Während der gesamten Anreise nach Havena sucht Hauptmann Eelko immer wieder nach Möglichkeiten, Lauriel, Cuilyn, Banjew und Ouroborox allein zu sprechen. Er ist ein sympathischer Bär von einem Mann, ganz anders als man sich einen Karrieresoldaten vorstellt. Mit ihm kann man sich richtig gut unterhalten.

Cuilyn freut sich, mal wieder mit einem richtigen Kämpfer reden zu können. Endlich jemand, mit dem man über Schwerter und Kampfstile fachsimpeln kann.

Eelko plaudert über die Götter und die Welt, aber ein Thema scheint ihm besonders am Herzen zu liegen: Sklaverei. Ohne dass es den Helden im ersten Moment bewusst wird, versucht er ihre Einstellung zu dem Thema herauszufinden.

Banjew

Banjew bemerkt, dass es Eelko bei der Sklaverei um mehr geht als nur das Gespräch am Laufen zu halten. Vorsichtig antwortet er: "Mit Sklaverei hatte ich noch nicht viel zu tun. Mir persönlich kommt sie jedoch nicht gerade als erstrebenswertes Ziel vor …" Nach einer kurzen Pause geht er zum "Gegenangriff" über: "Aber sagt, Ihr scheint mehr mit der Frage zu bezwecken. Haltet Ihr in Albernia etwa Sklaven?"

"In Albernia ist Sklaverei verboten!" entgegnet Hauptmann Eelko würdevoll. "Nicht gerade erstrebenswertes Ziel meint Ihr? Für den Sklaven oder für den Sklavenhalter? Was haltet Ihr von einer Stadt, in der ein Mensch nur zum Vergnügen seines Besitzers zu Tode geprügelt werden darf?"

"Ich meinte, dass ich nicht gerne Sklave wäre. Dafür habe ich mich viel zu sehr an eine gewisse Freiheit gewöhnt. Und ich kann mir auch kaum vorstellen, dass jemand gerne Sklave ist, selbst wenn er es nicht anders kennt." Banjew stockt kurz. "Und schon gar nicht, zur Belustigung anderer getötet zu werden."

"Und wenn jemand zum Sklaven gemacht wird?" hakt der Hauptmann nach. "Und was wäre, wenn Euch ein persönlicher Sklave angeboten würde?"

"Und wer sollte das tun? Ihr etwa?" Banjews Stimme klingt verärgert. Der Besuch im Schwarzen Keiler hat ihm Erinnerungen zurück ins Gedächtnis gerufen, die lange Zeit verdrängt hatte. Und jetzt kommt da einer - noch dazu wieder ein Albernier - und versucht, ihn anscheinend mit einem 'persönlichen Sklaven' zu bestechen. "Was soll das ganze überhaupt" fährt er den Hauptmann ein wenig unbeherrscht an.

Der Hauptmann bleibt ruhig. "Als Offizier meines Herren tue ich meine Pflicht."

Banjew guckt den Hauptmann irritiert an. "Müsste ich Euch jetzt eigentlich verstehen?" Banjew ist ganz offensichtlich völlig verwirrt von Eelkos Verhalten. Er kann sich keinen Reim darauf machen, was er eigentlich von ihm will.

"Jetzt nicht, aber bevor wir Havena erreichen, werdet ihr mich verstehen. Ich bitte um ein wenig Geduld!" erwidert der Hauptmann.

"Na dann ist ja gut" kommt es sarkastisch von Banjew zurück. Innerlich hat er das Gespräch - und den Gesprächspartner - bereits abgehakt.

Cuilyn

Sobald Eelko Sklaverei anspricht, bricht es aus Cuilyn heraus: "Das ist wirklich das Übelste - diese Armen Leute werden wie Tiere festgehalten, geschunden, bis sie zusammenbrechen. Wenn sie nicht mehr können, kommt halt der nächste dran. Gegen jeden, der so etwas macht, würde ich gleich das Schwert erheben."

Er merkt nicht, dass dem Hauptmann dieses Thema besonders wichtig ist, aber auch sonst würde er offen seine Meinung sagen. So ein unwürdiges Leben hat niemand verdient.

Cuilyn fällt gar nicht auf, dass der Hauptmann das Thema nicht weiter verfolgt. Ein Austausch über Feinheiten der Fußstellung beim Zweihänderkampf nimmt seine ganze Aufmerksamkeit in Anspruch.

Ouroborox

Während seine Freunde noch mit dem Richten des Nachtlagers beschäftigt sind, sitzt Ouroborox bereits in der Gaststube bei einem köstlichen Ferdoker. Der Hauptmann Eelko setzt sich mit an den Tisch und ergreift auch gleich die Gelegenheit, sich allein mit Ouroborox zu unterhalten. In dem Gespräch kommt der Hauptmann immer wieder auf die Sklaverei zu sprechen. Schließlich bemerkt auch Ouroborox, dass ihm dieses Thema besonders am Herzen liegt.

"Das schlechte an der Sklaverei ist, dass die kein Bier trinken dürfen." bemerkt Ouroborox. "Und überhaupt ist das nichts."

"Und überhaupt ist das nichts - das verstehe ich nicht", fragt Eelko nach.

"Wie soll man denn anständig arbeiten, wenn einen ständig Ketten behindern." antwortet Ouroborox

"Sklaven arbeiten nicht immer in Ketten. Häufig wird auch zuerst ihr Wille gebrochen, und dann reichen Peitschen zur Aufsicht. Vor ein paar Jahren hat der vormalige Graf von Gratenfels sogar Zwerge als Sklaven. Ein, zwei Jahre haben sie jeweils überlebt - höchstens."

"Ohhh! Zwerge!" Ouroborox ist dermaßen entsetzt über die Vorstellung, Mitglieder seines Volkes geknechtet zu wissen, dass ihm die Sprache wegbleibt.

Nachdem er sich wieder gefasst hat, geht es weiter. "Diese Graf von Gratenfels, sollte er mir jemals, in die Hände fallen, dann dreh ich ihm eigenhändig den Hals um."

Entrüstet schiebt Ouroborox dann sein Bier von sich. Für die nächste Zeit ist Hunger und Durst sichtlich vergangen.

Hauptmann Eelko lässt es auf sich beruhen.

Lauriel

Lauriel, die ja in ihrem früheren Leben viele Bedienstete hatte, die mehr oder weniger freiwillig für sie gearbeitet haben, kann sich zu dem Thema nicht so richtig äußern. Sie hat es genossen, dass ihr alle gedient haben und dass sie mit den Norbarden und den Yetis machen konnte, was sie wollte. Aber so wie es der Hauptmann berichtet, hat sie das nie gesehen.

"Und jetzt?" fragt Eelko nach. "Wenn Du genauer darüber nachsinnst: Was für Gefühle löst es in Dir aus, zu wissen, dass es Menschen gibt, deren Gesundheit und Leben nur von Launen eines Herren abhängen?"

"Nun für den Herren kann es sicher angenehm sein", antwortet Lauriel nach kurzer Überlegung, "aber für den Sklaven … ich glaube, das würde mir nicht gefallen!"

Hauptmann Eelko verfolgt das Thema nicht weiter.

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Der Zug des Fürsten ist noch einen halben Tag von Havena entfernt, da spricht Hauptmann Eelko die Gruppe als Ganzes bei der Mittagsrast an: "Wie Ihr ja sicher alle wisst, ist der Gebrauch von Magie im Stadtgebiet von Havena verboten. Zwar gibt es streng genommen kein Verbot für Magier und Elfen die Stadt zu betreten, aber es gibt fast immer Ärger, wenn sie es tun. Was haltet Ihr davon, stattdessen die Nacht auf einem Landgut kurz vor Havena als Gäste der Patrizierin Engstrand zu verbringen. Es gibt da eine Sache, die ich gern nach dem Abendessen mit Euch allen besprechen würde."

Zuerst ist Cuilyn enttäuscht. Er hatte sich schon darauf gefreut, den Fürstenhof in Havena kennenzulernen. Aber auf dem Landgut einer Patrizierin zu Gast zu sein, ist ja auch nicht schlecht. Und für Lauriel ist es sicher auch schöner, wenn sie nicht schon wieder in einer großen Stadt ihr Quartier beziehen.

Also meint er zu seinen Gefährten: "Ja, das ist ein guter Vorschlag. Was meint Ihr?"

"Wenn es was gutes zum Essen und Trinken gibt, bin ich dabei." Ouroborox ist außerdem froh endlich wieder in einem sauberen und vor allem weichen Bett zu schlafen.

"Ja, wenn man uns in der Stadt nicht mag, dann bleiben wir auf dem Land!" meint Lauriel fröhlich. "Und von Städten habe ich eigentlich auch genug."

Banjew nickt zustimmend. Ärger in Havena, ja das kennt er.

Dann fragt sie Cuilyn leise: "Was ist den schon wieder ein Patrizierin? So etwas wie ein Graf oder Fürst?"

Cuilyn flüstert zurück: "Nein - ein Fürst oder gar ein Graf sind viel höher gestellt. Ein Patrizier ist ein bedeutender Bürger einer Stadt. Der muss nicht mal adelig sein, aber sie haben viel Geld und viel Einfluss.

Schon toll, dass wir mit so hohen Leuten zu tun haben - erst der Markgraf von Warunk, nun Fürst Cuanu und eine Patrizierin von Havena."

"So?" fragt Lauriel neckend. "Und was ist mit mir?"

"Als ehemalige Königin passt Du gut in die Riege. Mal sehen, ob die anderen sich Dir zu Füßen knien. Dein Kleid von damals hast Du ja noch - vielleicht kannst Du sie damit beeindrucken", gibt Cuilyn ebenfalls in einem neckenden Tonfall zurück.

"Dann brauche ich ja nur noch einen König!" blinzelt ihm die Elfe zu.

Kurz vor Havena trennen sich die Wege. Der Fürst und sein Gefolge ziehen weiter in die Stadt. Die Heldengruppe wird von Hauptmann Eelko zum Landgut begleitet.

"Der Hauptmann wird Euch heute Abend um etwas bitten", gibt Fürst Cuanu den Helden zum Abschied mit auf den Weg. "Ich persönlich wäre euch sehr verbunden, wenn Ihr der Bitte entsprechen könntet."

Banjew hebt die Augenbrauen. 'Irgendwas ist hier im Busch. Offenbar erwartet man noch eine Gegenleistung für die Reise?!' denkt er sich, bedankt sich dann aber höflich für eben jene Mitreisegelegenheit.

Verwundert schaut Ouroborox zum Fürsten. 'Warum kann er uns das nicht gleich sagen? Warum erst heute Abend? Und dann durch den Hauptmann?' sind die Gedanken die durch seinen Kopf fegen.

"Vielen Dank, dass wir mit Euch reisen durften." Das Reden überlässt er lieber denen, deren Zunge dafür besser geeignet ist.

Cuilyn wundert sich, warum ihnen der Fürst das nicht selber sagen kann. Bisher war er doch auch nicht unnahbar.

Er flüstert zu Lauriel: "Ich bin neugierig, was der Fürst von uns will. Naja, Abend ist eh bald".

"Es ist bestimmt etwas geheimes - sonst hätte er es wohl selber gesagt", mutmaßt Lauriel.

Er verabschiedet sich auch noch gebührlich vom Fürsten: "Es war mir eine Ehre mit Euch reisen zu dürfen. Ich wünsche Euch alles Gute. Und alles Gute zur Verlobung Eurer Tochter." Ein bisschen unsicher ist er sich, ob er die richtige Redeweise dem Fürsten gegenüber gewählt hat. Auch die 2 Wochen Reise und die Tage am Garether Hof haben ihm nicht viel über Etikette beigebracht.

Der Fürst nickt freundlich. Cuilyn hat wohl den richtigen Ton getroffen.

Lauriel bedankt sich ebenfalls. Sie ist schon auf den wahren Grund gespannt, warum sie erst mit nach Havena und dann doch nicht in die Stadt sollen.

Es klärt sich alles auf.

Im Gutshof werden die Gefährten von einer dicken, rotwangigen Haushälterin begrüßt. Nachdem die Zimmer bezogen sind und sich alle den Reisestaub abgewaschen haben wird den Vieren das Abendessen serviert - gutes Essen, so wie man es für sich selbst als Alltagsessen wünscht.

Ouroborox spricht dem Essen mit enormen Appetit zu. Kurz blitzt ein breites Grinsen auf dem Gesicht der Haushälterin auf, als sieht wie oft Ouroborox nach dem Essen langt. Es könnte auch sein, dass sie fast keine Erfahrung hat mit Zwergen und deren Fähigkeiten Unmengen an Essen und Trinken zu sich zu nehmen.

Lauriel lässt es sich ebenfalls schmecken, obwohl sie natürlich mit einem Zwerg nicht mithalten kann.

Nach dem Essen werden Lauriel, Cuilyn, Ouroborox und Banjew in den Salon gebeten, wo sie von Hauptmann Eelko antreffen. Und ist noch jemand. Ein weißhaariger und -bärtiger Mann, der in eine himmelblaue Seidenrobe gekleidet ist. In seiner Hand hält er einen polierten Stab - aus Ulmenholz, das sieht Banjew sofort.

"Darf ich Euch Magister Relef vorstellen?" Eelko weist auf den blau gekleideten, der den Neuankömmlingen freundlich zunickt, und dann gleich seine Hand abwehrend hebt. "Nein, ich will Eure Namen und Herkunft nicht wissen. Was ich nicht weiß, kann mir nicht entrissen werden."

"Och, dann nicht." es scheint, dass Ouroborox enttäuscht ist über die schroffe Anweisung nichts zu erzählen. Nicht das er viel reden wollte, aber wenigstens seinen Namen sollten doch alle kennen.

Bei Ouroborox wurden muss die Elfe kichern. Aber was soll es, wenn der Wrá - denn um einen solchen scheint es sich wohl zu handeln - die Namen nicht wissen will, dann eben nicht.

Banjew ist alarmiert. Droht ihnen eine Gefahr? Wenn sogar ein erfahrener Magister Angst hat, auch nur ihre Namen preisgeben zu können?

"Warum sorgt Ihr Euch? Droht Euch Gefahr? Droht uns Gefahr? Droht uns allen Gefahr? Und wenn ja, warum?" kann sich Banjew nicht beherrschen. Sein Interesse ist bereits geweckt.

"Nun, es gibt eine Plage in Aventurien, die wie ein Geschwür wuchert, und die auch das Mittelreich bedroht: die Sklaverei. Zumindest ist das die Überzeugung unseres hochverehrten Fürsten, und es ist sein dringendes Bestreben, dieser Pest zumindest in seinem Einflussbereich ein Ende zu setzen", beginnt der Magister.

Cuilyn nickt dazu zustimmend. Aber ist auch erstaunt, dass es im Mittelreich Sklaverei geben soll.

"Ja, lass uns diese Pest ausräuchern!" stimmt Ouroborox zu.

"Ach, deshalb waren Euch diese Fragen zur Sklaverei so wichtig", meint Banjew erleichtert zu Eelko, als sich ihm plötzlich die Zusammenhänge erschließen.

"Da der Fürst es für sinnlos hält, einzelne Sklavenhalter zu verfolgen, hat er den Plan gefasst, die gesamte Organisation des Händlers Pokallos, der größte Sklavenhändlers Aventuriens, zu zerschlagen. Dazu muss zunächst die Struktur der Organisation - Transportwege, Verbindungsmänner, Umschlagplätze und so weiter - ausgekundschaftet werden. Und so sucht Durchlaucht nun eine Gruppe von Leuten, die bereit sind, sich auf dem Sklavenmarkt von Al'Anfa von Pokallos ersteigern zu lassen. Diese Leute sollen während der Reise in Aventuriens Nordwesten Augen und Ohren offen halten. Sobald sie in die Nähe von Havena kommen, werden sie von unseren Gardisten befreit, falls es ihnen nicht aus eigener Kraft gelingt, den Sklavenhändlern zu entkommen", fährt Relef fort. "Und der Hauptmann glaubt, dass ihr die Richtigen für die Aufgabe seid."

Lauriel ist sprachlos. Da retten sie den Schwiegersohn des Fürsten, um dann schnell aus Gareth abgeschoben werden und nun noch das. Als Sklaven verkauft werden, das ist doch die Höhe!

"Wie sollen uns also einschleusen lassen und dann die Organisation von innen kennenlernen", fast Banjew den Plan zusammen. "Hmm, schön und gut, aber wieso seid Ihr Euch so sicher, dass wir überhaupt wieder hierhin zurückkommen? Ich meine gehört zu haben, dass Sklaven sich für gewöhnlich ihren Herrn nicht aussuchen können … was, wenn wir schnell weiterverkauft werden, bevor wir überhaupt Gelegenheit haben, die Strukturen zu erkunden? Und wie sollen wir als WARE überhaupt genaueres herausfinden? Meine Familie jedenfalls hat ihre Handelsware für gewöhnlich nur gut verstaut transportiert. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein goldgieriger Zwerg das anders handhabte, nur weil er lebende Ware transportiert. Wäre es nicht sinnvoller, würden wir uns als Mitarbeiter bei diesem Händler verdingen?"

"Pokallos ist der, der Nord- und Mittelaventurien mit Sklaven versorgt. Er hat da fast ein Monopol drauf", erläutert Hauptmann Eelko. "Wir werden Euch natürlich, so gut es geht, aus der Ferne überwachen. Sklaven werden beim Transport sehr pfleglich behandelt. Ansonsten ist ihr Wert zu stark gemindert." Eelkos Miene verfinstert sich. "Wir haben keine Möglichkeit gefunden, jemanden bei ihm als Mitarbeiter einzuschleusen."

"So gut es geht, keine Möglichkeit gefunden …" murmelt Banjew vor sich hin und schüttelt leicht den Kopf. Er hat ein schlechtes Gefühl bei der Sache, und das beschleicht ihn immerhin schon, seit sie Gareth verlassen haben. 'Wieso sind wir uns eigentlich so sicher, dass der Fürst nicht doch mit in der Verschwörung steckte und uns jetzt loswerden will?'

"Das heißt, Ihr begleitet uns? Ihr solltet aber wirklich in der Ferne bleiben. Sonst fällt es auf und alles war umsonst."

"Kommt gar nicht in Frage!" Ouroborox ist über das Ansinnen des Magisters entsetzt. "Ohne Bier und Braten halte ich das nicht lange durch." Dabei streicht er schon fast zärtlich über seinen Bauch, der aber ehrlicherweise mehr aus Muskeln als auch Fett besteht.

"Was passiert wenn wir nicht nach Havena kommen? Oder es den Gardisten nicht gelingt uns zu befreien?" verzweifelt schaut er auf die Reaktion seiner Freunde.

"Ich habe euch in Gareth kennengelernt, und es ihr habt in Warunk Unrat beseitigt. Ihr seid klug, findig, und ihr habt offensichtlich ein wesentliches Talent: Überleben", schaltet sich Hauptmann Eelko in das Gespräch ein. "Ich bin sowieso sicher, dass ihr euch selbst befreien könnt, wenn ihr alles ausgekundschaftet habet. Das mit dem Befreien durch die Garde ist sowieso nur Plan B."

"Ich will ja nicht unken, aber das mit dem Überleben ist so eine Sache, denn wenn man einmal versagt, versagt man ziemlich dauerhaft …" sinniert Banjew. An sich ist er ja interessiert, aber der Plan scheint ihm doch nicht ganz durchdacht zu sein.

"Ein toller Plan - aber wer sagt, dass dieser Pokallos uns wirklich ersteigert. Wenn jemand anderer dabei ist, der mehr Geld hat, dann kommen wir vielleicht auf eine Schwarze Galeere oder in eine Sklavenplantage."

'Und gar nicht zu denken, was sie mit einer schönen Elfe wie Lauriel machen würden …' besorgt schaut er Lauriel an, die an seiner Seite steht.

Hauptmann Eelko winkt ab. "Das haben wir schon geklärt. Ihr würdet dann zum Verkauf angeboten werden, wenn Pokallos anfängt zu kaufen. Wenn er einkauft, halten sich alle anderen zurück. Selbst als Sklavenhändler verscherzt man es sich in Al'Anfa nicht gern mit dem Zwerg Pokallos."

Ouroborox ringt sichtlich um Fassung. Ein Zwerg, jemand aus seinem Volk! Und dann auch noch der Anführer eines großen Sklavenrings.

Die Umstehenden vernehmen sein Grummeln, "Zu Brei zerquetsch ich die Ausgeburt! Wie kann ein Zwerg nur so tief fallen?"

"Ein Zwerg?!" Auch Banjew ist verblüfft.

"Ja, ein Zwerg", bestätigt der Magister.

"Ein Zwerg!" ist auch Cuilyn erstaunt.

"Und er kauft uns alle gemeinsam? Was ist, wenn ihm einer von uns nicht gefällt und wir getrennt werden? Oder wenn ihm jemand von der Gruppe so gut gefällt, dass er ihn als persönlichen Sklaven bei sich behalten will?" Dabei wirft er wieder einen besorgten Seitenblick auf Lauriel.

Lauriel steht immer noch wie erstarrt neben den Gefährten - sie ist zu keiner Aussage fähig.

Hauptmann Eelko schaut Lauriel in die Augen. "Warum hast Du Dich in Warunk in Gefahr begeben, warum in Gareth?" will er wissen.

Mit unergründlich tiefen eisblauen Augen schaut ihn Lauriel fest an. "Was wissen wir den schon von Gefahren?" fragt sie abwesend. "Wenn es der Strom des Kahrjanda so will, dann gehen wir ins Licht. Ich habe schon mehr gesehen als Du in Deinem Leben sehen wirst, Kurzlebiger."

Sollte es ihr Schicksal sein mit Cuilyn als Sklaven zu sterben, so ist sie bereit diesem Schicksal mit Freude zu folgen.

"Das lässt sich leicht regeln, auch wenn Pokallos sowieso immer in Mengen einkauft. Ihr werdet einfach als Gruppe angeboten", erklärt Eelko. "Der Zwerg handelt mit Sklaven. Für sich selbst nimmt er nur Söldner. Aber es ist klar: Ohne Risiko ist die Sache nicht."

"Warum nehmt Ihr das Risiko nicht auf Euch?" ist Lauriel einzige Frage.

"Eine vernünftige Frage", schnauft Hauptmann Eelko. "Wir sind uns sicher, dass es in Havena Agenten des Zwerges gibt. Ich bin bekannt, und die Gardisten ebenfalls. Außerdem haben Sklavenhändler einen siebten Sinn, was Gardisten in zivil betrifft. Ihr seid hier im Westen und auch im Süden unbeschriebene Blätter, aber ganz bestimmt keine Gardisten."

"Dann sollten wir etwas dafür tun, dass das Blatt beschrieben wird …"

"Meinst Du wirklich? Sollen wir die Gefahr auf uns nehmen? Es wäre für eine gute Sache. Wenn ich denke, dass es hier im Mittelreich Sklaven gehalten werden! Wir könnten sie befreien, wir könnten verhindern dass noch viele andere wie sie enden …"

Ja, gemeinsam mit seinen Freunden und an der Seite von Lauriel würde er es wagen.

Fragend schaut er nun auch zu Banjew hinüber: "Was meinst Du - wie ist das überhaupt mit Magiern als Sklaven? Werden die in Eisen gelegt?"

"Ich hielte es nicht für sinnvoll, würde ich mich als Magiekundiger zu erkennen geben … es dürfte uns sowieso schwer fallen, überhaupt andere Waffen als die bloße Magie mitzuführen, und Lauriel wird ihre Abstammung kaum verbergen können, oder? Andererseits weiß ich nicht, ob ich dann überhaupt einen Warenwert hätte …" spielt Banjew auf seine immer noch nicht sonderlich üppige körperliche Konstitution an.

"Als Magiekundiger wirst Du besonders wertvoll sein. Deine Siegeltätowierung lässt sich ja nicht verbergen", bemerkt Relef. "Dich und die Elfe wird man nicht auf den Feldern verschwenden."

"Zumindest kurzfristig schon. Kleidung soll da wahre Wunder wirken, habe ich mir sagen lassen", meint Banjew mit sarkastischem Unterton. Nein, irgendwie kommt ihm das wirklich nicht durchdacht vor.

"Du könntest immer noch als Schreiber oder etwas ähnliches verkauft werden", antwortet Lauriel, "Ich aber immer nur als Elfe …"

"Ich kann mir immer noch nicht vorstellen, dass das wirklich ein Geschäft ist - dass es im Mittelreich Leute gibt, die Sklaven kaufen und halten. Was sind das für Menschen? Göttergefällig können sie nicht sein. Und zumindest den Nachbarn sollte doch etwas auffallen …"

Cuilyn verstummt - Sklaverei im Mittelreich, das passt einfach nicht in seine Welt.

"Tja, so ist die Welt." Besseres fällt dem Magister offensichtlich nicht ein.

Nach kurzer Zeit fragt er noch weiter: "Wie lange brauchen wir überhaupt bis nach Al'Anfa? Fahren wir mit dem Schiff hin?"

"Je nach den Winden sind es zwei bis drei Wochen nach Al'Anfa mit dem Schiff. Und das werdet Ihr nehmen, so Ihr Euch für das Abenteuer entscheidet." Hauptmann Eelko schaut hoffnungsfroh.

Lauriel schaut Cuilyn fragend an. Haben sie denn eine Wahl?

Cuilyn schenkt Ihr ein verzwicktes Lächeln - er ist noch nicht überzeugt, dass alles so wie geplant laufen wird. Der Magier stellt das alles so leicht dar, aber es gibt zu viele unbekannte Details, die den Plan über den Haufen werfen könnten.

Aber der Magier hat recht - sie haben schon viel überstanden und wenn er Lauriel so ansieht, hat er das Gefühl, dass er alles schaffen könnte. Er nimmt ihre Hand und drückt sie fest. "Wenn Du es willst, dann machen wir es. An Deiner Seite gehe ich bis ans Ende der Welt."

Ouroborox schaut der Reihe nach seine Freunde an. Was bleibt ihnen denn anderes übrig, als mitzumachen um die üblen Machenschaften zu beseitigen.

"Gut! Sterben werden wir so oder so. Lasst uns also noch ein paar dieser Seelentöter in Borons Reich schicken! Und den Abschaum eines Zwerges als ersten."

"Genau das ist es, was mir an dem Plan nicht gefällt. Wir begeben uns in die Fänge des Löwen und entledigen uns all unserer Waffen und Vorteile." Banjews Stimme ist laut und fest. "Und irgendwie sollen wir da dann schon wieder raus kommen. Aber keiner weiß so genau, wie das gehen soll. Ich fühle mich nicht sehr wohl dabei, den Köder zu spielen, denn Köder überleben ihre Aufgabe in der Regel nicht!"

"Ja und? Es ist nicht das erste Mal." kontert Ouroborox. "Außerdem sind wir nicht ohne Waffen. Ich habe Hände, die auch ohne Prügelstock gut zuschlagen können. Weiter haben wir noch unsere wichtigste Waffe: Unseren Kopf. Als Vorteil auf unserer Seite wäre die Entschlossenheit und dass uns niemand kennt."

Banjew schüttelt den Kopf, sagt aber zunächst nichts. Offenbar ringt er mit sich selbst.

Nach einer Weile fügt Ouroborox noch hinzu, "Erledige, was du schon immer machen wolltest. Dann verabschiede dich von der Welt und auf zum Zerschlagen von Pokallos."

"Genau das meine ich!" ruft Banjew, die Arme dabei ruckartig in die Luft erhebend. "Seid ihr denn alle des Wahnsinns fette Beute?! Der 'Plan' verdient es doch nicht einmal als Plan bezeichnet zu werden! Das ist doch mehr als ein Selbstmordkommando! Wenn es euch zu Boron drängt, gibt es einfachere Wege!"

"Der Unterschied zu einem normalen Köder ist, dass ihr ungeahnte Fähigkeiten habt, sonst hätte euch der Hauptmann nicht ausgewählt. Ihr seht, wir spielen mit offenen Karten", fasst Relef zusammen. "Nun, wie ist es, schlagt ihr ein? Wenn nicht, könnt ihr diesen Raum unbehelligt wieder verlassen. Ich müsste allerdings durch einen kleinen Zauber eure Erinnerung an die letzte Stunde löschen. Beratschlagt in aller Ruhe! Ich weiß, dass euer Entschluss sehr viel Mut erfordert - Mut, den nicht jeder hat. Was ich im übrigen niemandem vorwerfen würde …"

Relef und Eelko erheben sich und verlassen den Raum.

Banjew ist zunächst verblüfft, wie sich die beiden durch Rückzug jeglicher Diskussion des Plans verweigern, dann verärgert. "Ja, zum Henker nochmal! Bin ich hier denn der einzige, der sich nicht sehenden Auges in einen ebenso gefährlichen wie plumpen Plan stürzen will?!" platzt es aus ihm heraus.

"Ja, es ist gefährlich. Aber wir werden doch nicht gleich sterben. Wie der Magier gesagt hat - wir sind als Sklaven etwas wert. Umbringen werden sie uns nur, wenn sie herausfinden, dass wir mehr als normale Sklaven sind. Ansonsten ist die Gefahr, dass wir nicht zu diesem Zwerg kommen, sondern doch auf eine Galeere. Das ist es, was mich an dem Plan noch stört. Aber der Magier kenn sich besser aus. Auf dem Weg nach Al'Anfa wird er uns den Plan sicher noch genauer erklären."

Und wieder einmal ist Banjew irritiert, was allerdings auch dazu führt, dass er sich etwas beruhigt. "Ach, hat er gesagt, dass er mitkommt?"

"Wie will er das sonst alles organisieren? Er muss uns auf den Markt bringen, und er hat gesagt, dass sie den Zeitpunkt bestimmen werden, zu dem wir versteigert werden. Dazu muss jemand dort sein, der dafür sorgt."

"Aber vielleicht nicht gerade jemand so auffälliges wie ein Magier …" wirft Banjew ein.

"Dann müsste ich es überhört haben - ich denke nicht. Wenn die halbe Fürstenbelegschaft bei dem Sklavenhändler bekannt ist, wäre es sehr unklug, wenn wir gemeinsam mit ihnen in Al'Anfa auftauchen …"

Cuilyn hält inne. Banjew ist doch derjenige, der am besten ist, wenn es ums Verstehen von komplizierten Verhältnissen geht. Wenn er Bedenken hat, dann ist sicher etwas dran.

"Naja, ich will Dich nicht überreden. Ich bin dafür, weil wir damit vielen Leuten helfen können. Aber wenn Du den Plan nicht gut findest ist sicher was dran. Vielleicht können wir nochmal mit Hauptmann Eelko reden und einen neuen Plan machen."

Banjew atmet erleichtert auf. Endlich hat jemand überhaupt verstanden, dass es ihm um den Plan geht, nicht um die Frage, ob der Sklavenhändler überhaupt zur Strecke gebracht werden soll. 'Ich dachte schon, ich wäre von lauter Ignoranten umgeben.'

"Nachdem die beiden uns einfach allein gelassen haben, obwohl ich deutlich auf meine Bedenken hinwies?" antwortet er aber mit immer noch wenig versöhnlich klingender Stimme. "Fassen wir doch nochmal das ganze zusammen: Erstens sind wir uns glaube ich einig, dass dieser Zwerg gestoppt werden muss. Zweitens haben uns Hauptmann Eelko und der Magister Relef einen Plan vorgeschlagen, der offenbar nur mir etwas zu simpel erscheint."

"Ich finde auch nicht alles so gut daran. Aber wir wissen noch nicht alle Details. Die erzählen sie uns aber wohl erst, wenn wir zustimmen."

"Dann hätten sie das sagen sollen!" ereifert sich der Magier.

"Drittens sind sie offenbar nicht bereit, den Plan überhaupt zu diskutieren. Was, viertens, bedeutet, dass wir allenfalls als Handlanger angesehen werden, die einen Auftrag ausführen.

So, eigentlich dachte ich, wir hätten längst bewiesen, dass wir mehr als nur Handlanger sind. Deswegen hätte ich gern über den Plan geredet, vielleicht auch eigene Ideen eingebracht, aber das wurde ja völlig abgeblockt. Ich sage euch jetzt, was daher meine eigentliche Befürchtung ist: Wir sollen möglichst weit weg aus dem Mittelreich geschafft werden, weil wir zu viel wissen. Uns einfach umzubringen und zu verscharren, ist zu stillos für die Mächtigen. Ihr habt ja gesehen, dass dem Rabenmund nach außen nichts erkennbares zugestoßen ist. Aber als Sklave zu enden, kommt dem Tod schon relativ nahe. Wer sagt uns eigentlich, dass der Fürst uns aus reiner Menschenfreundlichkeit mitgenommen hat? Sind wir uns eigentlich sicher, dass der Koch - wie war doch gleich sein Name? - nicht die wahre Motivation der Verschwörer genannt hat, dass der Fürst seine Tochter gar nicht an den Prinzen verheiraten wollte - und wir ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht haben? Ich will nicht sagen, dass es sicher so ist - aber wir wissen es nicht besser, und das Verhalten aller Beteiligten ist schon merkwürdig."

Banjew verschränkt die Arme vor der Brust und blickt in das Rund der Gefährten.

Cuilyn ist sehr überrascht, als er das hört. In diese Richtung wäre ihm nie ein Gedanken gekommen. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Fürst auch ein Verschwörer ist. Er ist ein enger Freund von Raidri Conchobair. So ein großer Held würde sich doch nicht mit zwielichtigen Leuten umgeben. Wenn er die Hochzeit nicht will, könnte er doch einfach ablehnen."

"Die Ränkespiele der Mächtigen sind nicht so geradlinig, wie wir uns das vorstellen", meint Banjew nachdenklich. "Das ist mir in Gareth endgültig klar geworden." Mehr sagt er nicht, der Name Conchobair hat ihn - wieder einmal - aus dem Konzept gebracht. Offenbar gibt es doch noch Dinge, die er nicht weiß …

Cuilyn weiß deutlich mehr als er selbst über Raidri Conchobair, dessen ist sich Banjew bewusst.

Cuilyn wird auch immer unsicherer und lässt sich von Banjew anstecken. "Vielleicht reden sie nochmal mit uns, wenn wir ihnen unsere Bedenken sagen. Ich glaube, sie sind nur rausgegangen, damit wir in Ruhe untereinander reden können."

Aber auch Banjew ist sich unsicherer geworden. 'Warum hätte uns Eelko so intensiv über Sklaverei aushören sollen, wenn es nur darum gehen würde, uns loszuwerden?' fragt er sich, dabei an die Decke starrend. 'Es war ihm wirklich wichtig, da bin ich mir sicher. Vielleicht hat Cuilyn recht, und es ging bisher tatsächlich nur um unsere grundsätzliche Zustimmung. Aber das hätte man uns doch sagen können!'

"Vergiss Pläne! Wenn es den Göttern gefällt, dann läuft es sowieso ganz anders." entgegnet Ouroborox.

Banjew ignoriert Ouroborox Einwand völlig.

"Genau", meint auch Lauriel. "Du willst doch auch gegen den Zwerg angehen. Und wir sind doch klug genug, um uns einen Plan zurecht zu legen. Oder glaubst Du wirklich, dass wir noch nein sagen können?"

"Das ist, was ich befürchte", sagt Banjew mit düsterer Miene.

"Also wenn wir schon keine Chance haben, dann sollten wie sie nutzen!" meint Lauriel optimistisch.

Zustimmend nickt Cuilyn. Banjews Bedenken haben ihn verunsichert, aber mit diesen Gefährten an der Seite hat er schon viel bestanden und es sollte zu schaffen sein. Wer nichts wagt, der gewinnt auch nichts.

"Wir machen es alle zusammen oder gar nicht, das ist mal klar. Also Banjew, bitten wir Eelko und den Magier nochmal rein, dass sie uns alles genau erklären. Aber wenn der Plan besser wird, dann bist Du auch dafür, oder?"

"Ich habe Durst!" ist der einzige Kommentar von Ouroborox.

"Hast Du den denn nicht immer?" fragt Lauriel den Zwerg.

"Nein, manchmal brauch ich auch was zum Trinken." antwortet Ouroborox mit komplett unschuldiger Mine.

Die lange Unentschlossenheit seines Freundes beginnt ihn langsam zu nerven. 'Müssen die Kurzlebigen immer so ein Theater machen.'

Cuilyn schaut in die Runde: "Wollt Ihr oder besser nicht? Es ist gefährlich. Aber denkt, wie viele unschuldige Leute wir vor ihrem Schicksal als Sklaven retten könnten. So jemandem wie diesem Zwerg gehört das Handwerk gelegt!"

"Ich schließe mich Dir an! Egal wie Du Dich entscheidest!" entscheidet die Elfe.

"Keine Frage, aber vielleicht doch mit einem etwas durchdachteren Plan als 'wie liefern uns aus und sehen zu, ob wir auch wieder zurückkommen'!" Banjews Gesichtsfarbe wird allmählich kräftiger, und ein genauer Beobachter könnte seine zur Faust geballten Hände leicht zittern sehen.

So gehen seine Gedanken hin und her, während er weiter an die Decke starrt. Seine Gefährten könnten meinen, er wäre zu Stein erstarrt.

Banjew lässt noch einmal die letzten Jahre vor seinen inneren Augen Revue passieren. Nur einmal ist der gegen seinen Willen in ein Abenteuer geradezu gezwungen worden. Das war damals im Schwarzen Keiler. Danach, im Schwarzen Schiff, im Tempel der Sieben Magischen Kelche, unter Lysiras Nordlicht, in der Hexennacht, im Warunker Untergrund und auch während des Turniers in der Kaiserstadt, hat er immer wieder sein Leben aus freien Stücke aufs Spiel gesetzt - aus Neugier und aus Ehrgefühl.

Gerade aus diesem Ehrgefühl kann er es nicht zulassen, dass die Aktion gegen Pokallos scheitert. Er fürchtet nicht um sein Leben, er fürchtet, dass der Plan scheitert, fühlt, dass er scheitern muss - wenn er überhaupt geplant ist, um zu gelingen.

Gelernt haben er und seine Gefährten unendlich viel in ihren Abenteuern. Und sie sind dabei, bekannt zu werden in Aventurien. In ein paar Jahren werden sich die Menschen und andere ihre Abenteuer am Kamin und am Lagerfeuer erzählen. Was wird das für eine Geschichte: Wie Banjew und seine Freunde als ein paar Sklaven den Sklavenhändler Pokallos aufs Kreuz legten.

Andererseits kommt es ihm nicht so vor, als ob diese Auftraggeber ihren Status würdigten. Sie sollen einen vorgefertigten Plan ausführen. Haben sie nicht bewiesen, dass sie in der Lage sind, selbständig zu handeln? Er fühlt sich gegängelt.

Banjew ist ist kein Akademiezauberer, wird es nie einer sein. Er lernt aus dem Leben, und wahrscheinlich wird er in dem Abenteuer, dass sich ihm hier bietet, wohl ähnlich viel Erfahrung sammeln, wie in allen Abenteuern zuvor zusammen. Und er hat immer seine Magie, im Gegensatz zu Ouroborox und Cuilyn, die sich ohne ihre Waffen in viel größere Gefahr begeben.

Doch es gehört auch zu den Dingen, die er gerade erst gelernt hat, dass man sich nur auf sich selbst und seine Gefährten verlassen kann, nicht aber auf Außenstehende.

Es reizt ihn ohne Frage, auch den tiefsten Süden kennenzulernen, und dann noch auf Kosten eines Fürsten. Wenn er dabei auch noch einen Sklavenhändler zur Strecke bringen kann, um so besser. Und vielleicht stimmt es ja, was Cuilyn sagt, dass es noch gar nicht um die Details des Planes ging, sondern nur um ihre grundsätzliche Zustimmung. Dann wäre er halt schon einen Schritt weiter gewesen.

Nach einer Weile des Grübelns, in der er gar nicht mitbekommt, dass Cuilyn schon auf die Suche nach Hauptmann Eelko und Magister Relef gegangen ist, wendet er sich wieder an seine Gefährten: "Vielleicht habe ich da was missverstanden. Ich dachte, es wäre längst klar, dass wir diesen schändlichen Zwergen zur Strecke bringen wollen?"

"Ja, dass ist klar!" antwortet Lauriel knapp. "Und, meine Freunde, ich denke, wir schaffen das!"

Dabei geh Cuilyn schon mal zur Tür, um nachzusehen, ob die anderen draußen warten.

Draußen warten wirklich der Magister und Hauptmann Eelko. "Habt ihr euch entschieden?" fragt Relef freundlich.

Lauriel stupst Cuilyn in die Seite. "Red Du!" raunt sie ihm zu.

Cuilyn hat schon Luft geholt, um die beiden anzusprechen, als Lauriel ihn in die Seite stößt. Er schnauft kurz aus und setzt dann von neuem an: "Ja, wir wollen den Sklavenhändler zur Strecke bringen, aber es gibt noch einige Fragen zum Plan. Seid bitte so freundlich, noch einmal hereinzukommen und diese Fragen zu klären."

Dabei tritt er zur Seite, um den anderen Zutritt zu gewähren.

Die beiden setzen sich wieder auf Ihre Sessel. "Welche Fragen habt Ihr denn?" will Eelko wissen. "Alles, was vor dem Angriff geklärt werden kann, soll man klären."

Cuilyn folgt ihnen in den Raum und macht die Tür wieder zu. Er setzt sich ebenfalls an den Tisch und schaut Banjew auffordernd an.

Lauriel lässt sich stumm neben ihrem Freund nieder und greift unter dem Tisch nach seiner Hand. Bei der Entscheidung will sie sich seiner Nähe vergewissern.

Ouroborox sitzt nach wie vor ruhig auf seinem Stuhl, fast könnte man meinen er würde schlafen. Der Blick in seine offenen Augen zeigt, dass dem nicht so ist.

"Wieso seid Ihr so sicher, dass wie wieder hier im Norden landen, wenn unsere Aufgabe ist, überhaupt erst die Struktur der Organisation herauszufinden? Und wieso meint Ihr, wir würden überhaupt genug von der Struktur der Organisation", Banjew betont diese Worte auf merkwürdige Weise, "kennenlernen, wenn wir als Sklaven unterwegs sind? Was wisst Ihr über diese Organisation bereits und welches Wissen sollen wir ergänzen?" Der junge Magier kann nur schwer ein gewisses Misstrauen verbergen. Noch ist er nicht überzeugt davon, dass hier ehrliche Absichten im Spiel sind, auch wenn er vom Gegenteil auch nicht gerade überzeugt ist.

"Pokallos ist bekannt dafür, dass er den aventurischen Norden versorgt", erläutert Relef geduldig. "Wir wissen aber nicht, auf welchem Weg er seine Sklaven in den Norden bringt. Das könnt ihr als Ware sehr gut herausbekommen. Auch Übergabepunkte könnt ihr so am besten erkunden. Und ihr werden auch die Personen kennenlernen, die euch übernehmen. Falls ihr wider Erwarten im Süden bleibt, flieht ihr sofort. Wir werden euch zu dem Behufe mit Fesseln ausstatten, die ihr mit dem richtigen Handgriff selbst lösen könnt."

Das macht nun auch Ouroborox stutzig. "Das Wege erkunden ist nicht so schwer, genauso wie Leute merken, aber was passiert, wenn die Fesseln gewechselt werden?"

"Dann kann Banjew sie auf zaubern, oder?" versucht Lauriel das Argument zu entkräften.

"Das kommt auf die Fesseln an …" meint Banjew nur lakonisch.

Relef nickt. "Ihr werdet in dem Fall sicher einen Weg finden, euch zu befreien. Und warum sollten Fesseln gewechselt werden?"

"Wieso haben sie das denn nicht gleich gesagt", brummelt Banjew sich beinahe unhörbar in den Bart.

"Das heißt, einer vor Euch spielt den Verkäufer? Und wer wird das sein? Ihr sagtet doch, dass Ihr zu auffällig seid."

"Wir haben glücklicherweise in Al'Anfa einen Gewährsmann gefunden, der den Verkauf für uns übernehmen kann", erklärt Eelko.

"Wer ist das und warum können wir ihm vertrauen?" fragt Banjew mit schärferem Ausdruck als gewollt. Deshalb schiebt er gleich hinterher: "Verzeiht mein Misstrauen, aber es macht den Eindruck, als müssten wir Euch die Details einzeln aus der Nase ziehen. Eure erste Schilderung des Plans wirkte auf mich, ehrlich gesagt, als würdet ihr weder uns noch diesen Pokallos ernst nehmen …" Während er spricht, hebt der Magier kurz entschuldigend die Hände.

"Lydios ist sein Name. Er ist dem Fürsten verpflichtet. Mehr darf ich leider nicht sagen." Relef schaut Banjew entschuldigend an. Er scheint Banjews Kritik zu verstehen.

"Wir dürfen also annehmen, dass sich der Fürst persönlich für diesen Lydios verbürgt?" will Banjew es mit deutlich ruhigerer Stimme genau wissen. "Und verstehe ich das richtig, dass unsere Aufgabe vor allem darin besteht, zu wissen, wo wir uns als "Ware" befinden, wohin wir uns bewegen und unter wessen Kommando der "Handelszug" steht, sowie nach einiger Zeit und in gelegener Gegend das Weite zu suchen? Dass es also Eure Aufgabe ist, uns da rein zu kriegen, alles weitere aber unsere Sache ist?"

"Bei meiner Ehre, der Fürst verbürgt sich für Lydios. Und im übrigen habt ihr eure Aufgabe, hervorragend beschrieben. Vielleicht nicht nur das Handelszugkommando, sondern auch die Agenten an Umschlagplätzen zu identifizieren. Das wäre wirklich nützlich", ergänzt Relef.

Banjew atmet deutlich hörbar aus. Das könnte Erleichterung, aber auch Überraschung, Erstaunen oder einen letzten Rest Verärgerung darstellen. "Dann", meint er in versöhnlichem Tonfall, "war das vorhin wohl alles ein großes Missverständnis, auch wenn ich nicht sagen kann, wodurch es zustande kam. - Also ist es beschlossene Sache, dass wir herausfinden, wer alles zu diesem Drecksgesindel gehört?" wendet er sich an seine Gefährten.

Lauriel blickt ihren Liebsten an - er wird die richtige Entscheidung fällen und sie schließt sich ihm an.

Cuilyn erwidert den Blick und drückt Ihre Hand. Gemeinsam werden sie die Gefahren meistern und wieder hierher zurückkehren.

"Wann würden wir denn aufbrechen?" fragt sie den Hauptmann. "Kommen wir vorher noch in die Stadt? Und was wird aus unseren Sachen? Und aus Fleckchen?"

"In den nächsten Tagen", erwidert der. "Wir müssen noch den Seetransport organisieren. Wenn ihr noch in die Stadt wollt, könnt ihr das gern tun. Eure Sachen könnt ihr mitnehmen und dann meiner Mannschaft überlassen, die alles für euch aufbewahren kann. Oder ihr last alles hier und holt es euch später wieder ab. Und hierher kommt ihr ja sowieso wieder, um euch eure Belohnung aus der fürstlichen Waffenkammer zu holen. Und den Schneedachs würde ich auch hierlassen."

"Wohin soll ich meine Sachen bringen?" ist die knappe Frage des Zwerges. "Und passt mir gut auf Rudolf und Ludmilla auf!"

Relef und Eelko schauen einander fragend an. Dann ergreift Eelko das Wort. "Klären wir noch!"

"Was schaut ihr so komisch?" fragt Ouroborox die beiden, die anscheinend nicht wissen wer bzw. was Rudolf und Ludmilla sind.

"Das hier ist Rudolf," dabei deutet er auf seinen Zwergenschlägel. Mit einem Fingerzeig zu seiner Armbrust ergänzt er, "Und das da ist Ludmilla."

"Aha!" ist die trockene Antwort der beiden.

"Ja! Und außerdem brauchen die beiden einmal die Woche Liebe und Zuneigung." ergänzt Ouroborox. "Aber was ich darunter verstehe, erkläre ich besser dem Waffenmeister."

Das versteht Eelko. "Die werden sie bekommen," erklärt er breit grinsend.

"Dann wäre es doch wohl besser alles bis auf das Nötigste gleich hier zu lassen - die Kaleschka wollt ihr ja nicht erst auf ein Schiff laden, oder? Und auf Fleckchen passt ihr auf? Ihr seit mir mit eurem Leben für sein Leben verantwortlich!" redet Lauriel weiter - und den letzten Satz, das merkt der Hauptmann, meint die sehr jung aussehende Elfe erst.

"So soll es sein!" Der Gesichtsausdruck des Hauptmanns macht deutlich, dass er Lauriels Ernst verstanden hat.

"Dann sollten wir die Sachen hier lassen und nur das allernotwendigste mitnehmen," meint Cuilyn. Besonders um die Rüstung und Waffen wäre es schade.

"Das denke ich auch. Vermutlich sind sie hier auch sicherer als irgendwo in der Stadt", stimmt Banjew seinem Freund zu.

"Werden wir die Herrin dieses Landguts kennenlernen? Es würde mich schon interessieren, in wessen Obhut wir unsere Dinge lassen." … und auch sonst wäre es toll, eine Patrizierin kennenzulernen.

"Wir werden sehen, was sich machen lässt", entgegnet Eelko. "Wir wollen eurer Aussehen und eure Namen so wenigen Personen wie möglich bekannt machen."

"Das scheint mir ein sehr sinnvoller Vorsatz zu sein", meint Banjew. "Andererseits denke ich, dass wir uns wohl kaum hier getroffen hätten, wenn die Hausherrin nicht über jeden Verdacht erhaben wäre, oder? Ihr kennt sie doch sicherlich schon lange und habt Gründe für das Vertrauen, das Ihr durch unseren Aufenthalt hier in sie setzen müsst?"

Eelko windet sich. "Die Hausherrin weiß noch gar nichts von eurem Besuch hier. Der Fürst wird es ihr wahrscheinlich morgen erst mitteilen."

Banjew hebt erstaunt die Augenbrauen, seine Lippen hingegen zucken, als ob er ein Grinsen unterdrücken wollte.

"Was habt ihr denn hier für Sitten?" fragt Lauriel erstaunt. "Wir wohnen in einem Haus, dass nicht dem Fürsten gehört und der Besitzer weiß es nicht? Darf euer Fürst eigentlich alles?

Wenn ja, wieso regt ihr euch dann über Sklaven auf?"

"Die Ohren des Hauptmannes röten sich langsam. "Es gibt da eine alte Übereinkunft zwischen der Familie Engstrand und dem Fürstenhaus, dass wir Gäste, die unauffällig bleiben sollen, auf einem der Patriziergüter einquartieren können. Die junge Patrizierin weiß bloß noch nichts von der Übereinkunft."

Da bricht es aus Banjew heraus, er muss herzhaft lachen. "Ihr seid mir ja ein Schelm!" ruft er aus. "Quartiert Ihr einfach einer Patrizierin unbekannte Gäste ein, und sie weiß nicht mal, dass Ihr das gelegentlich tun dürft!" Als seine Heiterkeit etwas abgeklungen ist, fügt er ernster hinzu: "Aber dass Ihr das so aufrichtig zugebt, ist der beste Beweis, dass wir uns auf Euch voll und ganz verlassen können." Banjew guckt dem Hauptmann ernst, aber freundlich direkt in die Augen. Eelko dürfte erkennen, dass der Magier nun bereit wäre, mit ihm Pferde stehlen zu gehen.

Hauptmann Eelko scheint nicht so recht zu wissen, ob er sich freuen oder beschämt sein soll. So beschränkt er sich auf ein: "Ja, äh, danke."

Cuilyn findet das auch komisch, aber er sagt nichts dazu. Wenn der Fürst es so eingeteilt hat, dann wird es schon in Ordnung gehen. Und auch das Personal hat nicht protestiert.

Außerdem werden sie nur einige Tage hier bleiben. Naja - andererseits lassen sie ihr Gepäck hier. Da wäre es schon besser, wenn die Hausherrin nichts dagegen hätte. So meint er nach einiger Zeit: "Wenn die Hausherrin es nicht so gerne sieht, dass wir hier sind, sollten wir auch unser Gepäck nicht hier lassen. Vielleicht könnt Ihr es zusammen mit der Kaleschka am Fürstenhof unterbringen."

"Ihr werdet die Hausherrin morgen treffen. Die Form sollte schon eingehalten werden. Und ich bin sicher, dass die Patrizierin nichts gegen euren Besuch hat und auch eure Besitztümer verwahren wird. In der Stadt gibt es zu viele Neugierige." Der Hauptmann scheint sich sicher zu sein. "Es versteht sich von selbst, dass ihr nichts über unsere weiteren Pläne erzählt. Wenn die Patrizierin insistiert, werde ich das Erklären übernehmen. Und es wäre sicher auch besser, wenn ihr nichts über die Verschwörung erzählt."