Sie sieht schon seltsam aus, diese dreihundert Schritt durchmessende, brettebene Fläche, an deren Südrand die Helden stehen, denn sie ist leer, ganz leer.

"So, der Alte hat gesagt, dass wir nix sehen …", kommentiert Ingalf die Lage, "… das stimmt, das wohl!"

"In der Tat." stimmt Isinha der Feststellung des Thorwalers zu.

Dann orientiert er sich und weist gen Firun: "Da müssen wir drauf los. Also wollen wir, bei Swafnir!"

"Ja, aber immer schön vorsichtig. Wer weiß, wie groß das Gebäude tatsächlich ist." Der Magier geht nicht davon aus, dass sie allzu weit gehen müssen, wohl höchstens 1/3 des Taldurchmessers.

Es dauert 150 Schritte bis plötzlich die Umfassungsmauer eines düsteren Gebäudes auftaucht. Die Helden stellen fest, dass sie geradewegs auf ein vier Schritt hohes zweiflügliges Tor zumarschieren.

"Wollen wir offen oder heimlich arbeiten?" fragt Ingalf seine Gefährten als es das Tor sieht. "Wenn heimlich, dann sollten wir vielleicht einen anderen Eingang suchen, das wohl!"

"Denkst Du im Ernst, dass wir uns hier hereinschleichen und einen Auftrag ausführen können, ohne überhaupt von irgend jemandem gesehen zu werden?" fragt Isinha verdutzt. Vorsorglich stellt er sich aber so neben das Tor, dass er von einer eventuell darin befindlichen Sichtluke nicht zu sehen ist.

"Ich weiß nich', aber wie erklären wir, dass wir überhaupt hier sind?" fragt Ingalf zurück.

"Tja, mit 'aus der Luft gesehen und landen lassen' kommen wir sicher kaum weiter." der Magier grinst. "Aber ich denke nicht, dass man so genau nachfragt, wenn wir uns ihrer Sache anschließen wollen und behaupten, den Standort aus 'einschlägigen Quellen' erfahren zu haben. Vielleicht hilft uns ja auch diese Elfe, von der Rohezal sprach, weiter."

Eine Sichtluke ist in den mit Eisenbeschlägen verstärktem Eichenholz-Türflügeln nicht zu sehen. Der linke Torflügel ist allerdings mit einem gewaltigen Klopfer bestückt, einem Drachenkopf, der einen schweren Ring im Maul trägt.

Als sein Blick darauf fällt, ergänzt Isinha: "Na, offenbar werden hier aber Besucher erwartet. Vielleicht ist es am einfachsten, sich als interessiertes Publikum auszugeben und alles in Ruhe auszukundschaften." schlägt er den ersten Weg aus Ingalfs Frage vor.

"Dann klopf' doch!" fordert ihn Ingalf auf.

Isinha zuckt mit den Schultern. "Bitteschön." erwidert er, schaut aber sicherheitshalber noch einmal in die Runde, ob irgend jemand etwas dagegen einzuwenden hat.

Edric ist etwas mulmig zumute, aber hatte der Magier nicht gesagt, dass sie sich als Interessierte ausgeben sollen? Also hat er nichts einzuwenden.

"Ich glaube nicht, dass unsere Anwesenheit hier vor dem Tor unbemerkt geblieben ist", meint die junge Frau fröstelnd. Sie zieht ihren Umhang fest um sich, Surnia hockt mit aufgeplustertem Gefieder auf ihrer Schulter. "Kündige uns ruhig an, Isinha", spricht sie laut zu dem Magier mit einem Nicken und stößt mit ihrem Stab auf den Boden. "Erinnert euch aber bitte ab jetzt alle eurer Rolle!" schickt sie zwischen zusammengepressten Zähnen und einem grimmigen Gesicht hinterher. Dieses Gebäude mit dem riesigen Tor bereitet ihr sichtlich Unbehagen. Welche Kreaturen hier wohl ein und aus gehen?

'Hm, wie spielt man wohl so eine Rolle?' schießt es Edric durch den Kopf. Er wird es wohl ganz schnell lernen müssen …

Cadruel nickt dem Magier zu.

Da es keinen Widerspruch gibt, betätigt der Magier den Klopfer. Es gibt keine unmittelbare Reaktion.

Ungehalten tritt nun Rovena vor und greift nach dem Ring. Erneut klopft sie an und ruft dabei laut: "Auf was wartet Ihr? Öffnet das Tor und lasst uns ein!"

Edric steht etwas hilflos daneben. "Und wenn sie erwarten, dass wir uns dadurch ausweisen, dass wir die geheime Eingangsparole oder einen geheimen Eingang kennen?"

"Wenn das Tor auf ist, dann weisen wir uns aus, das wohl!" antwortet Ingalf und weist auf seine Orknase.

Es passiert erst einmal nichts.

Nach ein paar Atemzügen versucht Ingalf, ob er das Tor nicht öffnen kann, vielleicht ist es ja nicht verriegelt.

Der rechte Flügel des Tores lässt sich ohne Schwierigkeiten aufziehen. Dahinter beginnt ein 4 Schritt breiter, nach oben offener Gang, der acht Schritt voraus auf einem Innenhof endet. Er wird von einem befestigten Haus überbrückt, dessen Südwand eine Reihe Schießscharten aufweist.

Als nach kurzer Zeit nichts passiert und noch nicht einmal ein Ruf, wie 'Ja, komme gleich!', ertönt, tritt Isinha etwas von dem Tor zurück und sieht in beide Richtungen an der Mauer entlang.

Die Helden befinden sich offensichtlich nahe des westlichen Endes der Abtei. Links wird das Bauwerk von einem quadratischen Turm beherrscht, der im unteren Teil aus dem schwarzen Basalt herausgeschlagen zu sein scheint. Im oberen Bereich ist er aus Basalt gemauert. Etwa zwanzig Schritt weiter östlich gibt es eine zweite kleineres Tür.

Als Isinha die kleinere Tür erblickt, meint er: "Vielleicht dort."

Und will sich auf den Weg dorthin machen.

Aber da hat Ingalf schon das Haupttor aufgemacht.

"Hier geht's weiter!" ruft er dem Magier zu.

"Uhhh." macht dieser, als er einen Blick in den Gang wirft. Erinnerungen an den Festungseingang der Grolme kommen in ihm hoch. Auch dort waren Schießscharten … Unwillkürlich reibt er sich mit der flachen Hand über die Stelle an seiner Brust, an der ihn damals der Armbrustbolzen getroffen hat.

Rovenas Blick wird durch Isinhas Ausruf auf diesen gelenkt. Sie zieht leicht die Oberlippe hoch und kraust die Nase, denn sie meint zu wissen, was er denkt. Die Grolmenfestung … die Erinnerung fährt wie ein Blitz durch ihren Geist. "Sieht nicht nach einer Einladung aus", stellt sie mit rauer Stimme fest und wendet sich der kleinen Tür zu. "Ich will nur wissen, ob die auch offen ist", meint sie und macht sich auf den Weg, ihr Vorhaben umzusetzen.

Die Holztür ist offensichtlich abgeschlossen.

Mit der Bemerkung "Sie ist nicht zugänglich" kommt die Hexe zurück zum Haupttor. Sie schaut ihre Gefährten an und stößt erneut entschlossen den Stab auf. "Ich gehe vor. Wir haben unser Ziel erreicht", lässt sie die anderen wissen und betritt den offenen Gang, um auf das befestigte Haus zuzugehen. Silbrig schimmern die fünf Strähnen in ihrem schwarzen Haar, Surnia auf ihrer Schulter starrt lauernd die Schießscharten an.

Ingalf folgt ihr auf dem Fuße. Die Rechte hat er dabei nach am Griff seiner Axt, sofort bereit sie zu ziehen.

Die Schießscharten sind dunkel. Nichts weiter ist zu sehen, nichts zu hören. Jetzt kommt die Überbrückung. Darunter geht es weiter.

Mit einer schlimmen Vorahnung folgt Isinha den beiden. Als aber kein Bolzenhagel aus den ersten beiden Öffnungen dringt, schreitet er mutiger aus und schließt wieder zu Rovena und Ingalf auf. Eigentlich würde es auch keinen Sinn, eventuell überlaufende Besucher derart abweisend und feindselig zu behandeln.

Der Elf bildet zusammen mit Edric, dem hier alles andere als wohl ist, die Nachhut.

Es passiert auch nichts. Am Ende des Ganges ist ein Gittertor. Dahinter befindet sich ein großer Hof.

Links ist ein 10 Schritt langes, zweistöckiges Holzgebäude mit zwei großen Toren zu sehen. Die Tore stehen offen.

Rechts steht ein kleineres einstöckiges Holzgebäude.

Rovena lenkt ihre Schritte ohne Zögern auf das zweistöckige Holzgebäude zu und betritt dieses durch die offenen Tore.

Es handelt sich hier im Erdgeschoss des Schuppens um einen einzigen großen Raum, so sechs mal zehn Schritt groß. Hier stehen drei einachsige Wage: zwei leichte Reisekutschen und ein Lastkarren. Alle drei befinden sich in ordentlichem Zustand. An den Wänden hängen Halfter, Kummets und ähnliche Dinge. In der Mitte des Schuppens ist zwischen den Wagen eine Lücke frei, so als ob dort eine Kutsche fehlte.

"Ah, es sind wohl welche ausgeflogen, das wohl!" meint Ingalf, der hinter der Hexe eingetreten ist. "Es sind also weniger hier, sehr schön!"

Rovena zuckt mit den Achseln. "Das spielt wohl keine Rolle", meint sie und sieht sich nach einem Aufgang in das nächste Geschoss um. "Es sieht jedenfalls im Moment so aus, als wenn dies nicht das Wohnhaus des Zirkels ist."

Hier drin gibt es keinen Aufgang und auch keinen weiteren Ausgang.

Also verlässt Rovena den Schuppen, umkreist diesen und wendet sich, wenn immer noch kein Lebenszeichen eines Zirkelangehörigen zu finden ist, dem rechts stehenden einstöckigen Holzgebäude zu.

Es ist im Moment niemand auf dem Hof, und so kann die Hexe einen vollständigen Überblick gewinnen.

Edric ist dankbar, dass die Hexe die Initiative ergriffen hat. Er selbst fühlt sich hier unwohl und weiß nicht so recht, wie er sich verhalten soll.

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Es gibt schräg gegenüber der Remise noch ein weiteres zweistöckiges Gebäude, bei dem ebenfalls wie bei der Remise eine Außentreppe nach oben führt. Alle anderen Gebäude sind eingeschossig. Auf dem Hof befindet sich noch ein Ziehbrunnen. Das kleine Gebäude rechts erweist sich als die Latrine.

Mit bis zum äußersten gespannten Sinne folgt ihr der Thorwaler. 'Irgendwo muss hier doch wer sein, das wohl', er beobachtet beim Vorgehen jeden Nische und jeden Winkel auf versteckte Türen oder Möglichkeiten für einen Hinterhalt.

Misstrauisch dreht sich Rovena um sich selbst, mustert die so merkwürdig verlassen wirkenden Gebäude und runzelt die Stirn. "Hallo!" ruft sie. "Ist hier jemand?" Warum nur zeigt sich niemand, wundert sie sich.

In einem der Fenster im ersten Stock der Remise erscheint der Oberkörper einer Frau. Der Kleidung nach ist sie eine Bedienstete. Sie schaut ein wenig überrascht, ruft dann aber: "Ich komme gleich!"

"Pfft", lässt Edric die Luft zwischen seinen geschlossenen Lippen und damit ein wenig seine Anspannung entweichen. Diese Leute scheinen doch ganz normal zu sein.

"Wird aber auch Zeit", bemerkt die Hexe halblaut und gibt sich ungehalten, in dem sie demonstrativ die Arme verschränkt.

"Das klang nicht sehr feindselig." konstatiert Isinha und schaut, aus welcher Tür die Frau wohl kommen wird.

Die Magd kommt die Außentreppe der Remise herab. "Was kann ich für die Herrschaften tun?"

"Bring uns zu deinen Herrschaften", verlangt Rovena nicht unfreundlich. "Wir möchten uns vorstellen." Da es sich um eine Bedienstet handelt, hält sie ihr Ansinnen zurück.

Durch Rovenas Auftreten wird Edric daran erinnert, dass er hier eine Rolle spielen muss, die er sich noch nicht so recht vorstellen kann. Lag die leichte Entspannung nur daran, dass sie mit einer Bediensteten und nicht mit herrschsüchtigen Kultisten gestoßen sind? Dabei hat er doch schon so vieles Merkwürdige, Bedrohliche und Gefährliche erlebt, sei es auf dem Weltenbaum oder erst vorgestern der Kampf gegen den Drachen! Jedenfalls beginnt sich Edric wieder unwohl zu fühlen.

Isinha, der sich neben die Hexe gestellt hat, hält sich zurück. Rovena scheint alles im Griff zu haben. Dank seiner derzeitigen Aufmachung - lederne Hose, wollene Oberbekleidung, Stiefel und der schwarze Wettermantel darüber - wird er sicher nicht sofort als Magier erkannt werden. Nur sein Stab könnte ihn "verraten".

Da jetzt alles zu laufen scheint, gibt Ingalf das Suchen nach Fallen vorläufig auf.

Die Magd knickst. "Hier ist der Wirtschaftsteil, Euer Gnaden. Wir gehen nur ins Heiligtum, wenn wir gerufen werden. Ihr müsstet zum kleinen Eingang gehen."

"Nun, das hätte man einem doch gleich sagen können", erwidert die Hexe mit leicht ungeduldig klingender Stimme und schaut sich demonstrativ um. Sie wird versuchen, ihre Rolle als 'Ihre Gnaden' weiter zu spielen, wen immer die Magd auch damit meinem mag. "Es sieht so verlassen aus hier. Ist das restliche Personal des Klosters gerade anderweitig beschäftigt, oder warum kann man uns nicht angemessen empfangen?" will sie wissen.

"Verzeihung, Euer Gnaden, wir wurden nicht informiert", erwidert die Magd.

"Das soll wohl heißen, dass das Essen auch nicht fertig ist, oder?" fragt Ingalf grimmig.

Die Magd schaut verlegen. "Es gibt da leider eine kleine Schwierigkeit."

"Na, dann sag sie uns, Mädel, das wohl!" fordert sie Ingalf auf.

"Nun ja", beginnt die Magd. Sie ringt die Hände.

"Und die wäre?" fragt Isinha freundlich. Er lächelt der Magd aufmunternd zu, fast so wie in den billigen Geschichten über die guten und die bösen Büttel, die so Geständnisse ihrer Gefangenen erlangen möchten.

Rovena schaut die Frau streng an. "Nun sprich schon gerade heraus und lass dir nicht alles wie Würmer aus der Nase ziehen, wir haben eine weite Reise hinter uns!" fordert sie die Magd zum Reden auf.

"Es ist so", beginnt die Bedienstete, "vor der Küche ist das Schlachthaus, und Atze lässt niemanden durch."

"Atze … sicher der Schlachter, oder?" Isinha lupft die linke Augenbraue, während er nachfragt.

"Kann man so sagen", erwidert die Magd. "Genauer, sein Sohn. Hergel, der Schlachter, ist vor ein paar Tagen gestorben."

"Tja, so etwas soll vorkommen." meint Isinha trocken.

Rovena verzieht ihren hübschen Mund und mustert die Magd kritisch. "Du willst uns doch nicht erzählen, dass ein einzelner Mann aus Trauer um seinen Sohn hier den ganzen Betrieb aufhalten kann?" fragt sie skeptisch. "Und deine Herrschaften tun nichts dagegen?"

"Seinen Vater." korrigiert der Magier Rovena leise. "Hergal, der Schlachter, ist gestorben und sein Sohn macht Schwierigkeiten." An die Magd gewandt, ergänzt er: "Welche Art Schwierigkeiten?" wobei Isinha das letzte Wort betont.

Irritiert schaut die Hexe Isinha an, dann wendet sich ihr Blick wieder der Magd zu. Sie ist gespannt, was diese nun antworten wird auf die Fragen, die dieser von ihr und dem Magier gestellt wurden …

"Die Schwierigkeit ist erst heute früh aufgetreten und der ehrwürdige Vestor ist seit einigen Tagen auf Reisen. Wir erwarten ihn heute oder morgen zurück und so lange gibt es in der Küche genügend Vorräte. Atze greift jeden an, der ins Schlachthaus geht. Mit seinem Schlachterbeil", erläutert die Magd.

"Schlachterbeil, pffft!" brummt Ingalf.

"Ach so, mit einem Schlachterbeil." Isinha klingt amüsiert. "Vielleicht können wir behilflich sein …?" regt er an.

Die Magd knickst. "Aber tötet ihn bitte nicht!"

"Isser Dein Süßer?" fragt Ingalf ungeniert.

"Nein", ist die leicht unfreundliche Antwort der Magd.

"Warum sollen wir ihn denn dann schonen, das wohl?" fragt der Thorwaler mehr zu sich als zur Magd gewandt.

Das hörte diese auch schon nicht mehr.

"Nein, natürlich nicht. Wie kommst Du denn auf diese Idee?" lautet Isinhas Antwort.

Die Magd knickst noch einmal. "Danke."

Mit einer auffordernden Geste bedeutet der Magier ihr, ihnen den Weg zu zeigen.

"Wenn die Herrschaften mir folgen wollen!" Die Magd geht zur Tür des zweistöckigen Gebäudes auf der Nordseite des Hofes.

Ein Gackern, Grunzen und Muhen empfängt die Gruppe, als die Magd die Tür öffnet. Der acht mal zwölf Schritt große Raum ist durch Verschläge in mehrere Buchten unterteilt, in denen der lebende Proviant der Abteibewohner eingepfercht ist. Zwei Kühe und drei Schweine stehen hier; in der Südostecke gibt es einen geräumigen Hühnerstall mit einer großen Anzahl Hennen. Der Westteil des Stalles enthält zwei Pferdebuchten, in denen zwei dürre Zugpferde untergestellt sind.

Rovena schaut sich flüchtig um und wendet sich an die Magd. "Und wo ist nun dieser Atze?" will sie wissen.

"Eine Augenblick noch, Euer Gnaden!" Die Magd führt die Gefährten durch einen Gang zwischen den Tierboxen zu einer Tür in der steinernen Ostwand. "Bitte sehr, das Schlachthaus. Darf ich mich zurückziehen?" Die Magd fühlt sich offensichtlich nicht wohl.

"Ja ja, geh nur", antwortet Rovena angespannt und fügt noch hinzu: "Doch bleib in Hörweite, sollten wir dich anschließend noch brauchen."

"Sehr wohl! Ihr braucht nur zu rufen!" Die Magd verlässt eilig das Stallgebäude.

Sie schaut erst Isinha und dann ihre weiteren Gefährten mit einem schiefen Grinsen an. "Ich werde mal anklopfen, haltet euch bereit."

Kräftig schlägt sie mit ihrem Stab an die Tür und tritt augenblicklich ein paar Schritte zurück, den Stab zum Radau bereit. Surnia duckt sich auf ihrer Schulter, bereit zum Auffliegen.

Rasch bereitet Isinha einen vor, um den Sohn des Schlachters bei Bedarf überraschen zu können.

Es gibt keine Reaktion, aber jetzt wo alle gespannt auf Antwort warten, sind von hinter der Tür dumpfe Schläge zu hören.

"Er macht einen solchen Lärm, dass er uns nicht hört", meint Rovena kopfschüttelnd und tritt wieder an die Tür, um sie vorsichtig zu öffnen.

Rovena schaut in einen mit weißen Fliesen gekachelten Raum. Der Boden fällt in der Mitte des Raumes zu einem runden Gitterrost leicht ab. Blut fließt on rechts in das Gitterrost, von rechts kommen auch die Hackgeräusche.

In der gegenüberliegenden Wand befindet sich am linken Ende eine Tür, rechts daneben hängt eine brennende Öllampe.

Das ist alles, was sie durch die leicht geöffnete Tür sieht.

Sie öffnet die Tür noch etwas weiter, um den Verursacher der Hackgeräusche zu erblicken. Gleichzeitig hält sie ihren Stab zu einem Radau bereit.

Auf einem leiterähnlichen Gestell an der rechten Wand hängt ein aufgeschnittenes und ausgeweidetes Schwein, das Gedärm liegt davor auf dem Boden. Ein kräftiger junger Mann in Schlachterkleidung mit kurz geschorenem Haar ist dabei, das Schwein mit einem großen Beil längs zu zerteilen.

Anscheinend lässt sich der junge Schlachter durch das Öffnen der Tür nicht bei seiner Arbeit stören. "Er zerlegt gerade ein Schwein", lässt sie leise ihre Gefährten wissen und vergewissert sich, dass diese für ein weiteres Vorgehen bereit stehen.

Dann tritt sie entschlossen in den Raum ein, macht sofort Platz für ihre Begleiter. "Ah, wie ich sehe, wird die Schlachtplatte zu unserer Begrüßung gerade vorbereitet", spricht sie den Mann namens Atze an. "Sehr gut, sehr löblich. Man darf gespannt sein, was die Küche daraus zaubern wird." Angespannt wartet sie auf die Reaktion des Schlachters, den sie nicht aus ihren smaragdgrün funkelnden Augen lässt, sowohl bereit, den Stab zu werfen als auch dem Beil auszuweichen, wenn er gedenken sollte, dieses nach ihr zu werfen.

Edric folgt, den Dreizack fest in der Hand. Mit Schaudern erinnert er sich daran, was dieser komische Magier in seinem Turm ihnen vom Zaubern ohne Magiebegabung erzählt hat. Wer weiß, wer hier plötzlich und unerwartet alles zaubern wird.

Als er sieht, dass Rovena mit dem Schwein tatsächlich nur ein Tier gemeint hat, dass also der Schlachter seinem normalen Handwerk nachgeht, entspannt er sich. Irgendwie hatte er damit gerechnet, der Schlachter in diesem Kloster würde Menschen bevorzugen …

Ingalf folgt der Hexe auf dem Fuße. Einen Beilkampf hat er lange nicht mehr geführt - hoffentlich erfüllt ihm der Schlachter diesen Wunsch.

Isinha tritt unmittelbar nach der Hexe ein und stützt sich leicht auf seinen Stab, während er Atze mustert. Seine Haltung verrät eine leichte Anspannung, die aus einer stillen Vorbereitung eines resultiert.

Der Schlachter lässt sein Beil sinken, als er Rovena hört, und dreht sich zu ihr um. Er grinst sie stumpfsinnig an.

'Na, wenn das hier mal nicht die Intelligenz-Bestie des Klosters ist …' denkt der Magier und lächelt ebenfalls, sagt aber nichts. Er möchte Rovena das Reden überlassen, damit er im Ernstfall unabgelenkt eingreifen kann.

Ingalf fällt noch ein großer Kessel in der Südostecke auf. Von dort riecht es ekelig.

"Puh, kochen kann der auch nicht, das wohl!" murmelt er halblaut.

Edric, der seinen Freund hört, denkt sich nur: 'Irgendwo müssen ja die ungenießbaren Teile hin. Beim Schlachter hat's doch noch nie angenehm gerochen.' Interessiert schaut er sich um.

"Guter Junge." Die Hexe lächelt den anscheinend schwachsinnigen jungen Mann mütterlich an. "Hast ordentlich geschafft, nun wird es Zeit für ein Vesper. Leg das Beil hin und komm mit mir in die Küche, dort gibt es etwas leckeres, das wird dich stärken. Und dann geht's wieder mit frischer Kraft an die Arbeit." Sie fixiert ihn mit ihren funkelnden Augen, streckt ihre Hand aus und bedeutet ihm, ihr zu gehorchen.

Ohne jede Vorwarnung schlägt der Schlachter zu, aber er verfehlt Rovena.

Erschrocken weicht die junge Frau zurück und überlässt nun ihren schlagkräftigen Begleitern das Feld. "Verdammter Mistkerl!" flucht sie dabei laut.

Darauf reagiert der junge Kerl überhaupt nicht.

Aber darauf: Der vorbereitete blendet den Schlachter kurzzeitig.

Cadruel sieht sich die Szenerie gelassen an, weiß er doch, welches Potenzial die Anderen haben.

Er sieht, dass sich in jeder Wand des Schlachthauses eine Tür befindet.

"Nana, wer wird denn eine Frau schlagen?" fragt Ingalf und greift seinerseits mit der Orknase an.

Edric hatte sich so sehr vom Schlachter abgewandt, dass er dessen Angriff noch gar nicht bewusst wahrgenommen hat und nun von Ingalfs Gegenangriff überrascht wird. Perplex macht er erst einmal einen Schritt zurück.

Ingalf trifft den jungen Kerl schwer, was den aber gar nicht zu stören scheint. Da aber in diesem Moment Isinhas wirksam wird, bleibt der Schlachter nur wild mit dem Beil fuchtelnd stehen.

Diese Gelegenheit nutzt der Thorwaler und zimmert ihm mit der Breitseite der Axt einen vor den Schädel - schließlich wollten sie ihn ja nicht töten.

Das ist gar nicht so leicht gedacht. Ingalfs erster Schlag trifft zwar, ist aber nicht stark genug, den Schlachter zu betäuben. Ingalfs zweiter Schlag geht fehl.

Da der Schlachter jetzt wieder sehen müsste, wartet Ingalf erst einmal ab, ob sein Angriffswille etwas gezügelt ist. Wenn nicht, dann wird er normal - also nicht mit der flachen Seite der Orknase - zu Werke gehen.

Auch Isinha hält sich bereit, im Notfall den Schlachter erneut zu blenden.

Der Schlachter greift sofort wieder an, ohne Ingalf allerdings zu treffen. Ingalfs Konter fügt dem Berserker eine zweite Wunde zu. Jetzt kommt wieder Isinhas zur Wirkung. Während der Wirkungsdauer des Zaubers kann Ingalf einen weiteren Treffer anbringen, ohne sich verteidigen zu müssen. Der Schlachter blutet mittlerweile aus drei schweren Wunden, steht aber immer noch.

Nachdem sich der Hirte wieder gefangen und erkannt hat, dass der Schlachter nicht so ohne weiteres aus dem Weg zu räumen ist, versucht er Ingalf und seinen Gegner zu umgehen, um von hinten angreifen zu können. Doch bevor ihm das gelungen ist, hat Ingalf den Schlachter schon mit zwei massiven Schlägen niedergestreckt.

"Aye, Junge, gibt auf und wirf das Beil weg, das wohl!" fordert ihn der Thorwaler auf bevor er den nächsten Angriff startet. Macht der Schlachter keine Anzeichen des Aufgebens so wird ihn Ingalf weiter attackieren.

Ingalf ist sich nicht einmal sicher, ob der Schlachter ihn versteht. Jedenfalls greift der ihn als einzige Reaktion wieder an, verfehlt ihn aber. Ingalfs Gegenschlag geht auch fehl. Als der Schlachter nachsetzt, wird Ingalf getroffen. Glücklicherweise hält seine Rüstung das meiste ab.

Jetzt lässt der Thorwaler alle Zurückhaltung fahren. Der Schlachter will töten also zahlt er es ihm mit gleicher Münze heim.

Zwei Treffer braucht Ingalf noch und er wird auch selbst noch einmal getroffen, bevor der Schlachter zusammenbricht.

"Puh!" stöhnt der Thorwaler. "Ich hoffe, die haben hier nicht so viele Schlachter, das wohl!"

"Was war das denn?" fragt Edric leicht schockiert.

"Ein ziemlicher Idiot!" antwortet Ingalf und schaut sich seine Wunden an.

Auch der Elf schaut sich die Wunden des Nordmannes an.

Ingalf hat Kopfschmerzen, und ihm tun die Rippen auf der linken Seite weh. Um sich die Wunden anzuschauen, müsste er seine Rüstung ablegen.

Da kein weiterer Gegner zu sehen ist, legt der Thorwaler seine Rüstung ab und lässt sich von Cadruel verarzten.

Der Elf schaut sich die Wunden Ingalfs an und beginnt sie fachmännisch zu verbinden. Dafür nutzt er alte Stoffe oder ggf. Material, dass ihm zur Verfügung gestellt wird.

"Danke!" sagt Ingalf und beginnt vorsichtig über die Verbände seine Rüstung wieder anzulegen.

"Dafür nicht Nordmann, die Feya brauchen Dich."

"So wie ich das Feuer"- es klingt wie 'Feuja' - "brauche, das wohl!" antwortet Ingalf grinsend.

"Was machen wir mit ihm?" Fragend zeigt Rovena auf den Verrückten, der sie mit dem Beil angegriffen hat. "So können wir ihn hier nicht liegen lassen, wir müssen ihn fesseln, damit er keinen weiteren Unfug anrichten kann." Sie schaut den am Boden liegenden misstrauisch an, so, als erwarte sie, dass er sich gleich wieder erheben und seine Waffe gegen sie richten könnte.

"Als erstes nehmen wir ihm das Beil weg, das wohl!" antwortet Ingalf und wirft das Beil in den stinkenden Topf. Dann sucht er nach Möglichkeiten den Bewusstlosen zu fesseln.

"Eigentlich sollten wir ihn töten, aber das würde uns hier keine Freunde machen." wirft der Elf beiläufig in den Raum.

Ihn zu töten erweist sich als keine Option, denn Ingalfs letzter Schlag hat dem Schlachter offensichtlich zu Boron befördert.

Der Elf untersucht die Sachen des Toten nach nützlichen, Geld legt er ggf. neben die Leiche.

Der Tote hat nichts nützliches bei sich.

Drei ungeöffnete Türen gibt es, eine im Norden, eine im Osten, eine im Süden.

Ingalf schaut sich die Türen an, ob sie verschlossen sind.

Keine der Türen hat einen Riegel, und in keinem der Schlüssellöcher steckt ein Schlüssel.

"Alle Türen sehen gleich aus", resümiert der Thorwaler. "Da das Haupttor im Süden war, kann da nich' mehr viel sein. Ich würde dahin gehen, das wohl!"

Ingalf öffnet die Tür im Süden, da sich keiner der Gefährten dagegen ausgesprochen hat.

Dahinter ist es dunkel. Im Licht, das aus dem Schlachthaus in den Nachbarraum fällt, sind Regale, Fässer und Tonnen zu sehen. In den Regalen stehen viele Einmachgläser.

So setzt Ingalf seinen Rucksack ab und macht dann erstmal Licht.

Der Raum erweist sich als groß, sechs Schritt breit und acht Schritt tief. Die Eingangstür befindet sich am östlichen Ende der Nordwand. Die Wand rechts und die Decke sind aus Holz. In der Mitte der Westwand gibt es eine Tür, nach Ingalfs Gefühl führt die zum Hof.

Durch ein kurzes Öffnen der Tür will er sich von der Richtigkeit der Annahme überzeugen.

Die Tür ist allerdings verschlossen. Durch Spalten im Holz kann Ingalf allerdings nach draußen linsen.

Dann schaut er mit in die Regale.

Isinha, der an Ingalfs Seite getreten ist, meint im Schein seiner Öllampe: "Wohl ein Vorratsraum. Hat jemand Hunger?"

"Das ist doch jetzt nicht wichtig", meint Rovena kopfschüttelnd, auch sie schaut nach weiteren Durchgängen um.

Bis auf die Eingangstür und die Tür nach Westen, wahrscheinlich zum Hof, gibt es keine weiteren Durchgänge.

"Aber immer, das wohl!" antwortet Ingalf. Bevor er aber die Regale einer genauen Prüfung unterzieht, sucht er nach weiteren Ausgängen.

Cadruel geht zum ersten Regal und untersucht das erste Einmachglas.

Das sieht wie ein Glas mit gelber Marmelade aus. In der Reihe darunter sind Gurkengläser.

Gelangweilt stellt er sie zurück.

Mit einer Mischung aus Neugier und Ekelgefühl guckt sich auch Edric im Raum um. Was haben diese Leute hier wohl in ihrem Vorrat zu essen?

Bisher hätte er die Gedanken und Bilder, die sich in seinem Kopf bilden, als Aberglauben abgetan. Aber das hätte er auch mit dem Gedanken, dass normale Menschen mit ihrer Lebenskraft zaubern können. Und dieser Schlachter war auch nicht gerade von Deres Schönheit berauscht …

In dem Vorratsraum befinden sich ganz normale Sachen: Bier, Wein, Mehl, Stockfisch, Marmelade, Pökel- und Räucherfleisch, Sauerkohl, saure Bohnen und andere Nahrungsmittel; dazu zum Teil hochwertige Gewürze und große Büschel von getrockneten Kräutern. Eine Tatsache wird sehr deutlich: Die Borbaradianer haben sich nicht der Askese verschrieben.

Von dem Räucherfleisch scheidet sich Ingalf mit dem Dolch ein paar Stückchen ab, die er während der weiteren Erkundung essen wird.

Edric ist überrascht und ein wenig auch enttäuscht von diesen "normalen" Nahrungsmitteln. Auf der anderen Seite ist er aber auch ganz froh darüber.

"Hier geht es also nicht zur Küche", stellt die Hexe fest und verlässt den Raum wieder, um im Schlachtraum die Tür nach Norden zu öffnen.

Da ist die Küche. Eine dicke Frau und zwei Burschen sind dort am arbeiten. Einer der Burschen sieht Rovena und reißt überrascht die Augen auf.

Kauend ist der Thorwaler der Hexe gefolgt.

Begleitet von Isinha, der noch immer die Fackel hält.

Auch Edric folgt, versucht sich aber unauffällig im Hintergrund zu halten.

Diese nickt dem Burschen herrschaftlich und zufrieden zu. "Wie ich sehe, wird hier gearbeitet und die Vorbereitungen für den Empfang des Vestors laufen, Sehr gut, sehr gut!" bemerkt sie mit einem Rundblick durch die Küche. "Lasst euch nicht dabei stören, nur so viel sei gesagt, der Zugang zum Schlachthaus ist wieder gewährleistet." Zu ihren Gefährten gewandt fügt sie an. "Dann lasst uns unsere Inspektion weiterführen." Sie schaut sich nach weiteren Ausgängen um, die sie vielleicht direkt von der Küche in die Abtei bringen könnten.

"Aye, Käptn!" bestätigt Ingalf und kann dabei kaum ein Lachen verkneifen.

Isinha springt sofort darauf an, deutet eine Verbeugung an und antwortet: "Sehr wohl." Er vermeidet bewusst eine Anrede, um sich nicht festzulegen und später dies möglicherweise nicht ändern zu können und während Rovena sich bereits umwendet, wirft der Magier den drei Arbeitenden einen vielsagend resignierten Blick zu, der stille Ergebenheit in das eigene Schicksal demonstriert.

Ihre Erleichterung, dass ihre Gefährten so gut mitspielt, lässt sich die Hexe nicht anmerken. Sie wird ihre Rolle spielen, bis zum Ende, wie auch immer das aussehen wird.

Die Köchin knickst. "Vielen Dank, Euer Gnaden!"

Es gibt aus der Küche einen Durchgang nach Osten.

Cadruel erhebt aus Verwunderung über diese Unterwürfigkeit die rechte Augenbraue.

Ohne sich länger aufzuhalten, geht Rovena auf den Durchgang zu und tritt durch diesen hindurch, gespannt, wo sie dieser nun hinführen wird.

Cadruel folgt auf dem Fuße.

Auch Ingalf schließt sich an. Nachdem salzigen Stück Fleisch sucht er auf dem Weg durch die Küche noch nach einem Stückchen Brot.

Er greift sich ein Stück, dass auf dem Tisch liegt. Es gibt keinen Protest.

"Danke!"

Das "Bitte sehr!" klingt fast ein wenig erstaunt.

Rovena kommt ans Ende eines Saales, der sich weit Richtung Osten erstreckt. Zwischen zwei Säulenreihen ist eine lange Reihe von Tischen und hochlehnigen Stühlen aufgestellt.

Gleich am Anfang des Saales gibt es einen Durchgang nach Süden. Ganz im Osten scheint es noch einen Durchgang zu geben. An Nord- und Südwand hängen Bilder, alles Portraits.

Es ist niemand zugegen.

"Offenbar der Speisesaal." lässt Isinha sich leise vernehmen, während er Rovena nicht von der Seite weicht und versucht, glaubwürdig ihren "vertrauten Diener" zu spielen. Grundsätzlich dürfte ihm das nicht schwerfallen, schließlich hat er einige Jahre seiner Jugend als Hausdiener verbracht …

"Sieht so aus", raunt Rovena zurück und schaut sich Orientierung suchend um. "Und irgendwoher müssen die Sektenmitglieder auch diesen Raum betreten. Vielleicht dort aus dem Durchgang im Osten?" Sie weist dorthin und macht sich auch sogleich, mit einem kleinen Umweg zu dem Durchgang im Süden, in den sie einen Blick wirft, auf den Weg.

Ingalf biegt gleich nach rechts ab und schaut durch den Durchgang.

Nach Süden verläuft in langer Gang, der von ein paar Fackeln erhellt wird. Mehr ist auf die Schnelle nicht zu sehen.

Da ausreichend Licht vorhanden ist, lässt Isinha seinen Stab zurückverwandeln und hält sich leicht seitlich versetzt hinter Rovena, ihren kleinen "Mummenschanz" aufrecht erhaltend.

Der Gang am Ostende des Speisesaals ist kurz, dahinter scheint ein Raum zu sein, der sich Richtung Süden erstreckt. Schon aus dem Speisesaal sieht man volle Bücherregale.

Das in seine Augen tretende Glänzen kann der Magier kaum verbergen. Aber er hält sich zurück, stürmt nicht gleich los und meint: "Das dort sieht vielversprechend aus. Lass uns dorthin gehen!"

"Vielleicht sollten wir genau aus diesem Grund besser den anderen Gang wählen, das wohl, das wohl!" widerspricht Ingalf vehement.

Isinha sieht den Thorwaler schräg von der Seite an: "Hä?"

"Unsere Aufgabe!" raunt er dem Magier zu, da er nicht weiß, ob jemand zuhört. "Wir sind nicht hier um Bücher zu lesen, das wohl!"

"Vielleicht steht da aber drin, was wir wissen müssen, um" - auch Isinha sieht sich rasch nach möglichen Lauschern um - "zu tun, was wir tun müssen." versucht er es noch einmal. Allerdings hat sein Ziehen an Rovena bereits deutlich nachgelassen, so dass die drei nun stehengeblieben sind.

Rovena runzelt die Stirn. "Sollten wir nicht erst den Weg in das sogenannte Heiligtum suchen?" erinnert sie ihren Gefährten angesichts der vollen Bücherregale leise an ihre Aufgabe.

Cadruel ist die Nordwand entlanggegangen und hat angefangen, sich die Bilder anzuschauen. Die ersten Bilder sind normal: Würdige ältere Herren in Robe, das dritte ist anders. Es zeigt das Porträt einer Schreckenskreatur: Das Gesicht ist mit Warzen und Ungeziefer übersät, aus dem schorfbedeckten Schädel ragen sechs Hörner heraus. Cadruel zuckt erschreckt zusammen und bleibt stehen.

Edric, der seine Unsicherheit zu verbergen versuchend hinter den anderen folgt, fällt auf, dass der Elf einen anderen Weg wählte und nun stehen geblieben ist.

Er stößt kurz den vor ihm mit Isinha diskutierenden Ingalf an: "Ich glaube, Cadruel hat etwas gefunden." Dann macht er sich auf den Weg hinüber zu Cadruel. "Hast Du was …" bleibt ihm der Satz im Halse stecken, als er das Porträt erkennt.

Der Elf schaut das Bild intensiv an und sagt: "Odem Arcanum Senserei."

Das Bild ist eindeutig magischer Natur.

"In diesem Bildnis wirkt ein Mandra."

Nachdem er sich wieder halbwegs gefangen hat, fragt Edric Cadruel: "Wer oder was könnte das sein?"

"Ich kenne das Gesicht nicht, aber das Bildnis hat sein eigenes Mandra."

"Bist Du da ganz sicher?" erklingt die zweifelnde Stimme des Magiers hinter ihm. "Weshalb sollte jemand dieses Porträt verzaubern?" fragt Isinha weiter, der sich bei dem Wortwechsel von Elf und Edric interessiert genähert hat, nachdem Rovena und Ingalf ihn davon "überzeugt" haben, zunächst nicht in die Bibliothek zu gehen. "So hässlich ist dieser Herr hier nun auch wieder nicht." wundert er sich.

"Selbst Du, der Du Dein Mandra in Bücher schreiben musst, um es zu verstehen, kennt die Wirkung eines 'Odem'."

Nun ist es an dem Magier, Cadruel verständnislos anzusehen. "Ja, und? Selbst Du, der Du nur den Intuitionen folgt, müsstest wissen, dass ich nicht sehen kann, was Dein Odem Arcanum Dir enthüllt." äfft er die Sprechweise des Elfen nach und schüttelt den Kopf. 'Komisches Volk.' geht ihm durch den Kopf, ehe er sich abwendet und zurück in Richtung der Bibliothek geht. Isinha kann oder will nicht verstehen, was an dem Portrait so furchterregend sein soll …

Cadruel schaut ihm mit einer hochgezogenen Augenbraue kurz nach.

"Äh, das heißt …?" fragt Edric, der nur ungefähr die Vorstellung hat, dass Mandra wohl etwas mit Magie zu tun hat.

"Wie Ihr Kurzlebigen zu sagen pflegt: Es wurde auf oder mit dem Bild ein Zauber gewirkt."

"Ach so", antwortet der Hirte, "der sah also nicht immer so aus."

"Ich hab' mal was von diesen Monstern gehört, die aussehen wie Steine, das wohl!" überlegt Ingalf laut. "Wasserspucker oder so. Vielleicht ist das ja 'n Verwandter, bei Swafnir!"

Misstrauisch nähert sich auch Rovena dem Bild und betrachtet es mit leichtem Grauen. Besonders die Hörner entsetzen sie.

Der Künstler hat sich ein sehr realistisch wirkendes Bild eines sechsgehörnten Dämonen einfallen lassen.

Als Isinha den Kopf durch den Eingang zur Bibliothek steckt, kann er den Raum überblicken. Er misst so zwölf mal sechs Schritt und erstreckt sich genau von Nord nach Süd. Wirklich alle Wände sind von Regalen verdeckt, in denen etliche hundert Bücher und Bündel von Pergamentrollen stehen. Sitzgelegenheiten gibt es keine, aber mehrere Schreib- und Lesepulte sind vorhanden.

An zwei der Schreibpulte sind ein Jüngling und eine junge Frau damit beschäftigt, Schriftrollen zu kopieren. Die beiden scheinen Isinha bislang nicht bemerkt zu haben, so dass der Magier sie etwas genauer betrachten kann.

Beide sind in farbenfrohe Gewänder gekleidet. Die großen dunklen Augen und der dunkle Flaum über dem schön geschwungenen Mund des Jünglings verleihen seinem bräunlichen Gesicht einen melancholischen Ausdruck. Die junge Frau ist ein sehr reizvolles Mädchen, das seine Schönheit durch Schmuck und Schminke gekonnt unterstreicht.

'Eigenartiger Aufzug für Schreibkräfte …' wundert Isinha sich. Kennt er doch aus seinen Akademiezeiten eine einfache Robe oder Hemd und Beinkleider als gewöhnliche Kleidung bei derartigen Arbeiten. Aber so herausgeputzt …

'Vielleicht liegt das an der trostlosen Umgebung?' geht im durch den Kopf, während er versonnen den Blick über die Bücherregale wandern lässt.

Irgendetwas schein die junge Frau bemerkt zu haben, denn sie hebt ihren Kopf und schaut Isinha direkt an.

"Hallo!" grüßt der Magier mit warmer Stimme freundlich.

"O, ein Neuer!" ruft die junge Frau aus. "Guck mal, Jago!" Auch der junge Mann schaut zu Isinha.

Gespannt wartet Ingalf im Hintergrund, wie sich das Gespräch entwickelt.

Leicht lächelnd erwidert der Magier: "Na, das muss sich erst noch herausstellen, ob ich wirklich neu bin." Schließlich kennt er einige der borbaradianischen Formeln bereits und könnte sich sicher vorübergehend als ein 'Getreuer' ausgeben, um hier den Auftrag zu erfüllen.

Die junge Frau zieht die Augenbrauen hoch. "Wie darf ich das verstehen?" will sie wissen.

"Darf ich mich zunächst vorstellen?" fragt Isinha rhetorisch. "Ich bin Elgar Arres und komme aus dem Tiefen Süden." Er deutet eine Verbeugung an. "Als Adept der Schule der variablem Form zu Mirham bin ich lediglich dem Ruf gefolgt." Dabei offenbart er das Siegel in seiner linken Handfläche. "Wie Ihr seht, bin ich daher nur hier neu." Wieder lächelt er. "Und wer seid Ihr, wenn ich fragen darf?"

"O, ein echter Magier!" Die junge Frau scheint nicht übermäßig beeindruckt. "Ich bin Clavide, und das ist mein Bruder Jago. Wir gehören zum Zirkel, dem Du erst noch beitreten wirst. Bist Du allein hier angekommen?"

"Nein." antwortet Isinha einsilbig. Bei der Bemerkung über das 'Beitreten zum Zirkel' ist er sehr aufmerksam geworden. Was wird hier gespielt? "Und was macht ihr hier?" fragt er rasch, damit die junge Frau nicht noch mehr Fragen stellt, kommt er ihr zuvor. "Ich würde mich gern mal in Eurer Bibliothek umsehen." fügt der Magier noch hinzu.

Isinhas Fragen werden vollständig von Clavide ignoriert. Ihre Augen leuchten begeistert auf. Sie klatscht in die Hände. "Noch mehr Adepten!" ruft sie begeistert. "Bald wird der Große Meister wieder auf Dere wandeln können! Wo sind sie?"

"Hier, das wohl!" antwortet Ingalf und tritt neben den Zauberer.

Jago lässt sich vernehmen: "Da wird sich Galrun aber freuen." Ob er das ernst oder ironisch meint, ist nicht klar.

"Wer ist das denn?" will der Thorwaler wissen. "Wo sind denn hier alle? Und wie viele sind wir denn?"

"Galrun ist auch ein Thorwaler", erklärt Jago. Clavide ergänzt: "Und jeder ist bei seiner Arbeit! Wir sind im Moment 12. Mit euch zwei werden wir 14 sein."

"Und was arbeitet ihr so?" Ingalf ist jetzt neugierig geworden. "Und dazu kommen noch die ganzen Diener, oder?"

Der Elf tritt neben den Nordmann und schweigt.

Als der Elf dazukommt, sind beide Geschwister sehr offensichtlich überrascht. Clavide sammelt sich als erste. "Sagt nicht, dass noch mehr gekommen sind!"

"Wäre das schlecht, wenn doch?" will Ingalf wissen ohne auf die Frage zu antworten.

Jago klatscht in die Hände. "Ganz im Gegenteil! Sag an!"

"Edric! Herrin!" ruft Ingalf die fehlenden Gefährten. Dabei ist er darauf Bedacht Rovenas Rolle weiter zu spielen.

Edric hatte sich bisher bewusst im Hintergrund gehalten und wird auch jetzt nicht viel daran ändern. Da aber sein Name genannt wurde, tritt er zu den anderen.

"Was musst du so herumschreien? Ich bin doch nicht schwerhörig …", ertönt es ungehalten aus dem Speisesaal. "Außerdem störst du mich bei der Betrachtung der …" In diesem Moment erscheint Rovena in dem Durchgang zur Bibliothek mit ihrem Stab in der Rechten und Surnia auf der Schulter, schaut sich kurz um und mustert die beiden jungen Leute eingehend. Ihre Augenbrauen heben sich leicht, als sie mit herrschaftlichen Ton feststellt: "Ah, sieh an! So sind diese Räumlichkeiten also doch nicht gänzlich verweist. Wen haben wir denn hier? Die eifrigen Hüter der Schriften?" fragt sie mit einem kühlen Lächeln.

Sichtlich eingeschüchtert erklärt Jago: "Wir haben diese Woche Kopierdienst, Edle! Wenn Ihr schauen mögt?" Er weist auf sein Schreibpult.

"Bei Swafnir, was habt ihr den ausgefressen?" fragt Ingalf um die beiden ein wenig abzulenken. "Oder ist das etwa keine Strafe?"

"Wir haben alle abwechselnd Schreibdienst", korrigiert ihn Jago. "Die Schriften des Großen Meisters müssen verbreitet werden!"

"So so, Schreibdienst." Rovena spitzt die Lippen und tritt an den Schreibpult. "Dann zeigt mal her, was ihr vorweisen könnt." Ihr Blick schweift interessiert über die niedergeschriebenen Zeilen, um deren Inhalt zur erfassen.

Ein wüster Text ist das. Anscheinend eine Verhöhnung der Göttin Hesinde mit Formulierungen wie "niederträchtiges Hindernis auf dem Weg zur wahren Magie" und "von Eifersucht gepeinigtes Flatterwesen". Die Kopie ist vom Schriftbild her nicht ganz so gleichmäßig wie die Vorlage, aber es gibt keine Schreibfehler.

Die Hexe braucht bei dem, was sie zu lesen vor Augen hat, ein hämisches Lächeln nicht vorzutäuschen, wenn auch aus anderen Gründen als vielleicht diese Borbaradianer. "Recht ordentlich", bemerkt sie zu der Ausführung und schaut die beiden Schreiberlinge streng an. "Ein wenig mehr Sorgfalt und Seine Ehrwürden kann mit euch zufrieden sein."

"Jawohl!" Jago bekommt leicht rote Ohren. "Ich werde mir Mühe geben!"

Rovenas Nicken zeigt ihre Zufriedenheit an. "Gut, dann setzt eure Arbeit fort", weist sie die jungen Leuten an und fügt gleich noch eine Frage an. "Ist sonst noch jemand hier, der uns in die Räumlichkeiten der Abtei einweisen kann?" will sie wissen.

Clavide erwidert nach kurzem Nachdenken: "Ihr seid etwas früh, wir erwarten den Vorsteher erst heute Nachmittag zurück. Am besten wartet Ihr so lange im Speisesaal und lasst es Euch schmecken."

Edric horcht auf. Eröffnet ihnen die Abwesenheit des Anführers durch Rovenas herrschaftliches Auftreten nicht ungeahnte Möglichkeiten? Vielleicht können sie ja doch schnell hier herauskommen …

"Hm", lässt sich die Hexe skeptisch vernehmen und verschweigt bewusst die Schwierigkeiten, in der das Küchenpersonal bis vor wenigen Augenblicken noch steckte. "Dann lasse ich mal überraschen, was uns die Küche zu bieten hat. Lasst ihr euch derweil nicht bei der Arbeit stören, es ist wohl noch einiges zu tun." Sie wendet sich von den beiden ab und gibt ihren Gefährten ein Zeichen, ihr wieder in den Speisesaal zu folgen.

Cadruel wirkt die ganze Zeit unbeteiligt.

Nachdem Rovena sich abgewendet hat, spricht Isinha die beiden Kopisten noch einmal an. "Gibt es hier ein Verzeichnis der Bücher und Schriften und falls ja, dürfte ich einen Blick hineinwerfen?" fragt er.

"Nach dem Essen, das wohl!" fordert ihn Ingalf mit einem Schulterklopfen auf. "Wir müssen der Edlen folgen."

"Bitte sehr!" Jago geht zu einem Regal und holt eine Schriftrolle, ein Schriftenverzeichnis. Es gibt Bücher zu allen Themen, die einen Intellektuellen interessieren könnten, den Schwerpunkt bilden religiöse und naturkundliche Schriften. Mehrere Bücher führen die Göttin Hesinde im Titel.

Mit einem raschen Seitenblick zu Ingalf erwidert der Magier nach der kurzen Durchsicht des Inhalts der Schriftrolle:" Oh, vielen Dank. Das ist sehr interessant. Ich werde später darauf zurück kommen. Aber jetzt muss ich wirklich … Ihr versteht sicher …" mit einem entschuldigenden Lächeln setzt Isinha sich in Bewegung und folgt Rovena.

Auch Edric folgt sicheren Schrittes, zeigt den beiden Schreiber aber, dass er sie ignoriert.

Durch Rovenas Auftreten übersehen die beiden Edric anscheinend völlig.

Die Geschwister wenden sich wieder eifrig ihrer Schreibarbeit zu.

Ingalf folgt den anderen. Als sie außer der Hörweite der beiden Geschwister sind, fragt er: "Wollen wir wirklich im Speisesaal warten? Das ist doch langweilig, das wohl!"

"Selbstverständlich nicht", antwortet Rovena mit gesenkter Stimme, sie versucht, ihre innere Anspannung etwas zu senken. Dabei schaut sie sich die Speisetafel an, ob sich schon jemand bemüht hat, hier Geschirr und Essen aufzutragen.

Was nicht der Fall ist.

"Wir sollten die Gelegenheit nützen, uns hier umzusehen, bevor der Vestor heute Nachmittag wieder zurück sein wird", schlägt sie vor, "denn dann werden wir bestimmt nicht mehr unbeaufsichtigt hier herum streifen können. Gehen wir zu dem Südgang und schauen uns dort mal um, vielleicht führt er ja in die Nähe des Heiligtums, was immer das auch sein mag.

"Ja, vielleicht sind wir hier schon wieder raus, ehe der Vorsteher zurück ist." stimmt Isinha der Hexe zu.

"Dann lasst uns nicht lange fackeln, das wohl!" meint Ingalf und geht auch schon in den von Rovena vorgeschlagenen Gang.

Nach sechs Schritt öffnet sich der Gang nach links zu einer großen, 12 mal 10 Schritt messenden und 5 Schritt hohen Halle, teilweise gemauert und teilweise direkt aus dem Fels geschlagen. Insbesondere scheinen die sechs Säulen, die die gewölbte Decke tragen, aus gewachsenem Fels zu bestehen. Der Boden wurde kunstvoll geglättet und poliert und reflektiert Säulen und Wände wie ein schwarzer Spiegel. In der Mitte zwischen den westlichen vier Säulen steht ein lebensgroßes Standbild auf einem 2 Schritt hohen Sockel. Die Figur ist mit den typischen Insignien eines Magiers ausgestattet.

In der Nähe der Statue halten sich drei Männer auf. Eine großer, grobknochiger und auffällig blasser Mann ist in die Betrachtung der Statue versunken. Sein Alter ist schwer zu bestimmen, aber es wird zwischen 30 und 40 liegen. Auffällig ist sein farbenfrohes Gewand, das seinen fahlen Teint besonders hervorhebt.

Die beiden anderen Männer unterhalten sich leise miteinander. Einer ist ein hochgewachsener Greis mit nah beieinander liegenden blauen Augen, die ihr Gegenüber unbarmherzig fixieren. Sein silbergrauer Bart ist nach Art der Alchimisten gewachst und onduliert. Der andere, deutlich jüngere Mann ist eine elegante Erscheinung. Das schwarze Haar ist im Nacken zu einem festen Zopf geflochten, das sorgfältig rasierte Gesicht ist hell gepudert und die gepflegten Hände sind mit zahlreichen Ringen geschmückt. Beide Männer führen Magierstäbe bei sich.

Edric stößt Isinha an und raunt tonlos: "Sieh' mal, Kollegen von Dir." Er versucht sich, einen ernsten, unberechenbaren Gesichtsausdruck zu geben.

Der Hirte fühlt den aufmerksamen Blick der roten Augen des Magiers auf sich ruhen, ehe dieser wieder die anderen Männer betrachtet und ebenso tonlos antwortet. "In der Tat."

Entweder bemerkt Edric den Blick nicht, oder er ignoriert ihn.

Hinter sich spürt Isinha eine Bewegung, Rovena ist nahe an ihn herangetreten; und er spürt das leichte Beben ihres Körper, den scharf ausgestoßenen Atem. Surnia auf ihrer Schulter sträubt das Gefieder und drückt damit gleichsam das Unbehagen ihrer Meisterin aus. Der Ausdruck in den smaragdgrünen Augen der Hexe, mit dem sie ihren Gefährten ansieht, macht ihm deutlich, dass sie noch nicht bereit ist, mit diesen Magiern konfrontiert zu sein, ihnen wie dem Gesinde und den jungen Adepten entgegenzutreten. Noch nicht …

Ohne sich umzudrehen, reicht der Magier Rovena seine Hand nach hinten, damit sie in der Berührung Trost und Stärke finden kann.

Die schlanken Finger seiner Gefährtin greifen tastend nach der Hand des Magiers, ein leichter Druck zeigt ihre Dankbarkeit über die beruhigende Nähe, bevor sie ihre Hand wieder zurück zieht. Sie strafft sich und atmet tief durch. Sie haben schon ganz andere Gefahren bestanden …

Der Elf betrachtet die Statue sehr genau.

Ja, so mag sich ein Bildhauer, der Borbarad nie gesehen hat, den Widersacher Rohals vorgestellt haben.

Cadruel macht 2 Schritte vorwärts, beugt sich auf sein Knie und senkt den Kopf.

Da der Elf sich völlig lautlos bewegt hat und noch nicht zwischen den Säulen angekommen ist, bemerkt ihn keiner der Anwesenden.

'Ob er weiß was er tut?' fragend schaut Ingalf Isinha an.

Der Magier fängt den Blick des Thorwalers auf und schüttelt andeutungsweise den Kopf. Dazu erntet Ingalf ein Schulterzucken, das wohl sagen will: 'Keine Ahnung, was er da treibt.'

Ingalf nickt kurz und wartet dann hinter einer Säule ab, was der Elf als nächstes macht.

Der Elf zieht sich wieder zurück.

Die Helden stehen also wieder im Gang zusammen und überlegen, was sie jetzt tun sollen.

"Ob wir im Schatten des Säulen durch den Saal kommen ohne das die drei uns sehen?" fragt Ingalf. "Vielleicht gibt es einen anderen Ausgang, das wohl!"

"Warum? Wir wollten uns doch eh als Jünger zeigen, wie ich es eben schon versucht habe, warum also nicht gleich?"

"Weil wir dazu noch früh genug gezwungen sein werden und die Gelegenheit nutzen sollten, uns die Abtei unbeaufsichtigt anzusehen", raunt Rovena dem unbesonnenen Elfen zu, während sie nach weiteren Aus- und Zugängen Ausschau hält.

Vom Gangende aus, wo sich die Gruppe verborgen hält sind drei potentielle Ausgänge aus dem Saal zu sehen: In der Westwand, also in der rechten Verlängerung der Gangwand, geht etwas nach rechts ab, Ob es eine Nische ist oder ein Ganganfang, ist nicht zu sagen.

In der Mitte der Südwand befindet sich ein zweiflügeliges Portal. Der Sockel der Statue befindet sich genau in der Sichtlinie.

Und in der Mitte der Ostwand ist etwas, was wie ein Ganganfang aussieht.

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"Kriegen wir als Jünger nicht mehr zu sehen?"

"Vielleicht, aber vielleicht trennen sie uns auch und geben uns Jüngern einen Lehrer mit, das wohl!" widerspricht Ingalf. "Ich denke, solange wir können, sollten wir alleine suchen."

"Wenn sie es rauskriegen, werden sie misstrauisch sein, Nordmann."

"Dann erzählen wir das Elfen immer neugierig sind und schicken Dich vor, das wohl!" antwortet Ingalf schmunzelnd. "Die spitzen Ohren kommen doch nur davon, dass ihr immer alles hören wollt."

Cadruel zieht eine Augenbraue hoch und entgegnet: "Du überschätzt Dich und Deine Rolle auf Dere, Nordmann."

"Na, Du sagst doch immer, dass ich Dere retten soll, das wohl!" flachst der Thorwaler zurück.

"Schön, dass Du uns darüber aufklärst." erwidert Isinha mit zynischem Unterton in der Stimme, bevor Ingalf antworten kann. "Und ich denke auch, dass wir unbeaufsichtigt wesentlich mehr zu sehen bekommen, als wenn man uns z.B. so tolle Aufgaben, wie das Abschreiben von irgendwelchen religiösen Texten, überlässt."

"Dann also wieder zurück und einen anderen Weg suchen?" fragt Edric, der wenig Sinn im Versuch sieht, zu fünft durch eine Halle zu marschieren, ohne von den dort Anwesenden bemerkt zu werden.

Der Wortwechsel scheint nicht unbemerkt geblieben zu sein, denn der jüngere der beiden Magier taucht urplötzlich an der Gangecke auf. "Was haben wir denn hier?" will er mit hochgezogenen Augenbrauen wissen.

'Arroganter Pinsel!' denkt Rovena verächtlich und reißt sich zusammen, um ein selbstsicheres Lächeln aufzusetzen, während sie den eleganten jungen Mann mit ihren smaragdgrünen Augen mustert. "Interessant", formen ihre Lippen leise lächelnd, auch ihre Augenbrauen heben sich fragend, während Ingalf schon auf die Frage des Magiers eingeht.

"Was?" fragt Ingalf zurück. "Einen Gang, was sonst! Und wer ist er?"

Amüsiert lächelt Isinha. Er hätte zwar die Gegenfrage anders formuliert und den Kollegen freundlich auf seinen Irrtum bezüglich grammatikalischer Formulierungen hingewiesen, aber im Ergebnis wäre es wohl auf das Selbe heraus gekommen.

Der Magier lässt sich nicht so leicht beeindrucken. Er stemmt die Hände in die Hüften. "Ihr seid offensichtlich neu hier. Also stellt euch gefälligst erstmal vor, statt euch wie Diebe hier herumzudrücken!"

"Du meinst wohl auch nach dem Motto zu leben: Höflichkeit ist eine Zier, doch besser geht es ohne ihr, das wohl!" antwortet Ingalf frech. "Wir sind eingeladen und DU?"

Der zweite, ältere Magier kommt hinzu. Er fixiert Ingalf unbarmherzig. Ingalf hat das Gefühl, dass bei diesem Mann Frechheit eher nicht siegen wird. "Probleme?" fragt er nur.

Edric hält sich wieder im Hintergrund. Nicht dass er Angst hätte, aber Freunde wird er hier wohl sicher nicht finden. Da ist es besser, nicht aufzufallen.

"Wir sind neu hier und wollten nur auf unsere Zimmer, das wohl!" antwortet Ingalf. "Der Bau ist etwas unübersichtlich."

"Gut!" Der ältere Magier nickt frostig. "Ihr seid unangekündigt. Ich weiß also nicht, wo ihr untergebracht werden sollt." Er wendet sich an seinen jüngeren Kollegen. "Hast Du eine Ahnung, Irschan?"

Der Angesprochene zuckt die Achseln. "Vestor hat nichts gesagt, Magister."

"Wie auch, er ist ja auch noch gar nicht zurück." murmelt Isinha in seinen nicht vorhandenen Bart. Er selbst mustert die beiden Magier mit seinen roten Augen und mit stechendem Blick. Seinen kollegialen Respekt haben die beiden, aber mehr auch nicht. Laut mischt er sich dann ein: "Wenn alle Neuzugänge nur und erst nach Ankündigung hier erscheinen würden, wäre der Zulauf wohl noch geringer, als er ohnehin schon ist."

Er weist den beiden die linke Handfläche mit seinem Akademiesiegel aus Mirham vor und fährt dann fort: "Wir hörten den Ruf nicht von Vestor, sondern von höherer Stelle!" Wer oder was das sein soll, lässt er hingegen offen.

"Oh, erzählt!" Irschan ist offensichtlich interessiert.

Er deutet eine Verbeugung an: "Wem, darf ich - Elgar Arres, Adeptus der Mirhamer Akademie - näher berichten?" lenkt der Magier zunächst das Thema zur Vorstellung zurück.

"Mein Name ist Irschan und das ist Magister Thorn. Wer hier initiiert ist, dessen Akademievergangenheit ist irrelevant", stellt der jüngere Magier seinen Kollegen vor.

"Namen sind Schall und Rauch." erwidert Isinha freundlich. "Ich möchte wissen, wer Ihr seid." wiederholt er seine Frage.

"Wir sind Initiierte, das sollte Dir klar sein", entgegnet Thorn schneidend. "Und ihr seid es nicht."

"Nun, unsere Anwesenheit hier ist nicht ungewollt", bemerkt Rovena mit einem Versuch, durch ihr charmantes Lächeln der Situation die Schärfe zu nehmen. "Ihr macht es Interessierten nicht leicht, Euren Zirkel zu finden, wisst Ihr? Doch das ist man ja gewohnt, nicht wahr?"

Verschwörerisch zwinkern ihre Augen. "Mein Name ist Rovena, es freut mich, Eure Bekanntschaft zu machen, gelehrte Herren, und entschuldigt, wenn wir Eure Unterhaltung gestört haben sollten, allerdings sind wir, wie mein Begleiter Ingalf schon sagte, tatsächlich auf der Suche nach einer Möglichkeit, uns vor dem Essen, zu dem man uns einlud, etwas zu säubern. Und da es hier anscheinend an Personal mangelt, uns zu unseren Unterkünften zu führen, nun, so haben wir uns eben selber auf den Weg gemacht, Ihr versteht? So kann man sich doch nicht an den Tisch setzen."

Missfällig betrachtet sie ihre schmutzige Hand und deutet auf ihre angestaubten Schuhe und ihre durch die Reise mitgenommene Kleidung.

"In der Küche könnt ihr euch waschen", entgegnet Thorn naserümpfend. "Wartet dann im Speisesaal bis Vestor wieder da ist!"

Und mit einem leicht beleidigten Unterton fügt Isinha hinzu: "Und was heißt eigentlich, wir nicht, woran macht Ihr das fest? Gibt es nicht mehr als eine Möglichkeit, dem Einen zu folgen und ihn zu ehren?"

"Das erklärt euch Vestor!" fertigt ihn Thorn ab.

Der Magier spreizt die Hände zum Zeichen, dass er verstanden hat. Offenbar herrscht hier eine strenge Hierarchie.

Nun stellt auch der Elf sich mit unbewegter Miene vor: "Shirana mein Name."

"Ich nehme an, mich verhört zu haben", erwidert die junge Frau mit hochgezogenen Augenbrauen und einem Kopfschütteln. "Aber ich verstehe. Nun, dann wollen wir nicht länger stören, Magister Thorn, wir sehen uns später." Sprichts und wendet ihm den Rücken zu, um in den Speisesaal zurück zu gehen. Hier kommen sie wohl nicht so ohne weiteres weiter.

Ingalf schließt sich leise fluchend der Hexe an.

Mit einem letzten Blick in die Gesichter der beiden Magier wendet auch Isinha sich ab und folgt den beiden.

Edric wartet bis Rovena an ihm vorbei ist, dann schließt er sich schweigend an.

Auch Cadruel folgt.

Da ist noch die letzte Tür im Schlachthaus - Richtung Osten.

Nachdem Ingalf das eingefallen ist, fordert er seine Freunde auf ihm dorthin zu folgen. Er geht vorweg zu der Tür.

Diese Tür ist abgeschlossen.

Mit einem schwungvollen Tritt gegen die Tür versucht Ingalf dieser Störung seiner Unternehmungslust zu begegnen.

Was ihm auch problemlos gelingt.

Hinter der Tür ist es dunkel, ein Gang führt nach rechts. Links geht eine Wendeltreppe in die Tiefe.

"Nach rechts oder nach unten?" fragt er nach hinten, während er sich bückt und seine Lampe entzündet.

"Das eine ist so gut wie das andere", meint Rovena dazu nur. Ihr ist sehr unbehaglich zumute seit ihrem Zusammentreffen mit den Magiern.

"Nach unten." erwidert Isinha knapp, während sein Stab erneut zur Fackel wird und zur allgemeinen Beleuchtung beiträgt.

Da Isinha nach unten will, Edric ihm vertraut und folgen wird, es der Hexe egal ist und ihm die Meinung des Elfen egal ist, biegt Ingalf nach links und steigt vorsichtig die Treppe hinab.