn da hinunter?" fragt Edric. "Und gleichzeitig zu zweit mit einem Seil um den Busch? Behindert man sich da nicht gegenseitig, oder das Seil rutscht weg?"

"Wäre es nicht besser, wenn ihr sofort zum Eingang der Pyramide rennt, wenn ihr unten seid?" überlegt Edric. "Dann werden die Ameisen vom Seil abgelenkt, wenn sie euch bemerken."

"Gut, diese Alternative verdient es auch in Betracht gezogen zu werden." grübelt Randirion, "Geschwindigkeit … den Feind überrumpelt … auf das Ziel los …, ja ich denke auch so könnte es gehen!"

Er schaut zum Himmel, um zu prüfen, wann die Dämmerung einsetzt und ob es sich lohnt noch darauf zu warten. 'Schaden kann's ja nicht'.

Sie folgt seinem Blick, ahnt, dass er auf den Sonnenuntergang hofft.

'Tja, nicht nur Du. Nicht nur Du.' denkt sie.

Ein paar Stunden werden es noch sein.

Nach dieser Erklärung schnürt sie ihren Rucksack wieder zu, ohne etwas herausgenommen zu haben und dreht sich dann auf den Rücken. Mit dem Rucksack als Kopfstütze schaut sie in den Himmel und wartet auf die Dämmerung.

Nach kurzem Schweigen dreht sie sich zu Frumol und meint: "Ich wollte schon in den Spiegel sehen und ihn fragen, ob wir es schaffen." Sie ist völlig ernst. "Dann aber dachte ich: 'Besser es nicht zu wissen, denn was ist, wenn der Spiegel gesagt hätte, wir seien verloren?'"

Nachdenklich sieht sie Frumol in die Augen.

'Recht so. Wir selbst bestimmen unser Schicksal, solange die Götter nichts dagegen haben!'

Frumol tritt auf sie zu und nimmt sie fest in den Arm. Er spürt ihren Körper, ihre Haut und ihre Wärme. Wie gern würde er ihr sagen, dass dies alles nur ein schlechter Traum ist und sie nur aufwachen müssen um ihn zu beenden.

Nach einem Moment lockert er seine Umarmung und sieht sie ernst an: "Wir kommen da schon hin. Denk mal an das Schwarze Schiff und die Piraten. Auch die haben wir überwunden!"

Er lässt sie gänzlich los und sie sieht wieder den Schalk in sein Gesicht zurückkehren. "Ich werde Dir gleich folgen."

Lächelt er sie an.

'Ich lasse Dich da keinesfalls allein hingehen!' fügt er in Gedanken hinzu. 'Schon gar nicht, wenn wir es nicht schaffen sollten.'

Der Nachmittag vergeht langsam, und als die Sonne sich dem Horizont nähert, wird deutlich, dass die Ameisen dabei sind, in ihre Höhle zurückzukehren. Eine nach der anderen verschwindet im Untergrund, aber immer wieder kommen neue Ameisen durch die Zugangsschlucht, so dass im Bereich rund um die Pyramide immer sechs bis sieben Riesenameisen anwesend sind.

Sephyra dreht sich wieder auf den Bauch und beobachtet das Vorgehen im Talkessel.

"Na, es sieht ganz so aus, als würde das unsere Chancen nahezu verdoppeln, da sich die Ameisenzahl halbiert hat." bemerkt sie. "Warten wir weiter oder geht's jetzt los?" fragt sie.

Sobald sich die anderen für den Start entscheiden, wird Sephyra ihnen noch einmal das 'Abseilen' erklären.

"Also das Abseilen." beginnt sie. "Wir klettern immer zu zweit, einer rechts und einer links an der Schlaufe herab. Am unteren Bogen angekommen wird erst einer und dann der andere bis an den unteren Schlaufenrand klettern und sich dann von dort aus hängend herab fallen lassen, so kommen wir schnell und nur aus geringer Höhe alle hinunter. Hat das jeder verstanden?" versichert sie sich noch einmal rück. "Oder soll ich es Euch, Kawaljere, noch einmal erklären? Keine Brücken, keine Köpfe. Runter das Seil und rein in die Pyramide! Alles klar?" fragt sie erneut.

"Nun, es werden zwar zur Dämmerung weniger," setzt Randirion an, " es ist Eurer Weisheit, Madame Lunos, zu verdanken, dass wir bis jetzt gewartet haben, aber anscheinend werden es nicht weniger und das Licht im Talkessel wird langsam schlechter.

Ich bin der Meinung, die Aktion jetzt zu starten!"

"Das wohl!" Ingalf schaut nickend die Gefährten an und macht sich bereit. Er prüft den festen Sitz seines Seesacks, damit ihm dieser nicht behindert und steckt Schneidzahn und Orknase so in den Gürtel, dass er sie sofort ziehen kann. "Wollen wir?"

"Wollen wir nicht doch …", setzt Edric noch ein, aber da legt Sephyra schon los.

"Denn man tau! - wie Du immer sagst, Ingalf." erwidert sie darauf. Kurz überlegend schnallt sie sich dann doch den Rucksack auf und wirft ihn nicht hinunter.

Auf der Kante sitzend ergreift sie das eine Seil und beginnt konzentriert und vorsichtig, aber so schnell wie möglich mit dem Abstieg.

Während Sephyra mit dem Abstieg beginnt, beobachtetet Frumol gespannt die Ameisen. 'Wurden wie entdeckt?' ist seine Befürchtung.

Bislang sieht es nicht so aus.

Nachdem Sephyra etwa die Hälfte der Strecke hinab geklettert ist, …

… und sie klettert wie Phex persönlich, …

… macht auch er sich bereit, überprüft seinen Rucksack, setzt diesen auf und folgt ihr. "Wir sehen uns unten," verabschiedet er sich grinsend.

An der unteren Schlaufe angekommen, lässt sich Sephyra hängen und dann fallen, mit federnden Knien kommt sie geschmeidig unten auf und geht sofort in die Hocke, macht den Platz für den nächsten frei.

Sie sieht nach oben und winkt. Dann huscht sie in Deckung eines der nahe gelegenen Mauerreste und sieht sich nach dem weiteren Weg zum Pyramideneingang um.

Es kommt nicht ganz so, wie sie es geplant hat. Zwar kommt sie problemlos am unteren Ende des Seilpaares ab, aber als sie sich fallen lässt, trifft sie sie mit ihrem rechten Fuß genau einen herumliegenden Steinbrocken. All ihre akrobatischen Fähigkeiten reichen nicht aus zu verhindern, dass sich ihr Fuß verdreht und sie stürzt.

Statt nach oben zu sehen und zu winken, humpelt sie in Deckung eines der nahe gelegenen Mauerrestes und ruht sich erst einmal aus.

Frumol klettert zügig, aber nicht unvorsichtig bis zum Ende des Seils.

Dabei rutscht er einmal ab, da Sephyras dünne Seile keine Kletterseile sind. Er kann aber durch beherztes Zugreifen den Absturz verhindern.

Und lässt sich dann ebenfalls fallen. Mit leicht nach vorn gebeugtem Oberkörper versucht auch er den Schwung vom Fall abzufangen um anschließend zu Sephyra in Deckung zu kriechen.

Sie nimmt ihn mit einem leicht gequälten Lächeln in Empfang und konzentriert sich dann wieder auf die Umgebung und die Ameisen.

"Sie scheinen uns noch nicht bemerkt zu haben. Warten wir auf die Anderen und dann laufen wir gemeinsam los." flüstert er.

"Ich habe mir den Knöchel verstaucht." zischt sie Frumol zu, als dieser ankommt. "Ich glaube nicht, dass ich sehr schnell die Entfernung zum Eingang der Pyramide überwinden kann. Vermaledeite Steine!" flucht sie leise vor sich hin und reibt sich den Knöchel.

'Auch das noch!' Frumol starrt sie einen Moment aus großen Augen an.

"Lass mal sehen," und tastet behutsam den verletzten Knöchel ab, möglichst ohne die Deckung zu verlassen.

Er blickt sich zu Randirion, Ingalf und Edric um, um abzuschätzen wieviel Zeit ihm noch bleibt.

Schnell kramt er schnell sein restliches Verbandsmaterial aus seinem Rucksack hervor.

"Ich werde Dir einen stützenden Verband anlegen. Dann kannst Du den Fuß besser belasten." erklärt er

"Beiß die Zähne zusammen, dass wir etwas weh tun." ergänzt er mit einem aufmunternden Lächeln.

Es ist zwar nur ein Notverband, aber besser als gar nichts.

Als Frumol und Sephyra unten angekommen sind, wendet sich Randirion an die restlichen Gefährten: "So Kameraden, als nächstes werde ich mit Meister Wedmannsson hinab klettern und dann folgt ihr uns Kamerad Edric!"

Gesagt, getan. Randirion verstaut seine Waffen griffbereit an den dafür vorgesehenen Schlaufen und Schnallen an Gürtel und Rucksack und beginnt dann vorsichtig mit dem Abstieg. Als er die Schlaufe erreicht, lässt er sich allerdings nicht auf die akrobatische Art seiner Vorkletterer hinab, sondern lässt sich einfach mit langen Armen an der Schlaufe hängen und springt dann federnd zu Boden.

Dort angekommen, schaut er sich nach den Gefährten und in der nahen Umgebung auf eventuell auftretende Ameisen um, zieht dann in einer fließenden Bewegung seine Balestrina, die er sofort spannt, …

… was einige Zeit dauert. Anschließend will er sich sofort in Richtung Tor absetzen.

Die Ameisen scheinen die Ankömmlinge noch nicht bemerkt zu haben.

Ingalf der einige Sekunden hinter Randirion losgeklettert ist, kommt etwas später in der Schlaufe an. Da er seinen schweren Seesack auf dem Rücken hat, wird er sich genau wie Randirion an den Armen hängend mit einem Sprung auf den Boden vom Seil lösen.

Es muss der schwere Seesack sein! Ingalf kann den Schwung des Sprunges nicht vollständig abfangen, stürzt und prellt sich dabei die Schulter.

Randirion ist mit dem Spannen der Balestrina fertig, als Ingalf sich wieder aufgerappelt und seine Orknase ergriffen hat.

Als die beiden sich Richtung Pyramideneingang aufmachen, es sind so schätzungsweise 30 Schritt, wendet sich ihnen eine der Ameisen zu. Sie befindet sich auf halber Strecke - ziemlich genau zwischen den beiden und dem Eingang.

Edric ist als letzter dran herunterzuklettern. Er traut sich nicht so richtig. Zweifelnd schaut er seinen Stab an. Dann zuckt er die Achseln.

"Vorsicht!" ruft er und lässt den Stab waagerecht herunterfallen, als Randirion und Ingalf losstürmen. Der Stab kommt sogar heil unten an.

Dann macht er sich daran, die Wand hinabzusteigen. 'Bloß nicht runter schauen!' beschwört er sich innerlich.

Als der Verband fertig ist, sehen Sephyra und Frumol, wie Randirion und Ingalf sich Richtung Pyramidentor aufmachen - und sie sehen die Ameise dazwischen.

"Danke, das ist besser." erwidert Sephyra und testet vorsichtig die Belastbarkeit des Knöchels. "Ich glaube, mit Deiner Unterstützung werde ich es schneller schaffen können, aber Höchstleistungen sind da wohl erst mal nicht mehr 'drin." ergänzt sie.

"Fein. Hauptsache, wir kommen an. Die Ameisen überlassen wir Ingalf und dem Kavaljäre und wir humpeln hinterher" grinst er seine Freundin an.

Noch drei weitere Ameisen sind zu sehen. Eine scheint die Eindringlinge Ingalf und Randirion bemerkt zu haben, den die läuft in deren Richtung.

Fieberhaft überlegt sie. Mit ihrem verletzten Knöchel kann sie kaum schnell rennen. Und kämpfen? - Wohl auch nicht gut.

"Los, wir müssen schnell etwas unternehmen!" meint sie zu Frumol. Dann zieht sie ihr Rapier, bleibt aber noch stehen.

Wieder sieht sie sich um: 'Wo können wir uns hier zwischen den Ruinen entlang bewegen, ohne groß von den Ameisen gesehen zu werden?' sinniert sie.

"Wollen wir es einfach wagen und uns an den beiden samt Ameise vorbei zur Pyramide hin bewegen?" fragt sie Frumol unsicher.

"Das wäre sicher das Beste", antwortet er und konzentriert sich mehr auf den Humpelgang als auf die Umgebung.

Edric braucht wohl noch eine Zeit, bis er unten angekommen ist.

"Mach schon, beeil' Dich doch!" ruft sie ihm drängend zu.

"Ich geb' mir Mühe!" keucht Edric von oben.

Noch einmal mustert sie schnell die Umgebung. "Lass uns immer eine Mauer oder Wand zwischen uns und den Ameisen halten und im günstigen Moment auf den Eingang zuhalten. Ingalf und der Kawaljere schaffen diese eine Ameise bestimmt allein."

"Sicher. Dann lass' uns mal." grinst er und hält gemeinsam mit Sephyra auf die nächste Mauer zu.

Auf Frumol gestützt beginnt Sephyra, ihr Vorhaben umzusetzen …

… und trifft auf eine Ameise, die sie vorher nicht gesehen hat.

Sollte die Ameisen näher kommen, wird Frumol Sephyra einen Moment seiner stützenden Hilfe entziehen. "Bleib bitte kurz stehen."

Dann bückte er sich und hebt einen etwa Faustgroßen Stein auf, um diesen der Ameise entgegen zu werfen. Ein gezielter Wurf ist mit dem ganzen Gerödel sicher nicht möglich, ihm reicht es die Ameise zu treffen und ihr somit zu demonstrieren, dass sie keine leichte Beute sind.

'Hätten wir doch nur eine Fackel angezündet …' überlegt er, doch diese Erkenntnis kommt nun leider zu spät.

"Na, damit war ja zu rechnen. Phex steh mir bei!" Das Stoßgebet auf den Lippen zieht sie Frumol zur Seite, um zu sehen, ob die Ameise ihnen folgen wird, wenn sie sich unauffällig zurückzuziehen versuchen.

Die Ameise folgt glücklicherweise nicht.

Falls dies gelingt, wird sie einen anderen Weg wählen.

"Vielleicht bleiben wir doch alle zusammen?" fragt sie und humpelt bei bejahender Antwort Frumols hinter Ingalf und Randirion her um ihnen den Rücken zu decken.

"Wir können uns keinen Umweg leisten. Wir sind die Langsamsten." erinnert er Sephyra.

"Ja, ja. Schon gut."

"Ich kann Dich auch tragen, doch dann müssen wir das Gepäck hier lassen." überlegt er und schaut sich zu Edric um.

'Vielleicht kann er wenigsten noch einen Rucksack mitnehmen …'

"Nein, es geht schon. Wir schaffen das!" macht sie sich und Frumol Mut.

"Aber danke für das Angebot. Vielleicht komme ich später darauf zurück." lächelt sie ihn flüchtig an.

Dann rückt sie ihren Rucksack zurecht und löst sich von Frumol: "Jeder für sich sind wir beweglicher." kommentiert Sephyra.

In diesem Moment hat Randirion die Riesenameise erledigt. Mit etwas Glück sollte es gelingen, bis zum Eingang der Pyramide zu kommen, bevor die anderen Ameisen da sind.

"Attention! "Randirion nimmt die geladene Balestrina in die rechte Hand.

"Freund Wedmannsson, bleibt vorerst neben mir! Ich werde zuerst versuchen, dem Tierchen mit einem gezielten Schuss zuzusetzen," ruft er dem Thorwaler zu und in der Hoffnung, dass Ingalf gehorcht, nimmt er die Balestrina hoch, legt an und nimmt wieder den Kopf der Ameise ins Visier.

Ein schwieriger Schuss ist es, auf 30 Schritt den Kopf der Ameise zu treffen, aber Randirion trifft. Leider ist der Schuss nicht tödlich. Die Ameise schüttelt den Kopf wild hin und her.

"Verdammte Seeschlangen!" flucht Ingalf. Er setzt seinen Seesack ab und ruft zu Edric: "Bring den Seesack mit, wenn Du unten bist!"

Er blickt sich um, ob noch weitere Ameisen in der Nähe auf die Gefährten aufmerksam geworden sind …

…und wird zweier Ameisen gewahr, die sich nähern.

Da die erste Ameise die einzige ist, die sich ihnen in den Weg stellt, beißt er seine Zähne zusammen, ruft Randirion ein "Los, wech mit dem Viech!" zu und stürmt mit seiner Orknase auf die Ameise zu, bereit ihr den Kopf vom Rumpf zu trennen.

Es gelingt ihm zwar nicht, den Kopf vom Rumpf zu trennen, aber er trifft den Kopf schwer. Das Biest ist aber immer noch nicht tot, sondern versucht, Ingalf zu beißen. Der Biss geht ins Leere.

Ingalf weicht den Bissversuch aus und setzt zum nächsten Schlag mit der Orknase an. "Beiß ins Gras, du blödes Vieh!"

Und das tut sie nach Ingalfs gewaltigem Schlag.

"Ein vorzüglicher Treffer," kommentiert Randirion lobend Ingalfs kraftvollen Schlag. Er lädt sofort seine Balestrina nach und blickt sich dabei kurz um, um sich einen Überblick zu verschaffen. Dabei sieht er auch, in welch unangenehmer Situation sich die verletzte Sephyra und Frumol befinden. Der Cavalliere bleibt stehen, um auf sie zu warten und ihnen Deckung zu geben.

Es sieht so aus, als ob mit einem kurzen Sprint der Eingang zur Pyramide zu erreichen ist, bevor eine Ameise ihn erreicht.

In diesem Moment hört Randirion ein dumpfes Geräusch hinter sich, und dann einen Schmerzensschrei, den alle hören. Das ist Edric, der am Boden liegt und sich sein rechtes Bein hält. "Mein Bein!" keucht er.

"Alle Wetter! Irgendwie läuft das heute nicht so richtig!" murmelt Ingalf, läuft dann los zum Eingang legt dort seine Orknase mit einem "Pass auf dich auf!" ab und rennt dann in Richtung Edric los.

Als er an Randirion vorbei rennt, ruft er ihm zu: "Los weg mit dem Gepäck und hinterher!"

Randirion schaut ihn nur kurz fragend an. 'Welches Gepäck meint er?' sinniert er, schüttelt den Kopf und läuft zum Eingang der Pyramide, wo er mit der Balestrina im Anschlag stehen bleibt, um Ingalf und Edric Deckung zu geben.

"Und los geht's!" kommentiert Sephyra ihre schnellstmögliche Bewegung zum Eingang der Pyramide hin.

Dem gestürzten Edric kann sie sowieso nicht helfen, also versucht sie es auch gar nicht.

Frumol hilft Sephyra so gut es geht. Auch er hat mit dem Gepäck alle Hände voll zu tun. Randirion und Ingalf sind beweglicher und schneller um Edric zu helfen.

Sobald sie den Eingang erreicht, verbirgt sie sich dort, so gut es geht und entzündet ihre Laterne, um das zweifelsohne dunkle Innere auszuleuchten.

Sephyra setzt ihren Rucksack ab. Mit vor Hast zittrigen Fingern versucht sie die Schüre aufzuziehen. Verdammt, jetzt muss es schnell gehen. Und wo ist die Lampe, wo Feuerstein, Zunder und Stahl? Die Sekunden scheinen sich zu Stunden zu dehnen.

'Immer mit der Ruhe!' sagt sie sich. Sie lässt kurz die Hände sinken und schließt die Augen. Ein tiefer Atemzug, noch einer und noch einer. Ihr Herzschlag beruhigt sich merklich. Ein Teil der Aufregung weicht - genauso hat sie es immer vor großen Auftritten gemacht. Tief durchatmen und dann geht alles leichter.

Von neuer Ruhe erfüllt, sucht Sephyra Lampe und Zubehör aus dem Rucksack und schlägt Feuer, mit dem sie die Lampe schließlich entzündet.

Dann leuchtet sie damit den Raum ab.

Als er dann bei Edric angelangt ist, versucht er ihn so gut es geht zu stützen und mit Edric an der Seite und seinem wieder aufgenommen Seesack zum Eingang zu eilen.

"Mein Stab!" keucht Edric.

Ingalf hat ein Problem: Zwei Ameisen nähern sich jetzt mit hoher Geschwindigkeit, Edric hat einen schweren Rucksack, ist selber auch nicht der leichteste, und dann kommt noch Ingalfs eigener schwerer Seesack. Ingalf zweifelt, ob er alles zusammen schnell genug zum Pyramideneingang bekommt.

Als Ingalf bei Edric angelangt ist, dreht es sich um, sieht die Ameisen und sieht auch, dass Randirion ihm nicht, wie er dachte gefolgt ist.

'Klasse, da gibt man dem Kawi eine einfache Anweisung sein Gepäck in die Pyramide zu werfen und mir dann zu helfen und was macht der? Er stellt sich in den Eingang und wartet, tolle Wurst! Vielleicht merkt er oder Frumol ja, dass ich das hier nicht alleine schaffen kann!'

"Los, Edric, jetzt wird nicht gejammert den Stock und den Rucksack holen wir gleich!" Ingalf nimmt seinen Seesack über die heile Schulter - so dass er ihn schnell absetzen kann und mit der anderen Seite stützt er Edric und zurück geht es zum Pyramideneingang.

Kommen ihm die Ameisen zu nahe so wird er seinen Seesack absetzen und Edric loslassen. Dann geht er mit seinem Schneidzahn in den Nahkampf über.

Das sieht schlecht aus! Ingalf versucht tatsächlich Edric und seinen eigenen Seesack auf einmal zu holen. Nur Edrics Stab bleibt liegen.

Zwei Ameisen sind hinter Ingalf und Edric her, eine genau hinter den beiden, so dass Randirion kein freies Schussfeld hat, aber die andere kann er ins Visier nehmen. Randirion fixiert wieder den Kopf der Ameise und löst den Schuss aus.

Volltreffer! Die Ameise sackt zusammen. Randirion muss etwas lebenswichtiges getroffen haben.

'Très bien!' lobt sich Randirion selber, sehr zufrieden mit seinem Schuss, legt zügig die Balestrina am Pyramideneingang ab, zieht sein Rapier und eilt Ingalf zur Hilfe.

Als Randirion sich neu orientiert, sieht er Ingalf mit seinem lächerlich kleinen Schneidzahn auf die Ameise einhacken. Aus dem Hintergrund kommen drei weitere Ameisen an. Edric kriecht auf den Pyramideneingang zu und ruft verzweifelt: "So helft uns doch!"

Frumol setzt sein Gepäck ab. "Warte hier!" instruiert er Sephyra.

Dann läuft er wieder hinaus, hebt zwei gut faustgroße Steine auf, und hält weiter auf Ingalf und die Ameise zu.

Auch Sephyra hat den Hilferuf gehört. Doch, was soll sie tun? - 'Gar nichts, gar nichts kannst Du tun!' beruhigt sie ihr Gewissen. Dennoch nagt es an ihn, wegen ihrer eigenen Verletzung nicht effektiv eingreifen zu können.

Also tut sie wie geheißen und hält in der Pyramide die Stellung.

Ihre Lampe erleuchtet einen Gang, der in die Pyramide führt. Er ist wohl einen Schritt breit und zwei Schritt hoch.

Es kommt, wie es kommen muss. Die erst Ameise erreicht Ingalf und Edric.

Nach vergeblichen Attacken von Ingalf und Ameise landet Ingalf den ersten Treffer, aber er weiß, dass er mit dem Schneidzahn allein lange brauen wird, die Ameise zu erwischen.

"So helft und doch!" schreit Edric und kriecht weiter zum Pyramideneingang.

Frumol nährt sich mit einem Stein in jeder Hand. Sobald er auf gute Wurfentfernung herangekommen ist, wird er die Steine nacheinander auf die Ameise werden, um sie abzulenken.

Der erste Stein verfehlt die Ameise, stattdessen beißt die Ameise Ingalf.

"Au, verdammtes Vieh! Du sollst mich nich' beißen!"

'Bei allen Niederhöllen, auch das noch', flucht Frumol gedanklich.

Frumol nimmt den zweiten Stein in die Hand, um einen günstigen Moment abzuwarten, denn er will ja nicht Ingalf treffen.

Frumol zieht sei Rapier und nähert sich der Ameise etwas seitlich, um Randirion zu unterstützen.

Aber Unterstützung ist nicht notwendig, Randirion und Ingalf schaffen die Ameise allein.

Ingalf erwischt die Ameise zum zweitenmal, aber sie beißt ihn auch gleich wieder. Ingalf brüllt überrascht auf: Da ist nicht nur der Schmerz des Bisses, sonder es brennt etwas nach. Er zuckt zurück und Frumol wirft den zweiten Stein. Wie erwartet, wendet sich die Ameise von Ingalf ab - aber Frumol zu.

"Wenn Du das nochmal machst, werd' ich aber echt wütend!" Ingalf spürt dass das nicht nur ein Biss war - langsam aber sicher steigert er sich in die für einen Thorwaler typische Raserei von der er dachte, dass er sie überwunden hatte, aber das Gift lässt ihn toben und er verfolgt die Ameise mit weiten Schritten.

Gleichzeitig kommt aber Randirion angestürmt und stürzt sich auf die Ameise. Für einen kurzen Moment geht der Kampf hin und her. Die Ameise ist schwer zu treffen, und noch schwieriger ist es, den Panzer zu durchschlagen. Glücklicherweise kann Randirion die Zagen der Ameise aber auch parieren.

Wie ein Wilder hämmert Ingalf mit dem Schneidzahn auf den Torso der Ameise ein, während Randirion die Zangen der Ameise mit seinem Rapier beschäftigt und auch das eine oder andere Mal einen Stich anbringen kann, der aber Dank des Panzers nicht besonders viel Schaden anrichtet.

'Wo bleiben die nur?' fragt sich Sephyra. Sie hält es nicht aus und sieht sich, im Eingang der Pyramide stehend, nach den Gefährten um …

Die drei neuen Ameisen kommen immer näher.

"Und ihr seit vor mit in den Niederhöllen!" faucht Ingalf den näher kommenden entgegen.

Plötzlich sackt die erste Ameise zusammen. Aus vielen kleinen Wunden strömt Körperflüssigkeit.

"Wir müssen hier gleich weg!" ruft er Randirion zu. "Das werden zu viele!"

Was sie da sehen muss, gefällt ihr gar nicht. Sie schreit den anderen zu: "Los, kommt doch endlich hierher! Lasst die Ameisen und wir fliehen!"

Edric kriecht weiter auf den Pyramideneingang zu.

"Ja, Du schaffst es!" muntert sie ihn auf.

Ohne Edrics Antwort abzuwarten dreht sie sich um.

"Zut alors!" flucht Randirion, während er weiterhin versucht, die Angriffe der Ameisenzangen zu parieren und mit seinem Rapier einen Stoß in eines der Facettenaugen zu platzieren. Er hört Sephyras Zuruf.

"Meister Pellocke, hört auf Madame Lunos, helft Freund Wedmannsson und zieht euch zur Pyramide zurück!" ruft er den beiden etwas atemlos zu und weicht selber, wenn diese dem Rat folgen, langsam in Richtung Pyramideneingang zurück.

Frumol fällt auf, dass Edric nicht mehr weiter kriecht. Er liegt fünf Schritt vor dem Eingang der Pyramide. Sein Rucksack 2 Schritt hinter ihm. Er muss ihn abgestreift haben.

"Kümmere Dich um Ingalf!" ruft er dem Cavalliere zu. "Ich bringe Edric in die Pyramide!" gibt er bekannt und rennt zu dem Liegenden.

Sein Rapier steckt er vorher noch schnell weg.

Den Rucksack nimmt er auf und wirft diesen in einem flachen Bogen erst einmal in Richtung des Eingangs. Dann muss er diesen zumindest nicht tragen.

Bei Edric angekommen, kniet er nieder und schüttelt diesen an der Schulter.

"He, Freund, Du hast es fast geschafft." mit diesen Worten verschafft er sich einen Überblick über den Zustand des Jungen.

"Weiter schaffe ich es nicht" stöhnt Edric.

Frumol schaut sich um, Ingalf stürmt gerade der nächsten Ameise entgegen. Randirion schaut ihm verdutzt hinterher.

Es ist gerade keine weitere Ameise in der Nähe. Es sollte also kein Problem sein, Edric unbehindert bis zur Pyramide und vielleicht sogar hinein zu schleppen.

"Ich helfe Dir." beruhigt ihn Frumol und hilft ihm hoch. Nur ungern würde er ihn über den felsigen Untergrund schleifen. Anschließend hakt er ihn unter und schleppt ihn zum Eingang.

"Damit habt Ihr unzweifelhaft recht!" presst der Cavalliere als Antwort hervor, und als die Riesenameise zusammensackt, ruft er dem in Raserei verfallenden Thorwaler zu: "Wedmannsson, lasst ab! Wir müssen in die Pyramide!"

Diesen Ruf hat Ingalf allerdings nicht vernommen oder vernehmen können, denn er geht ungeachtet seiner Wunden mit voller Wucht auf die nächste Ameise los.

Hack! Und Hack! Sein Sturmangriff fügt auch dieser Ameise Verletzungen zu. Aber er hat sich von vorn genähert, was durch einen erneuten Biss beantwortet wird.

Dieser Biss war das, was Ingalf gerade noch gefehlt hat. Wutschnaubend weicht er denn Zangen der Ameise aus, springt neben die Ameise und lässt dann mit voller Wucht den Schneidzahn auf den Schädel der Ameise nieder krachen.

Randirion kann nicht fassen, was er sieht. 'Mes dieux, ist er denn verrückt geworden, allein auf diese Monster loszugehen?' fährt es ihm durch den Kopf und er rennt mit der blanken Klinge in der Hand hinter dem Thorwaler her. "Mann, kommt zu Euch," brüllt er den Rasenden an, während er sich Ingalf nähert. "Ihr könnt Euch doch nicht mit diesen Viechern alleine anlegen. Oder muss ich Euch erst niederschlagen, um Euch wieder zur Vernunft zu bringen?" Doch er weiß selber, wie unrealistisch seine Drohung klingt, aber wie ihn stoppen? Als er bei dem Kämpfenden ankommt, greift er die Ameise frontal an, um sie von Ingalf abzulenken, während dieser nun von der Seite her auf sie einschlägt.

Durch zwei glückliche Stöße merkt Randirion, dass die Augen eines Ameise besonders empfindlich sind, und doch ist es fast ein Wunder, dass Ingalf und Randirion es schaffen, auch diese Ameise zu erschlagen, ohne selbst auch nur einmal gebissen zu werden und bevor die (im Moment) letzten beiden Ameisen heran sind.

Als Ingalf sieht, dass die Ameise zu Boden geht und - im Moment - kein anderer Gegner in der Nähe ist, holt er tief Luft und schau sich mit seinen starren, blutunterlaufenen Augen um.

Dann sieht er Randirion mit gezogenem Rapier in der Nähe stehen und will schon mit dem Schneidzahn auf seinen Gefährten losgehen, als ihn er ihn in einem lichten Augenblick erkennt, er lässt die erhobene Hand fahren und sinkt für einen Moment Blut spuckend zu Boden.

Einige tiefe Atemzüge später erhebt er sich und wankt zitternd und aus mehreren Bisswunden blutend auf Randirion zu: "Für … einen Moment … dachte ich … Du gehörst … zu ihnen."

Als er bei Randirion angelangt ist, bittet er diesen: "Stütz mich! Ich … kann nich' mehr!" Er lehnt sich auf seine Schulter und beide machen sich Richtung Tor auf.

Randirion starrt ihn nur einem Moment fassungslos an, senkt dann jedoch sein zur Abwehr erhobenes Rapier und stößt hervor: "Sacrément! Bei Hesinde, was ist mit Euch los?" Doch ohne eine Antwort zu erwarten und angesichts der sich drohenden Gefahr durch die sich nähernden Riesenameisen stützt er seinen Thorwaler Gefährten, so gut er vermag, während sie zur Pyramide eilen.

Ingalfs Antwort geht in Gestammel und Gefluche unter und Randirion kann nur einige Worte wie "Swafskari … Rache der Seeschlange … Thorwaler … Töten bis zum Tod" vernehmen. Zu einer verständlicheren Erklärung scheint der doch ziemlich angeschlagene Ingalf nicht in der Lage zu sein.

"Ist schon gut, alter Freund," murmelt Randirion leise und mobilisiert alle Kräfte, zu denen er fähig ist, um mit seinem Gefährten den Pyramideneingang noch zu erreichen, bevor die Riesenameisen heran kommen.

Dann wirft sie wieder einen Blick ins Innere der Pyramide und macht sich auf die Suche nach dem Tor. Humpelnd bewegt sie sich vorsichtig ein paar Schritte hinein und leuchtet alles ab. "Irgendwo muss hier doch auch so ein steinernes Maul oder ein ähnlich aussehender Ring sein, durch den wir zurückkehren können." führt sie ein kurzes Selbstgespräch.

Der Gang geht Richtung Mitte der Pyramide. Soweit der Lichtschein reicht, sind nur Gangwände, -decke und -boden zu sehen.

'So groß sah die Pyramide doch von außen nicht aus, es kann nicht weit sein!' überlegt sie und geht noch ein paar Schritt weiter, bis der Lichtkegel die vermutete Rückwand der Pyramide erreicht, höchstens jedoch 20 Schritte.

'Wenn die Ameisen ihn aus Versehen entdeckt und benutzt haben, dann kann er nicht schwer zu finden sein!' vermutet sie im Stillen.

Plötzlich endet der Gang. Vor Sephyra ist eine fast völlig schwarze Fläche. Nur am rechten Rand befinden sich vier Steine übereinander, eingearbeitet in die Wand: ein blauer, ein grüner, ein gelber und ein roter.

'Hm, interessant. Was das wohl ist?' fragt sie sich und überlegt. 'Vielleicht ist das so eine Art Universaltor, das nicht nur ein Ziel hat, sondern mehrere. Ich sollte das mit den anderen besprechen.'

Dann mustert sie die Steine. Ein Muster mag sie in der Reihe und der Farbanordnung nicht zu erkennen.

Plötzlich fällt es ihr wie Schuppen von den Augen: 'Wenn meine Idee mit den verschiedenen Zielen stimmt, dann zeigen diese Steine an, wohin sich das Tor öffnen wird! Bestimmt, anders kann es gar nicht sein!' triumphiert sie.

Dann fällt ihr wieder ein, in welcher prekären Situation die anderen sind und dass sie womöglich den Eingang gegen die vielen Ameisen nicht lange werden verteidigen können.

"Ich muss eine Lösung finden." sagt sie sich. 'Aber wenn ich den Stein drücke, dann aktiviert sich das Tor vielleicht und zieht mich hinein. Wenn die anderen kommen, bin ich weg und wir sehen uns nie wieder.'

Wieder betrachtet sie die Steine.

"Denk nach, denk nach! Es muss doch etwas geben, das die Ameisen in das Kloster geführt hat. Da diese Tiere wohl kaum Kombinationen probiert haben, muss es ein einzelner Stein sein - also 4 mögliche Ziele. Aber wie hilft mir das weiter?'

Angestrengt starrt sie auf die farbigen Steine und denkt an das Tor, durch das sie vor schier endlos langer Zeit mitten in der Wüste geschritten sind. Dabei ist es kaum ein paar Tage her, eigentlich nur zwei!

"Sephyra! Wo bist Du?" ruft er in die Pyramide hinein.

Irgendwo hinten in der Dunkelheit ist eine Lichtquelle.

Auf den Ruf hin dreht sich Sephyra um und leuchtet mit der Lampe den Gang zurück: "Frumol?" fragt sie, denn sie hat die Stimme nicht hundertprozentig erkannt. "Ich bin hier." ruft sie dann. "Ich glaube, ich habe das Tor gefunden, kommt alle schnell her!" fasst sie kurz ihre Erkenntnisse der letzten Sekunden zusammen.

Diese Worte und Sephyras Stimme habe etwas erlösendes. Sie haben es nun fast geschafft. 'Wir sind fast wieder zu Hause!' jubelt er innerlich.

"Hört Du das?" fragt er Edric erfreut. "Es ist bald vorbei!" und schaut dem Licht - Sephyra - entgegen.

Gegen den hellen, gerade noch ausreichend von dem letzten Licht des schwindenden Tages beleuchteten Ausgang der Pyramide sieht sie zwei Gestalten. Einer davon ist sicher Frumol, aber der andere?

Sie lässt ihren Rucksack hier zurück und humpelt den beiden entgegen.

Sobald sie den verletzten Edric erkennen kann, ruft sie Frumol zu: "Lass ihn dort, ich kümmere mich um ihn. Hol die beiden anderen, schnell!" drängt sie.

Es fällt ihm schwer, sich umzudrehen, und wieder hinaus zu gehen, sich der tödlichen Gefahr auszusetzen, der er gerade entkommen ist.

Viel einfacher wäre es doch, gleich durch das Tor zu gehen …

Sephyra kann seine inneren Qualen auf seinem Gesicht ablesen. Ihre eigenen Augen wollen ihm sagen: 'Ich weiß.' Aber mit festem Kopfnicken bedeutet sie ihm dann: "Na los, hilf den beiden. Um so schneller kommen wir hier weg!"

Dann sieht er Ingalf, der von dem Cavalliere gestützt und geführt wird. Er muss ihnen helfen! Schließlich sind sie hier Gefährten, auch wenn das zurück in Aventurien wieder anders aussehen kann …

Was zählt ist das hier und jetzt.

Als sie Edric erreicht, werden ihre Züge ernst. 'Es hat ihn beim Sturz wohl ganz schön erwischt.' Seinen Rucksack lässt sie unbeachtet. Dafür stützt sie ihn, so gut sie eben kann, da sie viel kleiner, leichter und auch verletzt ist. So bugsiert sie Edric vorsichtig bis vor das Tor und hilft ihm, sich dort hinzusetzen.

"Danke!" keucht Edric. "Das verdammte Seil! Auf einmal bin ich weg gerutscht" Dann schaut er sich um. "Sind wir da wo wir hin wollten?"

"Ja, sind wir." beruhigt Sephyra ihn sanft. "Aber spar' Deine Kraft. Sobald die anderen hier sind, geht es nach Hause. Jedenfalls hoffe ich das für uns." ergänzt sie leise.

Dann sieht sie sich nach den anderen um: "Warte hier, ich hole Deinen Rucksack." und schon humpelt sie wieder nach vorn, um so viel Gepäck wie möglich zu holen und zum Tor zu schleifen.

'Gut, dass Frumol mir diesen Knöchelverband verpasst hat.' denkt sie währenddessen mehr als einmal.

Vor Ingalfs abgelegter Orknase bleibt Sephyra unschlüssig stehen. Soll sie die Waffe auch mitnehmen? Sie schaut auf und sieht wie Randirion Ingalf stützend zurück zur Pyramide kommt. Frumol ist vor ihnen. Hinter den dreien kommen zwei Ameisen mit großer Geschwindigkeit an.

'Ingalf kann sie wohl heute nicht mehr schwingen!' durchzuckt sie die Erkenntnis wie ein Blitz beim Anblick des verletzten Seefahrers. Kurz entschlossen ergreift sie die überraschend schwere Axt und begibt sich umgehend zu Edric und dem Tor zurück. Dort angekommen schultert sie ihren Rucksack und hilft Edric, sich aufzurichten: "Sie kommen, Ingalf ist verletzt, aber noch sind sie alle am Leben!" informiert sie ihn.

"Sobald sie den Eingang der Pyramide erreichen, werde ich das Tor aktivieren." erläutert sie ihren Plan.

'Und dann sind wir hier weg. Und wenn das Tor sich nicht nach Hause öffnet?' plagen sie Zweifel. 'Nein, überall wird es besser sein, als in diesem Gang mit riesigen Ameisen hinter uns!' Ihr Entschluss steht fest. Sie wird den grünen Stein drücken, sobald die drei am Eingang zu sehen sind.

Frumol läuft zwischen den Ruinen hindurch, den beiden Kämpfern entgegen.

"Er sieht schlimm aus, was ist passiert?" fragt er als er im Näherkommen den Zustand sieht, in dem sich Ingalf befindet.

Ohne lange zu zögern hakt er Ingalf auf der anderen Seite unter und hilft ihn zum Eingang zu führen.

"Später," erwidert der Cavalliere nur kurz und recht atemlos, aber nicht unfreundlich. Er hat im Moment keine Zeit für große Erklärungen.

"Sephyra hat das Tor gefunden", teilt er Ihnen erfreut mit, hoffend diese Nachricht mobilisiert ihre letzten Kräfte.

"Excellent!" stößt Randirion hervor und tatsächlich könnte man den Eindruck bekommen, dass er sich noch mehr zusammenreißt und, den kräftigen Thorwaler weiterhin stützend, etwas schneller voran kommt.

Das ist auch nötig, denn Frumol sieht, dass von hinten zwei weitere Ameisen mit hoher Geschwindigkeit ankommen.

"Hurtig, hurtig, Freunde! Wir bekommen Besuch!" treibt er sie beiden Gefährten an und beschleunigt seinen Schritt. Sein Gesicht spiegelt Anspannung und Angst wieder - von dem fast stetigen Grinsen ist keine Spur mehr zu erkennen.

Noch einmal blickt er zurück. 'Können wir es schaffen? Erreichen wir den Eingang rechtzeitig?' versucht er die Situation einzuschätzen.

Es wird knapp werden!

Sephyra befindet sich mit Edric "Abreise fertig" vor dem Tor. Nervös sieht sie sich immer wieder zum Eingang der Pyramide um, bis sie schließlich nur noch in diese Richtung starrt: "Wo bleiben die bloß?" fragt sie Edric, ohne wirklich eine Antwort zu erwarten. Ihr fällt es immer schwerer, den verletzten Edric - trotz Hilfe der Wand - zu stützen und ihr eigener Knöchel schmerzt.

Randirion rinnt der Schweiß herab, aber mit zusammengebissenen Zähnen eilt er vorwärts, auf den Eingang zu. 'Aufgeben ist keine Option …'

Ingalf versucht Randirion so gut als möglich zu unterstützen, dass die beiden noch vor den Ameisen den Eingang erreichen.

Und es gelingt! Zwar holen die Ameisen auf, aber alle Flüchtenden sind vor dem verfolgenden Paar Ameisen in der Pyramide.

Er wird am Eingang kurz halten, um seine dort abgelegte Balestrina aufzuheben.

"Danke", murmelt Ingalf zwischen seinen wund gebissenen Lippen hervor. Als er die Wände des Ganges neben sich spürt, versucht er sich allein an den Wänden entlang zu ziehen.

"Mein Seesack ... bitte", kommt noch relativ unverständlich über seine Lippen. 'Die Orknase hat wohl schon einer mitgenommen.'

Als Sephyra den Kawaljere und Frumol den offensichtlich schwer angeschlagenen Ingalf in den Gang mehr schleppen als stützen sieht, handelt sie schnell.

Sie wendet sich dem Tor und dort dem Feld der Steine zu und meint über die Schulter zu Edric: "Los geht's! Da hinten kommen sie."

Rasch spricht sie ein Stoßgebet zu Phex: "Führe meine Hand sicher und gewähre mir das Glück, den richtigen Knopf zu drücken, damit wir wieder zurück nach Hause, oder besser: in das Kloster, aus dem wir kamen, zurückkehren zu können!"

Stumm zählt sie bis drei, legt Zeige- und Mittelfinger auf den gründen Stein und drückt.

'Hoffentlich habe ich Recht!' wünscht sie sich im Stillen.

Das weiß Sephyra nicht, aber eines merkt sie: Die Stirnwand des Tunnels direkt vor den Flüchtenden fängt an blau zu leuchten - genauso wie das Tor im Wüstenkloster und genauso wie das Ankunftstor im Baum.

'Das Tor ist offen!' erkennt sie. 'Aber wird es uns wirklich zurück führen? - Egal, überall ist es besser, als hier in wenigen Augenblicken!'

Noch einmal dreht sie sich zu den anderen um: "Schnell, folgt uns!"

Zwar sind alle mehr oder weniger heil im Pyramidentunnel angekommen, aber noch ist nicht alle Gefahr gebannt, denn die Ameisen folgen den Flüchtenden hintereinander in die Pyramide.

Frumol bleibt als Letzter im Gang zurück und hofft den Vormarsch der beiden Ameisen lange genug aufhalten zu können, bis die vier Gefährten durch das Tor gegangen sind. Sicherlich ist er zwar nicht der beste Kämpfer, doch in dem Gang ist sein Geschick sicher von Nutzen. Außerdem: Er ist als einziger in der Gruppe unverletzt!

Dann rafft sie soviel wie möglich des Gepäcks zusammen, drückt Edric in die Hand, was dieser tragen kann und führt ihn stützend hinein in das leuchtende Gangende. Hochgradig gespannt tritt sie durch das Tor und ist - schwupps - verschwunden.

Edric folgt ihr mit allem, was er trägt - so schnell er kann.

"Los, ihr zuerst!" bestimmt Frumol und überlässt es Randirion den verwundeten Seemann zum Tor zu bringen. Gleichzeitig dreht er sich um, und zieht sein Rapier um den Verfolgern den Eingang zu verwehren.

'Bei Phex, was tue ich hier?' fragt er sich, als er die herannahenden Ameisen sieht. Sicherheitshalber zieht er mit der Linken noch einen Wurfdolch aus seinem Brustgurt.

"Los geh', nimm' meinen Seesack und pass' auf den Käpt'n auf!" sagt Ingalf mit einem fast dämonischen Grinsen zu Frumol.

"Verschwinde endlich. Du kannst ja kaum noch stehen", zischt Frumol ihn an und wendet sich wieder den Ameisen zu.

Es gelingt Frumol gut, die Ameise in Schach zu halten. Ein paarmal muss er die Zangen des Riesenviechs parieren, aber das gelingt ihm jedesmal. Eine überzeugende Gelegenheit für einen Angriff bietet sich ihm nicht. So konzentriert er sich auf die Defensive und wartet auf ein Zeichen von hinten, dass er sich umdrehen und zum Tor laufen kann.

Mit so einer energischen Abfuhr hat Ingalf nicht gerechnet, so gibt er klein bei und folgt Randirion zum Tor.

Als Randirion und Ingalf am Tor ankommen, sehen sie, wie gerade Edric verschwindet. Sephyra ist nicht mehr zu sehen.

"Los, Frumol, komm - wir sind durch!" ruft Ingalf mit rauer Stimme während es durch das Tor tritt.

"Meister Pellocke, nun kommt schon!" erklingt nun auch der drängende Ruf des Cavalliere. Randirion zögert noch, durch das Tor zu treten, durch das soeben Ingalf verschwunden ist. Er wird niemanden zurücklassen und solange Frumol noch die Ameise in Schach hält und nicht an seiner Seite ist, wird auch er diesen Ort nicht verlassen.

Als Frumol Randirions Ruf hört, dreht er sich um, um den Gang entlangzulaufen und durch das Tor springen. Phex stehe ihm bei, dass er in dem schummrigen Licht weder über ein liegen gelassenes Gepäckstück stolpert, noch dass die Verfolger schneller sind als er!

Aber Phexens Gnade scheint wohl für diesen Moment aufgebraucht. Frumol stolpert über seine eigenen Füße und fällt lang hin.

'Bei Phex' kann er nur noch denken, als sich seine Füße verhaken und er fällt. Er lässt den Wurfdolch fallen um sich über die linke Schulter abzurollen, was ihm auch gelingt. Doch sein Gegner schaut nicht tatenlos zu:

Die Ameise nutzt dass zu einem tiefen Biss in Frumols linken Unterschenkel.

Statt aufzuschreien beißt Frumol die Zähne zusammen, rappelt sich auf, so schnell er kann - dabei bleibt sein Wurfdolch liegen - und hinkt zum Tor. Glücklicherweise ist er trotz der Verletzung schneller als die Ameise.

Randirion lässt Frumol vorbei und folgt ihm einen Wimpernschlag später.