Am nächsten Morgen bringt Leirix die drei Gefährten, ohne sich zu verlaufen zu Rastburgers Haus [U35].

Das Haus des Kaufmanns ist ein stattliches, zweigeschossiges Gebäude. Die eichenen Haustür und die schweren, hölzernen Läden sind geschlossen. Der zum Haus gehörende Garten ist von einer zwei Schritt hohen Mauer eingefasst.

An der Eingangstür blinkt ein Türgriff aus Messing, darunter befindet sich das Schlüsselloch. Die Mitte des oberen Teils der Tür ziert ein geschnitzter Frauenkopf, dessen Lippen sich kaum merklich bewegen, so als ob sie unhörbare Worte formten.

Eine kleine Menschenmenge hat sich in der Erwartung eines Spektakels versammelt.

Die Donna trägt Ihre weise Leinenbluse und rote Satinpluderhose. In der Mitte gebunden wird es durch einen breiten Ledergürtel mit Waffengehänge an dem links das Florett und rechts ein Dolch und ein ca. halb gefüllter Pfeilköcher mit ungespanntem Kurzbogen hängen. Über dem ganzen trägt sie einen schwarzen Kurzmantel. Amüsiert schaut sie auf die Menge.

Celissa trägt ihre gewohnte Kleidung und hat außer ihren Waffen noch eine kleine, gut gefüllte Öllaterne mitgenommen. Sie lächelt der Menge zu und winkt sogar einmal.

An ihrer Seite geht der Cavalliere in seiner üblichen, standesgemäßen Bekleidung, Reithose, Seidenhemd, Wams, Ärmelrock mit Fellbesatz, breitkrempiger, flacher Hut mit grüner Feder, Ledergürtel mit Waffenscheiden und Börse, in der sich 10 Dukaten, 10 Silbertaler und 3 Heller, sowie Papiere, Feuerzeugs und Visitenkarten befinden. Ein paar weiße Taschentücher mit Monogramm (RyC) stecken in den Bekleidungstaschen. In seinem Brustbeutel trägt er nochmals 15 Dukaten bei sich. Diesmal führt er zusätzlich zu Rapier und Linkhand seine Balestrina mit sich, im Rucksack befindet sich weitere Munition (50 Bleikugeln), das Werkzeugtäschchen, zur Waffenreinigung kleine weiche Stofflappen, Hammer und Nägel, eine gefüllte Feldflasche, Pergament, Tinte und Schreibfeder, sein geliebtes Adlerbanner, die gefüllte Sturmlaterne und ein 5 Schritt langes Seil.

Er schenkt der sensationsheischenden Menschenmenge keine Beachtung, sondern hat seinen Blick auf den geschnitzten Frauenkopf auf der Eingangstür gerichtet, die sich bewegenden Lippen entlocken ihm eine äußerst besorgte Miene.

Als sie den Kopf an der Tür sieht, weiten sich ihre Augen jedoch erstaunt. Sie dreht sich zu Leirix. "Ist das normal?"

Leirix hält Abstand vom Haus, so weit es geht. "Nein, das ist nicht normal," erklärt er.

"Das will ich wohl meinen", ist von Randirion zu vernehmen, der aufmerksam die Tür betrachtet. "Ist der Eingang verschlossen?" will er wissen. "Wenn dem so ist, solltet Ihr mir nun den Schlüssel reichen."

"Bitteschön!" Leirix produziert aus einer Jackentasche einen großen Haustürschlüssel und reicht ihn Randirion.

Der Cavalliere nimmt den Schlüssel entgegen und nickt seinen beiden Begleiterinnen zu. "Dann wollen wir mal …" Den Frauenkopf misstrauisch betrachtend, nähert er sich mit dem Schlüssel dem Schlüsselloch.

Der Schlüssel passt.

Randirion dreht ihn mit bedacht im Schloss, um die Tür zu öffnen.

Das Schloss entriegelt hörbar mit einem Klick. In dem Moment passiert etwas, was sich für Randirion und alle anderen ganz unterschiedlich darstellt.

Die Umstehenden sehen, wie Randirion samt seiner gesamten Ausrüstung auf ein Drittel seiner Länge zusammen schnurrt. Gleichzeitig nimmt aber sein Körperumfang zu - ein in den Rechenkünsten bewanderter Zuschauen könnte mit Glück, abschätzen, dass sich Randirions Volumen überhaupt nicht verändert hat. Shantalia und Celissa erinnern sich an die gestrige Geschichte von der Verwandlung eines Abenteuers in einen Kürbis. Dieser Form ähnelt Randirion nun.

Für Randirion hat es im ersten Moment den Anschein, dass auf einmal alles um ihn herum schlagartig auf die dreifache Höhe wächst. Dadurch wird ihm der im Schloss steckende Schlüssel aus der Hand gerissen. Randirion verspürt bis auf die visuelle Verzerrung nichts besonders.

Das Publikum johlt vor Begeisterung.

Celissa schreit entsetzt auf. "Randirion!" Sie starrt ihren schrecklich veränderten Freund an, vorerst unfähig, weiter darüber nachzudenken.

"Macht Euch keine Sorgen", versucht der junge Adlige die Horasierin zu beruhigen. "Ihr wisst ja, es geht vorüber …" So hofft er zumindest und stößt, wenn auch etwas mühsamer als in seiner vollen Größe, die Tür auf. "Wollen doch mal sehen, was dahinter steckt …"

Aus der Menge kommen enttäuschte Rufe, aber auch Beifall, als Randirion so kaltblütig reagiert.

Die Tür lässt sich nicht aufstoßen. "Der Knauf muss noch gedreht werden", bemerkt Leirix.

Mit einem giftigen Blick auf das Publikum bückt sich die Donna zu dem Cavalliere hinunter. "Wie geht es Dir?"

"Danke der Nachfrage", antwortet Randirion trocken. "Bis auf die ungewöhnliche Perspektive ist nichts zu beklagen."

"Aber …" stammelt Celissa. "Fühlt Ihr Euch gut? Wer weiß, wie lang es anhält? Und wie oft noch solche Fallen hier stecken? Vielleicht sollten wir Sephyra suchen?"

"Ich fühle mich bestens." Der geschrumpfte, kürbisrunde Adlige schaut zu ihr hoch und versucht ein Lächeln. "Alors, dann sollen wir also das Unternehmen abbrechen und es zu einem späteren Zeitpunkt erneut versuchen, möglicherweise mit Sephyras Unterstützung?" Er erinnert sich noch gut an die Türen im Kerker der Piraten unter der Stadt und Sephyras Warnungen.

"Ja, das klingt vernünftig."

Randirion dreht sich zu dem Schreiber um, mustert diesen kurz. "Das wäre ein geringes Problem, reichte man an besagten Knauf heran." Er streckt seinen Arm aus und fragt Leirix noch beiläufig: "Euch war nicht zufällig bekannt, dass der vormalige Vorgang der Verwandlung bereits direkt an der Eingangstüre stattgefunden hat?"

Auf den Zehen stehend erreicht Randirion den Knopf, schafft, ihn zu drehen, und kann auch die Tür aufstoßen.

"Ähm", antwortet der Schreiber, der im Gegensatz zum Vortag ein Florett an seiner Seite trägt. "Doch, so war es."

Celissa sieht ihn wütend an. Das hätte er auch vorher sagen können! "Und gibt es noch weitere Ereignisse, von denen Ihr uns mehr erzählen könntet?" fragt sie ihn.

Leirix zieht den Kopf ein. "Nein, das hat den anderen Söldnern gereicht."

"Über die Konsequenzen, die Euer Verhalten nach sich zieht, reden wir später", kommentiert der Cavalliere das Geständnis streng.

Leirix macht eine entschuldigende Geste.

Der Flur

Hinter der Eingangstür, die nach links aufgeht, liegt ein kleiner Flur von zwei Schritt Breite und drei Schritt Länge. Fußboden, Decke und Wände sind mit dunklem Holz verkleidet und lassen den Gang düster erscheinen. Gleich vorn rechts ist Durchgang, in dem die untersten Stufen einer aufwärts führenden Treppe zu sehen sind. Hinten im Flur führen nach rechts und links je eine Tür.

Am Ende des Flurs ist eine unbestimmte, wabernde, durchscheinende grüne Masse zu sehen.

Die Donna zieht Ihre Waffe.

In aller Ruhe und routiniert lädt Randirion seine Balestrina und macht sie schussbereit. "Alors, welchen Weg beschreiten wir als erstes? Gleich nach oben, oder nehmen wir uns zuerst die grüne Götterspeise vor? Was wäre Euch angenehmer, Mesdames? Ich für meinen Teil würde es vorziehen, die Konsistenz dieser Masse zu prüfen und das Objekt möglichst zu eliminieren."

"Was ist das denn?" fragt sich Celissa laut. Sie zieht ihren Degen und betritt vorsichtig den Flur, um sich die Masse genauer anzusehen.

Als sich Celissa der Masse nähert, deren Form im von draußen herein scheinenden Licht entfernt an ein Schwein erinnert, beginnt die grüne Gestalt erbärmlich zu winseln: "Kehrt um, kehrt um, ihr rennt in euer Verderben! Ach, bald wird es euch ergehen wie mir …"

"Wer bist du?" fragt Celissa misstrauisch. Sie ist unsicher, ob diese Gestalt sie wirklich warnen oder nur von einer weiteren Erkundung abhalten will. "Und was bist du, oder was ist mit dir passiert?"

Die Gestalt löst sich ohne Reaktion auf wie ein Rauch in einem Luftzug. Auf dem Fußboden bleibt ein Fleck zurück.

Der Cavalliere ist Celissa mit der Balestrina im Anschlag gefolgt und starrt nun den Fleck, an den er herangetreten ist, misstrauisch an. "Was für eine seltsame Erscheinung war denn nun das?" fragt er sinnierend mehr sich selbst, während er die Art des Fleckes in Augenschein nimmt. Er vermutet Wasser, würde sich jedoch nicht wundern, wenn er auch von anderer Eigenschaft wäre.

Das sieht wie Fleck eingetrockneten Blutes aus.

"Irgendwas magisches", meint Celissa. "Hier scheint's davon nur so zu wimmeln." Sie hat sich wieder etwas gefasst, schaut den veränderten Randirion jedoch nicht an, während sie mit ihm spricht. "Ich glaube, hier will jemand die Leute aus dem Haus treiben. Ein Magier, oder vielleicht eine Hexe … aber wieso? Und wer?"

"Mich hat der Empfang ein wenig an das erinnert, was uns in den Kellergefilden begegnet ist", erinnert sich Randirion, der seine Betrachtung des Flecks abgeschlossen hat. "Dies hier scheint Blut zu sein … möglicherweise ein Vergehen, für das der Reeder büßen soll?" spekuliert er weiter.

"Daran habe ich auch schon gedacht", stimmt Celissa zu. Sie sieht sich um, ob Leirix in der Nähe ist, und senkt ihre Stimme soweit, dass der Schreiber nicht mithören kann. "Vielleicht will der Magier oder die Hexe Rache nehmen für das, was hier geschehen ist, und hat das Haus verflucht."

Leirix ist im Moment gerade dabei, vorsichtig den Flur zu betreten.

Randirion runzelt die Stirn, während er zu ihr hoch schaut. "Und wenn wir es mit einem von der Art dieses Karabustel zu tun haben?" stellt er die Vermutung an. "Einem Kobold … warum soll nicht, wo sich einer eingenistet hat, auch ein zweiter hausen? Bei der Qualität dieses Scherzes …" er schaut an seiner Kürbisgestalt herunter," … sollte es mich nicht wundern …"

"Ein Kobold?" Daran hatte Celissa noch nicht gedacht, und es wirft sie ein wenig aus ihrer gedanklichen Bahn. Denn dass Kobolde so rachsüchtig wären, hat sie noch nicht gehört. Aber wer weiß? "Naja, vielleicht auch ein Kobold, wenn der Reeder einem Freund von ihm etwas getan hat oder so …" stimmt sie zu.

"Wer auch immer dafür verantwortlich ist, dieses Treiben muss unterbunden werden. Suchen wir weiter nach der Ursache", meint der Cavalliere und verwünscht innerlich seine Verwandlung, die ihn daran hindert, uneingeschränkt in den Räumlichkeiten vorzudringen. Die Türgriffe … er betrachtet die beiden Türen, die sich hier, am Ende des Flurs befinden und wendet sich der rechten zu, an dessen Klinke er versucht, heranzureichen, um sie zu öffnen, auch auf die Gefahr hin, noch weitere Einschränkungen magischen Ursprungs zu erfahren. Doch besser er, als seine noch unbehelligten Begleiterinnen …

Das Schreibzimmer

Hinter der Tür liegt ein sehr großer unregelmäßig geformter dunkler Raum. Im indirekten Licht des Flurs ist eine Sitzgruppe in der Raummitte zu erkennen: ein niedriger runder Tisch, umrahmt von drei schweren Ledersesseln.

"Das Schreibzimmer", erläutert Leirix von hinten.

Die Donna betritt den Raum und schaut sich um.

Ein paar Lichtstrahlen dringen zwar durch den geschlossenen Fensterladen zur Straße hin, also von rechts in den Raum, aber viel ist im Halbdunkel nicht zu erkennen. Da gibt es ein paar Schränke und Regale an den Wänden. An der gegenüberliegenden Wand, das könnte ein Kamin sein, und der dunkle Schatten links hinten in der Ecke könnte ein Schreibtisch sein.

"Ein wenig mehr Licht sollte nicht von Schaden sein", bemerkt der Cavalliere, der nach Shantalia den Raum betritt. Da es ihm wohl nicht leicht fallen dürfte, den Fensterladen zu öffnen, holt er seine Sturmlampe aus dem Rucksack und entzündet sie, um eine bessere Sicht auf die Gegenstände in dem Zimmer zu haben. Vor allem interessieren ihn Schriftstücke, die er auf dem Schreibtisch vermutet, und daher diesen daraufhin untersucht.

Alle Schubfächer in Rastburgers Schreibtisch wurden aufgebrochen. Das ist sofort zu erkennen. Wenn in den Schubläden rechts und links einmal wertvolle Gegenstände waren, so sind diese jetzt weg. Jetzt finden sich nur noch Unmengen beschriebenen und unbeschriebenen Papiers.

Auf die Platte des Schreibtisches kann Randirion nicht schauen, die liegt zu hoch, desgleichen die halb herausgezogene Mittelschublade.

Die Donna nimmt sich einen Teil der Papiere, um sie zu begutachten und gibt einen Teil nach unten zu dem Cavalliere.

Abrechnungen, Geschäftsbriefe, eingegangene Angebote, Kopien von Bestellungen, Einsatzpläne - es ist alles das zu finden, was man im geschäftlichen Schreibtisch eines Kaufmannes erwartet. Entsetzlich langweilig.

Celissa bleibt an der Tür stehen und wartet erst einmal ab. "Was ist auf der anderen Seite?" fragt sie den Schreiber.

"Das Wohnzimmer", erwidert Leirix. Er schaut nachdenklich zu Rastburgers Schreibtisch, bleibt aber bei Celissa.

Diese nickt. "Wie lang arbeitest du schon für Herrn Rastburger?" fragt sie im Plauderton.

"Seit zwei Jahren", ist Leirix Antwort.

Celissa wendet sich ihm zu, wie gelangweilt von den sehr genauen Untersuchungen ihrer Gefährten. "Und, ist er ein guter Dienstherr?"

"Nun ja, er ist recht erfolgreich", ist die Antwort des Schreibers.

"Das mein' ich nicht …", antwortet die Horasierin ein bisschen enttäuscht. "Gibt er dir arg viel zu tun? Ist er gerecht? Macht es Spaß, für ihn zu arbeiten? Solche Dinge halt."

"Nun, macht Arbeit denn Spaß?" ist die Gegenfrage des Schreibers.

"Bei dir also nicht?" kontert Celissa, und denkt sich dabei, dass dieser Leirix nicht gerade besonders gesprächig ist.

"Es gibt Spaß und Spaß …" ist die ausweichende Antwort.

"Na, ein Besuch im Rahjatempel wird es nicht sein", grinst Celissa. "Aber es gibt auch solche und solche Dienstherren …" Sie blinzelt ihm verschwörerisch zu. "Du kannst mir ruhig erzählen, was er für ein Ekel ist. Ich werd's ihm bestimmt nicht weitersagen."

Leirix zuckt nur mit der Schulter und beobachtet, was Randirion und Shantalia am Schreibtisch machen.

"Es geht hier also nicht nur nicht mit rechten Dingen zu, sondern auch mit rechten Dingen!" Die Donna fängt an nach gewaltsamen Spuren m Schreibtisch zu suchen.

Die sind offensichtlich mit roher Gewalt aufgehebelt worden.

Verärgert, dass er nicht so an die Schubladen des Schreibtischs heranreicht, wie er gerne möchte, macht er Shantalia auf diese aufmerksam. "Schaut doch bitte mal nach, ob sich irgendwo Geheimfächer finden lassen."

Und Shantalia sucht.

Sie tastet die Innenseite der oberen Schubladen ab. Da ist nichts auffälliges.

"Es tut mir leid, Cavalliere, es wirkt nach einem normalem Aufbruch."

"Und was ist mit der halb herausgezogenen Mittelschublade?" fragt Randirion ungeduldig weiter. "Kein doppelter Boden oder ähnliches?"

Die Donna zieht die Schublade komplett heraus, notfalls mit Gewalt und untersucht sie, ggf. nimmt sie sie komplett auseinander.

Die Lade lässt sich problemlos herausziehen. Als Shantalia sie untersucht, stellt sie fest, dass die Schublade ziemlich klein ist - sie müsste nach der Einschätzung der Donna tiefer sein.

Neugierig untersucht Shantalia den 'Raum' hinter der Lade, die sie achtlos zu Boden fallen lässt.

In dem Fach hinter der Lade ertastet die Donna einen Beutel und einen Stapel Papiere.

Sie zieht alles hervor, gibt dem Cavalliere die Papiere und öffnet selbst den Beutel.

Der Beutel enthält Goldmünzen. Er mögen wohl gut 20 Dukaten sein. Bei den Papieren handelt es sich um ein Bündel Briefe die mit einem roten Bindfaden zusammengeschnürt sind.

Die Donna packt das Geld zurück.

Der Cavalliere nimmt das Bündel an sich und löst den roten Faden, um einen Blick in die Schreiben zu werfen. Vielleicht beinhalten die Briefe ja einen Hinweis auf die mysteriösen Vorgänge, die sich in diesem Haus ereignen.

Alle Briefe, die der Cavalliere durchblättert, sind von einer gewissen Elina unterzeichnet. Rastburger wird in ihnen als "Spatzi, Brummbärchen" und "spendabler Schnuckiputzi" angeredet. Die Briefe sind undatiert, riechen aber so stark nach Parfüm, dass sie aus jüngster Vergangenheit stammen dürften.

Als Leirix den Fund bemerkt, geht er zum Schreibtisch und beteiligt sich interessiert an der Lektüre.

Woran ihn Shantalia hindert. "Bitte ein wenig Diskretion, guter Mann." sagt sie, während sie sich zwischen ihn und Randirion schiebt.

"Wenn Ihr diskret wärt, dann würdet Ihr die Briefe wieder dahin legen, wo Ihr sie gefunden habt!" ist Leirix Antwort. Er schiebt sich näher an Randirion heran um doch einen Blick auf die Briefe zu erhaschen.

Die Donna wirkt bei Ihren nächsten Worten sehr resolut. "Wir sind beauftragt worden den Spuk zu beenden, ergo den Ursprung und die Motivation des Urhebers herauszufinden, Ihr seit NUR der Wegweiser! Solange alle die Ihnen zugedachten Aufgaben erledigen, werden wir Freunde sein, aber nur dann!" Die Donna verhindert mit Ihrem Körper den direkten Blickkontakt zu den Unterlagen, Ihre Körpersprache drückt aus, dass sie auch bereit ist, handgreiflich zu agieren.

"So und Ihr meint, dass der Spuk mit …" - Leirix schnüffelt betont - "… dieser Art von Briefen zusammenhängt?"

"Ich meine, dass irgendjemand ein Motiv hat, hier etwas zu veranstalten oder sogar den Bewohner zu vertreiben."

"Wie Ihr meint, Madame", antwortet Leirix. Weiterhin versucht er vorsichtig einen Blick auf die Briefe zu erhaschen.

Der Donna wird das zu dreist, und sie schiebt ihn zur Tür hinaus.

Bevor Shantalia den Schreiber ganz hinaus komplementieren kann, wendet der Cavalliere seine Aufmerksamkeit von den Briefen ab und ihm zu. "Sagt, Monsieur Leirix, ist Monsieur Rastburger verheiratet?" will er von ihm wissen, nachdem er nach der Lektüre noch einmal ausgiebig an den Briefen geschnuppert hat, um die Qualität des Parfüms zu prüfen.

"Ja, der Herr ist verheiratet." ist die Antwort Leirix, der wieder näher gekommen ist. Das Parfüm ist frisch und fruchtig. Es riecht ganz gut, auch wenn es nicht mit der Qualität der Parfums in Randirions Umfeld gleichkommt.

"Ah", kommentiert Randirion diese Aussage kurz. Er wirkt sehr nachdenklich. "Hat Monsieur Kinder?"

"Soweit mir bekannt ist, ist er der Vater zweier Töchter", antwortet Leirix.

"Wie alt sind die?" fragt Celissa interessiert.

Leirix denkt kurz nach. "Alvide, die Schöne, ist siebzehn und Doride, das Pummelchen, ist fünfzehn, glaube ich."

Randirion schmunzelt. 'Dann hat Monsieur sicher bereits mit potentiellen Verehrern zu tun', denkt er sich. Er überlegt jedoch in eine andere Richtung weiter. "Wie lange wurde das Haus schon nicht mehr betreten?" will er nun wissen. Er hat den Verdacht, dass jemand nach diesen Briefen gesucht hat, um den Reeder möglicherweise zu erpressen.

"Seit einer Woche spukt's", erklärt Leirix. "Und seitdem traut sich keiner mehr hier rein."

"Wie es scheint, gibt es Beherzte, die sich von dem Spuk nicht abschrecken ließen", antwortet Randirion sinnierend.

Celissa geht jetzt zu Randirion ins Zimmer. "Kann ich mal sehen?" bittet sie und streckt die Hand nach den Briefen aus.

"Bien entendu!" Der junge Adlige legt das Bündel in Celissas Hände. "Es sieht nach einer aventure extraconjugal aus", raunt er ihr dabei zu.

"Ja, und?" fragt die Horasierin und blättert die Briefe durch. Eine Mätresse wäre doch nichts ungewöhnliches für einen erfolgreichen Kaufmann, denkt sie.

"Der Einbruch wurde der anscheinend von jemandem vorgenommen, der sich entweder von dem Spuk nicht hat beeindrucken lassen oder davon nicht behelligt wurde", antwortet Randirion. "Eifersucht wäre ein Motiv, Monsieur Rastburger das Leben schwer zu machen."

Celissas Blick bleibt an ein paar Zeilen hängen: "… wird - wie man hört - Dein schönes Töchterlein ja bald unter die Haube kommen; ich hoffe, dass wir dann noch mehr Zeit füreinander haben werden. Ach, mein Hasileinchen, wie …"

"Ist Alvide eigentlich schon verlobt?" fragt sie in den Raum, während sie die Briefe weiter durchblättert. Sie sucht jetzt nach etwas, was darauf hindeuten könnte, dass Rastburger seiner Geliebten große materielle Versprechungen gemacht hat.

"Nicht, dass ich wüsste", erwidert der Schreiber steif.

"Hmm." Celissa wirft ihm kurz einen Blick zu und versucht zu erkennen, ob er tatsächlich nichts derartiges gehört hat oder ob er vielleicht lügt.

Celissa überfällt ein leicht mulmiges Gefühl. Da gibt es vielleicht noch etwas, was der Schreiber verschweigt.

Sie merkt sich das, lässt es aber erst einmal auf sich beruhen. Außer dem Hinweis in dem einen Brief hat sie auch nichts, womit sie Leirix unter Druck setzen könnte.

Randirion zieht die Augenbrauen hoch, er hätte erwartet, dass man aus einer baldigen, ehelichen Verbindung der ältesten Tochter kein Geheimnis machen bräuchte.

"Und wer hätte ein Interesse ihn zu erpressen?" fragt die Donna, die gefolgt ist.

Leirix macht ein nachdenkliches Gesicht. "Ich habe nicht die Spur einer Ahnung", kommt er zum Schluss.

Finanzielles und Materielles scheint zwischen Rastburger und seiner Geliebten keine Rolle zu spielen. Es geht fast ausschließlich um erotisches - durchaus deftig formuliert. Die Dame scheint kein Freund von Traurigkeit zu sein.

Die Horasierin muss leicht grinsen, als sie die Briefe überfliegt. Schließlich steckt sie sie ein. "Ich denke, diese Korrespondenz sollten wir wieder Herrn Rastburger persönlich übergeben", meint sie dazu.

"Der Meinung bin ich auch", ist von Randirion zu vernehmen. "Schauen wir uns die anderen Räumlichkeiten an, vielleicht finden wir noch mehr heraus." Er macht sich auf, das andere Zimmer auf der Etage zu untersuchen.

Als er sich dreht, um die Schreibstube zu verlassen, fällt ihm noch die weitere Tür auf, die sich in der gleichen Wand wie die Eingangstür befindet, von ihr durch ein Regal getrennt.

Die Donna folgt.

"Sieh an, hier scheint es noch weitere Räume zu geben", teilt der junge Adlige seine Entdeckung seinen Begleitern mit und geht zu der bisher unerkannten Tür, um sie zu öffnen, nachdem er sie zuerst eingehend und misstrauisch betrachtet hat, sich allein auf seine Instinkte verlassend. Nach den Erfahrungen, die er an der Haustür machen musste, rechnet er mit allem.

Als Randirion sich auf die Zehenspitzen und zur Klinke greift, stellt er zwei Dinge zusammen fest: Jemand hat versucht, die Tür aufzuhebeln. Das zeigen Spuren am Rahmen. Und die Tür lässt sich nicht öffnen.

Der Cavalliere dreht sich zu Leirix um. "Monsieur Rastburger hat Euch doch sicher sämtliche Schlüssel für sein Haus überlassen", setzt er voraus. "Öffnet doch bitte diese Tür."

Leirix zuckt entschuldigend die Achseln. "Das kann ich nicht. Hinter der Tür ist das Archiv. Dazu hat nur Herr Rastburger einen Schlüssel."

Randirion schnaubt ungehalten. "Wie stellt sich Monsieur vor, sollen wir hier erfolgreich tätig werden, wenn uns Zugänge zu möglicherweise wichtigen Räumlichkeiten versperrt bleiben?" merkt er an und schaut Celissa und Shantalia an. "Seht Ihr eine Möglichkeit, hier weiterzukommen?" fragt er diese, denn allein seine reduzierte Größe erschwert ihm ein brachiales Weiterkommen.

"Hmm, vielleicht wenn wir hier einen Draht oder etwas anderes schlankes aus Metall bekommen könnten."

"Oder wenn Frumol hier wäre", bemerkt Celissa. "Suchen wir eben erst einmal woanders weiter."

Randirion wirft der verschlossenen Tür noch einen Blick zu, wobei er nachdenklich die Stirn runzelt. Langsam beginnen sich Zweifel in ihm zu regen und er fragt sich, ob sie das Unternehmen nicht abbrechen sollten, da hier anscheinend andere Qualitäten gefragt zu sein scheinen, als ihnen mit seinem momentanen Handikap und dem Vermögen seiner Begleiterinnen zur Verfügung stehen. Erst der Ruf nach Sephyra, jetzt Frumol … "Es bleibt uns wohl keine Alternative", stimmt er Celissa zu und schickt sich an, die Schreibstube zu verlassen und den anderen Raum zu untersuchen.

Celissa geht dieses Mal voraus.

"Wartet noch eben!" wirft die Donna ein. Sie untersucht die Türscharniere genau.

Die Türscharniere sind auf der anderen Seite der Tür. Hier gibt es nichts zu untersuchen.

'Hmm!' denkt sich die Donna, 'dann müsste ja der Türschlitz auf unserer Seite sein.' Sie untersucht diesen.

Der Türschlitz ist extrem schmal.