Nachdem die Geschichte mit dem Schelm gut zu Ende gegangen ist (gut für sie, heißt das), genießt Celissa für einige Zeit wieder das Leben in Havena. Sie hat Geld, sie hat Randirion, sie hat Freundinnen in der hohen Gesellschaft; kurzum, es geht ihr blendend.

Etwa zwei Wochen später jedoch erhält sie im Gespräch ganz nebenbei eine schlimme Nachricht: der Baron von Quirod wird die Stadt besuchen! Nun wäre das an sich nicht schlimm, wenn der Baron sie nicht kennen würde, aber das tut er, unter anderem Namen, und er würde sich bestimmt an sie erinnern. Wenn sie bei Isida bleibt, wird Celissa ihm unmöglich aus dem Weg gehen können, und so folgt die Horasierin schon an diesem Nachmittag ihrem ersten Instinkt: Flucht. Wieder einmal.

Sie hat keine Idee, was sie Randirion erzählen sollte; bei einem Familiennotfall etwa würde er bestimmt darauf bestehen, sie zurück ins Liebliche Feld zu begleiten, was überhaupt nicht hilft. Ähnliches gilt, wenn sie eine geschäftliche Gelegenheit vortäuschen würde, denn der abenteuerlustige Cavalliere würde auch da mitkommen wollen. Also erzählt sie ihm - nichts, und geht ohne Abschied. Das ist auch für sie zunächst der einfachste Weg.

Gleichzeitig will sie ihn aber nicht verlieren, und genauso wenig ihre Position in der Gesellschaft Havenas. Deshalb bleibt sie in der Stadt und hofft, dass ihr etwas einfällt, um ihr Verschwinden zu erklären, wenn der Baron wieder weg ist. Ihr erster Weg führt sie zum Kaufmann Rastburger. Der schuldet ihr sowieso noch einen Gefallen, und außerdem hat sie noch ein paar Briefe, die sie ihm verkaufen kann. Und wie sich herausstellt, sind die Herrn Rastburger tatsächlich ein hübsches Sümmchen wert.

Dann taucht sie unter in den ärmeren Schichten und Vierteln Havenas. Einige gezielte Fragen und kleinere Bestechungsgelder helfen ihr, die richtigen Kontakte zu finden; mit ein bisschen mehr Geld sorgt sie auch dafür, dass die Unterwelt sie aufnimmt und mögliche Nachforschungen Randirions ins Leere laufen. Bald hat sie sich einer Gruppe angeschlossen, deren Anführerin - eine Elfe - ihr auch schon in Rastburgers Haus begegnet war.

So vergeht die Zeit, bis der werte Baron von Quirod seinen Besuch beendet hat und in sein heimatliches Almada zurück fährt. (Unterdessen wird übrigens das Haus der Familie Ladenrath von einer frechen Diebesbande ausgeraubt, während die Besitzer auf einem Ball weilen. Die Wachen, die diesen Coup nicht verhindern konnten, werden entlassen.) Celissa lässt noch ein paar Tage verstreichen, damit niemand Verdacht schöpft, und taucht dann plötzlich wieder bei Isida Engstrand auf.

Sie erzählt der Patrizierin eine gar abenteuerliche Geschichte: eine arme Frau mit einem kranken Kind habe sie auf der Straße angesprochen und um Geld für Medizin bei einer Kräuterfrau gebeten. Freundlicherweise sei sie gleich zu dieser Kräuterfrau gegangen, die habe sie aber zu einer Stelle im nahen Wald außerhalb Havenas geschickt, wo sie ein paar Pilze holen sollte, die nötig waren. Weil sie nichts besseres zu tun gehabt habe, sei sie gegangen, habe sich dann aber plötzlich in einem Feenreich wiedergefunden! Dort habe sie für gerade mal einen Tag die Gastfreundschaft der Feenkönigin genossen (die ihr dann auch die Pilze gegeben habe) und habe zurück in Havena erstaunt erfahren, wie viel Zeit tatsächlich vergangen sei.

Ja, eine wahrhaft unglaubliche Geschichte, aber Abenteurer wie sie und Randirion erleben so etwas nun einmal häufiger, und von Feentoren in Albernia hört man immerhin häufiger als von Weltentoren in der Wüste. Und Celissa sieht tatsächlich genau so aus, als wäre sie nur einen Tag weg gewesen, und weiß so viele interessante Details zu erzählen, dass ihre Freundinnen ihr Glauben schenken (oder zumindest an der Wahrheit nicht interessiert sind). Nur Randirion ist inzwischen schon längst in den Norden aufgebrochen …

Celissa bedauert das sehr, sieht aber wenig Sinn darin, ihm zu folgen, zumal wenn es in Havena doch auch schön ist. Sie hofft vielmehr, dass er sein Abenteuer dort bald beendet und zu ihr zurückkehrt. Als ihr Isida dann von dem Brief aus Grangor erzählt, kann sie ihr aber auch die Bitte nicht ausschlagen, dort zu helfen. Vielleicht ist ja dann Randirion zurück, wenn auch sie aus Grangor zurück ist … aber sie muss der Patrizierin mitteilen, dass ihre früheren Gefährten inzwischen alle gegangen sind und man daher ein paar andere Mitstreiter besorgen müsste.

Da kommen doch die Helden gerade recht, die demletzt von einem Auftrag für den Fürsten aus dem tiefen Süden zurück gekehrt sind.